| Wallfahrt: | Historische und bis heute lebendige Marienwallfahrt zur Schönen Madonna; Maria Schöndorf ist zugleich Festtags- und Friedhofskirche von Vöcklabruck. |
| Status: | Wallfahrtskirche und Filialkirche der Pfarrgemeinde Vöcklabruck; Patrozinium Mariä Himmelfahrt. |
| Kultzentrum: | Schöne Madonna, auch "Maria vom guten Rat" und "Mutter der schönen Liebe" genannt, um 1430/40. |
| Ort: | Friedhofstraße, 4840 Vöcklabruck. |
| Bezirk/Region: | Bezirk Vöcklabruck / Hausruckviertel. |
| Bundesland: | Oberösterreich. |
| • | Friedhofstraße, 4840 Vöcklabruck. Die weithin sichtbare Kirche liegt auf dem Schöndorfer Plateau südlich des Stadtzentrums und ist vom Friedhof umgeben. |
| • | Lage in der SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Hausruckviertel |
| • | Ansicht in Street View |
| • | Web: Pfarrgemeinde Vöcklabruck - Maria Schöndorf |
| • | Öffnungszeiten: täglich in der Regel 8:00–17:00 Uhr. Der Eintritt ist frei; während Gottesdiensten und besonderen Feiern kann die Besichtigung eingeschränkt sein. |
| • | Bilddokumentation |
| • | Ausführliche Beschreibung |
Das Gnadenbild der Wallfahrtskirche Maria Schöndorf in Vöcklabruck wird "Mutter vom guten Rat" und "Mutter der schönen Liebe" genannt. Es wurde von einem schwäbischen Künstler um 1430 geschaffen und befindet sich heute am Hochaltar der Schöndorfer Kirche.
Die Verehrung eines Marienbildes in der Schöndorfer Kirche (urkundlich erwähnt im Jahr 823) ist wesentlich älter, schriftlich erstmals erwähnt in einer Urkunde des Papstes Johannes XXII im Jahr 1332. (nach Franz Leitner 1999, S.23).
Bildquelle: SAGEN.at-Fotogalerie
• Votivbild der Wallfahrtskirche Maria Schöndorf, gestiftet von Jakob Reisner im Jahr 1689.
Das Bild ist eine besonders wertvolle Quelle zur Wallfahrtsgeschichte: Es bezeichnet die Madonna als "Uhralte Gnaden Bildnus zu Schöndorff", zeigt ankommende Wallfahrer, die damalige überdachte Stiege zum Heiligtum, die Kirche mit der historischen Christophorusdarstellung sowie die Landschaft des Vöcklabrucker Raumes.
Bildquelle: SAGEN.at-Fotogalerie
Maria Schöndorf liegt auf dem weithin sichtbaren Schöndorfer Plateau südlich des heutigen Stadtzentrums von Vöcklabruck. Die Kirche gehört zu den ältesten urkundlich fassbaren Sakralorten des oberösterreichischen Alpenvorlandes und war über viele Jahrhunderte die kirchliche Mitte eines sehr großen Pfarrgebietes. Zugleich entwickelte sie sich um eine spätmittelalterliche Marienstatue zu einem Wallfahrtsort, dessen Geschichte durch Bruderschaften, Ablässe, Votivgaben, Legenden und den bis heute bewahrten Rang als Festtagskirche der Stadt greifbar wird. Das charakteristische Erscheinungsbild mit zwei unmittelbar hintereinander stehenden, sehr unterschiedlichen Westtürmen macht Maria Schöndorf außerdem zu einem der unverwechselbaren Wahrzeichen Vöcklabrucks.
Heute ist Maria Schöndorf eine Filial-, Friedhofs- und Wallfahrtskirche der katholischen Pfarrgemeinde Vöcklabruck. Ihr Patrozinium ist Mariä Himmelfahrt. Der Ort wird weiterhin für Sonntags- und Festgottesdienste, für Begräbnisse und besondere Feiern genutzt. Die Diözese Linz bezeichnet Maria Schöndorf ausdrücklich als beliebte Wallfahrts-, Friedhofs- und Festtagskirche. Ihre heutige religiöse Bedeutung ist damit nicht allein historisches Gedächtnis, sondern Teil des kirchlichen Lebens der Stadt.
