| Wallfahrt: | Regionale Marien- und Quellwallfahrt im Innviertel, besonders mit der Verwendung des Bründlwassers bei Augenleiden verbunden. Bis heute finden regelmäßig Bründlmessen statt. |
| Status: | Lebendiger regionaler Wallfahrts- und Andachtsort. |
| Kultzentrum: | Marienverehrung und Heilquelle; historisch Marienbild, später zusätzlich gekrönte Immaculata-Statue. |
| Ort: | Viehausen, Gemeinde Antiesenhofen. |
| Bezirk/Region: | Ried im Innkreis / Innviertel. |
| Bundesland: | Oberösterreich. |
| • | Lage: Viehausen, 4980 Antiesenhofen; die Kapelle liegt am bewaldeten Innabfall, die Quelle etwas tiefer unterhalb des Kapellenplateaus. |
| • | Lage in der SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Innviertel |
| • | Ansicht in Street View |
| • | Web: Pfarrgemeinde Antiesenhofen |
| • | Öffnungszeiten: aktuelle Hinweise zu Kapelle, Bründlmessen und Zugang bei der Pfarrgemeinde Antiesenhofen. |
| • | Bilddokumentation |
| • | Ausführliche Beschreibung |
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Besonders willkommen sind Außenansicht und Lage am Innhang, Innenraum und Altar, das ältere Marienbild und die Immaculata-Statue, Quelle und Wasseraustritt, Stiegenanlage und Kapellenplateau, erhaltene Votivbilder oder Andachtsbilder, Inschriften, der erneuerte Turm sowie Bründlmessen und andere Wallfahrtsbräuche.
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Die Bründlkapelle Viehausen liegt südlich von Antiesenhofen am steilen, bewaldeten Abfall zum Inn. Vom oberen Weg führt ein schluchtartiger Zugang über zahlreiche Stufen hinunter zu einem kleinen, von Bänken umgebenen Plateau mit der Kapelle; nochmals tiefer befindet sich die Quelle. Gustav Gugitz beschrieb bei seinem Besuch 1939 insgesamt 76 Stufen auf dem Weg gegen den Inn. Die landschaftliche Situation gehört wesentlich zum Charakter des Ortes: Kapelle, Stiegenweg, Waldhang und Wasser bilden eine kleine, in sich geschlossene Wallfahrtstopographie.
Die Kapelle wird bis heute als Wallfahrtskapelle genutzt. Ihre Bedeutung ist regional, aber keineswegs nur historisch. Das Bründlwasser wird weiterhin mit der Überlieferung von Hilfe bei Augenleiden verbunden, und in den wärmeren Monaten finden regelmäßig Bründlmessen statt.
Die örtliche Überlieferung nennt für eine erste Kapelle das Jahr 1734. Auch Gustav Gugitz gibt dieses Datum an. Die heutige Pfarrgeschichte spricht etwas allgemeiner von einer kleinen Kapelle zu Beginn des 18. Jahrhunderts. Sicher ist, dass der Gnadenort bereits vor dem Neubau des 19. Jahrhunderts bestand und eine ältere Phase der Marien- und Quellverehrung voraussetzt.
Ein besonders interessanter Hinweis sind die historischen Votivtafeln. Gugitz vermerkte, dass sich früher angeblich Stücke aus dem Jahr 1723 in der Kapelle befunden hätten. Da er diese Tafeln selbst nicht mehr vorfand, ist 1723 nicht als gesicherter Objektbefund zu behandeln. Die Überlieferung deutet jedoch darauf hin, dass der Kultplatz möglicherweise schon vor dem traditionellen Kapellendatum von 1734 aufgesucht wurde.
Die Entstehung des Wallfahrtsortes wird durch eine einfache, aber eindrückliche Legende erklärt. Nach der örtlichen Überlieferung wurde ein Marienbild vom Inn angeschwemmt und bei Viehausen an Land gebracht. Für dieses Bild habe man anschließend eine kleine Kapelle errichtet. Die Sage verbindet damit den Kultgegenstand unmittelbar mit der Flusslandschaft, in der die Kapelle bis heute liegt.
Ein historischer Nachweis für das Anschwemmen des Bildes ist nicht möglich; die Erzählung gehört zur Gründungsüberlieferung des Gnadenortes. Volkskundlich erklärt sie jedoch, weshalb gerade dieser Platz am Innhang als religiös ausgezeichnet galt. Vergleichbare Motive, bei denen ein Kultbild durch Wasser an seinen späteren Verehrungsort gelangt, begegnen auch an anderen Wallfahrtsstätten.
Die ältere Kapelle war klein und bot nur wenigen Besuchern Platz. 1851 wurde die heutige Kapelle von sechs Bauern aus Viehausen auf eigene Kosten errichtet beziehungsweise wesentlich vergrößert und neu ausgestattet. Am 30. Mai 1851 nahm der Altheimer Dechant Severin Kaufmann die Weihe vor. Damit erhielt der bereits bestehende Wallfahrtsplatz seine bis heute prägende bauliche Gestalt.
