St. Radegund, Heilbründl-Kapelle

Gleich nach dem westlichen Ortsende von Wanghausen bei Ach, gerade bevor die Straße in einer Linkskurve bergauf führt, führt eine kleine, asphaltierte Straße geradeaus, an ein paar Bauernhäusern vorbei in einen Wald, immer parallel zur Salzach. Im Wald wird der Weg dann kleiner, es ist aber ein wunderschöner Spaziergang, vom Beginn des Waldes an 15 bis 20 Minuten. Eine blau-weiße Markierung begleitet den Weg. Die Kapelle liegt ein wenig am Abhang, inmitten des Waldes, ungefähr gegenüber dem Kloster Raitenhaslach und ist auch dorthin gehörig.

Die Kapelle ist ein kleiner, offener Holzbau mit einem Schindelturm, einige Bänke stehen davor. Unter dem Altar entspringt die Quelle. Eingerahmt ist folgende Entstehungssage zu lesen:

"Einer alten Volkssage nach, stand oberhalb dieser Holzkapelle vor über 700 Jahren ein kleines Filialklösterlein von Raitenhaslach, welches durch einen geheimen Gang unter der Salzach mit dem Hauptkloster verbunden war. Diesen unterirdischen Gang benützten die Mönche von Raitenhaslach zur Flucht, wenn sie von Raubritterbanden überfallen wurden. Auf selbem Wege wurden die Schätze des Klosters in Sicherheit gebracht. Nun begab es sich, dass ein Klosterinsasse wegen einer schlechten Tat in das Gefängnis kam. Nach verbüßter Strafe begab sich dieser zum Raubritter Heinz von Stein, und versprach, ihm das Kloster mit seinen Schätzen auszuliefern. Heinz von Stein ging gleich auf diesen Vorschlag ein und belagerte mit einer Anzahl Raubgesellen das Kloster Raitenhaslach. Die Mönche flüchteten, nachdem sie das Kloster nicht mehr halten konnten, mit den wertvollsten Schätzen durch den unterirdischen Gang an das hiesige Ufer. Nun ließ Heinz von Stein nach Angabe des Verräters in der Nähe der Salzach ein Loch graben, so dass der Gang freigelegt war. Auf diese Weise konnte Heinz mit seinen Raubgesellen in das Innere des befestigten Klosters kommen. Die Mönche mordete er, und das Klösterl wurde zerstört, die Steine wurden wahrscheinlich zu anderen Bauzwecken abgefahren. Diese Kapelle wurde von den vielen Besuchern des wirksamen Augenheilwassers wegen immer wieder erneuert, und heute noch wird das Wasser von Augenleidenden geschätzt, daher der uralte Name Heilbrunn."

Kultgegenstand: Muttergottesstatue, das Kind auf dem rechten Arm haltend, dieses wiederum hält rechts die Weltkugel.

Legende: Während der Christen Verfolgung wurde die Burg bei St. Radegund zerstört. Nach dem Abzug der Feinde errichteten die Überlebenden auf den Burgtrümmern eine Marienkapelle. Bei ihr trat nun das Wasser des früheren Schlossbrunnens aus dem Moosboden und erwies sich heilkräftig.

Wallfahrt: Einzelbesucher zur Heilquelle.

Quelle: Hertha und Friedrich Schober, Kapelle, Kirche, Gnadenbild. Ein kunstgeschichtlicher und volkskundlicher Führer zu Wallfahrtsstätten in Oberösterreich. Linz 1972.
Mit freundlicher Genehmigung von Reinprecht Schober für SAGEN.at.


