| Wallfahrt: | Historische Bründlwallfahrt zu einer Heilquelle, die besonders bei Augenleiden aufgesucht wurde. Überlieferungen verbinden den Ort außerdem mit Heilung von Fußleiden. Votivbilder bezeugen persönliche Bitte und Dank. |
| Status: | Historischer Wallfahrtsort; heute Andachts- und Erinnerungsort. |
| Kultzentrum: | Schmerzhafte Muttergottes des 17. Jahrhunderts und die Heilquelle im Inneren der Kapelle. |
| Ort: | St. Roman, Bereich Razing. |
| Bezirk/Region: | Schärding / Innviertel. |
| Bundesland: | Oberösterreich. |
| • | Lage: 4793 St. Roman, Bereich Razing. |
| • | Lage in der SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Innviertel |
| • | Ansicht in Street View (Luftbild) |
| • | Web: Pfarrgemeinde St. Roman |
| • | Öffnungszeiten: keine verlässlichen allgemeinen Öffnungszeiten veröffentlicht. |
| • | Bilddokumentation |
| • | Ausführliche Beschreibung |
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Besonders willkommen sind Außenansicht und Lage der Bründlkapelle, Innenraum, Brunnenbassin und Wasserfassung, Schmerzhafte Muttergottes, hölzernes Kreuz, Votivbilder, Inschriften, Hinweise auf frühere Krücken oder andere Heilungszeichen sowie heutige Andachten und lokale Besonderheiten.
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Die Bründlkapelle von St. Roman liegt abseits des Ortskernes in einem bewaldeten Gelände bei Razing. Ältere Literatur verwendet auch die Form "Ratzing". Der kleine Bau gehört zu jener Gruppe von Innviertler Bründlkapellen, bei denen Marienverehrung und eine als heilkräftig verstandene Quelle unmittelbar miteinander verbunden waren.
Im Unterschied zu großen Wallfahrtskirchen entwickelte sich hier kein monumentales Heiligtum. Die religiöse Bedeutung konzentrierte sich auf das Wasser, die Schmerzhafte Muttergottes und persönliche Heilungs- und Gelübdegeschichten. Gerade diese Verbindung macht die Kapelle zu einem typischen Beispiel regionaler Volksfrömmigkeit.
Gustav Gugitz beschreibt die Bründlkapelle als quadratischen Holzbau mit einem Brunnenbassin aus dem 18. Jahrhundert. Die Kapelle war längere Zeit verfallen und wurde 1932 wieder instand gesetzt. Damit ist sowohl die barockzeitliche Entstehung als auch eine wichtige Phase der späteren Erhaltung belegt.
Das Brunnenbassin befindet sich im Inneren der Kapelle. Die Quelle ist damit nicht bloß ein benachbarter Landschaftspunkt, sondern Bestandteil des Sakralraumes selbst. Diese räumliche Verbindung von Altar, Marienbild und Wasser verstärkt den Charakter des Ortes als Heil- und Andachtsstätte.
Als Kultgegenstand nennt Gugitz eine Schmerzhafte Muttergottes des 17. Jahrhunderts. Die Figur beziehungsweise Darstellung gehört damit einer älteren Kultschicht an als der heutige Holzbau. Eine sichere Bezeichnung als "schwarze Muttergottes" lässt sich aus Gugitz nicht ableiten und wird daher hier nicht verwendet.
Die Verehrung der Schmerzhaften Muttergottes verbindet Mitleiden, Krankheit, persönliche Not und Hoffnung auf Hilfe. In Verbindung mit der Heilquelle entstand daraus ein religiöser Ort, an dem körperliches Leiden und Marienfrömmigkeit eng miteinander verbunden waren.
Gugitz nennt die Quelle ausdrücklich als Heilquelle und vermerkt, dass sie besonders bei "schlechten Augen" aufgesucht wurde. Damit gehört St. Roman in die große Gruppe der Augenbründl des österreichisch-bayerischen Raumes.
Die historische Bedeutung liegt nicht in einer medizinisch nachweisbaren Heilwirkung des Wassers, sondern in der überlieferten religiösen Praxis. Besucher kamen zur Quelle, verwendeten das Wasser und verbanden diese körperliche Handlung mit Gebet und Hoffnung auf Heilung.
Neben Augenleiden spielen in der Überlieferung auch Fußleiden eine wichtige Rolle. Eine Gründungslegende erzählt von einem Mann, dessen Füße so schwer erkrankt waren, dass er nur mehr mit Krücken gehen konnte. Nachdem er vom Bründl gehört hatte, suchte er den Ort auf und sei dort geheilt worden.
Der Mann habe daraufhin seine Krücken zurückgelassen und aus Dankbarkeit über der Quelle eine Kapelle errichtet. Diese Erzählung ist nicht als medizinischer Tatsachenbericht zu verstehen, sondern als klassische Heilungs- und Stiftungslegende. Sie erklärt zugleich die Entstehung der Kapelle und die besondere Bedeutung des Wassers.
Die in der Legende zurückgelassenen Krücken gehören zu einem weit verbreiteten Typus von Heilungsvotiven. Wer sich nach Krankheit wieder bewegen konnte, ließ Gehhilfe oder Krücke am Heiligtum zurück. Solche Gegenstände machten die erfahrene oder geglaubte Heilung sichtbar und dienten späteren Besuchern als Zeichen der Wirksamkeit des Ortes.
