| Wallfahrt: | Lebendige Marienwallfahrt. Historisch verbanden sich Pilgerbesuch, Heilquelle und Badebetrieb; heute bestehen Bründlprozession, Fatimafeiern und Fußwallfahrten aus umliegenden Pfarren fort. Die Quelle und die Kirche werden auch von Einzelpilgern und Wanderern besucht. |
| Status: | Historisch bedeutender und weiterhin lebendiger Wallfahrtsort. |
| Kultzentrum: | Maria-Hilf-Verehrung am Hochaltar: zentrales Gnadenbild von Johann Philipp Ruckerbauer aus dem Jahr 1714; darüber das ältere Maria-Hilf-Bild von 1676 aus der ehemaligen Wasserkapelle. Hinzu kommt die traditionsreiche Heilquelle. |
| Ort: | Putzleinsdorf. |
| Bezirk/Region: | Mühlviertel. |
| Bundesland: | Oberösterreich. |
| • | Lage: Bründl 1, 4134 Putzleinsdorf, etwa einen Kilometer nördlich des Marktes im Bründlwald. |
| • | Lage in der SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Mühlviertel |
| • | Ansicht in Street View (Luftbild) |
| • | Web: Pfarre Putzleinsdorf |
| • | Öffnungszeiten: tagsüber zugänglich; die Quelle ist frei zugänglich. |
| • | Bilddokumentation |
| • | Ausführliche Beschreibung |
Etwa einen Kilometer nördlich des Marktes Putzleinsdorf erhebt sich im sogenannten Bründlwald die Filial- und Wallfahrtskirche Maria Bründl. Kirche, Quelle und die Reste beziehungsweise Nachfolgebauten des früheren Badebetriebes bilden einen kleinen historischen Komplex, dessen Geschichte weit über eine gewöhnliche Waldkapelle hinausgeht. Der heutige offizielle Sprachgebrauch von Pfarre, Gemeinde und Denkmalpflege lautet "Wallfahrtskirche Maria Bründl"; die ältere Bezeichnung "Wallfahrtskapelle" ist angesichts der Größe, der regelmäßigen Gottesdienste und der kirchenrechtlichen Stellung als Filialkirche weniger präzise.
Maria Bründl ist bis heute ein lebendiger Wallfahrtsort. Die Kirche wird weiterhin für Gottesdienste und Wallfahrten genutzt, in der Pfarre bestehen Bründlprozession und Fatimafeiern, und auch Fußwallfahrten aus anderen Pfarren erreichen den Ort. Daneben kommen Einzelbesucher und Wanderer wegen der stillen Waldlage und der Quelle. Der historische Badebetrieb ist dagegen seit dem Ersten Weltkrieg erloschen.
Die religiöse Geschichte Maria Bründls begann nicht mit der heutigen Kirche, sondern mit der Quelle. Die Gemeinde Putzleinsdorf gibt an, dass das Wasser ungefähr seit der Mitte des 17. Jahrhunderts genutzt wurde. Der heutige Kirchenführer der Pfarre setzt jedoch einen wichtigen quellenkritischen Akzent: Die erste sicher fassbare Jahreszahl ist 1676. Sie ist sowohl in den Felsen bei den beiden Bildnischen eingemeißelt, welche die Quellstelle markieren, als auch auf einem alten Maria-Hilf-Bild angebracht.
Damit lässt sich die Frühgeschichte genauer formulieren als in vielen populären Darstellungen. Eine Nutzung der Quelle bereits um 1650 ist gut überliefert, doch 1676 bildet den ersten festen historischen Anker. Dieses alte Maria-Hilf-Bild war ursprünglich für die sogenannte Wasserkapelle bestimmt, in die das Bründlwasser unterirdisch geleitet wurde. Es befindet sich heute im Aufbau des Hochaltares der Wallfahrtskirche.
