| Wallfahrt: | Historische Marienwallfahrt zur Gnadenmutter "Maria Rast"; seit 1949 zusätzlich Fatima-Wallfahrten von Mai bis Oktober. Das Wallfahrtsfest wird zu Mariä Himmelfahrt am 15. August gefeiert. |
| Status: | Historisch belegter und bis heute lebendiger Wallfahrtsort. |
| Kultzentrum: | Spätmittelalterliche Marienstatue, die als Gnadenmutter "Maria Rast" verehrt wird; stehend und gekrönt, mit dem Jesuskind auf dem Arm. |
| Ort: | Steinerkirchen am Innbach, 4633 Kematen am Innbach. |
| Bezirk/Region: | Bezirk Grieskirchen / Hausruckviertel. |
| Bundesland: | Oberösterreich. |
| • | Steinerkirchen 4, 4633 Kematen am Innbach. Die Kirche steht im Ortszentrum von Steinerkirchen am Innbach innerhalb des ummauerten Friedhofs. |
| • | Lage in der SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Hausruckviertel |
| • | Ansicht in Street View |
| • | Web: Pfarrgemeinde Steinerkirchen am Innbach |
| • | Öffnungszeiten: Für den Kirchenraum werden keine verlässlichen täglichen Besichtigungszeiten veröffentlicht. Zugänglich ist die Kirche jedenfalls zu Gottesdiensten, Wallfahrten und kirchlichen Feiern. |
| • | Bilddokumentation |
| • | Ausführliche Beschreibung |
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Besonders willkommen sind Außenansicht und Innenraum der Pfarr- und Wallfahrtskirche, Hochaltar und Gnadenmutter "Maria Rast", Seitenaltäre, Kanzel, Prozessionen und Fatimafeiern, Wallfahrtsfahnen, Votivgaben, Inschriften sowie lokale Wallfahrtsbräuche.
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Die Pfarr- und Wallfahrtskirche Maria Rast in Steinerkirchen am Innbach gehört zu jenen oberösterreichischen Wallfahrtsorten, deren religiöse Geschichte wesentlich weiter zurückreicht als die heute sichtbare spätgotische Architektur vermuten lässt. Eine Kirche in Steinerkirchen ist bereits im späten 12. Jahrhundert bezeugt. Damit ist klar, dass das Gotteshaus nicht erst um 1500 entstanden ist, wie ältere Zusammenfassungen gelegentlich angeben, sondern auf einen wesentlich älteren kirchlichen Platz zurückgeht.
Der heutige Bau entwickelte sich in mehreren Etappen. Das Presbyterium wird im Kern dem 14. Jahrhundert zugerechnet, das Langhaus dem 15. Jahrhundert. Im 16. Jahrhundert entstanden unter anderem der Turm und weitere Bauteile. Die Kirche wuchs damit über Jahrhunderte und bewahrt verschiedene Bauphasen in einem gemeinsamen Organismus. Gerade diese Entwicklung erklärt auch die ungewöhnliche Raumwirkung: Das nördliche Seitenschiff wurde später angefügt und verleiht dem Kircheninneren eine asymmetrische, historisch gewachsene Gestalt.
Steinerkirchen war lange der Pfarre Pichl bei Wels unterstellt. 1692 wurde der Ort Expositur, 1888 schließlich selbständige Pfarre. Die ältere Angabe einer Pfarrerhebung im Jahr 1891 trifft daher nicht zu. Die Entwicklung zur eigenständigen Pfarre stärkte auch die Funktion der Kirche als regionales religiöses Zentrum, ohne dass dadurch ihre ältere Wallfahrtstradition verdrängt wurde.
Seit der Neuordnung der Pfarrstrukturen gehört Steinerkirchen am Innbach als örtliche Pfarrgemeinde zur Pfarre Lambach-Haag. Die Kirche bleibt Pfarrkirche der örtlichen Pfarrgemeinde und zugleich Wallfahrtskirche "Maria Rast".
Im Mittelpunkt des Wallfahrtsortes steht eine spätmittelalterliche Marienstatue, die in der lokalen Tradition als Gnadenmutter "Maria Rast" verehrt wird. Die gekrönte Gottesmutter steht aufrecht und trägt das Jesuskind auf dem Arm. Die Figur gehört in die spätgotische Marienfrömmigkeit des 15. Jahrhunderts und ist damit wesentlich älter als die späteren barocken und neuzeitlichen Ausstattungsschichten der Kirche.
