Pupping, Klosterkirche St. Wolfgang

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Wallfahrt:Historischer Wolfgang-Wallfahrtsort am sicher überlieferten Sterbeplatz des Regensburger Bischofs Wolfgang, der am 31. Oktober 994 in der damaligen Otmarkapelle starb. Die Verehrung ist seit dem Mittelalter nachweisbar; 1894 kamen zur 900-Jahr-Feier rund 30.000 Menschen. Pupping wird weiterhin von Pilgern und Wallfahrtsgruppen besucht.
Status:Historisch bedeutender und bis heute lebendiger Wolfgang-Wallfahrts- und Pilgerort mit aktivem Franziskanerkloster.
Kultzentrum:Der historisch überlieferte Sterbeort des hl. Wolfgang in der Kirche. Eine spätmittelalterliche Steinplatte bezeichnete bereits 1467 den Sterbeplatz; die später entstandene Überlieferung, Herz und Eingeweide Wolfgangs seien hier bestattet worden, ist quellenkritisch nicht nachweisbar.
Ort:Pupping 4, 4070 Eferding.
Bezirk/Region:Bezirk Eferding / Hausruckviertel.
Bundesland:Oberösterreich.
Lage und Besuch
•Die Klosterkirche steht im Ortszentrum von Pupping am historischen Sterbeort des hl. Wolfgang. Das Shalom-Franziskanerkloster wird als geistliche Gemeinschaft und Haus zum Mitleben geführt.
•Lage in der SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Hausruckviertel
•Ansicht in Street View
•Web: Shalomkloster Pupping
•Öffnungszeiten: Die Klosterkirche wird regelmäßig für Gebet und Gottesdienst genutzt; für Besichtigungen außerhalb der liturgischen Zeiten empfiehlt sich die Orientierung an den Hinweisen des Klosters.
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Besonders willkommen sind Außenansicht und Innenraum der Klosterkirche, die Kennzeichnung des Sterbeortes des hl. Wolfgang, alte und neue Gedenkplatten, Wolfgangdarstellungen und Altäre, Kreuzgang und Klosterhof, historische Schaunberger Grabdenkmäler, Wallfahrtsgruppen, Wolfgangfeste, die St.-Wolfgang-Kapelle in Brandstatt sowie weitere Zeugnisse der Puppinger Wolfgangverehrung.

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Ausführliche Beschreibung

Pupping als Sterbeort des hl. Wolfgang

Pupping besitzt innerhalb der österreichischen Wolfgangverehrung eine besondere Stellung. Anders als zahlreiche Orte, die erst durch spätere Legenden mit dem Heiligen verbunden wurden, beruht die Puppinger Tradition auf einem historisch sehr gut gesicherten Ereignis: Wolfgang, seit 972 Bischof von Regensburg, starb hier am 31. Oktober 994. Seine nahezu zeitgenössischen Biographen Arnold und Otloh berichten, dass der schwer erkrankte Bischof auf einer Reise entlang der Donau in die dem hl. Otmar geweihte Kapelle von Pupping gebracht wurde und dort vor dem Altar starb. Der Leichnam wurde anschließend nach Regensburg überführt und in St. Emmeram bestattet.

Diese frühe Quellenlage ist für die Beurteilung des Wallfahrtsortes entscheidend. Die Otmarkapelle und Wolfgangs Tod in Pupping sind keine spätmittelalterliche Erfindung, sondern gehören zum historisch gesicherten Kern der Wolfgangbiographie. Unsicher ist dagegen die Entstehungszeit der Kapelle selbst. Eine häufig wiederholte Datierung in das 9. Jahrhundert lässt sich nicht zuverlässig belegen; sicher ist lediglich, dass sie 994 bestand.

Wolfgang von Regensburg

Wolfgang wurde im frühen 10. Jahrhundert in Schwaben geboren und erhielt seine Ausbildung in Reichenau und Würzburg. Nach Jahren im Umfeld des Trierer Bischofs Heinrich trat er in das Benediktinerkloster Einsiedeln ein. 968 wurde er zum Priester geweiht; nach missionarischer Tätigkeit im Osten wurde er 972 Bischof von Regensburg. Seine Amtszeit war von Reformen im kirchlichen und klösterlichen Leben geprägt. Besonders wichtig war die Neuordnung des Klosters St. Emmeram, dessen Entwicklung er nachhaltig beeinflusste.

