Hohenzell, Roith, Wallfahrtskapelle Frau Feichten

Schnellüberblick
Wallfahrt:Über die Pfarrgrenzen hinaus bekannte Marienwallfahrt, besonders bei Augenleiden. Zum älteren Kult gehörte die Entnahme von Spänen vom verehrten Fichtenbaum. Heute bestehen Kreuzweg, Maiandacht und Gottesdienst am 2. Juli fort.
Status:Lebendiger regionaler Wallfahrtsort.
Kultzentrum:Marienbild der "Frau Feichten"; der ursprünglich mit dem Kult verbundene Fichtenbaum ist nicht erhalten.
Ort:Roith, Hohenzell.
Bezirk/Region:Ried im Innkreis / Innviertel.
Bundesland:Oberösterreich.
Lage und Besuch
• Lage: am Waldrand nördlich von Roith, 4921 Hohenzell.
• Lage in der SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Innviertel
• Ansicht in Street View (Luftbild)
• Web: Pfarrgemeinde Hohenzell
• Öffnungszeiten: keine verlässlichen allgemeinen Öffnungszeiten veröffentlicht; aktuelle Gottesdienst- und Andachtstermine bei der Pfarrgemeinde Hohenzell.
Direkt zum Inhalt
•Bilddokumentation
•Ausführliche Beschreibung

Bilddokumentation

Wir haben leider noch keine Fotos dieses Wallfahrtsortes.

Besonders willkommen sind Außenansicht und Lage am Waldrand, Innenraum, Marienbild, Inschriften und Votivzeichen, Hinweise auf den früheren Kultbaum, Kreuzwegstationen, Maiandacht, Gottesdienst am 2. Juli, Wallfahrer und Prozessionen sowie lokale Besonderheiten.

Foto der Wallfahrtskapelle Frau Feichten in Hohenzell einsenden

Mit diesen und weiteren Fotomotiven können Sie hier zur Dokumentation beitragen.

Ausführliche Beschreibung

Lage und Wallfahrtsort

Am Waldrand nördlich der Ortschaft Roith liegt die kleine Marienkapelle "Frau Feichten", im örtlichen Sprachgebrauch auch "Frau Feichtn" genannt. Von Roith führt ein Kreuzweg hinauf zur Kapelle. Die Lage am Übergang vom offenen Kulturland zum Wald gehört wesentlich zum Charakter des Ortes: Die Wallfahrt ist hier nicht an eine große Kirche oder einen kunsthistorisch hervorgehobenen Bau gebunden, sondern an einen kleinen sakralen Platz, dessen Bedeutung aus dem Marienbild, dem früher verehrten Baum und der überlieferten Heilserwartung erwuchs.

Die Pfarrgemeinde Hohenzell bezeichnet Frau Feichten ausdrücklich als eine über die Hohenzeller Pfarrgrenzen hinaus bekannte Wallfahrtskapelle. Auch die ältere lokale Erinnerung behandelt den Ort eindeutig als Wallfahrt: In Hohenzell erschien 1987 eine eigene Schrift unter dem Titel "Wallfahrt zur Frau Feichtn". Der Wallfahrtsstatus beruht damit nicht nur auf einer einzelnen älteren Sekundärquelle, sondern ist in der örtlichen Überlieferung und in der volkskundlichen Dokumentation mehrfach belegt.

Ursprungsüberlieferung und das Marienbild

Nach der in Hohenzell überlieferten Gründungserzählung soll im Jahr 1703 ein bayerischer Soldat nach der Heilung von einer schweren Augenkrankheit aus Dankbarkeit ein kleines Marienbild an einer Fichte angebracht haben. Später habe der Besitzer des Waldes am Bild zwei Tränen im Bereich eines Auges bemerkt und es daraufhin in die Pfarrkirche Hohenzell gebracht. Am folgenden Tag sei das Bild jedoch wieder an der Fichte gefunden worden. Dieses Zurückkehren des Bildes wurde als wunderbares Zeichen verstanden und begründete nach der Überlieferung die Errichtung einer Kapelle an diesem Platz.

