| Wallfahrt: | Ehemals bedeutende Wallfahrt zum hl. Pantaleon mit zwei Heilbrunnen. Der große Pilgerandrang prägte die Baugeschichte der Kirche; eine frühere Doppelkanzel und die um 1676 angebauten Kapellen dienten der Aufnahme der herbeiströmenden Gläubigen. Historische Votivbilder bezeugen persönliche Bitte und Dank. |
| Status: | Historischer Wallfahrtsort; Wallfahrt heute nicht mehr regelmäßig nachweisbar, Pantaleonsverehrung lebendig. |
| Kultzentrum: | Hl. Pantaleon, historisch eine Pantaleonsstatue und die beiden Heilbrunnen; heute Pantaleonsdarstellungen, Reliquienbüste und Patroziniumsverehrung. |
| Ort: | St. Pantaleon. |
| Bezirk/Region: | Braunau am Inn / Innviertel. |
| Bundesland: | Oberösterreich. |
| • | Lage: Kirchenweg 1, 5120 St. Pantaleon. |
| • | Lage in der SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Innviertel |
| • | Ansicht in Street View |
| • | Web: Pfarrgemeinde St. Pantaleon |
| • | Öffnungszeiten: täglich geöffnet. |
| • | Bilddokumentation |
| • | Ausführliche Beschreibung |
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Besonders willkommen sind Außenansicht und Innenraum der Pfarrkirche, Hochaltar und Pantaleonsdarstellung, Silberbüste des Heiligen, Votivbilder in der Vorhalle, beide Kapellenanbauten, die sieben historischen Eisentüren, der Bereich des ehemaligen Pantaleonsbründls, Darstellungen der Baulegende, Pantaleonfest und Prozession der Büste sowie Inschriften und lokale Besonderheiten.
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Der heutige Ort St. Pantaleon trug ursprünglich den Namen Weng bei Wildshut. Die Kirche wird bereits im 12. Jahrhundert erwähnt; die heutige Ortsbezeichnung setzte sich erst wesentlich später nach dem Kirchenpatron durch. Diese Namensentwicklung zeigt, wie stark die Verehrung des hl. Pantaleon schließlich die religiöse und örtliche Identität bestimmte.
Pantaleon gehört zu den Vierzehn Nothelfern. Der aus der spätantiken Heiligenüberlieferung bekannte Arzt und Märtyrer wurde besonders bei Krankheiten und körperlichen Leiden angerufen. Für die Entstehung der Wallfahrt in Weng war diese Heilfunktion von zentraler Bedeutung, denn neben dem Heiligen selbst spielten zwei als heilkräftig verstandene Quellen eine wichtige Rolle.
Die mittelalterliche Kirche wurde im 16. und frühen 17. Jahrhundert mehrfach verändert beziehungsweise erneuert. Für 1607 ist ein weiterer Neubau überliefert. Besonders deutlich griff der Wallfahrtsbetrieb im 17. Jahrhundert in die Gestalt des Gotteshauses ein. Der große Zustrom von Pilgern machte zusätzliche Räume notwendig und führte zu Erweiterungen, die noch heute die ungewöhnliche Baugestalt erklären.
Die Kirche besitzt mehrere reich beschlagene eiserne Türen. Gustav Gugitz wertete die sieben Eisentüren als Hinweis auf den früheren Wohlstand der Wallfahrtskirche. Auch wenn sich Wohlstand nicht allein an einem Bauteil messen lässt, zeigen Bauaufwand und Ausstattung doch die einstige Bedeutung des Heiligtums.
Das wichtigste volkskundliche Element der historischen Wallfahrt war das Pantaleonsbründl hinter der Pfarrkirche. Dem Wasser wurde Heilwirkung zugeschrieben, und die Quelle wurde von Wallfahrern aufgesucht. Dietmar Assmann nennt St. Pantaleon ausdrücklich unter den ehemaligen Bründlwallfahrten des Innviertels.
Die Verbindung eines Nothelfers mit einer Heilquelle entspricht einem verbreiteten Muster der Volksfrömmigkeit. Gebet und körperliche Anwendung des Wassers ergänzten einander. Eine medizinisch nachweisbare Wirkung ist damit nicht behauptet; historisch gesichert ist die religiöse Heilserwartung.
