| Wallfahrt: | Lebendige Marienwallfahrt. Historisch kamen besonders Frauen und Familien aus dem oberen Mühlviertel sowie Wallfahrer aus dem Raum Eferding und Sarleinsbach; Anliegen betrafen Krankheit, Kinder, Unfälle und andere Nöte. Heute bestehen unter anderem traditionelle Fußwallfahrten aus Arnreit und dem Raum Rohrbach, Maiandachten und Pilgerbesuche; die Kapelle liegt am Granitpilgerweg. |
| Status: | Lebendiger Wallfahrts- und Pilgerort. |
| Kultzentrum: | Maria von der immerwährenden Hilfe; von Matthias Lanzersdorfer geschaffene Altarausstattung und ein außergewöhnlich reicher Bestand an Votivbildern und früheren Votivgaben. |
| Ort: | Kleinzell im Mühlkreis. |
| Bezirk/Region: | Mühlviertel. |
| Bundesland: | Oberösterreich. |
| • | Lage: auf dem Breitenhügel südwestlich der Ortschaft Ramersberg, 4115 Kleinzell im Mühlkreis; erreichbar über einen Kreuzweg und heute auch über den Granitpilgerweg. |
| • | Lage in der SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Mühlviertel |
| • | Ansicht in Street View (Luftbild) |
| • | Web: Pfarre Kleinzell |
| • | Öffnungszeiten: durchgehend geöffnet. |
| • | Bilddokumentation |
| • | Ausführliche Beschreibung |
Bildquelle: SAGEN.at-Fotogalerie
Votivbild in der Wallfahrtskapelle Ramersberg:
Inschrift:
"Unser Kind 1 1/2 Jahr alt, hate ein schwäres Augenleiden bei einem halben Jahr, wir waren 9mal in Linz beim Togter, und konte nicht helfen, da versprachen wir uns hieher, zu Maria von der immerwährenden Hilfe, und ein Bild zu Opfern, von der Zeit an sieht das Kind wieder gut -
Name und Ort"
Bildquelle: SAGEN.at-Fotogalerie
Die Wallfahrtskapelle Maria Ramersberg liegt auf dem Breitenhügel südwestlich der kleinen Ortschaft Ramersberg, hoch über dem Tal der Großen Mühl. Vom Dorf führt ein Fußweg durch Wald und Flur zum Heiligtum; die letzten Meter begleiten Kreuzwegstationen den Anstieg. Die abgeschiedene Lage gehört wesentlich zur Wirkung des Ortes. Maria Ramersberg ist kein aus einem großen Kloster oder einer bedeutenden Pfarrkirche hervorgegangenes Heiligtum, sondern eine bäuerliche Gründung des späten 19. Jahrhunderts, die sich innerhalb weniger Jahrzehnte zu einer weithin bekannten Marienwallfahrt des Oberen Mühlviertels entwickelte.
Die Kapelle ist der Muttergottes von der Immerwährenden Hilfe geweiht. Sie ist durchgehend geöffnet und wird weiterhin von Wallfahrern, Pilgern, Wanderern und Einzelbesuchern aufgesucht. Traditionelle Fußwallfahrten bestehen fort; besonders im Marienmonat Mai finden Andachten statt. Außerdem liegt die Kapelle heute am Granitpilgerweg und besitzt dort eine eigene Pilgerstempelstelle. Damit verbindet sich die historische Wallfahrt mit einer modernen Pilgerkultur.
Die Entstehung von Maria Ramersberg ist ungewöhnlich gut dokumentiert. Heinrich Jungwirth widmete der jungen Wallfahrt bereits 1949 in seiner grundlegenden Untersuchung des obermühlviertlerischen Wallfahrtswesens mehrere Seiten. Gründer war Matthias Lanzersdorfer, geboren 1840 und aus St. Martin im Mühlkreis stammend. In Ramersberg lebte er als Auszügler am Obergut. Jungwirth korrigierte ausdrücklich eine ältere falsche Darstellung, die Lanzersdorfer als mittellosen "Einleger" bezeichnet hatte. Tatsächlich verfügte er aus seinen Auszugsrechten über eigenes Vermögen, das er in erheblichem Umfang für die Kapelle, ihre Ausstattung und ihren Erhalt verwendete.
