| Wallfahrt: | Spätestens seit dem ausgehenden Mittelalter urkundlich belegte Marienwallfahrt. Am 2. Juli, dem örtlich weiterhin gefeierten Patrozinium Mariä Heimsuchung, kommen Wallfahrer aus den umliegenden Hausruckpfarren nach Zell; heute wird zusätzlich eine Sternwallfahrt aus dem Seelsorgeraum gepflegt. Weitere Wallfahrtsgruppen besuchen die Kirche besonders in den Marienmonaten Mai und Oktober. |
| Status: | Historisch bedeutender und bis heute lebendiger regionaler Marienwallfahrtsort; die außergewöhnliche Größe des spätgotischen Kirchenbaus wird mit seiner bereits damals bestehenden Wallfahrtsfunktion in Verbindung gebracht. |
| Kultzentrum: | Die spätgotische Gnadenmadonna aus dem ausgehenden 15. Jahrhundert im Mittelschrein des barocken Hochaltares, flankiert von den ebenfalls spätgotischen Figuren der hl. Afra und der hl. Maria Magdalena. |
| Ort: | Zell am Pettenfirst. |
| Bezirk/Region: | Bezirk Vöcklabruck / Hausruckviertel. |
| Bundesland: | Oberösterreich. |
| • | Die weithin sichtbare Pfarr- und Wallfahrtskirche steht im Ortszentrum von Zell am Pettenfirst am Fuß des Pettenfirst-Höhenzuges. |
| • | Lage in der SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Hausruckviertel |
| • | Ansicht in Street View |
| • | Web: Pfarrgemeinde Zell am Pettenfirst |
| • | Öffnungszeiten: Die Kirche ist tagsüber frei zugänglich. Führungen sind nach Vereinbarung möglich. |
| • | Bilddokumentation |
| • | Ausführliche Beschreibung |
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Besonders willkommen sind Außenansicht und Südportal, Gesamtansicht des dreischiffigen Innenraums und des Stern- und Netzrippengewölbes, Hochaltar und spätgotische Gnadenmadonna mit hl. Afra und hl. Maria Magdalena, die vier Reliefs des ehemaligen Flügelaltares, Seitenaltäre, Kanzel, Weibsteufel, Sakramentshäuschen, Maßwerkbrüstung der Westempore, Chorgestühl, Lourdesgrotte, Barbarabild sowie Aufnahmen der Sternwallfahrt und des Patroziniums am 2. Juli.
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Die Pfarr- und Wallfahrtskirche Mariä Heimsuchung in Zell am Pettenfirst gehört zu den eindrucksvollsten spätgotischen Landkirchen des Hausruckviertels. Schon ihre für einen kleinen Ort ungewöhnliche Größe macht deutlich, dass hier nicht nur für die unmittelbare Bevölkerung gebaut wurde. Die heutige Pfarrgemeinde verweist ausdrücklich darauf, dass Wallfahrten nach Zell spätestens seit dem ausgehenden Mittelalter urkundlich genannt werden und dass die monumentale Dimension des spätgotischen Neubaus wahrscheinlich mit dieser bereits bestehenden Funktion als Marienwallfahrtskirche zusammenhängt. Der volkstümliche Beiname "Dom des Hausrucks" ist deshalb keine bloße Übertreibung: Wer das hohe, dreischiffige Hallenlanghaus betritt und die schlanken Pfeiler mit dem engmaschigen Stern- und Netzrippengewölbe betrachtet, erlebt einen Raum, dessen Anspruch weit über den einer kleinen Dorfkirche hinausgeht.
Die Baugeschichte ist zugleich eng mit der kirchlichen Organisation der Umgebung verbunden. Um 1472 erscheint Zell als Nebenkirche im Bereich von Ungenach, das seinerseits zur Mutterpfarre Atzbach gehörte; Gottesdienst in Zell wurde demnach von einem Geistlichen aus Ungenach versehen. Die heutige Kirche entstand in den letzten Jahrzehnten des 15. Jahrhunderts und wird mit dem Werkmeister Stephan Wultinger beziehungsweise seinem Umfeld in Verbindung gebracht. Die Pfarrtradition nennt 1497 als Vollendungsjahr, während die kunsthistorische Forschung den Bau allgemein an das Ende des 15. Jahrhunderts setzt. Auch die mit 1497 bezeichnete spätgotische Mensa des linken Seitenaltares zeigt, dass zu diesem Zeitpunkt ein wesentlicher Bau- und Ausstattungsabschnitt abgeschlossen war.