Auf seiner letzten Reise erkrankte Wolfgang schwer. Die älteste Überlieferung schildert seinen Tod bemerkenswert nüchtern. Der Bischof ließ die Menschen, die ihn noch einmal sehen wollten, in die Kapelle ein und verstand sein eigenes Sterben als öffentliches christliches Zeugnis. Erst spätere Jahrhunderte umgaben Wolfgangs Lebensende mit zusätzlichen Wundern und Reliquienerzählungen. Seine Heiligsprechung beziehungsweise feierliche Erhebung der Gebeine erfolgte 1052 unter Papst Leo IX.; im Spätmittelalter gehörte Wolfgang zu den populärsten Heiligen Mitteleuropas.

Von der Otmarkapelle zum Wolfgangheiligtum

Die Kapelle war ursprünglich dem hl. Otmar geweiht. Wolfgangs Tod veränderte jedoch ihre religiöse Bedeutung dauerhaft. Der ursprüngliche Kirchenpatron trat in der Wahrnehmung zunehmend hinter dem berühmten Sterbeheiligen zurück. Schon im Mittelalter wurde der Platz nicht mehr nur als Otmarkapelle, sondern als Wolfgang-Gedächtnisort verstanden.

1352 ist eine Stiftung an das Gotteshaus belegt. 1409 erneuerte Siegmund Schifer eine Stiftung, die den Pfarrer von Hartkirchen verpflichtete, in Pupping regelmäßig drei Wochenmessen zu feiern. 1452 erscheint ein eigener Kaplan. Damit zeigt sich lange vor der Gründung des Franziskanerklosters eine regelmäßige liturgische Betreuung des Sterbeortes.

Seit 1453 nutzten auch Angehörige der Grafen von Schaunberg die Kapelle als Begräbnisstätte. Die Verbindung zwischen Wolfganggedächtnis und dynastischer Grablege erhöhte den Rang des Ortes zusätzlich. In der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts, als der Wolfgangkult im gesamten süddeutsch-österreichischen Raum einen starken Aufschwung erlebte, wurde Pupping daher zu einem besonders attraktiven religiösen und memorialen Platz.

Die Steinplatte von 1467

Von besonderem Wert ist eine historische Marmorplatte mit einer Inschrift aus dem Jahr 1467. Sie bezeichnete jene Stelle, an der Wolfgang gestorben sein sollte, und erwähnte zugleich das Gedächtnis seines "Gwaidts". Diese Platte ist ein wichtiges Zeugnis dafür, dass der Sterbeort im 15. Jahrhundert nicht bloß allgemein bekannt war, sondern im Kirchenraum konkret markiert und kultisch ausgezeichnet wurde.

Die Bezeichnung "Gwaidt" wurde später auf Herz und Eingeweide Wolfgangs bezogen. Daraus entwickelte sich die Erzählung, man habe den Leichnam vor der Überführung nach Regensburg geöffnet und Herz beziehungsweise Eingeweide in Pupping zurückgelassen. Gerade an diesem Punkt ist eine klare Trennung zwischen historischem Sterbeort und späterer Reliquienlegende erforderlich.

Herz und Eingeweide: eine spätere Kultüberlieferung

Die ältesten Wolfgangbiographen Arnold und Otloh berichten nichts von einer Öffnung des Leichnams oder einer Teilbestattung in Pupping. Auch die älteste gedruckte Wolfganglegende des 15. Jahrhunderts und weitere frühe Wolfgangtexte kennen diese Geschichte nicht. Der Historiker Evermod Hager hat deshalb bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts darauf hingewiesen, dass die Vorstellung einer in Pupping beigesetzten Herz- oder Eingeweidereliquie historisch nicht abgesichert ist.