Die Geschichte beginnt noch bevor der Name Vöcklabruck in den schriftlichen Quellen erscheint. Im Mondseer Traditionsbuch ist für das frühe 9. Jahrhundert eine Schenkung des Mahtuni überliefert. Er übergab Besitz in Puhilespah, dem heutigen Pilsbach, an das Kloster Mondsee; der Rechtsakt wurde in einer Kirche zu Scugindorf erneuert beziehungsweise bestätigt. In der lokalen Überlieferung wird dieser Eintrag meist mit dem Jahr 823 verbunden, ältere Editionen und Darstellungen setzen ihn um 823/824 an. Die genaue Tages- und Jahresdatierung ist in der Literatur nicht völlig einheitlich; entscheidend ist, dass zu dieser Zeit in Schöndorf bereits eine Kirche bestand.
Diese Erwähnung ist für die Geschichte Vöcklabrucks von besonderer Bedeutung, denn die Stadt selbst erscheint erst 1134 als "pons Veckelahe", als Brücke über die Vöckla. Der Schöndorfer Kirchenplatz gehört somit zur ältesten schriftlich fassbaren Siedlungsschicht des heutigen Stadtgebietes. Bei einer Kurzgrabung unter dem heutigen Volksaltar wurden 1962 beziehungsweise 1963 Grundmauern eines frühmittelalterlichen Vorgängerbaues mit drei Apsiden festgestellt. Die archäologischen Reste werden gewöhnlich mit einer Kirche des 8. oder frühen 9. Jahrhunderts verbunden. Von diesem Bau ist oberirdisch nichts erhalten, doch seine Lage zeigt, dass der Platz über sehr lange Zeit sakral genutzt wurde.
Im 12. Jahrhundert tritt Schöndorf als bedeutende Pfarrkirche hervor. 1146/47 verband der Passauer Bischof Reginbert Einkünfte der Pfarre Schöndorf mit dem von Pilgrim von Weng gestifteten Hospiz und der Ägidiuskirche im Dörfl bei der Vöcklabrücke. Nach dem Tod Pilgrims wurden Kirche, Spital und die damit verbundenen Rechte dem Augustiner-Chorherrenstift St. Florian übergeben; die einschlägigen Quellen werden meist um 1159 angesetzt. Die Verbindung mit St. Florian prägte die kirchliche Entwicklung Vöcklabrucks über Jahrhunderte.
Schöndorf war eine ausgedehnte Mutterpfarre. Zu ihrem Bereich gehörten Gebiete, aus denen später unter anderem die Pfarren Attnang, Puchheim, Regau und Timelkam hervorgingen. Die ältere Kirche auf dem Hügel blieb der eigentliche Pfarr- und Begräbnisort, während sich die weltliche Stadt an der Vöcklabrücke entwickelte. Diese räumliche Trennung erklärt eine Besonderheit der Vöcklabrucker Kirchengeschichte: Das städtische Leben verlagerte sich in den befestigten Bereich am Fluss, der traditionelle Pfarrmittelpunkt blieb jedoch noch jahrhundertelang außerhalb der Stadt auf dem Schöndorfer Hügel.
Um 1400 entstand der zweijochige gotische Chor mit Fünfachtelschluss. Er gehört zu den ältesten heute sichtbaren Teilen der Kirche. In die gleiche Bauphase fällt der ältere, schlankere Turm, der unmittelbar westlich an das spätere Langhaus anschließt. Er war ursprünglich Teil eines kleineren Kirchenbaues und erhielt später Veränderungen, als das Langhaus erhöht und erweitert wurde.
Von der Ausstattung dieser Zeit haben sich bedeutende Stücke erhalten. Vier gotische Glasgemälde mit Verkündigung, Kreuzigung, Maria mit Kind und dem hl. Georg werden in die Zeit um 1420/30 gesetzt; einzelne Scheiben wurden im 19. Jahrhundert ergänzt oder erneuert. Die Glasmalereien stehen stilistisch der niederösterreichischen Glasmalerei nahe. Ebenfalls in das frühe 15. Jahrhundert führt das Christophorus-Fresko zurück, das einst weithin sichtbar an der Außenseite des älteren Turmes angebracht war. Teile der monumentalen Darstellung sind heute im Dachbereich beziehungsweise in der Perkheimerkapelle erhalten.
