Weyregg am Attersee, Richtberg – Wallfahrtskapelle zur Schmerzhaften Muttergottes (Richtberg-Taferl)

Schnellüberblick
Wallfahrt:Seit dem 19. Jahrhundert entwickelte regionale Marienwallfahrt aus der Verehrung eines Pietà-Reliefs an einer Fichte. Bis heute führen Fußwallfahrten und Pilgerwege mehrerer Pfarren zum Richtberg-Taferl; hinzu kommt eine jüngere Wallfahrt im Umfeld der Verehrung Franz Jägerstätters.
Status:Historischer und bis heute lebendiger regionaler Marienwallfahrtsort mit ausgeprägter Votiv- und Kreuzwegtradition.
Kultzentrum:Ursprünglich ein hölzernes Pietà-Relief der Schmerzhaften Muttergottes an einer Fichte, spätestens 1721 vorhanden und in den 1960er Jahren gestohlen. Heute steht eine aus Fatima mitgebrachte Marienstatue auf dem Altar.
Ort:Richtberg, Weyregg am Attersee.
Bezirk/Region:Bezirk Vöcklabruck / Atterseegebiet / Hausruckviertel.
Bundesland:Oberösterreich.
Lage und Besuch
•Die Wallfahrtskapelle liegt abgeschieden auf dem Richtberg im Grenzraum zwischen Weyregg am Attersee und Altmünster. Sie darf nicht mit der einige Kilometer entfernten Gahbergkapelle verwechselt werden, die eine eigene Dreifaltigkeits-, Wetter- und Gelöbniswallfahrt besitzt.
•Lage in der SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Hausruckviertel
•Ansicht in Street View
•Web: Pfarrgemeinde Weyregg am Attersee
•Öffnungszeiten: Die Kapelle ist frei zugänglich; die Erreichbarkeit hängt von Weg- und Witterungsverhältnissen ab.
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•Ausführliche Beschreibung

Bilddokumentation

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Besonders willkommen sind Außenansicht und Innenraum der Richtberg-Taferl-Kapelle, die heutige Marienstatue, erhaltene Votivbilder und das Ex-voto mit Haarzöpfen von 1929, die beiden Kreuzwege und ihre Stationen, Prozessionen und Fußwallfahrten, Inschriften sowie historische Ansichten oder Hinweise auf das verlorene Pietà-Relief.

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Ausführliche Beschreibung

Vom Bildbaum zum Wallfahrtsort

Die Wallfahrtskapelle auf dem Richtberg, in der Bevölkerung meist schlicht als "Richtberg-Taferl" oder "Taferl" bezeichnet, gehört zu den eigenwilligsten kleinen Marienwallfahrtsorten des Attersee- und Traunseegebietes. Anders als bei einer planmäßig gegründeten Wallfahrtskirche stand am Anfang kein größerer Kirchenbau, sondern ein hölzernes Relief der Schmerzhaften Muttergottes, eine Pietà, die an einer Fichte befestigt war und mitten im Wald zum Ziel von Gebet und Andacht wurde. Erst im Laufe des 19. Jahrhunderts entstand aus diesem Bildbaum ein baulich gefasster Wallfahrtsort mit Kapelle, Kreuzwegen, festen Pilgerwegen und einer reichen Votivtradition.

Die Lage des Heiligtums ist für seine Geschichte ebenso wichtig wie das Bild selbst. Der Weg auf den Richtberg führte und führt durch Wald und steileres Gelände, sodass der gemeinsame Aufstieg, Rosenkranzgebet und später auch die Kreuzwege einen wesentlichen Teil der Wallfahrt bilden. Damit unterscheidet sich das Richtberg-Taferl deutlich von der nahe gelegenen Gahbergkapelle, deren Tradition nicht marianisch, sondern auf die Heiligste Dreifaltigkeit sowie auf Wetter- und Ernteschutz ausgerichtet ist.

Das alte Pietà-Relief und der Vermerk von 1721

Wann das ursprüngliche hölzerne Pietà-Relief geschaffen und erstmals an der Fichte angebracht wurde, ist nicht bekannt. Einen wichtigen Anhaltspunkt lieferte erst eine Restaurierung im Jahr 1860: Als man das Bild aus seinem Rahmen nahm, entdeckte man auf der Rückseite den Hinweis, dass es bereits im Jahr 1721 renoviert worden sei. Daraus folgt, dass das Relief spätestens zu Beginn des 18. Jahrhunderts vorhanden war; der Vermerk erlaubt jedoch weder, 1721 als Entstehungsjahr des Bildes noch als Beginn der Wallfahrt auszugeben.

