Maria Schmolln, Pfarr- und Wallfahrtskirche Maria-Hilf

Schnellüberblick
Wallfahrt:Seit dem 18. Jahrhundert gewachsene Marienwallfahrt; im 19. Jahrhundert Aufstieg zu einem der bedeutendsten Gnadenorte Oberösterreichs mit großem Einzugsgebiet im Innviertel, im übrigen Oberösterreich, in Salzburg und im angrenzenden Bayern. Bis heute Ziel zahlreicher Pfarr-, Vereins- und Gruppenwallfahrten, besonders im Mai und Oktober.
Status:Lebendiger, historisch bedeutender Marienwallfahrtsort und Pfarrkirche.
Kultzentrum:Kleines Maria-Hilf-Gnadenbild von 1735 in der Gnadenkapelle; im Boden erinnert ein Sichtfenster an den überlieferten Standort der ursprünglichen Fichte.
Ort:Maria Schmolln.
Bezirk/Region:Braunau am Inn / Innviertel.
Bundesland:Oberösterreich.
Lage und Besuch
• Lage: Maria Schmolln 2, 5241 Maria Schmolln.
• Lage in der SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Innviertel
• Ansicht in Street View
• Web: Pfarrgemeinde Maria Schmolln
• Öffnungszeiten: Die Wallfahrtskirche ist für Gebet und Besuch zugänglich; für Wallfahrtsgruppen, Gottesdienste und Kirchenführungen empfiehlt sich eine vorherige Anmeldung bei der Pfarrgemeinde.
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•Bilddokumentation
•Ausführliche Beschreibung

Bilddokumentation

• Maria Schmolln, Jubiläumskarte 1863–1913. Die Bildfolge erinnert an das Marienbild an der Fichte, die Holzkapelle von 1850, die große Wallfahrtskirche und den Wallfahrtsort um 1913:
Maria Schmolln Jubiläumskarte 1863 bis 1913

Bildquelle: SAGEN.at-Fotogalerie

• Maria Schmolln um 1915. Ansichtskarte mit Wallfahrtskirche und Gnadenbild:
Maria Schmolln um 1915 mit Wallfahrtskirche und Gnadenbild

Bildquelle: SAGEN.at-Fotogalerie

• Sichtfenster über dem überlieferten Standort der ursprünglichen Fichte in der Gnadenkapelle:
Maria Schmolln Sichtfenster am überlieferten Standort der Fichte

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• Votivbild "Ex Voto 1885":
Votivbild Maria Schmolln Ex Voto 1885

Bildquelle: SAGEN.at-Fotogalerie

• Votivbild von 1885 wegen eines gefährlichen Schweinebisses. Die Inschrift lautet: "Maria hat Geholfen 1885. Eine gewiße Weibsperson verlobte sich hiher wegen einen gefärlichen Schwein Biß.":
Votivbild Maria Schmolln 1885 wegen eines Schweinebisses

Bildquelle: SAGEN.at-Fotogalerie

• Votivbild von 1864 für Josef Kern aus Uttendorf, der als fünfzehnjähriger Müllersohn bei einem Mühlrad verunglückte. Die Rettung wurde der Anrufung der Muttergottes von Maria Schmolln zugeschrieben:
Votivbild Maria Schmolln 1864 Unfall an einer Wassermühle

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• Historisches Wallfahrtsandenken Maria Schmolln mit dem Motiv "Der sterbende Bettler":
Historisches Wallfahrtsandenken Maria Schmolln

Bildquelle: SAGEN.at-Fotogalerie

Ausführliche Beschreibung

Ein Wallfahrtsort, aus dem ein Dorf entstand

Maria Schmolln gehört zu den ungewöhnlichsten Wallfahrtsorten Oberösterreichs. Hier wurde nicht eine bereits bestehende Pfarrkirche später zum Ziel von Pilgern; vielmehr ging die gesamte Ortsentwicklung von einem kleinen verehrten Marienbild aus. Am Anfang stand ein Bild an einer Fichte auf dem Schmollner Berg. Um diesen Platz entstanden zunächst eine Kapelle und ein Wallfahrtsbetrieb, im 19. Jahrhundert die große Kirche, eine franziskanische Niederlassung, Schule und Pfarre und schließlich die politische Gemeinde. Die Wallfahrt schuf damit nicht nur einen religiösen Mittelpunkt, sondern prägte Siedlung, Verkehrswege, Gastgewerbe und lokale Identität. Noch das Gemeindewappen mit Nadelbaum und Marienmonogramm erinnert an diesen Ursprung.