Lanzersdorfer war zugleich ein ausgesprochen produktiver bäuerlicher Volkskünstler. Er schnitzte und bemalte die Altäre seiner Kapelle, fertigte zahlreiche Votivtafeln an und malte in der Umgebung religiöse Marterlbilder auf Blech. Jungwirth konnte an den über Jahrzehnte entstandenen Votivbildern sogar eine zunehmende technische und künstlerische Sicherheit beobachten. In Maria Ramersberg sind damit Gründer, Stifter, Ausstatter und Votivmaler ungewöhnlicherweise weitgehend dieselbe Person.
Die Geschichte eines dreijährigen Kindes, das sich verirrt habe und nach drei Tagen unversehrt am Kapellenplatz gefunden worden sei, gehört zur Ramersberger Überlieferung, ist jedoch nicht die Gründungsgeschichte der Kapelle. Heinrich Jungwirth beschreibt das verlorene Kind ausdrücklich als Motiv eines Votivbildes, also als eine spätere Gebetserhörung, die das Vertrauen in Maria Ramersberg stärkte.
Matthias Lanzersdorfer selbst gründete die Kapelle aus einem anderen Anlass. Er litt wiederholt an schwerer Krankheit; jüngere lokale Überlieferungen sprechen besonders von Rheuma und starken Kreuzschmerzen. In seiner Not verlobte er sich der Muttergottes von der Immerwährenden Hilfe und versprach, ihr auf der Wald- beziehungsweise Weidekuppe oberhalb Ramersbergs eine Kapelle zu errichten, wenn sich sein Zustand bessere. Nach seiner Genesung beziehungsweise deutlichen Besserung erfüllte er das Gelübde. Jungwirth nennt dafür das Jahr 1874. Auch die 2024 gefeierte 150-Jahr-Geschichte der Kapelle bestätigt dieses Gründungsjahr.
1874 begann Lanzersdorfer mit dem Bau einer kleinen Kapelle, die im Kern dem heutigen Altar- beziehungsweise Chorraum entsprach. Die Zahl der Besucher nahm offenbar rasch zu, sodass der Bau bald erweitert werden musste. Die kunsthistorische Literatur datiert den heutigen historistischen Kapellenbau auf 1877; die aktuelle oberösterreichische Besucherinformation fasst die Entstehung entsprechend als Bauzeit von 1874 bis 1877 zusammen. Damit lassen sich die scheinbar widersprüchlichen Jahreszahlen sinnvoll erklären: 1874 bezeichnet den Beginn der Gründung, 1877 den größeren und im Wesentlichen heutigen Bauzustand.
1906 übergab Lanzersdorfer die Kapelle in die Obhut des Augustiner-Chorherrenstiftes St. Florian, dem auch die Pfarre Kleinzell inkorporiert ist. 1913 erhielt das Kirchlein einen Dachreiter; das kleine Zinnglöckchen kam aus der Kleinzeller Pfarrkirche. Die Betreuung vor Ort blieb eng mit den Familien von Ramersberg verbunden. Mehrfach wurde die Kapelle in gemeinschaftlicher Arbeit renoviert und erhalten.
Der heutige Bau ist eine historistische Giebelkapelle mit barockisierenden Fassadenelementen und einem kleinen rechteckigen Chor. Das zweijochige Langhaus ist tonnengewölbt; ein schulterbogiger Triumphbogen trennt es von der Chornische. Über dem Eingang befindet sich eine Kreuzdarstellung, darüber in einer Nische eine Figur des hl. Florian. Der kleine Dachreiter verstärkt den Charakter einer ländlichen Wallfahrtskapelle, ohne dass der Bau monumental wirken würde.