Regelmäßige Andachten beim Bildbaum sind ungefähr seit 1800 überliefert. Zu Mariä Himmelfahrt und später auch an weiteren Festtagen kamen Gläubige auf den Richtberg, beteten vor dem im Wald befestigten Bild den Rosenkranz und machten den Platz damit schon Jahrzehnte vor dem Bau einer Kapelle zu einem festen religiösen Ziel. Die Wallfahrt entwickelte sich somit zunächst ohne größeres Gebäude aus der wiederkehrenden Praxis der Bevölkerung.

Der Sturm von 1860 und die erste Kapelle

Für die weitere Entwicklung wurde ein schwerer Sturm des Jahres 1860 bedeutsam. Nach der örtlichen Überlieferung wurde der Wald auf dem Richtberg stark verwüstet, während ausgerechnet jene Fichte, an der sich das Marienbild befand, stehen blieb. Diese Verschonung wurde religiös gedeutet und verstärkte die Verehrung des Ortes. Der Förster Mathias Schögl ließ gemeinsam mit Holzknechten das Pietà-Relief restaurieren; anschließend wurde das erneuerte Bild in Prozession an seinen Platz zurückgebracht.

Um den Kultgegenstand künftig besser vor der Witterung zu schützen, ersuchten Schögl sowie die Richtberger Hausbesitzer Leopold Ahammer, Ignaz Pesendorfer und Josef Plasser bei der Forstverwaltung Gmunden um die Genehmigung zum Bau einer Kapelle. 1862 entstand zunächst ein kleiner, einfacher Bau aus Baumrinde, der am 1. Juni desselben Jahres durch den Altmünsterer Kooperator Georg Obermayr geweiht wurde. Der bisherige Bildbaum wurde gefällt, an seiner Stelle errichtete man ein Kreuz, und aus dem offenen Andachtsplatz im Wald war damit erstmals ein baulich gefasstes Heiligtum geworden.

Gelübde, Erweiterungen und die heutige Kapellengestalt

Mit der weiteren Baugeschichte verbindet sich wiederum eine Gelübdeüberlieferung. Der Gmundner Tabakverleger Josef Lechner soll sich während einer Jagd im Wald verirrt haben und beim Marienbild Orientierung und Zuflucht gefunden haben. Er habe gelobt, eine größere Kapelle errichten zu lassen, falls er den richtigen Weg wiederfände. Da auch die örtlichen Förderer bereits eine Erweiterung des kleinen Baues beabsichtigten, schloss sich Lechner dem Vorhaben an und übernahm einen wesentlichen Teil der Kosten. Die Rindenkapelle wurde 1868 erweitert, ehe am 19. Oktober 1880 ein größerer Neubau eingeweiht werden konnte.

Die entscheidende Veränderung erfolgte 1888. Erzherzog Karl Salvator, der in der Gegend die Jagd gepachtet hatte, ließ die Kapelle auf jene Größe erweitern, die ihr Erscheinungsbild bis heute bestimmt, und zugleich einen Kreuzweg zum Heiligtum anlegen. Im September 1888 wurden Kapelle und Kreuzweg feierlich begangen und der Schmerzhaften Muttergottes zugeordnet. Der Ausbau verwandelte das Richtberg-Taferl endgültig von einem lokalen Bildstock- und Waldheiligtum in einen regional wahrgenommenen Wallfahrtsort mit einer für Prozessionen geeigneten Infrastruktur.

Die Kreuzwege als Teil der Wallfahrt

Der Weg selbst ist für die Frömmigkeit des Richtbergs von besonderer Bedeutung. Der 1888 angelegte Kreuzweg wurde 1909 unter Pfarrer Hermann Mayer erneuert und mit Terrakotta-Reliefs aus München ausgestattet. Nach dem Bau des Güterweges auf den Richtberg mussten die Stationen später neu geordnet werden; seit der Renovierung von 1988 beginnt der Kreuzweg oberhalb der Spalmooskapelle. Dadurch blieb der ältere Pilgerweg trotz veränderter Verkehrs- und Wegverhältnisse als religiös gegliederter Aufstieg erhalten.

