| Wallfahrt: | Lebendige Marien- und Quellenwallfahrt mit regelmäßigen Fußwallfahrten, besonders aus dem Raum Eferding und Stroheim; Gottesdienste und Andachten der Pfarrgemeinde Altenfelden in der Wallfahrtssaison. |
| Status: | Lebendiger Wallfahrtsort. |
| Kultzentrum: | Kleines Gnadenbild der Madonna von Pötsch an der Tabernakeltür des Hochaltars sowie das mit der Wallfahrt verbundene "Heilige Wasser", dem besonders bei Augenleiden Hilfe zugeschrieben wurde. |
| Ort: | Altenfelden. |
| Bezirk/Region: | Mühlviertel. |
| Bundesland: | Oberösterreich. |
| • | Lage: Feuchtenbachtal bei Oberfeuchtenbach, 4121 Altenfelden. |
| • | Lage in der SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Mühlviertel |
| • | Ansicht in Street View (Luftbild) |
| • | Web: Pfarre Altenfelden |
| • | Öffnungszeiten: in der Wallfahrtssaison vom 1. Mai bis 26. Oktober täglich von 9 bis 17 Uhr. |
| • | Bilddokumentation |
| • | Ausführliche Beschreibung |
Die Wallfahrtskapelle Maria Pötsch liegt abseits des Ortszentrums von Altenfelden in einem kleinen, bewaldeten Seitental der Großen Mühl. Von der Straße im Mühltal führt der Weg in das Feuchtenbachtal und zuletzt zur Kapelle, die mit dem nahe gelegenen Bründl, dem Kreuzweg und der Waldlandschaft eine kleine geschlossene Wallfahrtsanlage bildet. Der heutige Kreuzweg wurde 1969 angelegt; seine Stationen bestehen aus Kupfertafeln auf Steinsäulen. Die abgeschiedene Lage gehört wesentlich zur Wirkung des Ortes. Schon ältere Beschreibungen sprechen von einem Waldheiligtum, das bis zu einer schweren Sturmkatastrophe im Sommer 1929 nahezu vollständig von Wald umschlossen war.
Der Name "Maria Pötsch" führt nicht auf einen örtlichen Flurnamen zurück, sondern auf das berühmte Marienbild von Pócs, dem heutigen Máriapócs im Nordosten Ungarns. Dort soll 1696 ein Marienbild während des Gottesdienstes Tränen vergossen haben. Das Ereignis wurde kirchlich untersucht und erregte in der Habsburgermonarchie große Aufmerksamkeit. Kaiser Leopold I. ließ das Bild nach Wien bringen; seit 1697 wird das Original im Stephansdom verehrt. Die außerordentliche Verbreitung von Kopien und Andachtsbildern machte die Madonna von Pötsch zu einem der bekanntesten marianischen Bildtypen der Barockzeit.
Auch in Maria Pötsch bei Altenfelden steht eine solche Nachbildung am Beginn der Wallfahrt. Das eigentliche kleine Gnadenbild befindet sich heute an der Tabernakeltür des Hochaltars. Es darf nicht mit der größeren Marienfigur in der Mittelnische verwechselt werden, die erst aus dem späten 19. Jahrhundert stammt. Gerade diese Unterscheidung ist für die Geschichte des Kultes wichtig: Wallfahrtsziel war das kleine Pötscher Andachtsbild, dessen Verehrung mit dem "Heiligen Wasser" des Ortes verbunden wurde.
Die Gründungsgeschichte ist in mehreren Fassungen überliefert und verbindet typische Motive einer Wallfahrtslegende: wunderbare Auffindung eines Bildes, Traumweisung, Baumkult und eine bereits zuvor als besonders geltende Quelle. Die ältere örtliche Überlieferung und Heinrich Jungwirths volkskundliche Aufzeichnung von 1949 datieren den Bildfund auf 1793; in einzelnen späteren Zusammenstellungen erscheint dagegen das Jahr 1798. Nach der ausführlicheren Tradition fand Maria Magdalena Gahleitner beim Streurechen im Wald beim Aichbauerngut ein Bild der Madonna von Pötsch. Es wurde zunächst in einem Bauernhaus in Oberfeuchtenbach aufbewahrt und geriet dort für Jahrzehnte aus dem Mittelpunkt der Aufmerksamkeit.