Michael Priewasser und das Bild an der Fichte

Die örtliche Ursprungstradition setzt im Jahr 1735 ein. Michael Priewasser, der Madlbauer aus Unterminathal, soll aus Sorge um seinen verschwundenen zwölfjährigen Sohn ein kleines Maria-Hilf-Bild an einer Fichte auf dem Schmollner Berg befestigt und Vorübergehende gebeten haben, dort für den Vermissten zu beten. Über das weitere Schicksal des Sohnes berichtet die Überlieferung nichts Sicheres. Das Bild selbst wurde jedoch zunehmend von anderen Menschen aufgesucht, die dort ihre eigenen Anliegen vorbrachten. Aus einer privaten Gebets- und Erinnerungsstätte entwickelte sich auf diese Weise ein öffentlicher Andachtsort.

Gustav Gugitz nennt bereits für 1745 die erste überlieferte Gnadenerfahrung am Bildbaum. Das älteste von ihm verzeichnete Votivbild stammte aus dem Jahr 1747 und bezog sich ausdrücklich auf eine Gebetserhörung von 1745. Damit ist die Verehrung nur wenige Jahre nach der überlieferten Aufstellung des Bildes fassbar. Die frühen Nachrichten zeigen zugleich, dass die Entstehung des Gnadenortes nicht als einmaliges Gründungsereignis verstanden werden darf: Erst durch wiederholten Besuch, Erzählungen über erhörte Gebete und sichtbare Dankzeichen wurde aus dem privaten Andachtsbild ein Wallfahrtsbild.

Die Fichte als Kultort

Von Anfang an war nicht nur das kleine Marienbild, sondern auch sein konkreter Standort von Bedeutung. Der Fichtenbaum wurde zum Bestandteil des Gnadenortes. In der späteren Überlieferung heißt es, das Bild sei immer wieder an die Fichte zurückgekehrt, wenn man es von dort entfernte. Solche Rückkehrmotive begegnen an vielen Wallfahrtsorten und erklären im Nachhinein, weshalb ein Kultbild gerade an einem bestimmten Platz dauerhaft verehrt werden sollte.

Noch deutlicher wird die Bedeutung des Baumes in den volksmedizinischen Bräuchen. Gugitz berichtet von einem Holzarbeiter, der sich verletzt hatte, ein Stück Rinde des Fichtenbaumes auf die Wunde legte und seine Genesung der Anwendung zuschrieb. Danach nahmen Wallfahrer Rindenstücke sowohl von der Bildfichte als auch von einem benachbarten Baum zu Heilungszwecken mit. Der Kultort erstreckte sich damit materiell über das Bild hinaus auf den Baum selbst. Bild, Baum und entnommene Rinde bildeten ein zusammenhängendes religiöses Bedeutungsfeld.

Die erste Kapelle von 1784 und der Abbruch 1810

1784 wurde in unmittelbarer Nähe der Fichte eine hölzerne Kapelle errichtet. Das Maria-Hilf-Bild und die inzwischen vorhandenen Votivgaben wurden in den Bau übertragen. Damit erhielt die bis dahin weitgehend im Freien ausgeübte Verehrung erstmals einen festen architektonischen Rahmen. Die Kapelle war allerdings nicht von Dauer. 1810 wurde sie auf behördliche Anordnung des Pflegegerichts Mattighofen abgebrochen, und auch das Gnadenbild sollte entfernt werden.

