Ulrichsberg, Stollnberg, Föhretkapelle (erloschene Wallfahrt)

Schnellüberblick
Wallfahrt:Früher örtliche und regionale Wallfahrten; um 1960 waren vor allem Einzelbesuche überliefert.
Status:Historischer Wallfahrtsort, heute Andachtsort.
Kultzentrum:Stollnberg, Föhretkapelle ("Gföhret-Kapelle")
Ort:Ulrichsberg.
Bezirk/Region:Mühlviertel.
Bundesland:Oberösterreich.
Lage und Besuch
• Lage: am Waldrand unterhalb von Stollnberg, 4161 Ulrichsberg.
• Lage in der SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Mühlviertel
• Ansicht in Street View (Luftbild)
• Web: Pfarre Ulrichsberg
• Öffnungszeiten: keine verlässlich veröffentlichten regelmäßigen Öffnungszeiten.
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Ausführliche Beschreibung

Lage und Charakter

Die Föhretkapelle liegt am Waldrand unterhalb der Ortschaft Stollnberg in der Gemeinde Ulrichsberg. Im örtlichen Sprachgebrauch wird sie auch "Gföhret-Kapelle" genannt. Die kleine Kapelle gehört zu jenen religiösen Kleindenkmälern des oberen Mühlviertels, deren Bedeutung weniger in einer kunsthistorisch herausragenden Ausstattung als in ihrer Entstehung aus bäuerlicher Frömmigkeit, in der Erinnerung an frühere Wallfahrten und im überlieferten Votivwesen liegt. Die Pfarre Ulrichsberg führt die Föhretkapelle weiterhin unter den Kapellen des Pfarrgebietes und beschreibt den Platz als Kapelle am Waldrand, deren hölzerner Vorbau Wanderer und Besucher zum Verweilen einlädt.

Entstehung und Baugeschichte

Die älteste derzeit fassbare ausführliche Überlieferung zur Geschichte der Kapelle wurde 1960 in einer heimatkundlichen Aufnahme festgehalten. Demnach erzählte man in der Umgebung, dass ungefähr hundert Jahre zuvor drei Frauen aus Aigen Geld für die Errichtung einer Kapelle gesammelt hätten. Anlass sei ein "Verspruch" gewesen, durch den man um Bewahrung vor einer Viehseuche bat. Diese Nachricht ist als örtliche Überlieferung und nicht als urkundlich gesichertes Gründungsdatum zu verstehen. Sie verweist aber auf einen für die bäuerliche Volksfrömmigkeit typischen Zusammenhang: Krankheit und Bedrohung des Viehbestandes konnten wirtschaftliche Existenzen gefährden und führten zu Gelübden, Stiftungen und zur Errichtung kleiner Andachtsstätten.

Die erste Föhretkapelle soll aus Holz bestanden haben. Sicher dokumentiert ist der Neubau aus Stein im Jahr 1904, den die Bewohner von Stollnberg ausführten. Bei diesem Neubau wurde die Orientierung des Gebäudes verändert: Der ältere Zugang lag nach der Überlieferung an der Nordseite, beim Steinbau wurde der Eingang nach Westen verlegt. Der hölzerne Vorbau mit Sitzbänken, der das Erscheinungsbild der Kapelle bis heute prägt, bestand bei der Aufnahme von 1960 bereits seit ungefähr einem halben Jahrhundert und dürfte daher in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts hinzugekommen sein. Eine größere Instandsetzung der Kapelle wird für 1945 genannt. Für ihre Erhaltung waren damals die Besitzer des Hauses Stollnberg Nr. 3 zuständig.

Votivwesen und bäuerliche Frömmigkeit

Volkskundlich besonders aufschlussreich ist die frühere Ausstattung. Am Eingang befanden sich zwei auf Blech gemalte Bilder; eines stellte den hl. Leonhard dar, das andere wurde ausdrücklich als Votivbild beschrieben. Die Verbindung mit dem hl. Leonhard fügt sich eng in die überlieferte Entstehungsgeschichte aus der Sorge um eine Viehseuche. Leonhard gehörte im bäuerlichen Milieu zu den wichtigsten Schutzheiligen für Vieh und Stall und wurde besonders bei Gefährdungen des Tierbestandes angerufen. Daraus folgt jedoch nicht, dass die Föhretkapelle ursprünglich eine Leonhardskapelle gewesen wäre; belegt ist zunächst nur die Präsenz seines Bildes innerhalb eines stärker von Votiv- und Bittfrömmigkeit geprägten Andachtsortes.

