Straß im Attergau, Kronberg – Wallfahrtskapelle Unserer Lieben Frau von der Immerwährenden Hilfe

Die auf dem Kronberg gelegene Kapelle Unserer Lieben Frau von der Immerwährenden Hilfe gehört zu den kleinen, aus bäuerlicher Frömmigkeit hervorgegangenen Wallfahrtsorten des Attergaus. Sie befindet sich im Gemeindegebiet von Straß im Attergau, unweit von St. Georgen, an einem weithin sichtbaren Höhenplatz über der Landschaft des Attergaus und dem nördlichen Attersee. Die heutige Kapelle entstand in den 1870er Jahren und entwickelte sich nach Erteilung der Messlizenz zu einem Marienwallfahrtsort. Eine regelmäßig am Pfingstmontag von Abtsdorf auf den Kronberg führende Wallfahrt hält diese Tradition bis heute lebendig.

Geschichte

Der Ursprung der Kronbergkapelle reicht in das frühe 19. Jahrhundert zurück. Nach örtlicher Überlieferung errichteten drei Bauern des Kronbergs eine kleine hölzerne Kapelle aus Dankbarkeit dafür, dass ihre Gegend während der kriegerischen Ereignisse der Jahre 1809 und 1810 von den durchziehenden französischen und bayerischen Truppen verschont geblieben war. Ob dieser Zusammenhang historisch im Einzelnen nachweisbar ist, bleibt offen; die Überlieferung selbst ist jedoch bemerkenswert, weil sie die Entstehung des Heiligtums in den Zusammenhang eines gemeinschaftlichen Dank- und Votivaktes nach überstandener Kriegsgefahr stellt. Die ältere Holzkapelle brannte in den 1860er Jahren ab.

Die heutige Kapelle wurde zwischen 1870 und 1875 errichtet; als Baujahr wird vielfach 1872 angegeben. Bauherr war der Bauer Rosenkranz vom Wallwegergut. Nach der örtlichen Überlieferung beschränkte sich sein Anteil keineswegs auf die Errichtung des Gebäudes: Während der Wintermonate soll er auch die drei Altäre samt ihren Figuren im neugotischen Stil selbst angefertigt haben. Damit erscheint die Kronbergkapelle als bemerkenswertes Beispiel jener bäuerlichen Sakralkultur, bei der Stiftung, Bau und künstlerische Ausstattung noch unmittelbar aus dem lokalen religiösen Milieu hervorgingen. Am 3. Juni 1875 wurden die Glocken geweiht; der heutige Turm kam 1885 hinzu.

Mit der Erteilung einer Messlizenz erhielt die Kapelle eine über die private oder nachbarschaftliche Andacht hinausgehende kirchliche Funktion. Nach der von Helmut Pachler überlieferten Geschichte des Ortes wurde das Kirchlein bald zu einem Marienwallfahrtsort. Früher führte auch ein Kreuzweg auf den Kronberg. Die Kapelle steht heute unter Denkmalschutz und befindet sich weiterhin im Privatbesitz der Familie Haberl.

Kapelle und Ausstattung

Der kleine Sakralbau zeigt die für das spätere 19. Jahrhundert charakteristischen neugotischen Formen. Seine besondere Bedeutung liegt jedoch weniger in architektonischer Monumentalität als in seiner Entstehung aus dem bäuerlichen Lebens- und Frömmigkeitsbereich des Kronbergs. Gerade die Überlieferung, dass der Erbauer auch die drei neugotischen Altäre und deren Figuren selbst geschaffen habe, verleiht der Ausstattung einen ungewöhnlich unmittelbaren lokalen Charakter. Der 1885 hinzugefügte schlanke Turm prägt das heutige Erscheinungsbild der Kapelle.

Das Patrozinium gilt Maria unter dem Titel "Unserer Lieben Frau von der Immerwährenden Hilfe". Diese Form der Marienverehrung erfuhr im 19. Jahrhundert eine außerordentliche Verbreitung. Für den Kronberg ist jedoch nicht allein das Patrozinium entscheidend: Die Quellen bezeichnen die Kapelle ausdrücklich als Marienwallfahrtsort, womit sich der Wallfahrtscharakter unabhängig von einer bloßen allgemeinen Marienverehrung belegen lässt.

