| Wallfahrt: | Aus einem Pestgelübde des Lambacher Abtes Maximilian Pagl hervorgegangene Dreifaltigkeitswallfahrt. Historisch wurde die Kirche besonders in gemeinschaftlicher Not und zum Dank aufgesucht; bis heute bestehen Fußwallfahrten und weitere organisierte Pilgerfahrten aus der Region und darüber hinaus. |
| Status: | Historisch bedeutender und bis heute lebendiger Dreifaltigkeits-Wallfahrtsort; zugleich Pfarrkirche und eines der bedeutendsten barocken Gesamtkunstwerke Oberösterreichs. |
| Kultzentrum: | Die Allerheiligste Dreifaltigkeit selbst, dargestellt durch das gesamte architektonische und künstlerische Programm mit drei Altären für Gott Vater, Gott Sohn und Heiligen Geist, drei Portalen, drei Türmen und drei Orgeln. Besonderes Votivzeugnis ist Martino Altomontes Gemälde am Gott-Vater-Altar. |
| Ort: | Johann-Michael-Prunner-Straße 7, 4651 Stadl-Paura. |
| Bezirk/Region: | Bezirk Wels-Land / Hausruckviertel. |
| Bundesland: | Oberösterreich. |
| • | Die weithin bekannte Dreifaltigkeitskirche, auch "Paurakirche" genannt, steht auf einer Anhöhe in Stadl-Paura nahe der Traun und gegenüber dem Benediktinerstift Lambach. |
| • | Lage in der SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Hausruckviertel |
| • | Ansicht in Street View |
| • | Web: Pfarrgemeinde Stadl-Paura |
| • | Öffnungszeiten: Von Ostersonntag bis Allerheiligen ist die Kirche tagsüber geöffnet; außerhalb dieser Zeit sind Besichtigungen nach Vereinbarung möglich. |
| • | Bilddokumentation |
| • | Ausführliche Beschreibung |
Die Dreifaltigkeitskirche von Stadl-Paura gehört zu den außergewöhnlichsten barocken Sakralbauten Österreichs. Ihre Bedeutung beruht nicht allein auf der prachtvollen Ausstattung oder auf der Mitarbeit bedeutender Künstler. Das gesamte Gebäude wurde als theologische Darstellung der Allerheiligsten Dreifaltigkeit entworfen. Grundriss, Altäre, Portale, Türme, Orgeln, Fresken und liturgische Nutzung sind so aufeinander bezogen, dass die Kirche selbst zu einem begehbaren Glaubensbild wird.
Zugleich ist die Paurakirche eine echte Votiv- und Wallfahrtskirche. Ihr unmittelbarer Bauanlass war die Pestgefahr von 1713. Abt Maximilian Pagl vom Benediktinerstift Lambach gelobte den Bau einer Kirche zu Ehren der Allerheiligsten Dreifaltigkeit, wenn Lambach und seine Umgebung von der gefürchteten Seuche verschont blieben. Als die Katastrophe nicht in dem befürchteten Ausmaß eintrat, verstand man dies als Erhörung des Gelübdes und begann mit der Verwirklichung des Bauvorhabens.
Maximilian Pagl war mit Stadl-Paura persönlich eng verbunden. Er wurde 1668 in Stadl geboren und stammte aus jener Lebenswelt, die den Ort über Jahrhunderte prägte: der Traunschifffahrt und dem Salztransport. Sein Vater war Zillenhüter. Pagl trat 1687 in das Benediktinerstift Lambach ein, wurde zum Priester geweiht und 1705 zum Abt gewählt.
Bereits seit Beginn seiner Amtszeit beschäftigte ihn offenbar der Gedanke einer Dreifaltigkeitskirche. Das Pestgelübde von 1713 war daher nicht die spontane Erfindung eines völlig neuen Bauprojektes, sondern gab einer schon länger vorhandenen Idee eine konkrete religiöse Begründung und besondere Dringlichkeit. Pagls Herkunft, seine Stellung als Abt von Lambach und seine persönliche Dreifaltigkeitsfrömmigkeit verbanden sich in diesem Projekt auf ungewöhnliche Weise.
