| Wallfahrt: | Seit dem Mittelalter bedeutende Leonhardwallfahrt, besonders mit bäuerlichen Anliegen um Viehgesundheit und wirtschaftliche Not. Historisch wichtig waren die drei Goldenen Samstage vor Leonhardi, Naturalopfer und der Heiratsbrauch an einer inzwischen verschwundenen eisernen Leonhardfigur. Heute finden besonders im Herbst weiterhin Fußwallfahrten statt; am 6. November wird der Leonharditag und am folgenden Sonntag traditionell der Leonhardi-Ritt gefeiert. |
| Status: | Historisch bedeutender und weiterhin lebendiger Wallfahrtsort. |
| Kultzentrum: | Kleine Leonhardfigur beim linken Seitenaltar als erhaltenes Kultbild nach dem josephinischen Verlust der lebensgroßen Eisenfigur; daneben der gesamte Leonhardkult der Pfarr- und Wallfahrtskirche. Zum Wallfahrtsraum gehören auch Bründlkapelle und Sieben-Schmerzen-Kapellen am Predigtberg. |
| Ort: | St. Leonhard bei Freistadt. |
| Bezirk/Region: | Mühlviertel. |
| Bundesland: | Oberösterreich. |
| • | Lage Pfarrkirche St. Leonhard: Pfarrgasse 1, 4294 St. Leonhard bei Freistadt. |
| • | Lage in der SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Mühlviertel |
| • | Ansicht in Street View |
| • | Lage Bründlkapelle: beim Predigtberg, 4294 St. Leonhard bei Freistadt. |
| • | Lage in der SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Mühlviertel (Bründlkapelle) |
| • | Ansicht in Street View |
| • | Lage Sieben Kapellen: Predigtberg, 4294 St. Leonhard bei Freistadt. |
| • | Lage in der SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Mühlviertel (Sieben Kapellen) |
| • | Ansicht in Street View (Luftbild) |
| • | Web: Pfarre St. Leonhard bei Freistadt |
| • | Öffnungszeiten: die Pfarr- und Wallfahrtskirche kann tagsüber jederzeit besichtigt werden; Bründlkapelle und die Anlagen am Predigtberg sind frei zugänglich. |
| • | Bilddokumentation |
| • | Ausführliche Beschreibung |
Wir haben leider noch keine Fotos dieses Wallfahrtsortes.
Besonders willkommen sind Außenansicht und Innenraum der Wallfahrtskirche, Leonhardfigur und Opferstock, Hochaltar und barocke Seitenaltäre mit den Katakombenheiligen, Emporenbilder zur Leonhardslegende, historische oder heutige Fußwallfahrten und Leonhardi-Ritt sowie Bründlkapelle, Augenbründl und die Sieben-Schmerzen-Kapellen am Predigtberg.
Mit diesen und weiteren Fotomotiven können Sie hier zur Dokumentation beitragen.
St. Leonhard bei Freistadt gehört zu jenen seltenen Orten, deren Name unmittelbar aus einem mittelalterlichen Heiligenkult hervorgegangen ist. Die heutige Marktgemeinde liegt auf etwa 810 Metern Höhe im östlichen Mühlviertel. Der Ursprung der Pfarr- und Wallfahrtskirche reicht nach der örtlichen Pfarrgeschichte an den Beginn des 12. Jahrhunderts zurück; der Ortsname St. Leonhard ist 1150 urkundlich greifbar. Um 1220 wird die damalige Kirche beziehungsweise Kapelle erstmals ausdrücklich erwähnt.
Der heilige Leonhard war zunächst vor allem als Befreier von Gefangenen verehrt worden. Im Spätmittelalter entwickelte er sich zu einem der wichtigsten bäuerlichen Schutzheiligen, insbesondere für Pferde und Rinder. Diese Erweiterung seines Patronates prägte St. Leonhard bei Freistadt über Jahrhunderte. Die Kirche wurde Ziel einer weit über den Ort hinausreichenden Vieh- und Bittwallfahrt und gab schließlich auch Markt und Gemeinde ihren Namen.
