| Wallfahrt: | Historische Quellen- und Heilwallfahrt zum hl. Petrus. Das Wasser des Petersbrunnens galt besonders bei Augenleiden als hilfreich; der Zulauf war zeitweise so groß, dass ein eigenes Badehaus bestand. Die regelmäßige Wallfahrt ist weitgehend erloschen. |
| Status: | Historisch bedeutender Quellen- und Heilwallfahrtsort zum hl. Petrus; die regelmäßige organisierte Wallfahrt ist heute nicht mehr in früherer Form nachweisbar. |
| Kultzentrum: | Historisch vor allem der Petersbrunnen mit seinem als heilkräftig verehrten Quellwasser; in der Kirche Petruskult und Darstellung der Schlüsselübergabe an den hl. Petrus. Im 19. Jahrhundert kam bei der Quelle eine eigene Maria-Hilf-Kapelle hinzu. |
| Ort: | Liedering 119, 4623 Gunskirchen. |
| Bezirk/Region: | Bezirk Wels-Land / Hausruckviertel. |
| Bundesland: | Oberösterreich. |
| • | Die Filialkirche St. Peter liegt oberhalb der Ortschaft Liedering am Ostabhang des Irrachberges, an der Straße von Gunskirchen nach Pichl bei Wels. |
| • | Lage in der SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Hausruckviertel |
| • | Ansicht in Street View |
| • | Web: Pfarrgemeinde Gunskirchen - St. Peter in Liedering |
| • | Öffnungszeiten: Für den Kirchenraum werden keine verlässlichen allgemeinen Öffnungszeiten veröffentlicht. Vor einem Besuch empfiehlt sich eine Information bei der Pfarrgemeinde Gunskirchen. |
| • | Bilddokumentation |
| • | Ausführliche Beschreibung |
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Besonders willkommen sind Außenansicht und Innenraum der Kirche, Hochaltar und Petrusdarstellungen, Apostelfiguren und bemalte Sakristeitüren, Petersbrunnen und Quellenbereich, das ehemalige Gebäude der Maria-Hilf-Kapelle, Spuren des früheren Petersbades sowie historische oder heutige Andachts- und Wallfahrtsformen.
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Die kleine Filialkirche St. Peter steht oberhalb von Liedering in einer für einen Wallfahrtsort charakteristischen Beziehung zur Landschaft: Das Gotteshaus liegt erhöht am Hang, während unterhalb die Quelle entspringt, die über Jahrhunderte den eigentlichen Mittelpunkt der Wallfahrt bildete. Gerade diese Verbindung von Kirche, Quellwasser und Heilserwartung unterscheidet Liedering von Wallfahrtsorten, deren Kult sich hauptsächlich um ein Gnadenbild oder eine Reliquie entwickelte. In Liedering war es vor allem der "Petersbrunnen", dessen Wasser als heilkräftig galt und Menschen aus der Umgebung anzog. Der Ort wurde deshalb auch als "Petersbad" bezeichnet.
Die Kirche selbst ist erstmals 1517 in einem Dienstbuch der Pfarrer von Gunskirchen urkundlich nachweisbar. Über Aussehen und Alter dieses älteren Gotteshauses ist wenig Sicheres bekannt. Die Quellen erlauben daher keine lückenlose Rekonstruktion der Anfänge der Wallfahrt. Sicher ist jedoch, dass Kirche und Quelle bereits vor dem barocken Neubau miteinander verbunden waren. Die in älteren Pfarrschriften überlieferte Vorstellung einer sehr alten, möglicherweise sogar vorchristlichen Kultstätte an der Quelle ist als Deutung zu verstehen; ein archäologischer Nachweis dafür liegt nicht vor.
Unterhalb der Kirche entsprang eine ergiebige Wiesenquelle. Ihrem Wasser schrieb man besondere Heilkraft zu, vor allem bei Augenleiden. Die Wallfahrer wuschen sich Augen und Hände mit dem Wasser und suchten damit körperliche Heilung ebenso wie religiöse Hilfe. In der älteren Beschreibung des Quellortes floss das Wasser aus der Seitenwunde einer Darstellung des toten Christus, der auf dem Schoß seiner Mutter ruhte, in ein Becken. Die Verbindung von Passionsbild, fließendem Wasser und ritueller Waschung machte den Brunnen zu einem ausgesprochen anschaulichen Andachtsort.
Der Zulauf war zeitweise so bedeutend, dass beim Quellort ein Badehaus betrieben wurde. Für 1724 ist die Errichtung eines neuen Badehauses belegt. Das zeigt, dass die Nutzung der Quelle weit über ein gelegentliches Schöpfen von Wasser hinausging. Baden und Trinken des Wassers verbanden sich mit religiöser Erwartung; die Grenze zwischen Wallfahrtsbrauch, Volksmedizin und dem frühneuzeitlichen Vertrauen in Heilquellen war dabei fließend. Noch lange nachdem der eigentliche Badebetrieb zurückgegangen war, blieb die Gewohnheit bestehen, sich am Petersbrunnen Augen und Hände zu waschen.
