| Wallfahrt: | Regionale Blasiuswallfahrt und Verehrungsstätte; Patrozinium um den Gedenktag des hl. Blasius am 3. Februar mit Blasiussegen, traditionell auch Segnung von Brot und Salz. |
| Status: | Historisch belegte und bis heute kultisch lebendige Wallfahrtsstätte; Filialkirche der Pfarrgemeinde Pfarrkirchen bei Bad Hall. |
| Kultzentrum: | Verehrung des hl. Blasius von Sebaste, besonders am Hochaltar von 1715 und im Brauch des Blasiussegens. |
| Ort: | Adlwang, St. Blasien (historisch Prüherswang). |
| Bezirk/Region: | Steyr-Land / Traunviertel. |
| Bundesland: | Oberösterreich. |
| • | Lage: Grünburger Straße 117, 4541 Adlwang. |
| • | Lage in der SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Traunviertel |
| • | Ansicht in Street View |
| • | Web: Pfarrgemeinde Pfarrkirchen bei Bad Hall |
| • | Öffnungszeiten: Besichtigung nach Vereinbarung bzw. im Rahmen der Gottesdienste; die aktuelle Zugänglichkeit kann bei der Pfarrgemeinde Pfarrkirchen bei Bad Hall erfragt werden. |
| • | Bilddokumentation |
| • | Ausführliche Beschreibung |
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Besonders willkommen sind Außenansichten der Kirche mit dem benachbarten Mesnerhaus, Aufnahmen des spätgotischen Innenraums, des Hochaltarbildes des hl. Blasius, der Seitenaltäre, der Glasfenster und des gotischen Türbeschlags sowie Bilder vom Blasiussegen, von der Brot- und Salzsegnung, von Prozessionen, Votivgaben und anderen lokalen Bräuchen.
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Die Wallfahrtskirche St. Blasien liegt östlich von Bad Hall im Gemeindegebiet von Adlwang, gehört kirchlich jedoch nicht zur Pfarrgemeinde Adlwang, sondern als Filialkirche zur Pfarrgemeinde Pfarrkirchen bei Bad Hall. Diese Zugehörigkeit ist historisch gewachsen: Pfarrkirchen war bis in die josephinische Zeit die alte Mutterpfarre des Gebietes und umfasste neben Adlwang und Hall mehrere Filialkirchen. St. Blasien bildet mit dem unmittelbar benachbarten Mesnerhaus, dem sogenannten Blasenhaus, ein bis heute gut ablesbares kleines sakrales Ensemble in der Kulturlandschaft zwischen Pfarrkirchen, Bad Hall und Adlwang.
Für die Frühgeschichte ist eine wichtige Korrektur gegenüber älteren Darstellungen nötig. In einer historischen Untersuchung über den Raum Bad Hall wird bereits für 1298 eine Kapelle St. Blasien zu Prüherswang als Filiale der Pfarrkirche Pfarrkirchen genannt. Die verbreitete Überlieferung, nach der die Ritter von Rohr die Kirche um 1348 errichtet hätten, kann daher nicht das eigentliche Gründungsdatum des Kultortes bezeichnen. Ob sich diese Tradition auf einen Neubau, eine bauliche Erweiterung oder auf eine erst später entstandene Gründungslegende bezieht, lässt sich aus den derzeit greifbaren Quellen nicht sicher entscheiden. Auch die Erzählung von einem Ritter von Rohr, der auf der Flucht vor Feinden den Bau einer Kirche gelobt habe, gehört in den Bereich der lokalen Legendenüberlieferung und ist von der urkundlich fassbaren Geschichte zu trennen.
Der heutige Kirchenbau ist im Kern spätgotisch. Das einschiffige Langhaus umfasst zweieinhalb Joche und schließt in einem Dreiachtelschluss; das Netzrippengewölbe mit seinen rautenförmigen Sternfiguren prägt den Raumeindruck. Die Fenster besitzen spätgotisches Fischblasenmaßwerk, während die West- und Südportale neugotisch gestaltet sind. Über dem Dach sitzt ein hölzerner Dachreiter. Eine besondere Rolle spielen die restaurierten Glasfenster; sie wurden durch Farbtafeln ergänzt, deren gotische Vorbilder sich in der Gemäldegalerie des Stiftes Kremsmünster befinden und zum Teil ursprünglich aus St. Blasien stammen. Bemerkenswert ist außerdem der gotische Eisenbeschlag an der Tür zur Sakristei.
Die Ausstattung verbindet den spätgotischen Raum mit einer ausgeprägten barocken Schicht. Der Hochaltar ist für 1715 belegt und wird vermutlich dem Kremsmünsterer Stiftsbildhauer Johann Urban Remele zugeschrieben. Das Altarbild zeigt den Kirchenpatron Blasius nicht nur als Bischof, sondern greift auch Motive aus seiner Legendenwelt auf: dargestellt sind eine Kerze und eine Frau mit dem Schwein, das ihr nach der Überlieferung durch die Fürbitte des Heiligen zurückgegeben wurde. Die Gemälde der Kirche werden Mathias Auhuber aus dem nahen Bad Hall zugeschrieben. Die beiden Seitenaltäre kamen nach der älteren Beschreibung von ältere volkskundliche Literatur bereits 1708 aus der Pfarrkirche Pfarrkirchen nach St. Blasien. Eine umfassende Innen- und Außenrestaurierung erfolgte 1967 unter starker Mithilfe einer pfarrlichen Arbeitsgruppe; dabei wurden auch das Umfeld und das charakteristische Traufenpflaster aus Kopfsteinen des Blasenbaches erneuert. Die barocken Altäre wurden später fachgerecht restauriert.