Das Gebiet gehörte ursprünglich zur Pfarre Gutau und damit zum Einflussbereich des Stiftes St. Florian. Wegen der großen Entfernung zur Mutterpfarre setzte Hans von Kapellen 1337 in St. Leonhard einen ständigen Priester ein. 1342 stattete er diese Seelsorgestelle zusätzlich mit einem Haus, Grundstücken und Einnahmen aus dem kleinen Zehent aus. St. Leonhard blieb zunächst formal mit Gutau verbunden, besaß aber damit bereits eine erhebliche Selbständigkeit.
Die örtliche Pfarrgeschichte weist darauf hin, dass die Geistlichen von St. Leonhard lange um ausreichende Einkünfte ringen mussten. Gerade die Wallfahrt erhielt dadurch auch eine wirtschaftliche Bedeutung. Opfergaben, Marktverkehr und die Versorgung von Wallfahrern waren Teil der lokalen Ökonomie, ohne dass religiöse und wirtschaftliche Motive voneinander zu trennen wären.
Von einem älteren Kirchenbau sind Teile der Westwand erhalten. Das Presbyterium stammt wahrscheinlich aus dem 15. Jahrhundert. Um 1500 setzte eine umfangreiche Bautätigkeit ein, die vermutlich mit den Herren von Zelking zusammenhing. Die dreischiffige spätgotische Hallenkirche wurde im frühen 16. Jahrhundert vollendet; 1535 gilt als Abschlussdatum der wesentlichen gotischen Bauphase.
Der Kirchenraum zeigt bis heute den Charakter einer anspruchsvollen spätgotischen Landkirche. Der steile Aufstieg des Ortes, das weit sichtbare Gotteshaus und die alte Wallfahrt verbanden sich zu einem religiösen Mittelpunkt der umliegenden bäuerlichen Landschaft.
Zu den bedeutendsten Kunstwerken der Kirche gehörte ein spätgotischer Flügelaltar, der 1508 aufgestellt wurde. Bereits 1703 wurde er im Zuge der barocken Umgestaltung abgetragen. Ein großer Teil seiner erhaltenen Bestandteile gelangte später in das Oberösterreichische Landesmuseum in Linz.
Der heutige Hochaltar ist eine Nachbildung des gotischen Vorgängers. Er wurde 1904 von der Holzfachschule Hallstatt geschaffen und versucht, den spätmittelalterlichen Charakter des verlorenen Ensembles wieder aufzunehmen. Der Altar ist damit kein originaler spätgotischer Bestand, sondern ein wichtiges Beispiel historistischer Denkmal- und Frömmigkeitspflege um 1900.
Für die Geschichte der Wallfahrt ist eine Nachricht aus dem späten 16. Jahrhundert von besonderem Wert. 1584 kam es zwischen Hans von Haym zu Reichenstein und dem Pfarrer von Gutau zum Streit über die kirchenrechtliche Stellung St. Leonhards. Die Pfarrgeschichte berichtet dabei ausdrücklich, dass der Gutauer Pfarrer sogenannte Absengelder von St. Leonhard erhielt und dafür an den "drei goldenen Samstagen" in der Wallfahrtskirche aushelfen musste.
Die örtliche Überlieferung versteht unter diesen Goldenen Samstagen die drei Samstage vor Leonhardi. Damit ist ein fester, wiederkehrender Wallfahrtsrhythmus bereits für die frühe Neuzeit greifbar. Eine ältere wallfahrtskundliche Beschreibung konnte die Goldenen Samstage noch im 20. Jahrhundert als Hauptwallfahrtstage nennen. Die Bezeichnung ist nicht ohne weiteres mit allen anderen regionalen Bräuchen gleichen Namens gleichzusetzen; in St. Leonhard war sie ausdrücklich an das Leonhardsfest gebunden.