Gugitz berichtet, das Bild sei im Zuge dieser Maßnahme weggeworfen worden und ein Bauer habe es anschließend wieder am alten Fichtenbaum aufgehängt. Im Unterschied zu später ausgeschmückten Varianten nennt er keinen Namen für diesen Bauern. Sicher ist jedenfalls, dass die Verehrung nach dem behördlichen Eingriff nicht erlosch. Im Gegenteil: Krücken wurden aufgehängt, schwere Kreuze zum Gnadenort getragen und der Zustrom nahm weiter zu. Die obrigkeitliche Beseitigung der Kapelle hatte damit den Kultplatz verändert, nicht aber die religiöse Bindung an Bild und Baum beendet.

Die zweite Holzkapelle von 1850

Der fortdauernde Pilgerzustrom führte 1850 zum Bau einer neuen hölzernen Kapelle. Diese zweite Kapelle markiert den unmittelbaren Übergang zur großen Ausbauphase des 19. Jahrhunderts. Innerhalb nur eines Jahrzehnts war auch sie für die Zahl der Besucher zu klein geworden. Die Wallfahrt hatte sich von einer regionalen bäuerlichen Andachtsstätte zu einem Gnadenort entwickelt, für den ein großer Kirchenbau, eine geordnete Seelsorge und schließlich eine eigene Pfarre notwendig wurden.

Die große Wallfahrtskirche

Am 18. Juni 1860 wurde der Grundstein zur heutigen Wallfahrtskirche gelegt. Die Pläne stammten vom Mauerkirchner Baumeister Josef Kasinger. Für den Bau verwendete man auch Material der abgetragenen Andreaskirche von Humertsham in der Pfarre Pischelsdorf am Engelbach. Die neue Kirche entstand in historistischen Formen des Rundbogenstils und bot dem stark gewachsenen Wallfahrtsbetrieb einen entsprechend großen Raum.

Bei der Datierung der Weihe begegnen in der älteren Literatur unterschiedliche Angaben. Gugitz nennt den 6. November 1862; die neuere Pfarr- und Diözesangeschichte führt dagegen die feierliche Kirchweihe am 28. Oktober 1863 an, die der Salzburger Weihbischof Balthasar Schitter stellvertretend für den erkrankten Linzer Bischof Franz Joseph Rudigier vornahm. Für die weitere Ortsgeschichte war entscheidend, dass mit der großen Kirche nun ein dauerhaftes Zentrum geschaffen war, um das sich die junge Siedlung rasch weiterentwickelte.

Franziskaner und Wallfahrtsseelsorge

Der enorme Pilgerzustrom machte eine intensive Seelsorge erforderlich. Schon während des Kirchenbaues wurde der Wunsch nach einer franziskanischen Niederlassung ausgesprochen. 1864 übernahmen Franziskaner der Tiroler Franziskanerprovinz die Betreuung des Wallfahrtsortes. Ihre Aufgaben bestanden nicht nur in der gewöhnlichen Pfarrseelsorge, sondern gerade auch in Predigt, Beichte, Begleitung von Prozessionen und Betreuung der ankommenden Pilgergruppen.

Das zunächst errichtete Priesterhaus erwies sich bald als zu klein und wurde 1871 erweitert. Über viele Jahrzehnte lebten mehrere Franziskaner in Maria Schmolln. Die Ordensgemeinschaft prägte den Wallfahrtsort 150 Jahre lang; erst 2014 wurde die Niederlassung endgültig geschlossen. Die Wallfahrt bestand darüber hinaus weiter und wird seither von der Pfarrgemeinde betreut.

Pfarre und Gemeinde

Am 2. Februar 1867 wurde Maria Schmolln zur selbständigen Pfarre erhoben. Damit erhielt der aus dem Wallfahrtsbetrieb entstandene Ort auch eine eigene kirchliche Organisationsstruktur. Die politische Gemeinde folgte erst 1898. Diese zeitliche Abfolge ist charakteristisch für die Entwicklung: Zuerst gab es den Gnadenort, dann Kirche und Wallfahrtsseelsorge, danach die Pfarre und erst zuletzt die politische Gemeinde.