Ob die in der Legende genannten Krücken tatsächlich über längere Zeit in der Kapelle vorhanden waren, lässt sich heute nicht sicher feststellen. Der Brauch selbst passt jedoch genau in die Votivtradition von Heilwallfahrten.
Eine zweite Überlieferung erklärt den Kapellenbau völlig anders. Ein Mann sei mit seinem Fuhrwerk im sumpfigen Gelände beim Bründl eingesunken und habe gelobt, eine Kapelle zu erbauen, falls er glücklich wieder herauskäme. Nachdem ihm die Rettung gelungen sei, habe er sein Gelübde erfüllt.
Von diesem Mann soll auch ein hölzernes Kreuz in der Kapelle stammen. Diese Variante gehört zum Typus der Gelübde- und Rettungslegenden: Aus unmittelbarer Gefahr entsteht ein Versprechen, dessen Erfüllung einen religiösen Erinnerungsort schafft. Dass beide Überlieferungen nebeneinander bestehen, ist für kleine Wallfahrtsorte typisch und zeigt, wie unterschiedliche Erklärungsgeschichten um denselben Ort entstehen können.
Gugitz nennt einige Votivbilder in der Bründlkapelle. Damit ist ein historisches Votivwesen eindeutig belegt, auch wenn sich aus seiner knappen Notiz keine genaue Zahl oder Datierung aller Stücke ableiten lässt.
Votivbilder dokumentieren persönliche Bitten und Danksagungen. An einem Heilbründl wie St. Roman dürften Krankheiten, Genesung und Gefahren des Alltags zu den wichtigsten Anlässen gehört haben. Die Bilder bilden damit eine wichtige Ergänzung zur mündlichen Heilungsüberlieferung.
Gugitz beschreibt das Einzugsgebiet als auf die Umgebung beschränkt, bezeichnet die Wallfahrt aber ausdrücklich als in früheren Zeiten bedeutender. Auch Dietmar Assmann führt die Bründlkapelle im Zusammenhang mit den regionalen Heilquellenwallfahrten des Innviertels an und nennt neben Augenleiden auch Fußleiden als Anlass des Pilgerns.
Damit ist der Wallfahrtscharakter unabhängig von späteren populären Darstellungen gesichert. Es handelte sich um eine regionale Bründlwallfahrt, deren Bedeutung weniger in großen Prozessionen als in persönlichem Heilungs- und Bittbesuch lag.
Im Laufe des 20. Jahrhunderts verlor die Bründlwallfahrt an Bedeutung. Die ältere Literatur berichtet bereits von einem Rückgang des organisierten Wallfahrtswesens. Prozessionen werden für die jüngere Zeit nicht mehr als regelmäßige Praxis beschrieben.
Die Kapelle selbst blieb jedoch erhalten und wurde weiterhin gepflegt. Dadurch ging der religiöse Ort nicht vollständig verloren, sondern wandelte sich von einem kleinen regionalen Wallfahrtsziel zu einem Andachts- und Erinnerungsort.
Die Bründlkapelle wird von der Gemeinde St. Roman weiterhin als Sehenswürdigkeit und religiöser Ort geführt. Ein regelmäßiger organisierter Wallfahrtsbetrieb lässt sich heute nicht sicher nachweisen. Die historische Wallfahrt ist deshalb als erloschen beziehungsweise nicht mehr regelmäßig fortgeführt einzustufen.
Kapelle, Quelle und Marienbild bewahren jedoch die Erinnerung an die frühere Nutzung. Besucher können den Ort weiterhin aufsuchen, und der kleine Bau bleibt Teil der lokalen religiösen Landschaft.
St. Roman gehört zu den besonders anschaulichen kleinen Heilbründln des Innviertels. Augenwasser, Fußheilungsüberlieferung, Krücken, Votivbilder, Schmerzhafte Muttergottes und zwei unterschiedliche Gründungslegenden bilden ein dichtes Ensemble religiöser Vorstellungen.
Der Ort zeigt zugleich, wie wenig monumentale Architektur für eine Wallfahrt notwendig war. Ein Brunnen, ein Marienbild und die Erinnerung an erfahrene Hilfe konnten genügen, um über Generationen Besucher anzuziehen. Gerade solche kleinen Kultorte sind für die Volkskunde besonders wertvoll, weil sich an ihnen unmittelbare Formen von Krankheit, Hoffnung, Gelübde und Dank ablesen lassen.
- Gustav Gugitz: Österreichs Gnadenstätten in Kult und Brauch. Band 5: Oberösterreich und Salzburg. Wien 1958, S. 112.
- Dietmar Assmann: "Bründlkapellen im Innviertel". In: Mitteilungsblatt des Vereines Denkmalpflege in Oberösterreich. Nr. 33, Juli 1979.
- Heimat. Beiträge zur Heimatkunde des Bezirkes Schärding. Schärding 1910, S. 90 f.
- Adalbert Depiny: volkskundliche Angaben zur Bründlkapelle bei St. Roman, bei Gugitz als Literaturgrundlage angeführt.
- Georg Guby: kunst- und kirchengeschichtliche Angaben zu St. Roman, bei Gugitz als Literaturgrundlage angeführt.
- Georg Feichtenschlager und O. Maier: D'Innviertler Roas. 1952, S. 395.
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Ergänzungen: Wolfgang Morscher
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