| Wallfahrt: | Die eigentliche Leonhardwallfahrt galt ursprünglich der Wallfahrtskirche St. Leonhard bei Sarleinsbach. Nach deren josephinischer Aufhebung wurden 1785 die Leonhardfiguren in die Pfarrkirche übertragen; damit verlagerte sich auch die Wallfahrt hierher. Eine ältere wallfahrtskundliche Beschreibung dokumentierte noch Gruppen aus Julbach und Ulrichsberg am Weißen Sonntag. Eine regelmäßige organisierte Wallfahrt ist in den aktuellen Pfarrkalendern nicht mehr nachweisbar. |
| Status: | Historisch dokumentierter Leonhard-Wallfahrtsort; heute Pfarrkirche mit fortbestehender Leonhardsverehrung, regelmäßige Wallfahrt aktuell nicht belegt. |
| Kultzentrum: | Gotische Sitzfigur des hl. Leonhard aus dem 15. Jahrhundert, nach der Aufhebung der Wallfahrtskirche St. Leonhard in die Pfarrkirche übertragen; heute Mittelpunkt des Leonhardsaltares im linken Seitenschiff. |
| Ort: | Sarleinsbach. |
| Bezirk/Region: | Mühlviertel. |
| Bundesland: | Oberösterreich. |
| • | Lage: Schulstraße 1, 4152 Sarleinsbach, unmittelbar am Marktzentrum. |
| • | Lage in der SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Mühlviertel |
| • | Ansicht in Street View |
| • | Web: Pfarre Sarleinsbach |
| • | Öffnungszeiten: täglich geöffnet; Kirchenführungen nach Vereinbarung mit der Pfarrleitung. |
| • | Bilddokumentation |
| • | Ausführliche Beschreibung |
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Besonders willkommen sind Außenansicht und Innenraum der Pfarrkirche, Leonhardsaltar und gotische Leonhardfigur, Petrusdarstellungen, Seitenaltäre und Grabkapelle sowie historische oder heutige Zeugnisse der Leonhardsverehrung, Wallfahrergruppen und Natural- oder Votivbrauchtum.
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Die Pfarrkirche von Sarleinsbach trägt das Patrozinium St. Peter ad Vincula, also "St. Petrus in Ketten". Ihr Rang als historischer Wallfahrtsort geht jedoch nicht auf Petrus zurück, sondern auf den heiligen Leonhard. Dabei ist eine wichtige Unterscheidung notwendig: Die berühmte Leonhardwallfahrt entstand ursprünglich nicht in der Pfarrkirche am Markt, sondern in einer eigenen Wallfahrts- und Filialkirche St. Leonhard außerhalb des Marktortes. Erst nach deren josephinischer Aufhebung im späten 18. Jahrhundert wurden die Leonhardbilder in die Pfarrkirche übertragen, und mit ihnen verlagerte sich auch ein Teil des Wallfahrtsbrauchtums nach Sarleinsbach.
Die Pfarrkirche ist heute täglich geöffnet und wird regulär als Pfarrkirche genutzt. Der gotische Leonhard steht weiterhin am linken Seitenaltar und erinnert sichtbar an die einst weit berühmte Wallfahrt. Eine regelmäßig organisierte gegenwärtige Leonhardwallfahrt zur Pfarrkirche ließ sich in den aktuellen Pfarrkalendern jedoch nicht mehr nachweisen. Historisch ist der Wallfahrtsstatus eindeutig, für die Gegenwart ist die Bezeichnung Pfarrkirche mit fortbestehender Leonhardsverehrung präziser.
Sarleinsbach entstand an einer alten Verkehrsverbindung des Oberen Mühlviertels. Der Ort wird im Hochmittelalter greifbar; 1283 bestand eine selbständige Pfarre. Archäologische beziehungsweise bauhistorische Befunde bei Restaurierungsarbeiten zeigten Fundamente einer Kirche des 13. Jahrhunderts im Bereich des heutigen Hauptschiffes. Der noch bestehende Turm dürfte ursprünglich freigestanden haben und zu dieser älteren Anlage gehört haben.
