| Wallfahrt: | Marienwallfahrt, bereits im 14. Jahrhundert als Gnadenort überliefert; starker Wiederaufschwung nach der Pestüberlieferung von 1634. Historisch suchten besonders auch Mütter mit an "Fraisen" leidenden Kindern den Gnadenort auf. Heute unter anderem monatliche Fatima-Fußwallfahrten von Bad Ischl nach Lauffen an jedem 13. der Monate Mai bis Oktober. |
| Status: | Aktiver, historisch dokumentierter Wallfahrtsort. |
| Kultzentrum: | Etwa 1,26 m hohe gotische Marienstatue mit dem Jesuskind, als "Schöne Madonna" um 1400 eingeordnet; das gekrönte Gnadenbild steht im Zentrum des barocken Hochaltars. |
| Ort: | Lauffen, Stadtgemeinde Bad Ischl. |
| Bezirk/Region: | Traunviertel. |
| Bundesland: | Oberösterreich. |
| • | Lage: Marktstraße 49, 4820 Bad Ischl-Lauffen. |
| • | Lage in der SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Traunviertel |
| • | Ansicht in Street View |
| • | Web: Pfarre Lauffen |
| • | Öffnungszeiten: |
| • | Bilddokumentation |
| • | Ausführliche Beschreibung |
Lauffen liegt an einer jener Stellen des inneren Salzkammerguts, an denen Landschaft, Verkehrsgeschichte und religiöse Kultur besonders eng ineinandergreifen. Der Ort entwickelte sich an den Stromschnellen des sogenannten "Wilden Lauffen" zu einem wichtigen Umschlagplatz des Salzverkehrs auf der Traun und wurde bereits 1275 zum Markt erhoben. Für die Kirchengeschichte ist vor allem eine Urkunde von 1344 von Bedeutung: Darin wird die Marienkirche ausdrücklich als "vnser Vrowen chürchen" genannt, und den Lauffener Bürgern wurde gestattet, von jeder vorbeifahrenden Zille einen Salzpfennig für die Kirche einzuheben. Die selbstständige Pfarre entstand erst in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts; zuvor gehörte Lauffen kirchlich zu Goisern. Die Verbindung der Kirche mit dem Schiffsverkehr war damit schon im Spätmittelalter nicht nur räumlich, sondern auch wirtschaftlich unmittelbar gegeben.
Die heutige, Mariä Himmelfahrt geweihte Pfarr- und Wallfahrtskirche ist im Kern eine spätgotische, zweischiffige Hallenkirche aus der Mitte des 15. Jahrhunderts. Das Langhaus besitzt ein reich gegliedertes Rautensterngewölbe; südlich des Chores schließt eine 1456 errichtete, netzrippengewölbte Kapelle an. Der Westturm erhielt 1705 seine barocke Gestalt mit Zwiebelhelm. Die Ausstattung bewahrt mehrere Schichten der neuzeitlichen Kirchenausstattung: Die Seitenaltäre gehen auf 1637 zurück und wurden im 19. Jahrhundert verändert, der Altar der Seitenkapelle stammt von 1707, die Kanzel von 1737 und das schmiedeeiserne Eingangsgitter vom Ende des 17. Jahrhunderts.
Im Mittelpunkt des Hochaltars steht das eigentliche Kultzentrum von Lauffen, eine etwa 1,26 Meter hohe gotische Marienstatue mit dem Jesuskind. Das gekrönte Bildwerk wird kunsthistorisch in die Gruppe der "Schönen Madonnen" um 1400 eingeordnet und als Steinguss beschrieben. Der barocke Hochaltar entstand in mehreren Etappen: In der kunsthistorischen Literatur wird eine Stiftung von 1686 genannt und die Vollendung bis 1719 angesetzt; für 1719 ist in der lokalen Überlieferung außerdem eine bedeutende Zuwendung des Grafen Johann Friedrich von Seeau zur Anfertigung des Altars überliefert. Die Verbindung des mittelalterlichen Gnadenbildes mit einer barocken Altararchitektur entspricht der für viele ältere Marienwallfahrtsorte charakteristischen Neuinszenierung des Kultbildes in der Gegenreformation und im Barock.
Lauffen wird in der pfarrlichen Überlieferung bereits für das 14. Jahrhundert als besuchter Gnadenort bezeichnet. Einen besonders wichtigen Einschnitt bildet die Pestüberlieferung von 1634. Ein neuerer Kirchenführer gibt dazu Angaben aus dem alten Denkbuch der Pfarre wieder: Während der Zeit des Protestantismus sei die Wallfahrt weitgehend zum Erliegen gekommen; als 1634 in der Umgebung von Lauffen erneut die Pest auftrat, hätten sich die Bewohner des Marktes dem Schutz der Gottesmutter anvertraut und Tag und Nacht um göttliche Barmherzigkeit gebetet. Lauffen sei von der Seuche verschont geblieben, während sie ringsum gewütet habe. Diese als wunderbare Bewahrung verstandene Erfahrung habe auswärtige Hilfesuchende angezogen und die Wallfahrt neu belebt; die Menschen seien zum Dank, zur Bitte um Hilfe und zur Erfüllung von Gelübden gekommen. Für die historische Einordnung ist dabei wichtig, zwischen der im Pfarr-Denkbuch festgehaltenen religiösen Deutung des Geschehens und einem unabhängig medizinisch oder demographisch nachweisbaren Verschontbleiben des Ortes zu unterscheiden.
