Eitzing, Pfarr- und Wallfahrtskirche Mariä Himmelfahrt

Schnellüberblick
Wallfahrt:Historische und bis heute lebendige Marienwallfahrt zur spätgotischen Schutzmantelmadonna; besonders die traditionelle Rieder Fußwallfahrt zu Mariä Himmelfahrt am 15. August.
Status:Lebendiger regionaler Marienwallfahrtsort.
Kultzentrum:Spätgotische, gekrönte Schutzmantelmadonna um 1480 im Hochaltar von 1637.
Ort:Eitzing.
Bezirk/Region:Ried im Innkreis / Innviertel.
Bundesland:Oberösterreich.
Lage und Besuch
• Lage: Kirchenplatz 52, 4970 Eitzing.
• Lage in der SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Innviertel
• Ansicht in Street View
• Web: Pfarrgemeinde Eitzing
• Öffnungszeiten: aktuelle Hinweise bei der Pfarrgemeinde Eitzing.
Direkt zum Inhalt
•Bilddokumentation
•Ausführliche Beschreibung

Bilddokumentation

Wir haben leider noch keine Fotos dieses Wallfahrtsortes.

Besonders willkommen sind Außenansicht und Innenraum, Hochaltar und Schutzmantelmadonna in Gesamt- und Detailansicht, die Seitenaltäre mit den Schwanthaler-Figuren, gotisches Südportal und historische Türbeschläge, Sakristeitür, Totenkapelle mit Rokokostuck und Fresken, das Kruzifix in der Totenkapelle, Grabsteine sowie Aufnahmen der Rieder Wallfahrt zu Mariä Himmelfahrt und weiterer Festbräuche.

Foto von Wallfahrtskirche Eitzing einsenden

Mit diesen und weiteren Fotomotiven können Sie hier zur Dokumentation beitragen.

Ausführliche Beschreibung

Lage und heutige Bedeutung

Die Pfarr- und Wallfahrtskirche Mariä Himmelfahrt steht im Ortszentrum von Eitzing westlich von Ried im Innkreis. Im Mittelpunkt der Wallfahrt steht eine spätgotische Schutzmantelmadonna aus der Zeit um 1480. Eitzing gehört zu jenen kleineren Innviertler Marienwallfahrten, deren Bedeutung weniger in einem überregionalen Massenbesuch als in einer lang dauernden regionalen Tradition liegt. Besonders eng ist der Ort mit Ried im Innkreis verbunden: Zu Mariä Himmelfahrt am 15. August führt bis heute die traditionelle Rieder Fußwallfahrt nach Eitzing.

Frühgeschichte und die Herren von Eitzing

Die Herren von Eitzing sind seit der Mitte des 12. Jahrhunderts urkundlich fassbar; der Ortsname erscheint in älteren Formen wie "Icingen". Eine ältere Tradition bringt die Kirche mit der Burg beziehungsweise einer Schlosskapelle dieses Geschlechts in Verbindung. Für eine unmittelbare Gründung der heutigen Kirche durch die Herren von Eitzing fehlt jedoch ein eindeutiger urkundlicher Nachweis. Die bloße Nennung des Orts- oder Geschlechternamens im 12. Jahrhundert erlaubt noch keine sichere Datierung des bestehenden Kirchenbaues in diese Zeit.

Die ältere Überlieferung einer Schlosskapelle bleibt für die Ortsgeschichte dennoch bemerkenswert. Sie zeigt, wie eng die Erinnerung an Kirche, Burg und das bedeutende Geschlecht der Eitzinger miteinander verbunden wurde. Für die Baugeschichte ist dagegen vor allem der gotische Bestand maßgeblich.

Der gotische Kirchenbau

Die Kirche ist im Kern ein gotischer Bau mit einschiffigem Langhaus und eingezogenem Chor. Von dieser Bauphase sind mehrere charakteristische Elemente erhalten, darunter das gotische Südportal, historische Türbeschläge, die beschlagene Sakristeitür und die kreuzrippenunterwölbte Westempore. Die ursprünglich vorhandenen Gewölberippen in Langhaus und Chor wurden im Zuge späterer Veränderungen entfernt, sodass der Innenraum heute wesentlich stärker barock geprägt erscheint.

Gerade das Nebeneinander von gotischer Bausubstanz und barocker Ausstattung macht den Reiz des Kirchenraumes aus. Die mittelalterliche Marienfigur blieb erhalten und wurde später in einen neuen Hochaltar integriert.

Die Schutzmantelmadonna um 1480

Das eigentliche Kultzentrum ist eine gekrönte, sitzende Schutzmantelmadonna aus der Zeit um 1480. Maria hält das Zepter in der rechten Hand; auf ihrem linken Schoß steht das gekrönte Jesuskind, das mit der rechten Hand segnet. Gustav Gugitz führt diese Statue ausdrücklich als Kultgegenstand der Wallfahrt an.