Gerade diese Bescheidenheit passt zur Entstehungsgeschichte. Maria Ramersberg ist kein von professionellen kirchlichen Bauherren geplantes Großheiligtum, sondern aus persönlichem Gelübde und bäuerlicher Eigeninitiative entstanden. Der bauliche Ausbau folgte dem wachsenden Besuch. Architektur, Ausstattung und Votivwesen bilden deshalb ein außergewöhnlich geschlossenes Zeugnis religiöser Volkskultur des späten 19. Jahrhunderts.
Der Hochaltar beziehungsweise das große Wandretabel füllt die Chornische fast vollständig. Seine vielteilige, byzantinisierend-historistische Gestaltung stammt im Wesentlichen aus der Entstehungszeit der Kapelle. Im Zentrum steht Maria mit dem Kind. Seitlich erscheinen der hl. Josef und der hl. Franziskus von Assisi, darüber die Heilige Dreifaltigkeit sowie weitere Christus- und Mariendarstellungen. Auf der unteren Zone sind zahlreiche Heilige beziehungsweise Schutzgestalten versammelt. Der Altartisch trägt ein Fegefeuerrelief.
Auch der Triumphbogen ist nahezu vollständig mit drei neugotisch gestalteten, wimpergbekrönten Retabeln besetzt. Über dem schmalen Durchgang zum Chor befindet sich das Bild der Muttergottes von der Immerwährenden Hilfe; seitlich stehen beziehungsweise erscheinen die bäuerlichen Schutzheiligen Isidor und Notburga. Das linke Retabel zeigt den Ölberg mit Sebastian und Antonius von Padua, das rechte die Kreuzigung mit Leonhard und Blasius. Gerade diese Heiligenauswahl spiegelt die Lebenswelt der Besucher: Landwirtschaft, Vieh, Krankheit, Tod, Fürbitte und familiäre Sorge werden in einem kleinen Raum zusammengeführt.
Das eigentliche religiöse Zentrum ist Maria von der Immerwährenden Hilfe. Der weit verbreitete Bildtypus geht auf eine byzantinische Marienikone zurück und wurde im 19. Jahrhundert besonders durch den Redemptoristenorden international verbreitet. Lanzersdorfers Gelübde fällt genau in jene Zeit, in der diese Marienverehrung einen starken Aufschwung erlebte. In Ramersberg wurde die allgemeine Andacht jedoch sehr rasch zu einer lokalen Gnadenbildverehrung mit eigener Geschichte und eigenem Votivwesen.
Jungwirth beobachtete noch einen besonderen Berührungsbrauch: Ähnlich wie beim kleinen Gnadenbild von Maria Pötsch strichen einzelne Wallfahrer mit einem Tuch über das Ramersberger Kultbild und anschließend über die eigenen Augen. Maria Ramersberg besaß im Unterschied zu manchen anderen Augenwallfahrten kein Heilwasser. Die erhoffte Hilfe wurde unmittelbar mit dem Bild und seiner Berührung verbunden.
Seit 1884 führt ein Kreuzweg zur Kapelle. Seine Stationen stehen auf Steinsockeln und besitzen volkstümlich gestaltete Reliefs. Der Weg ist für das Verständnis der Wallfahrt wichtig: Die Kapelle wird nicht nur punktuell erreicht, sondern der Aufstieg wird durch die Leidensgeschichte Christi religiös gegliedert. Landschaft, Gehen, Kreuzweg und Marienheiligtum verbinden sich zu einem zusammenhängenden Pilgererlebnis.
Der Kreuzweg steht gemeinsam mit der Wallfahrtskapelle unter Denkmalschutz. Heute folgt auch der Granitpilgerweg diesem religiös markierten Landschaftsraum. Vor dem Stiegenaufgang zur Kapelle befindet sich eine Pilgerstempelstelle. Damit wird eine ältere Wallfahrtsbewegung in ein gegenwärtiges Pilgerwegenetz eingebunden.