Die kirchliche Selbständigkeit folgte wesentlich später als der monumentale Kirchenbau. Zell blieb über Jahrhunderte in ältere Pfarrstrukturen eingebunden und wurde erst im Zuge der josephinischen Neuordnung am 6. März 1784 als eigene Lokalie aus dem Bereich von Atzbach herausgelöst; die Matrikenführung beginnt ebenfalls 1784. Zur selbständigen Pfarre wurde Zell 1863 erhoben. Diese Entwicklung ist für die Wallfahrtsgeschichte bemerkenswert, weil das Heiligtum bereits lange vor der pfarrlichen Verselbständigung regionale Bedeutung besaß. Anders gesagt: Nicht die spätere Pfarrfunktion begründete die große Kirche, sondern die ältere Marienverehrung und der Zustrom von Wallfahrern dürften wesentlich dazu beigetragen haben, dass hier schon um 1500 ein außergewöhnlich großer Sakralraum entstand.
Das Patrozinium Mariä Heimsuchung, also die Begegnung der schwangeren Maria mit Elisabeth, bildet bis heute den liturgischen Mittelpunkt der Wallfahrt. In Zell wird das Fest weiterhin am 2. Juli begangen, dem traditionellen Termin, der über Jahrhunderte im kirchlichen Kalender mit Mariä Heimsuchung verbunden war. Gerade an diesem Tag lässt sich die Kontinuität der regionalen Wallfahrt besonders gut beobachten.
Für einen Rundgang empfiehlt es sich, die Kirche durch das südliche Portal zu betreten. Schon hier zeigt sich die Qualität der spätgotischen Steinmetzarbeit: Das Portal ist reich verstäbt und in seiner Profilierung deutlich auf repräsentative Wirkung angelegt. Auch das Nordportal besitzt eine aufwendige spätgotische Gestaltung; seine Vorhalle wurde später als geschlossener Kapellenraum genutzt. Weitere spätgotische Türen, darunter die Sakristeitür und eine Tür unter der Westempore, lassen erkennen, wie viel originale Bausubstanz aus der Errichtungszeit erhalten geblieben ist.
Nach dem Eintritt öffnet sich ein etwa 14 Meter hoher dreischiffiger Hallenraum. Drei Paare schlanker Pfeiler tragen die dicht geführten Gewölberippen, die sich über alle drei Schiffe hinweg zu einem einheitlichen Raumgefüge verbinden. Gerade das unterscheidet eine Hallenkirche von einer Basilika: Die Seitenschiffe steigen annähernd auf die Höhe des Mittelschiffes, sodass der Blick nicht in einzelne Raumstufen zerfällt, sondern von den Pfeilern und Gewölben rhythmisch nach Osten geführt wird. In Zell wird dieser Eindruck durch die ungewöhnlich feinen, engmaschigen Stern- und Netzrippen noch verstärkt; der Bau gehört damit zu jener hochentwickelten spätgotischen Gewölbekunst, die im Attergau und im angrenzenden Hausruckgebiet im späten 15. Jahrhundert eine besondere Blüte erreichte.
Bevor man nach vorne geht, lohnt sich der Blick zurück nach Westen. Die zweijochige, dreiachsige Empore ist selbst spätgotisch gewölbt und besitzt eine reich gegliederte Maßwerkbrüstung, deren steinerne Formen wie ein durchbrochenes Band über dem Kirchenraum liegen. Die heutige Orgel steht damit auf einer architektonisch eigenständigen spätgotischen Emporenanlage und nicht auf einer später eingefügten einfachen Holzkonstruktion. Wer in der Mitte des Langhauses nach oben sieht, erkennt besonders gut, wie die Rippen aus den Pfeilern beziehungsweise ihren Ansätzen aufsteigen, sich teilen und zu immer neuen geometrischen Figuren verbinden. Gerade hier wird verständlich, weshalb die Kirche trotz der späteren barocken Ausstattung in ihrem räumlichen Charakter unverkennbar spätgotisch geblieben ist.