Lage: Weilhartsforst, Werfenau, 5121 St. Radegund.
Lage in SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Innviertel
Ansicht in Street View (Luftbild)
Web: Pfarrgemeinde St. Radegund
Geöffnet:
 
Außenansicht, Weg zur Kapelle:
 

St. Radegund, Heilbründl-Kapelle

Bildquelle: © Irmard Neubauer

 

   
Außenansicht, Weg zur Kapelle:
 

St. Radegund, Heilbründl-Kapelle

Bildquelle: © Irmard Neubauer

 

   
Außenansicht, Kapelle Heilbründl:
 

St. Radegund, Heilbründl-Kapelle

Bildquelle: © Irmard Neubauer

 

   
Außenansicht, Heilbründl:
 

St. Radegund, Heilbründl-Kapelle

Bildquelle: © Irmard Neubauer

 

   
Außenansicht, Gnadenbild:
 

Gnadenbild - St. Radegund, Heilbründl-Kapelle

Bildquelle: © Irmard Neubauer

 

   
Sage vom Heil-Brünnl:

Inschrift:

"Sage vom
Heil-Brünnl

Vor über 700 Jahren
stand oberhalb dieser
Kapelle ein Filialklösterle
vom Kloster Raitenhaslach und war
durch einen Geheimgang unter der Salzach
mit dem Hauptkloster verbunden.
Diesen unterirdischen Gang benützten
die Mönche von Raitenhaslach zur Flucht,
wenn sie von Raubritterbanden überfallen wurden.
Auch wurde auf diesem geheimen Wege
der Klosterschatz in Sicherheit gebracht.
Ein Klosterinsasse, der wegen einer bösen Tat
in das Gefängnis gekommen war, begab sich
nach verbüßter Strafe zu dem Raubritter
Heinz von Stein und versprach ihm, er wolle
ihm das Kloster samt seinen Schätzen ausliefern.
Sogleich ging der Ritter auf den Vorschlag
ein und belagerte mit seinen Raubgesellen
das Kloster Raitenhaslach.
Da die Mönche das Kloster nicht halten
konnten, flüchteten sie mit den wertvollsten
Stücken des Klosterschatzes durch den
unterirdischen Gang an das hiesige Ufer.
Heinz von Stein ließ nun in der Nähe
an der ihm von dem Verräter
bezeichneten Stelle ein Loch graben,
durch welches er mit seinen Raubgesellen
zu dem Gang und in das Innere der
befestigten Zufluchtstätte gelangte.
Hier erwartete er die Mönche
und zerstörte ihr Klösterle.
Die Steine der Ruine wurden wohl
für andere Bauwerke abgefahren.
Nur die Kapelle ist wegen der darin
sprudelnden Quelle bis zum heutigen
Tag immer wieder erneuert worden,
da ihr Wasser von Augenleidenden
geschätzt wird. Daher auch ihr Name:
Heil-Brünnl."


 

St. Radegund, Heilbründl-Kapelle

Bildquelle: © Irmard Neubauer

 

   
Innen, Gedanken in der Kapelle:

Inschrift:

"Eines Nachts träumte ich, ich ginge
mit dem lieben Gott am Strand
entlang. Am Himmel blitzten Szenen
aus meinem Leben auf. Jedes Mal
entdeckte ich Fußabdrücke im Sand.
Manchmal waren es auch zwei Paar,
manchmal nur eins.

Während der schweren Zeiten in meinem
Leben sah ich nur ein Paar Fuß-
abdrücke, deshalb sagte ich: "Herr,
Du hast mir versprochen, mich stets
zu begleiten. Warum warst Du nicht
für mich da, als ich Dich am not-
wendigsten brauchte?"
Der Herr erwiderte: "Mein Kind, dort
wo Du nur ein Paar Fußabrücke gesehen
hast, habe ich Dich getragen."


 

St. Radegund, Heilbründl-Kapelle

Bildquelle: © Irmard Neubauer

 

   
Literatur zur Wallfahrt:
  - I. Lamprecht, F. Lang, Aurolzmünster, Peterskirchen und Eitzing (1906)
  - siehe auch den Eintrag im SAGEN.at-Kapitel Heilründl: Ach, Heilbründl
   
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Ergänzungen: Wolfgang Morscher

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