Die volkstümliche Gründungserzählung berichtet von einem reichen Grafen aus Wien, der schwer an Gicht litt. Im Traum sei ihm wiederholt aufgetragen worden, nach Putzleinsdorf zu reisen. Dort werde er in einem Wald eine Quelle finden, deren Wasser ihm Heilung bringe. Der Graf habe die weite Reise unternommen, obwohl in Putzleinsdorf zunächst niemand die beschriebene Quelle gekannt habe. Schließlich habe er sie nach den Zeichen seines Traumes gefunden, darin gebadet und seine Gesundheit wiedererlangt.
Bei der Suche sei zugleich ein Marienbild entdeckt worden, das der Graf besonders verehrte; schließlich habe er zu dessen Ehren eine kleine hölzerne Kapelle errichten lassen. Die Erzählung enthält typische Motive einer Heilquellen- und Wallfahrtslegende: Krankheit, Traumweisung, das Auffinden eines verborgenen Ortes, wundersame Genesung und Stiftung eines Heiligtums. Ein historisch identifizierbarer Wiener Graf lässt sich aus den zugänglichen Quellen nicht sicher bestimmen. Die Geschichte ist daher als Gründungssage zu behandeln, nicht als urkundlicher Bericht.
Unabhängig von der Sage ist der wachsende Ruf der Quelle historisch deutlich fassbar. Die Marktgemeinde Putzleinsdorf verweist darauf, dass im Pfarrarchiv nach 1700 zahlreiche Heilungen beziehungsweise als Heilungen verstandene Besserungen verzeichnet wurden. Gerade diese schriftlich festgehaltenen Erfahrungen trugen wesentlich dazu bei, dass sich Maria Bründl von einem lokalen Quellort zu einem weithin bekannten Ziel entwickelte.
Ältere Überlieferungen schreiben dem Wasser Hilfe besonders bei Gicht, Stoffwechselbeschwerden und altersbedingten Leiden zu. Solche Angaben sind als historische Volksmedizin und religiöse Deutung zu dokumentieren; sie stellen keine moderne medizinische Wirksamkeitsbestätigung dar. Entscheidend für die Wallfahrtsgeschichte ist, dass die Menschen dem Wasser konkrete Hilfe zutrauten und deshalb teilweise von weit her nach Putzleinsdorf kamen.
Maria Bründl entwickelte sich zu einem Ort, an dem Wallfahrt und Badebetrieb eng miteinander verbunden waren. Der Wald mit der Quelle gehörte der Bürgerschaft von Putzleinsdorf. Mit dem zunehmenden Zustrom erkannte der Markt nicht nur die religiöse, sondern auch die wirtschaftliche Bedeutung des Platzes und errichtete gegen Ende des 17. Jahrhunderts eine eigene Badeanstalt. Die Besucher kamen damit zugleich als Wallfahrer, Kranke, Badegäste und Reisende.
Das Wasser wurde erhitzt und in Badewannen verwendet. Nach der von August Zöhrer ausgewerteten Überlieferung besaß das Badhaus im frühen 19. Jahrhundert drei eingemauerte eiserne Kessel und fünfzehn Badewannen. Das Bründlwasser wurde außerdem in Gefäßen abgefüllt und bis nach Linz und Wien verschickt. Der religiöse Ruf der Quelle ließ sich somit von ihrem natürlichen Ort lösen: Wer nicht selbst nach Putzleinsdorf reisen konnte, ließ sich Wasser zusenden.
Für Gäste, die längere Zeit am Bründl bleiben wollten, errichtete die Bürgerschaft neben dem Badehaus ein Unterkunftsgebäude, das sogenannte "Stöckl"; der Bau war 1717 vollendet. Die ältere Beschreibung dieses Hauses gewährt einen bemerkenswerten Einblick in die soziale Ordnung des damaligen Bade- und Wallfahrtsbetriebes. Für Standespersonen, Geistliche und Bürger standen eigene Zimmer bereit. Chorherren aus Schlägl und Mönche aus Engelszell gehörten zu den regelmäßigen Besuchern.