Das eigentliche Kultzentrum von Maria Schöndorf ist die spätgotische Marienstatue am Hochaltar. Sie entstand um 1430/40 und wird einem hochrangigen, unter schwäbischem Einfluss stehenden Bildhauer zugeschrieben. Die Figur gehört stilistisch zur spätgotischen Tradition der "Schönen Madonnen", bei denen höfische Eleganz, weicher Faltenfluss und eine innige Beziehung zwischen Mutter und Kind miteinander verbunden werden.
Maria erscheint gekrönt und mit königlichen Attributen; das Christuskind trägt ebenfalls eine Krone. Der Blick der Mutter ist dem Kind zugewandt. In der örtlichen Frömmigkeit trägt das Bild mehrere Namen: "Schöne Madonna", "Maria vom guten Rat" und "Mutter der schönen Liebe". Gerade diese Mehrfachbenennung ist typisch für Gnadenbilder, deren religiöse Bedeutung nicht allein aus einer kunsthistorischen Typologie, sondern aus langer lokaler Verehrung entsteht. Das Bild ist keine bloße gotische Skulptur im Museum, sondern seit Jahrhunderten das Zentrum von Gebet, Stiftung und Wallfahrt.
Die gelegentlich erzählte Deutung, Schöndorf habe seinen Namen von der "schönen" Madonna erhalten, gehört in den Bereich späterer volkstümlicher Namensdeutung. Der Ortsname Scugindorf ist mehrere Jahrhunderte älter als die um 1430/40 entstandene Statue. Die Legende ist deshalb nicht als Etymologie zu verstehen, wohl aber als schönes Beispiel dafür, wie ein verehrtes Kultbild nachträglich mit der Identität eines Ortes verbunden werden kann.
Zwischen 1450 und 1476 wurde das heutige zweischiffige, vierjochige Langhaus errichtet. Drei achteckige Pfeiler tragen das Gewölbe und teilen den Raum in zwei annähernd gleichwertige Schiffe. Solche zweischiffigen Hallenkirchen sind für die spätgotische Sakralarchitektur des Attergaues und seines Umfeldes charakteristisch. Maria Schöndorf wird häufig mit der Bauhütte beziehungsweise dem Umkreis des Vöcklamarkter Meisters Stephan Wultinger verbunden. Eine unmittelbare Zuschreibung an Wultinger ist in der neueren Forschung jedoch nicht in allen Punkten gesichert; sicher ist die Zugehörigkeit zu jener regionalen spätgotischen Bautradition, die mehrere Kirchen des Attergaues miteinander verbindet.
Eine Bauinschrift am Südportal nennt das Jahr 1450. 1476 wurde der erweiterte Kirchenbau geweiht. Die spätgotische Raumwirkung ist bis heute außergewöhnlich: Der zweischiffige Saal öffnet sich zum älteren Chor, während die verschiedenen Bauphasen durch die asymmetrische Gesamtanlage sichtbar bleiben. Maria Schöndorf ist gerade deshalb kein stilistisch "reiner" Bau, sondern ein über Jahrhunderte gewachsenes Ensemble.
Unter der Westempore liegen zwei Kapellen, die eng mit regionalen Adelsfamilien verbunden sind. Die nördliche Perkheimerkapelle entstand im 15. Jahrhundert; sie wird mit Jörg von Perkheim, Pfleger zu Wolfsegg, in Verbindung gebracht. In ihr und in ihrem baulichen Umfeld haben sich Reste des großen Christophorus-Freskos erhalten. Grabsteine erinnern an Angehörige der Familie Perkheim, darunter Kaspar von Perkheim.
Südlich befindet sich die Englgruftkapelle mit mehreren Grabdenkmälern der Familie Engl von Wagrain. Der neugotische Barbara-Altar wurde 1891 geschaffen. Die beiden Kapellen zeigen, wie stark die ehemalige Pfarrkirche zugleich als sozialer Gedächtnisort diente. Adel, Geistlichkeit und wohlhabende Bürger suchten die Nähe zum Kirchenraum und zum Gnadenbild auch für ihre Begräbnis- und Memorialstiftungen.