Der Kern der Leonhardwallfahrt waren bäuerliche Anliegen. Besonders bei Erkrankungen von Pferden und Rindern wurde der Heilige angerufen. In einer Zeit, in der Zugtiere, Milchvieh und Schafe unmittelbar über wirtschaftliches Überleben entschieden, besaß eine Tierseuche für einen Hof existentielle Bedeutung. Leonhard wurde deshalb nicht bloß als allgemein verehrter Heiliger, sondern als konkreter Helfer in der bäuerlichen Lebenswelt verstanden.
Die Kette, eigentlich Zeichen seiner Fürbitte für Gefangene, erhielt in dieser neuen Deutung einen Bezug zu Viehketten und Stall. Aus dem Gefangenenpatron wurde so der große "Bauernherrgott" vieler alpiner und süddeutscher Regionen.
Die örtliche Pfarrgeschichte nennt für St. Leonhard ausdrücklich Naturalopfer. Neben Geldgaben wurden Hühner geopfert, die in zwei großen Steigen unter der Stiege zur Empore untergebracht wurden, außerdem Schafwolle. Solche Opfer verbanden Bitte oder Dank unmittelbar mit der bäuerlichen Wirtschaftsform der Wallfahrer.
Eine ältere Erzählung berichtet, besonders Lämmer seien geopfert und deren Felle bei den sogenannten Schalensteinen am Wimberg ausgekocht worden. Für diese konkrete Verbindung fehlt jedoch ein gleichwertiger historischer Nachweis. Auch aus den Felsmulden am Wimberg lässt sich ohne archäologische Belege kein vorgeschichtlicher Opferkult ableiten.
Eine der größten Besonderheiten der alten Wallfahrt war eine lebensgroße Leonhardfigur aus Eisen. Eisen besaß im Leonhardkult eine besondere symbolische Rolle: Ketten erinnerten an den Gefangenenpatron, zugleich standen eiserne Tier- und Körpervotive für konkrete Anliegen. Die große Figur in St. Leonhard wurde zu einem Zentrum ungewöhnlicher Ritualhandlungen.
1781 wurde die Wallfahrtstätigkeit im Zuge der josephinischen Reformen verboten. Nach der örtlichen Pfarrgeschichte musste auch die lebensgroße eiserne Leonhardfigur eingeschmolzen werden. Eine ältere wallfahrtskundliche Beschreibung überliefert, dass sie zunächst keinen Käufer fand und schließlich vom Besitzer des Steghammers bei Gutau zur Metallverwertung erworben wurde. Beide Nachrichten stimmen darin überein, dass die Figur den josephinischen Eingriff nicht überstand.
Neben der großen Eisenfigur gab es eine kleinere Leonhardstatue, die vor einem Opferstock stand. Sie blieb von der Entfernung verschont. Noch nach dem offiziellen Verbot der Wallfahrt wurde sie von einzelnen Gläubigen besucht; der Opferstock brachte weiterhin bemerkenswerte Einnahmen, die dem örtlichen Armeninstitut zugutekamen.
Diese kleinere Figur befindet sich nach der heutigen Pfarrgeschichte beim linken Seitenaltar. Damit blieb gerade jenes Kultbild erhalten, an dem sich die Wallfahrt nach dem staatlichen Eingriff weiterentwickeln konnte. Die Kontinuität des Ortes hängt also nicht an einem einzigen unveränderten Gnadenbild, sondern an der fortgesetzten Verehrung des Heiligen selbst.
Neben Viehkrankheiten wurde Leonhard in St. Leonhard auch um Hilfe bei der Partnersuche angerufen. Junge Frauen sollen der eisernen Figur in die Zehen gebissen oder die Fußsohlen mit brennenden Kerzen berührt haben. Der Brauch ist auch auch in weiteren volkskundlichen Quellen belegt.