Ein zweiter Kreuzweg führt von der Neukirchner Seite zum Richtberg-Taferl. Als 1957 für den Kalvarienberg in Neukirchen neue Kreuzwegstationen geschaffen wurden, verwendete man die älteren keramischen Reliefs für den Pilgerweg zum Richtberg weiter. Freiwillige Helfer und Mitglieder der Katholischen Arbeiterjugend errichteten 1958 neue Stationen; nach einer späteren Verlängerung wurde der rund 3,2 Kilometer lange Weg 1977 von den Pfarrern von Neukirchen und Altmünster gesegnet. Damit führen gleich zwei traditionsreiche Andachtswege zum Heiligtum, wodurch nicht nur die Kapelle, sondern der gesamte Richtberg zu einer religiösen Landschaft geworden ist.

Der Verlust des ursprünglichen Gnadenbildes

Das alte hölzerne Pietà-Relief, von dem die Wallfahrt ihren Ausgang genommen hatte, wurde in den 1960er Jahren von unbekannten Tätern aus der Kapelle gestohlen und blieb verschollen. Der Verlust war einschneidend, führte aber nicht zum Ende des Kultortes. Pfarrer Franz Schobesberger brachte eine Marienstatue aus Fatima mit, die seither an Stelle des geraubten Bildes auf dem Altar steht und die marianische Funktion des Heiligtums weiterführt.

Gerade diese Kontinuität ist volkskundlich aufschlussreich. Ursprünglich war die Verehrung an einen konkreten Bildträger gebunden, doch im Laufe von nahezu zwei Jahrhunderten hatten Kapelle, Kreuzwege, Wallfahrtsrouten, Votivgaben und gemeinschaftliche Erinnerungen selbst religiöse Bedeutung angenommen. Als das ursprüngliche Bild verloren ging, war der Wallfahrtsort längst größer geworden als sein erstes Kultobjekt, sodass die Wallfahrt weiterbestehen konnte.

Votivbilder als Quellen individueller Frömmigkeit

Von den persönlichen Anliegen der Wallfahrer zeugte ein umfangreicher Bestand an Votivbildern. Johann Lüftinger beschrieb Darstellungen von Unfällen, Krankheit, Lebensgefahr und Dank, darunter zwei tödliche Unglücke bei Wald- und Holzarbeiten sowie ein Bild mit einem explodierenden Panzer in der afrikanischen Wüste. Solche Stücke sind nicht in erster Linie nach ihrem künstlerischen Rang zu beurteilen, sondern als historische Zeugnisse, in denen Menschen konkrete Gefahren, Verlust, Rettung oder erfahrene Hilfe religiös deuteten und öffentlich festhielten.

Bei der Renovierung von 1988 wurde dieser Bestand stark reduziert und zahlreiche ältere Votivbilder aus der sichtbaren Ausstattung entfernt. Aus volkskundlicher Sicht bedeutete diese Bereinigung einen erheblichen Quellenverlust, weil gerade künstlerisch unscheinbare Votive häufig besonders präzise Einblicke in persönliche Lebenssituationen und religiöse Deutungen ermöglichen. Einige charakteristische Stücke blieben dennoch erhalten und erinnern bis heute an die frühere Dichte dieser materiellen Wallfahrtsfrömmigkeit.

Die Haarzöpfe von 1929

Zu den eindrucksvollsten erhaltenen Ex-voto-Gaben gehört ein verglastes Kästchen mit zwei abgeschnittenen Haarzöpfen und der Fotografie eines jungen Mädchens. Die Gabe ist auf den 12. September 1929 datiert und verbindet den Dank an Maria mit der Genesung des Kindes von einer schweren Gehirnhautentzündung. Die Familie deutete diese Genesung als erfahrene Hilfe der Gottesmutter und hinterließ mit den Haarzöpfen einen besonders persönlichen Teil der körperlichen Erscheinung des Kindes.

Damit unterscheidet sich dieses Votiv deutlich von einem gekauften Wachsmodell oder einem eigens gemalten Dankbild. Das persönliche Haar und das Foto stellen eine direkte Verbindung zwischen der betroffenen Person und dem Wallfahrtsort her und gehören zu jener Form des Votivwesens, bei der nicht ein symbolisches Ersatzobjekt, sondern etwas unmittelbar zum eigenen Körper beziehungsweise zur eigenen Identität Gehörendes geopfert wird.

