Kleinzell im Mühlkreis, Pfarrkirche

Dieser Ort ist bereits 1109 als "Cella ad Mouhile" genannt; 1370 hieß er "in der Zell" und 1556 ist er als "Zellei" oder "Zellelein" erwähnt. Dieser Name deutet auf eine sehr frühe Mönchs- bzw. Einsiedlerniederlassung hin. Im Jahre 1754 wurde die ursprünglich gotische Kirche barockisiert; der Chor behielt jedoch sein gotisches Aussehen und auch die einfach-schöne Sakramentsnische mit der Jahreszahl 1476 erinnert noch an diese Bauepoche. Der wunderbar zarte, barocke Hochaltar stammt von 1650/60, die bemerkenswerte Kanzel aus dem zweiten Viertel des 18. Jahrhunderts. Pfarrer Ignaz Groß v. Ehrenstein stellte 1772 auf dem linken Seitenaltar eine Kopie der Landshuter Madonna auf; dadurch entstand die Wallfahrt.

Dieser Seitenaltar war wohl früher dem hl. Jakobus geweiht, doch befand sich auch ein Marienbild hier, wie wir von einer Notiz von 1495 wissen; damals stiftete Hans Diendorfer auf Gneissenau zu Ehren der Mutter Gottes eine heilige Messe für jeden Samstag auf dem Jakobusaltar, "da auch unsre liebew fraw rast". Daneben gab es seit Beginn des 18. Jahrhunderts auf dem Hochaltar, vor dem Bild des Kirchenpatrons stehend, eine stark verehrte Statue der Muttergottes mit Kind, beide gekrönt und mit Zepter. Das Hauptfest war Maria Lichtmess mit vollkommenem Ablass; zum Beichthören halfen an diesem Tag meist zwei Patres aus Pupping und nach Aufhebung dieses Klosters, Priester aus der Umgebung aus. Die Marienstatue trug ein Stoffkleid; 1784 musste diese Bekleidung entfernt werden; die Statue wurde daraufhin frisch gefasst. Die Wallfahrt verlegte sich aber immer mehr zum Marienaltar zu dem erwähnten Bild. 1777 hätte dieses Bild entfernt werden müssen. Dieser Befehl verursachte große Aufregung unter der Bevölkerung; die Leute erklärten, sich dieses Bild nicht nehmen zu lassen und dafür Leib und Leben zu wagen. Der damalige Vikar Matthias Jetschgo berichtete über die entstandene Stimmung genau und das Bild konnte bleiben. Ein Bericht des Kreisamtes sagte 1789, dass Kleinzell eine Marienwallfahrt sei, die allen übrigen den Vorzug streitig mache.

Kultgegenstand: Gemälde "Maria mit dem geneigten Haupte" auf dem linken Seitenaltar; zwei Reliquiare mit Wachsbossierungen und Silberfiligranarbeiten sind an den Seiten aufgestellt.

Wallfahrt: Pfarrkirche hl. Laurentius, am 1. Sonntag im Mai und an den Goldenen Samstagen von St. Peter, Sarieinsbach, Nebelberg; früher auch von Böhmen und von Haibach und Eferding (letztere besuchten Kleinzell gern auf ihrem Weg nach Maria Pötsch und seinerzeit auch nach Lembach zur Mühlholzkapelle).

Quelle: Hertha und Friedrich Schober, Kapelle, Kirche, Gnadenbild. Ein kunstgeschichtlicher und volkskundlicher Führer zu Wallfahrtsstätten in Oberösterreich. Linz 1972.
Mit freundlicher Genehmigung von Reinprecht Schober für SAGEN.at.


Lage: Kleinzell im Mühlkreis 1b, 4115 Kleinzell im Mühlkreis.
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Web: Pfarre Kleinzell
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Außenansicht der Pfarrkirche hl. Laurentius Kleinzell im Mühlkreis:
 

Außenansicht der Pfarrkirche hl. Laurentius Kleinzell im Mühlkreis

Bildquelle: SAGEN.at-Fotogalerie

 

Innenansicht der Pfarrkirche hl. Laurentius, am linken Seitenaltar das Gnadenbild "Maria mit dem geneigten Haupte":
 

Kleinzell im Mühlkreis, Pfarrkirche, Maria mit dem geneigten Haupte

Bildquelle: SAGEN.at-Fotogalerie

 

   
Literatur zur Wallfahrt:
  - J. Sigl, Zur Pfarrgeschichte Kleinzells, in: Beiträge zur Landes- und Volkskunde des Mühlviertels, 8. Bdchn. (1923).
   
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Ergänzungen: Wolfgang Morscher

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