Engelhartszell, Haugstein, Wallfahrtskapelle Jägerbild

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Wallfahrt:Historischer Marienwallfahrtsort an einer Buche am Haugstein; aus dem an einem Baum verehrten "Jagabild" entwickelte sich eine Waldkapelle. Heute zugleich regionaler Andachtsort und Jägergedenkstätte des Bezirkes Schärding.
Status:Lebendiger regionaler Wallfahrts- und Andachtsort sowie Jägergedenkstätte.
Kultzentrum:Marienverehrung am historischen Jagabild-Platz; ein Teil des alten Buchenstammes wurde beim Neubau 1961 in den Altar einbezogen. Das heutige dreiteilige Altarbild verbindet Maria, die Greiner-Legende und den hl. Hubertus.
Ort:Haugstein oberhalb von Stadl, im Grenzbereich von Engelhartszell und Vichtenstein.
Bezirk/Region:Schärding / Sauwald.
Bundesland:Oberösterreich.
Lage und Besuch
• Lage: Haugstein oberhalb von Stadl; Zugang zu Fuß unter anderem von Stadl über den Kreuzweg.
• Lage in der SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Innviertel
• Ansicht in Street View (Luftbild)
• Web: Pfarrgemeinde Engelhartszell
• Öffnungszeiten: Die Kapelle liegt frei im Wald; aktuelle Hinweise zu Andachten und Gottesdiensten bei der Pfarrgemeinde beziehungsweise der Marktgemeinde Engelhartszell beachten.
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Bilddokumentation

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Besonders willkommen sind Außenansicht und Innenraum der Waldkapelle, das dreiteilige Altarbild von Käthe Herrmann-Bernhofer, der in den Altar einbezogene alte Buchenstrunk, Gedenkstein und Kapellenglocke, Jägergedenkzeichen, Kreuzwegstationen mit Hinterglasbildern, der Weg von Stadl, erhaltene Votivgaben oder ältere Andachtsbilder sowie Aufnahmen von Hubertusmesse und Andachten bei der Kapelle.

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Ausführliche Beschreibung

Lage und Charakter des Ortes

Die Wallfahrtskapelle Jägerbild, örtlich meist "Jagabild" oder "Jagabildkapelle" genannt, liegt im Wald am Haugstein oberhalb von Stadl. Der Standort befindet sich im Grenzbereich der Gemeinden Engelhartszell und Vichtenstein und ist von mehreren Seiten über Wald- und Wanderwege erreichbar. Von Stadl führt ein Kreuzweg mit vierzehn Stationen zur Kapelle. Die abgeschiedene Lage im Sauwald gehört wesentlich zum Charakter des Ortes: Das Jagabild ist kein Dorfheiligtum, sondern ein bewusst im Wald aufgesuchter Andachtsplatz.

Heute verbindet die Kapelle mehrere Funktionen. Sie bewahrt die Erinnerung an einen älteren marianischen Wallfahrtsort, dient weiterhin als Ziel gemeinsamer Andachten und Gottesdienste und ist zugleich Jägergedenkstätte des Bezirkes Schärding.

Das Jagabild an der Buche

Am Anfang der Überlieferung steht ein Marienbild, das an einer Buche am Haugstein angebracht worden sein soll. Der Baum wurde im Lauf der Zeit selbst Teil des Kultortes. Spätere Beschreibungen berichten, dass das Bild in einer Nische beziehungsweise Vertiefung des Stammes saß. Um diesen Baum entwickelte sich zunächst ein kleiner Andachtsplatz, danach eine hölzerne Kapelle.

Der Name "Jagabild" verweist damit ursprünglich nicht auf eine moderne Jägergedenkstätte, sondern auf ein von Jägerüberlieferung umgebenes Marienbild im Wald. Erst später trat die organisierte Erinnerung der Jägerschaft stärker in den Vordergrund.

Die Greiner-Legende

Die bekannteste Ursprungserzählung verbindet den Kultplatz mit einem Jäger namens Greiner. Nach der örtlichen Überlieferung wurde ein für die Herrschaft Vichtenstein tätiger Jäger von Wilderern überwältigt, an eine Buche gebunden und in Lebensgefahr gebracht. In seiner Not rief er Maria um Hilfe an. Nach seiner Rettung befestigte er aus Dank ein Marienbild an dem Baum.

Ein Gedenkstein bei der heutigen Kapelle nennt für diese Begebenheit das Jahr 1697 und den Namen Leopold Greiner. Zeitgenössische Belege für genau diese Person und Jahreszahl sind jedoch nicht bekannt. In den örtlichen historischen Nachforschungen ist für die entsprechende Zeit vielmehr ein Oberjäger Johann Greiner nachweisbar. Die genaue Identifizierung des Jägers bleibt daher unsicher, während die Greiner-Erzählung als lokale Gründungslegende fest verankert ist.

