Raab, Wallfahrtskirche Mariä Heimsuchung, Maria Bründl

Schnellüberblick
Wallfahrt:Seit dem 17. Jahrhundert belegte Marien- und Heilquellenwallfahrt. Ausgangspunkt war ein als heilkräftig verehrtes Bründl, später verbunden mit einem Wildbad, dem Gnadenbild "Unsere Liebe Frau mit dem geneigten Haupt", Votivgaben und Bittgängen. Auch Pferde- und Viehsegen spielten in der örtlichen Überlieferung eine Rolle.
Status:Lebendiger regionaler Marien- und Heilquellen-Wallfahrtsort.
Kultzentrum:Marienverehrung in der Wallfahrtskirche und Bründlkapelle sowie die Heilquelle; Gnadenbild "Unsere Liebe Frau mit dem geneigten Haupt".
Ort:Raab.
Bezirk/Region:Schärding / Innviertel.
Bundesland:Oberösterreich.
Lage und Besuch
Lage: Bründl 1, 4760 Raab.
Lage in der SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Innviertel
Ansicht in Street View
Web: Pfarrgemeinde Raab
Öffnungszeiten: aktuelle Gottesdienst- und Besuchshinweise bei der Pfarrgemeinde Raab.
Direkt zum Inhalt
Bilddokumentation
Ausführliche Beschreibung

Bilddokumentation

Wir haben leider noch keine Fotos dieses Wallfahrtsortes.

Besonders willkommen sind Außenansichten von Wallfahrtskirche und Bründlkapelle, Heilquelle und Brunnenanlage, ehemaliges Badhaus und Benefiziatenhaus, Innenraum und Gnadenbild, Votivtafeln und Weihegaben, Rosenkranzstiege und Allee, Gottesdienste und Wallfahrer sowie Inschriften und lokale Besonderheiten.

Foto der Wallfahrtskirche Maria Bründl in Raab einsenden

Mit diesen und weiteren Fotomotiven können Sie hier zur Dokumentation beitragen.

Ausführliche Beschreibung

Wallfahrtsort zwischen Heilquelle, Bad und Marienverehrung

Maria Bründl bei Raab gehört zu den vielschichtigsten kleinen Wallfahrtsorten des Innviertels. Der Ort entwickelte sich nicht allein um ein Gnadenbild oder eine Kapelle, sondern aus dem Zusammenwirken einer als heilkräftig angesehenen Quelle, eines zeitweise bedeutenden Wildbades und einer wachsenden Marienverehrung. Daraus entstand im 17. und 18. Jahrhundert ein Wallfahrtsensemble aus Bründlkapelle, Badhaus, großer Wallfahrtskirche und Benefiziatenhaus, das bis heute den besonderen Charakter des Ortes bestimmt.

Die Geschichte von Maria Bründl zeigt beispielhaft, wie religiöse Heilserwartung und frühneuzeitliche Badekultur ineinandergreifen konnten. Kranke kamen zum Wasser, Pilger zur Gottesmutter, Badegäste benötigten die Möglichkeit zum Messbesuch, und aus dem zunächst einfachen Quellort entwickelte sich ein dauerhaft ausgebautes Wallfahrtszentrum.

Die Heilquelle und die frühe Verehrung

Nach der örtlichen Überlieferung reicht die besondere Verehrung der Quelle bis in die Mitte des 17. Jahrhunderts zurück. Für 1645 wird von einer Magd eines Raaber Lebzelters erzählt, die an den Füßen erkrankt gewesen sei und nach Waschungen mit dem Quellwasser Genesung erfahren habe. Solche Heilungsberichte gehören zum typischen Entstehungsmilieu frühneuzeitlicher Bründlwallfahrten. Historisch entscheidend ist weniger die medizinische Beurteilung des einzelnen Falles als die Tatsache, dass dem Wasser über längere Zeit eine besondere Heilkraft zugeschrieben wurde und daraus regelmäßige Besuche entstanden.

Zu Beginn des 18. Jahrhunderts war der Ort bereits als Bad bekannt. Michael Wening erwähnte das Wildbad im Zusammenhang mit Raab, und wenig später lassen archivalische Nachrichten erkennen, dass der Zustrom Kranker erheblich war. Der Ausbau des Bades und der Sakralbauten war deshalb eng miteinander verbunden.

