Raab, Wallfahrtskirche Mariae Heimsuchung, Maria Bründl
Aus einem Bericht des Grafen Maximilian Franz von Tattenbach an den bayrischen Kurfürsten von 1734 geht folgendes hervor:
Seit altersher wurde das Wild- oder Bründlbad unweit Raab für verschiedene Krankheiten für gut befunden, so dass der Markt Raab ein hölzernes Badhaus und eine Kapelle (angeblich 1683 an Stelle einer Kreuzsäule) errichten ließ. Aus den eingehenden Geldern sollte ein gemauertes Badhaus und eine gemauerte Kapelle erbaut werden. Vor ungefähr 15 Jahren (also 1719) hatte die Gemeinde mit dem Kapellenbau begonnen, der Tattenbachschen Schlosskapelle in Eberschwang nachgebildet. Die Kapelle war schon fast unter Dach, da kam 1721 das Verbot des Baues. Raab wandte sich an den Grafen um Fürsprache, der selbst zwischen 1722 und 1733 das Badhaus und seine als Jagdhaus gedachte Behausung, von dessen oberem Stockwerk ein Gang in das Oratorium der Kapelle führte, errichtete. Er begründete den Bau einer kirchlichen Stätte folgendermaßen: "Der Zulauf der Kranken nimmt immer mehr zu, so dass die Kapelle notwendig sei, damit die Kranken die Messe hören könnten", auch er selbst fände es umständlich, zur täglichen Messe nach Raab fahren zu müssen.
Die Bewilligung zur Vollendung wurde daraufhin gegeben, der Bau wurde 1734 geweiht. Graf Tattenbach stiftete 1758 ein eigenes Benefizium für das Kirchlein; Ende des 18. Jahrhunderts wurde es gesperrt, da es in Verfall geriet, aber im 19. Jahrhundert renovierte und eröffnete man es wieder.
Diese archivalischen Nachrichten betreffen der Situation nach aber anscheinend nur die Kapelle bei der Quelle, der eigentlichen Ursprungskapelle. An deren Außenwand befindet sich die Quelle, zu der einige Stufen hinunterführen. Der Altar der Kapelle hat ein Bild der Landshuter Madonna; außerdem steht ein sehr schöner Schmerzensmann hier. An den Wänden hängen einige interessante Votivbilder. Zur Kirche (mit Parkplatz!) führt eine lange Stiege empor; die Kirche dürfte wohl kurze Zeit nach der Kapelle entstanden sein.
Die Wallfahrtskirche (laut Dehio 1719 bis 1722 erbaut, 1734 geweiht) ist ein sehr freundlicher, barocker Bau, der Tabernakel am Hochaltar ist modern und das Altarblatt modern aufgespannt. Engel tragen das Gnadenbild in geschnitztem Goldrahmen, darüber befindet sich eine Darstellung der hl. Dreifaltigkeit. Verschiedene Metallreliefs, getrieben und vergoldet, aus dem 1. Viertel des 17. Jahrhunderts, schmücken die Kirche.
Kultgegenstand: In der Kapelle ein Bild der Landshuter Madonna (befand sich früher in der Kirche) und in der Kirche das oben erwähnte von Engeln getragene Marienbild; früher auch der hl. Leonhard als Fresko an der Außenwand der Kapelle (nicht mehr vorhanden).
Legende: Da das Bild der Landshuter Madonna, als man es in die Kirche gab, mehrere Male wieder in die Kapelle zurück wanderte, musste man für die Kirche ein neues Gemälde anschaffen.
Wallfahrt: Die Heilquelle war früher ein stark besuchtes Heilbad; Dr. Morasch von Ingolstadt schrieb ein eigenes Traktat darüber und benützte das Bad 1733 selbst. Es war auch Brauch, in der Osternacht von Raab hierher einen Mitternachtsritt durchzuführen, um Segen für den Viehstand zu erlangen. Die Reiter ritten, den Rosenkranz laut betend, dreimal um die Kirche, führten die Pferde zur Kirchentür und ließen sie hineinschauen.
Heute noch von einzelnen und auch von Gruppen besucht.
Quelle: Hertha und Friedrich Schober, Kapelle, Kirche, Gnadenbild. Ein kunstgeschichtlicher und volkskundlicher Führer zu Wallfahrtsstätten in Oberösterreich. Linz 1972.
Mit freundlicher Genehmigung von Reinprecht Schober für SAGEN.at.
| | Lage: Bründl 1, 4760 Raab. |
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| | Web: Pfarrgemeinde Raab |
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| | Literatur zur Wallfahrt: |
| - Raab, Maria-Bründlkapelle zur Maria Heimsuchung, auch Maria Schnee in Brünndl genannt nach Gustav Gugitz auf SAGEN.at | |
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Ergänzungen: Wolfgang Morscher © www.SAGEN.at |