Als die Puppinger Sterbestelle 1894 bei Nachgrabungen wieder untersucht wurde, fand man die ältere Marmorplatte, jedoch keine erwartete Kupferkapsel. Eine weitere Überlieferung behauptete, ein solcher Behälter sei bei der Aufhebung des Klosters nach Hartkirchen gebracht worden. Auch dort konnten weder die Kapsel selbst noch archivalische Hinweise auf eine solche Übertragung nachgewiesen werden.

Die Erzählung sollte deshalb nicht als historischer Befund weitergegeben werden. Sie ist vielmehr ein wichtiges Zeugnis spätmittelalterlicher Kultentwicklung. In einer Zeit, in der die Wolfgangverehrung stark anwuchs und die Schaunberger ihre Familiengrablege in Pupping ausbauten, erhöhte die Vorstellung einer körperlichen Reliquie den Rang des Sterbeortes zusätzlich. Historisch sicher ist Wolfgangs Tod in Pupping; die Bestattung von Herz oder Eingeweiden gehört dagegen zur späteren religiösen Überlieferung.

Die Gründung des Franziskanerklosters

Die entscheidende institutionelle Aufwertung erfolgte im späten 15. Jahrhundert. Die Grafen Ulrich, Sigmund und Wolfgang von Schaunberg sowie Georg von Schaunberg gründeten 1476/77 ein Franziskanerkloster bei der bestehenden Kapelle. Die Gründung ist durch mehrere Urkunden gut dokumentiert; die eigentliche Stiftungsurkunde wurde 1477 ausgestellt. Damit erhielt der Wolfgang-Gedächtnisort eine dauerhafte Ordensgemeinschaft, die Liturgie, Predigt, Beichte und Pilgerbetreuung übernehmen konnte.

Nach der Stiftung wurde die ältere Kapelle tiefgreifend umgebaut beziehungsweise in einen größeren Kirchenbau einbezogen. Bauarbeiten begannen nach der Überlieferung 1478, verschiedene datierte Ausstattungsstücke weisen in die 1480er Jahre. 1490 wurde die neue Klosterkirche durch einen Passauer Weihbischof geweiht. Nun war der hl. Wolfgang endgültig zum bestimmenden Heiligen des Ortes geworden.

Die Franziskaner gehörten zur strengeren Observanzbewegung des Ordens. Für einen solchen Bettelorden war die Lage an einem bekannten Heiligengedächtnis besonders geeignet: Pilger, Stifter und die Schaunberger Grablege gewährleisteten eine religiöse Bedeutung, während die Brüder durch Predigt und Seelsorge den Kult weiter formten.

Reformation und Vertreibung der Franziskaner

Im 16. Jahrhundert geriet die Stiftung in den Sog der Reformation. Nicht nur große Teile der Bevölkerung, sondern auch die Schaunberger selbst wandten sich dem Protestantismus zu. Für die Franziskaner, die als Bettelorden wesentlich von Almosen lebten, verschlechterte sich die wirtschaftliche Lage dramatisch. Ein Visitationsbericht aus dem Jahr 1561 lässt erkennen, dass der Konvent bereits um seine Existenz fürchten musste.

1565 ließ Anna von Schaunberg das Kloster einziehen. Kirchengeräte, beweglicher Besitz und Glocken wurden entfernt; die Brüder mussten Pupping verlassen. Selbst ein zur Wahrung der Besitzrechte zurückgelassener Laienbruder gab den Standort schließlich auf. Kirche und Kloster blieben zwar bestehen, wurden aber in den folgenden Jahrzehnten vernachlässigt und verfielen zunehmend. Der Wolfgangkult verlor damit seinen wichtigsten institutionellen Träger.

Rückkehr der Franziskaner 1621

Die Franziskaner bemühten sich über Jahrzehnte um die Rückgabe ihres Klosters. Mehrere kaiserliche Anordnungen blieben zunächst wirkungslos, weil die protestantischen Landstände und adeligen Besitzer ihre Position behaupteten. Erst unter Kaiser Ferdinand II. konnte die Restitution tatsächlich durchgesetzt werden. Am 29. August 1621 wurden die Franziskaner nach 56 Jahren wieder in Pupping eingesetzt.