Die Handlung wirkt aus heutiger Sicht drastisch, gehört aber zu einer größeren Gruppe von Berührungs- und Zwangsbräuchen. Der Brauch zielte darauf, den Heiligen nicht nur um Hilfe zu bitten, sondern ihn durch eine körperlich demonstrative Handlung geradezu zum Eingreifen zu bewegen. Dass Leonhard eigentlich kein offizieller Ehepatron war, störte dabei nicht: Als umfassender Helfer der bäuerlichen Bevölkerung konnte er auch für Heiratswünsche zuständig werden.
Mit diesem Heiratsbrauch verbindet sich ein derber Schwank, den unter anderem Gustav Gugitz und weitere volkskundliche Quellen überliefern. Als die Leonhardfigur einmal ausgebessert werden musste, habe man während der Hauptwallfahrtszeit einen Schuster, der dem Heiligen ähnlich sah, an ihren Platz gestellt. Die Mädchen hätten wie gewohnt in seine Zehen gebissen und die Fußsohlen mit Kerzen gebrannt. Schließlich habe der Mann die Schmerzen nicht mehr ausgehalten und sei unter einem kräftigen Fluch vom Altar gesprungen.
Die Geschichte ist selbstverständlich kein historischer Bericht über ein überprüfbares Einzelereignis, sondern ein Wallfahrtsschwank. Gerade deshalb ist sie volkskundlich interessant: Sie setzt die Ritualpraxis des Zehenbeißens als bekannt voraus und macht sie zum Gegenstand bäuerlichen Humors.
Die Reformen Kaiser Josephs II. trafen St. Leonhard hart. 1781 wurde die Wallfahrtstätigkeit verboten; gleichzeitig erfolgten weitere Eingriffe in das kirchliche Leben, etwa Veränderungen beim Friedhof. Die Entfernung der Eisenfigur war der sichtbarste Schlag gegen den traditionellen Wallfahrtsbetrieb.
Die Wallfahrt verschwand jedoch nicht dauerhaft. Die weiter verehrte kleine Leonhardstatue, der feste Festkalender und die regionale Erinnerung ermöglichten eine spätere Wiederbelebung. Dieser Vorgang ist typisch für viele österreichische Wallfahrtsorte: staatliche Verbote konnten institutionelle Formen unterbrechen, aber lokale Frömmigkeit nicht vollständig beseitigen.
Am 16. Oktober 1825 vernichtete ein großer Brand weite Teile des Marktes und beschädigte auch die Kirche schwer. Besonders das Mittelschiff wurde in Mitleidenschaft gezogen. Der anschließende Wiederaufbau veränderte einzelne Bauteile und Ausstattungsteile, ohne die mittelalterliche Grundstruktur aufzugeben.
Die heutige Kirche ist daher das Ergebnis mehrerer Zeitschichten: mittelalterlicher Kern, gotischer Ausbau, barocke Ausstattung, Wiederherstellung nach dem Brand und neugotische Ergänzungen des frühen 20. Jahrhunderts.
Die beiden Seitenaltäre sind barock gestaltet. Auf beiden Altartischen befindet sich jeweils ein Glassarg mit den Reliquien der Katakombenheiligen Felix und Clemens. Nach der heutigen Gemeinde- und Tourismusinformation befinden sich diese Reliquien seit 1746 in der Kirche. Solche aus römischen Katakomben überführten "heiligen Leiber" waren in der Barockzeit hoch verehrte Zeichen der Verbindung mit der frühen Kirche.
Eine ältere wallfahrtskundliche Beschreibung hebt besonders lebensgroße Heiligenfiguren auf den Seitenaltären hervor, darunter Sebastian und Rochus, die dem Umkreis Meinrad Guggenbichlers zugerechnet werden. Zusammen mit den Reliquienschreinen bilden sie eine barocke Frömmigkeitsschicht, die sich über den älteren Leonhardkult legte.