Vom hölzernen Badhaus zum Wallfahrtsensemble

Zunächst bestand bei der Quelle ein hölzernes Badhaus. Auch eine kleine Kapelle war vorhanden beziehungsweise wurde im ausgehenden 17. Jahrhundert errichtet. In den ersten Jahrzehnten des 18. Jahrhunderts begann ein größerer Ausbau. Um 1719 wurde mit einem neuen Kapellen- beziehungsweise Kirchenbau begonnen, der sich am Vorbild der Schlosskapelle von Eberschwang orientierte. Der Bau geriet jedoch in kirchenrechtliche Schwierigkeiten und wurde 1721 vorübergehend untersagt.

Entscheidend für die weitere Entwicklung wurde Maximilian Franz Graf von Tattenbach. Er unterstützte Bad und Wallfahrt, ließ zwischen 1722 und 1733 ein gemauertes Badhaus und eine eigene Behausung errichten und setzte sich zugleich für die Vollendung des Kirchenbaues ein. In seinen Berichten begründete er die Notwendigkeit der Kapelle ausdrücklich mit dem starken Zustrom Kranker, die während ihres Aufenthaltes am Bad die Messe besuchen sollten.

Weihe der Wallfahrtskirche

Die große Wallfahrtskirche wurde schließlich vollendet und am 6. Oktober 1734 durch den Passauer Fürstbischof Joseph Dominikus Graf von Lamberg geweiht. Damit erhielt der zuvor vor allem von Quelle, Bad und kleiner Kapelle geprägte Kultort einen repräsentativen kirchlichen Mittelpunkt.

1752 ließ Graf Tattenbach eine Allee zum Wallfahrtsort anlegen. 1758 stiftete er ein eigenes Benefizium für Maria Bründl. Diese Stiftung sicherte regelmäßige Gottesdienste und band den Wallfahrtsort dauerhaft an eine eigene geistliche Betreuung. Nach Tattenbachs Tod und unter dem Einfluss der Aufklärung ging die Bedeutung zeitweise zurück; Kirche und Gebäude verfielen teilweise und wurden zeitweilig gesperrt. Im 19. Jahrhundert kam es jedoch zu Renovierungen und zur Wiederaufnahme der kirchlichen Nutzung.

Das Gnadenbild "Unsere Liebe Frau mit dem geneigten Haupt"

Ein wichtiger Schritt in der Ausbildung der Marienwallfahrt war die Aufstellung des Gnadenbildes "Unsere Liebe Frau mit dem geneigten Haupt". Das Bild gehört zu einem im süddeutsch-österreichischen Raum verbreiteten Marientypus und wurde in Raab mit der Heilquellenverehrung verbunden. Bereits 1683 soll bei der Quelle eine entsprechende Darstellung aufgestellt worden sein.

In der Bründlkapelle befindet sich heute eine 1824 von J. Kastner geschaffene Fassung des Gnadenbildes. Der Bildtyp zeigt Maria in inniger, leicht geneigter Haltung und wurde vielfach als besonders persönliche Form der Fürbitte verstanden. In der großen Wallfahrtskirche wurde die Marienverehrung in ein barockes Gesamtprogramm überführt, das den Kult gegenüber der ursprünglichen Quellkapelle deutlich erweiterte.

Die Überlieferung vom zurückkehrenden Marienbild

Wie an vielen Marienwallfahrtsorten entwickelte sich auch in Raab eine Ortslegende, nach der ein Marienbild aus der Bründlkapelle in die große Kirche übertragen worden sei, aber wiederholt an seinen ursprünglichen Platz bei der Quelle zurückgekehrt habe. Schließlich habe man für die Kirche ein anderes Bild beschaffen müssen.

Historisch lässt sich eine solche wunderbare Rückkehr nicht überprüfen. Volkskundlich gehört die Erzählung jedoch zu einem weit verbreiteten Motiv, bei dem ein Gnadenbild seinen bevorzugten Ort selbst bestimmt. Die Legende unterstreicht zugleich die besondere Heiligkeit der Quelle und erklärt, warum die kleine Bründlkapelle trotz des Baues der größeren Kirche ihre eigene kultische Bedeutung behielt.