Gugitz überliefert neben der Quelle hinter der Kirche ausdrücklich ein zweites Bründl, das im Kirchenraum selbst zutage trat. Damit besaß St. Pantaleon eine ungewöhnliche doppelte Quelltradition. Die genaue Lage und bauliche Gestalt dieses inneren Bründls ist in der heutigen Kirche nicht mehr ohne weiteres nachvollziehbar.
Mit dem äußeren Pantaleonsbründl verband sich eine besonders bemerkenswerte volkskundliche Überlieferung. Kindern erzählte man, die Kinder kämen aus diesem Brunnen. Gugitz überliefert diesen Brauch ausdrücklich.
Solche Kinderbrunnen-Erzählungen sind aus verschiedenen Regionen Mitteleuropas bekannt. Sie boten eine volkstümliche Erklärung für die Herkunft der Kinder und verbanden Geburt und Fruchtbarkeit mit einem konkreten Ort in der Landschaft. Dass gerade ein Heilbrunnen zum Ausgangspunkt einer solchen Erzählung wurde, fügt sich in die Vorstellung vom Wasser als lebensspendender und heilender Kraft.
Kultischer Mittelpunkt war die Darstellung des hl. Pantaleon. Gugitz berichtet, dass die ursprüngliche Statue schadhaft geworden sei und später durch eine Kopie der gotischen Darstellung ersetzt wurde. Auf dem Hochaltar blieb der Heilige damit sichtbar im Zentrum der Verehrung.
Neben der Statue besitzt die Kirche eine silberne Pantaleonsbüste. Die Datierung ist in den Quellen nicht völlig einheitlich. Gugitz setzt ein silbernes Brustbild um 1676 an, während die heutige Pfarrbeschreibung eine Silberbüste von 1731 nennt und sie dem Goldschmied Johann Andrä Prunnsteiner zuschreibt. Die unterschiedliche Überlieferung sollte deshalb nicht zu einer scheinbar eindeutigen Datierung zusammengezogen werden.
Zur Kirche gehört eine klassische Gründungslegende. Ursprünglich habe man das Gotteshaus bei Reith nahe Wildshut errichten wollen. Das tagsüber dorthin gebrachte Baumaterial sei jedoch über Nacht immer wieder an den heutigen Kirchenplatz gelangt. Schließlich habe man dieses Geschehen als göttliche Weisung verstanden und die Kirche an jener Stelle errichtet, an der sie noch heute steht.
Bei Reith wurde der vorgesehene Bauplatz noch lange als "die heilige Stätte" bezeichnet. Gugitz erwähnt außerdem Überlieferungen von dort sichtbaren Mauerresten. Die Erzählung gehört zum weit verbreiteten Typ der Ortswahllegenden und ist als Kultlegende zu verstehen, nicht als Bericht über den tatsächlichen Bauvorgang.
Gugitz bezeichnet die Wallfahrt ausdrücklich als ehemals bedeutend. Die Wallfahrt galt dem hl. Pantaleon und den mit seinem Kult verbundenen Heilbrunnen. Über den genauen geographischen Einzugsbereich sind weniger Einzelheiten überliefert als bei manchen anderen Innviertler Wallfahrten, doch Baugeschichte, Votivbestand und die Veränderungen der Kirche zeigen, dass es sich um wesentlich mehr als einen örtlichen Andachtsbrauch handelte.
Eine der ungewöhnlichsten Einrichtungen der früheren Wallfahrtskirche war eine Doppelkanzel. Sie war so angelegt, dass der Prediger bei großem Gedränge der Pilger nicht nur zu den Menschen im Kirchenraum, sondern auch zu den im Freien versammelten Gläubigen sprechen konnte.
Diese bauliche Lösung ist ein besonders anschaulicher Hinweis auf den Umfang des Wallfahrtsbetriebes. Die Kirche vermochte die Menge der Besucher zeitweise nicht aufzunehmen; Wallfahrt prägte hier unmittelbar Liturgie und Architektur.
Um 1676 wurden an die Kirche zwei Kapellen angebaut. Gugitz erklärt diese Erweiterung ausdrücklich mit der Notwendigkeit, die herbeiströmende Menge aufzunehmen. Nachdem zusätzlicher Innenraum geschaffen worden war, verlor die Außenfunktion der Doppelkanzel ihre Bedeutung.
