| Wallfahrt: | Historische und regional fortwirkende Wallfahrt. Die Kapelle wurde 1649 als Dreifaltigkeits- und Pestkapelle errichtet; später verlagerte sich die Verehrung zur Gottesmutter. Noch bei der Pfarrvisitation 1991 wurde sie als viel besuchte Wallfahrtskapelle bezeichnet, besonders an den sommerlichen Fatimatagen; auch heilige Messen wurden dort gefeiert. Heute wird sie weiterhin als Wallfahrtskapelle geführt und von Besuchern aus der Umgebung aufgesucht. |
| Status: | Historisch dokumentierter und weiterhin als Wallfahrtskapelle geführter Wallfahrtsort. |
| Kultzentrum: | Ursprünglich die Heilige Dreifaltigkeit; seit dem 19. Jahrhundert marianische Verehrung. Neben der Kapelle das Egerholzbründl, dessen Wasser traditionell bei Augenleiden verwendet wird. |
| Ort: | Peilstein im Mühlviertel. |
| Bezirk/Region: | Mühlviertel. |
| Bundesland: | Oberösterreich. |
| • | Lage: im Egerholz an der Landesstraße zwischen Niederkraml und Exenschlag im Tal der Kleinen Mühl; kirchlich im Peilsteiner Zusammenhang, heutige touristische Adresse 4162 Julbach. |
| • | Lage in der SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Mühlviertel |
| • | Ansicht in Street View (Abzweigung) |
| • | Web: Pfarre Peilstein |
| • | Öffnungszeiten: der Platz und das Egerholzbründl sind frei zugänglich; die Kapelle selbst ist von außen zu besichtigen. |
| • | Bilddokumentation |
| • | Ausführliche Beschreibung |
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Besonders willkommen sind Außenansicht und Waldlage, Innenraum und heutige Marienausstattung, ältere Dreifaltigkeitsdarstellungen, Egerholzbründl und Quellfassung, erhaltene Votivbilder und hölzerne Votivgaben sowie Aufnahmen von Fatimatagen, Gottesdiensten und Wallfahrtsbesuchen.
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Die Egerholzkapelle liegt im Tal der Kleinen Mühl in einem Waldstück an der Landesstraße zwischen Niederkraml und Exenschlag. Der Ort gehört kirchlich eng zur Pfarre Peilstein und wird in der Peilsteiner Pfarrgeschichte ausdrücklich als Wallfahrtskapelle genannt. Die heutige touristische Adresse lautet dagegen 4162 Julbach; auch aktuelle Karten verorten die Kapelle im Gemeindegebiet beziehungsweise unmittelbar im Grenzbereich von Julbach. Für die historische und kirchliche Zuordnung bleibt die Verbindung mit Peilstein dennoch wesentlich.
Die Kapelle steht nur wenige Schritte oberhalb der Straße im Wald. Ein markierter Weg führt daran vorbei; heute ist sie unter anderem in den "Weg der Entschleunigung" eingebunden. Unmittelbar daneben befindet sich das Egerholzbründl, eine gefasste Quelle, deren Wasser in einen Granittrog geleitet wird. Kapelle, Quelle und Waldlage bilden zusammen den eigentlichen Wallfahrts- und Andachtsplatz.
Die heutige örtliche und touristische Überlieferung setzt die Errichtung der Egerholzkapelle in das Jahr 1649 und bezeichnet sie ausdrücklich als Pestkapelle zu Ehren der Heiligen Dreifaltigkeit. Diese Datierung passt in die schwere Krisenzeit des 17. Jahrhunderts, als Pest, andere Seuchen und die Nachwirkungen des Dreißigjährigen Krieges das religiöse Leben stark prägten. Eine unmittelbare zeitgenössische Stiftungsurkunde ließ sich in den derzeit öffentlich zugänglichen Quellen jedoch nicht auffinden.
Die gut tradierte Datierung 1649 ist von der konkreten Erklärung "wegen einer Pestepidemie" zu trennen. Dass die Kapelle ursprünglich der Heiligen Dreifaltigkeit geweiht beziehungsweise auf sie ausgerichtet war, wird von mehreren heutigen regionalen Quellen übereinstimmend angegeben. Auch eine ältere wallfahrtskundliche Beschreibung hält fest, dass vor der späteren Marienverehrung die Dreifaltigkeit im Zentrum stand.