Das Gnadenbild "Mariahilf"

Trotz des monumentalen Kirchenbaues blieb das kleine Maria-Hilf-Bild das eigentliche Kultzentrum. Es handelt sich um ein auf Holz gemaltes Andachtsbild des weit verbreiteten Mariahilf-Typus, dessen berühmteste Vorlage auf Lucas Cranach den Älteren zurückgeht. Das Schmollner Bild besitzt keinen außergewöhnlichen materiellen Kunstwert. Seine Bedeutung liegt vielmehr in seiner Geschichte: Es ist jenes kleine Bild, an dessen Verehrung sich die Entstehung des gesamten Wallfahrtsortes knüpft.

Am Bild sind Beschädigungen und Altersspuren sichtbar. Sie wurden nicht vollständig kaschiert, sondern gehören zur Objektbiographie des Gnadenbildes. Das Bild war zeitweilig der Witterung ausgesetzt, wurde versetzt und wieder angebracht und schließlich in mehreren Kapellen und in der großen Kirche verehrt. Gerade diese sichtbare Geschichte verstärkt seinen Charakter als Erinnerungs- und Kultobjekt.

Die Gnadenkapelle von 1880/81

Der große Kirchenraum bot zwar Platz für die zahlreichen Wallfahrer, doch der Ursprungskult verlangte weiterhin einen eigenen, enger gefassten Ort. 1880 wurde deshalb der Grundstein zu einer angebauten Gnadenkapelle gelegt. Der Entwurf stammte vom Franziskaner P. Johann Maria Reiter. 1881 wurde die Kapelle von Bischof Franz Joseph Rudigier geweiht und das kleine Gnadenbild erhielt hier seinen dauerhaften Mittelpunkt.

Im Boden der Gnadenkapelle erinnert heute ein Sichtfenster an den überlieferten Standort der ursprünglichen Fichte. Unter der Glasplatte sind Reste eines Wurzelstockes sichtbar, die traditionell mit dem Bildbaum verbunden werden. Unabhängig davon, ob sich dieser Wurzelstock naturwissenschaftlich mit der Fichte des Jahres 1735 identifizieren lässt, besitzt die Stelle hohen Erinnerungswert: Sie macht den Ursprung der Wallfahrt im heutigen Kirchenraum räumlich erfahrbar.

Engelbert Daringers Ausmalung der Gnadenkapelle

1934 erhielt die Gnadenkapelle eine neue Ausmalung durch den Innviertler Kirchenmaler Engelbert Daringer. Die Bilder verbinden die franziskanische Geschichte des Ortes mit seiner Wallfahrtsüberlieferung. Dargestellt sind unter anderem Szenen aus dem Leben des hl. Franziskus, Wallfahrer bei der Fichte mit dem Gnadenbild, die Kreuzigung, die Anbetung der Hirten und eine Majestas Domini. Dadurch wurde die Entstehungsgeschichte der Wallfahrt selbst zum Gegenstand kirchlicher Bildkunst.

Die Gnadenkapelle enthält darüber hinaus ältere Kunstwerke unterschiedlicher Herkunft, darunter barocke Skulpturen und religiöse Darstellungen, die in die jüngere Ausstattung integriert wurden. So stehen im kleinen Kapellenraum mehrere Zeitschichten nebeneinander: das einfache Gnadenbild des 18. Jahrhunderts, die Erinnerung an die Fichte, barocke Skulpturen und die Wandmalerei des 20. Jahrhunderts.

Votivgaben: von der Rinde bis zum schweren Kreuz

Das Votivwesen von Maria Schmolln war außerordentlich vielfältig. Gugitz nennt zahlreiche Votivbilder, Holzlungeln, schwere Bußkreuze, große Wachskerzen und weitere Wachsvotive. Krücken wurden beim Gnadenort aufgehängt; andere Pilger brachten schwere Kreuze als körperlich anstrengende Gelübdeleistung zum Wallfahrtsplatz. Neben dauerhaft sichtbaren Opfergaben stand damit die körperliche Mühe des Pilgerns selbst als Form des Gelübdes.

