| Wallfahrt: | Historisch bedeutende Bartholomäuswallfahrt, besonders zum Patronatsfest am 24. August. Der frühere Bartholomäusmarkt dauerte vier Wochen und zog viele Tausende Menschen an; Wallfahrer kamen aus weiter Umgebung und verbanden den Besuch mit Hart. |
| Status: | Historischer Wallfahrtsort; die Filialkirche wird weiterhin liturgisch genutzt, Bartholomäus-Patrozinium und Kirtagstradition bestehen fort. |
| Kultzentrum: | Bartholomäuskult am Hochaltar mit dem Martyriumsgemälde von Tobias Schinagl von 1674; eine ältere Bartholomäusstatue des 15. Jahrhunderts dürfte möglicherweise der frühere Kultgegenstand gewesen sein. |
| Ort: | Aschau, Feldkirchen bei Mattighofen. |
| Bezirk/Region: | Braunau am Inn / Innviertel. |
| Bundesland: | Oberösterreich. |
| • | Lage: 5143 Aschau, Gemeinde Feldkirchen bei Mattighofen. |
| • | Lage in der SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Innviertel |
| • | Ansicht in Street View |
| • | Web: Pfarrgemeinde Feldkirchen bei Mattighofen |
| • | Öffnungszeiten: aktuelle Hinweise bei der Pfarrgemeinde Feldkirchen bei Mattighofen. |
| • | Bilddokumentation |
| • | Ausführliche Beschreibung |
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Besonders willkommen sind Außenansicht mit ummauertem Kirchhof und Mesnerhaus, Innenraum, Hochaltar und Bartholomäus-Martyrium von Tobias Schinagl, die ältere Bartholomäusstatue, spätgotisches Kruzifix, Vierthaler-Stuck und Bartholomäusfresken, Seitenaltäre, historische Türbeschläge, Votivbilder, moderne Altarraumgestaltung sowie Aufnahmen vom Bartholomäus-Kirtag und Patronatsfest.
Mit diesen und weiteren Fotomotiven können Sie hier zur Dokumentation beitragen.
Die Filialkirche Aschau liegt weithin sichtbar auf einer Anhöhe nördlich der Straße von Mattighofen in Richtung Hochburg-Ach. Kirche und Mesnerhaus sind von einer Mauer umgeben und bilden ein geschlossen wirkendes Ensemble. Der Ortsname ist bereits im frühen 12. Jahrhundert urkundlich belegt. Ältere Darstellungen bringen die Anhöhe mit einem möglichen Burgstall und einem im frühen 13. Jahrhundert genannten Geschlecht "de Askahe" in Verbindung; für die Wallfahrtsgeschichte ist diese Deutung jedoch nicht entscheidend und lässt sich aus den vorliegenden Quellen nicht sicher mit dem heutigen Kirchenbau verknüpfen.
Der heutige Bau bewahrt einen gotischen Kern. Der Chor wird in die Zeit um die Mitte des 15. Jahrhunderts datiert. Im 17. und 18. Jahrhundert wurde die Kirche mehrfach verändert und erweitert. 1660 entstanden beiderseits des Chores Oratorienanbauten. 1736 wurde das Langhaus um ein westliches Joch verlängert und ein neuer Westturm errichtet. Aus derselben Ausbauphase stammen der reiche Bandl- und Gitterwerkstuck von Johann Michael Vierthaler beziehungsweise aus seinem Umfeld sowie die Fresken mit Szenen aus dem Leben des hl. Bartholomäus.
Die Ausstattung verbindet spätgotische, barocke und neuere Elemente. Erhalten sind unter anderem ein spätgotisches Kruzifix aus der Zeit um 1510/20, historische Türbeschläge sowie mehrere barocke Altäre und Figuren.
Das Patronat des hl. Bartholomäus bestimmte nicht nur die Ausstattung, sondern auch die Wallfahrt. Gustav Gugitz nennt als Kultgegenstand das Martyriumsgemälde des Heiligen auf dem Hochaltar, das Tobias Schinagl 1674 schuf. Zugleich weist er auf eine ältere Bartholomäusstatue hin, die über dem Südtor stand beziehungsweise dort überliefert war und möglicherweise der ältere Kultgegenstand gewesen sein könnte.