Neben der Kapelle entspringt das Egerholzbründl. Die Quelle ist heute gefasst; das Wasser fließt durch ein Rohr in einen Granittrog. In der lokalen Überlieferung gilt das Bründl als heilkräftig, besonders bei Augenkrankheiten. Solche Augenbründln gehören zu den häufigsten Formen religiös gedeuteter Heilquellen im österreichischen Wallfahrtswesen.
Der Gebrauch des Wassers ist als volksmedizinische und religiöse Praxis zu verstehen, nicht als medizinisch nachgewiesene Therapie. Gerade die Verbindung von Marienverehrung und Augenleiden ist an zahlreichen Wallfahrtsorten belegt. In Egerholz wurde die Quelle so wichtig, dass sie heute fast ebenso stark mit dem Ort verbunden wird wie die Kapelle selbst.
Die bekannteste Heilungsüberlieferung erzählt von einem blinden Mädchen aus Peilstein, das 1867 durch das Wasser des Egerholzbründls sein Augenlicht wiedererlangt haben soll. Diese Geschichte wird heute von der regionalen Tourismusinformation, in Darstellungen über Mühlviertler Heilquellen und in der lokalen Überlieferung weitergegeben.
Ein medizinischer oder zeitgenössisch amtlicher Nachweis für diese Heilung konnte bislang nicht ermittelt werden. Die Erzählung gehört ausdrücklich in den Bereich der Überlieferung. Für die Wallfahrtsgeschichte ist sie trotzdem von großer Bedeutung, weil sie erklärt, weshalb das Bründl im 19. und 20. Jahrhundert besonders von Menschen mit Augenleiden aufgesucht wurde.
Eine ältere wallfahrtskundliche Beschreibung berichtet von einer heute nicht mehr bestehenden zweiten kleinen Kapelle bei der Quelle. Darin befand sich eine Muttergottesstatue, deren Herz von einem Schwert durchbohrt war, also eine Darstellung der schmerzhaften Muttergottes. Besonders bemerkenswert ist die Beschreibung, dass das Quellwasser durch das Herz der Marienfigur geleitet worden sei.
Diese heute ungewöhnlich wirkende Inszenierung verband Quelle und Marienbild unmittelbar miteinander. Das Wasser trat nicht bloß neben einem Heiligtum aus dem Boden, sondern wurde symbolisch durch den Leib beziehungsweise das Herz Mariens geführt. Damit wurde die natürliche Quelle liturgisch beziehungsweise volksreligiös gedeutet und in die Bildfrömmigkeit einbezogen.
Eine ältere wallfahrtskundliche Beschreibung beschreibt einen deutlichen Wechsel des Kultzentrums. Ursprünglich stand die Heilige Dreifaltigkeit im Mittelpunkt. Das älteste von ihm näher beschriebene Votivbild aus dem Jahr 1797 zeigte noch diese ältere Kultausrichtung. Seit ungefähr 1820 soll dagegen eine Muttergottesstatue das zentrale Verehrungsbild gewesen sein.
Dieser Wandel ist religionsgeschichtlich bemerkenswert. Die Kapelle behielt ihre Identität als Wallfahrtsort, doch das konkrete Kultzentrum veränderte sich. Solche Verschiebungen sind im Wallfahrtswesen nicht selten: Neue Bilder, neue Frömmigkeitsformen oder besondere Gebetserhörungen können ältere Patrozinien überlagern, ohne dass der Ort seine religiöse Bedeutung verliert.
Mit dem Votivbild von 1797 war nach einer älteren wallfahrtskundlichen Beschreibung eine dramatische Erzählung verbunden. Sie berichtet von einem "bösen Mann", der sich mit Teufelskünsten beschäftigt und seine Seele dem Teufel verschrieben habe. Die Egerholz-Muttergottes habe ihn schließlich gerettet, sodass er mit Gott versöhnt sterben konnte. Inhaltlich passt diese Geschichte allerdings nicht ohne weiteres zur älteren Dreifaltigkeitsdarstellung des Bildes.