Die Figur ist damit älter als der heutige Hochaltar und gehört noch in die spätgotische Frömmigkeitswelt. Ihre spätere Einfügung in die barocke Altararchitektur zeigt, dass der ältere Marienkult nicht durch die Umgestaltung der Kirche ersetzt, sondern bewusst weitergeführt wurde.

Der Hochaltar von 1637

Der Hochaltar entstand 1637. Mit seiner Ausführung werden der Tischler Hans Widmann und der Rieder Bildhauer Ludwig Vogl verbunden. Die spätgotische Madonna wurde in die barocke Anlage aufgenommen und bildet deren Mittelpunkt. Dadurch erhielt das ältere Kultbild eine neue repräsentative Rahmung.

Die Entwicklung ist für einen Wallfahrtsort typisch: Ein bereits verehrtes älteres Bildwerk bleibt bestehen, während sich die architektonische und künstlerische Umgebung verändert. Der Hochaltar zeigt damit zugleich Kontinuität und Wandel des Marienkultes.

Die Seitenaltäre und Thomas Schwanthaler

Auch die Seitenaltäre gehören zur bedeutenden barocken Ausstattung der Kirche. Sie tragen Skulpturen aus dem Umfeld beziehungsweise von Thomas Schwanthaler, der im 17. Jahrhundert zu den wichtigsten Bildhauern des Innviertels zählte. Überliefert sind unter anderem Figuren der Heiligen Georg, Jakob, Sebastian und Florian.

Damit ist Eitzing nicht nur als Wallfahrtsort, sondern auch kunstgeschichtlich eng mit der Rieder Bildhauertradition verbunden. Die Nähe zu Ried zeigt sich also sowohl in der Ausstattung als auch in der Wallfahrtsgeschichte.

Die Totenkapelle von 1758

An die Kirche ist eine kleine Arme-Seelen- beziehungsweise Totenkapelle angebaut, die 1758 entstand. Sie bildet einen eigenen Rokokoraum mit reichem Stuck und zwölf freskierten Bildfeldern. Szenen, Embleme und volkstümliche Sinnsprüche beschäftigen sich mit dem Tod Christi, dem Sterben des Menschen und der Hoffnung auf Erlösung.

Die Kapelle besitzt dadurch eine andere Funktion als der marianische Hauptraum der Kirche. Während die Wallfahrt auf die Schutzmantelmadonna ausgerichtet ist, konzentriert sich die Totenkapelle auf Tod, Jenseitsvorsorge und Arme-Seelen-Frömmigkeit. Beide Bereiche gehören jedoch zur religiösen Alltagswelt des 18. Jahrhunderts.

Besonders bemerkenswert ist ein Kruzifix aus dem Schwanthaler-Umkreis. Bei der Restaurierung der Totenkapelle wurde seine ursprüngliche barocke Fassung wieder sichtbar, darunter eine selten erhaltene sogenannte "Leichenfarbe", mit der der tote Körper Christi besonders eindringlich dargestellt wurde. Die Totenkapelle wurde im späten 20. Jahrhundert umfassend restauriert.

Der vollkommene Ablass von 1744

Für das Jahr 1744 ist ein vollkommener Ablass für Eitzing überliefert. Auch Gustav Gugitz nennt dieses Datum ausdrücklich. Ein solcher Ablass erhöhte die religiöse Attraktivität eines Wallfahrtsortes erheblich, weil der Besuch mit einer besonderen kirchlichen Heilszusage verbunden werden konnte.

Spätere Darstellungen nennen außerdem eine Ablassverleihung im 19. Jahrhundert. Solange die zugrunde liegenden Urkunden nicht eindeutig miteinander in Beziehung gesetzt werden können, ist es sinnvoll, die sicher überlieferte Nachricht von 1744 für sich stehen zu lassen und spätere Privilegierungen davon zu unterscheiden.

Das historische Votivwesen

Gugitz berichtet, dass Eitzing einst zahlreiche Votivgaben besaß. In der josephinischen beziehungsweise aufklärerischen Zeit verschwand dieser Bestand weitgehend. Einzelne Formen oder Motive nennt er nicht mehr, sodass sich die frühere Votivpraxis heute nur allgemein rekonstruieren lässt.

Der Verlust ist dennoch aufschlussreich. Votivgaben waren sichtbare Zeugnisse individueller Bitten und Danksagungen und damit ein wichtiges materielles Gedächtnis der Wallfahrt. Ihr Verschwinden zeigt, wie tief die Reformen des späten 18. Jahrhunderts in die ältere Wallfahrts- und Frömmigkeitskultur eingriffen.

Niedergang in der Aufklärungszeit

Gugitz beschreibt die Wallfahrt als durch die Aufklärung stark vernachlässigt. Dieser Rückgang entspricht einer Entwicklung, die viele kleinere Wallfahrtsorte im späten 18. Jahrhundert traf. Staatliche und kirchliche Reformen schränkten Prozessionen, Votivpraxis und örtliche Sonderkulte ein oder versuchten, sie stärker an die Pfarrseelsorge zu binden.

