Altenberg bei Linz, Pfarrkirche hl. Elisabeth

Schnellüberblick
Wallfahrt:Historische Marienwallfahrt zur alten Marienstatue; seit dem Dorfbrand von 1799 jährliche Gelöbniswallfahrt der Ottenschlager nach Altenberg mit Bitte um Schutz vor Feuersgefahr.
Status:Historisch dokumentierter und durch die Ottenschlager Gelöbniswallfahrt bis heute lebendiger Wallfahrtsort.
Kultzentrum:Gotische, sitzende Marienstatue mit dem Jesuskind auf dem linken Seitenaltar; sie wird in der Pfarrgemeinde ausdrücklich als alte Marien-Wallfahrtsstatue bezeichnet.
Ort:Altenberg bei Linz.
Bezirk/Region:Urfahr-Umgebung / Mühlviertel.
Bundesland:Oberösterreich.
Lage und Besuch
• Lage: Schulstraße 2, 4203 Altenberg bei Linz.
• Lage in der SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Mühlviertel
• Ansicht in Street View
• Web: Pfarrgemeinde Altenberg
• Öffnungszeiten: Allgemeine tägliche Öffnungszeiten sind nicht verlässlich veröffentlicht; aktuelle Informationen zu Gottesdiensten und Besuch bietet die Pfarrgemeinde.
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Besonders willkommen sind Außenansicht und Innenraum, die Marien-Wallfahrtsstatue am linken Seitenaltar, Hochaltar und gotische Portale, der schiefe Kirchturm, historische oder heutige Wallfahrer aus Ottenschlag, Prozessionen, Votivgaben, Inschriften und weitere lokale Besonderheiten.

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Ausführliche Beschreibung

Lage und kirchliche Entwicklung

Die Pfarrkirche von Altenberg bei Linz liegt weithin sichtbar im Ortszentrum auf der Mühlviertler Höhe nordöstlich von Linz. Sie ist der heiligen Elisabeth von Thüringen geweiht und war ursprünglich eine Filialkirche der alten Mutterpfarre Gallneukirchen. Die kirchliche Selbstständigkeit entwickelte sich erst vergleichsweise spät: 1775 wurde Altenberg zur Expositur erhoben, 1777 nahm der erste ständig in Altenberg wirkende Expositus seinen Dienst auf, und mit 1. Jänner 1848 entstand die selbstständige Pfarre. Die Geschichte des Gotteshauses reicht jedoch wesentlich weiter zurück.

Vom mittelalterlichen Vorgängerbau zur spätgotischen Kirche

Bereits vor dem großen spätgotischen Neubau bestand in Altenberg eine der heiligen Elisabeth geweihte Filialkirche oder Kapelle, die in der örtlichen Überlieferung als St.-Elsbeth-Zeche erscheint. Bei den archäologischen Untersuchungen während der Generalsanierung 1991/92 wurden unter der heutigen Kirche Mauerfundamente und ältere Bestattungen freigelegt. In der kunsthistorischen Literatur wird eine Kirche in Altenberg bereits für 1248 genannt. Um 1500 ließen die Starhemberger, die über Jahrhunderte das Patronat ausübten, einen für den damaligen Ort bemerkenswert großen Neubau errichten. Die an einem Strebepfeiler des Presbyteriums eingemeißelte Jahreszahl 1506 bezeichnet diesen spätgotischen Bau. Vom ursprünglichen Bestand haben sich vor allem das weit gespannte Presbyterium mit seinem Netzrippengewölbe, die Mauern des Turmes, große Teile der Langhausmauern mit ihren Strebepfeilern sowie die Pfeiler des Kirchenraumes erhalten.

Baugestalt, Brände und der schiefe Turm

Die Kirche ist eine dreischiffige, vierjochige Hallenkirche mit einem dreijochigen, polygonal geschlossenen Chor. Bemerkenswert sind die spätgotischen Nord- und Südportale, die spätgotische Rahmung der Sakristeitür mit ihrem alten Beschlag sowie ein steinernes Lavabo von 1632, das heute als Weihwasserbecken dient. Die Geschichte der Einwölbung des Langhauses ist nicht in allen Quellen gleich überliefert: Die Altenberger Pfarrchronik erschließt aus umfangreichen Bauarbeiten der Jahre 1694/95 einen vermutlich durch Brand verursachten Einsturz des gotischen Langhausgewölbes, während die ältere kunsthistorische Literatur die neue Einwölbung mit einem Kirchenbrand von 1743 verbindet. Sicher ist, dass das mittelalterliche Gewölbe des Chores erhalten blieb, während das Langhaus in einfacherer Form erneuert wurde.

