Kopfing im Innkreis, Wallfahrtskirche Maria Bründl

Schnellüberblick
Wallfahrt:Seit der Mitte des 18. Jahrhunderts belegte Marien- und Heilquellenwallfahrt zum Glatzinger Bründl. Das Wasser wurde getrunken und besonders zur Augenwaschung verwendet; Votivbilder, Weihegaben und ältere Krücken und Gehstöcke dokumentieren die Heilungserwartung. Die Bründlkirche wird weiterhin liturgisch genutzt und besucht.
Status:Lebendiger regionaler Wallfahrtsort.
Kultzentrum:Marienverehrung unter dem Patrozinium Maria Heimsuchung und das Bründlwasser; erhaltene Marienstatue und Votivgaben aus der älteren Kapelle.
Ort:Engertsberg bei Kopfing im Innkreis.
Bezirk/Region:Schärding / Innviertel.
Bundesland:Oberösterreich.
Lage und Besuch
• Lage: Engertsberg 13, 4794 Kopfing im Innkreis.
• Lage in der SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Innviertel
• Ansicht in Street View
• Web: Pfarrgemeinde Kopfing
• Öffnungszeiten: Die Wallfahrtskirche ist öffentlich und frei zugänglich.
Direkt zum Inhalt
•Bilddokumentation
•Ausführliche Beschreibung

Bilddokumentation

Wir haben leider noch keine Fotos dieses Wallfahrtsortes.

Besonders willkommen sind Außenansicht der Bründlkirche, Innenraum und Altarwand, Marienstatue und Schrein, Votivbilder und Weihegaben, Brunnen und Augenwaschung, Kreuzweg, Inschriften und Sgraffiti, Wallfahrer, Gottesdienste und Bittgänge sowie Hinweise auf den älteren Quellort und lokale Besonderheiten.

Foto der Wallfahrtskirche Maria Bründl in Kopfing einsenden

Mit diesen und weiteren Fotomotiven können Sie hier zur Dokumentation beitragen.

Ausführliche Beschreibung

Wallfahrtskirche am Glatzinger Bründl

Die Wallfahrtskirche Maria Bründl liegt bei Engertsberg außerhalb des Marktes Kopfing und wird gewöhnlich auch "Bründlkirche" oder "Glatzinger Bründl" genannt. Ihr religiöser Mittelpunkt ist nicht allein ein Marienbild, sondern ebenso das Wasser des Bründls. Die Verbindung von Marienverehrung und Heilquelle gehört seit dem 18. Jahrhundert zur Identität des Ortes und macht Maria Bründl zu einem besonders anschaulichen Beispiel für die Quellwallfahrten des Innviertels.

Der heute sichtbare Kirchenbau ist jung. Er wurde 1978 als Ersatz für eine baufällig gewordene ältere Kapelle errichtet und am 15. Oktober desselben Jahres durch Weihbischof Alois Wagner geweiht. Die Wallfahrt selbst reicht jedoch mehr als zwei Jahrhunderte weiter zurück. Der Neubau bewahrt zahlreiche ältere Ausstattungsstücke und Votivgaben und steht damit bewusst in der Tradition der früheren Bründlkapelle.

Zwei Bründl-Orte: Rotbründl und Glatzinger Bründl

Die frühe Geschichte ist komplizierter, als der heutige Name zunächst vermuten lässt. Im 18. Jahrhundert bestanden zwei miteinander verbundene Kultorte. Außerhalb des damaligen Friedhofes von Kopfing wurde zwischen 1753 und 1756 eine Filialkirche Maria Bründl errichtet, im Volksmund "Rotbründl" genannt. Daneben entwickelte sich am Glatzinger Bründl eine Heilquellenverehrung. Beide Orte waren Teil derselben religiösen Landschaft, hatten jedoch unterschiedliche Funktionen.

Besonders aufschlussreich ist ein für 1758 überlieferter päpstlicher Ablass, der diese Zweiteilung erkennen lässt: Bei der Rotbründlkapelle wurde gebetet, während am Glatzinger Bründl Waschungen vorgenommen wurden. Damit ist die Heilquellenpraxis nicht erst aus späteren Erinnerungen erschlossen, sondern bereits für die Frühzeit des Kultes belegt.

Der Brunnen und der Bericht von 1755

Neuere heimatkundliche Nachforschungen haben die Entstehungsgeschichte des Glatzinger Bründls wesentlich präzisiert. Johann Klaffenböck stieß bei Archivarbeiten auf Nachrichten aus dem Jahr 1755, als Kopfing noch zum Kurfürstentum Bayern gehörte. Der damalige Kopfinger Pfarrer Johann Friedl berichtete von einem Brunnen unweit seiner Pfarre, dessen Wasser kranken beziehungsweise gebrechlichen Menschen durch Trinken und Waschen Genesung verschafft habe.

Damit ist der Heilquellenkult bereits für die Mitte des 18. Jahrhunderts zeitnah bezeugt. Die Formulierung sagt selbstverständlich nichts über eine medizinisch nachweisbare Heilwirkung aus; sie dokumentiert vielmehr, welche Wirkung dem Wasser von den damaligen Besuchern zugeschrieben wurde. Gerade für die Wallfahrtsforschung ist diese Unterscheidung wichtig: Historisch belegt ist die Heilungserwartung und die daraus entstehende Wallfahrt, nicht die medizinische Wirksamkeit des Wassers.