1427 wurde die damalige Kirche während der Hussitenzüge zerstört. Beim Wiederaufbau entstand zunächst das heutige Hauptschiff, anschließend bis 1475 der polygonal geschlossene Altarraum. Ein Ablassbrief Papst Sixtus' IV. aus diesem Jahr versprach jenen Gläubigen geistliche Begünstigungen, die zum Wiederaufbau beitrugen. Rechts an den Chor wurde die Sakristei, links die Grabkapelle der Familie Sprinzenstein angefügt.
Im 18. Jahrhundert war die Kirche für die gewachsene Bevölkerung zu klein geworden. 1752/53 wurden deshalb zwei Seitenschiffe angebaut. Das rechte stiftete der Sarleinsbacher Marktrichter Franz Joseph Jetschgo als Grablege für seine Familie, das linke wurde von der Marktgemeinde finanziert. Mit diesem Ausbau erhielt die Kirche im Wesentlichen ihre heutige räumliche Gestalt.
Die Ausstattung vereinigt mehrere Jahrhunderte. Der heutige Hochaltar ist neugotisch und wurde 1904 anstelle eines barocken Vorgängers errichtet. Auf ihm kniet Petrus vor Christus und empfängt die Schlüssel. Das frühere barocke Hochaltarbild von 1751, geschaffen vom Sarleinsbacher Maler Johann Philipp Ruckerbauer, zeigt die wunderbare Befreiung Petri aus dem Gefängnis und erinnert besonders anschaulich an das eigentliche Patrozinium "St. Peter ad Vincula".
Das Patrozinium "St. Peter ad Vincula" bezieht sich auf die in der Apostelgeschichte erzählte Befreiung des Apostels Petrus aus dem Gefängnis des Königs Herodes. Ein Engel löst seine Ketten und führt ihn ins Freie. Die Pfarrgemeinde deutet dieses Patrozinium im Zusammenhang mit der mittelalterlichen Zugehörigkeit zum Bistum Passau auch als kirchenpolitisches Zeichen: Wie Petrus nicht dauerhaft von weltlicher Macht gefesselt werden kann, steht auch die geistliche Ordnung sinnbildlich für Eigenständigkeit gegenüber weltlicher Herrschaft.
Der Petruskult ist für die Pfarrkirche zentral, war aber nicht Ursache der Wallfahrt. Diese galt dem heiligen Leonhard und hat eine eigene, ursprünglich außerhalb des Marktes gelegene Kultgeschichte.
In der heute noch so benannten Ortschaft beziehungsweise Katastralgemeinde St. Leonhard bei Sarleinsbach stand eine eigene Wallfahrts- und Filialkirche des hl. Leonhard. Die ältere volkskundliche Literatur nennt sie bereits für das 14. Jahrhundert; in der Forschung wird eine Nennung von 1328 angeführt. Spätestens im 16. Jahrhundert war die Kirche ein stark besuchter Wallfahrtsort, und in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts erreichte die Leonhardwallfahrt ihre Blüte.
Das Bundesdenkmalamt beschreibt die Anlage als im Kern mittelalterlich. Nach der Aufhebung wurde das Kirchengebäude teilweise zu Wohnzwecken umgestaltet; erhalten blieben insbesondere der polygonale Chor und seitliche ehemalige Nebenräume sowie Teile des zugehörigen Kaplan- beziehungsweise Mesnerhauses. Damit existiert am ursprünglichen Wallfahrtsplatz noch bauliche Substanz, auch wenn die Kirche als Gotteshaus längst verschwunden ist.
Bei der Datierung der Aufhebung bestehen unterschiedliche Angaben. Die heutige Pfarrgemeinde Sarleinsbach nennt 1780. Heinrich Jungwirth und denkmalpflegerische Darstellungen setzen die tatsächliche Aufhebung beziehungsweise Übertragung der Kultgegenstände dagegen in das Jahr 1785 und verbinden sie ausdrücklich mit den josephinischen Kirchenreformen. Diese Differenz lässt sich ohne Einsicht in die einschlägigen Verwaltungsakten nicht endgültig auflösen.
Sicher ist der Vorgang selbst: Die Wallfahrtskirche St. Leonhard wurde aufgehoben, ihre religiöse Ausstattung auf andere Kirchen verteilt beziehungsweise teilweise vernichtet, und die Leonhardsverehrung wurde in die Pfarrkirche Sarleinsbach übertragen. Für die Wallfahrtsgeschichte ist daher 1785 als gut belegtes Jahr der feierlichen Übertragung besonders wichtig, während die administrative Auflösung offenbar bereits einige Jahre früher begonnen haben kann.
