Scharten, Pfarr- und Wallfahrtskirche Maria Scharten

Schnellüberblick
Wallfahrt:Seit dem späten Mittelalter belegte Marienwallfahrt. Nach der Eferdinger Pestwallfahrt von 1629 entwickelte sich Maria Scharten zu einem der bedeutendsten Wallfahrtsorte Oberösterreichs; 1689 wurden 29.000 Kommunikanten gezählt. Bis heute Ziel von Einzelpilgern sowie Pfarr-, Frauen-, Fuß-, Rad- und Buswallfahrten.
Status:Historisch einer der bedeutendsten Marienwallfahrtsorte Oberösterreichs und bis heute lebendiger Wallfahrtsort.
Kultzentrum:"Unsere Liebe Frau von der Scharten", volkstümlich "Wunderschöne Maria", eine spätgotische gekrönte Madonna mit Kind aus der Zeit um 1510, heute im Rokoko-Hochaltar.
Ort:Scharten 1, 4612 Scharten.
Bezirk/Region:Bezirk Eferding / Hausruckviertel.
Bundesland:Oberösterreich.
Lage und Besuch
•Die weithin sichtbare Pfarr- und Wallfahrtskirche liegt in Maria Scharten oberhalb des Eferdinger Beckens. Sie gehört heute zur Pfarrgemeinde Maria Scharten innerhalb der Pfarre EferdingerLand.
•Lage in der SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Hausruckviertel
•Ansicht in Street View
•Web: Pfarrgemeinde Maria Scharten
•Öffnungszeiten: Die Wallfahrtskirche ist tagsüber geöffnet.
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Bilddokumentation

• Ansichtskarte der Wallfahrtskirche Maria Scharten und des Gasthauses um 1900.
Ansichtskarte Wallfahrtskirche Maria Scharten und Gasthaus um 1900

Bildquelle: SAGEN.at-Fotogalerie

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Besonders gesucht werden aktuelle Außenansichten und Innenraumaufnahmen, die Gnadenstatue der "Wunderschönen Maria", Hoch- und Seitenaltäre, das schmiedeeiserne Chorgitter, erhaltene Votivbilder und Inschriften, historische Wallfahrtsandenken, Prozessionen und Pilgergruppen sowie weitere Zeugnisse der Schartner Wallfahrtskultur.

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Ausführliche Beschreibung

Maria Scharten: ein großer oberösterreichischer Wallfahrtsort

Maria Scharten gehört zu den traditionsreichsten und historisch bedeutendsten Marienwallfahrtsorten Oberösterreichs. Die heutige Kirche entstand zwar erst seit dem frühen 16. Jahrhundert, doch die Wallfahrt ist wesentlich älter. Eine Kirche in Scharten erscheint bereits in einer Urkunde Papst Bonifaz' IX. vom 1. Jänner 1400; mit ihr ist eine Ablassgewährung verbunden. Über die Anfänge des Kultes wissen wir wenig, doch gerade die Ausstellung eines Ablasses spricht dafür, dass der Ort bereits damals von Gläubigen aufgesucht wurde.

Die große Blüte setzte im 17. Jahrhundert ein. Nach einer Pestwallfahrt aus Eferding im Jahr 1629 wuchs der Zustrom stark an. Zwischen etwa 1640 und der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts entwickelte sich Maria Scharten zu einem der größten Wallfahrtszentren des Landes ob der Enns. Kaiserliche Besuche, regelmäßige Prozessionen aus zahlreichen Pfarren, Mirakelberichte, Votivgaben und Andachtsdrucke machten den Ort weithin bekannt. Diese historische Bedeutung lebt in veränderter Form bis heute fort.

Das ältere Heiligtum und die Bauplatzlegende

Vor dem Bau der heutigen Kirche bestand östlich davon ein älteres Gotteshaus, das in der lokalen Überlieferung mit dem sogenannten Kierabauern in Verbindung gebracht wird. Sein genauer Ursprung ist nicht bekannt. Die schriftliche Erwähnung von 1400 beweist jedoch, dass ein Schartner Marienheiligtum im Spätmittelalter bereits bestand.

