Hartkirchen, Wallfahrtskirche Hilkering

Schnellüberblick
Wallfahrt:Historisch bedeutende Marienwallfahrt mit Ablassbeleg von 1513; bis heute bestehen von Hartkirchen aus zwei Gelöbniswallfahrten, am Ostermontag und am 1. Mai.
Status:Historisch belegter und bis heute lebendiger Wallfahrtsort.
Kultzentrum:Hilkeringer Madonna, eine spätgotische Marienstatue um 1415; das Original befindet sich seit 1968 in der Pfarrkirche Hartkirchen, im Hochaltar von Hilkering steht eine von Josef Aumüller geschaffene Kopie. Zur Wallfahrtslandschaft gehört außerdem das ehemalige "Gnadenbrünnlein" in der barocken Brunnenkapelle.
Ort:Hilkering, 4081 Hartkirchen.
Bezirk/Region:Bezirk Eferding / Hausruckviertel.
Bundesland:Oberösterreich.
Lage und Besuch
•Hilkering liegt westlich von Hartkirchen auf einer markanten Uferterrasse über der Aschach. Die Wallfahrtskirche steht innerhalb einer ummauerten Anlage; südlich davon befindet sich die Brunnenkapelle.
•Lage in der SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Hausruckviertel
•Ansicht in Street View
•Web: Pfarrgemeinde Hartkirchen
•Öffnungszeiten: Für Besichtigungen außerhalb von Gottesdiensten, Wallfahrten und kirchlichen Feiern werden keine verlässlichen täglichen Öffnungszeiten veröffentlicht.
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Besonders willkommen sind Außenansicht und Innenraum der Wallfahrtskirche, Hochaltar mit der Hilkeringer Madonna, die originale Hilkeringer Madonna in der Pfarrkirche Hartkirchen, Brunnenkapelle und Brunnenbecken von 1664, erhaltene Votivtafeln, die Gelöbniswallfahrten am Ostermontag und am 1. Mai, Prozessionsfahnen sowie weitere lokale Wallfahrts- und Andachtsbräuche.

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Ausführliche Beschreibung

Lage und Charakter des Wallfahrtsortes

Die Wallfahrtskirche Hilkering liegt westlich von Hartkirchen auf einer steil zur Aschach abfallenden Terrasse im sogenannten Aschachwinkel. Der kleine, von einer Mauer umgebene Kirchenbezirk ist ein bemerkenswert geschlossenes Beispiel einer über Jahrhunderte gewachsenen Wallfahrtslandschaft. Kirche, Hochaltar mit dem Marienbild, Brunnenkapelle, ehemaliges Benefiziaten- oder Schulhaus und die überlieferten Prozessionswege gehören zusammen und machen Hilkering zu weit mehr als einer abgelegenen Filialkirche. Die Kirche ist dem hl. Johannes dem Täufer geweiht, der historische Wallfahrtskult entwickelte sich jedoch vor allem um die Verehrung Mariens und die Hilkeringer Madonna.

Frühe Geschichte, Legende und Ablass von 1513

Der Ort Hilkering ist um 1198 unter der Form "Hiltergeringen" urkundlich bezeugt. Archäologische Beobachtungen des 19. Jahrhunderts, darunter römische Ziegel und Keramikreste aus dem Umfeld der Kirche, weisen auf eine wesentlich ältere Besiedlung des Platzes hin, erlauben aber keine Aussage über einen vorchristlichen Kult. Auch die Entstehung der Kirche ist von späteren Überlieferungen umgeben. Eine Legende erzählt von einem Einsiedler, der in frühmittelalterlicher Zeit hier gerodet, eine hölzerne Kapelle errichtet und den Bewohnern der Umgebung in leiblichen und seelischen Nöten geholfen habe. Eine weitere Tradition bringt Hilkering mit zwei schwäbischen Adeligen in Verbindung, die dem Zisterzienserkloster Ebrach Besitz mit der Auflage vermacht hätten, hier ein Kloster zu gründen. Wegen der Nähe des 1146 gegründeten Stiftes Wilhering sei diese Niederlassung jedoch nicht zustande gekommen. Solche Erzählungen gehören zur historischen Erinnerung des Ortes, lassen sich aber nicht mit der späteren Wallfahrt gleichsetzen.