Nach der Aufhebung wurden zwei Leonhardfiguren in einer feierlichen Prozession aus der Wallfahrtskirche nach Sarleinsbach gebracht. Eine war aus Holz, die andere aus Eisen. Die hölzerne Figur blieb erhalten und befindet sich noch heute in der Pfarrkirche. Die eiserne Figur verschwand; ob sie unmittelbar eingeschmolzen wurde oder erst später verloren ging, ist in den Überlieferungen nicht einheitlich beschrieben.
Dieser Transfer ist für das Verständnis des heutigen Wallfahrtsortes entscheidend. Der Kult wurde nicht in Sarleinsbach neu geschaffen, sondern aus einem aufgehobenen Heiligtum in die Pfarrkirche verpflanzt. Damit setzte sich die Leonhardwallfahrt an einem neuen Ort fort.
Die erhaltene hölzerne Leonhardfigur stammt aus dem 15. Jahrhundert; neuere volkskundliche Darstellungen datieren sie ungefähr um 1510. Sie zeigt den Heiligen als Abt beziehungsweise Bischofsgestalt mit Stab und Kette. Die Kette ist sein klassisches Attribut, weil Leonhard ursprünglich als Befreier und Fürsprecher der Gefangenen verehrt wurde. In der bäuerlichen Frömmigkeit wurde sie zugleich zum Symbol für das Vieh, insbesondere für Pferde und Rinder.
Nach der Übertragung erhielt die Figur einen Platz in der Pfarrkirche. 1904 wurde sie in einen neugotischen Altar eingefügt. 1947 ersetzte man diesen durch den heutigen neubarocken Leonhardsaltar. Dort steht der Heilige heute über einer ganzen bäuerlichen Tierwelt mit Pferd, Rind, Schaf, Schwein und Huhn; unter ihm stehen die Bauern- und Dienstbotenpatrone Isidor und Notburga.
Die Leonhardwallfahrt war vor allem bäuerlich geprägt. Man wandte sich an den Heiligen bei Viehkrankheiten, Seuchen und wirtschaftlichen Nöten des Hofes. Der Viehbestand war für bäuerliche Familien Existenzgrundlage; der Verlust eines Zugtieres oder mehrerer Rinder konnte einen Hof schwer treffen. Leonhard wurde deshalb als mächtiger Schutzpatron des Stalles angerufen.
Naturalopfer gehörten zur Wallfahrt. Eine ältere wallfahrtskundliche Beschreibung berichtet allgemein von solchen Gaben; die ältere Leonhardtradition des Mühlviertels kennt Tiere, Wachs- und Eisenopfer sowie landwirtschaftliche Produkte. Für Sarleinsbach ist wichtig, solche Bräuche nicht pauschal aus anderen Leonhardorten zu übertragen. Gesichert ist jedoch, dass die Wallfahrt selbst eng mit Viehgesundheit und bäuerlicher Existenz verbunden war.
Besonders ungewöhnlich war die zweite Leonhardfigur aus Eisen. Nach Reinhard Rinnerthalers volkskundlicher Zusammenfassung wurde die schwere lebensgroße Figur von heiratswilligen jungen Frauen um den Altar getragen. Wer diese körperlich anstrengende Handlung auf sich nahm, hoffte auf die Hilfe des Heiligen bei der Suche nach einem Ehepartner.
Der Brauch zeigt, wie flexibel Heiligenpatronate in der Volksfrömmigkeit sein konnten. Leonhard war offiziell weder Ehe- noch Liebespatron. Weil er aber als Helfer bei nahezu allen bäuerlichen Nöten galt, wurde ihm auch die Sorge um eine passende Heirat anvertraut. Die Eisenfigur war dadurch nicht bloß ein Kultbild, sondern ein Objekt körperlicher Ritualhandlung.
Eisen spielte in der Leonhardverehrung generell eine besondere Rolle. Ketten erinnerten an den ursprünglichen Gefangenenpatron, wurden aber in der bäuerlichen Deutung mit Viehketten und Stall verbunden. An zahlreichen Leonhardwallfahrtsorten wurden eiserne Tierfiguren, Gliedmaßen oder andere Votive geopfert; mancherorts gehörten schwere Eisenfiguren oder Ketten selbst zum Ritual.