Besonders bemerkenswert sind die Holzlungeln. Solche anatomischen Votive stellten das erkrankte Körperorgan dar und wurden als Bitte oder Dank geopfert. In Verbindung mit Wachsformen, Krücken und Votivbildern zeigen sie, wie konkret Krankheit und körperliche Not im Wallfahrtsbrauch sichtbar gemacht wurden. Das älteste bei Gugitz erwähnte Votivbild von 1747 bezog sich auf eine Gebetserhörung von 1745 und gehört damit in die früheste Phase der Verehrung.

Die erhaltenen Votivbilder als Quellen des Alltags

Die erhaltenen Votivbilder sind für Maria Schmolln eine der wichtigsten volkskundlichen Quellen. Sie dokumentieren nicht nur die Existenz der Wallfahrt, sondern konkrete Lebenssituationen. Krankheiten, Unfälle bei der Arbeit, Verletzungen durch Tiere, Gefahren für Kinder und Erwachsene und unerwartete Rettung werden in Bild und Text festgehalten. Der religiöse Sinn entsteht aus der Deutung des Ereignisses: Die Betroffenen verstanden ihre Rettung oder Genesung als Hilfe Mariens und machten diesen Dank öffentlich sichtbar.

Ein auf SAGEN.at dokumentiertes Votivbild von 1864 berichtet vom fünfzehnjährigen Müllersohn Josef Kern aus Uttendorf, der durch ein Mühlrad verunglückte. Nach der Anrufung der Muttergottes von Maria Schmolln, so die Inschrift, sei die Mühle stehen geblieben. Ein anderes Votivbild von 1885 erinnert an eine Frau, die sich wegen eines gefährlichen Schweinebisses nach Maria Schmolln verlobt hatte. Diese Bilder beweisen keine übernatürliche Ursache einer Rettung; als historische Quellen zeigen sie jedoch sehr genau, in welchen Gefahrenlagen Menschen auf Wallfahrt, Gelübde und Fürbitte zurückgriffen.

Vom Andachtsort zur Großwallfahrt

Im 19. Jahrhundert entwickelte sich Maria Schmolln zu einer der bedeutendsten Wallfahrten Oberösterreichs. Gugitz nennt für das Jahr 1888 rund 70.000 Pilger und 50.000 Kommunikanten. Noch um 1930 kamen 79 organisierte Prozessionen mit jeweils etwa 20 bis 400 Teilnehmern. Solche historischen Zahlen sind nicht mit modernen, nach einheitlichen Kriterien erhobenen Besucherstatistiken gleichzusetzen; ihre Größenordnung zeigt aber eindrucksvoll, dass Maria Schmolln zeitweise ein Massenziel war.

Die größte Dichte erreichte der Besuch im Mai. Gugitz berichtet, dass an einzelnen Tagen acht bis zehn Prozessionen eintrafen. Der Marienmonat war damit nicht nur liturgisch, sondern auch organisatorisch eine Herausforderung für Kirche, Franziskaner und Ort. Die großen Prozessionszüge machten Maria Schmolln weithin sichtbar und prägten das Ortsbild ebenso wie Gastwirtschaften, Pilgerunterkünfte und der Handel mit Andachtsgegenständen.

Wallfahrtsgeographie: Oberösterreich, Salzburg und Bayern

Das Einzugsgebiet reichte weit über das unmittelbare Innviertel hinaus. Gugitz bezeichnet Maria Schmolln ausdrücklich als eine der bedeutendsten Wallfahrten Oberösterreichs und nennt Zuzug aus Salzburg sowie aus dem angrenzenden Bayern. Damit knüpfte der Wallfahrtsort an einen religiösen Raum an, der ältere Landes- und Staatsgrenzen überschritt. Gerade im westlichen Innviertel waren kirchliche, wirtschaftliche und verwandtschaftliche Verbindungen nach Bayern und Salzburg traditionell eng.