Die Rückkehr bedeutete jedoch keinen unmittelbaren Neubeginn in geordneten Verhältnissen. Das Kloster war stark heruntergekommen, und bereits wenige Jahre später brachte der oberösterreichische Bauernkrieg neue Zerstörungen und Vertreibungen. Nach 1630 stabilisierte sich die Lage. Kirche und Konvent wurden erneuert, 1642 erfolgte eine feierliche Weihe der Kirche und ihrer Altäre.

Barocke Blüte des Klosters

Im 17. und 18. Jahrhundert entwickelte sich Pupping zu einem bedeutenden Franziskanerkonvent. Das Kloster wurde mehrfach erweitert. Eine große Stiftung ermöglichte zwischen 1728 und 1731 weitere Baumaßnahmen. Eine Visitation von 1735 beschreibt eine helle, geräumige und gut versorgte Anlage.

Damals lebten rund 35 Brüder in Pupping; die Gebäude hätten sogar mehr als fünfzig aufnehmen können. Das Kloster besaß Lektoren für theologische, philosophische und moraltheologische Ausbildung und verfügte über eine beachtliche Bibliothek. Pupping war also keineswegs nur eine kleine Wallfahrtsstation, sondern zeitweise auch Ausbildungs- und Studienort des Franziskanerordens.

Die Brüder wirkten zugleich intensiv in der regionalen Seelsorge. Predigt, Beichtdienst, Aushilfe in umliegenden Pfarren und Betreuung der Wolfgangverehrung verbanden Kloster und Umgebung eng miteinander. Die religiöse Bedeutung des Sterbeortes wurde dadurch über Generationen institutionell gestützt.

Josephinische Aufhebung 1785/86

Die zweite große Zäsur erfolgte unter Kaiser Joseph II. Das Kloster war zu diesem Zeitpunkt weder personell bedeutungslos noch wirtschaftlich zusammengebrochen. 1784 umfasste der Konvent noch 31 Mitglieder. Dennoch fiel Pupping unter die josephinische Klosterpolitik, die zahlreiche Ordenshäuser nach ihrem unmittelbar definierten staatlichen und seelsorglichen Nutzen beurteilte.

1785 erhielt der Ordensprovinzial den Auftrag, die Brüder aus Pupping wegzuführen. Am 1. Mai 1786 wurde das verlassene Kloster vollständig ausgeräumt. Die Gemeinde bemühte sich darum, in Pupping eine eigene Pfarre einzurichten, konnte sich damit jedoch nicht durchsetzen. Damit endete eine mehr als dreihundertjährige Franziskanertradition zunächst vollständig.

Versteigerung und Zerstörung

Für die aufgehobene Anlage suchte die staatliche Verwaltung verschiedene neue Verwendungen. Zeitweise wurde das Gebäude als Fabrik genutzt; schließlich wurden Kloster, Kirche und Garten 1799 versteigert. Die neuen privaten Besitzer ließen 1801 Kirche und große Teile des Konvents abbrechen. Lediglich ein Teil des Westtraktes blieb bestehen.

Die Folgen für den Wolfgang-Gedächtnisort waren tiefgreifend. Die jahrhundertelang im Kirchenraum markierte Sterbestätte lag nun außerhalb eines sakralen Gebäudes und geriet zunehmend unter Gras und Erde. Die institutionelle Wallfahrt war damit weitgehend unterbrochen. Dass der Platz im 19. Jahrhundert erneut zu einem bedeutenden Pilgerort werden konnte, ist deshalb keineswegs selbstverständlich.

Johann Lamprecht und Karl Kettl: Wiederentdeckung des Sterbeortes

Die Wiederbelebung Puppings ist vor allem mit Johann Evangelist Lamprecht und Karl Kettl verbunden. Lamprecht war Priester, Historiker und Kartograph; Kettl wirkte als Weltpriester und gründete die Linzer Marienanstalt. Beide setzten sich seit der Mitte des 19. Jahrhunderts dafür ein, am historischen Sterbeort Wolfgangs wieder eine würdige Kirche und ein Franziskanerkloster zu errichten.