In Sarleinsbach verband sich dieses Material zusätzlich mit dem Heiratsbrauch. Dass die eiserne Figur nach den josephinischen Reformen verschwand, bedeutete daher einen tiefen Einschnitt: Mit ihr ging nicht nur ein Kunstgegenstand, sondern auch die materielle Grundlage eines besonderen Wallfahrtsrituals verloren.
Bemerkenswert ist, dass die Sarleinsbacher Wallfahrt nicht ausschließlich am eigentlichen Leonhardstag, dem 6. November, stattfand. Heinrich Jungwirth beschrieb 1949, dass der Besuch am Leonhardstag bereits deutlich zurückgegangen war und manche Menschen eher wegen persönlicher Beziehungen beziehungsweise wegen des einst bedeutenden Leonhardmarktes nach Sarleinsbach kamen.
Eine ältere wallfahrtskundliche Beschreibung dokumentierte einige Jahrzehnte später einen anderen lebendigen Termin: den Samstag vor beziehungsweise den Weißen Sonntag nach Ostern. Wallfahrer kamen aus der Umgebung und früher auch aus Bayern. Besonders Männergruppen aus Julbach und Ulrichsberg suchten am Weißen Sonntag die Leonhardfigur auf. Offenbar hatte sich die Wallfahrt zeitlich von ihrem ursprünglichen Heiligenfest gelöst und an einen regionalen Ostertermin gebunden.
Noch Anfang der 1970er Jahre sind Männergruppen aus Julbach und Ulrichsberg dokumentiert, die zum Weißen Sonntag nach Sarleinsbach kamen. Diese Nachricht ist ein klarer Beleg dafür, dass die in die Pfarrkirche übertragene Leonhardwallfahrt fast zwei Jahrhunderte nach der josephinischen Aufhebung noch lebendig war.
Für die unmittelbare Gegenwart konnte diese Tradition jedoch nicht mehr bestätigt werden. Die aktuelle Gottesdienstordnung von Sarleinsbach für den Weißen Sonntag nennt zwei gewöhnliche Pfarrmessen, aber keine Wallfahrer aus Julbach oder Ulrichsberg; auch in den derzeit zugänglichen Veröffentlichungen dieser Pfarren ließ sich keine entsprechende Wallfahrt nachweisen. Das bedeutet nicht zwingend, dass niemals mehr einzelne Gläubige kommen, wohl aber, dass eine regelmäßige organisierte Wallfahrt derzeit nicht öffentlich dokumentiert ist.
Heinrich Jungwirth untersuchte das Wallfahrtsbrauchtum des Oberen Mühlviertels unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg. Für Sarleinsbach stellte er bereits einen starken Rückgang fest. Die moderne Tierhaltung und das zunehmende Vertrauen in tierärztliche Hilfe hätten der Leonhardwallfahrt viel von ihrer früheren Bedeutung genommen. Zugleich betonte er aber, dass die Sarleinsbacher Leonhardfigur aus dem einst weithin berühmten Wallfahrtsort St. Leonhard stammte, der schon im 16. Jahrhundert stark besucht worden war und seine Blüte in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts erlebt hatte.
Dieser Befund ist für die Interpretation besonders wertvoll. Der Niedergang der Wallfahrt war nicht einfach Folge kirchlicher Verbote, sondern hing auch mit tiefgreifenden Veränderungen der bäuerlichen Lebenswelt zusammen. Wo Tierkrankheiten zunehmend medizinisch behandelt wurden, verlor der traditionelle Viehpatron einen Teil seiner praktischen Zuständigkeit.
Die Pfarrgemeinde stellt die Leonhardsgeschichte heute bewusst dar. Auf ihrer offiziellen Beschreibung der Altäre wird ausdrücklich erklärt, dass die gotische Figur aus der aufgehobenen Wallfahrtskirche St. Leonhard stammt. Der heutige Altar von 1947 inszeniert Leonhard als Helfer der bäuerlichen Welt; Tiere des Bauernhofes umgeben die Figur, darunter Pferd, Rind, Schaf, Schwein und Huhn.
Damit bleibt das historische Patronat auch ohne große Wallfahrtszüge sichtbar. Für Besucher ist der Altar zugleich ein kleines volkskundliches Denkmal der ehemaligen Agrargesellschaft des Oberen Mühlviertels.