Eine bekannte Legende erklärt den Wechsel zum heutigen Standort. Die ältere Kirche sei auf ungünstigem, sandigem Boden errichtet gewesen und habe einzustürzen gedroht. Über den Platz eines Neubaus sei man sich lange nicht einig geworden. Schließlich seien nachts auf vier Bäumen am heutigen Kirchenplatz vier Lichter erschienen. Diese Lichtzeichen habe man als himmlischen Hinweis auf den von Maria gewünschten Bauplatz verstanden.

Solche Bauplatzlegenden begegnen an zahlreichen Wallfahrtsorten. Sie erklären im Nachhinein, weshalb ein Heiligtum gerade an einer bestimmten Stelle entstand, und übertragen die Entscheidung über den Standort von Menschen auf eine übernatürliche Instanz. Für Maria Scharten ist die Lichtererzählung daher als wichtige Kultlegende zu bewahren, nicht jedoch als historisch nachweisbarer Vorgang.

Baubeginn 1506 und Reformationszeit

1506 begannen die Grafen von Schaunberg mit dem Bau der heutigen Kirche. Der neue Standort lag auf Schaunberger Grund; für die Anlage wurden zusätzliche Grundstücke erworben. Der spätgotische Chor entstand in der frühen Bauphase, doch die Reformation unterbrach das Vorhaben für Jahrzehnte. Große Teile der Bevölkerung und des regionalen Adels wandten sich dem Protestantismus zu, und auch die kirchlichen Verhältnisse in Scharten wurden davon erfasst.

Erst im Zuge der katholischen Erneuerung konnte der Bau weitergeführt werden. 1632 war die Kirche im Wesentlichen fertiggestellt; in den folgenden Jahrzehnten wurde sie ausgestattet und barockisiert. Die Weihe von Kirche und Altar wird für 1671 überliefert. Der heutige Bau ist deshalb ein besonders anschauliches Zeugnis einer langen Entstehungsgeschichte, die von der Spätgotik über Reformation und Gegenreformation bis in den Barock reicht.

Die "Wunderschöne Maria"

Zentrum der Wallfahrt ist die Marienstatue "Unsere Liebe Frau von der Scharten", die im Volksmund auch "Wunderschöne Maria" genannt wird. Die Holzfigur entstand um 1510. Maria erscheint als gekrönte Himmelskönigin auf der Mondsichel und trägt das ebenfalls gekrönte Jesuskind. Das Kind wendet sich seiner Mutter zu und reicht ihr einen Apfel. Dieser kann innerhalb der christlichen Bildsprache als Zeichen der Erlösung und als Hinweis auf Maria als "neue Eva" verstanden werden.

Die Statue wurde im 18. Jahrhundert überarbeitet und mit einer barocken Krone versehen. Heute steht sie im Zentrum des großen Rokoko-Hochaltares. Die ältere spätgotische Figur ist damit von einer rund zweieinhalb Jahrhunderte jüngeren Altararchitektur umgeben. Gerade diese Verbindung von mittelalterlichem Kultbild und barocker Inszenierung zeigt die lange Dauer der Schartner Marienverehrung.

Die Gnadenstatue in der konfessionellen Überlieferung

Die Geschichte der "Wunderschönen Maria" wurde in der Gegenreformationszeit mit Erzählungen über ihre angebliche Unversehrtheit während der protestantischen Epoche verbunden. Die Schartner Wallfahrtsliteratur betonte ausdrücklich, weder Lutheraner noch Calvinisten, andere protestantische Gruppen oder aufständische Bauern hätten dem Marienbild etwas antun können. Seine Bewahrung erschien dadurch selbst als Zeichen göttlichen Schutzes.