Legenden um den Richtberg

Um die Entstehung des Richtberg-Taferls haben sich mehrere voneinander abweichende Überlieferungen gebildet. Eine erzählt vom "alten Hochleitner", der auf einem Baum ein wunderbares Licht gesehen und zugleich Orgelmusik gehört habe; eine Stimme habe ihn aufgefordert, dort ein Marienbild anzubringen. Eine andere Version berichtet von einem Wanderer, der sich im Nebel verirrte und versprach, an jener Stelle ein Marienbild zu befestigen, an der er wieder den richtigen Weg finden würde. Weitere Erzählungen verbinden den Bildbaum mit dem Fund einer weiblichen Leiche oder mit einem elternlosen Viehhirten, der sonntags nicht zur Messe gehen konnte und beim Marienbild auf wunderbare Weise Glocken, Orgel und sogar die Predigt aus der entfernten Kirche von Altmünster gehört haben soll.

Die Vielfalt dieser Erzählungen zeigt, dass sie nicht als konkurrierende historische Berichte gelesen werden sollten. Wiederkehrende Motive sind Verirren und Wiederfinden, wunderbares Licht und wunderbares Hören, Tod und Gefährdung, Gelübde sowie der als heilig verstandene Baum. Die Legenden erklären damit weniger die tatsächliche historische Entstehung der Wallfahrt als die besondere religiöse Qualität, die der Bevölkerung dem Richtberg zuschrieb.

Keine nachweisbare vorgeschichtliche Gerichtsstätte

Aus dem Namen "Richtberg" wurde in der heimatkundlichen Literatur wiederholt die Vermutung abgeleitet, der Berg könne bereits in vorgeschichtlicher Zeit als Gerichts- oder Kultplatz gedient haben. Einzelne Darstellungen reichen diese Vorstellung sogar bis in die Jungsteinzeit oder Keltenzeit zurück. Ein archäologischer oder historischer Nachweis für eine solche Vorgeschichte liegt jedoch nicht vor, weshalb daraus keine Frühgeschichte des Wallfahrtsortes konstruiert werden sollte.

Für das Richtberg-Taferl ist eine solche Rückprojektion auch gar nicht nötig. Die Entstehung des Marienkultes lässt sich aus dem alten Pietà-Relief, dem Renovierungsvermerk von 1721, der regelmäßigen Rosenkranzandacht seit etwa 1800 und den seit 1860 gut dokumentierten Kapellenbauten ausreichend erklären. Die gesicherte Geschichte ist selbst reich genug, ohne sie durch eine unbelegte vorgeschichtliche Gerichtsstätte aufzuwerten.

Regionale Fußwallfahrten

Die Wallfahrt zum Richtberg-Taferl entwickelte sich zu einer ausgeprägten regionalen Fußwallfahrt. Besonders gut dokumentiert ist die Tradition aus Traunkirchen, wo am 8. Mai 1946 mehr als hundert Teilnehmer gemeinsam auf den Richtberg zogen. Früher begann der Wallfahrtstag bereits in den frühen Morgenstunden bei der Röschenleitenkapelle; während des langen Weges wurden zahlreiche Rosenkränze gebetet, dem Zug wurde ein Kreuz vorangetragen, Vorbeter leiteten Gebete und Gesänge, und beim Taferl fand zunächst eine Marienandacht, später auch eine Messe statt.

Mit sinkender Teilnehmerzahl wurden einzelne Wege im 20. Jahrhundert verkürzt oder mit anderen Wallfahrten zusammengelegt, doch die Tradition als solche blieb erhalten. Zu den historisch belegten Herkunftsorten gehören unter anderem Weyregg, Schörfling, Seewalchen, Regau, Reindlmühl, Altmünster, Neukirchen und Aurach am Hongar. Auch in der Gegenwart ziehen Pfarrgruppen zu Fuß zum Richtberg-Taferl, sodass der Ort weiterhin ein tatsächliches Pilgerziel und nicht bloß ein historisch so benannter Wallfahrtsplatz ist.

