| Wallfahrt: | Lebendige regionale Leonhardwallfahrt mit Fußwallfahrern aus Nachbarpfarren; alljährliches Leonhardifest am Sonntag nach dem 6. November mit Leonhardiritt, Pferdesegnung und Pfarrkirtag. |
| Status: | Lebendiger regionaler Wallfahrts- und Brauchort. |
| Kultzentrum: | Christus an der Geißelsäule als "Göttlicher Heiland in der Wies" am Hochaltar sowie der hl. Leonhard am Seitenaltar; daneben Wetter- und Schutzheilige der bäuerlichen Lebenswelt. |
| Ort: | Eidenberg. |
| Bezirk/Region: | Mühlviertel. |
| Bundesland: | Oberösterreich. |
| • | Lage: Kirchenweg 2, 4201 Eidenberg. |
| • | Lage in der SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Mühlviertel |
| • | Ansicht in Street View |
| • | Web: Pfarrgemeinde Eidenberg |
| • | Öffnungszeiten: keine verlässlich veröffentlichten allgemeinen täglichen Öffnungszeiten; Besichtigung außerhalb der Gottesdienste gegebenenfalls über die Pfarrgemeinde erfragen. |
| • | Bilddokumentation |
| • | Ausführliche Beschreibung |
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Besonders willkommen sind Außenansicht und Einbindung der Kirche in den ehemaligen Stifts-Meierhof, Innenraum und Hochaltar mit dem "Göttlichen Heiland in der Wies", Leonhardaltar und Leonhardfigur, Wetterheilige sowie Aufnahmen vom Leonhardiritt, von Fußwallfahrern und der Pferdesegnung.
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Die Kirche zum Göttlichen Heiland in der Wies steht im Ortszentrum von Eidenberg und ist baulich in den ehemaligen Meierhof des Zisterzienserstiftes Wilhering einbezogen. Die kleine spätbarocke Kirche bildet die Südwestecke der vierflügeligen Anlage, die über Jahrhunderte zugleich landwirtschaftlicher Verwaltungssitz, zeitweiliger Aufenthaltsort Wilheringer Konventualen und später Zentrum der örtlichen Seelsorge war. Eidenberg gehörte zum historischen Besitz des Stiftes Wilhering und blieb kirchlich lange Teil der Großpfarre Gramastetten. Erst 1941 erhielt die Expositur weitgehende eigene pfarrliche Rechte, 1964 auch das Begräbnisrecht.
In jüngeren touristischen Darstellungen findet sich die Angabe, Eidenberg sei bereits 1512 eine "Seelsorgestation des Stiftes Wilhering" gewesen. Diese Aussage darf jedoch nicht mit einer Existenz der heutigen Kirche gleichgesetzt werden. Die aktuelle Pfarrchronik setzt die konkrete Baugeschichte wesentlich später an: Am 7. Februar 1741 ersuchte Abt Johann Baptist Hinterhölzl das zuständige bischöfliche Ordinariat in Passau um die Genehmigung zum Bau einer Kapelle in Eidenberg. Gleichzeitig wurde unter dem Verwalter und späteren Abt Alan Aichinger der neue Meierhof beziehungsweise das "Neue Schloss" errichtet. Für einen Kirchenbau des Jahres 1512 liegt in den derzeit ausgewerteten Quellen kein entsprechender Nachweis vor. Die frühe Jahreszahl kann daher allenfalls auf ältere seelsorgliche Beziehungen des Stiftes zum Gebiet bezogen werden, nicht auf das bestehende Gotteshaus.
Die heutige Kirche entstand zwischen 1741 und 1749 im Zusammenhang mit dem Neubau des Wilheringer Meierhofes. Abt Johann Baptist Hinterhölzl, der nach dem Ende der schweren Kriegsbelastungen der 1740er Jahre eine umfangreiche Bautätigkeit entfaltete, ließ nicht nur das Stift Wilhering und mehrere inkorporierte Kirchen erneuern, sondern auch in Eidenberg Kirche und Meierhof neu errichten. Der spätere Abt Alan Aichinger war an der Planung maßgeblich beteiligt. Die Anlage diente dem Stift zugleich als landwirtschaftlicher Mittelpunkt und als eine Art ländlicher Aufenthaltsort.