Solche Berichte müssen quellenkritisch gelesen werden. Die historische Wallfahrtsforschung weist darauf hin, dass Erzählungen über Bilderfrevel und wundersame Bewahrung im 17. Jahrhundert ein wichtiges Mittel der gegenreformatorischen Propaganda waren. Sie stärkten die katholische Identität eines Kultortes und konnten frühere konfessionelle Konflikte nachträglich in eine Heilsgeschichte umformen. Für Maria Scharten ist daher weniger entscheidend, ob jede Einzelheit dieser Erzählungen historisch zutrifft, als dass die Unversehrtheit der Statue selbst zu einem Bestandteil des Wallfahrtskultes wurde.

Die Pestwallfahrt von 1629

Der entscheidende Aufschwung der barocken Wallfahrt wird mit einer Pestepidemie in Eferding im Jahr 1629 verbunden. Die Bevölkerung unternahm eine Wallfahrt nach Maria Scharten; nachdem die Seuche nach der Überlieferung daraufhin zurückging, verbreitete sich der Ruf des Gnadenortes außerordentlich rasch.

Von nun an wurde Maria Scharten nicht nur bei persönlicher Krankheit, sondern vor allem in kollektiven Krisensituationen angerufen. Pest, Krieg, ungünstiges Wetter, Erntebedrohung und Lebensgefahr gehören zu den wiederkehrenden Motiven der Schartner Wallfahrt. Der Gnadenort erhielt damit eine Funktion, die weit über individuelle Frömmigkeit hinausging: Ganze Gemeinden und Pfarren suchten hier Schutz und Hilfe.

Ein Netzwerk von Prozessionen

Die barocke Wallfahrt war in ein dichtes regionales Prozessionsnetz eingebunden. Die Schartner Wallfahrtsschrift "Heilige Zuflucht-Stadt" verzeichnet Prozessionen aus 26 umliegenden Pfarren. Einige Gemeinden kamen mehrfach im Jahr. Genannt werden unter anderem Eferding, Puchkirchen, Alkoven, Feldkirchen, Grieskirchen, Hartkirchen, Hörsching, Ottensheim, Wallern, Wels und Steinerkirchen. Pilger reisten darüber hinaus auch aus weiter entfernten Gebieten an; ältere Überlieferungen nennen sogar Besucher aus Böhmen.

Diese Prozessionen zeigen, dass Maria Scharten während seiner Blüte nicht bloß Ziel einzelner Frommer war. Der Wallfahrtsort war in die religiöse Jahresordnung zahlreicher Pfarren eingebunden. Die Teilnahme wurde gemeinschaftlich organisiert, mit Fahnen, Gebeten, Gesang, Geistlichen und festgelegten Wallfahrtsterminen. Dadurch entstand eine religiöse Landschaft, deren Wege regelmäßig auf Scharten zuliefen.

29.000 Kommunikanten im Jahr 1689

Für das Jahr 1689 ist die außergewöhnliche Zahl von 29.000 Kommunikanten überliefert. Sie verdeutlicht das enorme Ausmaß des Wallfahrtsbetriebes. Die Zahl darf allerdings nicht ohne Erklärung als 29.000 unterschiedliche Personen verstanden werden. "Kommunikanten" bezeichnete die registrierten Kommunionempfänger; einzelne Menschen konnten daher innerhalb eines Jahres mehrmals gezählt worden sein.

Auch mit dieser Einschränkung bleibt der Wert beeindruckend. In Verbindung mit dem dokumentierten Prozessionsnetz bestätigt er, dass Maria Scharten gegen Ende des 17. Jahrhunderts zu den wichtigsten Wallfahrtszentren Oberösterreichs gehörte. Für einen ländlichen Ort war der Zustrom außergewöhnlich und beeinflusste religiöses Leben, Verkehr, Versorgung und vermutlich auch die lokale Wirtschaft.

Kaiser Ferdinand III. in Maria Scharten

Die überregionale Bedeutung des Wallfahrtsortes zeigt sich besonders in den kaiserlichen Besuchen. 1646 kam Kaiser Ferdinand III. nach Maria Scharten. Der Dreißigjährige Krieg war noch nicht beendet, und der kaiserliche Besuch wurde als Bitte um göttlichen Beistand und Frieden verstanden.