Einfachere Gäste wurden in schlichteren Kammern untergebracht, während für Bauern eine Stube zur Verfügung stand, in der Stroh auf dem Boden ausgebreitet wurde. Für 1781 wird sogar ein eigenes Tafelzimmer für vornehme Gäste genannt; wer im Winter beheizte Räume verlangte, musste einen Zuschlag bezahlen. Diese Differenzierung macht Maria Bründl zu einer außergewöhnlich gut fassbaren historischen Badeanstalt, in der religiöse Hoffnung, Heilbehandlung und gesellschaftliche Rangordnung unmittelbar zusammentrafen.
Die Besucher kamen keineswegs nur aus Putzleinsdorf und den Nachbarpfarren. Die ältere Überlieferung nennt Gäste aus Linz, Wels und Wien sowie Angehörige des regionalen Adels und Amtsträger. Auch der Graf von Sprinzenstein und der Marktrichter von Sarleinsbach werden unter den Badegästen genannt. Damit besaß Maria Bründl im 18. Jahrhundert eine Reichweite, die weit über einen lokalen Bauernbrauch hinausging.
1809/10 wurde das Bad verpachtet; der Pächter erhielt neben dem Badebetrieb auch die Gastwirtsgerechtigkeit. 1855 wurde die Badeanstalt verkauft. Zwar ging ihre Bedeutung im 19. Jahrhundert allmählich zurück, doch bestand ein regelmäßiger Badebetrieb noch bis zum Ersten Weltkrieg. Danach endete diese Nutzung endgültig.
Der wachsende Zustrom von Wallfahrern und Badegästen machte eine größere Kirche erforderlich. Anstelle einer hölzernen Vorgängerkapelle ließ der Markt Putzleinsdorf von 1712 bis 1716 den heutigen gemauerten Bau errichten. Es handelt sich um einen schlichten zweijochigen Saalbau mit Stichkappentonne, geradem Chorschluss und Walmdach; über der Westfassade sitzt der charakteristische Dachreiter mit Zwiebelhelm.
Die Kirche wurde nicht unmittelbar nach ihrer Fertigstellung feierlich konsekriert. Erst am 27. August 1751 nahm ein Passauer Bischof die Kirchweihe vor. Zwei Jahre später wurde das Gnadenbild gekrönt. 1770 kam die östlich anschließende Sakristei hinzu beziehungsweise wurde sie erweitert. Diese Daten markieren die zunehmende kirchliche Institutionalisierung eines Ortes, der ursprünglich von der Quelle und der privaten beziehungsweise lokalen Andacht ausgegangen war.
Der frühbarocke Hochaltar entstand bereits um 1660/70 und wurde somit aus der älteren Kapellenausstattung übernommen. Er ist als Säulenädikula mit gesprengtem Dreieckgiebel und Auszug gestaltet. Diese Wiederverwendung erklärt, weshalb der Altar älter ist als der zwischen 1712 und 1716 errichtete Kirchenbau.
Zur Ausstattung gehören Figuren der hl. Anna und Johannes des Täufers sowie als Bekrönung der Erzengel Michael. Im Auszug erscheint ein Gnadenstuhl. Der Tabernakel stammt aus dem späten 19. Jahrhundert, verwendet aber barocke Engelköpfe als Kerzenhalter; darüber steht eine Immaculata aus dem zweiten Viertel des 18. Jahrhunderts.
Die kunsthistorische Dokumentation unterscheidet am heutigen Hochaltar zwei Maria-Hilf-Bilder unterschiedlicher Zeitstellung. Eine ältere Beschreibung einer sitzenden, gekrönten Maria auf dem Halbmond mit dem Kind auf dem rechten Arm lässt sich damit nicht eindeutig einem der beiden Bilder zuordnen.
Im Zentrum des Hochaltares befindet sich ein Maria-Hilf-Gnadenbild, das der aus Sarleinsbach stammende Mühlviertler Barockmaler Johann Philipp Ruckerbauer 1714 schuf. Darüber ist in einem bemerkenswerten Rokokorahmen das ältere Maria-Hilf-Bild von 1676 angebracht. Dieses ältere Bild gehörte ursprünglich zur Wasserkapelle und wurde später in den Hochaltar übertragen. Damit sind zwei verschiedene historische Stufen der Marienverehrung unmittelbar übereinander sichtbar.