Das auffälligste Merkmal der Außenansicht sind die beiden direkt hintereinander stehenden Westtürme. Entgegen einer lange verbreiteten Vermutung ist der mächtige, gedrungene westliche Turm der jüngere. Er wurde in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts begonnen und sollte Teil einer weit größeren Erweiterung werden. Geplant war offenbar, das Langhaus bis zu diesem neuen Turm zu verlängern und den älteren schlanken Turm anschließend abzutragen.
Der Plan wurde nie vollendet. Wirtschaftliche Schwierigkeiten und die tiefgreifenden religiösen und politischen Veränderungen der Reformationszeit dürften zum Stillstand beigetragen haben. Auch der neue Westturm erreichte nicht die vorgesehene Höhe. So blieb aus einem abgebrochenen Großprojekt jene ungewöhnliche Doppelturm-Silhouette zurück, die heute gerade den besonderen Reiz der Kirche ausmacht. Ein architektonisches Fragment wurde zum Wahrzeichen.
Im Westturm hängen zwei besonders bedeutende spätgotische Glocken des Salzburger Glockengießers Hans Reicher aus dem Jahr 1495. Sie werden als Allerheiligenglocke und Frauenglocke bezeichnet und haben im Gegensatz zu anderen Glocken der Kirche die Metallablieferungen der Weltkriege überstanden. Ihr Fortbestand gibt Maria Schöndorf nicht nur einen seltenen historischen Klang, sondern verbindet den heutigen Gottesdienst unmittelbar mit der spätmittelalterlichen Pfarr- und Wallfahrtskirche.
Die Frauenglocke ist zugleich ein besonders passendes Zeugnis der Marienverehrung. Glocken strukturierten den religiösen Alltag nicht nur durch die Anzeige von Gottesdiensten, sondern durch Angelus, Totengedenken, Festtage und besondere Gebetsformen. In Schöndorf ist diese Verbindung von Glocke, Stiftung und Gebet für das frühe 16. Jahrhundert besonders gut dokumentiert.
Die spätmittelalterliche Frömmigkeit von Schöndorf lässt sich ungewöhnlich konkret aus Stiftungen und Bruderschaften erschließen. Im 15. und frühen 16. Jahrhundert bestanden eine Bruderschaft Unserer Lieben Frau, häufig als Frauenzeche bezeichnet, und eine Bruderschaft Aller Gläubigen Seelen. Bürger, Geistliche und Grundbesitzer stifteten Geld, Grundstücke und Zehentrechte für Jahrtage, Frauenämter, Seelenmessen, Gebetsgedenken und kirchliche Musik.
1495 etwa stifteten Leonhard Huber aus Timelkam und seine Frau Barbara einen Jahrtag mit Vigil, Seelen- und Frauenamt; im selben Jahr gab der Vöcklabrucker Bürger Hanns Han mit seiner Frau Margaretha Geld an die Frauenzeche. 1498 vermachte der Geistliche Sigmund Swertmann der Frauenzeche Zehentrechte und Besitz. Solche Stiftungen zeigen eine dichte organisierte Marien- und Totengedächtnisfrömmigkeit lange vor den großen barocken Wallfahrtsformen. Die Kirche war nicht nur Pfarrzentrum, sondern ein Ort, an dem persönliche Sorge um Seelenheil, familiäres Gedächtnis und öffentliche Liturgie miteinander verbunden waren.
Besonders anschaulich ist eine Stiftung des Vöcklabrucker Bürgers Wolfgang Ahamer. Papst Leo X. bestätigte 1517 eine Ordnung, nach der am Donnerstagabend zum Gedächtnis der Todesangst Christi, am Freitag zur Erinnerung an seinen Tod und am Samstag zu Ehren Mariens geläutet werden sollte. Wer beim Läuten bestimmte Gebete sprach, konnte nach der damaligen kirchlichen Ablasspraxis einen Ablass gewinnen. Der Text verband das Gebet außerdem mit der Unterstützung kirchlicher und öffentlicher Vorhaben.