Hier ist deshalb quellenkritische Vorsicht notwendig. Wahrscheinlich haben sich im Lauf der mündlichen Überlieferung Bildinhalt, spätere Marienverehrung und eine moralische Erzählung miteinander verbunden. Die Sage ist volkskundlich wertvoll, aber keine historische Erklärung eines konkreten Ereignisses von 1797. Sie zeigt vor allem, wie der Wallfahrtsort als Platz der Rettung selbst eines religiös und moralisch "verlorenen" Menschen interpretiert wurde.
Eine ältere wallfahrtskundliche Beschreibung nennt als ältestes ihm aus der Überlieferung bekanntes Votivbild eine Tafel von 1650, die bereits zu seiner Zeit nicht mehr vorhanden war. Sie soll einen Mann im Kampf mit einer Schlange gezeigt haben. Falls die Datierung zutrifft, wäre dies ein außerordentlich früher Beleg für Votivpraxis unmittelbar nach der überlieferten Kapellengründung von 1649.
Da das Bild nicht mehr vorhanden ist und derzeit keine unabhängige archivalische Beschreibung aufgefunden werden konnte, muss diese Nachricht als ältere dokumentarische Überlieferung behandelt werden. Dennoch ist sie plausibel im Zusammenhang mit einem Wallfahrtsort, an dem Gefahr, Krankheit und Rettung in Votivbildern dargestellt wurden.
Noch um 1970 sind zahlreiche Votivbilder aus dem 19. und 20. Jahrhundert dokumentiert, viele davon auf Holz gemalt. Häufig erschienen Maria-Hilf-Motive. Daneben bestanden dreidimensionale hölzerne Votive: Beine, Arme, Wickelkinder und Tiere. Auch eine Krücke gehörte zum Bestand.
Diese Objekte sind für die Einordnung der Egerholzkapelle entscheidend. Sie zeigen, dass die Besucher nicht nur zum Spaziergang oder wegen der Quelle kamen, sondern konkrete körperliche, familiäre und wirtschaftliche Anliegen mitbrachten. Körperteile stehen für Krankheit oder Verletzung, Wickelkinder für Kindersegen und Kinderkrankheiten, Tierdarstellungen für die bäuerliche Viehwirtschaft. Das Votivensemble dokumentiert damit einen breiten Bereich alltäglicher Sorgen.
Die Egerholzkapelle war nie ein überregionaler Großwallfahrtsort. Eine ältere wallfahrtskundliche Beschreibung beschreibt vor allem Besucher aus der näheren Umgebung. Gerade daraus darf jedoch nicht geschlossen werden, sie sei lediglich ein beliebiger Andachtsplatz gewesen. Die große Zahl an Votivgaben, die Heilquellentradition und die kirchliche Bezeichnung als Wallfahrtskapelle belegen einen echten, wenn auch regional begrenzten Wallfahrtscharakter.
Eine Diözesanvisitation vom 16. und 17. Juni 1991 liefert dafür einen besonders wichtigen kirchlichen Nachweis. Im Visitationsbericht wird die Egerholzkapelle ausdrücklich als Wallfahrtskapelle bezeichnet. Sie werde besonders an den sommerlichen Fatimatagen viel besucht; außerdem würden dort heilige Messen gefeiert. Damit ist der Wallfahrtscharakter nicht nur durch volkskundliche Literatur, sondern auch durch eine amtliche kirchliche Quelle des späten 20. Jahrhunderts bestätigt.
Die im Visitationsbericht genannten sommerlichen Fatimatage markieren eine weitere Schicht der Kultgeschichte. Die Fatimafrömmigkeit breitete sich im 20. Jahrhundert stark aus und knüpfte vielerorts an bereits bestehende Marienheiligtümer an. Auch in Egerholz erhielt die ältere lokale Marienverehrung damit einen neuen Akzent.
Ob und in welcher regelmäßigen Form diese Fatimafeiern heute noch stattfinden, ließ sich in den aktuell öffentlich zugänglichen Pfarrkalendern nicht sicher nachweisen. Die historische Nachricht von 1991 belegt daher keinen unverändert fortbestehenden heutigen Terminplan. Für den Wallfahrtsstatus bleibt sie dennoch bedeutsam: Sie zeigt, dass die Kapelle noch Ende des 20. Jahrhunderts aktiv liturgisch und wallfahrtsmäßig genutzt wurde.