Durch Spenden konnte das ehemalige Klosterareal schrittweise zurückerworben werden. Am 2. August 1874 legte Bischof Franz Joseph Rudigier den Grundstein für den Neubau. Bereits wenige Jahre später lebten wieder Franziskaner in Pupping. Das Kloster wurde 1885 fertiggestellt. Die Kirche wurde anschließend erweitert und am 29. Mai 1893 von Bischof Franz Maria Doppelbauer feierlich konsekriert.

Die heutige Klosterkirche ist daher im Wesentlichen ein Bau des späten 19. Jahrhunderts. Sie steht jedoch über beziehungsweise unmittelbar an einem Kultort, dessen Geschichte bis in das Jahr 994 zurückreicht. Gerade dieser Gegensatz zwischen relativ jungem Kirchenbau und äußerst altem Gedächtnisort ist für Pupping charakteristisch.

Die 900-Jahr-Feier 1894

Den Höhepunkt der erneuerten Wolfgangwallfahrt bildete die 900-Jahr-Feier des Todes des Heiligen. Vom 12. bis 19. August 1894 wurde in Pupping ein großes religiöses Volksfest gefeiert. Nach zeitgenössischer beziehungsweise frühhistorischer Überlieferung nahmen rund 30.000 Menschen daran teil.

Diese Zahl zeigt, dass die Wiederbegründung des Klosters nicht nur ein denkmalpflegerisches oder ordensinternes Projekt war. Der historische Sterbeort hatte innerhalb weniger Jahrzehnte erneut eine enorme religiöse Anziehungskraft entwickelt. Im Zusammenhang mit dem Jubiläum wurde die Sterbestelle wieder freigelegt und neu gestaltet. Bei den Nachgrabungen kam auch die alte Marmorplatte wieder zum Vorschein, nicht jedoch die in der Legende erwartete Kupferkapsel mit Herz oder Eingeweiden.

Pupping wurde damit im späten 19. Jahrhundert bewusst als authentischer Wolfgang-Ort neben Regensburg und St. Wolfgang am Wolfgangsee neu positioniert. Während St. Wolfgang vor allem durch die Einsiedler- und Kirchenbaulegenden geprägt war, konnte Pupping auf den historisch bezeugten Tod des Bischofs verweisen.

Der Sterbeort als Kultzentrum

Das Zentrum der Puppinger Wallfahrt ist kein Gnadenbild, sondern ein Ort. Die heutige Kennzeichnung im Kirchenboden erinnert an jene Stelle, an der Wolfgang der Überlieferung zufolge starb. Gerade diese Ortsgebundenheit unterscheidet Pupping von vielen anderen Heiligenwallfahrten.

Wallfahrer suchen hier keine mittelalterliche Statue oder Quelle auf, sondern einen biographisch bestimmten Platz: einen Ort des Sterbens. Das gab der Puppinger Wolfgangverehrung von Beginn an einen besonderen Charakter. Wolfgangs Tod wurde in den frühen Viten als bewusstes christliches Sterben dargestellt, bei dem er die Menschen nicht ausschloss, sondern an seinem letzten Lebensabschnitt teilhaben ließ. Damit konnte der Sterbeort selbst zum Ort der Meditation über Tod, Hoffnung und christliche Lebensführung werden.

Wolfgangverehrung und Geldopfer

Die historische Markierung des Sterbeortes wurde durch ein Gitter geschützt. Solche Einfassungen dienten einerseits dem Schutz eines stark besuchten Kultortes, andererseits strukturierten sie den Umgang der Pilger mit dem heiligen Platz. Ältere Berichte erwähnen, dass die Einfassung auch mit Geldopfern verbunden war. Der Sterbeplatz war damit nicht nur Erinnerungszeichen, sondern Mittelpunkt konkreter Wallfahrtspraxis.

Die früher starke Berührungs- und Opferfrömmigkeit lässt sich heute nicht mehr in allen Einzelheiten rekonstruieren. Gerade die historische Steinplatte, die spätere Nachgrabung und die erneute Markierung im Neubau zeigen jedoch, wie wichtig die genaue räumliche Fixierung der Todesstelle für die Puppinger Tradition war.