Das Badehaus bestand bis in das frühe 19. Jahrhundert und wurde später als Wirtshaus genutzt. Damit besaß Liedering zeitweise jene Infrastruktur, die auch von größeren Heil- und Quellenwallfahrten bekannt ist: Kultort, Wasserstelle und ein Gebäude für längeren Aufenthalt lagen dicht beieinander. Für die Volkskunde ist gerade diese räumliche Verbindung aufschlussreich, weil sie zeigt, dass Wallfahrt hier nicht nur im Kirchenraum stattfand, sondern ebenso am Wasser, beim Waschen, Trinken und Aufenthalt an der Quelle.
Zu Beginn des 18. Jahrhunderts war die ältere Kirche baufällig geworden. 1728 wurde ein Neubau vorgeschlagen, 1729 reichte der Welser Stadtmaurermeister Wolfgang Grinzenberger den Plan ein. Der Neubau wurde an Stelle des älteren Kirchleins ausgeführt und am 3. September 1731 geweiht. Zeitgenössische Akten heben ausdrücklich hervor, dass das nahezu verfallene alte Gotteshaus vollständig abgetragen und durch einen wesentlich stattlicheren Neubau ersetzt worden war. Dass wenige Jahre zuvor auch das Badehaus neu errichtet worden war, lässt erkennen, dass Kirche und Petersbad damals eine Phase beträchtlicher Bedeutung erlebten.
Der Bau hat sich in seiner Grundgestalt bemerkenswert geschlossen erhalten. Über einem längsovalen, beinahe kreisförmigen Grundriss erhebt sich ein zylindrischer Baukörper, der von einem geschweiften Kuppeldach mit offener achtseitiger Laterne und Zwiebelhelm bekrönt wird. Das Innere des Ovals misst etwa 11,30 Meter in der Länge und 9,65 Meter in der Breite. Westlich liegt das Hauptportal, östlich schließt die niedrigere Sakristei an. Über dem Portal befindet sich eine von Putten flankierte Kartusche; ihr Chronogramm ergibt die Jahreszahl 1730. Die kleine Kirche gehört damit zu den reizvollen barocken Zentralbauten des Welser Raumes.
Der hl. Petrus ist Patron des Gotteshauses und begegnet in der Ausstattung in unterschiedlichen Formen. Zur älteren Beschreibung der Kirche gehört die Darstellung, wie Christus dem Apostel Petrus die Schlüssel überreicht. Sie verweist unmittelbar auf die neutestamentliche Schlüsselgewalt des Petrus und damit auf eines seiner wichtigsten ikonographischen Attribute. Für die historische Wallfahrt dürfte jedoch nicht diese Darstellung allein das Kultzentrum gebildet haben. Die Quellen sprechen wesentlich deutlicher für die besondere Bedeutung des Petersbrunnens und seines Wassers. Der Kult des Heiligen und der Quellbrauch waren also miteinander verschränkt.
Der barocke Innenraum besitzt einen kleinen Hochaltar und einen bemerkenswert geschlossenen Bestand an Apostelfiguren. Kirchenrechnungen belegen wiederholte Arbeiten an dieser Ausstattung: 1856 wurden die zwölf Apostelstatuen restauriert, 1857 die bemalten Türen, 1867 der Hochaltar mit seinen Figuren neu gefasst und vergoldet. Auch die Chorstühle, der Orgelkasten und weitere Teile wurden im 19. Jahrhundert instand gesetzt. Diese Rechnungen zeigen, wie kontinuierlich die kleine Filialkirche trotz nachlassender Wallfahrt gepflegt wurde. Bei der umfassenden Sanierung 1966/67 wurden die Apostelplastiken wieder in den Wandnischen aufgestellt und weitere Teile der historischen Ausstattung restauriert.
Im 19. Jahrhundert kam neben dem Petruskult eine deutlich marianische Kultschicht hinzu. Unterhalb von St. Peter wurde 1871 das Haus Liedering Nr. 7 errichtet. In einem Raum mit Rundbogenfenstern befand sich später eine Kapelle zu Ehren "Maria Hilf", die 1880 geweiht wurde und eine Messlizenz besaß. Unter dem Kapellenraum lag ein Quellengewölbe, in das ein Teil des Wassers der Petersquelle abgeleitet wurde. Die Marienkapelle stand somit nicht an Stelle der Quelle, sondern war baulich mit ihr verbunden.
