Rohrbach-Berg, Wallfahrtskirche Maria Trost
Hier stand einst die Burg der Perger, eines in der Geschichte des Landes nicht unbedeutenden Geschlechtes. Schon 1231 ist hier ein Heinrich de monte genannt. 1541 erwarben die Rödern den Sitz und bauten ihn 1600 zu einem Schloss aus. 1626 jedoch wurde dieses von den kaiserlichen Soldaten im Zuge der Bauernaufstände niedergebrannt. Aus den Trümmern ließen die Rödern die Kirche Maria Trost erbauen. Reste des Schlosses, besonders der Meierhof, stehen noch. Die Kirche untersteht dem Stift Schlägl.
Das Innere dieses Kirchleins bietet ein sehr einheitliches Bild, da sowohl der Hoch- (oder Gnaden-)Altar, wie auch die beiden Seitenaltäre mit guten Bildwerken aus der selben Zeit, nämlich dem 2. Viertel des 18. Jahrhunderts versehen sind. Eine aus Holz geschnitzte thronende Muttergottes mit Kind von ca. 1500 wurde leider in die Sakristei verbannt.
Kultgegenstand: Stehende, gekrönte und bekleidete Marienstatue, das Zepter in der rechten Hand haltend, auf dem linken Arm das gekrönte Kind tragend, welches mit der rechten Hand segnet und die Weltkugel in der linken Hand trägt. Diese Statue bildet den Hauptteil des Hochaltares und wurde wahrscheinlich zu Beginn des 18. Jahrhunderts durch Franz Anton Graf Rödern aufgestellt.
Legende: Wolfgang Theodor Graf Rödern gelobte bei Abwendung der Schwedengefahr 1645 eine Kirche, in der später ein 1688 aus der Hand der Türken in Stuhlweißenburg gerettetes Maria-Hilf-Bild aufgestellt wurde. Nach anderer Überlieferung waren der Graf und seine Söhne im Krieg, und als die Gräfin sorgenvoll auf dem Berg betete, erschien ihr die hl. Maria und tröstete sie, worauf die Gräfin bei glücklicher Heimkehr ihrer Lieben einen Kirchenbau versprach. Der Graf war mit dem Titel Maria-Trost erst nicht zufrieden; man machte Lose mit verschiedenen marianischen Titeln und als dreimal der Titel Maria-Trost gezogen wurde, betrachtete man dies als einen Wink. Bei der Aufsetzung des Turmkreuzes bemerkten drei Maurer um 3 Uhr nachmittags einen Stern über dem Bau, den die anderen nicht sahen. Auch vor dem Bau sah man schon Lichterschein am Berg.
Wallfahrt: Früher vor allem Wetterprozessionen hierher und wegen Zahnleiden zur hl. Apollonia. Der Besuch war früher sehr stark; er betrug im 18. Jahrhundert 6000 bis 8000 Personen im Jahr. Noch in unserem Jahrhundert kamen im Jahr ca. 2000 Personen in Prozessionen hierher, daneben natürlich auch Einzelpersonen. — Heute kommen größere Gruppen von Wallfahrern hauptsächlich im Mai und Oktober. Manche Ortschaften des Oberen Mühlviertels haben ihre bestimmten Tage, sie beten herzu und haben eine hl. Messe. Ein besonderer Tag der Wallfahrer ist der 4. Mai. Die Gruppen sind aber heute meist klein, da ja ein großer Teil der Landbevölkerung auswärts arbeitet. In den Sommermonaten kommen öfter große Autobusse (Frauenbewegung, Kameradschaftsbund, etc.), oft auch mit eigenem Priester; ansonsten hält der Ortsgeistliche Messe und Ansprache. Außerdem finden im Jahr meist 30 bis 40 Trauungen statt. Einige, noch immer im Gebrauch befindliche Wallfahrten aus der weiteren Umgebung sind folgende: Von Haibach und Umgebung kommt eine Prozession zum Patroziniumsfest (8. Oktober); die Gläubigen gehen Samstag früh daheim weg und kommen um ca. 17 Uhr hier an; der Geistliche hält einen feierlichen Empfang und Segen mit Beichtgelegenheit. Am Sonntag wird um 7 Uhr eine hl. Messe gelesen; die Wallfahrer bleiben bis nach der Festpredigt um 9 Uhr und gehen dann wieder heim. Am 2. Goldenen Samstag kommen die Bewohner von Hellmonsödt und Umgebung. Sie gehen bis Maria Pötsch bei Neufelden und fahren dann mit dem Zug bis Rohrbach; sie kommen um ca. 17 Uhr an. Diese beiden Gruppen zählen meist je 80 bis 90 Personen.
Die am kleinen Weg nach Rohrbach hinunter stehende Maria-Hilf-Kapelle und das Standbild des hl. Ivo können heute nicht mehr als Wallfahrt bezeichnet werden. Der hl. Ivo wurde lange Zeit von jungen Mädchen mit Heiratswünschen aufgesucht. Dabei wurde vielfach dem Standbild des Heiligen in die Zehen gebissen.
Quelle: Hertha und Friedrich Schober, Kapelle, Kirche, Gnadenbild. Ein kunstgeschichtlicher und volkskundlicher Führer zu Wallfahrtsstätten in Oberösterreich. Linz 1972.
Mit freundlicher Genehmigung von Reinprecht Schober für SAGEN.at.
| | Lage: Maria Trost, Berg, 4150 Rohrbach-Berg. |
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| | Web: Pfarre Rohrbach |
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| | Literatur zur Wallfahrt: |
| - F. Winkler, Der Bezirk Rohrbach, ein wirtschafts- und heimatkundlicher Atlas (1967). | |
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Ergänzungen: Wolfgang Morscher © www.SAGEN.at |