Johann Adam Morasch und das Wildbad

Ein ungewöhnlich wertvolles Zeugnis für die Bedeutung des Bades ist die 1733 in Ingolstadt erschienene Schrift des Mediziners Johann Adam Morasch. Unter dem Titel Gründliches Untersuchen oder Beschreibung des Heyl-Brünleins und Wild-Bads nächst Räb widmete er dem Raaber Wasser eine eigene medizinische Abhandlung.

Die Schrift zeigt, dass das Bründl nicht nur innerhalb der religiösen Volksfrömmigkeit Bedeutung besaß, sondern zugleich Gegenstand frühneuzeitlicher Badekunde und medizinischer Beobachtung war. Morasch behandelte Herkunft, Eigenschaften und Verwendung des Wassers und machte das Bad damit über die unmittelbare Region hinaus bekannt. Für die Wallfahrtsgeschichte ist dieses Nebeneinander von religiöser Heilserwartung und medizinischem Interesse besonders aufschlussreich.

Badekultur und Wallfahrt

Das frühere Wildbad unterscheidet Maria Bründl von vielen anderen Quellwallfahrten. Besucher kamen nicht nur für eine kurze Waschung oder zur Entnahme von Wasser, sondern konnten sich längere Zeit am Ort aufhalten. Dadurch entstand ein komplexer Wallfahrts- und Badebetrieb, in dem Unterkunft, Behandlung, Gottesdienst und persönliche Andacht zusammengehörten.

Die religiöse Deutung des Wassers und seine medizinische Nutzung mussten dabei nicht als Gegensätze empfunden werden. In der frühneuzeitlichen Lebenswelt konnten Gebet, Fürbitte, ärztliche Behandlung und Anwendung eines Quellwassers nebeneinander stehen. Gerade Maria Bründl zeigt, wie eng diese Bereiche miteinander verbunden sein konnten.

Votivbilder und Weihegaben

Die erhaltenen Votivtafeln gehören zu den wichtigsten volkskundlichen Quellen des Wallfahrtsortes. Mehrere Stücke reichen bis in das 17. Jahrhundert zurück. Sie dokumentieren persönliche Bitten und Danksagungen und zeigen unterschiedliche Marienbilder, darunter Mariahilf-, Pietà- und Schutzmanteltypen.

Solche Votive sind für die Rekonstruktion der Wallfahrt besonders wertvoll, weil sie nicht nur die offizielle Geschichte des Heiligtums widerspiegeln, sondern konkrete Erfahrungen einzelner Besucher. Krankheit, Genesung, Gefahr und Dank wurden in Bild und Inschrift festgehalten und damit öffentlich in die Erinnerungsgemeinschaft des Wallfahrtsortes eingebracht.

Bründlkapelle und Schmerzensmann

Die kleine Bründlkapelle bei der Quelle blieb auch nach dem Bau der großen Wallfahrtskirche ein eigenständiger Andachtsort. Neben dem Marienbild befindet sich dort ein qualitätvoller Schmerzensmann. An den Wänden hängen Votivtafeln, und die unmittelbare Nähe zur Quelle macht die Kapelle weiterhin zum eigentlichen Ursprungsort des Kultes.

Die räumliche Trennung zwischen Quellkapelle und oberhalb gelegener Wallfahrtskirche ist für Maria Bründl charakteristisch. Der Pilger erlebt den Ort dadurch in mehreren Stationen: Quelle und Kapelle unten, Stiege beziehungsweise Weg nach oben, schließlich die große Kirche als liturgisches Zentrum.

Mitternachtsritt und Viehsegen

Zu den ungewöhnlichsten Bräuchen von Maria Bründl gehörte ein Mitternachtsritt in der Osternacht. Ältere volkskundliche Quellen bestätigen, dass von Raab aus Pferderitte nach Maria Bründl stattfanden. Ziel des Brauches war der Segen für Vieh und Pferdebestand.

Spätere Überlieferungen berichten, dass die Reiter unter Rosenkranzgebet mehrfach um die Kirche ritten und die Pferde bis an die Kirchentür führten. Einzelheiten dieses Rituals sind nicht in allen Punkten unabhängig gesichert, der Pferderitt selbst ist jedoch als regionaler Osterbrauch belegt. Damit verbindet sich die Marien- und Heilquellenwallfahrt mit einer weiteren Schicht bäuerlicher Schutzfrömmigkeit.