Die Verbreitung der Wallfahrt lässt sich auch an gedruckten Andachtsbildern erkennen. Gugitz nennt zahlreiche Verleger des 19. und 20. Jahrhunderts, darunter Firmen in Braunau und weiter entfernten Druckorten. Das kleine Gnadenbild wurde dadurch vervielfältigt und konnte von Pilgern mitgenommen, in Häusern aufbewahrt oder als Erinnerung weitergegeben werden. Andachtsgraphik gehörte damit wesentlich zur medialen Ausstrahlung des Wallfahrtsortes.

Wallfahrtsbücher und gedruckte Frömmigkeit

Für Maria Schmolln entstand bereits im 19. Jahrhundert eine umfangreiche eigene Wallfahrtsliteratur. Besonders wichtig ist Matthias Eisterers "Wallfahrtsbüchlein für den Gnadenort Maria Schmolln in Oberösterreich" von 1896. Daneben erschienen zahlreiche Andenken, Gebetshefte und Ursprungsdarstellungen, teilweise in vielen Auflagen. Gugitz nennt unter anderem ein "Gedenkblatt an die Pilger nach Maria Schmolln", einen "Ursprung der Wallfahrt Maria-Schmolln", eigene Gebete zu Ehren der Muttergottes und weitere Andachtsdrucke.

Diese Drucke zeigen, dass die Wallfahrt nicht nur am Ort selbst stattfand. Gebete, Lieder und Bilder begleiteten die Pilger nach Hause und verlängerten den Gnadenort in die private Frömmigkeit hinein. Das auf SAGEN.at dokumentierte historische Wallfahrtsandenken mit dem "sterbenden Bettler" gehört in genau diesen Zusammenhang.

Kirchenraum und Veränderungen der Ausstattung

Die heutige Wallfahrtskirche ist ein historistischer Bau des 19. Jahrhunderts, dessen Innenraum im Lauf der Zeit mehrfach grundlegend verändert wurde. Die ursprünglichen Altäre schuf Emanuel Basler aus Simbach; Georg Lindenmair aus Braunau besorgte ihre Fassung. Im 20. Jahrhundert wurde die historistische Ausstattung in mehreren Schritten weitgehend entfernt. Der heute sichtbare Kirchenraum ist daher nicht mit dem Zustand der Wallfahrtsblüte des späten 19. Jahrhunderts gleichzusetzen.

Anfang der 1990er Jahre erfolgte eine umfassende Neugestaltung. Die heutigen Altäre stammen vom Innsbrucker Bildhauer Rudolf Millonig und wurden 1993 geweiht. Der Hochaltar ist als flügelaltarähnliches Wandretabel gestaltet und stellt die Kreuzigung in den Mittelpunkt; weitere Reliefs beziehen sich auf das Glaubensbekenntnis. Der linke Seitenaltar ist dem hl. Franz von Assisi, der rechte der Taufe Christi gewidmet. Ältere Kunstwerke wurden in die neue Raumordnung einbezogen, sodass die Kirche heute Elemente verschiedener Epochen vereint.

Krieg, Heimkehr und Friedensfrömmigkeit

Im 20. Jahrhundert entstanden neue Wallfahrtsanliegen. Nach dem Zweiten Weltkrieg kamen Heimkehrer aus Dankbarkeit nach Maria Schmolln, und das Gebet um Frieden gewann stärkeres Gewicht. Der Ort erinnert auch an den Besuch von Bundeskanzler Julius Raab und Landeshauptmann Heinrich Gleißner am 1. Mai 1955 nach den entscheidenden Verhandlungen über den österreichischen Staatsvertrag. Friedensgebet, Heimkehrerwallfahrt und spätere Fatimafrömmigkeit erweiterten die älteren Formen des Marienkultes um Anliegen, die aus den Erfahrungen des 20. Jahrhunderts hervorgingen.

Wallfahrt und Ortsentwicklung

Die Pilger prägten nicht nur Kirche und Kloster, sondern den gesamten Ort. Wallfahrer benötigten Verpflegung, Unterkunft, Stallungen und später Verkehrsanschlüsse. Gasthäuser, Handel und Fremdenverkehr entwickelten sich in enger Beziehung zum Gnadenort. Maria Schmolln ist deshalb ein besonders anschauliches Beispiel dafür, wie eine Wallfahrt langfristig Siedlungsentwicklung und Wirtschaftsstruktur beeinflussen kann.