Der größte volkskundliche Schatz von Maria Ramersberg ist der Votivbestand. Schon Jungwirth bezeichnete die Kapelle als einen Ort, an dem sich der Wallfahrer ungewöhnlich persönlich und unmittelbar ausdrücke. Viele ältere Votivbilder wurden von Matthias Lanzersdorfer selbst gemalt. Sie zeigen nicht schematisch nur Maria und einen knienden Stifter, sondern konkrete Alltagssituationen. Jungwirth betonte, dass Lanzersdorfer die landesübliche Kleidung und die Umstände der Ereignisse möglichst wirklichkeitsnah wiederzugeben versuchte. Dadurch werden die Tafeln zu kleinen Bildquellen für Arbeit, Familie, Kleidung, Krankheit und Gefahr im Mühlviertel des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts.
Unter den von Jungwirth beschriebenen Motiven befindet sich ein Vater, der schwer krank von Frau und Kindern umgeben ist; ein Bub wird beim Heuen von einer Schlange in den Fuß gebissen. Besonders bekannt ist das Bild eines dreijährigen Kindes, das drei Tage lang verschwunden war und trotz Regen und Sturm von seinen Eltern wohlbehalten unter Gebüsch gefunden wurde. Genau diese Begebenheit wurde später irrtümlich zur Gründungsgeschichte der Kapelle gemacht. Tatsächlich dokumentiert sie die wachsende Gnadenüberlieferung nach der Gründung.
Auffallend viele Ramersberger Votive betreffen Kinder. Jungwirth sah einen aus dem Jahr 1913 stammenden, eingerahmten Nagel, den ein Kind verschluckt hatte; die Rettung wurde der Fürbitte von Maria Ramersberg zugeschrieben. Ein weiterer Rahmen enthielt einen Knochen, der einem Menschen beim Essen im Hals stecken geblieben war; ein anderer einen Knopf, den ein Kind 1909 verschluckt hatte. 1933 hing an einer kleinen Ampel ein Zettel, auf dem eine Mutter ihren Sohn Maria mit dem Wunsch beziehungsweise Gelübde anvertraute, er möge Priester werden.
Diese Gegenstände zeigen, dass Votivwesen weit über gemalte Tafeln hinausging. Der gefährliche Gegenstand selbst konnte zum Dankzeichen werden. Dadurch wurde eine überstandene Not materiell dauerhaft im Heiligtum sichtbar. Für nachfolgende Besucher bildeten solche Objekte wiederum Beweise innerhalb der religiösen Erfahrungsgemeinschaft: Man sah, weshalb andere gekommen waren und wofür sie gedankt hatten.
Neben Votivbildern dokumentierte Jungwirth Krücken und Augenmotive aus Blech. Eine ältere wallfahrtskundliche Beschreibung nennt später zusätzlich Prothesen und Reste von Gipsverbänden. Damit waren körperliche Krankheiten und Verletzungen in der Kapelle unmittelbar präsent. Die Votivgaben konnten das betroffene Körperteil symbolisch darstellen oder als abgelegtes Hilfsmittel anzeigen, dass eine als Hilfe verstandene Veränderung eingetreten war.
Besonders bemerkenswert ist eine große rote Wachskröte, die Jungwirth noch als älteren Bestand auf dem Altartisch kannte. Die Votivkröte gehört zu den ungewöhnlichsten Formen des alpinen und österreichischen Votivwesens und wurde traditionell besonders mit Beschwerden des weiblichen Unterleibs, Schwangerschaft und Frauenkrankheiten verbunden. Ihre Anwesenheit passt zu Jungwirths Beobachtung, dass Frauen und Mädchen einen besonders großen Anteil an den Ramersberger Wallfahrern hatten. Derartige Votive sind heute selten geworden und verdienen, soweit sie noch vorhanden sind, besondere dokumentarische Aufmerksamkeit.
