| Wallfahrt: | Lokale Marien- und Quellwallfahrt zum Heilbründl bei Werfenau; die Quelle wurde besonders bei Augenleiden aufgesucht. Ältere Überlieferungen nennen Votivgaben und eine Kreuzleinopferung aus frischen Zweigen. |
| Status: | Lebendiger lokaler Marien- und Quellwallfahrtsort. |
| Kultzentrum: | Heilquelle in der Kapelle und Marienverehrung; Gugitz nennt für die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts eine Altöttinger Marienstatue und vermutet eine ältere Verehrung der hl. Radegund. |
| Ort: | Werfenau, St. Radegund. |
| Bezirk/Region: | Braunau am Inn / Innviertel. |
| Bundesland: | Oberösterreich. |
| • | Lage: Weilhartsforst, Werfenau, 5121 St. Radegund; die Kapelle liegt im Wald am Steilhang über der Salzach, ungefähr gegenüber dem ehemaligen Zisterzienserkloster Raitenhaslach. |
| • | Lage in der SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Innviertel |
| • | Ansicht in Street View (Luftbild) |
| • | Web: Pfarrgemeinde St. Radegund |
| • | Öffnungszeiten: Die Kapelle ist frei zugänglich; aktuelle Hinweise zu Andachten und Veranstaltungen bei der Pfarrgemeinde oder Gemeinde St. Radegund beachten. |
| • | Bilddokumentation |
| • | Ausführliche Beschreibung |







Das Heilbründl liegt bei Werfenau im Gemeindegebiet von St. Radegund, mitten im Wald am steilen Hang über der Salzach. Gegenüber auf bayerischer Seite befindet sich das ehemalige Zisterzienserkloster Raitenhaslach. Die abgelegene Lage, der schmale Waldweg und die unmittelbar mit der Kapelle verbundene Quelle bestimmen den Charakter des Ortes bis heute. Das Heilbründl gehört nicht zu den großen Prozessionswallfahrten des Innviertels, sondern zu jenen kleineren lokalen Gnadenorten, die vor allem wegen einer Quelle, eines Marienbildes und persönlicher Anliegen aufgesucht wurden.
St. Radegund stand über lange Zeit in enger kirchlicher Verbindung mit dem Zisterzienserkloster Raitenhaslach. Bereits im Mittelalter bestanden seelsorgliche und grundherrschaftliche Beziehungen über die Salzach hinweg. Gustav Gugitz ordnet das Heilbründl noch ausdrücklich der Zisterze Raitenhaslach zu. Diese historische Verbindung erklärt, warum Raitenhaslach in den örtlichen Erzählungen um das Heilbründl eine so große Rolle spielt.
Davon zu unterscheiden ist jedoch die Sage von einem Filialkloster unmittelbar oberhalb der heutigen Heilbründl-Kapelle und einem unterirdischen Gang unter der Salzach. Für ein solches Bauwerk und einen Tunnel fehlt ein historischer Nachweis. Die Erzählung gehört zur lokalen Sagenüberlieferung und verbindet die reale Nähe zu Raitenhaslach mit Motiven von Raubrittern, Klosterschätzen, Verrat und geheimer Flucht.
Im Mittelpunkt des Kultortes steht die Quelle. Gugitz bezeichnet sie knapp als Heilquelle in einer Brunnengrotte. In der heutigen Kapelle tritt das Wasser unmittelbar beim Altarbereich hervor und bleibt damit räumlich eng mit der religiösen Verehrung verbunden.
In der örtlichen Überlieferung gilt das Wasser besonders als Hilfe bei Augenleiden. Eine an der Kapelle angebrachte Tafel erklärt ausdrücklich, dass das Heilbründl-Wasser von Augenleidenden geschätzt werde. Solche Aussagen sind als historische und volkskundliche Überlieferung zu verstehen, nicht als medizinischer Wirksamkeitsnachweis.
Gugitz nennt für das Heilbründl eine Altöttinger Marienstatue als Kultgegenstand. Zugleich vermutet er, dass früher möglicherweise die hl. Radegund selbst im Mittelpunkt der Verehrung gestanden habe. Diese Nachricht ist deshalb bemerkenswert, weil Ortsname, Pfarrpatronin und Quellkult dadurch miteinander verbunden sein könnten.
