Weyregg am Attersee, Richtberg-Taferl-Kapelle
Auf der Straße von Altmünster nach Reindlmühle, von hier den Kreuzweg entlang, ungefähr 3 Stunden. Ursprünglich befand sich nur ein Bildbaum mit dem Relief einer Pieta hier, der im Jahre 1860 bei einem Sturm verschont blieb. Der Förster Matthias Schögl beriet mit seinen Holzknechten, dass man das Bild renovieren sollte. Als sie es aus dem Rahmen nahmen, bemerkten sie auf der Rückseite den Vermerk "ren. im Jahre 1721". Nach der Renovierung wurde das Bild in einer Prozession auf den Richtberg gebracht. Um nun das Bild vor den Unbilden der Witterung zu schützen, begaben sich die Besitzer Ahammer, Plasser und Pesendorfer zum damaligen Oberförster Kopfa von der Forstverwaltung Gmunden und ersuchten um die Bewilligung, eine Kapelle bauen zu dürfen. Dies wurde gestattet und die genannten Männer bauten mit dem Förster Schögl im Jahre 1862 eine Kapelle aus Baumrinde. Der Baum, auf dem sich das Bild früher befunden hatte, wurde gefällt, dafür ein Kreuz errichtet und unter dem Kreuz das Bild angebracht. Den Körper des leidenden Heilands malte der damalige Kooperator Obermayr von Altmünster auf Blech. Im selben Jahr noch fand die Einweihung der Kapelle statt. Damit diese Andachtsstätte auch ein Vermögen besitze, gaben die vier Männer je 5 fl als Anfangskapital. Später verirrte sich, anlässlich einer Jagd, der Tabakverleger Lechner aus Gmunden und gelobte, eine größere Kapelle zu bauen, wenn er sich wieder zurechtfinden würde. Die erstgenannten vier Männer hatten ohnedies schon eine Vergrößerung der Kapelle angeregt, und so schloss sich Lechner ihnen an. Schögl und Lechner sind auch auf einem Gedenkstein in der Kapelle verewigt. 1888 wurde die Kapelle neuerlich vergrößert und auch ein Kreuzweg vom Fuß des Berges bis zur Kapelle errichtet. Pfarrer Karlstätter von Altmünster weihte die Kapelle ein. 25 Jahre später ließ Kons.-Rat Pfarrer Hermann Mayr den Kreuzweg mit Reliefbildern aus München erneuern. Die Glocken der Kapelle mussten im ersten Weltkrieg abgeliefert werden.
Kultgegenstand: Reliefbild einer Pieta, Christus nach rechts gerichtet, mit dem Vermerk "1721 renoviert", wird "Maria Taferl in Oberösterreich" genannt.
Legende: Am Richtberg sah der alte Hochleitner auf einem Baum ein Licht glänzen und zugleich hörte er eine Orgel spielen. Eine Stimme befahl ihm, ein Marienbild am Baum anzubringen. Er tat es und das Bild fand bald Verehrung.
— Andere Legenden versuchen den Namen zu erklären: Auf dem Weg von Weyregg nach Altmünster hatte sich ein Wanderer verirrt und gelobte, dort ein Bild anbringen zu lassen, wo er sich wieder zurechtfinden würde.
— Nach einer anderen Version sollen hier früher Hinrichtungen stattgefunden haben; da unter den Gerichteten auch Unschuldige waren, wurde das Bild der Schmerzhaften Muttergottes angebracht.
— Nach Atterwiki lautet die Überlieferung, dass auf dem bewaldeten Plateau des Richtberges eine weibliche Leiche gefunden wurde. Man befestigte daraufhin eine Pietà an einer Fichte, die bald betende Menschen anzog. Als dann im Jahr 1860 nach einem schrecklichen Sturm, so berichtet die Legende, nur der Baum mit dem Reliefbild stehen blieb, empfand man dies als göttliche Weisung und errichtete ein Kapelle, um das Bild zu schützen.
— Sage nach Atterwiki: Der Sage nach lebte vor langer Zeit am Fuße des Richtberges bei Reindlmühl ein junger Viehhirte. Er hatte weder Mutter noch Vater und musste sich schon in jungen Jahren sein eigenes Brot verdienen. So wuchs er bei der Bäuerin am Berghof auf. Er liebte die Tiere am Hof und verehrte die Gottesmutter, weil er wusste, dass sie sich besonders der Waisenkinder annahm. Eines Tages schenkte ihm die Bäuerin ein Marienbild, dass er oben auf dem Berg bei einer Fichte, bei der er gerne verweilte, befestigte. Da er das Vieh auch sonntags hüten musste, und den Gottesdienst nicht besuchen konnte, feierte er allein bei seiner Fichte. Eines Sonntags hörte er die Kirchenglocken von Altmünster läuten. Und das, obwohl die Kirche zwei Stunden entfernt war, ebenso vernahm er die Orgelmusik und fromme Gesänge. Dem Jungen glaubte natürlich niemand. Als er aber dem darauf folgenden Sonntag sogar die Predigt vernahm und sie der Bäuerin wiedergeben konnte, beschloss diese dort eine Kapelle zu errichten. Sie war der Meinung, dass dieser Platz ein Gnaden-Ort sei.
In der Bevölkerung wird die Kapelle das "Taferl" genannt.
Wallfahrt: Am 2. Sonntag im Oktober, aber nur aus der näheren Umgebung. In Reindlmühle wird Messe gelesen und dann zum Taferl gezogen.
Heute nach Atterwiki jährliche Prozessionen aus den Gemeinden der Umgebung wie Weyregg am Attersee, Schörfling am Attersee, Seewalchen am Attersee, Regau, Reindlmühl, Altmünster, Neukirchen bei Altmünster und Aurach am Hongar.
Quelle: Hertha und Friedrich Schober, Kapelle, Kirche, Gnadenbild. Ein kunstgeschichtlicher und volkskundlicher Führer zu Wallfahrtsstätten in Oberösterreich. Linz 1972.
Mit freundlicher Genehmigung von Reinprecht Schober für SAGEN.at.
| | Lage: Richtberg, 4852 Weyregg am Attersee |
| | Lage in SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Hausruckviertel |
| | Ansicht in Street View (hier nur Luftbild) |
| | Web: Pfarrgemeinde Weyregg am Attersee |
| | Geöffnet: |
| Wir haben leider kein Foto: | |
|
|
| | Literatur zur Wallfahrt: |
| Zurück zur Übersicht: Wallfahrt im Hausruckviertel | |
| Zurück zur Übersicht: Wallfahrt in Oberösterreich | |
| Zurück zur Gesamtübersicht Wallfahrt | |
| Wir bitten Sie um Ihre Mitarbeit mit Text- oder Bildzusendungen. |
|
Ergänzungen: Wolfgang Morscher © www.SAGEN.at |