Die östlichen Langhauspfeiler stehen auffallend in den Achsen der Fenster. Solche Lösungen gehören zur regionalen spätgotischen Baukunst und tragen dazu bei, dass sich Wand, Fenster und Pfeiler nicht streng gegeneinander abgrenzen, sondern zu einem bewegten räumlichen Gefüge verbinden. Der eingezogene Chor ist gegenüber der hohen Halle niedriger und enger, wodurch sich beim Weitergehen eine deutliche räumliche Steigerung zum Altar hin ergibt.
Der Chor umfasst zwei Joche, ist ebenfalls netzrippengewölbt und schließt in einem Dreiachtelschluss. Durch den niedrigeren und konzentrierteren Raum wird der Hochaltar stark hervorgehoben, doch sollte man den Blick zunächst nach vorne links richten: Dort steht eines der kunsthistorisch wichtigsten spätgotischen Ausstattungsstücke der Kirche, ein Sakramentshäuschen aus rotem Marmor mit schmiedeeisernem Gitter aus der Zeit um 1500. Solche steinernen Sakramentshäuser dienten vor der allgemeinen Durchsetzung des späteren Tabernakels zur Aufbewahrung des Allerheiligsten und gehören zu den besonders kostbaren Zeugnissen spätmittelalterlicher Liturgie.
Die Kombination aus rotem Stein, fein gearbeiteter Architektur und historischem Eisengitter verdient beim Rundgang besondere Aufmerksamkeit. Das Sakramentshäuschen steht nicht isoliert neben einer barocken Kirche, sondern gehört zur ursprünglichen spätgotischen Ausstattungsschicht und macht zusammen mit den Portalen, der Empore, der Altargruppe und den Reliefs sichtbar, wie reich das Gotteshaus bereits um 1500 ausgestattet gewesen sein muss.
Vom ursprünglichen spätgotischen Hochaltar ist kein vollständiger Aufbau erhalten, doch seine wichtigsten Reste erlauben eine erstaunlich gute Vorstellung von seiner Bedeutung. Im heutigen barocken Hochaltar befinden sich drei spätgotische weibliche Figuren, während vier bemalte Schnitzreliefs des ehemaligen Flügelaltares an anderer Stelle in der Kirche aufgestellt sind. Die Reliefs zeigen Verkündigung an Maria, Mariä Heimsuchung, Geburt Christi und Tod Mariens. Damit durchzieht das Leben Mariens den erhaltenen Bildbestand vom Beginn der Heilsgeschichte über das heutige Patrozinium bis zum Tod der Gottesmutter.
Besonders aufschlussreich ist das Relief der Heimsuchung, weil es unmittelbar mit dem Patrozinium der Kirche verbunden ist. Maria begegnet Elisabeth; das biblische Geschehen, das dem Wallfahrtsfest seinen Namen gibt, war somit bereits Teil des spätgotischen Altarprogramms. Zusammen mit der Gnadenmadonna im Zentrum des alten Altars zeigt dies, dass der spätmittelalterliche Bau nicht nur allgemein marianisch geprägt war, sondern dass Architektur, Altar und Wallfahrt in einem engen Zusammenhang standen.
Die Reliefs haben selbst eine jüngere Restaurierungsgeschichte. Gegen Ende des 20. Jahrhunderts wurden zumindest die Reliefs der Heimsuchung und der Geburt Christi unter Verantwortung der Restaurierwerkstätten des Bundesdenkmalamtes konserviert. Starker Anobienbefall hatte das Holz geschwächt; ältere Kittungen und Übermalungen, insbesondere Eingriffe um 1960, beeinträchtigten die plastischen Feinheiten. Bei der Restaurierung wurden schädigende Ergänzungen und Übermalungen reduziert, der Holzkörper gefestigt und die spätgotische Schnitzqualität wieder deutlicher lesbar gemacht. Wer die Reliefs heute betrachtet, sieht daher nicht nur mittelalterliche Kunst, sondern auch das Ergebnis einer anspruchsvollen denkmalpflegerischen Sicherung.