Die Pestwelle von 1713 löste in weiten Teilen Mitteleuropas große Angst aus. In einer Zeit, in der gegen Seuchen nur sehr begrenzte medizinische Möglichkeiten zur Verfügung standen, gehörten Gelübde, Prozessionen, Pestkreuze und Votivkirchen zu den verbreiteten religiösen Reaktionen. Man bat Gott um Bewahrung und versprach im Gegenzug eine dauerhafte Stiftung oder religiöse Handlung.
Schon am 2. Jänner 1714 ersuchte Pagl das zuständige Passauer Ordinariat um die Genehmigung zum Kirchenbau; am 14. Jänner wurde sie erteilt. Im Juni wurde am vorgesehenen Altarplatz ein Kreuz aufgerichtet und der Beginn des Baues liturgisch begangen. Der Vertrag mit dem Linzer Baumeister Johann Michael Prunner wurde am 4. März 1715 abgeschlossen. Die relativ rasche Abfolge dieser Schritte zeigt, dass Pagl die Erfüllung seines Gelübdes mit großer Entschlossenheit betrieb.
Mit Johann Michael Prunner gewann Pagl einen der bedeutendsten oberösterreichischen Barockarchitekten. Die Dreifaltigkeitskirche gilt als eines seiner Hauptwerke und wird häufig als sein Meisterwerk bezeichnet. Prunner entwickelte einen Zentralbau, dessen ungewöhnliche Form nicht aus funktionalen Zufällen entstand, sondern unmittelbar aus dem theologischen Programm.
Der Grundriss beruht außen auf einem gleichseitigen Dreieck. In dieses Dreieck ist im Inneren ein Kreis eingeschrieben. Das Dreieck steht für die drei göttlichen Personen, der Kreis für die eine ungeteilte Gottheit. Der Besucher befindet sich damit innerhalb einer architektonischen Aussage über das christliche Trinitätsdogma: drei Personen und dennoch ein Gott.
Die Forschung verweist bei Prunners Entwurf auf starke italienische Einflüsse, besonders auf die dynamischen Zentralbauten des römischen Barock und auf Francesco Borromini. Zugleich wurde das Projekt in die oberösterreichische Bautradition übertragen. In der Diskussion über die Entstehung des Entwurfs wird auch Antonio Beduzzi genannt; als ausführender und urkundlich fassbarer Baumeister steht jedoch Johann Michael Prunner im Zentrum.
Die trinitarische Symbolik setzt sich im gesamten Gebäude fort. Drei annähernd gleichwertige Schauseiten besitzen jeweils einen Eingang. Die Ecken werden durch drei Türme markiert. Im Inneren stehen drei Altäre, die Gott Vater, Gott Sohn und dem Heiligen Geist gewidmet sind. Ihnen gegenüber liegen drei Orgelemporen mit drei Orgelwerken beziehungsweise den historischen Orgelgehäusen.
Die Zahl Drei wird damit nicht bloß ornamental wiederholt. Sie strukturiert die Bewegung durch den Raum. Anders als in einer gewöhnlichen längsgerichteten Kirche existiert kein ausschließlich bestimmender Blick auf einen einzigen Hochaltar. Die drei Altarräume sind Teile eines gemeinsamen Ganzen. Je nach liturgischem Anlass kann sich die Orientierung der Gemeinde verändern; die Dreifaltigkeit wird also nicht nur betrachtet, sondern im Gebrauch des Kirchenraumes nachvollzogen.
Gerade deshalb wäre es irreführend, jede beliebige Einzelheit der Ausstattung zwanghaft auf eine Dreizahl zu bringen. Die ältere Überlieferung nennt etwa gerne drei Glocken; für die Bauzeit sind jedoch vier Glocken belegt. Die trinitarische Ordnung ist stark und bewusst, aber sie ersetzt nicht den historischen Befund.