Für 1847 erzählt die Überlieferung von einer Traumweisung: Das Bild müsse wieder in das Tal zur Quelle gebracht werden, die im Volksmund schon vorher "Heiliges Wasser" genannt worden sei. Es wurde daraufhin an einer Fichte beim Wasser befestigt. Jungwirth betonte bereits 1949, dass diese Erzählung nicht als nüchterner Tatsachenbericht, sondern als typische Gründungslegende eines Wallfahrtsortes zu lesen ist. Entscheidend für die weitere Entwicklung war jedenfalls, dass nun Besucher zum Bild und zur Quelle kamen. In späterer Überlieferung wird besonders eine Gruppe von Kindern aus der Umgebung genannt, die 1847 zum Bild betete. Aus Einzelbesuchen entwickelte sich rasch ein stärkerer Zulauf; bald kamen Wallfahrer aus weiter entfernten Gegenden und nach örtlicher Erinnerung sogar aus Böhmen.
Der Besitzer des Aichbauerngutes, Mathias Pichler – der Familienname wird in älteren Texten auch als Bichler geschrieben –, ließ 1849 beim Gnadenbild eine hölzerne Kapelle errichten. Die junge Andacht entwickelte sich zunächst ohne vollständig geregelten kirchlichen Rahmen. Überliefert ist sogar ein Konflikt um einen ohne Genehmigung aufgestellten Opferstock; das bischöfliche Konsistorium ordnete an, die eingegangenen Gelder regelmäßig zu entnehmen und dem Armeninstitut der Gemeinde zuzuführen. Solche Maßnahmen zeigen, wie aus einer zunächst volkstümlich getragenen Andacht allmählich ein kirchlich geordneter Wallfahrtsplatz wurde.
Der starke Besuch machte die kleine Holzkapelle bald unzureichend. Zwischen 1873 und 1875 entstand an ihrer Stelle der heutige gemauerte Bau. 1886 erhielt die Kapelle einen neuen Hochaltar. 1901 wurde für den Altar eine Reliquie übergeben, und am 1. August 1902 erteilte der Linzer Bischof Franz Maria Doppelbauer die Erlaubnis, an bestimmten Tagen in Maria Pötsch die Messe zu feiern. Die örtliche Überlieferung hebt gerne hervor, dass Doppelbauer als Knabe mit seiner Mutter von seinem Heimatort Waizenkirchen aus selbst nach Maria Pötsch gewallfahrtet sei. Die Messelizenz bedeutete jedenfalls einen wichtigen Schritt von der volkstümlichen Andachtsstätte zur kirchlich anerkannten Wallfahrtskapelle.
Die Kapelle ist ein schlichter zweijochiger Saalbau mit dreiseitigem Chorschluss. Über dem Langhaus liegt ein Satteldach, das über dem Chor abgewalmt ist. Die gegliederte Giebelfassade besitzt ein segmentbogiges Portal, darüber ein Rundfenster und im Giebelfeld ein Marienbild. Auch die Seitenwände sind durch segmentbogige Fenster geöffnet. Im Inneren spannt sich ein segmentbogiges Tonnengewölbe über Pilastern.
Der Hochaltar von 1886 ist ein historistischer, neuromanisch gestalteter Nischenaltar, für den auch ältere Figuren wiederverwendet wurden. In der Mittelnische steht eine Marienfigur mit Kind aus dem späten 19. Jahrhundert; seitlich befinden sich der heilige Josef aus dem letzten Viertel des 17. Jahrhunderts und die heilige Anna aus dem frühen 18. Jahrhundert. Im Aufsatz erscheinen Gottvater, der heilige Hubertus und der Evangelist Johannes. Für die Wallfahrt entscheidend ist jedoch die Tabernakeltür: Dort befindet sich das kleine Gnadenbild der Madonna von Pötsch. Die Kapelle wurde im 20. Jahrhundert wiederholt instand gesetzt, darunter umfassend um 1980.
Maria Pötsch gehört zu den ausgeprägten Quellwallfahrten des Mühlviertels. Das Wasser entspringt im Bereich unter dem Hochaltar und wird zu einem Bründl außerhalb der Kapelle geleitet. In der volkstümlichen Überlieferung galt es besonders als hilfreich bei Augenleiden. Wallfahrer tranken davon oder wuschen beziehungsweise benetzten damit ihre Augen. Der Glaube an die besondere Kraft des Wassers war nicht nur eine beiläufige Ergänzung der Marienverehrung, sondern bildete einen wesentlichen Bestandteil des Kultes.
