Stroheim, Landerl-Kapelle

Schnellüberblick
Wallfahrt:Aus einem 1887 eingerichteten öffentlichen Marien-Andachtsplatz hervorgegangener lokaler Wallfahrtsort. Bis heute führt am Christi-Himmelfahrtstag eine Prozession von der Pfarrkirche Stroheim zur Landerl-Kapelle, wo eine Maiandacht gefeiert wird.
Status:Kleiner, bis heute lebendiger lokaler Wallfahrts- und Andachtsort.
Kultzentrum:Ein Marienbild vom Typus "Maria Hilf", das Franz Landerl am 16. März 1887 zur öffentlichen Verehrung an einem Baum anbrachte und das später in die neu errichtete Kapelle übertragen wurde.
Ort:Stroheim.
Bezirk/Region:Bezirk Eferding / Hausruckviertel.
Bundesland:Oberösterreich.
Lage und Besuch
•Die Landerl-Kapelle liegt rund zwei Kilometer östlich des Ortszentrums von Stroheim auf einer Anhöhe in offener Kulturlandschaft und ist über Wege von Stroheim beziehungsweise aus Richtung Schaunberg erreichbar.
•Lage in der SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Hausruckviertel
•Ansicht in Street View
•Web: Pfarrgemeinde Stroheim
•Öffnungszeiten: Für Besichtigungen außerhalb von Gottesdiensten und Andachten sind keine verlässlichen täglichen Öffnungszeiten veröffentlicht.
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•Ausführliche Beschreibung

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Besonders willkommen sind Außenansicht und Innenraum der Landerl-Kapelle, das Maria-Hilf-Bild, der historistische Altar, die Ausmalung von 1904, die Bau- und Stifterinschriften, die Christi-Himmelfahrtsprozession sowie weitere Zeugnisse der lokalen Marienverehrung.

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Ausführliche Beschreibung

Ein kleiner Andachtsort mit echter Wallfahrtstradition

Die Landerl-Kapelle bei Stroheim gehört zu jener Gruppe kleiner religiöser Orte, bei denen die Grenze zwischen Andachtsplatz und Wallfahrtsort besonders deutlich sichtbar wird. Sie besitzt weder die lange Geschichte einer mittelalterlichen Wallfahrt noch ein Mirakelbuch, eine Heilquelle oder einen umfangreichen historischen Votivbestand. Dennoch ist sie mehr als eine private Flurkapelle. Aus einem öffentlich verehrten Marienbild entwickelte sich um 1900 eine Kapelle, zu der bis heute jährlich eine kirchlich organisierte Prozession führt. Gerade diese bis in die Gegenwart lebendige Praxis rechtfertigt die Bezeichnung als kleiner lokaler Wallfahrts- und Andachtsort.

Franz Landerl und das Marienbild von 1887

Der Ausgangspunkt der Verehrung liegt im Jahr 1887. Franz Landerl, ein Bediensteter des Franziskanerklosters Pupping, brachte am 16. März dieses Jahres an einem Baum ein Marienbild zur öffentlichen Verehrung an. Die spätere Inschrift in der Kapelle bewahrte dieses Datum und nennt Landerl ausdrücklich als Initiator des Andachtsplatzes.

Das Bild gehört zum Typus "Maria Hilf", der auf das berühmte Marienbild Lucas Cranachs des Älteren zurückgeht und im süddeutsch-österreichischen Raum außerordentlich weit verbreitet war. Die Schartner beziehungsweise Stroheimer Überlieferung vermutet für das Landerl-Bild eine frühere Verwendung als Votivbild, möglicherweise in Maria Schmolln. Für diese konkrete Herkunft lässt sich jedoch kein gesicherter Nachweis führen. Sicher ist, dass das Bild in Stroheim nicht ursprünglich für einen Kapellenaltar geschaffen wurde, sondern zunächst als öffentliches Andachtsbild an einem Baum hing.

Vom Bildbaum zur Kapelle

Die Aufstellung eines religiösen Bildes an einem Baum war im ländlichen Raum keineswegs ungewöhnlich. Bildbäume konnten private Erinnerungszeichen, Wegandachten, Dankmale oder Ausgangspunkte einer intensiveren Verehrung sein. Entscheidend war, ob sich um ein solches Bild eine dauerhafte Praxis entwickelte. Im Fall der Landerl-Kapelle geschah genau dies.

Innerhalb weniger Jahre wurde aus dem einfachen Andachtsplatz ein festes Gotteshaus. Der Anstoß zum Bau wird Johann Kreuzwieser zugeschrieben, einem Ordensbruder und Portier im Franziskanerkloster Pupping. Zwischen 1901 und 1904 ließ er an der Stelle des verehrten Bildes eine Kapelle errichten. Die Finanzierung erfolgte nach der örtlichen Überlieferung aus eigenem Erbgut und durch Spenden aus der Bevölkerung.

