Frankenmarkt, Wallfahrtskirche Maria Auleiten

Schnellüberblick
Wallfahrt:Lebendige Marienwallfahrt mit Prozession von Frankenmarkt nach Auleiten am 1. Mai sowie weiteren Bitt- und Andachtsformen. Zur Wallfahrtstradition gehört das nahe gelegene "Heilige Bründl", dessen Wasser in der Überlieferung besonders bei Augenleiden aufgesucht wurde.
Status:Historisch belegter und bis heute lebendiger regionaler Wallfahrtsort. Die Kirche wird von Pfarre, Marktgemeinde und Tourismus ausdrücklich als Wallfahrtskirche Maria Auleiten bezeichnet.
Kultzentrum:Mariahilf-Gnadenbild aus dem 17. Jahrhundert; eng mit der Wallfahrt verbunden sind außerdem das "Heilige Bründl" im Wald unterhalb von Höhenwarth, die dortige Kapelle und die Überlieferung von der heilkräftigen Augenquelle.
Ort:Auleiten 24, 4890 Frankenmarkt.
Bezirk/Region:Bezirk Vöcklabruck / Hausruckviertel.
Bundesland:Oberösterreich.
Lage und Besuch
•Die Wallfahrtskirche liegt westlich des Marktes Frankenmarkt in der Ortschaft Auleiten an einer alten Verkehrsachse in Richtung Pöndorf und Straßwalchen. Das "Heilige Bründl" mit seiner Kapelle befindet sich etwas weiter im Wald in Richtung Höhenwarth.
•Lage in der SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Hausruckviertel
•Ansicht in Street View
•Web: Pfarrgemeinde Frankenmarkt - Auleitenkirche
•Öffnungszeiten: Eine verlässliche tägliche freie Öffnung wird nicht angegeben; Besichtigungen sind nach Rücksprache möglich. In den Sommermonaten finden Gottesdienste statt, außerdem wird die Kirche für Prozessionen und Andachten genutzt.
Direkt zum Inhalt
•Bilddokumentation
•Ausführliche Beschreibung

Bilddokumentation

• Wallfahrtskirche Maria Auleiten bei Frankenmarkt.

Der heutige Kirchenbau entstand in den Jahren ab 1860 an einer älteren Kapelle beim ehemaligen Pestfriedhof. Die Lage außerhalb des Marktes, am Übergang von offener Kulturlandschaft zum Wald, gehört wesentlich zum Charakter des Wallfahrtsortes.

Wallfahrtskirche Maria Auleiten bei Frankenmarkt

Bildquelle: SAGEN.at-Fotogalerie

• Votivbild zum Hochwasser von Frankenmarkt.

Votivbilder gehören zu den wichtigsten Zeugnissen der Auleitener Wallfahrt. Sie halten konkrete Gefahren, Bitten und Erfahrungen von Rettung fest und machen sichtbar, dass die Wallfahrt nicht nur aus Prozessionen bestand, sondern tief in die private Frömmigkeit der Bevölkerung hineinreichte.

Votivbild Hochwasser Frankenmarkt aus der Wallfahrtstradition von Maria Auleiten

Bildquelle: SAGEN.at-Fotogalerie

Ausführliche Beschreibung

Maria Auleiten westlich von Frankenmarkt ist ein kleiner, aber bis in die Gegenwart lebendiger Marienwallfahrtsort, dessen Geschichte ungewöhnlich eng mit Landschaft, Wasser und alten Wegen verbunden ist. Die Wallfahrt lässt sich nicht auf ein einziges Gebäude reduzieren. Zu ihr gehören vielmehr zwei räumlich getrennte, in der religiösen Überlieferung aber miteinander verbundene Orte: die heutige Filial- und Wallfahrtskirche Maria Hilf in Auleiten und das weiter im Wald unterhalb von Höhenwarth gelegene "Heilige Bründl" mit seiner kleinen Kapelle. Zwischen beiden Orten entwickelte sich eine Kultlandschaft, in der Gnadenbild, Quelle, Einsiedlertradition, Prozession und Votivwesen zusammenwirkten.