Der Vorgang wurde Teil der Erinnerungskultur Oberösterreichs. Später fand die Wallfahrt Ferdinands III. sogar Aufnahme in das Bildprogramm des Linzer Mariendoms. Maria Scharten erscheint dadurch nicht nur als bäuerlich-regionaler Gnadenort, sondern als Heiligtum, an dem sich in der Barockzeit auch die dynastische Frömmigkeit der Habsburger öffentlich inszenierte.

Kaiser Leopold I. und die Dankwallfahrt von 1684

Noch bekannter wurde die Wallfahrt Kaiser Leopolds I. im Jahr 1684. Ein archivalischer Verwaltungsakt vom 7. März 1684 dokumentiert die Vorbereitung der kaiserlichen Reise nach Maria Scharten. Der Besuch ist daher nicht nur aus späterer Wallfahrtsliteratur bekannt, sondern zeitnah belegt.

Leopold kam im Jahr nach der erfolgreichen Abwehr der osmanischen Belagerung Wiens von 1683 nach Scharten. Die Reise wurde als Dankwallfahrt für die Rettung der Residenzstadt verstanden. Der Kaiser stiftete dabei eine kostbare Monstranz. Dieses liturgische Gerät blieb jedoch nicht dauerhaft erhalten; in späteren Kriegszeiten musste es abgegeben werden.

Die beiden Kaiserwallfahrten von 1646 und 1684 wurden später gemeinsam bildlich erinnert. Sie gaben Maria Scharten einen besonderen Rang innerhalb der habsburgischen Frömmigkeitslandschaft und stärkten den Ruf des Gnadenortes weit über Oberösterreich hinaus.

Die "Heilige Zuflucht-Stadt"

Eine der wichtigsten Quellen zur barocken Wallfahrt ist die Schrift "Heilige Zuflucht-Stadt Des Hochlöbl. Landes Oesterreich ob der Enns: Das ist Die Wunderthätig-schöne Bildnuß Unser Lieben Frauen in der Schardten". Eine erste Ausgabe soll bereits 1640 erschienen sein. Die erhaltene beziehungsweise nachweisbare spätere Fassung trägt ein Imprimatur von 1680; in der Forschung werden Ausgaben von 1754 beziehungsweise 1755 als erweiterte dritte Auflage genannt.

Diese Schrift ist zugleich Wallfahrtsführer, Mirakelsammlung und konfessionelle Programmschrift. Sie berichtet über die Geschichte des Gnadenbildes, Wallfahrten, Gebetserhörungen und die besondere Bewahrung der Statue während konfessioneller Konflikte. Als historische Quelle ist sie deshalb außerordentlich wertvoll, aber nicht neutral. Sie will die Verehrung fördern, die Bedeutung Maria Schartens steigern und den katholischen Anspruch auf den Kultort stärken.

Gerade darin liegt ihr volkskundlicher Wert. Sie zeigt nicht nur, was am Wallfahrtsort geschah, sondern auch, wie der Ort sich selbst darstellen wollte und welche Erzählungen man den Pilgern mitgab.

Das Mirakelbuch

Maria Scharten gehört zu den wenigen oberösterreichischen Wallfahrtsorten, für die ein Mirakelbuch beziehungsweise eine gedruckte Sammlung von Gebetserhörungen nachweisbar ist. Solche Bücher registrierten Berichte über Krankheiten, Unfälle, Notsituationen, Gelübde und als wundersam verstandene Hilfe. Sie waren zugleich Dokumentation und Werbung für einen Gnadenort.

Mirakelberichte dürfen nicht wie moderne medizinische Krankengeschichten gelesen werden. Sie geben die Wahrnehmung der Betroffenen und die religiöse Deutung ihrer Erfahrungen wieder. Gerade deshalb sind sie für die Volkskunde besonders ergiebig. In den Schartner Überlieferungen erscheinen neben klassischen Heilungsberichten auch Vorstellungen, die aus heutiger Sicht dem Bereich der Magie zugerechnet würden, etwa Geschichten über Schatzsuche oder vermeintlich angehexte Leiden.