Neue Traditionsschicht: Franz Jägerstätter

Eine jüngere Bedeutungsschicht erhielt der Richtberg durch Wallfahrten im Umfeld der Verehrung des seligen Franz Jägerstätter. Am 26. Oktober, dem Jahrestag seiner Seligsprechung, entwickelte sich eine eigene Pilgertradition, die den alten Marienwallfahrtsort mit Themen wie Gewissen, Frieden, persönlicher Verantwortung und Widerstand gegen Unrecht verbindet. Damit zeigt sich erneut, dass Wallfahrtsorte ihre Bedeutung im Lauf der Zeit erweitern können, ohne ältere Kultformen zu verdrängen.

Die Marienwallfahrt bleibt bestehen, während eine moderne Erinnerungs- und Friedensdimension hinzutritt. Gerade diese Fähigkeit zur Aufnahme neuer Anliegen erklärt wesentlich, weshalb ein kleiner abgelegener Gnadenort auch nach dem Verlust seines ursprünglichen Bildes, nach Veränderungen der Wege und nach dem Rückgang einzelner älterer Prozessionen weiterhin religiös genutzt wird.

Glocken und weitere Ausstattung

Auch die Glockengeschichte spiegelt die wechselvolle Geschichte der Kapelle. Eine ältere, 1730 in Salzburg von Johann Melchior Imerdorfer gegossene Glocke kam 1888 aus der Pfarrkirche Altmünster auf den Richtberg, wurde jedoch während des Ersten Weltkrieges für Kriegszwecke abgegeben. Eine weitere Glocke half zeitweise in Altmünster aus und zerbrach 1919 infolge starken Läutens. Seither besitzt die Kapelle zwei Stahlglocken aus Kapfenberg.

Solche Details mögen neben der großen Wallfahrtsgeschichte nebensächlich erscheinen, gehören aber zur materiellen Biographie des Ortes. Kapellen, Votivbilder, Wege, Glocken und Kultbilder wurden immer wieder ersetzt, versetzt oder erneuert, während die religiöse Nutzung über diese Veränderungen hinweg Bestand hatte.

Volkskundliche Bedeutung

Das Richtberg-Taferl vereinigt in ungewöhnlicher Dichte zentrale Elemente traditioneller Wallfahrtsfrömmigkeit: Am Anfang steht ein Bild an einem Baum, daran schließen sich Rosenkranzandacht, Prozession und die religiöse Deutung eines Naturereignisses an; die erste Kapelle entsteht aus lokaler Initiative, spätere Erweiterungen werden mit persönlichen Gelübden verbunden, zwei Kreuzwege führen aus unterschiedlichen Richtungen zum Heiligtum, und Votivbilder sowie persönliche Opfergaben dokumentieren Krankheit, Unfall, Todesgefahr, Rettung und Dank. Zahlreiche Sagen erweitern den Ort um eine erzählerische Ebene, ohne dass sie deshalb als historische Tatsachen missverstanden werden müssen.

Besonders charakteristisch ist die Verbindung von Landschaft und religiöser Praxis. Der mühsame Aufstieg, das gemeinsame Rosenkranzgebet, die Kreuzwege und die Abgeschiedenheit des Heiligtums im Wald bilden eine religiöse Raumstruktur, die sich deutlich von einer leicht erreichbaren Wallfahrtskirche im Ortszentrum unterscheidet. Selbst der Verlust des ursprünglichen Pietà-Reliefs konnte diese Struktur nicht zerstören, weil die Bedeutung des Richtbergs inzwischen in einem Geflecht aus Bildtradition, Wegen, Votiven, gemeinschaftlicher Erinnerung und immer wieder erneuerter Wallfahrtspraxis verankert war.

Literatur und Quellen

Lüftinger, Johann: Beiträge zur Geschichte und Volkskunde des Richtberg-Taferls und der Wallfahrten im Attersee- und Traunseegebiet.

Pfarrgemeinde Altmünster und Pfarrgemeinde Weyregg am Attersee: Beiträge zur Geschichte und gegenwärtigen Wallfahrt zum Richtberg-Taferl.

AtterWiki: Richtberg-Taferl-Kapelle. Beiträge zur Baugeschichte, zu Kreuzwegen, Gnadenbild und Votivwesen.

Bundesdenkmalamt: Denkmalliste Oberösterreich, Richtberg-Taferl-Kapelle.

Ergänzungen: Wolfgang Morscher

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