| Wallfahrt: | Seit 1729 belegte Marienwallfahrt zur spätgotischen Madonna von "Maria Altenhof". Im 18. Jahrhundert starker regionaler Zustrom; seit 1749 sind Goldene Samstagnächte überliefert, 1760 wurde wegen des Wallfahrerandrangs ein eigenes Beichtgebäude errichtet. Für das 20. Jahrhundert ist noch eine Frauenwallfahrt im September belegt; eine regelmäßige heutige organisierte Wallfahrt lässt sich nicht sicher nachweisen. |
| Status: | Historisch eindeutig belegter Marienwallfahrtsort mit erhaltenem Gnadenbild; heute Kirche der Pfarrgemeinde Altenhof am Hausruck innerhalb der Pfarre Lambach-Haag. |
| Kultzentrum: | Fast lebensgroße spätgotische Marienstatue mit Kind, um 1500, 1729 auf dem Hochaltar aufgestellt und seither als Gnadenbild verehrt. |
| Ort: | Altenhof am Hausruck, Gemeinde Gaspoltshofen. |
| Bezirk/Region: | Bezirk Grieskirchen / Hausruckviertel. |
| Bundesland: | Oberösterreich. |
| • | Altenhof am Hausruck, 4674 Gaspoltshofen. Die Kirche steht im Ortszentrum von Altenhof am Südhang des Hausrucks. |
| • | Lage in der SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Hausruckviertel |
| • | Ansicht in Street View |
| • | Web: Pfarrgemeinde Altenhof am Hausruck |
| • | Öffnungszeiten: Für den Kirchenraum werden keine verlässlichen täglichen Besichtigungszeiten veröffentlicht. Sicher zugänglich ist die Kirche zu den Gottesdiensten und nach Rücksprache mit der Pfarrgemeinde. |
| • | Bilddokumentation |
| • | Ausführliche Beschreibung |
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Besonders willkommen sind Außenansicht und Innenraum der Kirche, der Hochaltar mit der spätgotischen Marienstatue, Darstellungen des hl. Koloman, ehemalige oder erhaltene Wallfahrtszeichen und Votivgaben, Inschriften sowie Aufnahmen zu Prozessionen, Wallfahrten und örtlichen Festbräuchen.
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Die Kirche von Altenhof am Hausruck ist in mehrfacher Hinsicht bemerkenswert, weil sich hier zwei unterschiedliche religiöse Traditionen überlagern. Das Gotteshaus ist dem hl. Koloman geweiht, einem im österreichisch-bayerischen Raum besonders verehrten Schutzheiligen für Vieh, Pferde, Hab und Gut sowie für Quellen und Wasser. Seit dem frühen 18. Jahrhundert trat jedoch eine ausgeprägte Marienverehrung hinzu, die so stark wurde, dass der Ort unter dem Namen "Maria Altenhof" zu einem regional besuchten Wallfahrtsziel aufstieg. Die ältere Kolomanstradition verschwand dadurch nicht, doch das eigentliche Zentrum der Wallfahrt wurde eine spätgotische Marienstatue auf dem Hochaltar.
Altenhof wird 1263 erstmals urkundlich genannt. Ob damals bereits eine Kirche bestand, lässt sich nicht sicher beweisen, ist angesichts der späteren Entwicklung aber wahrscheinlich. Der heutige Bau besitzt einen spätmittelalterlichen Kern; die ältere Kirche dürfte im 15. Jahrhundert ihre wesentlichen Formen erhalten haben. In der lokalen Überlieferung wird berichtet, dass das Gotteshaus während der konfessionellen und sozialen Auseinandersetzungen des frühen 17. Jahrhunderts schwer gelitten habe. Sicher greifbar wird sein schlechter Zustand 1622, als der Gaspoltshofener Pfarrer Wolfgang Pugleutner bei der Statthalterei in Linz über eine weitgehend eingestürzte Kapelle außerhalb des Chores klagte. Erst 1630 konnte die Kirche notdürftig wiederhergestellt werden, 1664 folgte eine umfangreichere Renovierung.