Diese Mischung zeigt, dass die Grenzen zwischen kirchlich gelenkter Wallfahrtsfrömmigkeit, populärer Heilkultur und magischen Vorstellungen im Alltag der frühen Neuzeit keineswegs so scharf verliefen, wie spätere Kategorien vermuten lassen.

Gebetserhörungen und die Zahl "400"

Ältere Darstellungen nennen für die Zeit zwischen etwa 1640 und 1760 rund 400 Gebetserhörungen. Die Existenz des Mirakelbuches und einer umfangreichen Überlieferung solcher Fälle ist gut belegt; die genaue Zählweise hinter der Zahl 400 lässt sich jedoch nicht zuverlässig nachvollziehen. Deshalb sollte daraus nicht die Aussage abgeleitet werden, es seien "400 Wunder" objektiv festgestellt worden.

Historisch sinnvoller ist die Feststellung, dass mehrere hundert als Gebetserhörungen verstandene Ereignisse überliefert beziehungsweise in der älteren Wallfahrtsliteratur registriert wurden. Entscheidend ist die dichte Dokumentation einer Erwartungshaltung: Wer nach Maria Scharten kam, konnte sein Anliegen in eine lange Reihe bereits erzählter Hilfen einordnen.

Votivbilder

Die erhaltenen Votivbilder gehören zu den wichtigsten materiellen Zeugnissen der Schartner Wallfahrt. Ein Teil stammt aus dem 19. Jahrhundert; einzelne Stücke reichen weiter zurück. Sie zeigen Menschen in Krankheit, Gefahr oder familiärer Not und verbinden das dargestellte Unglück mit der angerufenen Gottesmutter.

Votivbilder sind keine bloßen Illustrationen. Sie wurden als Dank für erfahrene Hilfe gestiftet und öffentlich im Heiligtum angebracht. Dadurch verwandelten sie persönliche Erfahrungen in sichtbare Zeugnisse für alle nachfolgenden Wallfahrer. Je mehr Votive einen Wallfahrtsort umgaben, desto stärker konnte sich der Eindruck eines besonders wirksamen Gnadenortes festigen.

In der josephinischen Zeit gingen zahlreiche ältere Wallfahrts- und Kirchenschätze verloren oder wurden entfernt. Auch der historische Votivbestand wurde dadurch stark vermindert. Die noch vorhandenen Stücke sind deshalb besonders wertvolle Quellen zur Alltags- und Frömmigkeitsgeschichte.

Wachsopfer und körperbezogene Votive

Neben gemalten Votivtafeln sind für Maria Scharten auch Wachsopfer überliefert. Solche Gaben konnten sich unmittelbar auf den Körper beziehen: Wachs wurde in Formen oder Mengen geopfert, die mit einem kranken Körperteil, einem Kind oder einer bestimmten Bitte verbunden waren. Überliefert werden unter anderem Gaben im Gewicht eines Kindes beziehungsweise bei Kopfleiden in einer entsprechenden symbolischen Form.

Diese Praxis gehörte zu einem in vielen europäischen Wallfahrtsregionen verbreiteten System materieller Fürbitte. Das Votiv repräsentierte den Menschen oder das Leiden und wurde dem Gnadenort übergeben. Die Gabe war damit zugleich Zeichen des Gelübdes, materielles Opfer und sichtbare Bitte.

Andachtsbilder und Wallfahrtsandenken

Die Verehrung der "Wunderschönen Maria" verbreitete sich nicht nur durch mündliche Berichte und Prozessionen. Kleine Andachtsbilder und Gebetszettel machten das Gnadenbild transportierbar. Das Österreichische Museum für Volkskunde bewahrt mehrere historische Drucke mit dem Schartner Gnadenbild, darunter Lithographien aus Wels und Urfahr sowie einen Gebetszettel mit dem Titel "Andächtiges Gebeth zu der gnadenreichen Mutter Gottes in der Scharten".

Solche Blätter waren typische Wallfahrtsandenken. Sie konnten im Gebetbuch aufbewahrt, zu Hause hinter ein Bild gesteckt oder als Schutz- und Erinnerungszeichen mitgeführt werden. Ein Teil der religiösen Wirkung des Wallfahrtsortes wurde dadurch in die private Lebenswelt der Pilger übertragen.