Johann Philipp Ruckerbauer wurde 1663 in Sarleinsbach geboren und zählt zu den wichtigen Mühlviertler Malern des Barock. Er arbeitete unter anderem für Kirchen in Sarleinsbach, Putzleinsdorf, Neufelden und Kirchberg ob der Donau sowie für das Stift Schlägl und andere kirchliche Auftraggeber. Das 1714 geschaffene Maria-Hilf-Bild von Maria Bründl gehört somit in ein dichtes regionales Netzwerk barocker Kirchenkunst.
Sein Bild greift den in Mitteleuropa weit verbreiteten Typus "Maria Hilf" auf. Die besondere Bedeutung des Putzleinsdorfer Altars liegt aber gerade darin, dass Ruckerbauers barocke Neuschöpfung mit dem älteren, direkt an die Quellkapelle gebundenen Bild von 1676 verbunden blieb.
Zwei Jahre nach der feierlichen Kirchweihe wurde 1753 das Gnadenbild gekrönt. Eine solche Krönung war weit mehr als dekorativer Schmuck: Sie stellte die besondere Verehrung der Gottesmutter sichtbar heraus und markierte einen Höhepunkt in der Entwicklung des Wallfahrtsortes. Zu diesem Zeitpunkt waren Quelle, Badeanstalt und Kirche längst Bestandteile eines etablierten regionalen Heil- und Wallfahrtszentrums.
Da der Hochaltar zwei Maria-Hilf-Bilder unterschiedlicher Zeitstellung bewahrt und ältere Kurzbeschreibungen den Begriff "Gnadenbild" nicht immer eindeutig verwenden, bleibt die Zuordnung einzelner historischer Aussagen mit Unsicherheiten verbunden. Sicher ist die enge kultische Verbindung beider Bilder mit Maria Bründl.
Noch bevor die große Kirche entstand, genügte den Besuchern eine kleine Kapelle unmittelbar an der Quelle. Das Bründlwasser wurde unterirdisch in diese Wasserkapelle geleitet. Das alte Maria-Hilf-Bild von 1676 war ursprünglich für diesen Raum bestimmt. 1887 wurde die kleine Quellkapelle im Geist der damals stark anwachsenden Lourdesfrömmigkeit zur Lourdeskapelle umgestaltet.
Damit entstand eine weitere religiöse Schicht: Die ältere oberösterreichische Heilquelle wurde nun mit dem international verbreiteten Lourdeskult verbunden. Die Quelle blieb jedoch weiterhin das Zentrum. Noch heute markieren die Felsnischen von 1676 ihren historischen Ursprung.
Zur wechselvollen Ausstattungsgeschichte gehört außerdem eine steinerne Muttergottesfigur aus dem 18. Jahrhundert, die früher über der Quelle von Maria Bründl stand. Die Pfarrgemeinde Sarleinsbach berichtet, dass diese Figur zunächst über die Kapelle in Lämmerdorf weitergegeben wurde und schließlich in die Pfarrkirche Sarleinsbach gelangte. Dort steht sie heute am Marienaltar.
Dieses Beispiel zeigt, weshalb die verschiedenen alten Beschreibungen des Kultgegenstandes nicht ohne weiteres auf ein einziges Objekt reduziert werden dürfen. Maria Bründl besaß im Laufe seiner Geschichte mehrere Marienbilder und -figuren, die unterschiedliche Funktionen in Kirche und Quellkapelle erfüllten.
Die hölzerne Westempore stammt aus dem Jahr 1742 und ruht auf rotmarmorierten toskanischen Säulen. Ihre Brüstung trägt Darstellungen des freudenreichen Rosenkranzes: Verkündigung, Heimsuchung, Geburt Christi, Darstellung beziehungsweise Beschneidung und der zwölfjährige Jesus im Tempel. Damit wird die marianische Ausrichtung des Wallfahrtsortes auch außerhalb des Hochaltars fortgeführt.