Von besonderem Wert ist das auf SAGEN.at dokumentierte Votivbild eines eineinhalbjährigen Kindes mit schwerem Augenleiden. Die handschriftliche beziehungsweise volkstümlich orthographierte Inschrift berichtet, die Eltern seien neunmal in Linz bei einem Arzt gewesen, ohne Hilfe zu erfahren; danach hätten sie sich nach Maria Ramersberg verlobt und ein Bild versprochen. Anschließend habe das Kind wieder gut gesehen. Das Bild ist keine medizinische Dokumentation eines Heilungsverlaufs, sondern ein religiöses Selbstzeugnis der Familie: Die Besserung wurde als Gebetserhörung verstanden und durch die gestiftete Tafel öffentlich bezeugt.
Gerade weil das originale Votivbild fotografisch dokumentiert ist, lässt sich die religiöse Logik des Votums besonders gut nachvollziehen. Krankheit, erfolglose medizinische Behandlung, Gelübde, erhoffte Hilfe und Dankgabe bilden eine geschlossene Erzählung. Solche Quellen sind für die Volkskunde wertvoller als allgemeine Aussagen über "Wunderglauben", weil sie zeigen, wie die Betroffenen selbst ihre Erfahrung deuteten.
Heinrich Jungwirth stellte 1949 fest, dass Maria Ramersberg gemeinsam mit Maria Pötsch zu den bevorzugten nahen Marienwallfahrten der Region gehörte. Vor allem Frauen und Mädchen kamen an Marienfesten in der wärmeren Jahreszeit. Interessanterweise vermerkte er damals für die von ihm besonders untersuchte Pfarre noch keine ausgeprägten Gemeinschaftswallfahrten nach Ramersberg; der persönliche und familiäre Besuch stand im Vordergrund.
Eine ältere wallfahrtskundliche Beschreibung beschreibt gut zwanzig Jahre später bereits ein breiteres Einzugsgebiet. Wallfahrer kamen aus dem Mühlviertel sowie aus dem Raum Aschach und Eferding. Prozessionen wurden zu Floriani und in den Nächten der drei Goldenen Samstage genannt, unter anderem aus Eferding und Sarleinsbach. Manche Wallfahrer von südlich der Donau besuchten Ramersberg als Zwischenstation auf dem Weg nach Maria Pötsch. Die Wallfahrt war damit in ein größeres Netz regionaler Pilgerwege eingebunden.
Maria Ramersberg ist im Unterschied zu manchen kleineren historischen Gnadenstätten nicht zu einem bloßen Andachtsdenkmal geworden. Aktuelle regionale Informationen bezeichnen die Kapelle weiterhin ausdrücklich als Wallfahrtsziel und berichten besonders im Mai von zahlreichen Besuchern aus dem oberen Mühlviertel. Traditionelle Wallfahrten aus Arnreit und dem Raum Rohrbach bestehen fort. Im Oktober 2025 führte etwa die traditionelle Fußwallfahrt aus Arnreit mit 41 Teilnehmerinnen und Teilnehmern nach Ramersberg; am Ziel wurde Eucharistie gefeiert.
Auch andere Pfarrgruppen nutzen die Kapelle weiterhin. Im Mai 2025 feierte die Katholische Frauenbewegung Lacken dort eine Maiandacht. Solche aktuellen Beispiele zeigen, dass historische Wallfahrt, persönliche Andacht und modernes gemeinschaftliches Pilgern nebeneinander bestehen. Ramersberg darf deshalb ohne Einschränkung als lebendiger Wallfahrts- und Pilgerort bezeichnet werden.