Eine in der Kapelle überlieferte Entstehungsgeschichte nennt die sechs Stifter mit ihren Höfen: Jakob Volksleithner vom Streichergut, Philipp Kaufdoppler vom Baumgartengut, Josef Gumpenberger vom Hubergut, Josef Weidinger vom Gaderergut, Georg Hofinger vom Öttlgut und Jakob Prunberger vom Winklergut. Die Namen zeigen, dass der Neubau kein herrschaftliches oder klösterliches Großprojekt war, sondern aus der bäuerlichen Nachbarschaft selbst getragen wurde.
Die Bründlkapelle gehörte kirchlich zu Antiesenhofen. Gugitz erinnert daran, dass Antiesenhofen und damit auch der Kapellenbereich früher den Benediktinern von Formbach unterstanden. Der lokale Kultplatz war damit in eine ältere benediktinische Pfarr- und Seelsorgestruktur eingebunden, während der konkrete Kapellenbau des 19. Jahrhunderts wesentlich von den Bewohnern Viehausens getragen wurde.
Gugitz konnte in der Kapelle noch zwei verschiedene marianische Ebenen erkennen. Im oberen Teil des Altares befand sich ein Marienbild, das mit der älteren Kulttradition verbunden werden kann. Zugleich stand dort eine gekrönte Marienstatue mit gefalteten Händen: Maria als Immaculata über der Weltkugel, um die sich die Schlange windet. Gugitz vermutete, dass diese Statue das ältere Bild als eigentliches Zentrum der Verehrung zunehmend ersetzt hatte.
Damit lässt sich die knappe ältere Formel "früher Marienbild, jetzt Immaculata-Statue" differenzierter verstehen. Offenbar war das ältere Bild noch vorhanden, während die Immaculata im Lauf der Zeit stärker in den Vordergrund trat. Die Veränderung des Kultzentrums zeigt, dass auch kleine Wallfahrtsorte ihre Ausstattung und Bildfrömmigkeit im Laufe der Jahrhunderte verändern konnten.
Unterhalb beziehungsweise seitlich der Kapelle tritt eine Quelle aus, die den Namen Bründlkapelle überhaupt erst verständlich macht. Gugitz beschreibt, wie das Wasser neben der Kapelle abfloss und zusätzlich über eine Blechrinne an die Außenseite des Baues geführt wurde. Für die Besucher stand ein Blechgefäß zum Trinken bereit.
Das Wasser galt besonders bei Augenleiden als hilfreich. Wallfahrer wuschen beziehungsweise benetzten damit ihre Augen oder nahmen Wasser mit nach Hause. Diese Praxis ist auch in jüngerer Zeit noch bezeugt. Wie bei anderen Augenbründln verband sich die körperliche Anwendung des Wassers mit Gebet und Marienverehrung. Eine medizinische Heilwirkung des Wassers ist damit nicht nachgewiesen; dokumentiert wird die religiöse Erwartung und die daraus entstandene Wallfahrtspraxis.
Für die Volkskunde ist der frühere Votivbestand der Kapelle besonders bedeutend. Gugitz sah bei seinem Besuch etwa hundert Votivbilder, die er ausdrücklich auch wegen ihrer Trachtendarstellungen für bemerkenswert hielt. Daneben befanden sich Öldrucke in der Kapelle. Für einen kleinen bäuerlichen Wallfahrtsort ist ein Bestand von rund hundert Tafeln außerordentlich beachtlich.
Das älteste von Gugitz selbst noch festgestellte Votivbild stammte aus dem Jahr 1797. Votivbilder, auf denen bereits die Marienstatue dargestellt war, setzten mit 1826 ein. Ältere Berichte nannten darüber hinaus Votivtafeln von 1723, die bei Gugitz jedoch nicht mehr vorhanden waren. Diese zeitliche Staffelung erlaubt einen seltenen Einblick in die Entwicklung des Wallfahrtskultes und zugleich in die Veränderung seiner Bildwelt.
Besonders aussagekräftig ist Gugitz' Hinweis, dass auf manchen Votivbildern ausschließlich Augen dargestellt waren. Hier wird das Wallfahrtsanliegen selbst zum Bildmotiv: Das erkrankte oder bedrohte Organ steht stellvertretend für die Bitte um Hilfe oder den Dank für eine als Gebetserhörung verstandene Besserung.
Die Augenbilder verbinden sich unmittelbar mit dem Bründlwasser. Gerade dadurch lässt sich die historische Praxis in Viehausen ungewöhnlich geschlossen rekonstruieren: Menschen kamen wegen eines Augenleidens zur Quelle, verwendeten das Wasser, beteten zur Gottesmutter und konnten ihren Dank anschließend in einem Votivbild sichtbar machen. Die ehemalige Bildersammlung war somit nicht bloß dekorative Ausstattung, sondern ein materielles Archiv der Wallfahrt.