Ein sicherer Beleg für die religiöse Bedeutung Hilkerings liegt dagegen aus dem frühen 16. Jahrhundert vor. Am 6. Mai 1513 verlieh der Passauer Bischof Wiguleus Fröschl von Marzoll den Besuchern der Filialkirche St. Johannes zu "Hylkaring" am Fest der Apostel Petrus und Paulus einen Ablass von vierzig Tagen. Dieser Ablassbrief ist für die Wallfahrtsgeschichte von besonderer Bedeutung, weil er zeigt, dass die Kirche bereits vor dem spätgotischen Ausbau des folgenden Jahres ein über die bloße Ortsseelsorge hinausgehendes religiöses Ziel war. Die Wallfahrt von Hilkering kann deshalb nicht erst aus einer späteren Stiftung des Jahres 1514 abgeleitet werden.

Magdalena Steinböck und der spätgotische Ausbau

Mit dem Ausbau der Kirche verbindet die Überlieferung den Namen Magdalena Steinböck. Sie verkaufte 1514 ererbte Besitzungen, darunter den Sitz Haizing und Besitz der Familie Steinbach, und trat in ein Wiener Kloster ein. Der Verkaufserlös soll wesentlich zur Errichtung beziehungsweise zum Ausbau der Hilkeringer Kirche beigetragen haben. In älteren Darstellungen wurde daraus gelegentlich eine Gründung der Kirche im Jahr 1514 gemacht; der Ablassbrief von 1513 zeigt jedoch eindeutig, dass bereits vorher eine Kirche bestand. Plausibler ist daher, dass die Stiftung Steinböcks den spätgotischen Neubau oder eine grundlegende Erweiterung einer älteren Filialkirche ermöglichte.

Der heutige Bau bewahrt in seinen wesentlichen Teilen diese spätgotische Gestalt. Die einschiffige Kirche besitzt einen eingezogenen, polygonal geschlossenen Chor mit Kreuzrippengewölbe. An der Nordseite steht der Turm, dessen oberer Abschluss im 17. Jahrhundert barock verändert wurde; über dem Chor sitzt außerdem ein kleines Sanktustürmchen. Der zurückhaltende Außenbau steht in auffälligem Gegensatz zur reichen barocken Innenausstattung.

Die Hilkeringer Madonna

Das wichtigste Kultbild des Wallfahrtsortes ist die sogenannte Hilkeringer Madonna, eine spätgotische Marienstatue aus der Zeit um 1415, die dem Salzburger Kunstkreis zugerechnet wird. Maria steht gekrönt und mit Zepter, auf dem Arm trägt sie das ebenfalls gekrönte Jesuskind. Die Figur ist damit älter als der spätgotische Ausbau der Kirche und gehört zu den bedeutendsten Zeugnissen der frühen Marienverehrung in Hilkering. Über Jahrhunderte bildete sie den Mittelpunkt des Hochaltares und der Wallfahrt.

Heute befindet sich im Hochaltar von Hilkering nicht mehr das mittelalterliche Original, sondern eine 1968 vom Bildhauer Josef Aumüller aus Walding geschaffene Kopie. Die originale Hilkeringer Madonna wurde im selben Jahr auf den Marienaltar der Pfarrkirche Hartkirchen übertragen, wo sie seither aufbewahrt wird. Für die Geschichte des Wallfahrtsortes ist diese Trennung von Original und Kultort bemerkenswert: Die Wallfahrt blieb mit Hilkering verbunden, obwohl die wertvolle mittelalterliche Skulptur selbst aus der Filialkirche entfernt wurde. Das Kultgedächtnis des Ortes wird im Hochaltar durch die Kopie weitergeführt.

