Pischelsdorf am Engelbach, Wallfahrtskirche Hart

Der Bau der Kirche Zum Allerheiligsten Altarsakrament wurde 1510 begonnen, der Ortsname ist aber bereits aus dem Jahre 1404 überliefert. Die Kirche wird 1580 als "Unser Hern aufm Hart, templum in colle" genannt. Durch das mit schönen gotischen Beschlägen versehene Tor gelangt man in ein Langhaus, das auf den ersten Blick vom prachtvollen schmiedeeisernen Chorgitter aus dem Jahre 1637, das in blau und gold gehalten ist, beherrscht wird. Erst allmählich wendet sich der Blick der übrigen, guten Einrichtung zu. Ebenfalls aus dem frühen 17. Jahrhundert, nämlich um 1620, stammen die acht bemerkenswerten kostümgeschichtlich interessanten Tafelbilder mit Darstellungen der Geschichte der Wallfahrt, die angeblich an einem früheren Hochaltar angebracht waren. Überdies soll auch das Kruzifix aus der Mitte des 17. Jahrhunderts hervorgehoben werden, das den Brüdern Zürn zugeschrieben wird. Der Hochaltar und die Seitenaltäre sind aus dem Jahre 1716.

Kultgegenstand: Allerheiligstes Altarsakrament, Gemälde von 1626, bezeichnet A. E., darstellend einen Engel mit der Eucharistie, jetzt aber hinter dem Hochaltar; daneben auch noch der hl. Sebastian auf dem Sebastiani-Altar (1582) und der hl. Anton der Einsiedler.

Legende: Um 1490 brach ein Dieb (historisch überliefert waren es drei) den Tabernakel in Auerbach auf und raubte das Ziborium mit den hl. Hostien; da er sich verfolgt glaubte, vergrub er das Ziborium unter Streu neben einer Buche an dem Platz, wo heute der Hochaltar steht. Als er den Raub holen wollte, fand er die Stelle nicht mehr. Dagegen stieß ein Bauer beim Streurechen auf das Ziborium; nach einer anderen Version sah es ein junger Hirte unter einer Linde leuchten. Der Finder eilte in den Pfarrhof, von wo man Boten nach Passau, bzw. Burghausen sandte. Alsbald erschienen Abgesandte, die das hl. Sakrament feierlich nach Pischelsdorf übertrugen. Der später ertappte Übeltäter wurde zum Feuertod verurteilt, was aber historisch nicht verbürgt ist.

Wallfahrt: Pestabwehr, Fraisen, Fuß- und Zahnleiden; früher sehr bedeutend. Aus einem Umkreis von 7 Gehstunden kamen jährlich Wallfahrer aus 52 Pfarreien und Filialgemeinden aus Bayern, Salzburg und dem Innviertel. Am stärksten war der Besuch am Pfingstmontag, zu Maria Himmelfahrt und vor dem Bartholomäustag. Oft übernachteten die Pilger im Freien (vor der Kirche ist ein großer, freier Platz mit einer Mauer umgeben). Eine große Wallfahrergruppe kam, auch noch in diesem Jahrhundert immer zu Sebastian, als Dank und zur Erinnerung an die Pest des Jahres 1648. Zum 400jährigen Jubiläum im Jahre 1890 zählte man 1000 Kommunikanten. — Heute wird diese Wallfahrt nur noch schwach besucht, doch ist die Kirche als Hochzeitskirche beliebt.
In der Rückwand des Hochaltares ist eine Nische zum Sitzen; an dieser Stelle soll die Linde gestanden haben, bei der die Hostien gefunden wurden. Zahnleidende legten hier ihre Backe an die Mauer, Fußleidende hielten ihre Füße in die Nische.
Hinter dem Hochaltar auch zahlreiche Votivbilder, viele auf Holz aus dem 17. und 18. Jahrhundert, viele von ihnen sind kostümgeschichtlich interessant.

Quelle: Hertha und Friedrich Schober, Kapelle, Kirche, Gnadenbild. Ein kunstgeschichtlicher und volkskundlicher Führer zu Wallfahrtsstätten in Oberösterreich. Linz 1972.
Mit freundlicher Genehmigung von Reinprecht Schober für SAGEN.at.


Lage: Hart, 5233 Pischelsdorf am Engelbach.
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Web: Pfarrgemeinde Pischelsdorf
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Ergänzungen: Wolfgang Morscher

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