Weng im Innkreis, Pestkapelle (Andachtsort)

Schnellüberblick
Wallfahrt:Pfarrliche Bitt- und Erinnerungsprozessionen zum Pestgedächtnis, besonders am Freitag nach Christi Himmelfahrt und beim Erntedankfest. Ein überörtlicher Wallfahrtsbetrieb im engeren Sinn ist nicht belegt.
Status:Wallfahrtsüberlieferung / historischer Bitt- und Andachtsort.
Kultzentrum:Großes Kreuz und Schmerzhafte Muttergottes; Erinnerungs- und Votivbilder zur Pestzeit und zu persönlichen Notlagen.
Ort:Weng im Innkreis.
Bezirk/Region:Braunau am Inn / Innviertel.
Bundesland:Oberösterreich.
Lage und Besuch
•Lage: Kranzlweg, 4952 Weng im Innkreis.
•Lage in der SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Innviertel
•Ansicht in Street View
•Web: Pfarrgemeinde Weng im Innkreis
•Öffnungszeiten: keine verlässlichen allgemeinen Öffnungszeiten veröffentlicht.
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Besonders willkommen sind Außenansicht und Lage der Pestkapelle, Innenraum, Kreuz und Schmerzhafte Muttergottes, Votivbilder, Darstellung der Pest als schwarzer Hund, kleines Sarg- oder Wachsvotiv, Inschrift über der Eingangstür, alte Linden beziehungsweise deren Standort, Bitt- und Erntedankprozessionen sowie lokale Besonderheiten.

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Ausführliche Beschreibung

Pestgedächtnis außerhalb des Ortskernes

Die Pestkapelle von Weng im Innkreis liegt südlich des Ortskernes an einem historischen Pestfriedhof. Sie gehört nicht zu den klassischen Gnaden- oder Heilquellenwallfahrten des Innviertels, sondern entstand als Erinnerungs- und Bittort für die Pestzeiten der Pfarre. Gerade dadurch besitzt sie eine eigenständige volkskundliche Bedeutung: Der Ort bewahrt nicht nur die Erinnerung an Epidemien, sondern zeigt, wie kollektives Seuchengedächtnis in Gebet, Prozession und Votivpraxis über Generationen weitergeführt wurde.

Errichtung durch Pfarrer Michael Rechenmacher

Gustav Gugitz nennt 1804 als Baujahr der Pestkapelle. Errichtet wurde sie demnach von Pfarrer Michael Rechenmacher zur Erinnerung an die Pestjahre 1516, 1650 und 1714. Rechenmacher gehörte zur ersten Generation der Seelsorger der neu organisierten Pfarre Weng und prägte die kirchliche Erinnerung an die älteren Seuchenzeiten durch die Stiftung dieses dauerhaften Gedächtnisortes.

Die genaue Überlieferung der Pestjahre ist nicht völlig einheitlich. Während Gugitz und die spätere Entstehungstradition 1516, 1650 und 1714 nennen, erscheint auf einem älteren Erinnerungsbild auch die Jahresfolge 1516, 1634 und 1714. Diese Abweichung sollte nicht künstlich harmonisiert werden; sie zeigt vielmehr, dass die Erinnerung an die verschiedenen Pestzeiten in der örtlichen Überlieferung unterschiedlich weitergegeben wurde.

Pestfriedhof

Die Kapelle steht in Zusammenhang mit einem Pestfriedhof, den die heutige Gemeindedokumentation ausdrücklich mit den Pestzeiten von 1516 und 1650 verbindet. Solche außerhalb dichter Siedlungen angelegten Begräbnisplätze entstanden, wenn Epidemien die normalen kirchlichen Friedhöfe überforderten oder aus Gründen der Seuchenabwehr eigene Bestattungsorte geschaffen wurden.