Brandstatt an der Donau

Zur weiteren Wolfganglandschaft von Pupping gehört die kleine Wolfgangkapelle bei Brandstatt an der Donau. Sie erinnert an die Überlieferung, dass der erkrankte Bischof dort sein Schiff verließ und von seinen Begleitern weiter zur Otmarkapelle nach Pupping gebracht wurde. Damit entsteht ähnlich wie bei anderen historischen Wallfahrtsorten eine Abfolge von Stationen: Donau und Ankunft, Weg nach Pupping, Kapelle und Sterbeort.

Die Brandstätter Kapelle besitzt nicht dieselbe historische Quellenlage wie der Sterbeort selbst. Als Erinnerungszeichen gehört sie jedoch zur regionalen Wolfgangtopographie und macht sichtbar, wie die letzte Reise des Bischofs in der Landschaft verortet wurde.

Pupping im 20. Jahrhundert

Die Franziskaner blieben nach der Wiedergründung bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts prägend. Während des Zweiten Weltkriegs wurde ein großer Teil des Klosters militärisch beansprucht; den Brüdern standen nur wenige Räume zur Verfügung. Nach Kriegsende erholte sich die Gemeinschaft, und zeitweise wurde erneut das Noviziat in Pupping geführt.

Als das Noviziat 1961 nach Tirol verlegt wurde, verringerte sich die Zahl der Franziskaner deutlich. Dennoch blieb der Ort kirchlich und ordensgeschichtlich lebendig. 1968 begann eine neue Phase mit der Gründung eines Klarissenklosters.

Die Klarissen 1968 bis 1996

1968 kamen Klarissen aus Senden bei Münster nach Pupping. Die Franziskaner stellten das ehemalige Kloster für die kontemplative Frauengemeinschaft zur Verfügung; ein Franziskaner blieb für die Betreuung der Schwestern und der Kirche am Ort. Damit wurde Pupping für fast drei Jahrzehnte von der Spiritualität des weiblichen Zweiges der franziskanischen Familie geprägt.

Wegen fehlenden Nachwuchses musste der Klarissenkonvent 1996 geschlossen werden. Das Ende dieser Gemeinschaft bedeutete jedoch nicht das Ende des Ordenslebens in Pupping. Bereits zwei Jahre später begann ein neuer franziskanischer Versuch, der bis heute den Charakter des Klosters bestimmt.

Das Shalomkloster seit 1998

1998 wurden zwei Franziskaner nach Pupping entsandt, um ein neues Gemeinschaftsprojekt aufzubauen. Ziel war nicht die bloße Wiederherstellung eines klassischen Männerkonvents, sondern eine offene franziskanische Lebensgemeinschaft, in der Menschen unterschiedlicher Lebensstände zeitweise oder länger mitleben können. Seit dem Jahr 2000 verwendet die Gemeinschaft die Bezeichnung "Shalom-Gemeinschaft".

Heute leben im Shalomkloster Franziskanerbrüder gemeinsam mit weiteren Mitgliedern franziskanischer und geistlicher Lebensformen. Das Haus versteht sich als Ort von Gebet, Arbeit, Gemeinschaft, Gastfreundschaft und geistlicher Begleitung. Menschen können für eine Zeit am Alltag des Klosters teilnehmen. Damit ist Pupping ausdrücklich kein ehemaliges Kloster, das nur noch historische Kulisse wäre, sondern ein aktiver religiöser Lebensort.

Diese heutige Form besitzt eine bemerkenswerte Verbindung zur Sterbeüberlieferung Wolfgangs. Die Offenheit des Hauses wird auch mit jener Szene verbunden, in der Wolfgang kurz vor seinem Tod verlangt haben soll, die Türen der Kapelle für die wartenden Menschen zu öffnen. Die mittelalterliche Erinnerung an einen öffentlich zugänglichen Sterbeort erhält dadurch eine moderne Deutung als Gastfreundschaft und offene Gemeinschaft.