Ameisenhaufen und wunderbare Befreiung

Die Legende wurde in verschiedenen Fassungen erzählt. Eine Version schildert den Gefesselten so an den Baum gebunden, dass sein Kopf bei einem Ameisenhaufen zu liegen kam. Nach dem Gebet zu Maria hätten sich die Fesseln gelöst, sodass er sich befreien konnte. In dieser Fassung geschieht die Rettung unmittelbar durch die Fürsprache Mariens.

Die genaue Form des Geschehens ist nicht historisch überprüfbar. Die Erzählung erklärt jedoch, weshalb die Buche und das dort befestigte Marienbild als besonders wirksam und verehrungswürdig galten.

Der weiße Hirsch

Eine andere, heute besonders bekannte Variante lässt einen weißen Hirsch erscheinen. Das Tier kommt aus dem Wald, nähert sich dem gefesselten Jäger und beißt die Stricke durch. Auch diese Rettung wird als Antwort auf das Mariengebet verstanden.

Die örtliche Forschung hat darauf hingewiesen, dass der weiße Hirsch möglicherweise erst durch die Hubertusdarstellung in die Legende gelangte. An der alten Kultstätte befand sich neben dem Marienbild offenbar auch ein Bild des hl. Hubertus, dessen bekanntestes Attribut der Hirsch mit dem Kreuz zwischen dem Geweih ist. Ob diese ikonographische Verbindung tatsächlich die Entstehung der Hirsch-Fassung erklärt, lässt sich nicht beweisen; sie zeigt aber, wie Bildmotiv und mündliche Erzählung einander beeinflusst haben können.

Vom Bildbaum zur Kapelle

Mit wachsender Verehrung wurde der Baum zunächst geschützt und schließlich in einen kleinen Kapellenbau einbezogen. Die ältere Kapelle war unmittelbar an den Stamm angebaut. Durch ein Fenster beziehungsweise eine Öffnung konnte das Marienbild im Baum verehrt werden. Der Kultort blieb damit auch baulich auf die ursprüngliche Buche bezogen.

Die ältere Kapelle entwickelte sich zu einem regionalen Gnadenort. Menschen kamen nicht nur wegen der Jägerlegende, sondern mit persönlichen Anliegen und in der Hoffnung auf Hilfe zur Gottesmutter.

Votivgaben

Die ältere Ortsdokumentation erinnert an Votivgaben beim Jagabild. Genannt werden gipserne Hände und Füße sowie Krücken. Solche Gegenstände gehören zu den klassischen Dank- und Bittvotiven und zeigen, dass der Ort zeitweise auch mit Krankheiten, Verletzungen und körperlicher Genesung verbunden war.

Gerade diese Zeugnisse sind für die Einordnung als Wallfahrtsort wichtig. Das Jagabild war nicht bloß ein Erinnerungsplatz für einen einzelnen Jäger, sondern ein Gnadenort, an dem individuelle Anliegen materiell sichtbar gemacht wurden. Der heutige Bestand dieser älteren Votive ist jedoch nicht ausreichend dokumentiert.

Der Neubau von 1961

Die alte Kapelle und der Baum waren schließlich nicht mehr in einem Zustand, der eine dauerhafte Erhaltung des bisherigen Baues zuließ. 1961 errichtete die Jägerschaft des Bezirkes Schärding eine neue hölzerne Kapelle. Die Anlage wurde am 25. Juni 1961 vom Abt des Stiftes Engelszell geweiht.

Die Jägerschaft finanzierte den Neubau wesentlich mit. Aus dem Umfeld von Schloss Vichtenstein kamen Bauholz und Unterstützung; die Altarplatte wurde vom Stift Engelszell zur Verfügung gestellt, und die Marktgemeinde Engelhartszell unterstützte die künstlerische Ausstattung. Der Entwurf stammte aus dem Umfeld der oberösterreichischen Landesbaudirektion, ausgeführt wurde der Holzbau von einer regionalen Zimmerei.

Der alte Buchenstamm im neuen Altar

Beim Neubau wurde die Verbindung zum früheren Kultort bewusst erhalten. Ein Teil des alten Buchenstammes wurde in den Altar einbezogen. Dadurch blieb ein materielles Relikt jenes Baumes erhalten, an dem nach der Überlieferung das ursprüngliche Marienbild befestigt gewesen war.

Dieser Stammteil besitzt damit eine besondere erinnerungskulturelle Bedeutung. Die neue Kapelle steht nicht nur am alten Platz, sondern trägt ein Stück des ursprünglichen Kultortes in ihrem liturgischen Zentrum weiter.

Das dreiteilige Altarbild

Das dreiteilige Altarbild der neuen Kapelle schuf 1961 die Engelhartszeller Malerin Käthe Herrmann-Bernhofer. Im Mittelpunkt steht Maria mit dem Jesuskind. Daneben werden die Greiner-Legende und der hl. Hubertus dargestellt; zum Hubertusmotiv gehört der Hirsch mit dem Kreuz zwischen dem Geweih.

