Brunnenthal, Pfarrkirche und Brunnenkapelle Brunnenthal
Aus einem Felsen entsprang eine Quelle, seit jeher "der heilige Brunnen" genannt; sie diente sowohl den umliegenden Bauern für den Hausbedarf, doch wurde sie auch als Heilquelle besucht. Der Bauer Georg Auer zu Haraberg errichtete zum Dank für Genesung von schwerer Krankheit um 1640 eine noch erhaltene, gemauerte Martersäule beim hl. Bründl und stellte dabei einen Opferstock auf. Die Wallfahrt nahm zu. An Sonn- und Feiertagen kamen oft 200 bis 400 Personen in Prozessionen zur Quelle. Nach verschiedenen obrigkeitlichen Schwierigkeiten konnte, vor allem aus den Spenden, 1656 eine Kapelle, die erst als Chor für eine Kirche gedacht war, dann 1667 bis 1668 die Kirche selbst erbaut werden. Es entstand hier eine richtige Wallfahrtssiedlung. Neben der Kirche und dem Bildstock entstanden noch die Brunnenkapelle, das Brunnenhaus, eine Kapelle, ein Badhaus, das Benefiziatenhaus und schließlich der Pfarrhof.
Die Kirche macht einen sehr reichen Eindruck. Das Altarblatt des aus dem Jahre 1688 stammenden Hochaltars zeigt eine Darstellung der Auffindung der Wunderquelle; ferner sind an diesem Altar bemerkenswert das Antependium mit einer Reliefdarstellung des Stammbaumes Christi, ebenfalls aus dem 17. Jahrhundert, und der Rokoko-Tabernakel aus der Mitte des 18. Jahrhunderts. Die Seitenaltäre sind ähnlich gearbeitet wie der Hochaltar und stammen von 1677. Der linke Seitenaltar trägt die Gnadenstatue. Auch die Kanzel wurde im selben Jahr geschaffen, sie fällt auf durch die vorgebeugte Halbfigur eines Engels, der die Kanzel trägt. Das hervorragende Chorabschlussgitter wurde 1695 bis 1700 geschaffen. Im Langhaus ist besonders hervorzuheben eine Figurengruppe der hl. Anna-Selbdritt, ebenfalls aus der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts. An der Westempore befinden sich gute Gemälde aus dem Marienleben. Die Orgel wurde 1715 aufgestellt. In der Sakristei steht ein Altärchen von ca. 1662; während des Kirchenbaues wurde an ihm Messe gelesen. Der Turm wurde an die fertige Westfassade nachträglich angebaut. Durch Putzbänder wurde er in sechs Geschosse geteilt, von denen einige Nischen haben. Die Nischen tragen im 3. Geschoß einen Schmerzensmann aus dem 17. Jahrhundert, im 4. Geschoß ein Kruzifix, im 5. Geschoß eine Salvatorstatue aus dem 18. Jahrhundert. Auffallend an diesem Turm, der ungeheuer hoch wirkt, ist die hohe, schlanke Glockenstube und der schöne, kupfergedeckte Zwiebelhelm. Auf der Kugel befindet sich eine in Kupfer getriebene Muttergottes mit Kind in Flammenmandorla von 1668. Die Arbeiten in der Kirche wurden von Schärdinger, Passauer und Münchener Künstlern und Meistern ausgeführt.
Die Brunnenkapelle wurde 1718 bis 1720 erbaut; das barocke Schmiedeeisengitter ist gleichzeitig, während der Rokoko-Altar erst aus dem 3. Viertel des 18. Jahrhunderts stammt. Die Brunnenkapelle wurde 1785 gesperrt und verkauft, 1810 aber wieder eröffnet.
Die Kapelle, etwas oberhalb der Kirche, ist ein kleiner, offener Rundbogenbau aus dem 18. Jahrhundert mit gutem Schmiedeeisengitter aus dem 2. Drittel des 17. Jahrhunderts. Die Kapelle stellt eine Grotte dar, in der sich barocke Figuren, nämlich die Muttergottes mit Kind und zwei, einen Stein zersägenden Engeln (Kirchenbaulegende!) befinden. Die Kapelle ist leider etwas verwahrlost.