Kopien des Gnadenbildes

Die Verbreitung der Schartner Madonna zeigt sich außerdem in Kopien des Gnadenbildes. Für die frühe Neuzeit ist etwa eine Stiftung aus dem adeligen Umfeld überliefert, bei der eine Nachbildung aus Dank für erfahrene Hilfe an einen anderen religiösen Ort gelangte. Solche Bildkopien erweiterten das Wirkungsfeld eines Gnadenortes, ohne den ursprünglichen Kultplatz zu ersetzen.

Für die Wallfahrtsforschung sind sie wichtige Hinweise auf Reichweite und soziale Trägerschaft eines Kultes. Maria Scharten wirkte damit nicht nur durch Menschen, die zum Heiligtum kamen, sondern auch durch Bilder, die den Ort verließen.

Hochaltar von Joseph Carl Höfer

Der heutige Hochaltar gehört zu den bedeutendsten Kunstwerken der Kirche. Der Kremser Bildhauer Joseph Carl Höfer schuf ihn 1768/69. Die spätgotische Gnadenstatue steht in einer prachtvollen Rokokoarchitektur und wird von vergoldeten Ornamenten und Figuren umgeben. Die barocke Inszenierung hebt das ältere Kultbild aus dem übrigen Kirchenraum heraus und macht es unmissverständlich zum Mittelpunkt.

Der Hochaltar ist damit mehr als Ausstattung. Er übersetzt die Bedeutung des Gnadenbildes in eine monumentale Form: Die Statue, die seit Jahrhunderten verehrt wurde, erscheint als Königin in einem goldenen architektonischen Rahmen. Der Umbau fällt genau in jene Zeit, in der die Wallfahrt ihren großen barocken Höhepunkt bereits erreicht hatte.

Seitenaltäre und Johann Baptist Reiter

Im 19. Jahrhundert erhielt die Kirche bedeutende neue Altarbilder. Johann Baptist Reiter, später vor allem als Porträt- und Genremaler bekannt, schuf 1835 für Maria Scharten die "Anbetung der Hirten" beziehungsweise die Geburt Christi und ein Kreuzigungsbild. Diese frühen kirchlichen Arbeiten stehen am Beginn seiner künstlerischen Laufbahn.

Damit besitzt Maria Scharten nicht nur bedeutende spätgotische und barocke Kunst, sondern auch Werke eines der bekanntesten oberösterreichischen Maler des 19. Jahrhunderts. Die Ausstattung ist Ergebnis mehrerer Jahrhunderte und darf deshalb nicht als einheitliches barockes Ensemble verstanden werden.

Das schmiedeeiserne Chorgitter

Eine besondere Ausstattung ist das schmiedeeiserne Gitter zwischen Presbyterium und Langhaus. Den massiven unteren Teil stiftete Georg Haas von Ehrenfeld 1644. Um 1770 kam ein fein gearbeiteter Aufsatz mit vergoldetem Auge Gottes und Rosen hinzu. Das Gitter markierte ursprünglich die Grenze zwischen Altarraum und Kirchenschiff wesentlich stärker als heute.

Auch dieses Objekt spiegelt den Wandel des Wallfahrtsraumes. Es strukturierte Prozessionen, Gottesdienste und den Zugang zum Hochaltar und gehörte damit ebenso zur religiösen Praxis wie zur Kunstgeschichte.

Maria Scharten als Zuflucht in Krieg und Seuche

Die Geschichte der Wallfahrt zeigt immer wieder, dass Maria Scharten besonders in kollektiven Krisenzeiten aufgesucht wurde. Die Pestwallfahrt von 1629 steht am Beginn der großen barocken Blüte. Ferdinand III. kam während des Dreißigjährigen Krieges, Leopold I. nach der osmanischen Belagerung Wiens. Auch Bitten um günstiges Wetter, Schutz vor Ernteverlust und Rettung aus persönlicher Gefahr gehören zur Überlieferung.