Das Altarbild verbindet damit die verschiedenen Schichten der Ortsgeschichte: den älteren Marienkult, die Rettungslegende des Jägers und die seit dem Neubau besonders hervorgehobene Hubertus- und Jägertradition. Die moderne Ausstattung erklärt den Ort nicht durch ein einziges Ereignis, sondern fasst seine gewachsene Überlieferung bildlich zusammen.

Vom Wallfahrtsort zur Jägergedenkstätte

Mit dem Neubau von 1961 erhielt die Kapelle eine zusätzliche Funktion als Jägergedenkstätte des Bezirkes Schärding. Verstorbene Jäger werden dort in besonderer Weise erinnert, und die Jägerschaft pflegt den Ort als gemeinschaftlichen religiösen Mittelpunkt.

Diese neue Aufgabe ersetzte den älteren Marienkult nicht vollständig. Vielmehr wurde die Jägertradition an einen bereits bestehenden religiösen Ort angefügt. Gerade darin liegt eine Besonderheit des Jagabildes: Eine historische Marienwallfahrt und moderne berufsständische beziehungsweise jagdliche Erinnerungskultur überlagern sich, ohne einander völlig zu verdrängen.

Hubertusmesse und heutiges religiöses Leben

Die Kapelle wird weiterhin für Gottesdienste und Andachten genutzt. Besonders wichtig ist die Hubertusmesse der Jägerschaft, bei der auch der verstorbenen Jagdkameraden gedacht wird. Daneben führen gemeinschaftliche Andachten zum Jagabild; in jüngerer Zeit ist insbesondere ein gemeinsamer Weg von Stadl zur Kapelle an Mariä Himmelfahrt dokumentiert.

Damit ist der Ort nicht als erloschene Wallfahrt zu betrachten. Die Formen haben sich gegenüber dem älteren Votiv- und Heilungskult verändert, doch das gemeinschaftliche religiöse Aufsuchen der Kapelle besteht fort.

Der Kreuzweg von Stadl

Von Stadl führt ein Kreuzweg mit vierzehn Stationen durch den Wald zur Jagabildkapelle. Er macht den Weg selbst zu einem Bestandteil der Andacht. Die Stationen wurden im 20. Jahrhundert erneuert; Käthe Herrmann-Bernhofer schuf die Hinterglasbilder. Spätere Restaurierungen und eine neuerliche Segnung sicherten den Fortbestand des Weges.

Der Kreuzweg zeigt, dass das Jagabild heute nicht nur als punktuelles Ziel wahrgenommen wird. Der Aufstieg beziehungsweise Weg durch den Wald ist religiös gegliedert und schafft eine bewusste Annäherung an die Kapelle.

Zur Bezeichnung und örtlichen Zuordnung

Die Kapelle wird in den örtlichen Quellen sowohl von Engelhartszell als auch von Vichtenstein als Sehenswürdigkeit und Erinnerungsort geführt. Der Haugstein liegt im unmittelbaren Grenzraum beider Gemeinden. Für die Wallfahrtsdokumentation wird der bestehende Bezug zu Engelhartszell und Stadl beibehalten; zugleich ist der enge historische Zusammenhang mit der Herrschaft und Gemeinde Vichtenstein für die Greiner-Überlieferung wesentlich.

Volkskundliche Bedeutung

Das Jagabild ist volkskundlich besonders interessant, weil sich hier verschiedene Formen religiöser Erinnerung überlagern. Ausgangspunkt ist ein an einem Baum befestigtes Marienbild. Daraus entwickelt sich ein Wallfahrtsplatz mit Votivgaben. Die Rettungslegende wird in mehreren Varianten erzählt, wobei der weiße Hirsch möglicherweise durch die Hubertusikonographie beeinflusst wurde. Im 20. Jahrhundert wird der alte Gnadenort schließlich zur Jägergedenkstätte, ohne seine marianische Prägung vollständig zu verlieren.

Der erhaltene Buchenstrunk im Altar macht diese Entwicklung materiell sichtbar. Er verbindet die heutige Kapelle mit dem alten Bildbaum und bewahrt damit ein Stück des ursprünglichen Kultortes. Das Jagabild zeigt besonders anschaulich, wie Wallfahrtsorte ihre Bedeutung verändern können und dennoch an einem konkreten Platz, an einer Erzählung und an einem materiellen Erinnerungsstück festhalten.

Literatur und Quellen

- Marktgemeinde Engelhartszell: Ortsgeschichtliche Dokumentation zum Jagabild am Haugstein.

- Gemeinde Vichtenstein: Ortsgeschichtliche Angaben zum Jägerbild am Haugstein.

- Bezirksjägerschaft Schärding: Dokumentation zur Jagabildkapelle und zur Jägergedenkstätte.

- Pfarrgemeinde Engelhartszell: Hinweise zu Andachten und kirchlicher Nutzung der Kapelle.

- Lokale Chronik zum Kreuzweg Stadl–Jagabild und zu den Hinterglasbildern von Käthe Herrmann-Bernhofer.

Ergänzungen: Wolfgang Morscher

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