Der Bau schritt schnell voran. 1715 war der Dachstuhl weitgehend fertig, 1716 wurden die drei Türme hochgeführt, und gegen Ende des Jahres 1717 war der äußere Bau im Wesentlichen abgeschlossen. Die künstlerische Ausstattung nahm wesentlich mehr Zeit in Anspruch. Stuck, Fresken, Marmorarbeiten, Altäre, Bildwerke und Orgeln wurden über viele Jahre hinweg geschaffen.
Am 10. Juni 1724 wurde der Gott-Vater-Altar geweiht; am folgenden Dreifaltigkeitssonntag feierte Maximilian Pagl das erste feierliche Hochamt in der neuen Kirche. Pagl selbst starb am 23. Februar 1725 und erlebte die vollständige Fertigstellung nicht mehr. Am 29. Juli 1725 konsekrierte der Passauer Fürstbischof Joseph Dominikus Graf von Lamberg die Kirche. Die beiden übrigen großen Altäre wurden später endgültig aufgestellt; wesentliche Arbeiten zogen sich bis in die 1730er Jahre.
Die drei Altäre bilden das theologische Zentrum des Raumes. Sie sind nicht als Hauptaltar mit zwei untergeordneten Seitenaltären zu verstehen, sondern als zusammengehörige Darstellung von Vater, Sohn und Heiligem Geist.
Der Gott-Vater-Altar verweist auf Schöpfung und Glauben. Sein großes Gemälde von Martino Altomonte entstand 1721/22. Es besitzt zugleich Votivcharakter und verbindet die himmlische Darstellung mit dem Stifter und dem Lambacher Konvent.
Der Gott-Sohn-Altar thematisiert Erlösung und Hoffnung. Das Altarbild Carlo Innocenzo Carlones zeigt die Kreuzabnahme und stellt damit das Erlösungswerk Christi in das Zentrum.
Der Heilig-Geist-Altar ist mit dem Wirken des Geistes und der Liebe verbunden. Das Altarbild Domenico Parodis zeigt die Anbetung der Hirten. Die Bildprogramme sind dadurch nicht einfach drei Wiederholungen, sondern drei eigenständige theologische Akzente, die erst gemeinsam die Gesamtidee ergeben.
Besondere Bedeutung besitzt das Gemälde Martino Altomontes am Gott-Vater-Altar. Altomonte gehörte zu den führenden Malern des österreichischen Hochbarock. Sein Bild ist nicht nur ein Altarbild zur Verehrung Gottes des Vaters, sondern zugleich Bestandteil des ursprünglichen Votivprogramms der Kirche.
In der Darstellung erscheint auch Abt Maximilian Pagl mit Mitgliedern seines Konvents. Dadurch wird die Stiftung selbst in das Bild aufgenommen. Der Bauherr tritt nicht als weltlicher Auftraggeber neben das religiöse Geschehen, sondern als Beter innerhalb des von ihm gestifteten Votivwerks. Architektur, Gelübde und Malerei werden miteinander verbunden.
Die Kuppelmalerei gehört zu den eindrucksvollsten Leistungen des österreichischen Barock. Carlo Carlone schuf die figürlichen Fresken, Francesco Messenta die illusionistische Scheinarchitektur. 1719 begannen die Arbeiten an Laterne und Kuppel; später folgten weitere Bereiche der gemalten Architektur.
Die reale Architektur wird optisch fortgesetzt. Gemalte Säulen, Balustraden, Gesimse und Öffnungen lassen den gebauten Raum scheinbar in einen weiteren Himmelsraum übergehen. Figuren von Heiligen, Engeln und Seligen führen den Blick nach oben zur Dreifaltigkeit. Die Malerei will die Grenze zwischen tatsächlichem Baukörper und vorgestelltem Himmel bewusst auflösen.
Diese Verbindung von Architektur und Illusionsmalerei gehört zu den wesentlichen Gründen, weshalb die Paurakirche als Gesamtkunstwerk verstanden werden muss. Kein einzelnes Fresko erklärt den Raum; erst das Zusammenspiel von wirklicher und gemalter Architektur erzeugt seine Wirkung.