Historisch lässt sich der wundersame Vorgang nicht überprüfen; volkskundlich gehört die Erzählung zu einem weit verbreiteten Typus von Wallfahrtslegenden, in denen ein Kultbild seinen selbstgewählten Ort anzeigt, indem es trotz einer Übertragung in die Pfarrkirche wieder an den ursprünglichen Fund- oder Verehrungsplatz zurückkehrt. Bemerkenswert ist in Hohenzell die enge Verbindung dieser Ortswahl mit dem Augenmotiv: Schon der Soldat der Gründungserzählung wird als von einem schweren Augenleiden geheilt beschrieben, und auch die spätere Wallfahrt war besonders mit Bitten um Hilfe bei Augenkrankheiten verbunden.

Die Fichte als Kultbaum

Der Name "Frau Feichten" bewahrt die Erinnerung an die Fichte, an der das Marienbild nach der Überlieferung ursprünglich angebracht war. Der Baum war nicht bloß Teil der Gründungslegende, sondern wurde selbst in die religiöse Praxis einbezogen. In der volkskundlichen Dokumentation Oberösterreichs wird berichtet, dass Wallfahrer Späne von der Fichte mitnahmen. Der Baum verschwand schließlich, weil durch diese Entnahme immer wieder Holzstücke abgelöst wurden.

Damit gehört Frau Feichten zu jener für die religiöse Volkskunde besonders interessanten Gruppe von Wallfahrtsorten, an denen das Heilige nicht ausschließlich an ein Bild oder eine Kapelle gebunden war, sondern auch an einen Baum. Die mitgenommenen Holzspäne konnten als berührte Segens- oder Heilmittel verstanden werden: Sie hatten Anteil an einem Ort, dem besondere Wirksamkeit zugeschrieben wurde, und ließen sich von dort in Haus und Alltag mitnehmen. Die Verbindung von Marienbild, Fichte und Augenheilung bildet daher den eigentlichen volksreligiösen Kern der Wallfahrt.

Wallfahrt bei Augenleiden

Frau Feichten wurde besonders bei Augenleiden besucht. Dieses Anliegen steht in unmittelbarer Beziehung zur Gründungserzählung und zeigt, wie eine Wallfahrtslegende die spätere Kultpraxis prägen konnte. Wer wegen eines Augenleidens zur Kapelle kam, wiederholte gewissermaßen das Grundmuster der Überlieferung: Krankheit, Bitte an Maria und Hoffnung auf Heilung beziehungsweise Linderung.

Solche spezialisierten Heilwallfahrten waren in der vormodernen und frühneuzeitlichen Volksfrömmigkeit weit verbreitet. Bestimmte Heilige, Bilder, Quellen, Bäume oder Wallfahrtsorte erhielten dabei ein besonders ausgeprägtes Patronat für einzelne Krankheiten. Für Frau Feichten ist gerade die Kombination aus Augenheilung und Kultbaum bemerkenswert, weil sich die erhoffte Hilfe nicht nur auf das Gebet vor dem Marienbild beschränkte, sondern mit dem materiellen Mitnehmen von Holzspänen verbunden war.

Der Kreuzweg von Roith

Von Roith führt heute ein Kreuzweg durch den Wald zur Wallfahrtskapelle. Die Bilder der Stationen stammen vom Hohenzeller Wolfgang Reichhard. Der Kreuzweg hat den älteren Marienwallfahrtsort um eine weitere Andachtsform erweitert und bindet den Aufstieg zur Kapelle liturgisch und meditativ in die Passion Christi ein.

Der Weg wird weiterhin gemeinschaftlich genutzt. Besonders am Karfreitag finden Kreuzwege zur Frau Feichten statt; neben einem Männerkreuzweg werden beziehungsweise wurden auch Wege für Jugendliche und Firmkandidaten angeboten. Damit ist der Weg zur Kapelle nicht nur landschaftliche Erschließung, sondern selbst ein Bestandteil der heutigen religiösen Praxis.