Auch der Westturm erlitt wiederholt schwere Schäden. 1742 zerstörte ein Blitz das wohl noch spätgotische Turmdach. Die anschließend aufgesetzte barocke Zwiebelhaube trug anstelle eines Kreuzes eine Figur der Kirchenpatronin Elisabeth, die im Ort den volkstümlichen Namen "Blecherne Liesl" erhielt. Am 18. Juli 1866 traf erneut ein Blitz den Turm; danach erhielt er im Wesentlichen seine heutige spitze Form. Setzungen des Untergrundes ließen den rund 42 Meter hohen Turm zunehmend nach Westen kippen. 1978/79 wurde er mit bis auf tragfähigen Fels reichenden Stahlbetonpfählen und einer massiven Konstruktion stabilisiert. Bei einer Vermessung 1988 lag die Turmspitze rund 73 Zentimeter aus dem Lot. Die Schieflage blieb als auffälliges Merkmal der Altenberger Kirche sichtbar.

Ausstattung und Marien-Wallfahrtsstatue

Die heutige Ausstattung ist das Ergebnis mehrerer Veränderungen des 19. und 20. Jahrhunderts. Der große barocke Hochaltar entstand 1723 für die später abgetragene Filialkirche Sautern des Stiftes Schlierbach und wurde 1959 nach Altenberg übertragen; 1960 erfolgte seine Weihe am neuen Standort. Der linke Seitenaltar wurde ebenfalls um diese Zeit aufgestellt. In ihm befindet sich das für die Wallfahrtsgeschichte entscheidende Bildwerk: eine gotische, sitzende und gekrönte Madonna mit dem Jesuskind. Die Figur hatte etwa ein Jahrhundert in der Winklinger Kapelle gestanden und kam danach wieder in die Pfarrkirche zurück. Die Pfarrgemeinde bezeichnet sie ausdrücklich als alte Marien-Wallfahrtsstatue. Der rechte Seitenaltar trägt eine barocke Gruppe der Heiligen Familie.

Neben den historischen Ausstattungsstücken besitzt die Kirche auch einen bemerkenswerten zeitgenössischen Kreuzweg. Herbert Friedl schuf für das Jubiläumsjahr der Kirche 15 Kreuzwegstationen sowie eine einleitende und eine abschließende Texttafel. Als Ausgangsmaterial für die Holzschnitte verwendete er Holz von Baracken des ehemaligen Konzentrationslagers Mauthausen; die Darstellungen wurden auf satiniertes Acrylglas übertragen. Der Kreuzweg verbindet damit die Passion Christi bewusst mit den Leidensgeschichten des 20. Jahrhunderts und mit dem sozialen Vermächtnis der Kirchenpatronin Elisabeth.

Die ältere Marienwallfahrt

Altenberg war lange vor seiner Erhebung zur selbstständigen Pfarre ein Marienwallfahrtsort. Eine ältere wallfahrtskundliche Beschreibung berichtet für das 17. Jahrhundert von einer bereits ausgeprägten Verehrung und von einem ehemals weit ausgreifenden Einzugsgebiet, aus dem auch Wallfahrer aus der Eferdinger Gegend nach Altenberg kamen. Mit dem Aufstieg des nahen Pöstlingberges, wo sich seit dem frühen 18. Jahrhundert eine rasch wachsende Marienwallfahrt entwickelte, verlor die ältere Altenberger Wallfahrt offenbar einen Teil ihrer überregionalen Bedeutung. Die Marienstatue auf dem linken Seitenaltar blieb jedoch das historische Kultzentrum.

Mit der Statue verbindet sich außerdem die Überlieferung, sie habe einen großen Kirchenbrand unversehrt überstanden und sei deshalb besonders um Schutz vor Feuer angerufen worden. Diese Erzählung ist als Wallfahrtsüberlieferung wichtig, lässt sich aber mit der komplizierten Bau- und Brandgeschichte des Gotteshauses nicht völlig widerspruchsfrei verbinden: Während ältere Darstellungen einen Brand 1743 nennen, erschließt die heutige Pfarrchronik bereits für 1694/95 ein großes Brand- und Wiederaufbauereignis; 1742 ist zudem ein schwerer Blitzschaden am Turm belegt. Die Vorstellung der unversehrt gebliebenen Madonna gehört daher vor allem in die Geschichte der religiösen Deutung des Ortes.

