Vorderweißenbach, Waldkapelle Maria Rast

In der Bevölkerung wird sie "Waldkreuz", "Kreuzsäuln", "Waldkreuzkapelle" oder "Waldkapelle" genannt. Richtig heißt sie aber das Wallfahrtskirchlein "Maria Rast im Walde".

Im Jahre 1716 wird bereits von einer kleinen Kapelle als Wallfahrtsstätte berichtet. Ursprung der Wallfahrt war ein Schalenstein mit zwei größeren und einer kleineren Vertiefung, dem "Steinwandl"; in diesen Vertiefungen stand immer Wasser, und, da dieses angeblich heilkräftig war, wurde es eifrig besucht und eine Kreuzsäule dabei aufgestellt; wegen des starken Zustromes wurde über die Steine eine Kapelle erbaut; da verschwand aber das Wasser. Man verwendete nun die, einige Minuten entfernt entspringende Quelle, das "hl. Bründl". Über dieses Bründl wurde dann eine Hütte gebaut und das Wasser der Quelle durch die Seitenwunde Christi von einer Pieta-Statue geleitet. Von 1747 bis 1771 oder 1781 wurde die Wallfahrt von Einsiedlern betreut; die eingehenden Spenden waren beachtlich. Im Jahre 1785 wurde auch diese Wallfahrt verboten und die Kapelle abgebrochen. Trotzdem geriet sie nicht in Vergessenheit und bereits 1807 wird schon wieder von einer bescheidenen Wallfahrt berichtet. 1836 baute man wiederum eine Kapelle, die 1854 bis 1863 erweitert wurde, so dass sie nun fast als Kirchlein anzusprechen ist. 1936 fand eine Renovierung statt und eine neuerliche, gründliche Instandsetzung fand succesive in den 60er Jahren statt; ein in Kanada lebender Helfenberger, Stephan Stelzer, spendete für diese Arbeiten 1000 kanadische Dollars, allerdings unter der Bedingung, dass auch eine Glocke angeschafft werde. Es ist dies die "Peregrin-Glocke", die 1963 installiert wurde; am 10. Oktober 1965 fand als Abschluss der Arbeiten die Turmkreuzsteckung statt. Die Kapelle hat einen spätbarocken Hochaltar mit dem auf Blech gemalten alten Kultgegenstand; in der Kreuznische befindet sich ein Kruzifixus, der früher außerhalb der Kapelle beim Eingang gestanden war; in Nischen sind die Heiligen Sebastian, Rochus, Johann Nepomuk und Franz Xaver, die früher auf dem Hochaltar der Pfarrkirche standen, untergebracht. Der Kreuzweg von der Waldmühle zur Kirche wurde 1967 neu errichtet und ist den Opfern beider Kriege gewidmet. Die Stationen sind auf Bronzetafeln dargestellt (von Bildhauer Josef Diethör, Bad Hall), die auf Granitsäulen montiert sind.

Kultgegenstand: Gemälde einer Pieta, Christus nach rechts gerichtet, auf dem Hochaltar; es ist die Kopie eines alten Bildes; in der Bründlhütte ist ebenfalls die Plastik einer Pieta, Christus nach rechts gerichtet, durch welche das Quellenwasser geleitet ist.

Legende: Auf ihrer Flucht nach Ägypten kamen Josef und Maria auch in diese Waldwildnis. Der hl. Josef äußerte Zweifel, ob dies wohl der richtige Weg sei; der sie begleitende Engel wies ihn zurecht und erklärte, sie würden noch manchen Umweg machen müssen, bis sie am Ziele seien. Die heilige Familie legte sich nun zur Nachtruhe auf eine Steinplatte, auf der ihnen aber war, als hätten sie auf Polstern geschlafen. Der harte Stein hatte die Eindrücke ihrer Körper wie ein Polster angenommen und behalten. Als Maria ihr Kind aber baden wollte, sprang zu ihren Füßen plötzlich eine Quelle auf und in der sich bildenden Kindleinmulde unterhalb des Raststeines wusch sie das Kind, das dem Wasser ewige Heilkraft verlieh. Als die heilige Familie nun gut ausgeruht weiterwanderte, blickte sie in das von Steinen erfüllte Tal und sie meinte, das Paradies entdeckt zu haben; und so heißt die Stelle im Mühltal, von wo man die steile Steinwänd hinaufsteigen kann, im Volksmund bis heute "s' Paradeis".

— Nach einer anderen Legende erschien die hl. Maria einer Schlossfrau von Piberstein im Traum und versprach ihr Heilung von einer Krankheit, wenn sie die im Wald unter einer Buche hervorsprudelnde Quelle benützen würde; die Schlossfrau fand diese Quelle jedoch nicht. Da erschien ihr ein Hirsch und hat ihr den verborgenen Weg gewiesen. Zum Dank hat sie dann eine Kreuzsäule erbauen lassen. — In der Nähe der Kapelle befand sich ein Holzkreuz, das von Gichtkranken zu Spänen zerschnitten wurde. Es gibt noch verschiedene andere Legenden, wie z. B., dass eine kranke Frau sich auf Anraten eines weisen Bauern in die mit Wasser gefüllte Steinmulde setzte und bald geheilt war.

Wallfahrt: Früher neben Wallfahrern aus Oberösterreich auch starker Zuzug aus Böhmen. — Heute folgende u. zw. Fußwallfahrten: Am Rosenkranzsonntag die Pfarre Helfenberg; im Monat Oktober, meist an Samstagen (Goldene Samstage) oder sonntags die Pfarren Zwettl, Oberneukirchen, Vorderweißenbach, Bad Leonfelden, Traberg, St. Peter am Wimberg, Waxenberg, St. Stephan am Wald, Hellmonsödt (dies ist eine zweitägige Wallfahrt in Verbindung mit Maria-Pötsch, Maria Trost und am Rückweg hierher) und Neußerling aus der Pfarre Gramastetten; am Sonntag nach dem Allerseelentag die Ortschaft Altenschlag aus der Pfarre Helfenberg.

Quelle: Hertha und Friedrich Schober, Kapelle, Kirche, Gnadenbild. Ein kunstgeschichtlicher und volkskundlicher Führer zu Wallfahrtsstätten in Oberösterreich. Linz 1972.
Mit freundlicher Genehmigung von Reinprecht Schober für SAGEN.at.


Lage: Piberschlag, 4191 Vorderweißenbach
Lage in SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Mühlviertel
Ansicht in Street View (Luftbild)
Web: Pfarre Vorderweißenbach
Geöffnet:
 
  Wir haben leider kein Foto:
 
Foto von Wallfahrtskirche einsenden

Sollten Sie Fotos haben, können Sie sie hier hochladen!

   
Literatur zur Wallfahrt:
  - H. Razinger, in: Mühlviertler Heimatblätter, 6. Jgg. (1966), H. 7/S.
  - Ernst Burgstaller: Steinkreis und Schalenstein bei der Wallfahrtskapelle Maria Rast bei Helfenberg. In: Mitteilungen der Gesellschaft für Salzburger Landeskunde. Jahrgang 115, Salzburg 1975, S. 321–334; online
   
  Zurück zur Übersicht: Wallfahrt im Mühlviertel
  Zurück zur Übersicht: Wallfahrt in Oberösterreich
  Zurück zur Gesamtübersicht Wallfahrt
 

Wir bitten Sie um Ihre Mitarbeit mit Fotozusendungen.

 

Ergänzungen: Wolfgang Morscher

© www.SAGEN.at