Ahamer ergänzte die Stiftung 1521 durch Besitz, aus dessen Erträgen Messen, Armenunterstützung und das Läuten finanziert wurden. In den Quellen erscheint dafür die Bezeichnung "Wull-Läuten". An Marienfesten sollte ein Priester die päpstliche Bulle und den Ablass verkünden. Dieser Quellenkomplex ist volkskundlich besonders wertvoll, weil er zeigt, wie Glockenklang den Wochenrhythmus einer ganzen Umgebung religiös strukturierte. Frömmigkeit bestand nicht nur im Kirchenbesuch, sondern griff akustisch weit in Stadt und Landschaft aus.
Der Ablass von 1517 ist dabei nicht einfach mit einer eigenen Wallfahrtsindulgenz gleichzusetzen. Er belegt jedoch die hohe religiöse Attraktivität der Kirche, ihre marianische Bruderschaft und ein ausgeprägtes System von Stiftung, Gebet und öffentlicher Frömmigkeit unmittelbar vor der Reformation.
Im 16. Jahrhundert wurde auch Vöcklabruck stark von der Reformation erfasst. Stadtbürger, Rat und regionale Adelsfamilien wandten sich in erheblichem Umfang der evangelischen Lehre zu; zugleich versuchte das Stift St. Florian seine Rechte über Pfarre und Kirche zu behaupten. Die Auseinandersetzungen konnten unmittelbar Schöndorf betreffen. In den 1590er Jahren kam es bei der Besetzung der Pfarrstelle sogar zu Konflikten um den Zugang zu Kirche, Friedhof und Pfarrhof.
Der oberösterreichische Bauernkrieg von 1626 prägte das spätere religiöse Gedächtnis. Eine lokale Legende erzählt, aufständische Bauern hätten das Schöndorfer Gnadenbild wiederholt vom Altar genommen, in der Sakristei eingeschlossen oder sogar vermauert; die Madonna sei jedoch auf wunderbare Weise immer wieder an ihren Platz zurückgekehrt. Für diese wundersame Rückkehr gibt es keinen historischen Nachweis. Als Legende ist die Erzählung dennoch bedeutend: Sie verarbeitet die konfessionellen und sozialen Konflikte des 17. Jahrhunderts in der verbreiteten Erzählform des "wandernden" oder unentfernbaren Gnadenbildes. Das Bild selbst erscheint darin als handelndes Zeichen, das seinen angestammten Kultort nicht verlassen will.
Das große Votivbild des Vöcklabrucker Bürgers Jakob Reisner aus dem Jahr 1689 gehört zu den wichtigsten Quellen für die Wallfahrtsgeschichte von Maria Schöndorf. Es bezeichnet die Madonna ausdrücklich als "Uhralte Gnaden Bildnus zu Schöndorff" und zeigt nicht nur das Kultbild, sondern auch die Kirche und ihre Umgebung. Eine Gruppe von Wallfahrern nähert sich dem Heiligtum; dargestellt sind die damalige überdachte Stiege, die landschaftliche Situation mit dem Traunstein im Hintergrund und Einzelheiten, die heute verändert oder verschwunden sind.
Besonders bemerkenswert ist der auf dem Bild formulierte Aufruf zu andächtigem und gläubigem Gebet. Das Votivbild ist dadurch zugleich Darstellung und Werbung für den Gnadenort. Es dokumentiert eine bereits etablierte Vorstellung, wonach Maria in Schöndorf als wirksame Fürsprecherin angerufen werden konnte. Die Stifterfamilie erscheint im Gebet; die Bildkomposition verbindet persönliche Not- und Dankerfahrung mit einer allgemeinen Einladung zur Wallfahrt.
Für die Volkskunde ist das Gemälde darüber hinaus eine seltene bildliche Quelle zur konkreten Wallfahrtstopographie. Es zeigt nicht nur "dass" gepilgert wurde, sondern wie man sich dem Ort näherte, wie Kirche, Kapelle, Stiege und Landschaft wahrgenommen wurden und wie das Gnadenbild in diese reale Umgebung eingebettet war.
Im 17. und 18. Jahrhundert erhielt die Kirche eine umfangreiche barocke Ausstattung. Dazu gehören das reich geschnitzte Chorgestühl, Kreuzwegbilder und Seitenaltäre. Das Chorgestühl trägt das Vöcklabrucker Stadtwappen, von Engeln gehalten, und erinnert an die enge Verbindung zwischen Stadt und alter Pfarrkirche.