Maiandacht und 2. Juli

Auch die marianische Nutzung der Kapelle ist lebendig geblieben. Maiandachten bei Frau Feichten sind in den pfarrlichen Terminordnungen wiederholt dokumentiert. Besonders bemerkenswert ist zudem der 2. Juli: An diesem Tag wird bei der Kapelle eine heilige Messe gefeiert. Damit besitzt der Ort weiterhin einen eigenen sommerlichen Gottesdiensttermin, der an die ältere Wallfahrtstradition anschließt.

Der 2. Juli war im älteren römisch-katholischen Festkalender das Fest Mariä Heimsuchung. Dass gerade dieser Termin mit Frau Feichten verbunden blieb, fügt sich daher in die marianische Ausrichtung des Ortes ein. Eine ältere Überlieferung nennt zudem Wallfahrer aus Pram am 2. Juli; unabhängig davon ist der Termin selbst in der gegenwärtigen Hohenzeller Pfarrpraxis weiterhin nachweisbar.

Wallfahrtsort im Wandel

Die heutige Bedeutung von Frau Feichten erschöpft sich nicht in organisierten Gottesdiensten. In einer neueren Pfarrdokumentation wird beschrieben, dass in der Kapelle regelmäßig frische Blumen und Kerzen stehen und viele Menschen den Ort als Ziel eines Spazierganges, zum stillen Sitzen und persönlichen Gebet aufsuchen. Auch Kindergarten- und Familiengruppen nutzten den Kreuzweg und die Kapelle bei religiösen Feiern. Solche Formen zeigen, wie sich ein historischer Heil- und Wallfahrtsort zu einem vielfältigen Andachtsplatz entwickeln kann, ohne seine ältere Identität zu verlieren.

Gerade die kleine Dimension der Kapelle macht diese Kontinuität anschaulich. Die große Zahl einzelner Besuche, das Entzünden von Kerzen, Blumen, Kreuzweg, Maiandacht und Gottesdienst bilden nebeneinander verschiedene Formen derselben Ortsbindung. Die ältere Bitte um Heilung und die heutige Suche nach Ruhe, Erinnerung und Gebet stehen dabei nicht im Gegensatz, sondern zeigen unterschiedliche Schichten einer über lange Zeit gewachsenen religiösen Praxis.

Volkskundliche Bedeutung

Frau Feichten gehört zu den volkskundlich besonders aussagekräftigen kleinen Wallfahrtsorten des Innviertels. Mehrere für die Wallfahrtsforschung wichtige Elemente treffen hier zusammen: eine Ortslegende mit der wunderbaren Rückkehr eines Marienbildes, ein Kultbaum, die Entnahme von Spänen als berührten Heil- oder Segensmitteln, ein spezialisiertes Wallfahrtsanliegen bei Augenleiden und eine bis in die Gegenwart fortgesetzte gemeinschaftliche Nutzung.

Der verschwundene Baum ist dabei ebenso wichtig wie die erhaltene Kapelle. Er zeigt, dass ein Wallfahrtsort nicht allein aus einem Gebäude besteht, sondern aus einem Geflecht von Erzählung, Landschaft, Gegenstand, Körpererfahrung und Handlung. Bei Frau Feichten wurde dieses Geflecht durch den Kreuzweg und die heutigen Andachten weitergeschrieben. Der Ort ist daher nicht bloß ein historisch dokumentierter ehemaliger Wallfahrtsplatz, sondern ein lebendiger regionaler Marienwallfahrtsort.

Literatur und Quellen

- Pfarre Hohenzell-St. Michael: Pfarrblatt Ostern 2021. Beitrag "Marterl-Roas: Die Frau Feichten".

- Pfarre Hohenzell-St. Michael: Gedenkschrift Leben und Wirken in Hohenzell. Hohenzell 2020.

- Forum OÖ Geschichte: Dokumentation zu Wallfahrten und religiöser Volksfrömmigkeit in Oberösterreich, Abschnitt Kultbäume und Maria Feichten bei Hohenzell.

- Pfarrgemeinde Hohenzell: Pfarrblätter und Terminordnungen zu Kreuzwegen, Maiandachten und Gottesdiensten bei Frau Feichten.

Ergänzungen: Wolfgang Morscher

© www.SAGEN.at