Zum 150-jährigen Jubiläum wurde die Kapelle 2024 umfassend saniert. Rund 25 freiwillige Helfer leisteten etwa 350 ehrenamtliche Arbeitsstunden; hinzu kamen Sach- und Materialspenden. Die Jubiläumsfeier selbst griff bewusst den Wallfahrtscharakter auf: Vom Dorfplatz in Ramersberg zog die Festgemeinde unter musikalischer Begleitung zur Kapelle, wo Pfarrer Rupert Granegger und Propst Johann Holzinger die Jubiläumsmesse feierten.
Anlässlich des Jubiläums wurde außerdem eine Festschrift "150 Jahre Maria Ramersberg" erarbeitet. Die vorhandene Außenaufnahme zeigt den erneuerten Zustand nach der Sanierung von 2024. Kirchliche Quellen berichteten 2025 ausdrücklich von der Renovierung "im Vorjahr" und bestätigen damit diese Datierung.
Die vorhandenen SAGEN.at-Fotos sind für Maria Ramersberg außergewöhnlich ergiebig. Die Außenaufnahme dokumentiert den nach der Generalsanierung erneuerten Bau im Landschaftszusammenhang. Das Foto des Hochaltars erlaubt die genaue Zuordnung der zahlreichen Heiligenbilder und macht Lanzersdorfers eigenwillige historistische Volkskunst sichtbar. Die Aufnahme der Votivwand zeigt, dass die Wallfahrtsgeschichte nicht nur aus schriftlichen Berichten rekonstruiert werden muss, sondern als materieller Bestand noch im Raum präsent ist.
Besonders wertvoll ist die Detailaufnahme des Votivbildes mit der Geschichte des augenkranken Kindes. Solche fotografischen Dokumente bewahren nicht nur Kunstwerke, sondern individuelle religiöse Erfahrungen, Namen, Sprache und Vorstellungen von Hilfe.
Maria Ramersberg gehört zu den volkskundlich bedeutendsten jüngeren Wallfahrtsorten des Mühlviertels. Selten lassen sich Gründerpersönlichkeit, Gelübde, Bauentwicklung, eigenhändige Ausstattung und ein umfangreiches Votivwesen so geschlossen verfolgen. Matthias Lanzersdorfer war nicht nur Empfänger einer als Hilfe verstandenen Erfahrung, sondern verwandelte diese Erfahrung in einen dauerhaften religiösen Ort. Zugleich wurde er zum Bildchronisten der Nöte anderer Menschen.
Die Votivbilder und Gegenstände erzählen eine Geschichte des Alltags: Krankheit, Kinderverlust und Wiederfinden, Arbeitsunfall, Schlangenbiss, verschluckte Gegenstände, Augenleiden, Frauenkrankheiten und geistliche Berufswünsche. Dadurch entsteht ein Panorama bäuerlichen und familiären Lebens, das weit über die reine Wallfahrtsgeschichte hinausreicht. Bemerkenswert ist, dass dieses historische Votivarchiv heute nicht in einem Museum isoliert ist, sondern weiterhin in einer lebendigen Wallfahrtskapelle hängt, zu der Menschen noch immer zu Fuß kommen, Kerzen entzünden, beten und Andachten feiern.
Heinrich Jungwirth: Der Obermühlviertler. Seine religiöse und soziologische Stellung im volkstümlichen Wallfahrtsbrauchtum seiner Heimat. In: Österreichische Zeitschrift für Volkskunde, Neue Serie 3, Gesamtserie 52, Wien 1949, S. 1–37, besonders S. 20–22.
Peter Adam, Beate Auer u. a.: Dehio-Handbuch Oberösterreich. Band 1: Mühlviertel. Horn/Wien 2003, S. 374.
Festschrift "150 Jahre Maria Ramersberg". Kleinzell im Mühlkreis 2024.
Pfarrgemeinde Kleinzell, Diözese Linz, Gemeinde Kleinzell im Mühlkreis und Oberösterreich Tourismus: aktuelle Informationen zu Maria Ramersberg, Wallfahrten, Jubiläum und Granitpilgerweg.
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Ergänzungen: Wolfgang Morscher
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