Baugeschichte 1901 bis 1904

Die Baugeschichte lässt sich nicht auf ein einziges Jahr reduzieren. Eine Inschrift nennt 1903, andere Hinweise führen bereits in die Jahre 1901/02. Wahrscheinlich entstand die Kapelle schrittweise. Der Eferdinger Maurermeister Wilhelm Krenn führte wesentliche Bauarbeiten aus; 1903 war das Gebäude weitgehend vollendet.

Die Kapelle wurde in späthistoristischen Formen errichtet. Der kleine Bau besitzt einen rechteckigen Hauptraum mit halbrunder Apsis und einen vorgelagerten Portikus. Innen ist der Raum mit einem Kreuzrippengewölbe überspannt. Obwohl die Kapelle in ihrer Größe bescheiden ist, erhielt sie eine erstaunlich aufwendige Ausstattung.

Der Altar von Ferdinand Stuflesser

Bereits 1902 entstand der Altar. Er stammt aus der bekannten Grödner Werkstatt des Bildhauers und Altarbauers Ferdinand Stuflesser in St. Ulrich in Gröden. Diese Werkstatt belieferte im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert zahlreiche Kirchen in Österreich und darüber hinaus mit historistischen Altären und Figuren.

Der Altar der Landerl-Kapelle zeigt die Heilige Familie. Bemerkenswert ist, dass das ursprüngliche Maria-Hilf-Bild damit nicht zum Mittelpunkt des Hochaltares wurde, obwohl gerade dieses Bild den Andachtsplatz begründet hatte. Es befindet sich an der Seitenwand. Die Kultgeschichte der Kapelle und ihre spätere liturgische Ausstattung sind daher nicht völlig deckungsgleich.

Die Ausmalung von 1904

1904 wurde die Kapelle vom Linzer Kirchenmaler Bubenik dekorativ ausgemalt. Die historistische Malerei umfasst gemalte Architekturglieder, ornamentale Felder, Grotesken und eine Himmelsdarstellung im Bereich der Apsis. Zusammen mit dem Kreuzrippengewölbe, den Butzenglasfenstern und dem Gestühl entstand ein geschlossenes historistisches Raumensemble.

Die Landerl-Kapelle ist damit kunsthistorisch anspruchsvoller, als ihre abgeschiedene Lage erwarten lässt. Sie wurde nicht als bloßer Wetterschutz für ein Marienbild errichtet, sondern als bewusst gestalteter sakraler Raum.

Maria Hilf als Bildtypus

Der Typus "Maria Hilf" zeigt Maria mit dem Jesuskind in enger körperlicher Beziehung. Das Kind schmiegt sich an die Mutter und sucht bei ihr Schutz. Gerade diese unmittelbar menschliche Darstellung machte das Motiv seit dem 17. Jahrhundert zu einem der beliebtesten Marienbilder des Alpenraumes.

In Stroheim wurde dieser vertraute Bildtypus zum Ausgangspunkt einer eigenen lokalen Verehrung. Eine besondere Wunder- oder Heilungslegende ist nicht nachweisbar. Der Rang des Bildes entstand vielmehr aus seiner öffentlichen Aufstellung, der späteren Übertragung in die Kapelle und der fortdauernden Andacht.

Kein klassischer Gnadenort

Für die Landerl-Kapelle sind bislang keine Mirakelaufzeichnungen, umfangreichen Votivserien oder überregionalen Heilungsberichte bekannt. Auch eine besondere kultische Spezialisierung, etwa auf Augenleiden, Kinderkrankheiten oder andere Nöte, lässt sich nicht erkennen.

Der Ausdruck "Gnadenbild", der in lokalen Beschreibungen gelegentlich verwendet wird, sollte deshalb nicht mit den großen historischen Gnadenbildern von Maria Scharten, Adlwang oder Maria Schmolln gleichgesetzt werden. In Stroheim steht die kontinuierliche Verehrung eines Marienbildes und nicht eine ausgeprägte Mirakeltradition im Mittelpunkt.

Die Christi-Himmelfahrtsprozession

Der entscheidende Nachweis für den Wallfahrtscharakter ist die jährlich wiederkehrende Prozession am Christi-Himmelfahrtstag. Sie führt von der Pfarrkirche Stroheim zur Landerl-Kapelle. Die Gläubigen ziehen mit Gebet und Gesang zur Kapelle und feiern dort eine Maiandacht. Auch der örtliche Musikverein begleitet die Prozession.

Traditionell nehmen daran außerdem Kinder teil, die am Vormittag ihre Erstkommunion gefeiert haben. Dadurch wird der kleine Wallfahrtsweg mit einem wichtigen Übergangsritus des pfarrlichen Lebens verbunden. Die Pfarrgemeinde selbst bezeichnet diese Prozession ausdrücklich als Hauptwallfahrt zur Landerl-Kapelle.