Die kleine Orgel wurde 1848 von Peter Heining erbaut und kam 1893/95 aus der Pfarrkirche Allhaming nach Maria Bründl. Solche Übertragungen älterer Instrumente waren bei kleinen Filial- und Wallfahrtskirchen nicht ungewöhnlich und ergänzten die Ausstattung, ohne dass ein kostspieliger vollständiger Neubau nötig war.
Die josephinischen Reformen trafen Maria Bründl wie viele kleinere Wallfahrtsorte. 1788 wurde die Kirche säkularisiert beziehungsweise ihrer regulären kirchlichen Funktion entzogen. Für einen Ort, dessen Existenz eng mit Wallfahrt und religiös verstandener Heilquelle verbunden war, bedeutete dies einen schweren Einschnitt.
Im 19. Jahrhundert kam es jedoch zur Wiederbelebung. 1865 wurde die Kirche neu konsekriert. Die Umgestaltung der Wasserkapelle zur Lourdeskapelle 1887 und die spätere Ergänzung der Ausstattung zeigen, dass sich die Frömmigkeit den neuen marianischen Strömungen des Jahrhunderts anschloss. Der Badebetrieb existierte parallel noch mehrere Jahrzehnte weiter.
Im 20. Jahrhundert kam zur älteren Maria-Hilf- und Lourdesfrömmigkeit die Fatimaverehrung. Für das frühe 21. Jahrhundert ist eine Prozession an jedem 13. von Mai bis Oktober ausdrücklich dokumentiert: Vom Putzleinsdorfer Marktplatz zogen die Teilnehmer betend zur Wallfahrtskirche und feierten dort die Messe. Diese "Bründlprozessionen" zogen auch Gläubige aus anderen Pfarren an.
Die Fatimatradition besteht weiterhin. Das aktuelle Verzeichnis der liturgischen Dienste der Pfarre führt ausdrücklich "Fatimafeiern in der Wallfahrtskirche Maria Bründl" als eigenen Dienstbereich. Ebenso ist die Bründlprozession weiterhin im kirchlichen Jahreslauf präsent; aktuelle Ministrantenpläne weisen sie ausdrücklich aus. Damit ist Maria Bründl kein historischer Wallfahrtsort, dessen religiöse Nutzung nur noch erinnert wird, sondern ein gegenwärtig gepflegtes Pilgerziel.
Auch die klassische Fußwallfahrt besteht fort. Aus Oberkappel wurde zu Beginn des Marienmonats Mai eine Fußwallfahrt nach Maria Bründl neu belebt und hat sich nach Auskunft der Pfarre bereits zur Tradition entwickelt. 2017 machten sich dort 34 Personen gemeinsam auf den rund dreistündigen Weg und feierten anschließend in der Bründlkirche Eucharistie. Neuere Pfarrberichte führen die Wallfahrt weiterhin im religiösen Jahreslauf.
Auch andere Pfarren haben Maria Bründl als Ziel gewählt. Eine dokumentierte Wallfahrt aus Gramastetten führte mit mehr als fünfzig Pilgern nach rund zehn Stunden Gehzeit nach Putzleinsdorf. Solche Beispiele zeigen, dass das Einzugsgebiet weiterhin über die unmittelbare Gemeinde hinausreicht, auch wenn die Teilnehmerzahlen nicht mit den Bade- und Wallfahrtsströmen des 18. Jahrhunderts vergleichbar sind.
Die Quelle ist weiterhin zugänglich und wird von Besuchern aufgesucht. Wanderer nehmen Wasser in mitgebrachten Flaschen mit. Neuere Beobachtungen zeigen allerdings, dass der Wasseraustritt an der historischen Quellfassung zeitweise schwächer sein kann. Das ändert nichts an der zentralen Stellung der Quelle in der Identität des Ortes.