Damit ist die Kapelle nicht nur ein späterer Andachtsbau, sondern Teil einer konkreten Erinnerungslandschaft. Friedhof, Kapelle, Bittgang und Votivbild verbinden den historischen Tod vieler Menschen mit einer über Generationen gepflegten religiösen Antwort auf Krankheit und Verlust.

Zerstörung durch den Sturm von 1861

Am 23. Juni 1861 wurde die Kapelle bei einem schweren Sturm zerstört. Zwei Linden stürzten auf den Bau und vernichteten ihn. Bereits im folgenden Jahr wurde die Pestkapelle wieder aufgebaut und nach der Überlieferung schöner beziehungsweise größer ausgeführt als zuvor.

Die Geschichte der beiden Linden ist selbst Teil des örtlichen Gedächtnisses geworden. Bäume gehören bei ländlichen Kapellen häufig zum religiösen Erscheinungsbild und können den Andachtsort landschaftlich markieren. In Weng wurden sie durch ihre Beteiligung an der Zerstörung der Kapelle zu einem Teil der Baugeschichte.

Kreuz und Schmerzhafte Muttergottes

Das kultische Zentrum bildet ein großes Kreuz. Darunter befindet sich eine Darstellung der Schmerzhaften Muttergottes mit dem Dolch im Herzen aus dem 19. Jahrhundert. Kreuz und Mater Dolorosa entsprechen dem Charakter des Ortes als Gedächtnisstätte für Krankheit, Tod und Leid.

Anders als bei einem klassischen Wallfahrtsort ist hier kein einzelnes Gnadenbild mit einer eigenen Wunderüberlieferung nachweisbar. Die Andacht richtet sich vielmehr auf Passion, Trauer und Fürbitte und verbindet diese Themen mit der Erinnerung an die Pesttoten der Pfarre.

Votivbilder

Gugitz erwähnt einige Votivbilder in der Kapelle. Sie erweitern das ursprüngliche Pestgedächtnis um persönliche Notlagen und Dankhandlungen. Ältere Beschreibungen nennen Bilder im Zusammenhang mit Brandgefahr, Soldaten und Unglücksfällen. Damit wurde die Kapelle im Laufe der Zeit zu einem allgemeinen Bitt- und Erinnerungsort, ohne ihre ursprüngliche Verbindung zur Pest zu verlieren.

Die Pest als schwarzer Hund

Besonders bemerkenswert ist ein von Gugitz genanntes Votivbild, auf dem die Pest als schwarzer Hund dargestellt ist. Diese Bildform gehört in den Bereich volkstümlicher Personifikationen von Krankheit und Unheil. Die Seuche erscheint nicht abstrakt, sondern wird in einer bedrohlichen Tiergestalt sichtbar gemacht.

Für die religiöse Volkskunde ist diese Darstellung besonders wertvoll, weil sie zeigt, wie eine unsichtbare Krankheit bildlich fassbar gemacht wurde. Der schwarze Hund konnte als Sinnbild einer vernichtenden, in die Gemeinschaft eindringenden Macht verstanden werden, ohne dass daraus eine einheitliche oder allgemein verbreitete Symbolik für Pest abzuleiten wäre.

Der kleine Sarg mit dem Wachskind

Gugitz nennt außerdem einen kleinen Sarg mit einem Wachskind. Solche Wachs- und Sargvotive gehören zu den eindringlichsten materiellen Zeugnissen persönlicher Frömmigkeit. Sie können mit Krankheit, Todesgefahr, Kindersterblichkeit oder einer Bitte um Bewahrung zusammenhängen.

Für das konkrete Stück in Weng ist die genaue Stiftungsabsicht nicht überliefert. Eine eindeutige Deutung wäre daher spekulativ. Sicher ist jedoch, dass das Votiv die Kapelle über das allgemeine Pestgedächtnis hinaus mit individuellen Erfahrungen von Krankheit und Tod verband.