Die Geschichte des Kultbildes zeigt zugleich, dass die Marienverehrung in Steinerkirchen nicht erst mit den Fatimafeiern des 20. Jahrhunderts einsetzte. Bereits lange vorher bestand eine eigenständige Maria-Rast-Wallfahrt. Im Jahr 1935 wurde die restaurierte Gnadenmutter wieder auf dem Hochaltar aufgestellt. Nach den Kriegsjahren wurde 1945 das Wallfahrtsfest erneut gefeiert und damit bewusst an die ältere Wallfahrtstradition angeknüpft.
Über die Herkunft des Namens "Maria Rast" haben sich mehrere volkstümliche Erklärungen erhalten. Eine Überlieferung erzählt, Maria habe auf ihrem Weg durch die Gegend an jener Stelle gerastet, an der später die Kirche entstand. Solche Rastlegenden sind an Marienwallfahrtsorten weit verbreitet und verbinden eine konkrete Landschaft mit dem imaginären Weg der Gottesmutter.
Eine andere Erzählung deutet "Maria Rast" konfessionell: Der Protestantismus sei nur bis Steinerkirchen vorgedrungen und habe die Marienverehrung jenseits dieses Punktes nicht verdrängen können; Maria habe hier gewissermaßen "Rast" gefunden. Diese Deutung gehört deutlich in den Bereich katholischer Erinnerungskultur nach der Reformation. Sie ist keine historische Erklärung des Ortsnamens, zeigt aber, wie konfessionelle Erfahrungen in die Wallfahrtsüberlieferung aufgenommen wurden.
Eine weitere Sage berichtet von einer alten Linde an der Ostseite der Friedhofsmauer. Als man den Baum fällen wollte, sei Blut aus dem Holz gequollen. Schließlich habe man in einer Höhlung ein Muttergottesbild entdeckt, worauf der Baum stehen geblieben sei, bis ihn ein Blitz zerstörte. Die Erzählung gehört zu dem in der Wallfahrtsüberlieferung häufigen Typus der wundersamen Bildauffindung. Historisch lässt sie sich nicht als Entstehungsgeschichte der Kirche belegen, volkskundlich ist sie jedoch ein bemerkenswertes Zeugnis dafür, wie Baum, Bild und heiliger Ort miteinander verbunden wurden.
Die Ausstattung der Kirche ist das Ergebnis mehrerer Jahrhunderte. Die Seitenaltäre und die Kanzel gehören im Wesentlichen dem Barock an. Der Hochaltar ist dagegen kein einheitlich neugotisches Werk, sondern ein historisch vielschichtiges Ensemble. Auf einem neugotischen marmornen Unterbau steht heute ein barocker Altaraufbau, der ursprünglich aus der Schlosskapelle von Schloss Würting bei Offenhausen stammt und 1966 in Steinerkirchen aufgestellt wurde.
In der Mitte dieses Aufbaues steht die Gnadenmutter "Maria Rast". Sie wird von Heiligenfiguren begleitet, unter anderem von Ignatius von Loyola, Franz Xaver, Dominikus und Franz von Assisi. Der übertragene barocke Aufbau, der neugotische Unterbau und das spätmittelalterliche Marienbild bilden damit eine ungewöhnliche Einheit, in der verschiedene Epochen der Kirchen- und Frömmigkeitsgeschichte zusammengeführt werden.
Auch die Seitenaltäre tragen ein reiches barockes Figurenprogramm. Am Marienaltar erscheinen unter anderem Johannes der Täufer, die hl. Barbara sowie Joachim und Anna; der Sebastianaltar zeigt weitere Heilige, darunter Josef und Antonius von Padua. Die barocke Kanzel mit den Evangelistensymbolen gehört ebenfalls zur bemerkenswerten Ausstattung des Gotteshauses.
Für die jüngere Geschichte von Maria Rast ist Pfarrer Heinrich Steiner von besonderer Bedeutung. Er übernahm 1934 die Pfarre, ließ bereits 1935 die Gnadenmutter restaurieren und förderte ihre Verehrung. Nach den Unterbrechungen der Kriegszeit setzte er sich für die Wiederbelebung der Wallfahrt ein. Das Wallfahrtsfest wurde 1945 erneut gefeiert.