Die traditionelle Bezeichnung als "heilkräftig" gehört zur historischen Wallfahrts- und Badegeschichte. Sie darf nicht mit einer medizinisch nachgewiesenen Heilwirkung gleichgesetzt werden. Gerade Maria Bründl zeigt anschaulich, wie religiöse Hoffnung, Erfahrungswissen, Badekultur und frühere Vorstellungen von Gesundheit über Jahrhunderte ineinandergriffen.
Der Wallfahrtsstatus von Maria Bründl ist ohne Einschränkung gesichert. Die Quelle zog spätestens seit dem 17. Jahrhundert Hilfesuchende an; die Kirche entstand ausdrücklich im Zusammenhang mit dem wachsenden Zustrom von Badegästen und Pilgern. Kirchweihe, Gnadenbildkrönung, Wallfahrtsprozessionen und der überregionale Besuch bestätigen die Bedeutung des Ortes.
Auch heute bestehen mit Fatimafeiern, Bründlprozession und Fußwallfahrten organisierte religiöse Formen fort. Maria Bründl ist daher als historisch bedeutender und weiterhin lebendiger Wallfahrtsort zu führen. Ein Zusatz "Andachtsort" wäre hier nicht angebracht.
Maria Bründl gehört zu den volkskundlich reichsten Wallfahrtsorten des oberen Mühlviertels. Selten lässt sich die Verbindung von Wallfahrt und historischem Badebetrieb so anschaulich verfolgen. Die Menschen kamen nicht nur, um vor einem Gnadenbild zu beten, sondern badeten, wohnten mehrere Tage am Ort, ließen Wasser verschicken und verbanden ihre körperlichen Beschwerden mit religiöser Hoffnung. Rund um die Quelle entstand eine ganze Infrastruktur aus Wasserkapelle, Badehaus, Unterkunft, Gastwirtschaft und schließlich der großen Wallfahrtskirche.
Dabei wandelte sich auch die religiöse Bildwelt: das ältere Maria-Hilf-Bild von 1676, Ruckerbauers Gnadenbild von 1714, eine ehemalige steinerne Bründlmadonna, die Lourdeskapelle von 1887 und später die Fatimafeiern. Keine dieser Schichten löschte die vorhergehende vollständig aus. Der gemeinsame Mittelpunkt blieb die Verbindung von Maria, Quelle, Hilfe und Wallfahrt. Gerade diese lange, mehrfach erneuerte Kontinuität macht Maria Bründl zu einem außergewöhnlich aussagekräftigen Zeugnis der oberösterreichischen Volksfrömmigkeit.
Franz Fuchs: Aus der Vergangenheit der Pfarre Putzleinsdorf im Mühlviertel. In: Heimatgaue, Linz 1923.
August Zöhrer: Johann Philipp Ruckerbauer. Der Mühlviertler Barockmaler. In: Oberösterreichische Heimatblätter, Jg. 6, Heft 4, Linz 1952, S. 489–508.
August Zöhrer: Maria Bründl bei Putzleinsdorf. In: Oberösterreichische Heimatblätter, Jg. 7, Heft 1, Linz 1953, S. 67–74.
Franz Höfler: Heimatbuch Putzleinsdorf. Marktgemeinde Putzleinsdorf 1979.
Franz Höfler: Denkmäler in Putzleinsdorf. Marktgemeinde Putzleinsdorf 1989.
Peter Adam, Beate Auer u. a.: Dehio-Handbuch Oberösterreich. Band 1: Mühlviertel. Horn/Wien 2003, S. 634–635.
Friedrich Reischl, überarbeitet von Karl Lindorfer: 300 Jahre Pfarrkirche zum hl. Vitus 1708–2008. Kirchenführer der Pfarre Putzleinsdorf, Christliche Kunststätten Österreichs Nr. 332, 2. Auflage, Salzburg 2008.
Pfarre Putzleinsdorf und Marktgemeinde Putzleinsdorf: aktuelle Informationen zur Wallfahrtskirche Maria Bründl, zu Fatimafeiern, Bründlprozession und heutiger Nutzung.
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Ergänzungen: Wolfgang Morscher
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