Geiersberg, Pfarr- und Wallfahrtskirche hl. Leonhard

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Wallfahrt:Historische und bis heute lebendige Leonhardswallfahrt mit Leonhardiritt und Pferdesegnung; früher außerdem großer Pferdeumritt durch den Turm, Schauerfreitagswallfahrt und Pferdemarkt.
Status:Lebendiger regionaler Leonhardswallfahrtsort.
Kultzentrum:Leonhardsstatue am Hochaltar; dazu die unter dem Chor entspringende Heilquelle und die Brunnenkapelle unterhalb der Kirche.
Ort:Geiersberg.
Bezirk/Region:Ried im Innkreis / Innviertel.
Bundesland:Oberösterreich.
Lage und Besuch
• Lage: Pfarrkirche Geiersberg, 4922 Geiersberg.
• Lage in der SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Innviertel
• Ansicht in Street View
• Web: Pfarrgemeinde Geiersberg
• Öffnungszeiten: aktuelle Hinweise bei der Pfarrgemeinde Geiersberg.
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Besonders willkommen sind Außenansicht und Innenraum, Hochaltar mit Leonhardsstatue, Brunnenkapelle und Quellfassung, die vermauerten Turmöffnungen beziehungsweise das sogenannte Schwärzertor, erhaltene Hufeisen, historische Ketten- oder Votivspuren, Schwanthaler-Figuren, die Glocke von 1512 sowie Aufnahmen vom Leonhardiritt, von Pferdesegnungen und vom Patronatsfest.

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Ausführliche Beschreibung

Kirche und Baugeschichte

Die Pfarr- und Wallfahrtskirche von Geiersberg ist dem hl. Leonhard geweiht und besitzt einen gotischen Kern. Urkundlich ist die Kirche im 15. Jahrhundert fassbar. Vom mittelalterlichen Bau haben sich unter anderem Teile des Turmuntergeschosses, eine Sakramentsnische im Chor, historische Türbeschläge und eine gotische Glocke erhalten. 1653 wurde die Kirche barockisiert; aus dieser Zeit stammt auch der Hochaltar. Im 18. Jahrhundert kamen weitere barocke Veränderungen hinzu.

Die Ausstattung verbindet mehrere Künstlergenerationen. Der Hochaltar wurde von Georg Obermayr aus Passau geschaffen. Werke aus dem Umkreis beziehungsweise von Angehörigen der Familie Schwanthaler ergänzen die Ausstattung. Besonders bemerkenswert ist eine Marienfigur mit Kind von Bonaventura Schwanthaler aus dem Jahr 1701, die ursprünglich in der Brunnenkapelle stand und später in die Kirche übertragen wurde.

Der hl. Leonhard als Kultzentrum

Im Mittelpunkt der Wallfahrt steht der hl. Leonhard. Gustav Gugitz nennt als Kultgegenstand eine Leonhardsstatue von Schwanthaler auf dem Hochaltar. Vor dem Heiligen kniet ein Mann, der in der älteren Überlieferung mit der Gründungslegende des Ortes in Verbindung gebracht wurde.

Leonhard wurde im bäuerlichen Raum besonders als Schutzheiliger des Viehs und der Pferde verehrt. In Geiersberg konzentrierte sich dieser Kult in ungewöhnlich dichter Form: Hochaltar, Quelle, Brunnenkapelle, Pferdeumritt, Pferdesegnung, Hufeisen, Tierwachsopfer und Naturalgaben bildeten zusammen ein vielschichtiges religiöses System.

Die Gründungslegende vom bayerischen Ritter

Eine ältere Legende erzählt von einem bayerischen Ritter, der sich bei der Jagd im Wald verirrte. Ritter und Pferd seien völlig erschöpft gewesen. In seiner Not habe der Mann den hl. Leonhard angerufen. Der Heilige erschien ihm und zeigte ihm eine Quelle. Zum Dank habe der Ritter über dieser Quelle die Kirche errichtet.

Gugitz überliefert außerdem eine Nachricht, wonach 1856 in der Kirche eine Statue dieses Ritters gefunden worden sein soll. Die Figur sei später vergraben worden. Er fügt jedoch ausdrücklich hinzu, dass die Kirchenannalen davon nichts wissen. Diese Episode ist daher als unsichere lokale Überlieferung und nicht als gesicherter historischer Befund zu behandeln.

Die Heilquelle unter dem Chor

Unter dem Chor der Kirche entspringt eine Quelle, die zur Brunnenkapelle unterhalb des Kirchenbaues geleitet wird. Gugitz bezeichnet sie ausdrücklich als Heilquelle und berichtet, dass sie noch in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts bei erkranktem Vieh aufgesucht wurde.