Neben dem Leonhardsaltar besitzt die Kirche mehrere bedeutende Kunstwerke. Das bereits erwähnte Petrusbild Johann Philipp Ruckerbauers von 1751 stammt vom früheren barocken Hochaltar. In der ehemaligen Grabkapelle der Familie Sprinzenstein befindet sich ein bedeutendes Marienbild Martin Altomontes von 1728, eine Darstellung der Immaculata. An der Rückwand der linken Seitenkapelle steht heute eine Pietà des 18. Jahrhunderts als Andachts- und Beichtstätte.
Bemerkenswert ist außerdem der Marienaltar im rechten Seitenschiff. Dort befindet sich eine steinerne Muttergottesfigur des 18. Jahrhunderts, die früher über der Quelle der Wallfahrtskirche Maria Bründl in Putzleinsdorf stand und über die Kapelle in Lämmerdorf nach Sarleinsbach gelangte. So kreuzen sich in der Sarleinsbacher Pfarrkirche gleich mehrere regionale Kult- und Kunstwege.
Historisch ist die Stellung Sarleinsbachs als Leonhard-Wallfahrtsort eindeutig. Der entscheidende Ursprung lag in der eigenständigen Wallfahrtskirche St. Leonhard, deren Kult 1785 in die Pfarrkirche übertragen wurde. Eine ältere wallfahrtskundliche Beschreibung konnte noch im 20. Jahrhundert organisierte Wallfahrergruppen zur Pfarrkirche dokumentieren.
Für die Gegenwart ist eine regelmäßige organisierte Leonhardwallfahrt zur Pfarrkirche jedoch nicht mehr sicher nachweisbar. Der Leonhardsaltar und die Verehrung des Heiligen bestehen, doch die aktuell veröffentlichten Pfarrtermine weisen keine eigene Leonhardwallfahrt aus. Am genauesten lautet die Einordnung daher: historisch dokumentierter Leonhard-Wallfahrtsort; heute Pfarrkirche mit fortbestehender Leonhardsverehrung und Andachtscharakter.
Sarleinsbach ist volkskundlich ein besonders lehrreicher Fall, weil hier ein ganzer Wallfahrtskult seinen Ort wechselte. Die josephinische Aufhebung vernichtete die Wallfahrt nicht sofort; vielmehr wurden Heiligenbilder und Brauch in die Pfarrkirche übertragen. Noch Generationen später kamen Wallfahrer zur alten Leonhardfigur, obwohl ihre ursprüngliche Kirche längst profaniert war.
Ebenso bemerkenswert sind die unterschiedlichen Anliegen: Viehkrankheiten, bäuerliche Existenzsorgen und Heiratswünsche. Die schwere Eisenfigur, die junge Frauen um den Altar trugen, verband religiöse Hoffnung mit einer körperlich anspruchsvollen Ritualhandlung. Der spätere Wandel zeigt zugleich, wie Wallfahrt auf gesellschaftliche Veränderungen reagiert: Mit moderner Veterinärmedizin, veränderten Arbeits- und Verkehrsverhältnissen und dem Verlust alter Märkte verschwand ein großer Teil der traditionellen Leonhardwallfahrt. Was blieb, ist die gotische Figur als materielles Gedächtnis einer einst weit bekannten Wallfahrtslandschaft.
Heinrich Jungwirth: Der Obermühlviertler. Seine religiöse und soziologische Stellung im volkstümlichen Wallfahrtsbrauchtum seiner Heimat. In: Österreichische Zeitschrift für Volkskunde, Neue Serie 3, Gesamtserie 52, Wien 1949, S. 1–37.
Peter Adam, Beate Auer u. a.: Dehio-Handbuch Oberösterreich. Band 1: Mühlviertel. Horn/Wien 2003.
Reinhard Rinnerthaler: Heilige "Heiratsvermittler" und Fürsprecher bei Liebesg'schichten. Dokumentation oberösterreichischer Brauchformen.
Pfarrgemeinde Sarleinsbach: Geschichte der Pfarrkirche St. Peter ad Vincula; Beschreibung der Altäre, Gemälde und Statuen.
Bundesdenkmalamt: denkmalpflegerische Dokumentation der ehemaligen Wallfahrtskirche St. Leonhard bei Sarleinsbach.
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Ergänzungen: Wolfgang Morscher
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