Die Gelöbniswallfahrt aus Ottenschlag

Besonders wertvoll ist, dass in Altenberg nicht nur die Erinnerung an eine frühere Wallfahrt erhalten ist. Eine bis heute lebendige Gelöbniswallfahrt führt aus Ottenschlag im Mühlkreis hierher. Am Peterstag des Jahres 1799 vernichtete ein Großbrand nahezu das gesamte Dorf; nur zwei Häuser blieben verschont. Die Bewohner gelobten daraufhin, alljährlich nach Altenberg zu wallfahren und um Bewahrung vor weiteren Brandkatastrophen zu bitten. Ursprünglich wurde das Gelübde am Peterstag beziehungsweise zu Peter und Paul erfüllt, später verlegte man die Wallfahrt nach Möglichkeit auf einen Sonntag in zeitlicher Nähe zu diesem Termin.

Die Wallfahrt wird weiterhin durchgeführt und ist auch im aktuellen Gottesdienstkalender der Pfarrgemeinde Altenberg ausdrücklich als Eucharistiefeier mit den Wallfahrern aus Ottenschlag ausgewiesen. Ein Teil der Pilger legt den ungefähr 15 Kilometer langen Weg zu Fuß zurück und bricht dafür bereits in den frühen Morgenstunden bei der Kapelle in Ottenschlag auf; andere Teilnehmer kommen mit Fahrzeugen nach Altenberg. Im Gottesdienst wird besonders um Gottes Schutz vor Feuer gebetet und der heilige Florian angerufen. Damit bewahrt diese Wallfahrt in bemerkenswerter Kontinuität die Erinnerung an eine konkrete historische Katastrophe und an das daraufhin abgelegte gemeinschaftliche Gelübde.

Volkskundliche Bedeutung

Für die Volkskunde liegen in Altenberg zwei unterschiedliche Wallfahrtsschichten übereinander. Die ältere ist eine klassische Marienwallfahrt zu einem verehrten Bildwerk, deren einst weiter Einzugsbereich im Lauf des 18. und 19. Jahrhunderts zurückging. Die jüngere, seit 1799 belegte Ottenschlager Wallfahrt ist dagegen eine kommunale Gelöbniswallfahrt: Nicht eine neue Gnadenlegende, sondern die kollektive Erinnerung an einen Dorfbrand begründet den jährlich wiederholten Weg. Ihr Schutzpatron ist ausdrücklich der heilige Florian, auch wenn das Ziel die historisch marianisch geprägte Altenberger Kirche ist. Die Feuerbitte der Ottenschlager darf deshalb nicht einfach mit dem älteren Marienkult gleichgesetzt werden. Gerade dieses Nebeneinander von Marienverehrung, Katastrophengedächtnis, Gelübde und periodisch wiederholter Prozession macht Altenberg zu einem besonders anschaulichen Beispiel für den Wandel regionaler Wallfahrtskultur.

Auch in jüngerer Zeit bleibt das Pilgern Teil des religiösen Lebens der Pfarrgemeinde. Neben der Ottenschlager Wallfahrt werden Stern-Pilgerwallfahrten aus verschiedenen Kapellen des Pfarrgebietes zur Pfarrkirche durchgeführt. Altenberg ist damit kein bloß historischer Wallfahrtsort, sondern ein Platz, an dem ältere und neuere Formen des gemeinsamen religiösen Unterwegsseins weiterhin miteinander verbunden sind.

Literatur und Quellen

Die Kunstdenkmäler Österreichs. Dehio Oberösterreich. Von Erwin Hainisch, neubearbeitet von Kurt Woisetschläger. 6. Auflage. Wien 1977, S. 19.

Gemeindeamt Altenberg bei Linz (Hg.): Altenberg bei Linz. Ein Heimatbuch. Herausgegeben anlässlich 750 Jahre Altenberg. Altenberg 1995.

Pfarrgemeinde Altenberg bei Linz: Pfarrchronik, Baugeschichte und Beschreibung der Pfarrkirche; laufende Gottesdienst- und Wallfahrtsankündigungen.

Gemeinde Ottenschlag im Mühlkreis: Ortsgeschichte und Überlieferung zur Gelöbniswallfahrt nach Altenberg.

Ergänzungen: Wolfgang Morscher

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