Diese Entwicklung ist volkskundlich bemerkenswert. Der ältere Heilquellenbrauch war dem hl. Petrus zugeordnet, erhielt aber im späten 19. Jahrhundert eine zusätzliche marianische Andachtsform. Die Kapelle bestand bis etwa zur Mitte des 20. Jahrhunderts. An dem Gebäude haben sich sakrale Wandbilder erhalten, darunter eine Darstellung des hl. Petrus als Menschenfischer im Boot mit der Peterskirche in Rom. Damit blieb die Erinnerung an den älteren Petruskult auch im Umfeld der späteren Maria-Hilf-Kapelle sichtbar.
Ältere volkskundliche Quellen dokumentieren in ihrer Dokumentation noch weitere örtliche Überlieferungen fest. In der Maria-Hilf-Kapelle soll sich ein Marienbild auf Glas befunden haben, das erst gegen das Licht deutlich sichtbar geworden sei. Der Legende zufolge sei die Erscheinung im Glas immer größer geworden; als eine Kommission das Phänomen untersuchen wollte, sei das Glas zerbrochen. Für diese Erzählung lässt sich bislang kein unabhängiger historischer Nachweis beibringen. Sie gehört daher in den Bereich der lokalen religiösen Überlieferung, ist als Zeugnis der früheren Vorstellungswelt des Ortes aber durchaus bemerkenswert.
Eine ältere volkskundliche Beschreibung dokumentiert außerdem beim Ausfluss der Quelle in einen Teich ein kleines Schiff mit einer Petrusfigur. Auch dieses Detail ist für die ältere Gestaltung des Quellortes interessant, kann jedoch nicht ohne weiteres auf den heutigen Bestand übertragen werden. Das Schiffsmotiv hätte gut zum Apostel Petrus als Fischer und Menschenfischer gepasst und verband die Wasserlandschaft des Brunnens unmittelbar mit der Bildsprache des Kirchenpatrons.
Im 20. Jahrhundert war die große Zeit des Petersbades bereits vorüber. Eine ältere volkskundliche Dokumentation verzeichnet noch einzelne Besucher und kleinere Gruppen, besonders aus Gunskirchen und Wels, und erwähnte Besuche an den Goldenen Samstagen, teilweise in Verbindung mit Maria Fallsbach. Diese Beziehung der beiden nahe gelegenen Wallfahrtsorte wird durch den alten Kirchenweg verständlich, der von Gunskirchen über Maria Fallsbach nach St. Peter führte. Entlang dieses Weges standen Kapellen und Bildstöcke; ein Bildstock beim Wimmer westlich von Maria Fallsbach erinnert noch an diese religiöse Weglandschaft.
Damit erscheinen Fallsbach und Liedering nicht als zwei völlig voneinander getrennte Kultorte, sondern als Bestandteile einer kleinräumigen Wallfahrtslandschaft. Maria Fallsbach war vor allem marianisch geprägt, St. Peter durch Apostelkult und Heilquelle. Die Verbindung beider Ziele über einen von sakralen Kleindenkmälern begleiteten Weg zeigt anschaulich, wie Wallfahrt in einer ländlichen Region als Bewegung durch die Landschaft organisiert sein konnte.
Mit dem Verschwinden des Badebetriebes und dem Rückgang der organisierten Wallfahrt verlor Liedering einen Teil seiner früheren religiösen Funktion. Die Kirche blieb jedoch als Filialkirche, Andachtsort und bemerkenswertes barockes Baudenkmal erhalten. Wiederholte Restaurierungen im 19. und 20. Jahrhundert bezeugen die Wertschätzung des kleinen Gotteshauses. In jüngerer Zeit wurde St. Peter außerdem als Veranstaltungsort für die Konzertreihe "Klangraum St. Peter" genutzt und damit auf neue Weise in das kulturelle Leben der Umgebung eingebunden.
Für die Wallfahrtsforschung ist St. Peter ein wichtiger Ort: Kirche, Quelle, ehemaliges Badehaus, Maria-Hilf-Kapelle und der alte Weg nach Fallsbach bilden zusammen ein ungewöhnlich dichtes Ensemble, an dem sich der Wandel von Heilwallfahrt, Volksmedizin und lokaler Andacht über mehrere Jahrhunderte nachvollziehen lässt. Gerade die Verbindung von Petruskult, heilkräftigem Wasser und späterer Marienverehrung macht Liedering zu einem besonders anschaulichen Beispiel für die historische Schichtung eines regionalen Wallfahrtsortes.
Moser, Rudolf: Petersbad und Peterskirche in Liedering bei Gunskirchen. In: Jahrbuch des Musealvereines Wels, Band 14, 1967/68. Wels 1968, S. 13-32.
Weiss, Elfriede: Kleindenkmäler von Gunskirchen. 2011.
Pfarrgemeinde Gunskirchen: Geschichte und Beschreibung der Filialkirche St. Peter in Liedering.
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Ergänzungen: Wolfgang Morscher
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