Allerheiligen im Mühlkreis, Heiligensteinkapelle (Andachtsort)

Schnellüberblick
Wallfahrt:Historisch eng mit der Wallfahrt nach Allerheiligen verbunden; das 1504 genannte "Hüttl am Heiligenstein" diente der Überlieferung nach den während des Kirchenbaues herkommenden Wallfahrern. Heute Andachts- und Prozessionsort innerhalb des Wallfahrtsortes Allerheiligen.
Status:Historischer Wallfahrer- und heutiger Andachtsort; eine eigenständige gegenwärtige Wallfahrt speziell zur Kapelle ist nicht nachgewiesen.
Kultzentrum:Schmerzhafte Muttergottes, Pietà bzw. Vesperbild um 1900; der namensgebende Heiligenstein ist ein markanter Felsblock mit schalenartiger Vertiefung.
Ort:Allerheiligen im Mühlkreis.
Bezirk/Region:Mühlviertel.
Bundesland:Oberösterreich.
Lage und Besuch
• Lage: westliche Ortseinfahrt, 4320 Allerheiligen im Mühlkreis.
• Lage in der SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Mühlviertel
• Ansicht in Street View (Luftbild)
• Web: Pfarrgemeinde Allerheiligen
• Öffnungszeiten: Regelmäßige Öffnungszeiten der Kapelle sind nicht veröffentlicht; Informationen zum Zugang bietet die Pfarrgemeinde beziehungsweise die Situation vor Ort.
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Ausführliche Beschreibung

Lage und Heiligenstein

Die Heiligensteinkapelle steht am westlichen Rand von Allerheiligen im Mühlkreis auf einem auffälligen Felsblock unweit der Pfarr- und Wallfahrtskirche. Dieser Fels wird als "Heiligenstein" bezeichnet und besitzt eine schalenartige Vertiefung. Gerade die unmittelbare Verbindung von natürlichem Felsen, religiösem Namen und Kapellenbau macht den Ort volkskundlich bemerkenswert. Die Gemeindeüberlieferung nimmt an, dass der Stein schon vor Errichtung der Kapelle als besonderer oder heiliger Ort gegolten haben könnte. Für einen vorchristlichen Kult an genau diesem Felsen fehlt jedoch ein sicherer archäologischer oder historischer Nachweis. Die Bezeichnung als Schalenstein und die spätere religiöse Deutung sind deshalb voneinander zu unterscheiden.

Geschichte

Die Geschichte der Kapelle ist eng mit der Entstehung und dem Ausbau des Wallfahrtsortes Allerheiligen verbunden. Die dortige Kirche ist bereits im 15. Jahrhundert belegt; um die Wende zum 16. Jahrhundert war Allerheiligen ein Ziel von Wallfahrern, während gleichzeitig an der spätgotischen Kirche gebaut wurde. Für das Jahr 1504 wird am Felsen ein "Hüttl am Heiligenstein" genannt. Eine ältere wallfahrtskundliche Beschreibung überliefert, dass die Kapelle "Zur Schmerzhaften Muttergottes" für jene Wallfahrer errichtet worden sei, die während des Kirchenbaues nach Allerheiligen kamen. Damit war der Heiligenstein von Anfang an nicht als völlig selbständiger Wallfahrtsort zu verstehen, sondern als Teil jener religiösen Landschaft, die sich um die Wallfahrtskirche von Allerheiligen entwickelte.

Eine Renovierung der Kapelle ist für 1783 überliefert. Im 20. Jahrhundert wurde sie neuerlich umfassend instand gesetzt; die heutige Ausstattung wurde dabei wesentlich mitgeprägt. Die jüngere Restaurierungsphase fand ihren Abschluss 1982. Ungeachtet ihrer geringen Größe entwickelte sich die auf dem Fels sitzende Kapelle zu einem weithin wahrgenommenen Wahrzeichen des Ortes.

Kapelle und Ausstattung

Das Patrozinium beziehungsweise die Widmung der Kapelle gilt der Schmerzhaften Muttergottes. Den Mittelpunkt der Andacht bildet eine Pietà, also die Darstellung Mariens mit dem vom Kreuz abgenommenen Christus, die um 1900 entstanden ist; Eine ältere Beschreibung bezeichnet das Werk als auf Holz gemaltes Vesperbild. Das Motiv der Schmerzensmutter fügt sich in die für kleinere Wallfahrts- und Andachtskapellen typische Verbindung von persönlicher Bitte, Krankheit, Leid und Fürbitte ein, ohne dass für die Heiligensteinkapelle ein eigener umfangreicher Mirakel- oder Votivbestand nachgewiesen werden kann.