Aktuelle regionale Tourismusinformationen bezeichnen die Egerholzkapelle weiterhin ausdrücklich als Wallfahrtskapelle. Auch das Egerholzbründl wird weiterhin wegen seiner traditionellen Verbindung mit Augenleiden aufgesucht. Der Platz ist frei zugänglich und liegt heute an einem beliebten Wanderweg.
Eine große regelmäßige Prozession oder ein fester heutiger Wallfahrtstag ist in den zugänglichen aktuellen Quellen nicht sicher belegt. Das ändert jedoch nichts am Charakter des Ortes. Historischer Votivbestand, Heilquellenverehrung, kirchliche Einstufung als Wallfahrtskapelle und die dokumentierten Fatimatage ergeben zusammen einen klaren Wallfahrtsstatus. Die Egerholzkapelle ist deshalb weiterhin als Wallfahrtsort zu führen, auch wenn ihre heutige Nutzung wesentlich kleiner und individueller sein dürfte als in früheren Zeiten.
Die Bezeichnung "Pestkapelle" wird heute in regionalen Quellen mit großer Selbstverständlichkeit verwendet. Historisch passt die überlieferte Gründung 1649 durchaus in eine Epoche wiederkehrender Seuchengefahr. Trotzdem konnte in der aktuellen Recherche keine originale Stiftungsurkunde oder zeitgenössische Pfarrnotiz gefunden werden, die ausdrücklich eine bestimmte Pestepidemie als Anlass nennt.
Die Formulierung "nach der örtlichen Überlieferung 1649 als Pestkapelle errichtet" trägt dem derzeitigen Quellenstand Rechnung; eine weitergehende gesicherte Datierung ist nicht nachgewiesen.
Heute ist der Ort auch in touristische und spirituell verstandene Wanderwege eingebunden. Eine Etappe des "Weges der Entschleunigung" führt direkt an der Egerholzkapelle und dem Bründl vorbei. Der moderne Wanderer trifft hier auf eine bereits jahrhundertealte religiöse Landschaft aus Waldkapelle, Quelle, Bildstöcken und markiertem Weg.
Diese moderne Nutzung ersetzt die historische Wallfahrt nicht, verändert aber den Kreis der Besucher. Neben Menschen, die wegen der religiösen Bedeutung kommen, erreichen heute auch Wanderer und Ausflugsgäste den Platz. Die Egerholzkapelle bleibt damit ein gutes Beispiel dafür, wie ein regionaler Wallfahrtsort zugleich in eine zeitgenössische Freizeit- und Pilgerlandschaft eingebunden werden kann.
Volkskundlich ist die Egerholzkapelle außergewöhnlich reich. Mehrere Kultschichten liegen übereinander: die überlieferte Dreifaltigkeits- und Pestkapelle des 17. Jahrhunderts, die Quelle mit Augenheilungsbrauch, Votivbilder und Körpervotive, seit dem 19. Jahrhundert verstärkte Marienverehrung und schließlich die Fatimafrömmigkeit des 20. Jahrhunderts. Keine dieser Schichten muss die vorhergehende vollständig verdrängt haben.
Besonders eindrucksvoll ist die Verbindung von Wasser und Votivwesen. Die Quelle versprach beziehungsweise symbolisierte körperliche Hilfe; die Votivbilder und geschnitzten Körperteile machten Bitten und Dank dauerhaft sichtbar. Dazu kamen Erzählungen vom geretteten Sünder, vom Kampf mit der Schlange und vom blinden Mädchen. Die Egerholzkapelle zeigt damit geradezu exemplarisch, wie sich Heilquelle, Wallfahrt, Volksmedizin, Legende und kirchliche Marienfrömmigkeit zu einem lokalen religiösen System verbinden konnten.
Beiträge zur Landes- und Volkskunde des Mühlviertels, einschlägige Beiträge zur Egerholzkapelle in den Bänden 12 und 14.
Diözese Linz: Bericht über die Pfarrvisitation in Peilstein vom 16./17. Juni 1991; darin Einstufung der Egerholzkapelle als Wallfahrtskapelle und Hinweis auf stark besuchte sommerliche Fatimatage.
Tourismusverband Mühlviertel / Oberösterreich Tourismus: Egerholzkapelle mit Heilwasserquelle, aktuelle Orts- und Besucherinformation.
Regionale Quellen- und Wanderdokumentationen zum Egerholzbründl und zum "Weg der Entschleunigung".
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Ergänzungen: Wolfgang Morscher
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