Gugitz bemerkte außerdem, dass sich unter den Bildern einige Stücke befanden, die vermutlich von anderen Wallfahrtsorten stammten. Solche Zweitverwendungen sind für kleine Kapellen nicht ungewöhnlich. Sie zeigen, dass lokale Andachtsräume in eine größere religiöse Bilderwelt eingebunden waren und dass Andachts- und Votivbilder zwischen Haushalten, Kirchen und Gnadenorten wandern konnten.
Der von Gugitz noch beschriebene reiche Votivbestand ist heute nicht mehr in dieser Form vorhanden. Die Pfarrgeschichte erinnert ausdrücklich daran, dass zahlreiche Votivtäfelchen einst die Wallfahrt dokumentierten, heute aber verloren sind. Gerade deshalb besitzt Gugitz' Beschreibung hohen dokumentarischen Wert: Sie bewahrt zumindest textlich ein Inventar einer weitgehend verschwundenen volkskundlichen Sammlung.
Mit dem Verlust der Tafeln gingen nicht nur religiöse Gegenstände verloren. Votivbilder enthalten oft Ortsnamen, Personennamen, Jahreszahlen, Kleidung, Haus- und Landschaftsdarstellungen sowie Hinweise auf Unfälle und Krankheiten. Sie wären damit zugleich Quellen zur Alltags-, Sozial- und Trachtengeschichte des Innviertels gewesen.
Gugitz bezeichnet das historische Einzugsgebiet mit "Innviertel". Viehausen war somit keine große Fernwallfahrt, aber mehr als ein bloßes Nachbarschaftsheiligtum. Die Verbindung von Marienverehrung und Augenquelle machte die Kapelle im regionalen Wallfahrtsnetz bekannt.
Heute wird diese Tradition in kleinerer Form fortgeführt. Von Mai bis Oktober finden regelmäßig Bründlmessen statt. Besucher kommen außerdem unabhängig von den Gottesdiensten zur Kapelle und zur Quelle. Der Wallfahrtsbetrieb hat sich damit gegenüber früher verändert, ist aber nicht erloschen.
Die Bründlkapelle wird durch örtliches Engagement erhalten. In jüngerer Zeit waren nach Sturm- und Hagelschäden Arbeiten am Turm notwendig. Spenden und freiwillige Arbeit ermöglichten die Instandsetzung. Solche Maßnahmen zeigen, dass Kapelle und Quelle weiterhin als gemeinsames religiöses und kulturelles Erbe der Umgebung verstanden werden.
Viehausen ist ein besonders gutes Beispiel für eine bäuerlich geprägte Quellwallfahrt des Innviertels. Die kleine Kapelle, ihre Lage am steilen Innhang, die Sage vom angeschwemmten Marienbild, das heilkräftig verstandene Wasser und der große frühere Bestand an Votivbildern bilden ein eng miteinander verbundenes Kultensemble.
Besonders wertvoll ist die Kombination aus Quelle und Augen-Votiven. Sie macht sichtbar, wie religiöse Heilserwartung in konkrete Handlungen und Gegenstände übersetzt wurde. Die Wallfahrt bestand nicht nur aus dem Besuch einer Kapelle, sondern aus dem Abstieg zur Quelle, dem Trinken oder Waschen mit dem Wasser, dem Gebet vor Maria und gegebenenfalls der Stiftung eines Bildes. Gerade diese materiellen und körperlichen Formen der Frömmigkeit machen die Bründlkapelle Viehausen zu einem wichtigen volkskundlichen Wallfahrtsort.
- Gustav Gugitz: Österreichs Gnadenstätten in Kult und Brauch. Ein topographisches Handbuch zur religiösen Volkskunde. Band 5: Oberösterreich und Salzburg. Wien 1958, S. 137.
- Adalbert Depiny: Oberösterreichisches Sagenbuch. Linz 1932, S. 338.
- Gustav Gugitz nennt außerdem: Kolb, Oberösterreich, S. 219; Theologisch-praktische Quartalschrift 1888, S. 563; Kriss, S. 331; Beissel, Marienverehrung, S. 417 und 419; Heimatkundliche Veröffentlichungen der Gesellschaft zur Pflege der Rieder Heimatkunde, Ried 1912, Heft 5, S. 138; sowie Georg Feichtenschlager und O. Maier, D'Innviertler Roas, 1952, S. 162 f.
- Pfarrgemeinde Antiesenhofen: Geschichtliche Angaben zur Bründlkapelle Viehausen und zur heutigen Wallfahrtspraxis.
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Ergänzungen: Wolfgang Morscher
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