Der Wallfahrtsort funktionierte damit als gemeinsamer religiöser Handlungsraum. Wenn politische oder medizinische Möglichkeiten begrenzt erschienen, konnte eine Gemeinde gemeinsam handeln: Man legte ein Gelübde ab, ging in Prozession, feierte Messe und stiftete nach erfahrener Hilfe ein Votiv oder liturgisches Gerät.

Maria Scharten und die NS-Zeit

Eine besondere Bedeutung erhielt die Wallfahrt im Jahr 1939. Am 14. Mai versammelten sich etwa 800 bis 1.000 katholische Jugendliche zu einer Jugendwallfahrt nach Maria Scharten. Die Veranstaltung war nicht als politische Demonstration geplant; gerade ihre große, weitgehend durch persönliche Weitergabe mobilisierte Beteiligung machte sie jedoch für die nationalsozialistischen Behörden auffällig.

Die staatlichen Stellen reagierten mit verschärfter Aufmerksamkeit gegenüber kirchlichen Jugendveranstaltungen, Prozessionen und Wallfahrten. In erhaltenen Stellungnahmen wurde ausdrücklich betont, dass es sich um eine religiöse Wallfahrt und nicht um ein politisches Jugendtreffen gehandelt habe. Gerade diese Verteidigung zeigt, wie schwer es unter der NS-Herrschaft geworden war, größere katholische Öffentlichkeit von politischer Opposition zu trennen.

Maria Scharten wurde dadurch unbeabsichtigt zu einem sichtbaren Ort konfessioneller Selbstbehauptung. Eine jahrhundertealte religiöse Praxis erhielt in einer diktatorischen Umgebung eine zusätzliche gesellschaftliche Bedeutung.

Die Heimkehrerwallfahrt von 1946

Schon wenige Jahre später stand Maria Scharten wieder im Zeichen einer kollektiven Krisenerfahrung. 1946 kamen etwa 3.600 Menschen zu einer Heimkehrerwallfahrt. Nach Krieg, Gefangenschaft, Vermisstenmeldungen und Heimkehr wurde der Wallfahrtsort zum Platz gemeinsamen Dankes und Gedenkens.

Damit setzte sich ein über Jahrhunderte erkennbares Muster fort: Maria Scharten wurde immer dann besonders wichtig, wenn individuelle Schicksale und große historische Ereignisse ineinandergriffen. Pest, Krieg und Heimkehr wurden im Gnadenort in religiöse Sprache übersetzt.

Maria Scharten als Pfarre

Bis 1784 gehörte Scharten kirchlich zur Pfarre Eferding. Im Zuge der josephinischen Pfarrreformen wurde Maria Scharten zur selbständigen Pfarre. Diese Entwicklung sicherte der Kirche neben ihrer Funktion als Wallfahrtsort eine dauerhafte lokale seelsorgliche Aufgabe.

Heute ist Maria Scharten Pfarrgemeinde innerhalb der Pfarre EferdingerLand. Pfarrkirche und Wallfahrtskirche sind daher ein und dasselbe Gotteshaus. Der Alltag einer lebendigen Pfarrgemeinde und der Besuch von Pilgern überlagern sich im selben Raum.

Wallfahrt in der Gegenwart

Die barocken Massenprozessionen mit zehntausenden Kommunikanten gehören der Vergangenheit an, die Wallfahrt selbst jedoch nicht. Maria Scharten wird weiterhin von Einzelpilgern und organisierten Gruppen aufgesucht. Besonders im Marienmonat Mai, rund um das Patrozinium Mariä Geburt und bei weiteren marianischen Feiern kommen Gläubige aus der Region und darüber hinaus.

Pfarr-, Frauen-, Fuß-, Rad- und Buswallfahrten zeigen, wie vielfältig modernes Pilgern geworden ist. Während früher feste Prozessionsordnungen ganze Gemeinden regelmäßig nach Scharten führten, bestehen heute kleinere, flexiblere Formen. Der Gnadenort bleibt dennoch als Ziel erkennbar: Menschen kommen zum Gebet, zum Dank, zur Bitte und zur gemeinschaftlichen Feier.