Die Quelle besaß damit nicht nur symbolische Bedeutung, sondern wurde praktisch in den bäuerlichen Alltag einbezogen. Wasser aus dem sakralen Bereich der Kirche wurde mit dem Schutz und der Genesung von Haustieren verbunden. Auch die Gemeinde erinnert daran, dass die Quelle für den Ort selbst von großer Bedeutung war und lange Zeit zur Wasserversorgung beitrug.

Die Brunnenkapelle

Unterhalb der Pfarrkirche liegt die Brunnenkapelle, in die das Quellwasser geleitet wird. Sie bildet neben dem Hochaltar einen zweiten Schwerpunkt des Kultortes. Die Verbindung von Leonhardsverehrung und marianischer Ausstattung wird durch die von Bonaventura Schwanthaler 1701 geschaffene Muttergottesfigur sichtbar, die ursprünglich in dieser Kapelle stand.

Für die religiöse Praxis war die Brunnenkapelle vor allem durch das Wasser wichtig. Das Heilbründl wurde bei Viehkrankheiten aufgesucht und gehört damit in jene Gruppe von Kultorten, an denen die Fürbitte eines Heiligen mit einer besonderen Quelle verbunden wurde.

Die große Eisenkette von 1674

Zu den ungewöhnlichsten Zeugnissen des Geiersberger Leonhardskultes gehörte eine große Eisenkette, die seit 1674 die Kirche umgab. Nach Gugitz bestand sie aus 1600 Gliedern und war an 50 Eisenstiften befestigt. Zu seiner Zeit war sie bereits nicht mehr vorhanden.

Die Kette passt unmittelbar zur Leonhardsikonographie. Der Heilige wurde ursprünglich besonders als Helfer der Gefangenen verehrt und trägt häufig eine Kette als Attribut. In der bäuerlichen Frömmigkeit wurde die Kette zugleich zum Schutzzeichen für Vieh und Pferde. In Geiersberg umschloss dieses Symbol sogar den gesamten Kirchenbau.

Hufeisen und mögliche Eisenopfer

An der Kirchentür sah Gugitz noch zwei aufgenagelte Hufeisen. Sie sind ein unmittelbares materielles Zeugnis des Pferde- und Leonhardskultes. Darüber hinaus hielt Gugitz ältere Eisenopfer für möglich, betonte jedoch selbst, dass darüber keine ausdrückliche Überlieferung bekannt sei. Seine Vermutung stützte sich vor allem auf die große Eisenkette und die erhaltenen Hufeisen.

Daher ist zwischen sicher belegten Hufeisen und nur vermuteten weiteren Eisenopfern zu unterscheiden.

Naturalopfer und das sogenannte "Blutopfer"

Eine besonders wichtige volkskundliche Nachricht betrifft das sogenannte "Blutopfer". Gugitz erklärt ausdrücklich, dass damit vor allem das Darbringen lebender Tiere gemeint war, etwa Hühner, Gänse und Lämmer. Der Ausdruck wurde offenbar auch weiter gefasst und schloss Naturalgaben wie Eier, Butter und Schmalz ein.

Solche Opfer sind für die Jahre 1693 und 1706 besonders belegt. Sie sind nicht als rituelle Tötung in der Kirche zu verstehen, sondern als Übergabe von Tieren oder Lebensmitteln als Bitt- oder Dankgabe. Naturalopfer dieser Art gehörten in bäuerlich geprägten Wallfahrten zu den unmittelbarsten Formen religiöser Gabe.

Wachsvotive in Tiergestalt

Neben Naturalopfern waren in älterer Zeit auch Wachsvotive gebräuchlich, besonders Darstellungen von Tieren. Solche Votive spiegelten die konkreten Anliegen der bäuerlichen Bevölkerung: Gesundheit, Schutz und Fortbestand des Viehbestandes waren lebenswirtschaftlich von großer Bedeutung.

Zur Zeit von Gugitz waren in Kirche und Pfarrhof keine größeren Votivbestände mehr vorhanden, und auch Naturalopfer wurden schon lange nicht mehr gebracht. Damit ist sein Bericht heute besonders wertvoll, weil er ältere Kultformen dokumentiert, die materiell weitgehend verschwunden sind.

Der große Pferdeumritt

Zu Leonhardi fand früher ein großer Pferdeumritt statt. Die Tiere wurden durch eine Turmöffnung in den Bereich unter dem Turm geführt, unter der Turmwölbung hindurchgeleitet und so positioniert, dass sie in den Kirchenraum blicken konnten. Anschließend wurden sie durch die zweite Turmöffnung wieder hinausgeführt.

Diese Form des Umrittes ging weit über eine bloße Segnung vor der Kirche hinaus. Das Pferd wurde räumlich in den sakralen Bau einbezogen und dem Kultbild beziehungsweise dem Kirchenraum zugewandt. Der Brauch zählt damit zu den eindrucksvollsten älteren Leonhardipraktiken des Innviertels.

Pferdesegnung und Leonhardiritt

Die ältere Form des Umrittes durch den Turm ist verschwunden, doch die Leonharditradition lebt weiter. Rund um den 6. November kommen weiterhin Reiter, Pferde und Gespanne nach Geiersberg. Nach dem Gottesdienst werden die Tiere gesegnet.