Das Brunnenhaus fällt vor allem durch seine schönen, schmiedeeisernen Fensterkörbe aus der Mitte des 18. Jahrhunderts auf; in Nischen befinden sich schwache Barockfiguren.
Neben dem Brunnenhaus wurde 1680 das Badhaus erbaut; es trägt noch am Rauchfang die Jahreszahl 1681; für bresthafte (gebrechliche) Personen war aber bereits 1649 eine Stube errichtet worden.
Das frühere Benefiziatenhaus ist jetzt Armenhaus und fällt durch seine charakteristische Innviertler Blockhaus-Bauweise auf.
Kultgegenstand: Auf dem linken Seitenaltar Statue einer gekrönten, sitzenden Muttergottes aus der Mitte des 17. Jahrhunderts. Maria hält in der rechten Hand das Zepter, und das nackte gekrönte Kind liegt auf dem Schoß der Mutter; das Kind hält rechts die Weltkugel. Diese Statue befand sich bis 1785 in der Brunnenkapelle und kam dann, als die Kapelle gesperrt wurde, in den Besitz eines Bauern; 1917 wurde sie aber wieder der Kirche zurückgestellt.
— In der alten Gnadenkapelle steht der vielleicht ursprüngliche Kultgegenstand, nämlich eine gekrönte Marienstatue über Halbmond, das gekrönte Kind auf dem linken Arm haltend.
— In der Bründlkapelle befindet sich eine bemalte, steinerne Marienstatue mit dem nackten Kind auf dem linken Arm, das die Hände ausstreckt. Zu Füßen dieser Statue entspringt die Heilquelle. Auch das Gemälde auf dem Hochaltar der Kirche mit der Darstellung der Auffindung der Quelle wird verehrt.
Legende: Dem an einem Fußleiden erkrankten Bauern Georg Auer erschien im Traum die Muttergottes und befahl ihm, sich mit dem Wasser aus der Quelle die Wunde zu waschen. Im Falle seiner Heilung gelobte er den Bau einer Kapelle, die er auch errichtete; beim Bau der Kirche halfen die Engel mit, damit es schneller ging.
Wallfahrt: Zur eisenhältigen Heilquelle; früher bedeutende Prozessionen aus Oberösterreich und Bayern; auch während der Zeit, als die Kapelle gesperrt war, kamen viele Gläubige, da man beim Öffnen auf dem Boden viele silberne und kupferne Münzen fand. In unserem Jahrhundert am 2. Juli vier bis sechs Prozessionen mit ungefähr 200 Pilgern; auch jetzt nur mehr am 2. Juli, besonders von Schärding aus.
Quelle: Hertha und Friedrich Schober, Kapelle, Kirche, Gnadenbild. Ein kunstgeschichtlicher und volkskundlicher Führer zu Wallfahrtsstätten in Oberösterreich. Linz 1972.
Mit freundlicher Genehmigung von Reinprecht Schober für SAGEN.at.
| | Lage: 4786 Brunnenthal. |
| | Lage in SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Innviertel |
| | Ansicht in Street View |
| | Web: Pfarrgemeinde Brunnenthal |
| | Geöffnet: |
Weitere Angaben: Dr. Ing. Heinrich Ludwig Werneck (gest. 1966) Botaniker, Landeskundler und Heimatforscher) schrieb über das heilige Brünnl zu Brunnenthal: "Ungefähr 3 km nordöstlich von Schärding entspringt in der Ortsgemeinde Brunnenthal am Rande des kristallinen Grundgebirges, zur Ortschaft Haraberg gehörig, in einem nach Nordwesten absinkenden Waldwinkel-Dobel eine Felsenquelle, gefaßt in einen Brunnen, welcher seit den ältesten Zeiten der „heilige Brunnen" genannt wird. Diese Quelle wurde seit jeher als heilkräftig gehalten und war im Laufe der Jahrhunderte das Ziel von vielen Bauern und zahlreichen Wallfahrten. In der Gegenreformation entstand zunächst oberhalb der Quelle ein kleines Kirchlein (heute Sakristei), späterum 1640 der Bau der heutigen Wallfahrtskirche, eingeweiht zu Ehren der Heimsuchung der seligsten Himmelskönigin. Um das Jahr 1680 erfolgte der Bau eines größeren Badhauses zur Aufnahme der Badegäste. ‚Die Heilquelle ist eine kalte, leichte Mineralquelle mit etwas Eisen und kalksaurer Erde. Heute halten nur die Bewohner des Rottales (gegenüber Schärding, im heutigen Bayern) die Gnadenquelle beim ‚Heilbrunn' noch in Ehren.