St. Leonhard bei Freistadt, Pfarrkirche St. Leonhard bei Freistadt

1337 setzte Jans von Capellen bei der sicher schon länger bestandenen Kirche zum hl. Leonhard einen ständigen Priester ein, da die Entfernung zur Pfarre (Gutau) zu weit war. Wahrscheinlich im 17. Jahrhundert erhielt die Kirche Pfarrrechte. Im Jahre 1781 wurde die Wallfahrt eingestellt; die eiserne Leonhardistatue musste entfernt werden; lange Zeit fand sich kein Käufer hierfür; endlich erwarb sie der Besitzer des Steghammers bei Gutau, um das Metall weiter zu verarbeiten. Vor einem Opferstock stand aber seit jeher noch eine kleine Leonhardstatue, die an ihrem Platz belassen worden war und die vereinzelt immer noch besucht wurde; und auch im Opferstock fanden sich ziemlich beachtliche Spenden, die dem örtlichen Armeninstitut zugutekamen.

Teile der Westwand der Kirche dürften noch vom alten Bau stammen; der Neubau des Chores war um 1510 vollendet. Der alte Flügelaltar ist mit 1508 bezeichnet, befindet sich jedoch im oberösterreichischen Landesmuseum in Linz; an seiner Stelle steht eine Nachbildung aus dem Jahre 1904, ausgeführt von der Holzfachschule Hallstatt. Ein Brand im Jahr 1825 zog das Mittelschiff in starke Mitleidenschaft. Speisgitter und Seitenaltäre sind barock; auf dem rechten Seitenaltar befinden sich gute, lebensgroße Statuen der Heiligen Sebastian und Rochus, beide Meinrad Guggenbichler nahestehend; am Jochbogen befindet sich ein holzgeschnitztes Kruzifix aus dem 2. Viertel des 16. Jahrhunderts. Die hölzerne Rokoko-Empore von 1763 zeigt volkstümliche Malereien nach der Legende des Heiligen. Orgelgehäuse und Weihwasserbecken sind Rokoko.

Kultgegenstand: Ca. 60 cm hohe Statue des hl. Leonhard auf dem rechten Seitenaltar; daneben Opferstock; dann aber auch Reliquien eines Katakombenheiligen im Glassarg auf dem rechten Seitenaltar.

Wallfahrt: Viehkrankheiten; auch wird der hl. Leonhard als Ehevermittler angerufen; die Mädchen pflegten die Füße (Sohlen?) des Heiligen mit Kerzen zu brennen und ihn in die Zehen zu beißen. — Einst gab man viele Naturalopfer, besonders Lämmer, deren Felle angeblich bei den Schalensteinen am Wimberg ausgekocht wurden. — Jetzt Besuch aus der Umgebung wie Gallneukirchen (zu Fuß), Hirschberg, Waldburg, Rainbach, Freistadt (zu Fuß) und aus Niederösterreich, wie z. B. Groß-Gerungs, Rapottenstein, Karlstift; die meisten kommen mit Autobussen.
Hauptwallfahrtstage sind die Goldenen Samstage, der Leonhardi Tag und der Sonntag danach.

Zur Wallfahrt wird u. a. folgender Schwank erzählt: Einst musste die Statue des hl. Leonhard ausgebessert werden. Da gerade Hauptwallfahrtszeit war, gewann man einen Schuster, der der Statue ähnlichsah, sich an ihren Platz zu stellen. Als ihn aber die Mädchen in die Zehen bissen und an den Fußsohlen brannten, musste er vor Schmerzen sein Wasser lassen, worauf die Heiratslustigen dies als seinen Schweiß und als Zeichen der Erhörung deuteten. Als es dem Schuster aber zu arg wurde, sprang er zum Schrecken aller mit dem Ausruf "Da mag der Teufel hl. Leonhard sein" herab und machte sich davon.

In St. Leonhard gibt es aber noch weitere Wallfahrtsstätten:

Bründlkapelle am nördlichen Fuß des Predigtberges.

Sie wurde 1728 vom Grafen von Sprinzenstein, dem damaligen Grundherrn, erbaut; im Jahre 1967 wurde die Kapelle restauriert und der Kapellenplatz vergrößert und neugestaltet. Bei der Kapelle befindet sich eine Quelle, die hinter der Kapelle in eine schöne granitene Muschel fließt.

Kultgegenstand: Gemälde einer Maria von Fatima.

Wallfahrt: Die Kapelle wird oft von Wallfahrern zum hl. Leonhard mitbesucht.

Sieben Kapellen zu Ehren der Schmerzhaften Muttergottes.

Diese befinden sich am Predigtberg; der Plan hierzu ging 1852 vom damaligen Pfarrer aus, der neben anderen Wohltätern auch selbst an der Kostendeckung mithalf. Die Bilder stammen von Wiener Künstlern und zwar die der Kapellen 1 und 5 von Adam Vogler, von Kapelle 2 von Johann Klein, von Kapelle 3 von Friedrich Staudinger, von Kapelle 4 und 7 von Eduard v. Wörndle und von Kapelle 6 von Karl Schönbrunner.

Wallfahrt: Diese Kapellen werden besonders am 6. Sonntag nach Ostern und am 3. Sonntag im September besucht; ansonsten kommen auch die Wallfahrer zum hl. Leonhard sehr häufig hierher.

Quelle: Hertha und Friedrich Schober, Kapelle, Kirche, Gnadenbild. Ein kunstgeschichtlicher und volkskundlicher Führer zu Wallfahrtsstätten in Oberösterreich. Linz 1972.
Mit freundlicher Genehmigung von Reinprecht Schober für SAGEN.at.

Lage Pfarrkirche St. Leonhard: Pfarrgasse, 4294 St. Leonhard bei Freistadt.
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Lage Bründlkapelle: beim Predigtberg, 4294 St. Leonhard bei Freistadt.
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Lage Sieben Kapellen: Predigtberg, 4294 St. Leonhard bei Freistadt.
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Web: Pfarre St. Leonhard bei Freistadt
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Literatur zur Wallfahrt:
- Mühlviertler Heimatblätter, Jgg. VIII (1968), H. 9/10, Festnummer St. Leonhard b. Freistadt.
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Ergänzungen: Wolfgang Morscher

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