Heinrich Jungwirth hat den älteren Wallfahrtsbrauch 1949 noch erstaunlich genau beschrieben. Die Wallfahrer umschritten den Altar, brachten ein Geldopfer dar und beteten auf den Altarstufen. Zum kleinen Gnadenbild an der Tabernakeltür stieg man auf einem Schemel empor, berührte es mit einem Tuch und strich mit diesem anschließend über die eigenen Augen. Jungwirth beobachtete diesen Brauch damals noch bei Müttern, die auf diese Weise auch die Augen ihrer Kinder berührten. Eine solche Handlung verband das Kultbild unmittelbar mit dem Heilwasser und machte die Wallfahrt zu einem körperlich vollzogenen Segens- und Heilungsritual. Ob dieser konkrete Brauch heute noch ausgeübt wird, ist nicht belegt; als historische Praxis ist er für Maria Pötsch jedoch hervorragend dokumentiert.
Außergewöhnlich reich war einst das Votivwesen. Jungwirth dokumentierte noch die Erinnerung an zahlreiche Wachsvotive und Opfergaben, die rund um den Altar und an seiner Rückseite angebracht gewesen waren. Genannt werden wächserne Beine, Hände und Unterarme, Köpfe, Herzen, Brüste, Kiefer und besonders viele Augen. Auch Tiere aus Wachs – Kühe, Pferde und Schweine – wurden geopfert. Damit spiegelten die Votive nicht nur menschliche Krankheiten, sondern ebenso die wirtschaftlichen Sorgen bäuerlicher Haushalte und die Gesundheit des Viehbestandes.
Besonders bemerkenswert ist die sogenannte Votivkröte, die in Maria Pötsch offenbar als "Krebs" bezeichnet wurde und nach der Erinnerung älterer Gewährsfrauen bei bestimmten Frauenleiden beziehungsweise bei als Krebs verstandenen Erkrankungen geopfert wurde. Häufig wurden außerdem Haarbüschel gegen Kopfschmerzen dargebracht. Dieser Bestand ging weitgehend verloren. Jungwirth stellte schon für die Zeit nach einer Renovierung Anfang der 1930er Jahre fest, dass die ehemals dicht mit Votiven behängten Wände weitgehend leer geworden waren; eine spätere heimatkundliche Darstellung berichtet ebenfalls, dass bei Renovierungen alte Votivbilder, Krücken und Wachsvotive beseitigt wurden. Für die Geschichte der Volksfrömmigkeit bedeutet dieser Verlust einen erheblichen Einschnitt. Gerade historische Innenaufnahmen der Kapelle besitzen deshalb einen besonderen dokumentarischen Wert.
Maria Pötsch entwickelte sich im 19. Jahrhundert zu einer regional bedeutenden Wallfahrt. Aus dem oberen Mühlviertel kamen Familien und Einzelwallfahrer vor allem an Sonn- und Marienfesttagen; ältere Berichte nennen außerdem Prozessionen aus Böhmen. Für die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts ist das "Pötschgehen" als regelmäßig wiederholter Familienbrauch beschrieben. Nicht alle Wallfahrer kamen wegen eines bestimmten Leidens: Neben den Bitten um Heilung standen allgemeine Anliegen, Dank und Marienverehrung. Der Ort verband damit die Funktion eines Augenbründls mit jener einer allgemeinen marianischen Gnadenstätte.
Besonders bemerkenswert ist die Wallfahrt aus Eferding. Bereits der Realschematismus der Diözese Linz von 1913 nennt unter den jährlichen Eferdinger Wallfahrten ausdrücklich Pötsch. Diese Tradition besteht bis in die Gegenwart. Die Fußwallfahrer brechen am Pfingstmontag sehr früh in Eferding auf, gehen über das Mühlviertel weiter, feiern unterwegs Gottesdienst und erreichen gegen Mittag Maria Pötsch zur gemeinsamen Andacht. Damit lässt sich für diese Wallfahrt eine Kontinuität über mehr als ein Jahrhundert nachweisen, auch wenn sich Wegführung, Verkehrsmittel und organisatorischer Rahmen verändert haben.