Die Kirchenmusik spielte eine wichtige Rolle. Bereits 1594 ist ein "Schulkantorium" erwähnt. In der Barockzeit wurden Organist, Schulmeister, Sänger und Instrumentalisten für die feierliche Gestaltung der großen kirchlichen Feste herangezogen. Bis in die josephinische Zeit finanzierten Stadt und Pfarre gemeinsam Musiker. Aus dieser kirchlichen Musikpflege gingen langfristig sowohl der Kirchenchor als auch wichtige Teile des städtischen Musiklebens hervor.
Der linke Seitenaltar stammt im Kern aus dem Jahr 1730. Im Zuge der Restaurierung der 1930er Jahre wurde er von Jakob Adlhart überarbeitet und zum Leonhardialtar gestaltet. Der hl. Leonhard gehörte in ländlichen Gebieten Oberösterreichs zu den besonders populären Vieh- und Bauernpatronen. Seine Aufnahme in die Ausstattung von Schöndorf verweist auf die enge Verbindung der ehemaligen Großpfarre mit ihrem bäuerlichen Umland.
Ältere Beschreibungen sprechen von einer besonderen Leonhardiverehrung in Schöndorf. Für eine eigenständige, bis in die Gegenwart kontinuierlich nachweisbare Leonhardiwallfahrt lassen sich in den heute leicht zugänglichen Quellen jedoch keine ausreichend genauen Belege finden. Der Altar selbst ist dagegen ein sicheres Zeugnis dafür, dass die Leonhardsfrömmigkeit im Kultspektrum der Kirche einen festen Platz erhielt.
Bis 1785 war Schöndorf die Pfarrkirche von Vöcklabruck. Im Zuge der josephinischen Pfarrreformen wurde der Pfarrsitz in die zentraler gelegene St.-Ulrichs-Kirche innerhalb der Stadt verlegt. Gleichzeitig wurden Teile der alten Großpfarre verselbständigt. Maria Schöndorf wurde damit zur Filial- und Friedhofskirche.
Der Verlust des Pfarrstatus bedeutete jedoch nicht den Verlust ihrer religiösen Bedeutung. Die Kirche blieb mit dem Gnadenbild, dem Friedhof, großen Festgottesdiensten und der Erinnerung an die alte Mutterpfarre eng mit der Bevölkerung verbunden. Noch in der Gegenwart wird sie bei hohen Festen und besonderen Gottesdiensten genutzt und in der örtlichen Wahrnehmung vielfach als geistliche Hauptkirche beziehungsweise "heimliche Pfarrkirche" empfunden.
Der heutige Hochaltar wurde 1869 vom Linzer Bildhauer Josef Westerreicher geschaffen. Er bietet der spätgotischen Madonna einen historistischen architektonischen Rahmen und macht sie unübersehbar zum Mittelpunkt des Chores. Neben Maria erscheinen unter anderem die Heiligen Koloman und Florian; weitere Heiligenfiguren und Engel ergänzen das Programm.
Bei der Restaurierung von 1933/34 fügte der Salzburger Bildhauer Jakob Adlhart zusätzliche Reliefs hinzu. Der Hochaltar ist damit selbst ein geschichtetes Werk: spätgotisches Gnadenbild, neugotischer Schrein des 19. Jahrhunderts und Ergänzungen des 20. Jahrhunderts verbinden sich zu einer Einheit. Gerade diese Verbindung zeigt, wie jede Zeit das alte Kultbild neu inszenierte, ohne es durch eine moderne Kopie zu ersetzen.
Jakob Adlhart prägte nicht nur den Hochaltar. Er restaurierte und ergänzte den linken Seitenaltar, gestaltete ihn zum Leonhardialtar und schuf 1935 den rechten Seitenaltar als stilistisches Gegenstück. Auch die Fassung älterer Figuren wurde überarbeitet. Die Eingriffe gehören in jene Phase der Kirchenrestaurierung, in der man versuchte, gotische, barocke und neugotische Ausstattung zu einem harmonischen Gesamtbild zusammenzuführen.
Unter der Empore blieb dagegen die historisch andersartige Welt der Grabkapellen erhalten. Maria Schöndorf besitzt dadurch einen für eine Friedhofs- und Wallfahrtskirche besonders reichen Bestand an Grabsteinen, Epitaphien und Memorialzeichen vom Spätmittelalter bis in die Neuzeit.