Für die spätere Wallfahrtsgeschichte wurde der 13. Juni 1728 zum entscheidenden Einschnitt. Ein Brand zerstörte nicht nur große Teile Altenhofs, sondern traf auch die Kirche schwer. Die Bevölkerung war durch den Verlust der eigenen Häuser wirtschaftlich kaum in der Lage, das Gotteshaus wieder aufzubauen. Nach der örtlichen Pfarr- und Gemeindetradition übernahm schließlich der Gaspoltshofener Pfarrer Sepp von Seppenburg eine zentrale Rolle bei der Wiederherstellung. Er ließ die Kirche instand setzen und ausmalen und stiftete einen neuen Altar. In diesem Zusammenhang wurde 1729 eine fast lebensgroße Marienfigur, die kunsthistorisch um 1500 datiert wird, auf dem Hochaltar aufgestellt.
Mit dieser Aufstellung begann eine neue Phase der Ortsgeschichte. Die Statue wurde rasch zum Gegenstand besonderer Verehrung, und Altenhof entwickelte sich zu einem Marienwallfahrtsort. Das Forum OÖ Geschichte nennt den Vorgang ausdrücklich als Beispiel dafür, wie im Barock ältere Kirchen und Kulte durch neue marianische Frömmigkeitsformen ergänzt oder überlagert wurden: Aus der Kolomankirche wurde nun auch "Maria Altenhof". Für die Entstehung der Wallfahrt ist deshalb weniger eine mittelalterliche Gründungslegende entscheidend als ein historisch gut fassbarer Vorgang des frühen 18. Jahrhunderts: Wiederaufbau nach einer Katastrophe, Aufstellung eines älteren Marienbildes und anschließende Intensivierung der Verehrung.
Die Marienstatue gehört noch der spätgotischen Bildwelt um 1500 an. Maria erscheint gekrönt und nahezu lebensgroß; sie hält ein Zepter in der linken Hand und trägt das ebenfalls gekrönte Jesuskind auf dem rechten Arm. Das Kind hält die Weltkugel. Die heute sichtbare Inszenierung verbindet damit den spätmittelalterlichen Figurenbestand mit einer späteren barocken Auffassung von Maria als Himmelskönigin. Gerade diese Verbindung erklärt einen Teil ihrer Wirkung: Ein älteres, schon durch sein Alter ehrwürdig erscheinendes Bildwerk wurde in einen neuen barocken Andachtszusammenhang gestellt und erhielt dadurch eine neue religiöse Funktion.
Für die Wallfahrtsforschung ist wichtig, zwischen Kunstwerk und Gnadenbild zu unterscheiden. Die Figur wurde nicht ursprünglich als Wallfahrtsbild geschaffen; ihre Rolle als Kultzentrum entstand erst durch die Aufstellung von 1729 und die anschließend wachsende Verehrung. Damit gehört Maria Altenhof zu jenen oberösterreichischen Wallfahrten, bei denen nicht eine angeblich wundersame Auffindung oder Erscheinung den Ausgangspunkt bildet, sondern die öffentliche Verehrung eines bereits vorhandenen Bildwerkes. Gerade diese nüchterner fassbare Entstehungsgeschichte macht Altenhof kulturgeschichtlich interessant.
Der Wallfahrerzustrom muss im 18. Jahrhundert erheblich gewesen sein. Ältere volkskundliche Quellen berichten, dass sich die Wallfahrt nach 1729 rasch entwickelte und 1749 durch die Einführung der Goldenen Samstagnächte einen weiteren Aufschwung erhielt. Die "Goldenen Samstage" oder "Goldenen Samstagnächte" gehörten zu einer in Oberösterreich weit verbreiteten Form marianischer Herbstwallfahrt. Gemeint waren vor allem die ersten Samstage nach dem Fest des hl. Michael beziehungsweise im Oktober, an denen besondere Messfeiern, Gebet, Beichte und Marienverehrung miteinander verbunden wurden. Der Brauch stand zugleich im bäuerlichen Jahreslauf: Nach Abschluss eines wesentlichen Teils der Erntearbeiten war eher Zeit für gemeinschaftliche Wallfahrten, während die liturgische Tradition zusätzlich Gebete um Hilfe in Lebensnöten und um eine gute Sterbestunde betonte.