Die Schlosskapelle wurde 1749 durch den Passauer Weihbischof Johann Christoph Ludwig Graf von Kuenburg geweiht. Das Gotteshaus erhielt das Patrozinium beziehungsweise den Titel "Göttlicher Heiland in der Wies". Die Pfarrchronik nennt den 22. November 1749 als Weihetag; in einer örtlichen Chronik erscheint daneben der 8. September. Da die kirchliche Pfarrchronik die Weihe ausdrücklich mit Datum und Weihbischof nennt, wird hier dieser Angabe der Vorrang gegeben. Die heute erhaltene Kirche ist damit eindeutig ein Bau des 18. Jahrhunderts.
Der Titel "Heiland in der Wies" gehört zu einer im 18. Jahrhundert weit verbreiteten Verehrung des leidenden Christus an der Geißelsäule. Im Mittelpunkt des Eidenberger Hochaltars steht heute eine plastische Darstellung Christi vor beziehungsweise an der Geißelsäule. Nach dem kunsthistorischen Dehio-Handbuch stammt die heutige plastische Nischenfigur Christi sogar erst aus dem letzten Viertel des 19. Jahrhunderts. Die ursprüngliche Ausstattung der Mitte des 18. Jahrhunderts ist daher von der heute sichtbaren Christusfigur zu unterscheiden. Die ursprüngliche Ausstattung der Mitte des 18. Jahrhunderts muss daher von der heute sichtbaren Christusfigur unterschieden werden.
Der Rokoko-Hochaltar selbst gehört im Kern in die Mitte des 18. Jahrhunderts. Sein lockerer, raumgreifender Aufbau füllt das Chorpolygon aus. Putten mit Leidenswerkzeugen begleiten die Christusdarstellung. An den seitlichen Säulen stehen die Heiligen Florian und Donatus, deren Anwesenheit zugleich auf die bäuerliche Schutzfrömmigkeit verweist: Florian wurde besonders gegen Feuer angerufen, Donatus gegen Gewitter und Unwetter. Die Verbindung eines Christusheiligtums mit Schutzheiligen gegen konkrete Gefahren des ländlichen Lebens ist für die religiöse Kultur des Mühlviertels charakteristisch.
Neben dem titulären "Göttlichen Heiland in der Wies" entwickelte sich der heilige Leonhard zum zweiten und für die Wallfahrtsgeschichte schließlich besonders wichtigen Kultzentrum. In der Kirche befindet sich ein eigener Leonhardaltar mit einer Holzplastik des Heiligen. Die Pfarrgemeinde bezeichnet Leonhard heute ausdrücklich ebenfalls als Patron der Kirche, während die offizielle Kirchenbezeichnung weiterhin "Göttlicher Heiland in der Wies" lautet. Beide Traditionen sind daher auseinanderzuhalten: Der Titel des Gotteshauses ist christologisch, die nachweisbare regionale Wallfahrt und der große Jahresbrauch konzentrieren sich dagegen vor allem auf Leonhard.
Eine ältere wallfahrtskundliche Beschreibung hält um 1970 noch einen bemerkenswerten lokalen Glauben fest. Bauern der Umgebung unterschieden demnach sogar zwischen der Wirksamkeit verschiedener Leonhardsheiligtümer: Der Eidenberger Leonhard galt besonders als Helfer für die Rinder, während man dem Leonhard von Pesenbach vor allem Schutz für die Schweine zuschrieb. Eine solche funktionale Aufteilung benachbarter Gnaden- und Heiligenorte ist ein ausgesprochen anschauliches Beispiel religiöser Volkskunde. Sie darf nicht als heutige kirchliche Lehre verstanden werden, dokumentiert aber sehr schön, wie differenziert bäuerliche Schutzvorstellungen noch im 20. Jahrhundert sein konnten.