Besonders reizvoll ist die hölzerne Rokoko-Empore aus dem Jahr 1763. Ihre volkstümlichen Malereien erzählen Szenen aus der Legende des hl. Leonhard. Dadurch wurde der Heilige nicht nur am Altar verehrt, sondern seine Lebensgeschichte bildlich in den Kirchenraum eingeschrieben.
Für Wallfahrer, die nicht lesen konnten, besaßen solche Bilder besondere Bedeutung. Sie erklärten Patronat und Heiligenleben in anschaulicher Form und machten den Kirchenraum selbst zu einem Medium religiöser Unterweisung.
Eine ältere wallfahrtskundliche Beschreibung dokumentierte für die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts ein erstaunlich großes Einzugsgebiet. Wallfahrer kamen aus der näheren Umgebung, darunter Gallneukirchen, Hirschberg, Waldburg, Rainbach und Freistadt, aber auch aus dem niederösterreichischen Waldviertel, etwa aus Groß-Gerungs, Rapottenstein und Karlstift. Manche Gruppen gingen zu Fuß, andere kamen bereits mit Autobussen.
Diese Angaben zeigen, dass St. Leonhard trotz der josephinischen Unterbrechung wieder einen klar überörtlichen Wallfahrtscharakter gewonnen hatte. Der Ort lag zugleich im Übergangsraum zwischen Mühlviertel und Waldviertel und konnte dadurch Wallfahrer aus beiden Regionen anziehen.
Auch im 21. Jahrhundert ist die Fußwallfahrt keineswegs erloschen. Die Marktgemeinde bezeichnet die Kirche weiterhin ausdrücklich als Wallfahrtskirche und hebt hervor, dass besonders im Herbst Fußwallfahrten stattfinden. Aus Grünbach wird ein seit Jahrzehnten bestehender Pilgergang am ersten Samstag im Oktober dokumentiert. 2021 führte er über St. Oswald und Maria Bründl nach St. Leonhard; auch neuere Pfarrberichte zeigen die Fortsetzung dieser Tradition.
Ein besonders aktuelles Beispiel stammt aus Waldburg: Im Oktober 2025 machte sich eine Gruppe gemeinsam nach St. Leonhard auf, feierte dort die heilige Messe und zog anschließend betend zur Lourdesgrotte. Solche heutigen Wallfahrten unterscheiden sich in Form und Teilnehmerzahl von den historischen Großwallfahrten, bewahren aber den Grundtyp des gemeinsamen religiösen Weges zum Leonhardsheiligtum.
Der 6. November, Gedenktag des hl. Leonhard, ist bis heute ein wichtiger Festtag. Die Marktgemeinde führt für November 2026 ausdrücklich das "Fest des Hl. Leonhard" in der Pfarrkirche. Nach ihrer aktuellen Beschreibung wird Leonhardi am darauf folgenden Sonntag zusätzlich mit einem Leonhardi-Ritt gefeiert.
Der Ritt knüpft unmittelbar an Leonhards bäuerliches Tierpatronat an. Auch wenn die frühere Viehwallfahrt mit Naturalopfern und Opferstock heute nicht mehr in derselben Form existiert, bleibt die Beziehung zwischen Heiligem, Tierwelt und bäuerlicher Gemeinschaft öffentlich sichtbar.
Zum Wallfahrtsraum von St. Leonhard gehört die rund 500 Meter von der Pfarrkirche entfernte Bründlkapelle am alten Weg nach Ennsedt. Die Marktgemeinde datiert ihren Bau auf 1728. Hinter beziehungsweise bei der Kapelle tritt eine Quelle aus, die in einer Granitfassung gesammelt wird.