Prozession am Freitag nach Christi Himmelfahrt

Gugitz nennt zwei kleine Prozessionen, die noch in der Mitte des 20. Jahrhunderts die Erinnerung an die Pestzeit wachhielten. Die erste führte am Freitag nach Christi Himmelfahrt zur Kapelle. Der Termin liegt im Umfeld der traditionellen Bitt- und Flurprozessionen und verbindet das Seuchengedächtnis mit der Bitte um Schutz für Gemeinde, Menschen und Lebensgrundlagen.

Erntedank und Pestgedächtnis

Eine zweite Prozession fand beim Erntedankfest statt. Auch diese Verbindung ist volkskundlich bemerkenswert: Erinnerung an Krankheit und Tod wurde mit Dank für Ernte und Bewahrung verbunden. Die Pestkapelle war damit nicht nur ein Ort rückwärtsgewandten Totengedenkens, sondern in den jährlichen religiösen Rhythmus der Pfarre eingebunden.

Wallfahrt oder Bittgang?

Die ältere Literatur führte die Pestkapelle gelegentlich innerhalb des Wallfahrtswesens. Die belegte Praxis spricht jedoch eher für einen lokalen Bitt- und Andachtsort. Gugitz nennt keine überörtlichen Pilgergruppen und kein größeres Einzugsgebiet, sondern zwei kleine pfarrliche Prozessionen, deren ausdrücklicher Zweck die Erinnerung an die Pestzeit war.

Daher ist eine Einordnung als klassischer Wallfahrtsort nicht gerechtfertigt. Treffender ist die Bezeichnung "Wallfahrtsüberlieferung / historischer Bitt- und Andachtsort". Damit bleibt die Nähe zum Wallfahrtswesen sichtbar, ohne aus den lokalen Prozessionen einen nicht belegten eigenständigen Wallfahrtsbetrieb abzuleiten.

Heutiger Status

Die Pestkapelle ist weiterhin Teil der religiösen und historischen Landschaft von Weng im Innkreis. Ein regelmäßiger eigener Wallfahrtsbetrieb lässt sich heute nicht nachweisen. Auch die früher genannten Prozessionen erscheinen in den aktuellen kirchlichen Informationen nicht mehr als fest etablierte Wallfahrtspraxis.

Als Pestgedächtnis, Kapelle und lokaler Erinnerungsort besitzt der Platz dennoch weiterhin Bedeutung. Er dokumentiert eine Form religiöser Erinnerung, die weniger auf ein Gnadenbild oder eine Heilquelle als auf gemeinschaftlich erfahrene Katastrophe und deren liturgische Verarbeitung zurückgeht.

Volkskundliche Bedeutung

Die Pestkapelle von Weng ist ein besonders anschaulicher Ort des Seuchengedächtnisses. Pestfriedhof, Kapelle, Kreuz, Schmerzhafte Muttergottes, schwarzer Pesthund, Wachskind und Erinnerungsprozessionen bilden ein dichtes Ensemble materieller und ritueller Erinnerung.

Der Ort zeigt zugleich, wie aus kollektiver Katastrophenerfahrung religiöse Dauerformen entstehen konnten. Eine Epidemie hinterließ nicht nur Gräber, sondern auch Bilder, Prozessionen, Gelübde und einen konkreten Ort des Gedächtnisses. Gerade deshalb ist die Pestkapelle volkskundlich von hohem Wert, auch wenn sie nicht als klassische Wallfahrtsstätte im engeren Sinn gelten sollte.

Literatur und Quellen

- Gustav Gugitz: Österreichs Gnadenstätten in Kult und Brauch. Band 5: Oberösterreich und Salzburg. Wien 1958, S. 142.

- Georg Feichtenschlager und O. Maier: D'Innviertler Roas. 1952, S. 337.

- Pfarramt Weng im Innkreis: Mitteilungen zur Pestkapelle, bei Gugitz als Quelle angeführt.

- Gemeinde Weng im Innkreis: Ortsgeschichtliche Dokumentation zu Pestfriedhof und Pestkapelle.

Ergänzungen: Wolfgang Morscher

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