Im Inneren waren zahlreiche Votivbilder und andere Votivgaben vorhanden. Hervorgehoben wird ein aus Holz gefertigter Fuß, der als Dank für eine Gebetserhörung gestiftet worden war. Solche anatomischen Votive gehören zu den klassischen Ausdrucksformen der Wallfahrts- und Bittfrömmigkeit: Der dargestellte Körperteil bezeichnete gewöhnlich jenes Leiden oder jene erhoffte beziehungsweise erfahrene Heilung, mit der das Gelübde verbunden war. Bereits 1960 wurde vermerkt, dass die damals vorhandenen Votivgaben überwiegend jüngeren Datums seien. Ein älterer Bestand dürfte somit zu diesem Zeitpunkt bereits nicht mehr vollständig erhalten gewesen sein. Gerade diese Nachricht zeigt, dass die religiöse Bedeutung der Föhretkapelle nicht allein in einem bestimmten Kultbild lag, sondern wesentlich durch das persönliche Bitten, Danken und Stiften der Besucher geprägt wurde.

Zur älteren Ausstattung gehörte außerdem eine hölzerne Figur beim Altar. Die heimatkundliche Dokumentation von 1960 bildet sie zeichnerisch ab, ohne eine kunsthistorisch gesicherte Bestimmung zu geben. Eine eindeutige Zuschreibung oder Datierung ist daher ohne nähere Untersuchung des erhaltenen Bestandes nicht möglich. Für die Geschichte des Ortes ist wichtiger, dass sich hier unterschiedliche Frömmigkeitsformen überlagerten: bäuerlicher Schutz vor Viehseuchen, Heiligenverehrung, persönliche Bitt- und Dankvotive und der Besuch der Kapelle durch Wallfahrer aus der näheren Umgebung.

Wallfahrt und Wandel im 20. Jahrhundert

Die Föhretkapelle war früher tatsächlich Ziel organisierter Wallfahrten. Die 1960 aufgezeichnete Überlieferung berichtet von "geschlossenen Wallfahrergruppen aus der Umgebung". Zu diesem Zeitpunkt war diese Form des gemeinsamen Wallfahrens bereits weitgehend zurückgegangen; die Kapelle wurde vor allem noch von einzelnen Besuchern, besonders aus Stollnberg, aufgesucht. Auffallend ist die ebenfalls festgehaltene Beobachtung, dass der Zuspruch in den Jahren 1939 bis 1945 wieder zugenommen habe. Die Quelle nennt dafür keine nähere Erklärung. Im Zusammenhang mit Krieg, Einberufungen, Todesgefahr und allgemeiner Unsicherheit lässt sich jedoch erkennen, dass ein älterer lokaler Bitt- und Votivort in einer Krisenzeit erneut stärkere Bedeutung gewinnen konnte.

Kirchenamtlich besaß die Föhretkapelle offenbar nie die Stellung einer größeren Filial- oder Wallfahrtskirche. In den frühen diözesanen Beschreibungen der Pfarre Ulrichsberg werden andere Kapellen mit liturgischer Funktion ausdrücklich genannt, während die Föhretkapelle nicht in gleicher Weise hervortritt. Das entspricht dem Charakter des Ortes: Seine Geschichte wurde vor allem von der lokalen Bevölkerung, von privaten Gelübden, Votivgaben und dem Besuch kleiner Wallfahrergruppen getragen. Gerade diese kleinteilige, kaum institutionalisierte Form religiöser Praxis ist für die Volkskunde des Mühlviertels von besonderem Interesse.

Heutiger Andachtsort

Heute ist die Föhretkapelle als Andachtsort erhalten. Eine regelmäßige organisierte Wallfahrt lässt sich gegenwärtig nicht verlässlich nachweisen. Der historische Wallfahrtscharakter des Platzes ist jedoch durch die dokumentierten Gruppenwallfahrten und das ausgeprägte Votivwesen eindeutig belegt. Die Kapelle erinnert damit an eine Form lokaler Wallfahrt, die weniger durch große Festtage und überregionale Pilgerströme als durch konkrete Nöte des bäuerlichen Alltags, persönliche Gelübde, Dank für erfahrene Hilfe und den gemeinschaftlichen Besuch eines kleinen, nahe gelegenen Heiligtums bestimmt war.

Literatur und Quellen

Bausteine zur Heimatkunde des Bezirkes Rohrbach, Bd. 1. Rohrbach 1983, S. 121: "Wallfahrten – Föhretkapelle" (ursprünglich veröffentlicht in den Mühlviertler Nachrichten, Nr. 4, 28. Jänner 1960).
Pfarre Ulrichsberg: Pfarrgemeinde und Kapellen, Eintrag zur Föhretkapelle.
Bischöfliches Ordinariat Linz: Realschematismus der Diözese Linz 1913, Abschnitt Pfarre Ulrichsberg.

Ergänzungen: Wolfgang Morscher

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