Wie stark der Zustrom in Altenhof zeitweise gewesen sein dürfte, zeigt eine weitere bei Ältere volkskundliche Literatur überlieferte Angabe: 1760 wurde neben der Kirche ein eigenes Beichtgebäude errichtet. Ein solcher Bau ist für einen kleinen Ort keineswegs nebensächlich. Wallfahrt bedeutete in der katholischen Frömmigkeit des 18. Jahrhunderts nicht nur das Aufsuchen eines Gnadenbildes, sondern häufig auch Beichte, Kommunion, Messbesuch, Gelübde und Fürbitte. Wo für die Beichte eigene räumliche Kapazitäten geschaffen werden mussten, hatte die Wallfahrt einen Umfang erreicht, der über gewöhnliche Pfarrfrömmigkeit deutlich hinausging.
Wie viele kleinere regionale Wallfahrtsorte verlor auch Maria Altenhof im Laufe des 19. und vor allem des 20. Jahrhunderts einen Teil seiner früheren überörtlichen Bedeutung. Die Marienstatue blieb jedoch im Kirchenraum präsent und damit auch die Erinnerung an die Wallfahrt. Für die Zeit um 1970 berichten ältere volkskundliche Literatur noch von einer im September stattfindenden Wallfahrt der Frauen des damaligen Dekanates Gaspoltshofen sowie von fallweisen Besuchen aus Gaspoltshofen und der Umgebung. Diese Angabe ist für die jüngere Wallfahrtsgeschichte wichtig, darf aber nicht ohne Weiteres in die Gegenwart verlängert werden. In den heute veröffentlichten Gottesdienst- und Termininformationen der Pfarrgemeinde lässt sich eine regelmäßig wiederkehrende organisierte Wallfahrt nach Maria Altenhof derzeit nicht sicher feststellen.
Damit ist Altenhof heute am treffendsten als historisch eindeutig belegter Wallfahrtsort mit fortbestehendem Gnadenbild zu beschreiben. Die Wallfahrt ist nicht aus der Geschichte des Ortes verschwunden, ihre frühere organisatorische Dichte mit besonderen Wallfahrtstagen, Beichtbetrieb und regionalen Pilgergruppen ist jedoch nicht mehr in derselben Form greifbar. Für die Volkskunde ist gerade dieser Wandel wichtig: Er zeigt, wie ein früher intensiv besuchter Gnadenort in eine gewöhnlichere pfarrliche Nutzung übergehen kann, während Kultbild, Ortsname und Erinnerung weiterhin auf die ältere Wallfahrtsfunktion verweisen.
Die Pfarrkirche ist eine barockisierte Landkirche mit einschiffigem Langhaus und eingezogenem zweijochigem Chor mit Dreiachtelschluss. Langhaus und Chor sind heute stichkappentonnengewölbt. Der äußere Eindruck wird wesentlich durch den Turm bestimmt, der erst 1894 bis 1896 errichtet wurde und eine welsche Haube trägt. Die Altäre und die Kanzel zeigen barocke Formen, werden kunsthistorisch jedoch im Wesentlichen in das frühe 19. Jahrhundert eingeordnet. Dadurch ist der Innenraum das Ergebnis mehrerer zeitlicher Schichten: spätmittelalterlicher Baukern und Marienfigur, Wiederaufbau und Wallfahrtsblüte des 18. Jahrhunderts sowie Ausstattung und Umgestaltungen des 19. Jahrhunderts.