Bei Restaurierungsarbeiten im 20. Jahrhundert wurden an der Emporenrückwand Fresken mit Wappen und dekorativen Motiven freigelegt, die um 1487 beziehungsweise in die Zeit um 1500 datiert werden. In der lokalen Forschung wurden sie mit Jörg Kölderer, dem Hofmaler Kaiser Maximilians I., in Verbindung gebracht. Kölderer schuf auch die berühmten Wappenfresken an den Vöcklabrucker Stadttürmen.
Die Zuschreibung ist kunsthistorisch reizvoll, sollte aber mit einer gewissen Vorsicht formuliert werden: Während Kölderers Tätigkeit in Vöcklabruck an den Stadttürmen gut verankert ist, ist die persönliche Ausführung sämtlicher Schöndorfer Malereien nicht in gleicher Weise urkundlich gesichert. Unabhängig von der konkreten Hand gehören die Fresken in das kulturelle Umfeld des maximilianischen Vöcklabruck und verbinden die Kirche sichtbar mit der repräsentativen Bildwelt der Stadt.
Über dem Hauptportal befindet sich eine spätmittelalterliche Ölberggruppe aus Keramik. Solche Darstellungen der betenden Christusfigur am Ölberg mit den schlafenden Jüngern dienten der Passionsandacht und führten den Besucher bereits vor dem Eintritt in die Kirche in das Leiden Christi ein. Die Ölbergverehrung erlebte im 15. Jahrhundert eine starke Verbreitung und passt in die dichte spätmittelalterliche Frömmigkeitslandschaft Schöndorfs mit Bruderschaften, Jahrtagsstiftungen und Ablässen.
Auch hier ist die räumliche Anordnung wichtig: Der Zugang zum Marienheiligtum wurde durch ein Passionsbild gerahmt. Marien- und Christusfrömmigkeit standen nicht nebeneinander, sondern bildeten eine Einheit, wie sie auch in Frauenämtern, Seelenmessen und dem Läuteritual des frühen 16. Jahrhunderts greifbar wird.
Eine Orgel ist in Schöndorf bereits 1487 erwähnt. Im Jahr 1746 kam ein 1699 gebautes Instrument des Orgelbauers Johann Freund aus dem Stift St. Florian nach Vöcklabruck. Auf dieser älteren Schöndorfer Orgel spielte auch Anton Bruckner. Die Verbindung zu Bruckner ist daher historisch real, betrifft aber nicht das heute vorhandene Instrument.
Die heutige Bruckner-Gedächtnisorgel wurde von Christoph Enzenhofer aus Bludesch gebaut und 2010 eingeweiht. Sie besitzt 27 beziehungsweise in manchen Beschreibungen 28 gezählte Register und 1580 Pfeifen; die unterschiedliche Registerzählung beruht auf der jeweiligen organologischen Erfassung. Ihr farbiger Prospekt ist als moderne Interpretation in den gotischen Raum eingefügt. Die Bezeichnung als Bruckner-Gedächtnisorgel hält die Erinnerung an die ältere Orgel und an Bruckners Verbindung zur Kirche lebendig.
Der Friedhof gehört seit Jahrhunderten untrennbar zu Maria Schöndorf. Noch nachdem die Pfarrrechte in die Stadt übertragen worden waren, blieb der Schöndorfer Hügel Begräbnis- und Erinnerungsort. Im Kirchenraum, an den Außenwänden und auf dem Friedhof finden sich zahlreiche Grabdenkmäler verschiedener Epochen. Sie dokumentieren Geistliche, Adelsfamilien, Bürger und andere gesellschaftliche Gruppen der Stadt und ihres Umlandes.
Die Verbindung von Wallfahrtskirche und Friedhof verleiht dem Ort eine besondere Stimmung. Bitte und Dank an Maria stehen räumlich neben Totengedächtnis und Begräbniskultur. Für viele Vöcklabrucker Familien ist Schöndorf deshalb nicht nur historisches Wahrzeichen, sondern ein Ort biographischer Erinnerung.