Zur älteren bäuerlichen Schutzfrömmigkeit gehören außerdem die sogenannten Wetterherren Johannes und Paulus. Die beiden römischen Märtyrer wurden in Oberösterreich und im angrenzenden Bayern besonders gegen Hagel, Blitz und schwere Unwetter angerufen. Für Eidenberg sind barocke Figuren der beiden Heiligen an einem Seitenaltar bezeugt. Zusammen mit Donatus und Florian am Hochaltar entstand damit in dem kleinen Gotteshaus eine bemerkenswerte Konzentration von Schutzheiligen gegen jene Gefahren, die für eine bäuerliche Bevölkerung existentiell waren: Feuer, Blitz, Hagel, Tierkrankheit und Verlust des Viehbestandes.
Gerade in dieser Verbindung liegt ein wichtiger volkskundlicher Schlüssel zum Verständnis der Kirche. Der "Heiland in der Wies" bildete die offizielle Mitte, doch die praktische Frömmigkeit der umliegenden Bauern richtete sich ebenso an Leonhard und die Wetterpatrone. Die Kirche war damit nicht nur liturgischer Raum des Stiftes Wilhering, sondern zugleich ein religiöser Schutzraum für die Lebens- und Wirtschaftsgrundlagen der Bevölkerung.
Die Wallfahrt nach Eidenberg war nie mit den großen überregionalen Gnadenorten Oberösterreichs vergleichbar. Sie besaß vielmehr den Charakter einer regionalen Nahwallfahrt. Eine ältere wallfahrtskundliche Beschreibung berichtet für die Zeit um 1970, dass am Sonntag nach dem Leonhardstag einzelne Wallfahrer aus der Umgebung kamen, darunter eine kleine Gruppe aus Altenberg. Diese Tradition ist nicht erloschen. Beim Leonhardifest kommen weiterhin Fußwallfahrer aus Nachbarpfarren nach Eidenberg; für das Fest 2025 nennt die Pfarrgemeinde ausdrücklich zahlreiche Fußwallfahrer aus Oberbairing sowie aus weiteren umliegenden Pfarren.
Der Wallfahrtsstatus ist heute nicht auf eine erloschene historische Tradition zu beschränken. Die Form hat sich vielmehr gewandelt. Im Mittelpunkt steht heute das jährlich begangene Leonhardifest mit Gottesdienst, Fußwallfahrern, Pferdesegnung und örtlichem Pfarrkirtag. Der religiöse Brauch ist dabei eng mit dem Gemeindeleben verbunden.
Die Geschichte des Eidenberger Leonhardirittes verlief nicht geradlinig. Eine ältere wallfahrtskundliche Beschreibung verzeichnet für 1956 und 1957 Leonhardiritte, die wegen des damals zunehmenden Mangels an Arbeitspferden wieder aufgegeben wurden. Die heutige Reihe des Leonhardirittes zählt dagegen seit 1978; 2018 wurde das vierzigjährige Jubiläum dieser erneuerten Tradition gefeiert. Die ältere Notiz in einer älteren wallfahrtskundlichen Beschreibung und die moderne Jubiläumszählung widersprechen sich daher nicht, sondern dokumentieren zwei unterschiedliche Phasen: einen kurzen Versuch in den 1950er Jahren und die dauerhafte Wiederaufnahme seit dem Ende der 1970er Jahre.