Dem Bründlwasser wird in der örtlichen Überlieferung besondere Heilkraft bei Augen- und Ohrenleiden zugeschrieben. Diese Zuschreibung gehört zur Volksmedizin und religiösen Tradition; eine medizinische Wirksamkeit ist damit nicht nachgewiesen. Heute liegt die Bründlkapelle außerdem am Johannesweg und an mehreren lokalen Wanderwegen. So verbindet sich der ältere Heilquellen- und Wallfahrtsbrauch mit moderner Pilger- und Wanderkultur.
Eine ältere wallfahrtskundliche Beschreibung berichtet, die Bründlkapelle sei 1967 restauriert, der Platz erweitert und neu gestaltet worden. Als damaligen Kultgegenstand nennt er ein Gemälde der Maria von Fatima. Ob dieses Bild heute noch unverändert die Ausstattung prägt, lässt sich aus den aktuellen öffentlich zugänglichen Darstellungen nicht mit Sicherheit feststellen. Die heutige Gemeindeinformation stellt vor allem Kapelle und Augenbründl in den Mittelpunkt.
Damit zeigt auch die Bründlkapelle eine für Wallfahrtsorte typische Überlagerung verschiedener Frömmigkeitsschichten: barocke Quellkapelle, volksmedizinischer Augenbrauch und im 20. Jahrhundert Fatimaverehrung.
Eine weitere religiöse Landschaft bildet der Predigtberg mit den sieben Kapellen zu Ehren der Schmerzen Mariens. Nach einer älteren wallfahrtskundlichen Beschreibung ging der Plan 1852 vom damaligen Pfarrer aus, der sich selbst an der Finanzierung beteiligte. Die einzelnen Bildtafeln wurden von mehreren Wiener Künstlern geschaffen, darunter Adam Vogler, Johann Klein, Friedrich Staudinger, Eduard von Wörndle und Karl Schönbrunner.
Die Kapellen wurden besonders am sechsten Sonntag nach Ostern und am dritten Sonntag im September besucht und waren zugleich in die Leonhardwallfahrt einbezogen. Die Anlage ist bis heute erhalten. Die Gemeinde berichtet noch 2024 von laufenden Instandhaltungsarbeiten an den "7-Schmerzen-Kapellen" am Predigtberg. Damit bleibt diese marianische Nebenlandschaft materiell präsent, auch wenn ihre früheren festen Wallfahrtstage heute weniger deutlich hervortreten.
Der Predigtberg ist heute von mehreren Wander- und Kulturwegen erschlossen. Bründlkapelle, Lourdesgrotte, Sieben-Schmerzen-Kapellen und weitere Kleindenkmäler verbinden sich zu einem religiösen Landschaftsraum, der weit über die Pfarrkirche hinausreicht. Auch der Johannesweg führt durch St. Leonhard und nimmt die Bründlkapelle als Station auf.
Damit besitzt St. Leonhard heute mehrere Schichten von Pilgerpraxis nebeneinander: die klassische Leonhardwallfahrt zur Kirche, lokale Marien- und Quellandacht am Predigtberg und den modernen Weitwander- beziehungsweise Pilgerweg.
Im Gemeindegebiet finden sich mehrere Felsmulden, die populär als "Opferschalen" bezeichnet werden. Solche natürlichen oder möglicherweise nachbearbeiteten Vertiefungen wurden früher gern als Zeugnisse vorgeschichtlicher Kultplätze gedeutet. Für einen Zusammenhang zwischen diesen Felsen und der christlichen Leonhardwallfahrt gibt es jedoch keinen belastbaren archäologischen Beleg.
Die Erzählung, bei den Schalensteinen am Wimberg seien Felle geopferter Lämmer ausgekocht worden, ist durch gleichwertige historische Quellen nicht bestätigt. Der reich dokumentierte christliche Wallfahrts- und Naturalopferbrauch benötigt keine Annahme einer vorgeschichtlichen Kultkontinuität.