Der rote Stern mit vier Strahlen

Mit dem Jahr 1755 verbindet sich auch die bekannteste Erscheinungsüberlieferung von Maria Bründl. Nach dem zeitgenössischen Bericht soll nach dem Gebetläuten acht Tage hindurch ein roter Stern mit vier Strahlen sichtbar gewesen sein, etwa von der Größe einer Schüssel und nicht hoch über dem Boden. Der Bericht spricht davon, dass zahlreiche Menschen die Erscheinung beobachtet hätten.

Die Sternerscheinung sollte quellenkritisch weder als naturwissenschaftlich erklärtes noch als übernatürlich erwiesenes Ereignis dargestellt werden. Für die Kultgeschichte ist entscheidend, dass sie bereits in zeitnahen Nachrichten begegnet und offenbar zur religiösen Aufmerksamkeit für den Brunnen beitrug. Was in späteren Darstellungen oft nur als "Legende" erscheint, besitzt damit einen historischen Erzählkern aus der Entstehungszeit der Wallfahrt.

Die ursprüngliche Quelle und ihre Verlagerung

Die genaue Lage der ursprünglichen Quelle geriet später offenbar aus dem Bewusstsein. Erst neuere Forschungen und der Fund einer Brunnenstube mit unterirdischem Wasserstollen ermöglichten eine genauere Rekonstruktion. Der ursprüngliche Quellbereich lag an der damaligen Pfarrgrenze und gehörte nicht selbstverständlich zur Pfarre Kopfing. Das Wasser wurde deshalb nach den archivalischen Nachrichten technisch aufwendig in Richtung des Kopfinger Kultortes geleitet.

Diese Verlagerung ist volkskundlich bemerkenswert. Sie zeigt, dass ein heiliger Ort nicht immer unverändert an derselben natürlichen Quelle verbleiben musste. Wasser, Bild, Kapelle, Patrozinium und Wallfahrt konnten räumlich neu organisiert werden, ohne dass die religiöse Identität des Bründls verloren ging.

Josephinische Schließung und Neubeginn

1785 wurde die außerhalb des Friedhofes gelegene Filialkirche Maria Bründl im Zuge der josephinischen Reformen geschlossen. Die ältere Rotbründlkapelle verschwand, und die Wallfahrt wurde zeitweise unterbrochen beziehungsweise stark eingeschränkt. Nach dem Ende der josephinischen Verbote konzentrierte sich die Tradition zunehmend auf das Glatzinger Bründl.

1840 errichtete der Bauer Josef Kislinger, vulgo Abraham zu Glatzing, aufgrund eines Gelöbnisses eine gemauerte Kapelle. Ihre kirchliche Einweihung erfolgte 1864; 1923 erhielt sie einen neuen Turm. Diese Kapelle blieb bis zum Neubau von 1978 Mittelpunkt der Wallfahrt. Die Baugeschichte zeigt damit mehrere deutliche Brüche, während Patrozinium, Quelle und Wallfahrtsgedächtnis immer wieder weitergegeben wurden.

Maria Heimsuchung und die Ausstattung

Das Patrozinium lautet Maria Heimsuchung. Auch der moderne Kirchenbau nimmt dieses Thema sichtbar auf. An der Turmfassade zeigt ein Sgraffito Maria, die Christus unter dem Herzen trägt und sich über das Gebirge zu Elisabeth begibt. Damit wird die biblische Szene der Begegnung Mariens mit Elisabeth bereits außen zum theologischen Leitmotiv des Baues.

Im Inneren befindet sich an der Altarwand der Marien-Schrein. Neben ihm stehen die Figuren des hl. Johannes Nepomuk und des hl. Johannes Maria Vianney, des Pfarrers von Ars; darüber erscheint der Heilige Geist in Gestalt der Taube. Mehrere Teile wurden aus der alten Kapelle übernommen, darunter Elemente des früheren Altares, die Ewige-Licht-Ampel, das alte Absperrgitter und der Kreuzweg. Auch die Marienstatue, die bereits bei der älteren Kapelle über der Quelle stand, blieb erhalten.

Votivbilder und Weihegaben

Zu den wichtigsten volkskundlichen Zeugnissen gehören die Votivbilder aus der Vorgängerkapelle. Sie hängen heute an der Orgelbrüstung und bewahren die Erinnerung an Menschen, die in Krankheit oder anderer Not zur Gottesmutter und zum Bründl kamen. Neben den Bildern sind besondere Weihegaben für erfahrene Heilung erhalten; darunter befindet sich eine Arbeit in einem Stäbchen-Schnitzrahmen mit einem Kreuzpartikel.

Ältere Berichte erwähnen außerdem zerbrochene Krücken und Gehstöcke, die auf dem Dachboden beim benachbarten Bründlwirt verwahrt wurden. Solche Gegenstände sind typische Votivgaben von Heilwallfahrten. Sie belegen nicht im medizinischen Sinn eine Wunderheilung, wohl aber den Glauben ihrer Stifter, nach einer Krankheit oder körperlichen Einschränkung Hilfe erfahren zu haben.