Der eigentliche Wallfahrtscharakter der Kirche beruht auf der Verehrung des hl. Blasius von Sebaste. Blasius gehört seit dem späten Mittelalter zu den Vierzehn Nothelfern und wird besonders als Fürsprecher bei Halskrankheiten angerufen. Der heute weithin bekannte Blasiussegen mit zwei gekreuzten Kerzen knüpft an die Heiligenlegende an, nach der Blasius einen Menschen vor dem Ersticken an einer Fischgräte gerettet haben soll. Für St. Blasien ist dabei wichtig, zwischen allgemeinem Blasiusbrauchtum und der örtlichen Tradition zu unterscheiden: Das Hochaltarbild setzt einen anderen Legendenzug ins Bild, während der Segen selbst und die Segnung von Brot und Salz den lokalen Festbrauch prägen. Gerade diese Verbindung von Heiligenverehrung, Schutzsegen und gesegneten Lebensmitteln gibt der Wallfahrt ihren ausgeprägt volkskundlichen Charakter.
Die Verehrung lässt sich über längere Zeiträume verfolgen. Der Realschematismus der Diözese Linz verzeichnet zu Beginn des 20. Jahrhunderts Gottesdienste in St. Blasien an den Festen der Heiligen Blasius, Gallus und Leonhard; das Patrozinium wurde mit Predigt und Amt am Sonntag nach dem Blasiustag gefeiert. Damit erscheint St. Blasien nicht nur als gelegentlich benutzte Filialkirche, sondern als eigener kleiner Kultort im ländlichen Jahreslauf. Auch die volkskundliche Literatur bezeichnet St. Blasien ausdrücklich als Verehrungs- und Wallfahrtsstätte. Ältere volkskundliche Quellen dokumentieren für die Zeit um 1970 den Zustrom von Gläubigen aus der näheren Umgebung, unter anderem aus Ternberg, Sierning und Nußbach. Ihre Beobachtung, dass am Blasiustag besonders bäuerliche Besucher kamen und der Sonntag danach ein anderes Publikum anzog, ist als zeitgebundene volkskundliche Momentaufnahme aufschlussreich, sollte aber nicht unbesehen auf die Gegenwart übertragen werden.
Zum historischen Brauchbestand gehörten nach älterer volkskundlicher Überlieferung außerdem eine Flurprozession von Pfarrkirchen am Markustag, in der Region auch Marxentag genannt, sowie besondere Gottesdienste für Handwerker, Jäger und Imker. Die Hubertusmesse der Jägerschaft und Kirchenkonzerte werden auch in jüngeren örtlichen Darstellungen genannt. Entscheidend für die fortdauernde Kultkontinuität ist jedoch das Blasiusfest selbst: Die Pfarrgemeinde kündigt weiterhin ein Patrozinium in St. Blasien mit Festgottesdienst und anschließendem Blasiussegen an. Zugleich finden in der Filialkirche regelmäßig Gottesdienste statt. Damit ist St. Blasien keine lediglich historische Wallfahrtsstätte, sondern ein bis heute liturgisch genutzter Ort mit lebendiger Blasiusverehrung.
Volkskundlich ist St. Blasien auch deshalb bemerkenswert, weil sich hier auf engem Raum zwei sehr unterschiedliche Wallfahrtstraditionen gegenüberstehen. Die große Adlwanger Wallfahrt ist marianisch geprägt, während St. Blasien als kleiner regionaler Heiligen- und Schutzkult funktioniert. Die Segnung von Brot und Salz trägt den Segen aus dem Kirchenraum in den Alltag und in den häuslichen Bereich; der Blasiussegen richtet sich unmittelbar auf Leib und Gesundheit. Solche kleineren, stark regional verwurzelten Wallfahrtsstätten sind für die Erforschung religiöser Alltagskultur besonders wichtig, weil sich an ihnen weniger die großen überregionalen Pilgerbewegungen als vielmehr die langfristige Verbindung von Nachbarschaft, bäuerlichem Jahreslauf, Heiligenverehrung und lokaler Festpraxis beobachten lässt.
. Annemarie Schmölzer: Die Handwerkersiedlung Hall - Vorläufer des heutigen Bad Hall. In: Oberösterreichische Heimatblätter 38, Heft 3, 1984, S. 271-285. Realschematismus der Diözese Linz. Linz 1913, Abschnitt Pfarrkirchen bei Bad Hall, S. 218. Rudolf Fochler: Buchbesprechung mit Hinweis auf St. Blasien in Prüherswang. In: Oberösterreichische Heimatblätter 48, Heft 1, 1994, S. 90. Bundesdenkmalamt: Verzeichnis der unbeweglichen und archäologischen Denkmale in Oberösterreich, Eintrag zur katholischen Filial- und Wallfahrtskirche St. Blasien, Adlwang. Pfarrgemeinde Pfarrkirchen bei Bad Hall, Informationen und Verlautbarungen zur Filialkirche St. Blasien. Gemeinde Pfarrkirchen bei Bad Hall: Filialkirche St. Blasien. Oberösterreich Tourismus: St. Blasienkirche, Adlwang.
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Ergänzungen: Wolfgang Morscher
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