Die Wallfahrt nach Maria Schöndorf lässt sich nicht auf ein einziges Gründungswunder zurückführen. Sie entwickelte sich aus der Verbindung einer sehr alten Pfarrkirche mit einer seit dem 15. Jahrhundert verehrten Marienstatue. Die Frauenbruderschaft, Marienstiftungen und Ablasspraxis zeigen ein dichtes marianisches Frömmigkeitsmilieu bereits um 1500. Das Votivbild von 1689 dokumentiert den Ort ausdrücklich als Gnadenstätte und zeigt Wallfahrer auf dem Weg zur Kirche.
Im Unterschied zu großen überregionalen Fernwallfahrten war Schöndorf vor allem ein regionales Heiligtum für Stadt und Umland. Gerade darin liegt seine volkskundliche Bedeutung: Die Wallfahrt war mit Pfarrleben, Familiengedächtnis, Friedhof, bäuerlicher Umgebung und städtischen Stiftern eng verflochten. Die heutige Diözese führt Maria Schöndorf weiterhin als Wallfahrtskirche, und die Bezeichnungen "Maria vom guten Rat" und "Mutter der schönen Liebe" leben fort. Die lange Kulttradition ist damit nicht abgeschlossen, auch wenn sich Form und Intensität der Wallfahrt gegenüber der frühen Neuzeit verändert haben.
Wie bei vielen alten Marienwallfahrten ist die Geschichte des Bildes von Erzählungen umgeben. Die bekannteste ist die bereits erwähnte Legende aus dem Bauernkrieg, nach der das Gnadenbild trotz Wegsperren immer wieder auf seinen Altar zurückkehrte. Eine zweite Erzähltradition verbindet den Ortsnamen mit der "schönen" Madonna. Beide Geschichten sind historisch nicht als Tatsachenberichte zu lesen.
Ihre Bedeutung liegt vielmehr darin, welche Eigenschaften sie dem Bild zuschreiben: Die Madonna gehört unverrückbar an diesen Ort und prägt dessen Identität. Solche Legenden sind typische Formen volkstümlicher Sakraltopographie. Sie erklären nicht, wann ein Bild tatsächlich entstand oder woher ein Ortsname stammt, sondern warum ein bestimmter Ort als heilig und unverwechselbar erlebt wird.
Die Pfarrgemeinde beging 2023 das 1200-jährige Jubiläum der ersten urkundlichen Erwähnung von Schöndorf. Das Jubiläum machte deutlich, dass die Kirche bis heute weit mehr als ein Baudenkmal ist. Gottesdienste, Musik, Friedhof, Wallfahrt und Stadtgeschichte überschneiden sich an diesem Ort seit Jahrhunderten.
Maria Schöndorf gehört damit zu den eindrucksvollsten Beispielen einer gewachsenen Wallfahrtskirche in Oberösterreich. Die frühe Kirche von Scugindorf, die mittelalterliche Großpfarre, der spätgotische Neubau, das Gnadenbild, Bruderschaften, Ablässe, Reformation und Bauernkrieg, barocke Frömmigkeit, josephinische Reformen, neugotische Ausstattung und heutiges Festtagsleben bilden keine geradlinige Entwicklung, sondern viele historische Schichten. Gerade diese Schichten machen den Ort zu einem außergewöhnlich reichen Zeugnis der Religions-, Kunst- und Alltagsgeschichte des Vöcklabrucker Raumes.
Leitner, Franz: Die bewegte Geschichte von Maria Schöndorf. Vöcklabruck einst und jetzt, Heft 20. Vöcklabruck 1999.
Leitner, Franz: Die Kirchen von Vöcklabruck. Christliche Kunststätten Österreichs, Nr. 458. Salzburg: Verlag St. Peter 2006, ISBN 3-9501654-4-4.
Satzinger, Franz: Vöcklabruck. Stadtgeschichte - Von den Anfängen bis 1850. Vöcklabruck 2006.
Stülz, Jodocus: Zur Geschichte der Pfarre und der Stadt Vöcklabruck. In: Bericht über das Museum Francisco-Carolinum, Bd. 17. Linz 1857, S. 1-190.
Zauner, Alois: Vöcklabruck und der Attergau. Stadt- und landesgeschichtliche Beiträge. Linz 1971.
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Ergänzungen: Wolfgang Morscher
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