Der Hochaltar ist nicht nur liturgischer Mittelpunkt, sondern wegen der Marienstatue zugleich das historische Zentrum der Wallfahrt. Bei Restaurierungsarbeiten zu Beginn des 21. Jahrhunderts zeigte sich, wie aufwendig seine Erhaltung ist. Das Bundesdenkmalamt stellte um 2010 erhebliche Schäden am inneren hölzernen Traggerüst und am Stuckmarmor fest; Risse, Verschiebungen und Fehlstellen machten eine umfassende konservatorische Sicherung notwendig. Die Restaurierung betraf damit gerade jenes Ausstattungsstück, an dem sich die Wallfahrtsgeschichte des Ortes seit dem frühen 18. Jahrhundert konzentriert.
Neben der Marienverehrung darf das Patrozinium des hl. Koloman nicht übersehen werden. Koloman gehörte besonders im ländlichen Österreich zu jenen Heiligen, deren Schutz unmittelbar mit der Lebenswelt der bäuerlichen Bevölkerung verbunden war. In Altenhof wird er traditionell als Helfer für Hab und Gut und für das Vieh, besonders für Pferde, genannt. Darüber hinaus galt er als Quell- und Brunnenheiliger und wurde um gutes Wasser sowie gegen Hochwasser angerufen. Für eine eigenständige Kolomanwallfahrt nach Altenhof liegen allerdings keine ebenso deutlichen Belege vor wie für die spätere Marienwallfahrt. Das Patrozinium zeigt vielmehr eine ältere religiöse Schicht, über die sich seit 1729 der Kult um Maria Altenhof legte.
Kirchlich gehört Altenhof seit der Neuordnung der Diözese Linz zur Pfarre Lambach-Haag. Die frühere selbständige Pfarre Altenhof am Hausruck wurde mit Ablauf des 31. Dezember 2025 aufgehoben; seit 1. Jänner 2026 besteht Altenhof als örtliche Pfarrgemeinde innerhalb der neu errichteten Pfarre Lambach-Haag weiter. Die Kirche trägt weiterhin das Patrozinium des hl. Koloman und dient der örtlichen Gemeinde als Gotteshaus. Zugleich bleibt die spätgotische Madonna auf dem Hochaltar das sichtbare Zeugnis jener Epoche, in der Altenhof als "Maria Altenhof" ein regional bedeutender Marienwallfahrtsort war.
Gerade in dieser Überlagerung liegt der besondere Reiz des Ortes. Altenhof ist weder nur eine gewöhnliche kleine Landpfarrkirche noch heute ein großer aktiver Wallfahrtsort. Seine Bedeutung erschließt sich vielmehr aus der historischen Schichtung: mittelalterlicher Kolomankult, Wiederaufbau nach dem Brand von 1728, Aufstellung einer spätgotischen Madonna, barocke Wallfahrtsblüte mit Goldenen Samstagnächten und Beichtbetrieb sowie der allmähliche Übergang zu einer stärker lokalen Pfarrfrömmigkeit. Das Gnadenbild macht diese Geschichte bis heute unmittelbar sichtbar.
Gugitz, Gustav: Österreichs Gnadenstätten in Kult und Brauch. Band 5: Oberösterreich und Salzburg. Wien 1958.
Kurz, M.; Schmidt, K.: Gaspoltshofen einst und jetzt. Gaspoltshofen 1927.
Die Kunstdenkmäler Österreichs. Dehio Oberösterreich. Wien 1977.
Bundesdenkmalamt: Denkmalpflege in Oberösterreich 2010/2011. Wien.
Marktgemeinde Gaspoltshofen: Pfarrkirche Altenhof, ortsgeschichtliche Dokumentation.
Forum OÖ Geschichte: Die Verehrung von Maria, Jesus und der Dreifaltigkeit in Oberösterreich.
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Ergänzungen: Wolfgang Morscher
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