Eitzing erlosch jedoch nicht vollständig als Wallfahrtsort. Die ältere Marienverehrung blieb am Kultbild haften und wurde später erneut belebt.

Pfarrwerdung 1785

Eitzing gehörte lange zur Pfarre Aurolzmünster. Im Zuge der josephinischen Pfarrregulierung wurde der Ort 1784/85 kirchlich verselbständigt; Gugitz bezeichnet Eitzing ausdrücklich als seit 1785 bestehende Pfarre. Die ältere Angabe, Eitzing sei erst 1891 zur Pfarre erhoben worden, lässt sich mit den heutigen Quellen nicht vereinbaren und ist nicht zu übernehmen.

Die Rieder Wallfahrt

Die wichtigste bis heute fortlebende Wallfahrt kommt aus Ried im Innkreis. Nach der dort gepflegten Überlieferung hängt sie mit einem Brandgelübde zusammen. Besonders der verheerende Brand vom 16. April 1704, der im Rieder Vormarkt große Schäden und Todesopfer forderte, wird als Anlass genannt, sich der Eitzinger Schutzmantelmadonna anzuvertrauen und eine regelmäßige Wallfahrt zu geloben.

Die genaue Entstehung der Tradition ist in den älteren Quellen nicht in allen Einzelheiten gesichert; auch frühere Brandereignisse werden in Ried erinnert. Für die heutige Wallfahrtskultur ist jedoch entscheidend, dass die Verbindung Ried–Eitzing seit Jahrhunderten als Gelöbniswallfahrt verstanden wird.

Wiederbelebung im 20. Jahrhundert

Nach Unterbrechungen wurde die Rieder Wallfahrt nach dem Zweiten Weltkrieg bewusst wieder aufgenommen. Bereits 1946 setzte eine Erneuerung ein, und 1947 wurde die traditionelle Wallfahrt zu Mariä Himmelfahrt wieder durchgeführt. In den folgenden Jahren war der Zustrom zeitweise so stark, dass die kleine Kirche die Teilnehmer kaum aufnehmen konnte.

Interessant ist, dass Gugitz schon bei seinem Besuch 1939 vermerkte: "Nun wieder Wallfahrt von Ried aus." Damit ist die Verbindung bereits vor der erneuten Nachkriegsbelebung greifbar. Die Tradition wurde also nicht neu erfunden, sondern mehrfach erneuert und an veränderte Bedingungen angepasst.

Die Wallfahrt zu Mariä Himmelfahrt heute

Bis heute ziehen Wallfahrer aus Ried am 15. August nach Eitzing. Der Weg wird zu Fuß zurückgelegt und führt zur Feier bei der Schutzmantelmadonna. Mariä Himmelfahrt ist damit nicht nur das Patrozinium der Kirche, sondern zugleich der wichtigste lebendige Wallfahrtstermin.

Die heutige Rieder Wallfahrt verbindet religiöses Gelöbnis, gemeinsames Gehen, marianische Festfrömmigkeit und regionale Erinnerung. Gerade diese Kontinuität macht Eitzing zu einem lebendigen Wallfahrtsort und nicht bloß zu einer ehemaligen Gnadenstätte.

Volkskundliche Bedeutung

Eitzing unterscheidet sich von den Quell- und Heilwallfahrten des Innviertels. Weder eine Heilquelle noch ein spezifischer Krankheitskult steht im Mittelpunkt. Die Wallfahrt richtet sich vielmehr auf die Gottesmutter selbst und verbindet sich besonders mit Gelübde, Prozession und regionaler Erinnerung.

Die Schutzmantelmadonna erhält dadurch eine doppelte Bedeutung: Sie ist ein spätgotisches Kunstwerk und zugleich ein über Jahrhunderte wirksames religiöses Bezugssymbol. Die Rieder Wallfahrt zeigt, wie ein lokales Kultbild eine dauerhafte Verbindung zwischen zwei Orten schaffen kann. Brandgedächtnis, Gelübde, Festtermin und gemeinsamer Fußweg bilden zusammen eine bis heute lebendige Wallfahrtstradition.

Literatur und Quellen

- Gustav Gugitz: Österreichs Gnadenstätten in Kult und Brauch. Ein topographisches Handbuch zur religiösen Volkskunde. Band 5: Oberösterreich und Salzburg. Wien 1958, S. 21.

- Ignaz Lamprecht und Franz Lang: Aurolzmünster, Peterskirchen und Eitzing. Ried 1906.

- Die Kunstdenkmäler Österreichs. Dehio-Handbuch Oberösterreich. Innviertel. Horn/Wien.

- Bundesdenkmalamt: restauratorische und kunsthistorische Dokumentation zur Totenkapelle Eitzing.

- Pfarrgemeinde Eitzing und Pfarren von Ried im Innkreis: geschichtliche Angaben zur Kirche und zur Rieder Wallfahrt.

Ergänzungen: Wolfgang Morscher

© www.SAGEN.at