Damit ist Geiersberg kein bloß historischer Wallfahrtsort. Die Formen der Verehrung haben sich verändert, doch der Zusammenhang zwischen Leonhard, Pferd und kirchlichem Segen besteht bis heute fort.

Die "Schwärzertore"

Die beiden Turmöffnungen besaßen neben ihrer kultischen Funktion auch eine besondere Grenzüberlieferung. Geiersberg lag nur wenige Meter von der früheren bayerisch-österreichischen Grenze entfernt. Gugitz berichtet, dass die Durchgänge stark zum Schmuggel benutzt und deshalb als "Schwärzertore" bezeichnet worden seien. Später wurden sie vermauert.

Der historische Grenzraum ist gut belegt; die volkstümliche Bezeichnung der Tore gehört zur lokalen Erinnerung an Schmuggel und Grenzverkehr. Ob der Schmuggel allein der unmittelbare Grund für die Vermauerung war, lässt sich aus den überlieferten Nachrichten nicht sicher ableiten.

Schauerfreitag und Pferdemarkt

Neben Leonhardi war auch der Schauerfreitag ein wichtiger Wallfahrtstermin. Gugitz berichtet, dass Geiersberg noch 1941 sowohl zu Leonhardi als auch am Schauerfreitag aus weiter Umgebung besucht wurde. Am Schauerfreitag fand ein großer Pferdemarkt statt.

Früher bestanden Marktbuden, die Eigentum der Kirche waren. Wallfahrt, Pferdehandel und Festtag bildeten damit ein eng verbundenes soziales und wirtschaftliches Ereignis. Der Wallfahrtsort war nicht nur Ziel religiöser Bitten, sondern zugleich Treffpunkt einer bäuerlich geprägten Regionalgesellschaft.

Gotische und barocke Ausstattung

Neben dem Hochaltar sind weitere Teile der historischen Ausstattung bemerkenswert. Das gotische Nordtor besitzt alte Beschläge; im Chor befindet sich eine mittelalterliche Sakramentsnische. Die Glocke von 1512 gehört zu den ältesten erhaltenen Ausstattungsstücken. Die Barockisierung des 17. Jahrhunderts und Ergänzungen des 18. Jahrhunderts prägten den heutigen Innenraum nachhaltig.

Die Marienfigur von Bonaventura Schwanthaler aus dem Jahr 1701 stellt innerhalb des Leonhardsortes eine eigene marianische Schicht dar. Ihre frühere Aufstellung in der Brunnenkapelle zeigt, dass Quelle und Marienverehrung zeitweise eng miteinander verbunden waren.

Pfarrgeschichte

Geiersberg gehörte ursprünglich zur Pfarre Pram. Im Zuge der josephinischen Pfarrregulierung wurde der Ort 1784/85 kirchlich verselbständigt. Die heutige Pfarre entwickelte sich aus dieser Neuordnung. Die Leonhardswallfahrt ist jedoch deutlich älter und reicht weit in die Zeit vor der Pfarrgründung zurück.

Volkskundliche Bedeutung

Geiersberg gehört zu den besonders reich dokumentierten Leonhardsorten Oberösterreichs. Pferdeumritt, Pferdesegnung, Hufeisen, große Eisenkette, Wachstiere, Lebend- und Naturalopfer, Heilquelle und Pferdemarkt zeigen, wie eng religiöse Verehrung und bäuerliche Lebenswelt miteinander verbunden waren.

Besonders eindrucksvoll ist die Verbindung von Architektur und Kultpraxis: Die Pferde wurden nicht nur um die Kirche geführt, sondern durch die Turmwölbung geleitet und mit Blick in den Kirchenraum dem Heiligen zugeführt. Zugleich verband die Quelle unter dem Chor den sakralen Ort unmittelbar mit der Sorge um krankes Vieh. Der bis heute fortbestehende Leonhardiritt macht Geiersberg zu einem lebendigen Beispiel dafür, wie sich ältere Wallfahrtsformen verändern können, ohne ihre grundlegende religiöse Bedeutung zu verlieren.

Literatur und Quellen

- Gustav Gugitz: Österreichs Gnadenstätten in Kult und Brauch. Ein topographisches Handbuch zur religiösen Volkskunde. Band 5: Oberösterreich und Salzburg. Wien 1958, S. 29–30.

- Franz Berger: Oberösterreich. Wien 1924.

- Pfarrchronik Geiersberg.

- Müller: Umritt.

- Die Kunstdenkmäler Österreichs. Dehio-Handbuch Oberösterreich.

- Pfarrgemeinde Geiersberg und Gemeinde Geiersberg: Angaben zu Kirche, Quelle, Leonhardiritt und örtlicher Geschichte.

Ergänzungen: Wolfgang Morscher

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