Barocke Ausgestaltung und Ausstattung

Im 17. und 18. Jahrhundert erhielt Hilkering seine bis heute prägende barocke Ausstattung. Der Hochaltar stammt im Aufbau aus dem späten 17. Jahrhundert und wurde um 1730 mit Rokokoverzierungen ergänzt. Neben der Madonna stehen die Apostel Jakobus der Jüngere und Philippus; die Figur Johannes des Täufers als Kirchenpatron dürfte aus der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts stammen. Versilberte Rokokoleuchter und eine versilberte Ampel aus der Zeit um 1740 unterstreichen den festlichen Charakter des Altars. Auch die beiden Seitenaltäre gehen im Kern auf das späte 17. Jahrhundert zurück und wurden um 1750 mit Rokokoornamenten bereichert.

Besonders charakteristisch ist die farbige Raumfassung. 1751 und 1752 bemalte der Linzer Ornamentmaler Matthias Dollicher den Kirchenraum mit einer reichen Dekoration, die plastischen Stuck vortäuscht. Bei einer Restaurierung um 1892 griff der Maler Josef Vogl stark in diese ältere Fassung ein und schuf unter anderem das Deckengemälde der Schutzmantelmadonna. Bei der Restaurierung von 1995 konnte ein wesentlicher Teil der barocken Ornamentmalerei wieder sichtbar gemacht werden. Die Kirche bewahrt damit mehrere Schichten der Frömmigkeits- und Restaurierungsgeschichte, ohne dass die spätgotische Grundstruktur verlorengegangen wäre.

Brunnenkapelle und "Gnadenbrünnlein"

Zur Wallfahrt gehörte neben der Madonna auch eine Quelle südlich der Kirche. An ihr steht die barocke Brunnenkapelle, deren heutige Gestalt aus der Mitte des 18. Jahrhunderts stammt. Das granitene Brunnenbecken trägt jedoch bereits die Jahreszahl 1664 und verweist auf eine ältere Fassung der Quelle. Ein Wandbild zeigt Christus und die Samariterin am Jakobsbrunnen und verbindet damit die natürliche Quelle unmittelbar mit der biblischen Vorstellung vom lebenspendenden Wasser.

Die Quelle wurde als "Gnadenbrünnlein" bezeichnet und galt in der örtlichen Überlieferung als heilkräftig. Besonders bei Augenleiden suchten Menschen das Wasser auf. Solche Heilbrunnen sind ein häufiges Element historischer Wallfahrtslandschaften: Religiöse Bitte, volksmedizinische Hoffnung und konkrete körperliche Anwendung gingen ineinander über. Für Hilkering ist dabei wichtig, zwischen dem marianischen Hauptkult und dem Bründl zu unterscheiden. Die Quelle war eine zusätzliche Form der Wallfahrtsfrömmigkeit; ein eigenständiger Johannes-Heilkult lässt sich daraus nicht sicher ableiten.

Votivwesen und persönliche Dankbarkeit

Früher befanden sich in Hilkering zahlreiche Votivtafeln. Von diesem Bestand ist nur wenig erhalten geblieben. Eine Votivtafel aus dem Jahr 1892 erinnert an einen Restaurator, der bei Arbeiten an der Pfarrkirche vom Gerüst stürzte und den Unfall ohne Verletzung überstand. Gerade solche Zeugnisse sind für die Volkskunde von besonderem Wert, weil sie den Wallfahrtsort nicht nur als Ziel organisierter Prozessionen zeigen, sondern als Ort persönlicher Bitte und des Dankes für eine als außergewöhnlich erfahrene Hilfe.

Gelöbniswallfahrten am Ostermontag und am 1. Mai

Die Wallfahrt nach Hilkering blieb nicht auf die frühneuzeitliche Marienverehrung beschränkt. Von Hartkirchen aus haben sich zwei Gelöbniswallfahrten erhalten, die dem Ort bis heute eine lebendige religiöse Funktion geben. Die Prozession am 1. Mai wird in der Pfarrtradition bis in die Zeit der Gegenreformation zurückgeführt. Die zweite Wallfahrt findet am Ostermontag statt und beruht auf einem Gelöbnis aus dem Jahr 1802. Damals blieb Hartkirchen bei einem Brand vor noch größerem Schaden bewahrt; aus diesem Ereignis entwickelte sich die jährlich erneuerte Wallfahrt nach Hilkering.