Ob die heute in der Kapelle vorhandene Marienstatue mit der von Gugitz beschriebenen Altöttinger Madonna identisch ist, lässt sich aus den vorliegenden Quellen nicht sicher ableiten. Die heutige Ausstattung dokumentiert jedenfalls die fortbestehende marianische Prägung des Ortes.
Eine ältere Ursprungserzählung, die bereits Gugitz wiedergibt, berichtet von einer Burg bei St. Radegund, die während einer Christenverfolgung zerstört worden sei. Nach dem Abzug der Feinde hätten die Überlebenden auf den Trümmern eine Marienkapelle errichtet. Beim neuen Heiligtum sei das Wasser des früheren Schlossbrunnens aus dem Moosboden hervorgetreten und als heilkräftig angesehen worden.
Die Erzählung erklärt Quelle, Kapelle und Marienverehrung in einem einzigen Gründungsbild. Historisch ist weder eine solche frühchristliche Burgzerstörung noch die Identifizierung der Quelle mit einem ehemaligen Schlossbrunnen gesichert. Für die Volkskunde ist die Sage dennoch wichtig, weil sie den sakralen Ort durch Zerstörung, Überleben und erneute Stiftung deutet.
Eine zweite, heute an der Kapelle ausführlich präsentierte Sage erzählt von einem kleinen Filialkloster Raitenhaslachs oberhalb des Heilbründls. Ein geheimer Gang unter der Salzach habe die Niederlassung mit dem Hauptkloster verbunden. Die Mönche hätten diesen Weg bei Angriffen zur Flucht und zur Rettung des Klosterschatzes verwendet.
Die Erzählung steigert sich zur Geschichte eines Verräters, der dem Raubritter Heinz von Stein den Zugang verraten habe. Der Ritter sei durch einen eigens geöffneten Schacht in den Gang eingedrungen, habe die Mönche überfallen und das kleine Kloster zerstört. Nur die Kapelle mit der Quelle sei immer wieder erneuert worden. Diese Erzählung ist ausdrücklich als Sage zu behandeln. Ihr historischer Hintergrund dürfte in der realen Nähe und langjährigen Verbindung zwischen St. Radegund und Raitenhaslach liegen.
Zum älteren Kult am Heilbründl gehörten auch Votivgaben. Gugitz berichtet vorsichtig, dass angeblich eiserne Votive in Gebrauch gewesen seien. Einen erhaltenen Bestand nennt er nicht mehr. Solche Metallvotive sind aus anderen oberösterreichischen Wallfahrtsorten als materielle Zeichen von Bitte und Dank bekannt; für St. Radegund bleibt ihre konkrete Form mangels genauerer Beschreibung offen.
Jüngere regionale Berichte erwähnen außerdem Votivbilder mit Danksagungen. Damit ist auch für die neuere Zeit eine materielle Erinnerung an persönliche Bitten und als erfahren verstandene Hilfe am Heilbründl belegt.
Eine besonders charakteristische volkskundliche Nachricht verdanken wir Gugitz. Am Heilbründl war demnach die Opferung kleiner Kreuze gebräuchlich, die aus frischen Zweiglein quer ineinandergesteckt wurden. Es handelte sich also um unmittelbar aus Naturmaterial hergestellte Kleinvotive, die offenbar vor Ort angefertigt und zurückgelassen wurden.
Über den genauen Anlass dieses Brauches berichtet Gugitz nichts. Es wäre daher nicht gerechtfertigt, die Zweigkreuze ausschließlich mit Augenleiden oder einer bestimmten Krankheit zu verbinden. Sicher ist nur, dass die Kreuzleinopferung zum lokalen religiösen Brauch gehörte und den Wald als Materialquelle unmittelbar in die Andacht einbezog.