Der eigentliche historische Wallfahrtsmittelpunkt ist die spätgotische Gnadenmadonna im Zentrum des heutigen Hochaltares. Zu ihren Seiten stehen die ebenfalls spätgotischen Figuren der hl. Afra und der hl. Maria Magdalena. Diese drei Frauengestalten stammen aus dem ausgehenden 15. Jahrhundert und gehörten zum älteren Altarbestand. Als im 17. Jahrhundert die spätgotische Ausstattung durch barocke Altäre ersetzt wurde, verschwanden sie bemerkenswerterweise nicht aus der Kirche, sondern wurden in den neuen Hochaltar übernommen. Die heutige Pfarrgemeinde sieht darin mit guten Gründen einen Hinweis auf ihre besondere kultische Bedeutung: Ein seit langem verehrtes Gnadenbild wurde nicht durch ein neues barockes Zentrum verdrängt, sondern blieb als Herzstück der Wallfahrt bestehen.
Diese Einfügung ist beim Betrachten des Hochaltares besonders wichtig. Der Altar ist ein barockes Gesamtkunstwerk, doch sein kultischer Mittelpunkt ist älter als der gesamte Aufbau. Wer nur auf das üppige Gold, die gedrehten Säulen und das bewegte Knorpelwerk achtet, übersieht leicht, dass im Zentrum drei Figuren aus der spätgotischen Vorgängerausstattung stehen. Gerade diese Verbindung von mittelalterlichem Kultbild und barocker Inszenierung ist für Zell charakteristisch.
Den heutigen Hochaltar erhielt Zell in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts. Balthasar Gleißer gab 1667 den Auftrag an Thomas Schwanthaler aus Ried im Innkreis; 1668 war das monumentale Werk ausgeführt beziehungsweise signiert. Schwanthaler zählt zu den bedeutendsten oberösterreichischen Bildschnitzern des 17. Jahrhunderts und entwickelte eine kraftvolle, bewegte Figurenkunst, die barocke Pathosformeln mit einer auffallenden körperlichen Präsenz verbindet. Der Zeller Hochaltar gehört zu seinen frühen Hauptwerken und ist zugleich ein besonders schönes Beispiel des sogenannten Knorpelwerkstils, dessen ornamentale Formen an Ohrmuscheln, Knorpel, Muscheln und weich fließende organische Gebilde erinnern.
Der Altar ist dabei nicht bloß eine Kulisse um die gotischen Figuren. Sein ganzer Aufbau steigert die Wirkung des Gnadenbildes, indem Architektur, Säulen, vergoldete Ornamente und zahlreiche Figuren den Blick auf das Zentrum lenken. Der Tabernakel mit der Kreuzigungsgruppe wurde erst um 1700 ergänzt und gehört damit bereits einer weiteren Ausstattungsphase an. Wer vor dem Hochaltar steht, kann daher mindestens drei Zeitschichten gleichzeitig lesen: die spätgotische Gnadenmadonna mit den beiden Heiligen des 15. Jahrhunderts, den Schwanthaler-Altar von 1667/68 und den jüngeren Tabernakel um 1700.
Die beiden Seitenaltäre entstanden unmittelbar vor dem Hochaltar. 1665 wurden sie bestellt, 1666 ausgeführt; als Tischler wird Peter Widmann genannt, die Schnitzarbeiten schuf Veit Adam Vogl aus Ried. Inhaltlich handelt es sich um einen Nothelferaltar und einen Apostelaltar, wodurch der Kirchenraum neben der marianischen Hauptachse weitere wichtige Bereiche der frühneuzeitlichen Heiligenverehrung aufnimmt. Besonders bemerkenswert ist, dass die Mensa des linken Seitenaltares noch spätgotisch ist und die Jahreszahl 1497 trägt. Auch hier wurde also bei der Barockisierung nicht alles Ältere beseitigt, sondern ein mittelalterlicher Altartisch in den neuen Aufbau integriert. Die Seitenaltäre wurden 1894/95 restauriert und tragen damit ihrerseits Spuren mehrerer Jahrhunderte.