Diese beiden Wallfahrten zeigen einen wichtigen Wandel des Kultortes. Aus der mittelalterlich-frühneuzeitlichen Marienwallfahrt mit Ablass, Gnadenstatue und Heilbrunnen wurde zugleich ein Erinnerungsort der örtlichen Gemeinschaft. Der Weg nach Hilkering dient nicht nur der individuellen Bitte, sondern dem gemeinsamen Vollzug eines über Generationen tradierten Versprechens. Prozession, gemeinsamer Weg, Gottesdienst am Wallfahrtsort und die wiederkehrende Erinnerung an erfahrene Bewahrung bilden dabei eine Einheit.

Wallfahrtsseelsorge und historische Bedeutung

Die frühere Bedeutung Hilkerings zeigt sich nicht allein in Ablässen und Wallfahrten, sondern auch in der baulichen Infrastruktur des Kirchenbezirks. Das alte Benefiziaten- oder Schulhaus wurde vermutlich um die Mitte des 18. Jahrhunderts neu errichtet und ebenfalls mit Rokokoornamenten ausgestattet. Das kunstvolle Gittertor am westlichen Zugang gehört derselben Epoche an. Der ummauerte Bezirk, die Kirche, das Bründl und die Nebengebäude machen verständlich, dass Hilkering zeitweise eine wesentlich größere religiöse Bedeutung hatte, als die geringe Größe des Ortes vermuten lässt.

Die josephinischen Reformen bedeuteten wie für viele kleinere Wallfahrtsorte einen tiefen Einschnitt in überkommene Besitz- und Seelsorgestrukturen. Dennoch erlosch die Wallfahrt nicht. Gerade die Gelöbniswallfahrten des 19. Jahrhunderts zeigen, dass sich religiöse Praxis nach solchen Brüchen neu formieren konnte. Hilkering blieb ein Ort, an dem ältere marianische Verehrung, Heilbrunnenbrauch und gemeinschaftliche Gelöbnistradition zusammengeführt wurden.

Volkskundliche Bedeutung

Hilkering ist volkskundlich deshalb besonders bemerkenswert, weil verschiedene Formen religiöser Praxis an einem kleinen Ort übereinandergelagert sind. Die Ablasswallfahrt des frühen 16. Jahrhunderts, die Verehrung einer spätgotischen Madonna, das Aufsuchen des Heilbrunnens bei Augenleiden, Votivgaben und die späteren Gelöbnisprozessionen gehören unterschiedlichen Zeiten an, sind aber im Wallfahrtsort miteinander verbunden. Auch der Umstand, dass das originale Kultbild heute in Hartkirchen verwahrt wird, während die Wallfahrt weiterhin nach Hilkering führt, zeigt, dass ein Wallfahrtsort nicht allein durch den physischen Besitz eines bestimmten Kunstwerks definiert wird. Entscheidend ist die über Generationen fortgesetzte religiöse Praxis, die bestimmte Wege, Gebäude, Bilder und Erinnerungen miteinander verbindet.

Die Wallfahrtskirche Hilkering ist damit ein besonders anschauliches Beispiel für die historische Wandlungsfähigkeit regionaler Wallfahrt. Aus einer mittelalterlichen Johannes-Filialkirche entwickelte sich spätestens im frühen 16. Jahrhundert ein privilegierter Wallfahrtsort; die Marienverehrung um die Hilkeringer Madonna prägte den Ort über Jahrhunderte, der Heilbrunnen ergänzte ihn um eine körperbezogene Dimension der Volksfrömmigkeit, und die Gelöbniswallfahrten von Hartkirchen sichern bis heute die Verbindung zwischen dem kleinen Kirchenbezirk und der umgebenden Bevölkerung.

Literatur und Quellen

Diözesanarchiv Linz, Sammlung der Urkunden von Hartkirchen: Ablassurkunde für die Filialkirche St. Johannes in Hilkering vom 6. Mai 1513.

Gugitz, Gustav: Österreichs Gnadenstätten in Kult und Brauch. Band 5: Oberösterreich und Salzburg. Wien 1958.

Pfarrgemeinde Hartkirchen: Wallfahrtskirche Hilkering. Kirchen-, Kunst- und Wallfahrtsgeschichte.

Ergänzungen: Wolfgang Morscher

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