Die Entstehung der politischen Gemeinde im Jahr 1898 war gewissermaßen der Abschluss eines Prozesses, der mit dem kleinen Andachtsbild von 1735 begonnen hatte. Aus einem Baumheiligtum war ein Ort mit Kirche, Kloster, Schule, Pfarre, Gewerbe und kommunaler Eigenständigkeit geworden.

Maria Schmolln heute

Maria Schmolln ist weiterhin ein lebendiger Wallfahrtsort. Pfarrwallfahrten, Frauen- und Männergruppen, Senioren, Vereine, Schulklassen und andere Gemeinschaften kommen zum Gnadenbild. Besonders Mai und Oktober sind weiterhin wichtige Wallfahrtsmonate. Neben organisierten Gruppen spielt auch die individuelle Wallfahrt eine Rolle. Die Pfarrgemeinde bietet Gottesdienste, Andachten und Führungen für Pilgergruppen an.

Auch moderne Pilgerwege haben Maria Schmolln in größere Netze eingebunden. Die Via Maria verbindet Altötting über Maria Schmolln und weitere oberösterreichische Gnadenorte mit Mariazell. Damit erhält eine alte grenzüberschreitende Pilgerlandschaft eine neue Form: Der Wallfahrtsort bleibt nicht auf seine historische Vergangenheit beschränkt, sondern wird in heutige Fuß- und Fernpilgerwege aufgenommen.

Volkskundliche Bedeutung

Maria Schmolln besitzt für die Wallfahrts- und Volkskunde eine außergewöhnliche Quellenfülle. Die Entwicklung vom privaten Marienbild über den Bildbaum, die Entnahme heilkräftig verstandener Rinde, Votive, Krücken und Bußkreuze bis zur großen Prozessionswallfahrt lässt sich über fast drei Jahrhunderte verfolgen. Gleichzeitig sind zahlreiche materielle Zeugnisse erhalten oder dokumentiert: das Gnadenbild, der erinnerte Fichtenstandort, Votivbilder, Andachtsgraphik, Wallfahrtsliteratur und historische Ansichtskarten.

Gerade die Votive machen deutlich, dass Wallfahrt nicht nur aus großen Festen, Kirchenbauten und Pilgerzahlen bestand. In ihnen begegnen einzelne Menschen mit ihren Krankheiten, Arbeitsunfällen, Tierverletzungen, familiären Sorgen und Hoffnungen. Der Gnadenort bot eine religiöse Sprache für diese Erfahrungen: Man verlobte sich nach Maria Schmolln, ging oder fuhr dorthin, trug Kreuze, stiftete Bilder oder Wachsvotive und formulierte den Dank mit der knappen Aussage "Maria hat geholfen". Darin liegt ein wesentlicher Teil der kulturgeschichtlichen Bedeutung des Wallfahrtsortes.

Literatur und Quellen

- Matthias Eisterer: Wallfahrtsbüchlein für den Gnadenort Maria Schmolln in Ober-Österreich (Innviertel). Wien 1896.

- Gustav Gugitz: Österreichs Gnadenstätten in Kult und Brauch. Ein topographisches Handbuch zur religiösen Volkskunde. Band 5: Oberösterreich und Salzburg. Wien 1958, S. 78.

- Florentin Nothegger: Wallfahrtsort Maria-Schmolln. Maria Schmolln 1963.

- Die Kunstdenkmäler Österreichs. Dehio-Handbuch Oberösterreich. Innviertel. Horn/Wien 2020, S. 534–536.

- Diözesanarchiv Linz: Zur Geschichte der Franziskaner in Maria Schmolln und zur Entstehung der Pfarre, veröffentlicht 2005.

- Mariahilf! Ein Gedenkblatt an die Pilger nach Maria Schmolln. Mehrfach aufgelegte Wallfahrtsschrift des 19. Jahrhunderts.

Ergänzungen: Wolfgang Morscher

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