Diese Tradition ist keine nur historisch erinnerte Veranstaltung. Die Christi-Himmelfahrtsprozession wird weiterhin durchgeführt und im örtlichen Veranstaltungskalender angekündigt. Damit besitzt der Ort eine tatsächliche, regelmäßig erneuerte Pilgerpraxis.

Wallfahrt und Andacht

Der Begriff "Wallfahrt" muss bei der Landerl-Kapelle dennoch in einem kleinräumigen Sinn verstanden werden. Die jährliche Prozession beginnt in derselben Pfarrgemeinde und führt zu einem nahe gelegenen Andachtsplatz. Es handelt sich nicht um einen überregionalen Wallfahrtsstrom mit zahlreichen Herkunftspfarren.

Gerade solche lokalen Wallfahrten gehören jedoch zur traditionellen religiösen Landschaft Oberösterreichs. Der Weg, das gemeinsame Gebet, das Ziel außerhalb des Pfarrzentrums und die dort gefeierte Andacht bilden eine echte Wallfahrtsstruktur. Die Landerl-Kapelle steht damit zwischen Flurandacht und klassischem Wallfahrtsheiligtum.

Weitere Nutzung

Neben der Christi-Himmelfahrtsprozession wird die Kapelle für Maiandachten und andere kleinere religiöse Zusammenkünfte genutzt. Auch kirchliche Gruppen suchen den Ort auf. Darüber hinaus dient die landschaftlich reizvoll gelegene Kapelle gelegentlich als Hochzeitskirche.

Diese verschiedenen Nutzungen zeigen, dass sie nicht zu einem bloßen Denkmal geworden ist. Der Bau ist weiterhin in das religiöse und soziale Leben der Gemeinde eingebunden.

Restaurierung und Denkmalpflege

Im Lauf der Zeit führten Feuchtigkeit und Putzschäden zu erheblichen Problemen. 2018/19 wurde die Kapelle deshalb umfassend restauriert. Dazu gehörten Maßnahmen gegen aufsteigende Feuchtigkeit, die Sicherung der Fassaden und die konservatorische Behandlung der historischen Innenmalerei.

Bei den Untersuchungen stellte sich heraus, dass die ursprüngliche Außenfarbigkeit deutlich von späteren Fassungen abwich. Die historische rosa Farbgebung wurde wiederhergestellt. Im Inneren konnten erhaltene Teile der Dekorationsmalerei konserviert und beschädigte Bereiche auf Grundlage des Bestandes ergänzt werden.

Für die denkmalpflegerische Arbeit erhielt die Pfarre Stroheim 2019 einen Anerkennungspreis des Landes Oberösterreich. Auch das Bundesdenkmalamt stellte die Restaurierung ausführlich vor und bezeichnete die Landerl-Kapelle ausdrücklich als lebendigen Andachts- und Wallfahrtsort.

Volkskundliche Bedeutung

Volkskundlich ist die Landerl-Kapelle gerade wegen ihrer geringen Größe interessant. Ihre Geschichte zeigt, wie im späten 19. Jahrhundert noch ein neuer religiöser Ort entstehen konnte: Ein Einzelner bringt ein Marienbild an einem Baum an, die Bevölkerung nimmt den Platz als Andachtsort an, ein Ordensbruder organisiert den Kapellenbau, Spender finanzieren die Ausstattung, und schließlich entsteht eine jährlich wiederkehrende Prozession.

Es handelt sich damit nicht um eine von kirchlichen Behörden planmäßig gegründete Wallfahrt. Der Kult wuchs aus einer lokalen Andacht heraus und wurde erst anschließend baulich und liturgisch gefestigt. Solche Prozesse sind für die religiöse Volkskunde besonders aufschlussreich, weil sie zeigen, wie sakrale Orte aus praktizierter Frömmigkeit entstehen.

Die Landerl-Kapelle gehört daher nicht in die Reihe der großen oberösterreichischen Gnadenstätten. Sie sollte aber ebenso wenig als beliebige Wegkapelle abgetan werden. Ihre bis heute lebendige Christi-Himmelfahrtsprozession macht sie zu einem kleinen, klar fassbaren Wallfahrtsort mit stark lokalem Charakter.

Literatur und Quellen

Bundesdenkmalamt: Wiederhergestellt 60. Landerlkapelle in Stroheim. Restaurierung eines lebendigen Andachtsortes. Wien.

Pfarrgemeinde Stroheim: Beiträge zur Geschichte der Landerl-Kapelle und zur Christi-Himmelfahrtsprozession.

Land Oberösterreich: Dokumentation zur Restaurierung der Landerl-Kapelle und zum Anerkennungspreis für Denkmalpflege.

Ergänzungen: Wolfgang Morscher

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