Der Wallfahrtsstatus von St. Leonhard bei Freistadt ist historisch und aktuell eindeutig. Die drei Goldenen Samstage sind bereits im 16. Jahrhundert dokumentiert, die Wallfahrt prägte Markt und örtliche Wirtschaft, Naturalopfer und eine besondere Eisenfigur belegen intensives volksreligiöses Brauchtum. Das josephinische Verbot von 1781 unterbrach die Wallfahrt, konnte sie aber nicht dauerhaft beenden.
Heute bezeichnet die Marktgemeinde die Kirche weiterhin ausdrücklich als Wallfahrtskirche. Fußwallfahrten im Herbst, der Leonharditag am 6. November, der Leonhardi-Ritt und aktuelle Wallfahrergruppen aus umliegenden Pfarren zeigen eine lebendige Fortsetzung. St. Leonhard ist daher als historisch bedeutender und weiterhin lebendiger Wallfahrtsort zu führen.
St. Leonhard bei Freistadt gehört zu den reichsten Leonhardheiligtümern Oberösterreichs. Viehwallfahrt, Goldene Samstage, Naturalopfer, eiserne Kultfigur, Zehenbeißen und Sohlenbrennen, Wallfahrtsschwank, Opferstock und Leonhardi-Ritt ergeben ein außergewöhnlich dichtes Bild bäuerlicher Heiligenverehrung. Hinzu kommen die Katakombenheiligen der Barockzeit, das Augenbründl und die Marienkapellen am Predigtberg.
Besonders aufschlussreich ist die Widerstandskraft des Kultes. Selbst nach dem staatlichen Wallfahrtsverbot und der Vernichtung der großen Eisenfigur blieb die kleinere Leonhardstatue in Gebrauch. Später kamen die Wallfahrer zurück. Heute gehen Menschen wieder oder weiterhin zu Fuß nach St. Leonhard, feiern den Heiligentag und verbinden die alte Wallfahrtskirche mit Bründlkapelle, Grotte und modernen Pilgerwegen. Der Ort zeigt damit in seltener Deutlichkeit, wie sich eine mittelalterliche bäuerliche Wallfahrt über tiefgreifende religiöse, wirtschaftliche und gesellschaftliche Veränderungen hinweg erhalten und immer wieder neu formen konnte.
Heinrich Jungwirth: Der Obermühlviertler. Seine religiöse und soziologische Stellung im volkstümlichen Wallfahrtsbrauchtum seiner Heimat. In: Österreichische Zeitschrift für Volkskunde, Neue Serie 3, Gesamtserie 52, Wien 1949.
Gustav Gugitz: Österreichs Gnadenstätten in Kult und Brauch. Ein topographisches Handbuch zur religiösen Volkskunde. Band 5: Oberösterreich und Salzburg. Wien 1958.
Mühlviertler Heimatblätter, Jg. 8, Heft 9/10. Festnummer St. Leonhard bei Freistadt. Linz 1968.
Peter Adam, Beate Auer u. a.: Dehio-Handbuch Oberösterreich. Band 1: Mühlviertel. Horn/Wien 2003.
Brigitte Scheuchenpflug: Wallfahrtskirche St. Leonhard bei Freistadt. Kirchenführer. Kunstverlag Hofstetter, Ried im Innkreis.
Marktgemeinde St. Leonhard bei Freistadt: Geschichte der Pfarre; Pfarrkirche St. Leonhard; Bründlkapelle und Augenbründl; aktuelle Orts- und Veranstaltungsinformationen.
Pfarrgemeinden Grünbach und Waldburg: aktuelle Dokumentationen der Fußwallfahrten nach St. Leonhard.
| Zurück zur Übersicht: Wallfahrt im Mühlviertel | |
| Zurück zur Übersicht: Wallfahrt in Oberösterreich | |
| Zurück zur Gesamtübersicht Wallfahrt |
Ergänzungen: Wolfgang Morscher
© www.SAGEN.at