Das Bründlwasser und die Augenwaschung

Das Wasser blieb über alle baulichen Veränderungen hinweg der zweite zentrale Kultträger neben der Marienverehrung. Es wurde traditionell getrunken und zum Waschen verwendet, besonders bei Augenbeschwerden. Auch am heutigen Bau ist der Brunnen zugänglich; eine Stiege führt im Bereich der Kirche zum Bründl für die Augenwaschung.

Die Augenwaschung gehört zu den häufigsten Praktiken an mitteleuropäischen Heilquellen. Aus volkskundlicher Sicht verbindet sie das Gebet mit einer unmittelbar körperlichen Handlung. Der Besucher bleibt nicht nur vor einem Bild stehen, sondern berührt das Wasser und bringt es an die erkrankte Körperstelle. Gerade dadurch erhält der Quellort eine andere religiöse Erfahrungsqualität als eine Wallfahrt, deren Kult allein auf einem Gnadenbild beruht.

Wallfahrt und heutige Nutzung

Maria Bründl ist kein erloschener Wallfahrtsort. Die Pfarrgemeinde Kopfing nutzt die Bründlkirche weiterhin regelmäßig für Rosenkranz und Eucharistiefeiern. Auch Hochzeiten und Taufen finden dort statt. Die Kirche ist öffentlich zugänglich und wird als Wallfahrtskirche bezeichnet; der Bründlweg führt Wanderer und Besucher ausdrücklich zum Wallfahrtsort.

Die gegenwärtige Praxis unterscheidet sich damit von einer großen überregionalen Massenwallfahrt. Maria Bründl lebt stärker als regionaler Gebets-, Gottesdienst- und Besuchsort weiter, dessen historische Wallfahrtsidentität weiterhin präsent ist. Die Heilquelle, die Votivbilder und der Name "Bründl" halten die ältere Kultschicht im Alltag sichtbar.

Kreuzweg und Landschaft

Seit dem Jahr 2000 führt vom Bereich der Bründlkirche ein neu aufgestellter Kreuzweg in Richtung Matzelsdorf durch den Wald. Damit wurde die marianische Quellwallfahrt um eine weitere Andachtsform ergänzt. Der Weg bindet die Kirche stärker in die Landschaft ein und macht den Aufenthalt am Wallfahrtsort zu einer Folge von Gehen, Betrachten, Gebet und Ruhe.

Auch der heute ausgewiesene Bründlweg greift diese landschaftliche Dimension auf. Maria Bründl ist dadurch nicht nur ein einzelnes Gebäude, sondern Bestandteil eines größeren religiösen und kulturellen Wegeraumes im Sauwald.

Volkskundliche Bedeutung

Maria Bründl bei Kopfing ist ein besonders vielschichtiger Wallfahrtsort. Heilquelle, Augenwaschung, Marienbild, Sternerscheinung, Votivbilder, Krücken, Gelübde und Bittgänge verbinden sich zu einer Kultgeschichte, die seit dem 18. Jahrhundert immer wieder räumlich und baulich verändert wurde. Gerade die Unterscheidung zwischen dem früheren Rotbründl und dem Glatzinger Bründl zeigt, dass Wallfahrtskultur nicht statisch ist: Kultorte können geschlossen, verlegt, neu gebaut und dennoch in ihrer religiösen Erinnerung weitergeführt werden.

Von besonderem Wert ist die zeitnahe Nachricht von 1755. Sie erlaubt es, die spätere Wallfahrtsüberlieferung mit einem frühen Bericht über Heilungserwartungen und die Sternerscheinung zu verbinden. Zugleich bewahren die Votivgaben und das bis heute verwendete Bründlwasser jene körpernahe Form der Volksfrömmigkeit, die Quellwallfahrten von vielen anderen Marienwallfahrten unterscheidet. Maria Bründl ist daher nicht nur historisch dokumentiert, sondern bis heute ein lebendiger regionaler Wallfahrtsort.

Literatur und Quellen

- Pfarrgemeinde Kopfing: Pfarrgeschichtliche Dokumentation und Gottesdienstordnungen zur Bründlkirche.

- Marktgemeinde Kopfing im Innkreis: Dokumentation zur Wallfahrtskirche Maria Bründl - Bründlkirche.

- Forum OÖ Geschichte: Kleindenkmaldokumentation "Bründlkapelle", mit den Forschungsergebnissen von Kons. Johann Klaffenböck zur ursprünglichen Quelle und zu den Nachrichten von 1755.

- Johann Klaffenböck: Heimatkundliche Forschungen zur Entstehungsgeschichte des Glatzinger Bründls und zum wiederentdeckten ursprünglichen Quellbereich.

- Kirchliche und regionale Dokumentationen zur Geschichte des Rotbründls, des Glatzinger Bründls, der Votivgaben und des Neubaus von 1978.

Ergänzungen: Wolfgang Morscher

© www.SAGEN.at