Leonhardsverehrung

Mit dem Vieh- und Pferdeschutz steht vermutlich auch die frühere Darstellung des hl. Leonhard an der Bründlkapelle in Zusammenhang. Leonhard gehörte zu den wichtigsten bäuerlichen Schutzheiligen für Vieh und Stall. Die Verbindung von Marienquelle, Bad und Leonhardsverehrung zeigt, wie unterschiedliche Schutz- und Heilvorstellungen an einem einzigen Wallfahrtsort zusammenfinden konnten.

Allee, Rosenkranzstiege und Wallfahrtslandschaft

Maria Bründl ist nicht nur ein einzelnes Gebäude, sondern ein historisch gewachsener Wallfahrtsraum. Die von Tattenbach angelegte Allee, die Stiege zwischen Quelle und Kirche, das ehemalige Badhaus und das Benefiziatenhaus verbinden sich mit den beiden Sakralbauten zu einer geschlossenen Kulturlandschaft.

Gerade diese räumliche Staffelung ist volkskundlich bemerkenswert. Der Weg von der Quelle hinauf zur Kirche bildet einen Übergang vom körperlich erfahrenen Wasser zum liturgischen Raum. Gehen, Waschen, Beten, Messe und Votivgabe konnten dadurch zu einem zusammenhängenden Wallfahrtsablauf werden.

Wallfahrt in der Gegenwart

Maria Bründl ist kein erloschener Wallfahrtsort. Kirche und Kapelle werden von der Pfarrgemeinde weiterhin betreut, und in der Bründlkirche finden Gottesdienste und Rosenkranzgebete statt. Auch auswärtige Gruppen kommen weiterhin nach Raab und feiern dort Wallfahrtsgottesdienste.

Die heutige Form unterscheidet sich deutlich vom frühneuzeitlichen Bade- und Wallfahrtsbetrieb. Das Wildbad besteht nicht mehr in seiner früheren Funktion, und manche Bräuche sind verschwunden. Die religiöse Nutzung von Kirche, Kapelle und Quelle bleibt jedoch lebendig. Maria Bründl ist daher als lebendiger regionaler Marien- und Heilquellen-Wallfahrtsort einzuordnen.

Volkskundliche Bedeutung

Maria Bründl gehört zu den besonders aussagekräftigen Quellwallfahrten des Innviertels. Kaum ein anderer kleiner Wallfahrtsort verbindet Heilquelle, medizinisch dokumentiertes Wildbad, Mariengnadenbild, Votivwesen, Benefizium und bäuerlichen Pferdebrauch in vergleichbarer Dichte.

Die Quellen erlauben zudem eine ungewöhnlich gute historische Differenzierung. Frühneuzeitliche Berichte dokumentieren den Zustrom Kranker und den Ausbau des Bades; Moraschs Schrift von 1733 erschließt die medizinische Wahrnehmung des Wassers; Votivtafeln bewahren individuelle Erfahrungen; Ortslegenden erklären die besondere Bindung des Gnadenbildes an die Quelle. Zusammen ergeben diese Zeugnisse ein vielschichtiges Bild eines Wallfahrtsortes, an dem religiöse, medizinische und bäuerliche Heilvorstellungen über Jahrhunderte miteinander verbunden waren.

Literatur und Quellen

- Johann Adam Morasch: Gründliches Untersuchen oder Beschreibung des Heyl-Brünleins und Wild-Bads nächst Räb, in den Churfürstl. Hertzogthumb Ober-Bayrn, Rentambts Burghausen an denen Ober-Oesterreichischen Gräntzen des Lands ob der Enß. Ingolstadt 1733.

- Michael Wening: Historico-topographica descriptio Bavariae. München 1701 ff., Abschnitt zum Raum Raab.

- Marktgemeinde Raab: Ortsgeschichtliche Dokumentation zur Wallfahrtskirche Maria Bründl, zur Bründlkapelle und zum ehemaligen Wildbad.

- Pfarrgemeinde Raab: Pfarrgeschichtliche Dokumentation und Gottesdienstordnungen zu Maria Bründl.

- Bundesdenkmalamt: Denkmalliste Oberösterreich, Raab, Wallfahrtskirche Mariae Heimsuchung, Bründlkapelle und Benefiziatenhaus.

Ergänzungen: Wolfgang Morscher

© www.SAGEN.at