‘ (Quelle: J. Lamprecht, Geschichte der Stadt Schärding. 1887, S. 109/12 und S. 356/57). In der Überlieferung des Volkes ist das „heilige Brünnl" vor allem aus dem Grunde lebendig geblieben, weil seit alters her diese Quelle von Frauen jedes Standes aufgesucht wurde: sie beteten dort um Kindersegen, um Gesundheit in ihren schweren Stunden zu den Brunnenheiligen, später zur Himmelskönigin. Nach der Geburt des Kindes wallfahrteten sie wieder zum Brünnl und dankten der Gottheit für die gesunde Geburt. Der Volksmund sagt heute noch, man müsse sich Augen, Mund und Ohren mit dem heilkräftigen Wasser waschen, dann blieben sie gesund. Die Frauen kauften sich nach den Gebeten an den Verkaufsständen in der Nähe des Brünnls oder auf dem Heimwege im nahen Schärding einen geweihten Lebzelten mit dem Bilde der 3 heiligen Jungfrauen; diese wurden augenscheinlich hauptsächlich für die Wallfahrer nach Brunnenthal in Schärding erzeugt. Das Brünnl ist heute stark verfallen, auch das einst stark besuchte Bauernbad ist heute außer Betrieb." Quelle: Heinrich Ludwig Werneck, Die heiligen drei Jungfrauen von Brunnental bei Schärding, Oö. Ihre Vorläufer und Nachfolger (Mit 2 Abb. auf Taf. XXVII u. XXVIII), Oberösterreichischer Musealverein - Gesellschaft für Landeskunde, https://www.ooekultur.at/location-detail/biologiezentrum Weitere Informationen: Zwischen der Gnadenkapelle und dem Badhaus liegt das eigentliche Zentrum der alten Brunnenthaler Wallfahrt, das "Bründl". Die alte Bezeichnung der Wallfahrtsstätte lautet "ad fontem marianum" (= zum Marienbrunnen). In der überdachten Brunnstube steht eine Steinstatue der Gottesmutter mit Jesukind, "aus deren Brust" - so schreibt der Pfarrer Seits 1832 – zu trockenen Zeit kristallhelles zur Regenzeit aber fast perlfärbiges Wasser hervorquillt, womit sich die Wallfahrer die Augen auswaschen". Die Zuleitung wurde wohl schon vor längerer Zeit verlegt, so dass das Wasser heute nicht aus der Brust, sondern aus einem eigenen Rohr kommt. Über der Marienstatue wacht Gottvater und an der Decke schwebt der Heilige Geist in Gestalt einer Taube. Links und rechts stehen in Nischen Joachim und Anna. Die Mittelnische wird durch ein schönes, schmiedeisernes Gitter abgeschlossen. (Quelle) Der zunehmende Wallfahrerstrom führte 1679/81 zur Errichtung des Badhauses. Das Schicksal des Badhauses war mit dem der Kirche stets eng verbunden. Mit dem Ausbleiben der Pilger seit 1785 war der wirtschaftliche Niedergang unausbleiblich. Versuche zur Neubelebung scheiterten oft an den zu großen Kosten und konnten erst in den letzten Jahren in weiterem Umfang betrieben werden. Die volkstümlichen Schnitzarbeiten der Gastwirtin Maria Fellner geben dem alten Badhaus heute wieder ein eigenes Gepräge. (Quelle)
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Bildquelle: © Irmgard Neubauer, 2024
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Bildquelle: © Irmgard Neubauer, 2024
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Bildquelle: © Irmgard Neubauer, 2024
Bildquelle: © Irmgard Neubauer, 2024
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| | Literatur zur Wallfahrt: |
| - Link Diözese Linz: Pfarrkirche Brunnenthal, Pfarr- und Wallfahrtskirche Mariä Heimsuchung | |
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Ergänzungen: Wolfgang Morscher © www.SAGEN.at |