Die Erweiterungen gehören damit zu den stärksten materiellen Belegen der einstigen Wallfahrt. Wo schriftliche Angaben zu einzelnen Prozessionen fehlen, lässt die Baugeschichte selbst erkennen, welchen Umfang der Pilgerzustrom erreicht hatte.
Die Kirche bewahrt einen historischen Votivbestand. Gugitz nennt ein altes Votivbild aus dem 18. Jahrhundert und weitere Stücke aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Auch die heutige Beschreibung der Kirche verweist auf zahlreiche Votivbilder, darunter spätere Soldatenbilder.
Votive dokumentieren die persönliche Seite der Wallfahrt. Sie wurden aus Bitte oder Dank gestiftet und machten Krankheit, Gefahr, Heilung oder Bewahrung sichtbar. Gerade bei einem als Heilwallfahrt verstandenen Pantaleonkult sind solche Bildzeugnisse besonders aussagekräftig.
Die eigentliche Wallfahrt ist heute nicht mehr regelmäßig nachweisbar. Die Verehrung des Kirchenpatrons ist jedoch keineswegs erloschen. Das Pantaleonfest am 27. Juli wird weiterhin feierlich begangen. Dabei wird die silberne Büste des Heiligen in einer Prozession durch die Fluren getragen.
Zur Feier gehören Andacht, Predigt, Gebet und sakramentaler Segen. Damit hat sich aus dem früheren Wallfahrtskult eine lebendige örtliche Patroziniumsfrömmigkeit erhalten. Sie erinnert an die einstige Bedeutung des Heiligen, ohne dass daraus automatisch eine fortbestehende Wallfahrt im engeren Sinn abgeleitet werden kann.
Gugitz bezeichnete die Wallfahrt bereits in der Mitte des 20. Jahrhunderts als "fast erloschen". Für die Gegenwart lässt sich kein regelmäßiger, eigenständiger Wallfahrtsbetrieb mehr sicher nachweisen. Eine ältere Angabe über eine jährliche Wallfahrt aus Gilgenberg lässt sich derzeit weder durch Gugitz noch durch aktuelle Pfarr- oder Gemeindedokumentationen ausreichend bestätigen und wird daher nicht als gegenwärtige Praxis angeführt.
St. Pantaleon ist somit als historischer Wallfahrtsort einzuordnen. Wallfahrt, Heilbrunnen und Votivwesen sind eindeutig belegt; heute lebt vor allem die Verehrung des Kirchenpatrons im Pantaleonfest und in der religiösen Identität der Pfarre weiter.
St. Pantaleon ist für die Wallfahrtsforschung besonders wertvoll, weil mehrere typische Elemente einer Heilwallfahrt an einem Ort zusammentreffen: Nothelferverehrung, zwei Heilbrunnen, Votivbilder, großer Pilgerandrang und eine Architektur, die eigens an die Bedürfnisse der Wallfahrer angepasst wurde.
Die Kinderbrunnen-Erzählung erweitert dieses Bild um einen selten dokumentierten Bereich volkstümlicher Geburts- und Herkunftsvorstellungen. Die Doppelkanzel und die Kapellenanbauten zeigen, wie Wallfahrt den Kirchenbau unmittelbar verändern konnte. Auch nach dem Erlöschen des eigentlichen Wallfahrtsbetriebes blieb der hl. Pantaleon so stark mit dem Ort verbunden, dass aus dem früheren Weng schließlich St. Pantaleon wurde und sein Fest bis heute die örtliche Frömmigkeit prägt.
- Gustav Gugitz: Österreichs Gnadenstätten in Kult und Brauch. Band 5: Oberösterreich und Salzburg. Wien 1958, S. 110-111.
- Dietmar Assmann: "Bründlkapellen im Innviertel". In: Mitteilungsblatt des Vereines Denkmalpflege in Oberösterreich. Nr. 33, Juli 1979.
- Österreichische Kunsttopographie. Band 30, Eintrag St. Pantaleon.
- Franz Friedrich von Schrötter: Topographie oder kurze Beschreibung desjenigen Distrikts der bayrischen Lande, welchen das Erzhaus Österreich in Besitz genommen hat. Wien 1779, S. 58.
- Pfarrgemeinde und Gemeinde St. Pantaleon: Orts-, Pfarr- und kunstgeschichtliche Dokumentationen zur Pfarrkirche und zum Pantaleonfest.
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Ergänzungen: Wolfgang Morscher
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