In der kunsthistorischen Literatur wird diese ältere Figur als bäuerliche Holzstatue des 15. Jahrhunderts beschrieben. Damit dürfte der Bartholomäuskult in Aschau deutlich älter sein als das barocke Hochaltarbild von 1674. Ob die Statue tatsächlich das ursprüngliche Wallfahrtsbild war, bleibt offen.
Der Hochaltar entstand um 1670/80. Seine Bildwerke werden dem sogenannten Meister von St. Florian bei Helpfau zugeschrieben, während die Gemälde von Tobias Schinagl aus Burghausen stammen. Das Hauptbild von 1674 zeigt das Martyrium des hl. Bartholomäus und stellte für die spätere Wallfahrt das zentrale Bild des Kirchenpatrons dar.
Auch die Seitenaltäre gehören zur bedeutenden Ausstattung der Kirche. Ältere Gemälde stammen von Johann Miller aus Burghausen. Die künstlerischen Beziehungen nach Burghausen und in das bayerisch-österreichische Grenzgebiet spiegeln die historische Lage Aschaus im kulturellen Austauschraum beiderseits der Salzach und des Inns.
Die Blüte der Wallfahrt war eng mit dem großen Bartholomäusmarkt verbunden. Nach Gugitz dauerte dieser Markt vier Wochen und wurde von vielen Tausenden Menschen besucht. Patronatsfest, Markt und Wallfahrt bildeten damit ein eng verbundenes religiöses und wirtschaftliches Ereignis.
Solche Märkte waren für Wallfahrtsorte von großer Bedeutung. Sie boten den Besuchern Versorgung, Handel und Gelegenheit zum Erwerb religiöser und alltäglicher Waren. Zugleich verstärkten sie den Zustrom zum Kirchenfest. In Aschau scheint der Bartholomäusmarkt zeitweise der wichtigste äußere Rahmen der Wallfahrt gewesen zu sein.
Gugitz überliefert einen bemerkenswerten Ablauf des Bartholomäustages. Die Wallfahrer gingen zunächst nach Hart und kamen nach der Frühmesse von dort nach Aschau. An diesem Tag wurde aus sehr weiter Umgebung nach Aschau gewallfahrtet. Später konzentrierte sich der Besuch weitgehend auf den Bartholomäustag selbst.
Damit waren Hart und Aschau in einer gemeinsamen Wallfahrtsbewegung verbunden. Der Besuch mehrerer Gnaden- oder Andachtsorte an einem Festtag gehört zu den typischen Formen älterer regionaler Wallfahrt. Für Aschau ist diese Verbindung besonders wertvoll, weil sie zeigt, dass der Ort nicht isoliert, sondern in ein größeres Netz religiöser Wege eingebunden war.
Der frühere Wallfahrtscharakter wird durch Votivbilder zusätzlich belegt. Gugitz nennt mehrere Stücke aus den Jahren 1634, 1641, 1684 und 1740 sowie jüngere Votivbilder. Ein Votivbild von 1634 soll eine Schlacht und einen bayerischen General dargestellt haben. Schon die Datierungen zeigen, dass die Votivpraxis in Aschau spätestens im 17. Jahrhundert fest verankert war.
Votivbilder machten persönliche Bitten und als erfahren verstandene Hilfe dauerhaft sichtbar. Sie gehören deshalb zu den wichtigsten materiellen Zeugnissen der Wallfahrt. Wie viele dieser Stücke heute noch erhalten sind, ist aus den herangezogenen Quellen nicht vollständig ersichtlich.
Eine besonders ungewöhnliche Nachricht betrifft einen vergoldeten Gegenstand, der in älteren Quellen als "Schnitzer" bezeichnet wird. Er galt als jenes Instrument, mit dem der hl. Bartholomäus gemartert worden sein soll. Bereits Gugitz setzte hinter die Bezeichnung ausdrücklich ein Fragezeichen und machte damit deutlich, dass das Wort erklärungsbedürftig ist.
1737 wurde das Dultrecht von Aschau nach Gern in Bayern übertragen; dabei soll auch dieser vergoldete Gegenstand nach Gern gelangt sein. Gugitz vermutet, dass es sich um einen verehrten Kultgegenstand gehandelt habe. Eine eindeutige Identifizierung des Objektes ist mit den derzeit vorliegenden Quellen nicht möglich. Es wäre daher verfehlt, aus der unklaren älteren Bezeichnung eigenmächtig ein bestimmtes Marterinstrument zu machen.