Die mächtige Kanzel entstand um 1670/71 und steht stilistisch in unmittelbarer Nähe zu Thomas Schwanthaler. Die Pfarrüberlieferung schreibt sie ihm zu; die kunsthistorische Literatur sieht jedenfalls in der Maria Immaculata auf dem Schalldeckel wahrscheinlich ein Werk seiner Hand. Am Kanzelkorb erscheinen die vier abendländischen Kirchenlehrer, womit der Ort der Predigt zugleich durch die großen theologischen Autoritäten der lateinischen Kirche begleitet wird. Die dunkle Fassung, die vergoldeten Figuren und der hohe Schalldeckel bilden einen starken barocken Kontrast zu den hellen spätgotischen Gewölbeflächen.
Eine der ungewöhnlichsten Figuren der Kirche befindet sich im Chorraum bei einer von Thomas Schwanthaler geschaffenen Marienfigur mit Kind. Zu ihren Füßen sitzt der im lokalen Sprachgebrauch sogenannte "Weibsteufel", eine drastische Personifikation menschlicher Versuchung. Diese kleine Figur sollte man beim Rundgang keinesfalls übersehen, gerade weil sie im Vergleich zu den großen Altären leicht unscheinbar wirken kann. Die Pfarrgemeinde hebt sie ausdrücklich als seltene Besonderheit hervor.
Der volkstümliche Name darf nicht mit der spätgotischen Gnadenmadonna im Hochaltar verwechselt werden. Es handelt sich um eine andere, barocke Marienfigur aus dem Umkreis beziehungsweise der Hand Schwanthalers. Gerade hier wird deutlich, wie viele verschiedene Mariendarstellungen in Zell nebeneinander bestehen: die spätgotische Gnadenmadonna als Wallfahrtsbild, die Reliefs aus dem Marienleben, die Schwanthaler-Madonna im Chor und seit dem späten 19. Jahrhundert zusätzlich die Lourdesgrotte.
Nach den großen Altären lohnt sich ein Blick auf die scheinbar weniger spektakulären Holzarbeiten. Das kunstvoll geschnitzte Chorgestühl stammt aus dem Jahr 1715; auch historisches Kirchengestühl und Teile der Sakristeieinrichtung gehören in diese barocke Ausstattungsphase. Gerade solche Möbel machen einen Kirchenraum im täglichen Gebrauch verständlich, weil sie nicht nur für die festliche Schau, sondern für Liturgie, Chorgebet und Gemeindegottesdienst geschaffen wurden.
Die Sakristei wurde 1669 errichtet beziehungsweise wesentlich erneuert, also in derselben Jahrzehntfolge, in der auch Seitenaltäre, Hochaltar, Kanzel und später der Turm entstanden. Man erkennt daran, dass Zell in den Jahrzehnten nach der Mitte des 17. Jahrhunderts eine umfassende barocke Erneuerung erlebte, ohne seine spätgotische Architektur oder die wichtigsten mittelalterlichen Kultstücke aufzugeben.
Der Turm steht im südlichen Chorwinkel und wurde zwischen 1672 und 1677 von Adam Wieser aus Braunau errichtet. Seine achteckige Glockenstube und die barocke Haube setzen außen einen deutlich jüngeren Akzent an den spätgotischen Kirchenbau. Der Turm ist damit das sichtbarste architektonische Zeichen jener Barockisierung, die im Inneren durch die neue Ausstattung bereits einige Jahre früher begonnen hatte.
Ältere kunsthistorische Literatur verzeichnet für Zell auch eine Glocke aus der Zeit um 1450. Das heutige Geläute ist dagegen jüngeren Datums: Nach umfassenden Arbeiten am Dach- und Glockenstuhl wurden die Stahlglocken des frühen 20. Jahrhunderts durch vier Bronzeglocken ersetzt, die von der Innsbrucker Glockengießerei Grassmayr gegossen und Maria, Josef, Franz von Assisi und Edith Stein geweiht wurden. Für die kunsthistorische Betrachtung ist vor allem wichtig, dass der Turm selbst trotz späterer Erneuerungen seine barocke Gestalt bewahrt.
Zell am Pettenfirst war über lange Zeit von der Braunkohlengewinnung im Hausruckgebiet geprägt. An diese Bergbaugeschichte erinnert im Chorraum ein Barbarabild, das sich seit 1891 in der Kirche befindet. Die hl. Barbara als Schutzpatronin der Bergleute verbindet damit die große Wallfahrts- und Kunstgeschichte des Gotteshauses mit der jüngeren Sozial- und Arbeitsgeschichte der Gemeinde.