Auch die plastische Ausstattung wurde von hochrangigen Künstlern geschaffen. Die Brüder Johann Georg und Franz Josef Holzinger arbeiteten am Stuck, Joseph Matthias Götz an figuralen Teilen der Altarausstattung. Steinmetze, Vergolder und weitere spezialisierte Handwerker ergänzten das Ensemble. Für die Altäre wurden verschiedenfarbige Marmore beziehungsweise Stuckmarmor eingesetzt, wodurch die drei Altarbereiche trotz ihrer Eigenständigkeit zusammengehörig wirken.
Abt Pagl ließ damit nicht lediglich eine große Kirche errichten, sondern stellte ein internationales Künstlerensemble zusammen. Oberösterreichische, bayerische und italienisch geprägte Kunsttraditionen begegnen einander in einem einzigen Bau.
Ein besonders seltenes Element sind die drei Orgeln beziehungsweise Orgelgehäuse auf den drei Emporen gegenüber den Altären. Die Instrumente wurden vom Passauer Orgelbauer Johann Ignaz Egedacher geschaffen. Auch hier wurde die Dreizahl in die liturgische und musikalische Nutzung des Raumes übertragen.
Die Orgeln sind daher nicht bloß historische Musikinstrumente. Ihre Position gehört zum räumlichen Programm: Altar und Musik antworten einander. Das Verhältnis der drei Altarbereiche wird akustisch ebenso erlebbar wie optisch.
Die Wahl der Allerheiligsten Dreifaltigkeit als Patrozinium steht in einem größeren volksreligiösen Zusammenhang. Dreifaltigkeitsverehrung wurde in der frühen Neuzeit besonders mit Schutz in Notlagen, Seuchen und allgemeinen Katastrophen verbunden. Gelübde an die Dreifaltigkeit waren deshalb eine naheliegende religiöse Antwort auf die Pestgefahr.
Stadl-Paura ist das monumentalste oberösterreichische Beispiel dieser Verbindung. Während viele Pestgelübde in kleinen Kapellen, Säulen oder Votivbildern sichtbar wurden, entstand hier ein vollständiger, mit höchstem künstlerischem Aufwand ausgestatteter Kirchenbau.
Die Wallfahrt nach Stadl-Paura unterscheidet sich von klassischen Marien- oder Heiligenwallfahrten. Es gibt kein einzelnes Gnadenbild, dessen Wunderkraft den Kult bestimmt. Ziel der Wallfahrt ist die Allerheiligste Dreifaltigkeit und damit letztlich die Kirche in ihrer Gesamtheit.
Das macht den Ort wallfahrtskundlich besonders interessant. Das Kultzentrum ist nicht ein beweglicher Gegenstand, sondern eine theologisch gestaltete Architektur. Die drei Altäre, der Dreiecksgrundriss, die Kuppel, die Fresken und die liturgische Benutzung bilden gemeinsam den Gegenstand der Verehrung.
Die Wallfahrt entstand aus dem Dank für die Bewahrung vor einer Seuche, wurde aber bald über diesen konkreten Anlass hinaus erweitert. Menschen und Pfarren kamen in gemeinschaftlichen Anliegen, zur Bitte um Schutz und zum Dank nach Stadl-Paura. Besonders Bittprozessionen in der Zeit um Christi Himmelfahrt und Wallfahrten rund um Pfingsten und Dreifaltigkeit prägten den Jahreslauf.
Historisch sind Prozessionen aus mehreren umliegenden Pfarren überliefert, darunter Breitenschützing, Vorchdorf, Roitham und Lambach. Nicht jede ältere Prozessionsordnung besteht unverändert fort, doch einzelne Traditionen leben bis heute weiter. Besonders Fußwallfahrten aus Vorchdorf und Breitenschützing sind weiterhin nachweisbar.