Pfarrer Steiner war ein ausgeprägter Marienverehrer. Nach seiner Haft im Konzentrationslager Dachau kehrte er nach Steinerkirchen zurück und prägte die Pfarre über Jahrzehnte. Unter seiner Leitung erhielt die alte Maria-Rast-Wallfahrt eine neue Form, als 1949 zusätzlich regelmäßige Fatima-Wallfahrten eingeführt wurden. Diese moderne Frömmigkeitsbewegung trat nicht an die Stelle des älteren Kultes, sondern ergänzte ihn.
Die Fatima-Wallfahrten gehören heute zum festen Jahreslauf von Steinerkirchen. Von Mai bis Oktober finden am 13. des Monats entsprechende Feiern statt; im August bildet das Wallfahrtsfest zu Mariä Himmelfahrt am 15. August den besonderen Höhepunkt. Rosenkranz, Prozession und Eucharistiefeier verbinden die Verehrung der Gnadenmutter "Maria Rast" mit der im 20. Jahrhundert verbreiteten Fatima-Frömmigkeit.
Gerade diese Verbindung ist volkskundlich interessant. Der Ort besitzt einen spätmittelalterlichen marianischen Kultkern, der im 20. Jahrhundert nicht ersetzt, sondern neu interpretiert wurde. Die Fatima-Wallfahrten brachten neue Gebetsformen und Prozessionsordnungen an einen bereits seit Jahrhunderten religiös aufgeladenen Ort. Dadurch blieb Maria Rast nicht nur ein historisches Denkmal, sondern ein lebendiger Wallfahrtsort.
Die Wallfahrt nach Maria Rast war und ist vor allem regional geprägt. Besucher und Wallfahrtsgruppen kommen aus den umliegenden Pfarren; das Wallfahrtsfest und die monatlichen Fatimafeiern schaffen wiederkehrende Termine im kirchlichen Jahreslauf. Anders als bei großen überregionalen Gnadenorten liegt die Bedeutung Steinerkirchens gerade in dieser engen Verbindung von Ortsgemeinde, Nachbarpfarren und regionaler Marienfrömmigkeit.
Die Wallfahrtskirche vereinigt damit mehrere zeitliche Schichten: die mittelalterliche Kirche, den spätgotischen Ausbau, die Gnadenmutter des 15. Jahrhunderts, barocke Altäre und Kanzel, historistische Veränderungen, die Wiederbelebung der Wallfahrt im 20. Jahrhundert und die seit 1949 bestehende Fatima-Tradition. Diese Schichten sind nicht voneinander zu trennen, sondern erklären gemeinsam, warum Steinerkirchen bis heute als "Maria Rast" wahrgenommen wird.
Besonders bemerkenswert ist die Vielfalt der Erzählungen, die sich um den Wallfahrtsort gebildet haben. Die rastende Gottesmutter, die konfessionelle Deutung des Namens und die blutende Linde mit dem aufgefundenen Marienbild gehören verschiedenen Typen religiöser Überlieferung an. Gemeinsam ist ihnen, dass sie die Heiligkeit des Ortes nicht abstrakt erklären, sondern an konkrete Landschaftselemente und historische Erfahrungen binden.
Für die Volkskunde ist Maria Rast daher nicht nur wegen der organisierten Wallfahrt wichtig. Der Ort zeigt exemplarisch, wie sich Kultbild, lokale Sage, konfessionelle Erinnerung, Prozession, Wallfahrtsfest und moderne Fatima-Frömmigkeit überlagern können. Die Geschichte von Steinerkirchen ist damit zugleich eine Geschichte des Wandels katholischer Volksfrömmigkeit vom späten Mittelalter bis in die Gegenwart.
Gugitz, Gustav: Österreichs Gnadenstätten in Kult und Brauch. Band 5: Oberösterreich und Salzburg. Wien 1958.
Pfarrgemeinde Steinerkirchen am Innbach: Geschichte der Pfarr- und Wallfahrtskirche Maria Rast.
Franz-und-Franziska-Jägerstätter-Institut an der Katholischen Privat-Universität Linz: Dokumentation zu Pfarrer Heinrich Steiner.
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Ergänzungen: Wolfgang Morscher
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