Wallfahrt und Pilgern in der Gegenwart

Die großen Massenwallfahrten des späten 19. Jahrhunderts gehören der Vergangenheit an, doch Pupping ist keineswegs zu einem rein historischen Gedächtnisort geworden. Pilgergruppen und kirchliche Gemeinschaften besuchen weiterhin den Sterbeort Wolfgangs. Der Ort liegt in modernen Pilgerwegen und wird sowohl als eigenständiges Ziel als auch als Station längerer Wolfgang- und Franziskuswege aufgesucht.

Auch Frauenbewegungen, Pfarrgruppen und Dekanatswallfahrten wählen Pupping als Ziel oder Abschlussstation. Im Wolfgangjahr wurde die Klosterkirche erneut zu einem wichtigen regionalen Festort. Die heutige Wallfahrt ist damit kleiner und vielfältiger als im 19. Jahrhundert, aber weiterhin lebendig. An die Stelle eines einzigen großen Wallfahrtsstromes treten Gruppenpilgern, geistliche Einkehr, liturgische Feiern und Klosteraufenthalte.

Kloster und Pfarre heute

Pupping gehört kirchlich zum Umfeld der Pfarrgemeinde Hartkirchen und zur Pfarre EferdingerLand. Die Klosterkirche besitzt darüber hinaus durch die Franziskanergemeinschaft ein eigenständiges liturgisches Leben. Gottesdienste und Stundengebet prägen weiterhin den Tagesrhythmus des Hauses.

Gerade diese Verbindung von lokaler Pfarrstruktur und eigenständigem franziskanischem Klosterleben unterscheidet Pupping von vielen ehemaligen Klosterwallfahrtsorten. Die Institution, die den Ort seit dem späten 15. Jahrhundert prägte, ist nach Vertreibung, Aufhebung, Abbruch und Wiedergründung in verwandelter Form weiterhin präsent.

Volkskundliche Bedeutung

Pupping ist volkskundlich vor allem als Gedächtniswallfahrt von Bedeutung. Der Kult konzentriert sich nicht auf ein wundertätiges Bild, sondern auf die Erinnerung an ein historisches Ereignis und dessen genaue räumliche Verortung. Sterbeplatz, Steinplatte, Gitter, Geldopfer, Jubiläumsfeiern und Wallfahrten zeigen, wie aus einer biographischen Tatsache ein über Jahrhunderte kultisch gestalteter Ort werden konnte.

Besonders aufschlussreich ist die Entstehung der Herz- und Eingeweidelegende. Sie zeigt, wie ein bereits heiliger Ort im Spätmittelalter durch die Vorstellung einer körperlichen Reliquie zusätzlich aufgewertet werden konnte. Dass diese Reliquie historisch nicht nachweisbar ist, mindert die volkskundliche Bedeutung der Überlieferung nicht; vielmehr erlaubt gerade die quellenkritische Trennung von Ereignis und späterem Kult, die Entstehung religiöser Erinnerung sichtbar zu machen.

Auch die Geschichte des Klosters gehört zur Wallfahrtskultur. Franziskaner, Schaunberger, protestantische Zwischenzeit, barocke Ordensgemeinschaft, josephinische Aufhebung, Zerstörung, Wiederaufbau, Klarissen und heutige Shalom-Gemeinschaft hinterließen jeweils eigene Schichten. Pupping ist deshalb nicht nur Sterbeort des hl. Wolfgang, sondern ein außergewöhnlicher Erinnerungsort für mehr als tausend Jahre religiöser Geschichte in Oberösterreich.

Literatur und Quellen

Hager, Evermod: Die St. Otmarkapelle und nachmalige St. Wolfgangkirche in Pupping. In: Jahrbuch des Oberösterreichischen Musealvereines, Band 80. Linz 1924, S. 115-137.

Lamprecht, Johann Evangelist: St. Wolfgang und das einstige Kloster zu Pupping. Linz 1874.

Zibermayr, Ignaz: St. Wolfgang am Abersee. 2. Auflage. Linz 1961.

Shalomkloster Pupping: Geschichte der Klosterkirche und der franziskanischen Gemeinschaft in Pupping.

Diözese Linz: Materialien zum Wolfgangjahr und zur Wolfgangverehrung in Oberösterreich.

Ergänzungen: Wolfgang Morscher

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