Heute versammeln sich am Sonntag nach dem Gedenktag des heiligen Leonhard Reiter, Pferde, Vereine und Gläubige zum Festzug. Nach dem Gottesdienst werden Pferde und Reiter gesegnet; geweihtes Brot wird an die Tiere verteilt. Dazu kommt der Pfarrkirtag. Die Verbindung von Heiligenfest, Tiersegen, Wallfahrt, Reiterbrauch und örtlichem Gemeinschaftsfest macht den Leonharditag zu einem der wichtigsten religiösen Jahresbräuche Eidenbergs. Das Hufeisen im Gemeindewappen erinnert ausdrücklich an diese Tradition.
Die kleine Kirche besitzt trotz ihrer Einbindung in einen ehemaligen Wirtschafts- und Verwaltungsbau eine bemerkenswerte spätbarocke und rokokozeitliche Ausstattung. Neben dem Hochaltar bestehen zwei Seitenaltäre. Bei der großen Innenrenovierung 2014/2015 wurden Hoch- und Seitenaltäre gereinigt, ergänzt und neu gefasst beziehungsweise vergoldet; ältere Fehlstellungen von Figuren wurden korrigiert. Die Pfarrgemeinde dokumentierte dabei unter anderem die Rückkehr der Figuren der heiligen Rosalia und des heiligen Johannes Nepomuk an ihre ursprünglichen Plätze. Auch weitere liturgische Ausstattungsstücke wurden restauriert.
Die Orgel wurde 1904 von Leopold Breinbauer gebaut; ihr Gehäuse greift ältere Formen des 18. Jahrhunderts auf. Im Zuge der Renovierung wurde auch der Altarraum neu gestaltet. Der neue Volksaltar wurde 2015 geweiht. In seine Reliquienkammer wurden Reliquien der Märtyrerin Innocentia und des heiligen Simplicianus sowie die Professurkunde des aus Eidenberg stammenden Wilheringer Märtyrerabtes Bernhard Burgstaller eingeschlossen. Dadurch erhielt die historische Kirche eine zusätzliche moderne Erinnerungsschicht.
Eidenberg ist volkskundlich gerade deshalb interessant, weil sich mehrere unterschiedliche religiöse Funktionen in einem kleinen Gotteshaus überlagern. Die offizielle Widmung an den leidenden Christus steht neben einem ausgeprägten Leonhardskult und einer Gruppe von Wetter- und Schutzheiligen. Dabei spiegeln die Heiligenverehrungen konkrete Bedürfnisse der ländlichen Bevölkerung: Gesundheit und Schutz des Viehs, Bewahrung vor Feuer und Unwetter sowie die Hoffnung auf eine gute Ernte und sichere Wirtschaftsführung.
Besonders deutlich wird der Wandel religiösen Brauchtums am Leonhardiritt. Als Arbeitspferde aus der Landwirtschaft verschwanden, brach der Ritt nach den ersten Versuchen der 1950er Jahre zunächst ab. Seit der erneuerten Tradition ab 1978 wird er nicht mehr aus derselben wirtschaftlichen Notwendigkeit heraus getragen, sondern als bewusst gepflegtes religiöses und kulturelles Erbe. Dennoch ist er kein bloßes Schaustück: Gottesdienst, Fußwallfahrt, Pferdesegnung und die Anrufung des heiligen Leonhard bleiben wesentliche Bestandteile. Eidenberg zeigt damit beispielhaft, wie eine ältere bäuerliche Schutzfrömmigkeit in veränderter gesellschaftlicher Form weiterleben kann.
Peter Adam, Beate Auer u. a.: Dehio-Handbuch Oberösterreich. Band 1: Mühlviertel. Horn/Wien 2003, S. 107–108.
Thomas Schwierz: Kirche und Stifts-Meierhof in Eidenberg. Pfarre Eidenberg 2015.
Thomas Schwierz: Heimatkundliches aus Eidenberg, Gramastetten und anderenorts. Eigenverlag 2018.
Thomas Schwierz: Eidenberg. Geschichte und Chronik. Eigenverlag 2021.
Pfarrchronik Eidenberg, herausgegeben von der Pfarrgemeinde Eidenberg.
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Ergänzungen: Wolfgang Morscher
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