Maria Schmolln, Wallfahrtskirche Maria Schmolln
Im Volksmund heißt es hier immer noch "in der Schmolln"; der Name soll vom "schmalen Berg" kommen.
Der Madlbauer in Unterminathal, Michael Priewasser, stellte aus Schmerz über einen entlaufenen Sohn auf dem Schmöllner Berg im Jahre 1735 ein Maria-Hilf-Bild auf, bei welchem Gebetserhörungen vorkamen; das erste Mal ist davon 1745 berichtet. Im Jahre 1784 wurde in nächster Nähe der Fichte, an welcher das Bild angebracht war, eine hölzerne Kapelle erbaut und das Bild nebst vorhandenen Votivbildern hier hineingehängt. Im Jahr 1810 wurde die Kapelle abgebrochen und das Bild auf behördliches Gebot weggeworfen. Georg Hinterberger, Schneiderbauer in Minathal, fand beim Streurechen in der Schmölln bald darauf das weggeworfene Bild in demoliertem Zustand. Seine Frau band das Bild zusammen, der Bauer nagelte eine Querleiste daran und befestigte es wieder an einem Fichtenstamm. Die Verehrung mehrte sich, Krücken wurden aufgehängt, schwere Kreuze hingeschleppt, so dass 1850 eine neue Holzkapelle errichtet wurde. Im Jahre 1860 erfolgte die Grundsteinlegung zur Kirche und am 6. November 1862 die Weihe. Die Glocken wurden am 31. März 1863 geweiht. Das Baumaterial der Kirche stammt zum großen Teil von dem alten, gesperrten Andreaskirchlein in Hummertsham in der Pfarre Pischelsdorf, das die Schmöllner um 500 Gulden gekauft hatten. Die Altäre selbst konnten nicht mehr verwendet werden, wohl aber die Tuffsteine und die Altarmensen. Eine große Sorge bedeutete beim Bau der Kirche die Beschaffung von Wasser, vergebens hatte man an verschiedenen Stellen danach gegraben. Ein altes Mütterlein zeigte den Bauleuten dann ganz in der Nähe der Baustelle einen Platz und sagte: "Da müsst ihr graben, da findet ihr Wasser genug", und tatsächlich fand man bereits in einer Tiefe von 10 m eine wirklich ergiebige Quelle.
Seit 1. Februar 1864 betreuen Franziskaner die Kirche und seit 1867 ist sie auch Pfarrkirche (früher Pfarre Mattighofen); den Friedhof besitzt Maria Schmolln bereits seit 1864.
Die ursprüngliche Gnadenkapelle an der Evangelienseite der Kirche bot kaum 30 Leuten Platz. Am 18. Mai 1880 wurde der Grundstein für die neue Kapelle gelegt, am 29. Juni 1881 fand die Weihe statt.
Zur Hundertjahrfeier der Kirchenweihe plante man eine gründliche Renovierung, in deren Zuge die Kirche wie auch die Gnadenkapelle vollkommen neugestaltet wurden. Vieles musste entfernt werden, um den Kirchenraum klar und hell werden zu lassen, wie er sich heute zeigt. Der Chorraum mit seiner wertvollen Kreuzigungsgruppe über der einfachen Marmormensa beherrscht die Kirche. Auch die Gnadenkapelle wurde richtiggehend entrümpelt. Die Wandgemälde Professor Daringers wurden erhalten. Die halbrunde Apsiswand trägt prachtvolle Barockfiguren der hl. Dreifaltigkeit (aus der Pfarrkirche St. Florian bei Schärding). Darunter hängt das Gnadenbild, das eine neue Fassung mit Strahlenkranz erhielt. Seitlich des Bildes sind je zwei Barockengel aus dem Franziskanerkloster in Salzburg gruppiert. An der rückwärtigen Wand der Gnadenkapelle hängen vier kleine, volkstümlich gemalte Bilder über die Entstehung der Wallfahrt, die Holzkapelle, und die Weihe der Gnadenkapelle 1861 und der Kirche 1863.