Auch Stroheim hält an seiner Pötsch-Wallfahrt fest. Die Pilger legen einen Teil des Weges zu Fuß zurück, feiern gemeinsam Gottesdienst in Altenfelden und gehen anschließend das letzte Stück zur Wallfahrtskapelle, wo eine Andacht den Wallfahrtstag beschließt. Die Marktgemeinde Altenfelden nennt darüber hinaus weiterhin Wallfahrer unter anderem aus St. Agatha und St. Peter. Ältere volkskundliche Berichte erwähnen weitere Prozessionsgruppen und die Verbindung einer Pötsch-Wallfahrt mit anderen Marienorten der Region. Maria Pötsch steht somit nicht isoliert, sondern gehört zu einem dichten historischen Netz oberösterreichischer Nahwallfahrten.
Maria Pötsch ist kein erloschener historischer Wallfahrtsort. Die Kapelle wird in der Wallfahrtssaison weiterhin für persönliche Andacht, Fuß- und Gruppenwallfahrten sowie für Gottesdienste genutzt. Die Pfarrgemeinde Altenfelden feiert hier regelmäßig Gottesdienste zu Beginn und gegen Ende der Saison; außerdem finden Andachten pfarrlicher Gruppen statt. Neben den organisierten Wallfahrten kommen viele Einzelbesucher und Wanderer in das Feuchtenbachtal. Dadurch überlagern sich heute religiöser Besuch, Naturerlebnis und regionale Wanderkultur, ohne dass der ursprüngliche Wallfahrtscharakter verschwunden wäre.
Maria Pötsch ist volkskundlich ein besonders reiches Beispiel dafür, wie ein neuer Wallfahrtsort im späten 18. und 19. Jahrhundert entstehen konnte. Mehrere kultbildende Elemente greifen ineinander: die Kopie eines weithin berühmten Gnadenbildes, die Erzählung von seiner wunderbaren Auffindung, die Traumweisung, ein bereits als "heilig" bezeichnetes Wasser, der Baum als erster Aufbewahrungsort des Bildes, der rasch zunehmende Pilgerbesuch und schließlich der Bau einer Kapelle. Die kirchliche Anerkennung erfolgte schrittweise und erst Jahrzehnte nach der Entstehung der volkstümlichen Andacht.
Ebenso wichtig ist die außergewöhnlich dichte Dokumentation des früheren Wallfahrtsbrauchs. Augenwaschung und Berührungsritual, Altarumgang, Geldopfer, Wachsvotive für Menschen und Tiere, Haaropfer und die Votivkröte zeigen eine Frömmigkeitsform, in der religiöse Hoffnung sehr konkret auf Krankheit, Leib, Familie und bäuerliche Existenz bezogen wurde. Vieles davon ist heute verschwunden; gerade deshalb besitzt Maria Pötsch für die Geschichte der religiösen Volkskultur Oberösterreichs einen Stellenwert, der weit über die Größe der kleinen Waldkapelle hinausgeht. Zugleich zeigen die bis heute gepflegten Fußwallfahrten aus Eferding und Stroheim, dass der Ort nicht nur als historisches Denkmal weiterlebt, sondern weiterhin tatsächlich ergangen, besucht und als Wallfahrtsziel verstanden wird.
Josef Fattinger: Geschichte des wundertätigen Bildnisses der weinenden Muttergottes in Pötsch bei Neufelden, Oberösterreich. Wels 1965.
Gustav Gugitz: Österreichs Gnadenstätten in Kult und Brauch. Band 1. Wien 1955, S. 76.
Heinrich Jungwirth: Der Obermühlviertler. Seine religiöse und soziologische Stellung im volkstümlichen Wallfahrtsbrauchtum seiner Heimat. In: Österreichische Zeitschrift für Volkskunde, Neue Serie 3, Gesamtserie 52, Wien 1949, S. 1–37, besonders S. 17–20.
Willibald Katzinger: Altenfelden. Rückblick – Rundblick. Altenfelden 1978.
Peter Adam, Beate Auer u. a.: Dehio-Handbuch Oberösterreich. Band 1: Mühlviertel. Horn/Wien 2003.
Marktgemeinde Altenfelden: Orts- und Wallfahrtsgeschichte zu Maria Pötsch; Pfarrgemeinde Altenfelden: laufende Informationen zu Wallfahrt, Gottesdiensten und Öffnungszeiten.
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Ergänzungen: Wolfgang Morscher
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