Für die Frömmigkeitsgeschichte besonders bemerkenswert ist ein heute kaum mehr bekannter Wallfahrtsanlass: Nach einer aus dem kirchlichen Umfeld überlieferten Erinnerung pilgerten in früheren Jahrhunderten besonders Mütter nach "Maria im Schatten", wenn ihre Säuglinge von den sogenannten "Fraisen" befallen wurden. Mit diesem historischen Sammelbegriff wurden schwere Krampfanfälle bei kleinen Kindern bezeichnet, die in einer Zeit ohne moderne medizinische Behandlung lebensbedrohlich sein konnten. Lauffen gehörte damit zu jenen Gnadenorten, an denen konkrete familiäre Notlagen, Angst um das Leben eines Kindes, Gelübde, Fürbitte und Dank eng miteinander verbunden waren.
Auch außerhalb der Kirche war die gefährliche Verkehrssituation am "Wilden Lauffen" religiös gedeutet. Auf der Goiserer Seite befand sich ein Stein, den die Traunschiffer als "Gottsnam-Stoa" bezeichneten; vor der Fahrt durch die gefährlichen Stromschnellen empfahlen sie sich dort dem Schutz Gottes. Dieser Brauch ist nicht mit der Marienwallfahrt gleichzusetzen, zeigt aber, wie stark die religiöse Alltagskultur der Gegend mit Salzschifffahrt, Gefahr und Schutzbitte verbunden war.
Ein materielles Zeugnis der volkstümlichen Marienverehrung hat sich im Volkskundemuseum Wien erhalten. Dort befindet sich aus der Sammlung Gustav Gugitz ein um 1900 entstandenes kleines Andachtsbild in Form einer Klappkarte mit dem Titel "Andenken an Maria Schatten in Laufen". Das gedruckte, kolorierte und beglimmerte Blatt zeigt das gekrönte Lauffener Gnadenbild und belegt, dass die Wallfahrt um 1900 auch über kleinformatige Andachtsgraphik vermittelt und in die private Frömmigkeit mitgenommen wurde.
Die Entstehung des Wallfahrtsortes wird in mehreren Legenden erklärt, die nicht als historische Nachrichten, sondern als religiöse Herkunftserzählungen zu lesen sind. Eine verbreitete Variante berichtet von einem Hirten oder Holzfäller, der die Marienstatue fand und an einen anderen Ort brachte. Das Bild sei jedoch wiederholt an seinen Fundort beziehungsweise an einen schattigen Platz zurückgekehrt. Erst als man diesen als den von der Gottesmutter selbst gewählten Ort erkannte, sei dort die Kirche errichtet worden. Die Erzählung erklärt zugleich volksetymologisch den Namen "Maria im Schatten".
Eine zweite Variante verbindet das Gnadenbild mit Erzbischof Thiemo von Salzburg. Er soll auf der Flucht vor Kaiser Heinrich IV. um 1100 eine Marienstatue in der Gegend verborgen und den Bau einer Kirche gelobt haben. Später sei das Bild von einem Hirten gefunden worden und ebenfalls auf wunderbare Weise an seinen ursprünglichen Platz zurückgekehrt. Eine historische Verbindung des heutigen, kunsthistorisch um 1400 datierten Gnadenbildes mit Thiemo lässt sich daraus nicht ableiten; die Erzählung gehört vielmehr zu einer weit verbreiteten Gruppe von Wallfahrtslegenden, in denen das wiederkehrende Kultbild selbst seinen Verehrungsort bestimmt.
"Maria im Schatten" ist kein bloß historischer Wallfahrtsort. Von Bad Ischl führt an jedem 13. der Monate Mai bis Oktober eine monatliche Fatima-Fußwallfahrt nach Lauffen. Die Pilger treffen sich am frühen Morgen bei der Stadtpfarrkirche Bad Ischl, gehen betend nach Lauffen und feiern dort die Messe. Daneben wird die Kirche weiterhin von Pfarrgruppen und anderen Pilgergemeinschaften aufgesucht; auch der oberösterreichische Weg "Wasserpilgern" führt auf seiner Etappe von Bad Ischl nach Obertraun ausdrücklich über die Pfarr- und Wallfahrtskirche Lauffen. Damit hat sich die ältere Marienwallfahrt in neue Formen des Fußpilgerns und regionaler Pilgerwege eingefügt, ohne ihre Funktion als lokaler Gnadenort zu verlieren.
- Patrick Ber, Rudolf Aitenbichler, Reinhard Feuchtner (Fotos): Wallfahrtskirche Maria im Schatten: Lauffen. Pfarramt Lauffen, Bad Ischl 2008.
- Erwin Hainisch, Kurt Woisetschläger u. a.: Dehio-Handbuch. Die Kunstdenkmäler Österreichs. Oberösterreich. 5. Auflage. Anton Schroll & Co., Wien 1971, S. 155.
- Friedrich Kienast: Heimatbuch des Marktes Lauffen. Lauffen 2005.
- Sepp Aitenbichler: Mariendarstellungen im Salzkammergut. Bad Ischl 2004.
- Volkskundemuseum Wien: Andachtsbild "Andenken an Maria Schatten in Laufen", Inventarnummer AÖMV/10185, Sammlung Gustav Gugitz, um 1900.
- Diözese Linz, Pfarrgemeinde Bad Ischl und Pfarre Lauffen: aktuelle Informationen zur Wallfahrt und zum kirchlichen Leben in Lauffen.
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Ergänzungen: Wolfgang Morscher
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