Lengau, Heiligenstatt, Wallfahrtskirche Heiligenstatt
Diese Kirche wurde von den Kuchlern, den Besitzern der Herrschaft Friedburg, gestiftet und nach 1400 erbaut, 1731 dann barockisiert. Es muss aber bereits ein Vorgängerbau bestanden haben, da die erste urkundliche Überlieferung 1361 bereits "zu der heyligen statt" lautet. Beim Betreten des Gotteshauses ist man von der lichten Weite dieses Raumes erstaunt. Die Decke ist reich mit Band- und Gitterwerkstuck von Johann Michael Vierthaler aus Mauerkirchen und Benedikt Zöpf sowie mit Fresken mit Darstellungen der Geschichte der Wallfahrt von Adam Müller, 1731, versehen. Der Hochaltar entstand 1755 bis 1757. Seine figuralen Teile schuf der Bildhauer Johann Jakob Schnabl von Burghausen; im Mittelteil aber trägt der Altar eine gotische Statue Maria mit Kind aus dem 3. Viertel des 15. Jahrhunderts. Durch die Einheitlichkeit der Einrichtung wirkt der Kirchenraum sehr ausgeglichen. Die Seitenaltäre sind ebenfalls spätbarock, das Abendmahlbild auf dem einen ist mit 1766 bezeichnet. Die Kanzel stammt aus dem Jahre 1745, das Kirchen- und Chorgestühl von 1731. An den Wänden sind einige sehr schöne und gut erhaltene Grabsteine aus dem 16. und 17. Jahrhundert eingemauert. Unbedingt zu erwähnen ist auch das spätgotische Kruzifix an der südlichen Turmwand um 1510/15; die beiden Schächer allerdings stammen aus dem Anfang des 18. Jahrhunderts. Nicht übersehen darf schließlich auch die kleine Kapelle rechts vom Eingang werden, in der sich ein guter, allerdings schlecht erhaltener Schmerzensmann (um 1588) befindet.
Kultgegenstand: Hl. Hostie, die aber nicht mehr vorhanden ist, weiter eine gotische Statue des hl. Leonhard, die jetzt in der Sakristei aufbewahrt wird, dann ein Kreuzpartikel, der Schmerzensmann und schließlich die gekrönte Marienstatue auf dem Hochaltar; die Muttergottes hält das Zepter in der rechten Hand, das gekrönte Kind auf dem linken Arm, das Kind segnet mit der Rechten und trägt in der linken Hand die Weltkugel.
Legende: Eine Frau fand im dichten Wald unter einer Buche eine Hostie; sie bedeckte sie mit ihrem Hut und meldete den Fund dem Schlossherrn Hans Küchler in Friedburg. Dieser verständigte das Stift Mattighofen; die Hebung der Hostie wurde vergeblich versucht. Daraus glaubte man nun zu entnehmen, dass Gott an dieser Stelle ein Heiligtum haben wollte und erst als man den Bau einer Kirche gelobte, konnte man die Hostie heben. Die Hostie kam unter den Altarstein, ist aber nicht mehr vorhanden. Nach einer anderen Version habe sie ein neugeweihter Priester heben können. — Die Kirche heißt beim Volk auch "Heiligenblut"; darüber berichtet die Legende: Ritter Kuchler brachte 1434 von einer Jerusalemfahrt eine Kreuzpartikel für die Kirche mit. Er wollte dieses Stück aber teilen und den zweiten Teil der Stiftskirche Mattighofen widmen. Beim Teilen der Partikel floss jedoch Blut aus dem Holz und deshalb überließ man sie zur Gänze der hiesigen Kirche.
Wallfahrt: Besonders für Fuß- und Augenleiden, aber auch für Lungen- und Zahnleiden. Mit dem roten Mantel des einst in der Mitte der Kirche stehenden Schmerzensmannes wischten sich die Augenleidenden die Augen aus. Hinter dem Hochaltar befindet sich eine Nische, in welcher früher angeblich Wasser war und in welche Fußleidende die Füße setzten. Früher kamen besonders am 1. Juli (Fest des kostbaren Blutes) und zu Leonhardi Wallfahrer aus Oberösterreich und dem angrenzenden Bayern. Heute werden Bittprozessionen hierher geführt, auch die Lengauer kommen an den Bittagen. Zwischendurch kommen hauptsächlich einzelne Pilger.
Um dem angeblichen Wasser in der Nische nachzugehen, versuchte eine Frau eine Wünschelrute; nach dieser Untersuchung sagte sie, dass die Quelle nicht verschüttet sei, sich aber nicht unter dem Altar befinde. Die Wasserader gehe hinter dem Altar zur linken Kirchenmauer und diese entlang bis fast zum Speisgitter auf der linken Seite des Chores; trotz der Trockenlegung der Mauern sieht man hier immer einen feuchten Fleck. Hier dürfte die Quelle in einer Tiefe von 8 bis 10 m sein.
Quelle: Hertha und Friedrich Schober, Kapelle, Kirche, Gnadenbild. Ein kunstgeschichtlicher und volkskundlicher Führer zu Wallfahrtsstätten in Oberösterreich. Linz 1972.
Mit freundlicher Genehmigung von Reinprecht Schober für SAGEN.at.
| | Lage: Braunauerstraße 22, 5211 Lengau. |
| | Lage in SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Oberösterreich - Innviertel |
| | Ansicht in Street View |
| | Web: Pfarre hl. Sebastian Friedburg |
| | Geöffnet: |
| | Wallfahrtskirche Heiligenstatt, Ansichtskarte um 1930: |
Bildquelle: SAGEN.at-Fotogalerie
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| | Wallfahrtskirche Heiligenstatt, Ansichtskarte um 1940: |
Bildquelle: SAGEN.at-Fotogalerie
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| | Literatur zur Wallfahrt: |
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Ergänzungen: Wolfgang Morscher © www.SAGEN.at |