Wallfahrt und Landschaft

Maria Scharten liegt in einer weithin sichtbaren, fruchtbaren Kulturlandschaft oberhalb des Eferdinger Beckens. Heute wird die Gegend besonders mit Obstbau und Kirschblüte verbunden. Die landschaftliche Lage war auch historisch Teil der Wallfahrtserfahrung. Wer zu Fuß kam, näherte sich der Kirche über längere Wege und sah den Bau bereits aus der Entfernung.

Der Weg zum Heiligtum gehörte zum religiösen Geschehen. Wallfahrt bestand nicht nur aus dem Aufenthalt vor dem Gnadenbild, sondern aus Aufbruch, Weggemeinschaft, Gebet, Ankunft und Rückkehr. Gerade die historische Prozessionslandschaft mit ihren zahlreichen Ausgangspfarren macht diese räumliche Dimension besonders deutlich.

Volkskundliche Bedeutung

Maria Scharten vereinigt nahezu alle wichtigen Elemente einer großen frühneuzeitlichen Wallfahrt: ein verehrtes Gnadenbild, eine Bauplatzlegende, Ablässe, Prozessionsnetze, Mirakelberichte, Votivbilder, Wachsopfer, Andachtsdrucke, kaiserliche Besuche und kollektive Gelübde. Zugleich lässt sich hier besonders gut beobachten, wie sich religiöse Erzählungen im Lauf der Zeit verändern.

Die Lichterlegende erklärt den Bauplatz. Die Gegenreformationsschrift deutet die Bewahrung der Statue als konfessionelles Zeichen. Das Mirakelbuch sammelt Erfahrungen von Krankheit und Hilfe. Votivbilder machen persönlichen Dank sichtbar. Andachtsbilder tragen das Kultbild in private Haushalte. Kaiserliche Wallfahrten verleihen dem Ort politischen Rang. Jugend- und Heimkehrerwallfahrten des 20. Jahrhunderts verbinden alte religiöse Formen mit den Krisen einer modernen Gesellschaft.

Gerade deshalb ist Maria Scharten mehr als eine Kirche mit einem alten Marienbild. Der Ort ist ein außergewöhnlich dichtes Archiv religiöser Praxis. Von der päpstlichen Ablassurkunde des Jahres 1400 bis zu heutigen Pilgergruppen lässt sich hier verfolgen, wie Wallfahrt über mehr als sechs Jahrhunderte immer wieder neu gestaltet und gedeutet wurde.

Literatur und Quellen

Angermayr, Johann: Maria Scharten. Die Geschichte der Kirche und der Wallfahrt. 1978.

Gugitz, Gustav: Österreichs Gnadenstätten in Kult und Brauch. Band 5: Oberösterreich und Salzburg. Wien 1958.

Wacha, Georg: St. Wolfgang und das Wallfahrtswesen im 16. und 17. Jahrhundert. In: Jahrbuch des Oberösterreichischen Musealvereines, Band 117/1. Linz 1972, S. 118-158.

Zinnhobler, Rudolf: Oberösterreich zwischen Reformation (1521) und Revolution (1848). Erträge kirchengeschichtlicher Forschung seit 1932. In: Jahrbuch des Oberösterreichischen Musealvereines, Band 128/1. Linz 1983, S. 109-145.

Heilige Zuflucht-Stadt Des Hochlöbl. Landes Oesterreich ob der Enns: Das ist Die Wunderthätig-schöne Bildnuß Unser Lieben Frauen in der Schardten. Linz, Johann Michael Pramsteidel, o.J.; Imprimatur 1680, spätere erweiterte Ausgabe 1754/55.

Pfarrgemeinde Maria Scharten: Pfarrchronik und historische Beiträge zur Wallfahrtskirche Maria Scharten.

Österreichisches Museum für Volkskunde, Wien: Sammlung historischer Andachtsbilder und Gebetszettel zu Maria Scharten.

Ergänzungen: Wolfgang Morscher

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