Die Verlagerung des Dultrechts nach Gern bedeutete für Aschau einen tiefen Einschnitt. Mit dem Markt verlor die Kirche einen wesentlichen Bestandteil des großen Besucherstroms. Der Bartholomäuskult selbst blieb bestehen, doch die wirtschaftliche und gesellschaftliche Infrastruktur des Festes veränderte sich grundlegend.
Ein zweiter schwerer Einschnitt folgte in der josephinischen Zeit. 1786 wurde die Kirche gesperrt, bereits 1787 jedoch wieder geöffnet. Gugitz berichtet, dass 30.000 Gulden Vermögen dem Religionsfonds zuflossen und die Kirche in dieser Zeit nahezu ausgeplündert worden sei. Die genauen Bestandteile dieses Vermögens und der Umfang der Verluste lassen sich aus seiner knappen Notiz nicht weiter aufschlüsseln.
Trotz dieser Eingriffe überlebte die Kirche als religiöser Mittelpunkt des Ortes. Der Wallfahrtsbetrieb erreichte allerdings nicht mehr die frühere Bedeutung des großen Bartholomäusmarktes.
Zur bemerkenswerten Ausstattung gehören neben Hoch- und Seitenaltären das spätgotische Kruzifix, historische Beschläge an Türen und Toren, die geschwungene Westempore sowie die reichen Stuck- und Freskendekorationen von 1736. Die Fresken greifen Szenen aus dem Leben des hl. Bartholomäus auf und beziehen damit den gesamten Kirchenraum in die Verehrung des Patrons ein.
Im Zuge einer neueren Restaurierung erhielt der Altarraum eine zeitgenössische Gestaltung. Wilhelm Scherübl schuf 2014 Altar, Ambo und Sedes. Der Altar besteht aus massiver Eiche mit einer Platte aus Untersberger Marmor; auch der Ambo nimmt dieses Material auf. Die moderne Ausstattung wurde behutsam in den historischen Raum eingefügt.
Die Filialkirche Aschau wird weiterhin liturgisch genutzt. Gottesdienste finden auch außerhalb des Patronatsfestes statt. Das Bartholomäus-Patrozinium und die örtliche Kirtagstradition erinnern bis heute an die frühere Bedeutung des Festes. Eine regelmäßig organisierte Wallfahrt im historischen Umfang ist derzeit jedoch nicht belegt.
Aschau ist für die Wallfahrtsforschung besonders interessant, weil hier mehrere Elemente zusammenkommen: ein alter Heiligenkult, möglicherweise wechselnde Kultgegenstände, zahlreiche Votivbilder, eine mehrwöchige Dult mit tausenden Besuchern, eine feste Wallfahrtsroute über Hart und ein ungewöhnlicher, heute nur noch schwer zu deutender verehrter Gegenstand.
Der Ort zeigt damit exemplarisch, wie Wallfahrt, Markt und Patronatsfest ineinandergreifen konnten. Zugleich machen die Verluste von 1737 und 1786 deutlich, wie stark politische und wirtschaftliche Eingriffe die äußere Form einer Wallfahrt verändern konnten, während die kirchliche Verehrung des Patrons fortbestand.
- Gustav Gugitz: Österreichs Gnadenstätten in Kult und Brauch. Ein topographisches Handbuch zur religiösen Volkskunde. Band 5: Oberösterreich und Salzburg. Wien 1958, S. 10.
- Anton Obermüller: Kurzgefaßte Chronik der Pfarre Feldkirchen im Innkreise. Braunau, o. J.
- Kajetan Schachinger: Geschichte der Kirche und Wallfahrt zum allerheiligsten Erlöser in Hart. Innsbruck 1933.
- Die Kunstdenkmäler Österreichs. Dehio-Handbuch Oberösterreich. Innviertel.
- Österreichische Kunsttopographie, Band 30.
- Pfarrgemeinde Feldkirchen bei Mattighofen und Gemeinde Feldkirchen bei Mattighofen: Angaben zur Baugeschichte, Ausstattung und heutigen Nutzung der Filialkirche Aschau.
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Ergänzungen: Wolfgang Morscher
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