Gugitz beschreibt das Einzugsgebiet des Heilbründls als lokal. Das entspricht dem Charakter des Platzes: Er wurde weniger durch große organisierte Prozessionen als durch Einzelbesucher, Familien und kleinere Gruppen geprägt. Gerade solche kleinen Quellwallfahrten konnten über lange Zeit fortbestehen, weil sie eng mit persönlichen Anliegen und alltäglichen religiösen Praktiken verbunden waren.
Auch heute wird die Kapelle weiterhin aufgesucht. Wanderungen, Andachten und kleinere Wallfahrten verbinden den Platz mit der Pfarrkirche St. Radegund und mit der Erinnerung an die hl. Radegund sowie an Franz Jägerstätter. Damit bleibt das Heilbründl ein lebendiger Andachtsort.
Die Kapelle wurde im Lauf ihrer Geschichte wiederholt erneuert. Für das 20. Jahrhundert ist besonders der Brand von 1980 gesichert, bei dem die damalige Heilbründl-Kapelle zerstört wurde. Bereits 1981 konnte der Neubau eingeweiht werden. Die heutige Kapelle ist somit ein vergleichsweise junger Bau an einem wesentlich älteren Kultplatz.
In jüngeren Darstellungen wird außerdem eine Bauphase von 1934 genannt, bei der eine ältere Holzkapelle durch einen festeren Bau ersetzt worden sein soll. Diese Angabe ist in der lokalen Überlieferung verbreitet, lässt sich aus den hier herangezogenen älteren Quellen jedoch nicht mit derselben Sicherheit wie der Brand und Wiederaufbau von 1980/81 belegen.
Die besondere Verbindung des Wassers mit Augenleiden gehört zu den dauerhaftesten Überlieferungen des Ortes. Das Waschen beziehungsweise Benetzen der Augen mit Quellwasser entspricht einem in vielen mitteleuropäischen Bründlwallfahrten verbreiteten Muster. Am Heilbründl von St. Radegund wird dieses Motiv durch die lokale Sagentafel und jüngere Beschreibungen ausdrücklich bestätigt.
Dabei ist zwischen religiöser Praxis und medizinischer Bewertung zu unterscheiden. Entscheidend ist nicht, ob das Wasser nach modernen Maßstäben eine Heilwirkung besitzt, sondern dass Generationen von Besuchern ihm eine solche Wirkung zuschrieben und daraus konkrete Handlungen, Besuche und Votivgaben entstanden.
Das Heilbründl bei Werfenau ist ein besonders anschauliches Beispiel für einen kleinen regionalen Quellwallfahrtsort. Mehrere religiöse Schichten überlagern sich: die Heilquelle, eine marianische Kulttradition, eine mögliche ältere Verehrung der hl. Radegund, Votivgaben, der Augenbrauch und die Kreuzleinopferung aus frischen Zweigen. Hinzu kommen zwei unterschiedliche Ursprungssagen, die den Platz einmal mit einer zerstörten Burg, einmal mit dem Kloster Raitenhaslach und einem geheimen Gang unter der Salzach verbinden.
Gerade die geringe Größe des Ortes macht seine volkskundliche Bedeutung aus. Das Heilbründl zeigt, wie eng Landschaft, Quelle, Wald, materielle Opfergaben und mündliche Erzählung miteinander verbunden sein können. Der Wiederaufbau nach dem Brand von 1980 belegt zugleich, dass der Platz auch in der Gegenwart als erhaltenswertes religiöses und kulturelles Erbe verstanden wird.
- Gustav Gugitz: Österreichs Gnadenstätten in Kult und Brauch. Ein topographisches Handbuch zur religiösen Volkskunde. Band 5: Oberösterreich und Salzburg. Wien 1958, S. 142.
- Adalbert Depiny: Oberösterreichisches Sagenbuch. Linz 1932, S. 320.
- Heimatkundliche Veröffentlichungen der Gesellschaft zur Pflege der Rieder Heimatkunde, 1913, 2. Heft, S. 65; 6. Heft, S. 33.
- Gemeinde St. Radegund: Gemeindechronik und örtliche Dokumentation zur Heilbründl-Kapelle.
- Örtliche Überlieferungen und Inschriften an der Heilbründl-Kapelle.
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Ergänzungen: Wolfgang Morscher
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