Bei der Restaurierung von 1982 erhielt der Innenraum Wandbilder des aus Tragwein stammenden und später in Kriechbaum lebenden Heimatmalers Johann Nirnberger. Sie greifen Motive aus dem Themenkreis Allerheiligen auf und verbinden damit die kleine Marienkapelle auch bildlich mit dem Namen und der religiösen Tradition des Ortes.

Wallfahrt und heutige religiöse Nutzung

Für die Einordnung ist zwischen der Wallfahrt nach Allerheiligen und der Heiligensteinkapelle selbst zu unterscheiden. Historisch hatte die Kapelle eine klare Funktion für die nach Allerheiligen kommenden Wallfahrer. Die gegenwärtige Pfarrgemeinde führt sie weiterhin unter den Sehenswürdigkeiten und Stationen an, die Pilger beim Besuch der Wallfahrtskirche kennenlernen können. Ein belastbarer Nachweis für eine eigenständige heutige Wallfahrt ausschließlich zur Heiligensteinkapelle liegt dagegen nicht vor. Treffender ist daher die Bezeichnung als historischer Wallfahrer- und bis heute religiös genutzter Andachtsort innerhalb des Wallfahrtsensembles von Allerheiligen.

Lebendig geblieben ist insbesondere die Einbindung in die Fronleichnamsliturgie. Seit 1960 wird an der Heiligensteinkapelle am Fronleichnamstag ein Altar aufgestellt; dort wird im Verlauf der Feier beziehungsweise Prozession das Evangelium verkündet. Damit besitzt die Kapelle bis heute eine konkrete Funktion im religiösen Jahreslauf der Pfarrgemeinde. Darüber hinaus wird sie nach Angaben der Gemeinde von Einzelpersonen und Gruppen besucht.

Volkskundliche Einordnung

Besonders interessant ist das Verhältnis zwischen dem Felsen und der christlichen Kapelle. Im Mühlviertel sind zahlreiche auffällige Felsblöcke, Schalensteine und natürliche Vertiefungen mit Sagen, religiösen Erzählungen oder späteren christlichen Zeichen verbunden. Solche Formen wurden in älterer Heimatkunde häufig vorschnell als Reste vorchristlicher Opfer- oder Kultplätze gedeutet. Für den Heiligenstein von Allerheiligen lässt sich eine solche Nutzung nicht beweisen. Volkskundlich greifbar ist hingegen die lange Bedeutungszuschreibung selbst: Ein markanter Naturkörper wird durch seinen Namen, durch die Kapelle, durch das Bild der Schmerzhaften Muttergottes und durch die Fronleichnamsstation in eine christliche Sakrallandschaft eingebunden. Gerade diese Verbindung von Naturform, Überlieferung und gelebter religiöser Praxis macht die Heiligensteinkapelle zu einem bemerkenswerten Bestandteil des Wallfahrtsortes Allerheiligen.

Quellen und Literatur

Peter Adam, Beate Auer, Susanne Bachner, Brigitta Fragner, Ulrike Knall-Brskovsky, Anna Piuk, Franz Peter Wanek, Monika Wiltschnigg: Dehio-Handbuch – Oberösterreich – Band I – Mühlviertel. Horn/Wien 2003, S. 22. Alois Aumayr, Roland Huber, Josef Kiesenhofer, Karl Kitzmüller, Leopold Josef Mayböck, Martin Lehner: Allerheiligen im Mühlkreis 1492 bis 1992. Ein Heimatbuch für Pfarre und Gemeinde Allerheiligen im Mühlkreis – 500 Jahre Wallfahrtskirche. Allerheiligen im Mühlkreis 1992. . Gemeinde Allerheiligen im Mühlkreis: Informationen zur Heiligenstein-Kapelle. Pfarrgemeinde Allerheiligen: Pilgerinformation zur Wallfahrtskirche Allerheiligen.

Ergänzungen: Wolfgang Morscher

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