Nur wenige Jahre später, 1894, wurde im Nordportal eine Lourdesgrotte aus Korkeiche eingerichtet. Sie gehört zu jener europaweiten Welle der Lourdesfrömmigkeit, die nach den Erscheinungsberichten von 1858 unzählige Kirchen und Kapellen erfasste. Die Grotte wurde in Zell nicht zum Ersatz des alten Gnadenbildes, sondern ergänzte die bestehende Marienverehrung um eine moderne Form. Bis heute entzünden Besucher dort Kerzen, sodass sich in der Kirche eine spätmittelalterliche Wallfahrtstradition und die Marienfrömmigkeit des 19. Jahrhunderts unmittelbar begegnen.
Die Wallfahrt nach Zell ist spätestens seit dem ausgehenden Mittelalter urkundlich belegt und dürfte bereits bei der Planung des großen spätgotischen Neubaus eine entscheidende Rolle gespielt haben. Die früher verbreitete Behauptung, aus Bayern seien zahlreiche Pilger über den Urhammer bei Ampflwang nach Zell gekommen, lässt sich mit den derzeit greifbaren besseren Quellen nicht ausreichend absichern und sollte deshalb nicht zum tragenden Bestandteil der Geschichte gemacht werden. Sicher belegt ist dagegen die lange regionale Wallfahrtstradition aus dem Hausruckgebiet.
Am 2. Juli kommen seit Menschengedenken Gläubige aus Ottnang und Thomasroith am frühen Morgen nach Zell. In jüngerer Zeit hat sich zusätzlich eine abendliche Sternwallfahrt aus dem Seelsorgeraum mit Timelkam, Ungenach, Puchkirchen und Ampflwang entwickelt. Die Teilnehmer kommen aus verschiedenen Richtungen zusammen, feiern gemeinsam Gottesdienst und lassen den Wallfahrtstag in der Gemeinschaft rund um die Kirche ausklingen. Die weiterhin große Beteiligung zeigt, dass Mariä Heimsuchung in Zell nicht nur ein historischer Titel ist, sondern ein tatsächlich gelebtes Wallfahrtsfest.
Über das Patrozinium hinaus kommen besonders in den Marienmonaten Mai und Oktober Wallfahrtsgruppen nach Zell. Manche reisen mit Bussen an, feiern Gottesdienst oder Andacht, andere kommen vor allem wegen der Kirche und ihrer Kunstwerke, verweilen im Raum oder entzünden eine Kerze bei der Lourdesgrotte. Dadurch verbindet Zell heute klassische Fußwallfahrt, organisierte Gruppenwallfahrt, pfarrliche Festkultur und individuellen Kirchenbesuch.
Für die Einordnung des Wallfahrtsortes ist wesentlich, das Kultzentrum richtig zu bestimmen. Die vier spätgotischen Reliefs sind herausragende Reste des ehemaligen Flügelaltares und erzählen zentrale Szenen aus dem Marienleben, doch die Pfarrgemeinde bezeichnet die mittlere spätgotische Frauenfigur im Hochaltar ausdrücklich als Gnadenmadonna. Dass sie gemeinsam mit Afra und Maria Magdalena beim barocken Neubau des Altares übernommen und an zentraler Stelle bewahrt wurde, spricht dafür, dass gerade diese Figur für die ältere Wallfahrt eine besondere Bedeutung besaß.
Damit zeigt Zell ein für alte Wallfahrtskirchen häufiges, aber hier besonders eindrucksvolles Phänomen: Der Kult ist älter als ein großer Teil der heutigen Ausstattung. Architektur und Altarrahmung konnten sich ändern, doch das verehrte Bild blieb im Zentrum. Die barocke Erneuerung zerstörte die mittelalterliche Identität des Wallfahrtsortes nicht, sondern übersetzte sie in eine neue Bildsprache.