Wallfahrt

Die Wallfahrt zum Kronberg ist keine ausschließlich historische Erscheinung. Von der Pfarrkirche Abtsdorf führt jährlich am Pfingstmontag eine Fußwallfahrt zur Kronbergkapelle. Für verschiedene Jahre ist diese Wallfahrt in den Veröffentlichungen der Pfarrgemeinde ausdrücklich dokumentiert; 2019 nahmen etwa 150 Gläubige teil, 2021 wurde der ungefähr 3,5 Kilometer lange Weg von Abtsdorf auf den Kronberg beschrieben, und auch für 2026 wurde die "jährliche Wallfahrt zur Kronbergkapelle" mit anschließendem Gottesdienst angekündigt.

Damit besitzt der Kronberg eine für einen kleinen regionalen Wallfahrtsort bemerkenswert kontinuierliche Wallfahrtspraxis. Die Bewegung zu Fuß von der Pfarrkirche hinauf zur Kapelle bewahrt zugleich ein wesentliches Element traditioneller Wallfahrt: Nicht allein das Erreichen des Heiligtums, sondern bereits der gemeinsam zurückgelegte Weg wird zum religiösen Handlungsvollzug. Die früher vorhandene Kreuzweganlage fügte sich in dieselbe Vorstellung eines durch Gebet und körperliche Bewegung gegliederten Weges zum heiligen Ort ein.

Auch außerhalb des eigentlichen Wallfahrtstages wird die Kapelle gottesdienstlich genutzt. In den Sommermonaten werden an mehreren Samstagabenden Vorabendmessen bei beziehungsweise vor der Kapelle gefeiert.

Volkskundliche Bedeutung

Volkskundlich bemerkenswert ist vor allem die Abfolge verschiedener Frömmigkeitsschichten. Am Anfang steht die Erinnerung an eine überstandene kollektive Bedrohung durch Krieg und durchziehende Truppen. Die bäuerliche Bevölkerung beantwortet die erfahrene oder erinnerte Verschonung mit der Errichtung einer Kapelle und schafft damit einen dauerhaften religiösen Erinnerungsort. Nach dem Brand des ersten Baues wird das Heiligtum nicht aufgegeben, sondern wesentlich größer und dauerhafter wiedererrichtet. Damit geht der zunächst kleinräumige Dank- und Votivcharakter in einen öffentlich zugänglichen Andachtsort über.

Besonders charakteristisch ist dabei die Rolle der bäuerlichen Stifter und Erbauer. Die Kapelle erscheint nicht als von einer geistlichen Institution planmäßig eingerichtetes Wallfahrtszentrum, sondern als Ergebnis lokaler religiöser Eigeninitiative. Dass dem Bauern Rosenkranz vom Wallwegergut auch die Anfertigung der Altäre und Figuren zugeschrieben wird, verdichtet dieses Bild zusätzlich: Religiöse Vorstellung, Stiftung, Handwerk und bäuerliche Lebenswelt greifen unmittelbar ineinander.

Die spätere Entwicklung zum Marienwallfahrtsort zeigt zugleich, wie aus einer zunächst auf ein konkretes historisches Ereignis bezogenen Votivstätte ein dauerhaftes religiöses Ziel entstehen konnte. Die ursprüngliche Erinnerung an die Verschonung des Kronbergs trat gegenüber der Marienverehrung allmählich zurück, ohne völlig verloren zu gehen. In der bis heute gepflegten Pfingstwallfahrt von Abtsdorf lebt schließlich eine weitere Schicht dieser Geschichte fort: Aus dem privaten beziehungsweise nachbarschaftlichen Dankmal wurde ein regionaler Wallfahrtsort, dessen Bedeutung gerade in seiner überschaubaren, lokal verankerten Tradition liegt.

Lage: Kronberg 1, 4881 Straß im Attergau.
Vom Platz vor der Kapelle öffnet sich ein weiter Blick über den Attergau und zum Attersee.
Lage in SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Hausruckviertel
Ansicht in Street View
Web: Pfarrgemeinde St. Georgen im Attergau
Geöffnet: ganzjährig frei zugänglich.
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Literatur zur Wallfahrt:

- Helmut Pachler: Berg – St. Georgen – Straß im Attergau. Streiflichter und Zeugnisse aus 4000 Jahren. Heimatverein Attergau, 2006.

- Fritz Göschl, Helmut Pachler, Franz Hauser: Attersee–Attergau. Porträt einer Kulturlandschaft. REGATTA, 2003; 2. Auflage AtterWiki, 2013.

- Pfarrgemeinde St. Georgen im Attergau, Informationen zur Kronbergkirche.

- Pfarrgemeinde Abtsdorf, Pfarrbriefe und Verlautbarungen zur jährlichen Kronbergwallfahrt.

- AtterWiki: "Kronberg-Kapelle", unter Heranziehung der Forschungen Helmut Pachlers.

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Ergänzungen: Wolfgang Morscher

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