Stadl-Paura wird weiterhin als Wallfahrtsziel genutzt. Neben traditionellen Fußwallfahrten aus der näheren Umgebung kommen Pfarrgruppen, Frauenbewegungen, bäuerliche Gruppen, Familien und Pilger aus weiter entfernten Regionen. Der Ort wird außerdem als Station längerer Wallfahrtswege besucht.
Die Formen haben sich verändert. An die Stelle einer einheitlichen großen Prozessionskultur treten heute unterschiedliche Gruppen mit eigenen Anliegen. Dadurch ist die Wallfahrt weniger leicht statistisch zu erfassen, aber keineswegs erloschen. Das Stift Lambach und die Pfarrgemeinde führen die Dreifaltigkeitskirche ausdrücklich als Wallfahrtskirche und nehmen organisierte Gruppen auf.
Der Sonntag nach Pfingsten, das Fest der Allerheiligsten Dreifaltigkeit, ist bis heute der zentrale Festtag der Kirche. Schon 1724 feierte Maximilian Pagl an diesem Tag das erste feierliche Hochamt im neuen Bau.
Damit verbindet das Patrozinium die Entstehungsgeschichte mit der Gegenwart. Was ursprünglich als Erfüllung eines Pestgelübdes begann, wird liturgisch jedes Jahr neu aktualisiert.
Stadl-Paura war über Jahrhunderte eng mit der Traunschifffahrt verbunden. Salz und andere Güter wurden auf dem Fluss transportiert, zahlreiche Bewohner lebten unmittelbar oder mittelbar von diesem Verkehr. Maximilian Pagls Herkunft aus einer Zillenhüterfamilie verbindet den Bau der Kirche direkt mit dieser sozialen Welt.
Auch spätere Schifferwallfahrten hielten diese Verbindung wach. Bei Jubiläumsfeiern wurde der Weg vom Geburtshaus Pagls zur Paurakirche bewusst als Wallfahrtsweg gegangen. Damit wurde nicht nur der Abt geehrt, sondern auch jener Berufs- und Lebenswelt gedacht, aus der er hervorgegangen war.
Pagls soziale Stiftungstätigkeit beschränkte sich nicht auf die prächtige Kirche. Unmittelbar in ihrem Umfeld ließ er ein Waisenhaus errichten, das sieben Knaben aufnehmen sollte. Die Überlieferung verbindet diese Stiftung besonders mit Kindern verunglückter Traunschiffer. Der Grundstein wurde 1724 gelegt; das Gebäude wurde später als Pfarrhof genutzt.
Kirchenbau und Fürsorge standen damit räumlich nebeneinander. Das ist für die Beurteilung Pagls wichtig: Die enorme Summe, die in das barocke Kunstwerk floss, war nicht seine einzige Antwort auf religiöse und soziale Verpflichtung. Zum repräsentativen Votivbau trat eine konkrete soziale Einrichtung.
In der lokalen Überlieferung wird erzählt, während finanzieller Schwierigkeiten des Kirchenbaues sei ein unbekannter Bauer erschienen und habe Geld in einem Behältnis gebracht, das sonst zum Transport von Speckseiten diente. Für diese Erzählung lässt sich kein gleichwertiger archivalischer Nachweis wie für die eigentliche Baugeschichte führen.
Als Baulegende ist sie dennoch verständlich: Große Kirchenbauten erzeugten häufig Geschichten von unerwarteter Hilfe, verborgenen Wohltätern oder wundersamer Finanzierung. Sie übersetzen komplizierte Stiftungs- und Finanzierungsprozesse in eine leicht erinnerbare Erzählung. Historische Bauabrechnung und volkskundliche Baulegende sollten dabei klar getrennt bleiben.
Die ursprüngliche Funktion des Baues war die Wallfahrt. Erst wesentlich später wurde die Kirche auch Zentrum einer eigenen Pfarre. Stadl-Paura besteht seit 1941 als selbständige Pfarre und ist dem Benediktinerstift Lambach inkorporiert.