Wer die Kirche vor Ort systematisch betrachten möchte, kann sich an einer einfachen Reihenfolge orientieren: Zuerst außen die spätgotischen Portale und die unterschiedliche Form von Langhaus, eingezogenem Chor und barockem Turm ansehen; dann durch das Südportal eintreten und zunächst den gesamten 14 Meter hohen Hallenraum mit den drei Pfeilerpaaren und dem dichten Stern- und Netzrippengewölbe auf sich wirken lassen. Danach lohnt sich der Blick zurück zur spätgotischen Westempore mit ihrer Maßwerkbrüstung, bevor man langsam nach Osten geht und die Veränderungen der Raumhöhe zwischen Halle und Chor wahrnimmt.
Im Chor sollte zunächst das rotmarmorne Sakramentshäuschen betrachtet werden, anschließend der Hochaltar als Zusammenspiel von spätgotischer Gnadenmadonna, Afra und Maria Magdalena mit Schwanthalers barocker Architektur. Danach sind die vier Reliefs des ehemaligen Flügelaltares aufzusuchen und in ihrer erzählerischen Reihenfolge von der Verkündigung über Heimsuchung und Geburt Christi bis zum Tod Mariens zu lesen. Erst danach sollte man die beiden Seitenaltäre, die Kanzel mit den Kirchenlehrern und die Immaculata, die Schwanthaler-Madonna mit dem "Weibsteufel", das Chorgestühl und die jüngeren Erinnerungsstücke betrachten. Den Abschluss können das Barbarabild als Zeugnis der Bergbaugeschichte und die Lourdesgrotte als jüngere Schicht der Marienfrömmigkeit bilden. Auf diese Weise erschließt sich die Kirche nicht als Ansammlung einzelner Kunstwerke, sondern als über mehr als fünf Jahrhunderte gewachsener Wallfahrtsraum.
Zell am Pettenfirst ist gerade deshalb besonders wertvoll, weil sich hier Wallfahrtsgeschichte und Kunstgeschichte nicht voneinander trennen lassen. Der spätgotische Bau dürfte seine außergewöhnliche Größe der Funktion als Wallfahrtskirche verdanken; das Gnadenbild und die Flügelaltarreliefs bewahren die marianische Bildwelt des ausgehenden Mittelalters, während die Barockzeit mit Schwanthaler, Vogl und Widmann eine neue monumentale Ausstattung schuf, ohne die älteren Kultstücke zu beseitigen. Im 19. Jahrhundert kamen Bergbauerinnerung und Lourdesfrömmigkeit hinzu, im 20. und 21. Jahrhundert neue Formen der Stern- und Gruppenwallfahrt.
Damit ist die Kirche kein stilistisch einheitliches Museum, sondern ein religiös genutzter Raum, in dem jede Epoche sichtbare Spuren hinterlassen hat. Gerade die mittelalterliche Gnadenmadonna im barocken Hochaltar ist dafür das beste Bild: Der Kern der Wallfahrt blieb erhalten, während sich die Formen seiner Präsentation und die Bedürfnisse der Wallfahrer wandelten. Die heutige Sternwallfahrt am 2. Juli führt diese Geschichte nicht museal, sondern praktisch fort.
Hainisch, Erwin; Woisetschläger, Kurt: Die Kunstdenkmäler Österreichs. Dehio-Handbuch Oberösterreich. 6. Auflage. Wien: Anton Schroll & Co., 1977, S. 386.
Heinzl, Brigitte: Der Bildhauer Thomas Schwanthaler (1634-1707). Ried im Innkreis: Moserbauer, 2007.
Die Bildhauerfamilie Schwanthaler 1633-1848. Vom Barock zum Klassizismus. Ausstellungskatalog, Augustiner-Chorherrenstift Reichersberg am Inn. Linz: Oberösterreichischer Landesverlag, 1974.
Dannbauer, Johann: Zell am Pettenfirst. Heimatbuch. Zell am Pettenfirst, 1999.
Bundesdenkmalamt, Landeskonservatorat für Oberösterreich: Jahresbericht 1998. In: Denkmalpflege in Oberösterreich. Linz 1999. Darin: Konservierung der spätgotischen Flügelreliefs Mariä Heimsuchung und Geburt Christi in der Pfarrkirche Zell am Pettenfirst.
Pfarrgemeinde Zell am Pettenfirst: Beiträge zur Kirchen-, Wallfahrts- und Ausstattungsgeschichte der Pfarr- und Wallfahrtskirche Mariä Heimsuchung.
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Ergänzungen: Wolfgang Morscher
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