Als man bei der Restaurierung den Fußboden aufriss, wurde die Stelle gefunden, an der wahrscheinlich die Fichte stand, an der ursprünglich das Gnadenbild aufgehängt worden war. Man fand nämlich eine Platte und unter dieser die Reste eines Baumstumpfes. Dieser Platz wurde mit einer Glasplatte abgedeckt. Die Stelle befindet sich unter den Bänken des rechten Seitenschiffes.
Kultgegenstand: Kleines Maria-Hilf-Bild, Wasserfarben auf Holz (einfache Kopie nach Lukas Cranach) in der Gnadenkapelle.
Legende: Das Bild hat früher an einem Fichtenstamm gehangen und kehrte immer wieder dorthin zurück, sooft man es entfernte. — Ein Holzarbeiter, der sich verwundet hatte, legte sich ein Stückchen Rinde von dem Fichtenstamm auf und genas. Die Wallfahrer nahmen sich auch oft Rindenstücke des Baumes und eines in der Nähe gestandenen zu Heilzwecken mit.
Wallfahrt: Bereits im Jahre 1864 waren neben vielen kleineren Pilgergruppen 28 größere Prozessionen hierhergekommen. Die Zahl der Besucher stieg an. Im Jahr 1888 z. B. 70.000 Personen, 50.000 Kommunikanten; nach 1930 noch 79 Prozessionen mit je 20 bis 400 Teilnehmern.
— Heute besonders im Mai und Oktober an Samstagen, Sonn- und Feiertagen, aber auch die übrige Zeit hindurch Einzelpersonen. Die Gruppen kommen in Autobussen, viele verlassen aber die Fahrzeuge 1 bis 2 km vor dem Ort und kommen dann zu Fuß und betend zur Kirche. Hauptzuzug Innviertel, Bayern (Waging), Salzburg (Kuchl bei Hallein) und das übrige Oberösterreich. Durchschnittlich 40 Gruppen im Mai und ebenso- viele im Oktober.
Quelle: Hertha und Friedrich Schober, Kapelle, Kirche, Gnadenbild. Ein kunstgeschichtlicher und volkskundlicher Führer zu Wallfahrtsstätten in Oberösterreich. Linz 1972.
Mit freundlicher Genehmigung von Reinprecht Schober für SAGEN.at.
| | Lage: 5241 Maria Schmolln. |
| | Lage in SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Oberösterreich - Innviertel |
| | Ansicht in Street View |
| | Web: Pfarre Maria Schmolln |
| | Geöffnet: |
| | Maria Schmolln Jubiläumskarte 1863 - 1913.
1. 1735 hängte der Bauer Michael Priewasser zum Gedenken an seinen verschollenen Sohn ein Marienbild an einen Baum. |
Bildquelle: SAGEN.at-Fotogalerie
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| | Maria Schmolln um 1915. Ansichtskarte mit dem Ort und Wallfahrtskirche Maria Schmolln, rechts oben das Gnadenbild. |
Bildquelle: SAGEN.at-Fotogalerie
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| | Glasplatte zum Fichtenstandort Maria Schmolln: |
Bildquelle: SAGEN.at-Fotogalerie
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| | Votivbild Maria Schmolln "Ex Voto 1885": |
Bildquelle: SAGEN.at-Fotogalerie
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| | Votivbild Maria Schmolln 1885 Bisswunde: "Maria hat Geholfen 1885 Eine gewiße Weibsperson verlobte sich hiher wegen einen gefärlichen Schwein Biß." |
Bildquelle: SAGEN.at-Fotogalerie
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| | Votivbild Maria Schmolln 1864, Unfall Wassermühle: "Josef Kern Müllersohn am Tohr in Uttendorf 15 Jahr alt, 1864, durch das Müllrad verunglückt worden, und durch die Anrufung der Mutter Gottes in der Schmolln blieb die Mühle stehen, und Maria hat geholfen." |
Bildquelle: SAGEN.at-Fotogalerie |
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| | Historisches Wallfahrtsandenken Maria Schmolln: "Der sterbende Bettler. Wenn ich auf der Wallfahrt bin, So gedenk' ich Deiner immer hin." |
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| | Literatur zur Wallfahrt: |
| - Wallfahrtsort Maria-Schmolln (1963) | |
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Ergänzungen: Wolfgang Morscher © www.SAGEN.at |