Die Reihenfolge ist für das Verständnis des Ortes wichtig: Nicht eine bestehende Pfarrkirche entwickelte später eine Wallfahrt, sondern eine Wallfahrts- und Votivkirche erhielt erst nach mehr als zwei Jahrhunderten zusätzlich Pfarrfunktion.
Die Paurakirche besitzt ungewöhnlich viel von ihrer ursprünglichen barocken Gesamtkonzeption. Das ist auch Ergebnis aufwendiger Restaurierungen. Im 20. Jahrhundert wurden Dach, Außenbau, Fresken, Stuck, Stuckmarmor, Fenster, Boden und Ausstattung in mehreren Etappen gesichert und restauriert.
Besonders die große Innenrestaurierung in den 1970er Jahren gilt in der oberösterreichischen Denkmalpflege als vorbildliches Projekt. Die Fresken Carlones waren nicht durch spätere vollständige Übermalungen verdeckt worden, litten jedoch unter Feuchtigkeit und baulichen Schäden. Ihre Konservierung war daher entscheidend für die Bewahrung des ursprünglichen Raumkonzeptes.
Die Bezeichnung "Gesamtkunstwerk" ist in Stadl-Paura keine kunsthistorische Floskel. Grundriss, Baukörper, Altäre, Skulpturen, Fresken, Scheinarchitektur, Orgeln und Liturgie wurden aufeinander abgestimmt. Selbst Licht und Blickrichtungen sind Teil des Konzeptes.
Die Kirche kann deshalb nicht vollständig verstanden werden, wenn man nur einzelne Künstler oder Kunstwerke aufzählt. Ihr eigentlicher Rang liegt im Zusammenhang. Prunners Architektur schafft die räumliche Ordnung, Carlone und Messenta öffnen sie malerisch nach oben, Altomonte, Carlone und Parodi entfalten die drei theologischen Bildprogramme, Götz und weitere Bildhauer geben ihnen plastische Form, und die drei Orgeln ergänzen das Ganze musikalisch.
Für die Volkskunde ist Stadl-Paura in mehrfacher Hinsicht bemerkenswert. Die Kirche entstand aus einer kollektiven Katastrophenerfahrung und einem Gelübde. Sie zeigt damit, wie Menschen auf eine Seuchengefahr religiös reagierten und wie aus der Erinnerung an eine vermeintlich erfahrene Bewahrung eine dauerhafte Institution entstehen konnte.
Gleichzeitig verbindet der Ort hochbarocke Theologie mit regionaler Sozialgeschichte. Der Stifter stammt aus der Traunschifffahrt, neben der Kirche entstand ein Waisenhaus für Kinder aus diesem Milieu, Schifferwallfahrten griffen diese Erinnerung später wieder auf. Die Wallfahrt wurde von umliegenden Pfarren getragen und lebt heute in veränderten Formen weiter.
Stadl-Paura zeigt damit besonders deutlich, dass Wallfahrt nicht zwingend ein Gnadenbild, eine Heilquelle oder eine Heiligenreliquie benötigt. Hier wurde eine theologische Vorstellung selbst zum Ziel: die Allerheiligste Dreifaltigkeit, architektonisch umgesetzt in einem der konsequentesten barocken Zentralbauten Österreichs.
Luger, Walter: Die Dreifaltigkeitskirche in Stadl-Paura. 1952.
Hainisch, Erwin: Die Kunstdenkmäler des politischen Bezirkes Wels. Wien 1959.
Grimschitz, Bruno: Johann Michael Prunner. Wien 1960.
Fuchshuber, Paulus: Die Dreifaltigkeitskirche Stadl-Paura. Kirchenführer. Stadl-Paura 2008.
Stift Lambach: Beiträge zur Geschichte der Dreifaltigkeitskirche Stadl-Paura und zu Abt Maximilian Pagl.
Pfarrgemeinde Stadl-Paura: Geschichte und Ausstattung der Pfarr- und Wallfahrtskirche Hl. Dreifaltigkeit.
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Ergänzungen: Wolfgang Morscher
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