Alter Weg, Pestfriedhof und Kapelle

Die Auleitenkirche liegt an einem alten Geh- und Fahrweg zwischen Frankenmarkt und Pöndorf, der in der örtlichen Überlieferung als Teil einer alten Römerstraße in Richtung Straßwalchen bezeichnet wird. An diesem Weg wurde nach der Pfarrüberlieferung während früherer Pestzeiten ein Friedhof angelegt. Eine kleine Kapelle gehörte zu diesem Begräbnisplatz; sie wird mit dem Bauteil identifiziert, der später als Sakristei in den Kirchenbau einbezogen wurde. Damit besitzt die heutige Kirche einen älteren sakralen Kern, auch wenn der eigentliche Kirchenraum erst aus dem 19. Jahrhundert stammt.

Diese Verbindung mit einem Pestfriedhof ist kulturgeschichtlich bedeutsam. Kapellen an Seuchenfriedhöfen lagen häufig außerhalb dichter Siedlungen und bewahrten noch lange nach dem Ende ihrer ursprünglichen Funktion einen besonderen religiösen Charakter. In Auleiten traf diese ältere Erinnerungslandschaft später auf eine Marienverehrung, deren Anziehungskraft wesentlich vom Gnadenbild und von der nahe gelegenen Quelle bestimmt wurde. Dadurch entstand nicht nur eine Friedhofs- oder Wegkapelle, sondern ein Wallfahrtsort.

Das Heilige Bründl und die Einsiedelei

Im Wald unterhalb von Höhenwarth entspringt das "Heilige Bründl". Die Quelle ist bis heute bekannt; ihrem Wasser wird in der örtlichen Überlieferung besondere Heilkraft bei Augenleiden zugeschrieben. Neben der Quelle steht eine Kapelle. Solche Augenbründl gehören zu einem weit verbreiteten Typus mitteleuropäischer Volksfrömmigkeit: klares Quellwasser wird mit Reinigung, Sehen und Heilung verbunden, und der Besuch der Quelle kann mit Gebet, Marienverehrung oder dem Aufsuchen einer benachbarten Kapelle verbunden sein. Die überlieferte Heilwirkung ist als Bestandteil religiöser und volksmedizinischer Tradition zu verstehen, nicht als medizinisch nachgewiesene Eigenschaft des Wassers.

Für Auleiten wird außerdem eine Einsiedelei überliefert, die bereits vor dem Bau der heutigen Kirche bestand. Sie besaß einen kleinen Andachtsraum und eine Wohnmöglichkeit für den Einsiedler. In lokalen Darstellungen erscheint in diesem Zusammenhang auch eine "Zeller Muttergottes", die aus einer bei der Frankenmarkter Pfarrkirche gelegenen und später durch Brand zerstörten Kapelle gekommen sein soll. Die genaue Abfolge der verschiedenen älteren Bilder und Kapellen lässt sich aus den heute veröffentlichten Quellen nicht in allen Einzelheiten sicher rekonstruieren. Deutlich wird jedoch, dass das Waldheiligtum mit Quelle und Einsiedelei bereits vor dem Kirchenneubau des 19. Jahrhunderts ein religiöser Bezugspunkt war.

Die Einsiedelei wurde im Zuge der josephinischen Reformen aufgehoben und das Gebäude anschließend weltlich genutzt. Damit endete die institutionelle Form des Eremitenheiligtums, nicht aber die religiöse Bedeutung des Platzes. Quelle, Kapelle und Marienüberlieferung blieben im örtlichen Gedächtnis erhalten und wurden in die spätere Wallfahrt zur Auleitenkirche einbezogen.

Die Legende vom zurückkehrenden Marienbild

Eine für den Ort charakteristische Wallfahrtslegende erzählt von einem Marienbild, das im Wald an einem Baum hing. Um es vor Wind und Wetter zu schützen, habe man das Bild in die Pfarrkirche von Frankenmarkt gebracht. Am nächsten Morgen sei es jedoch wieder an seinem ursprünglichen Platz am Baum gefunden worden. Nachdem sich diese Rückkehr als Zeichen des Willens der Gottesmutter gedeutet habe, sei an dieser Stelle eine Kapelle errichtet worden.

Historisch ist eine solche wundersame Rückkehr nicht überprüfbar; volkskundlich gehört die Erzählung jedoch zu einer sehr alten und weit verbreiteten Gruppe von Kultgründungslegenden. Bilder oder Statuen lassen sich in diesen Geschichten nicht dauerhaft von dem Platz entfernen, den sie gleichsam selbst gewählt haben. Der sakrale Ort wird dadurch nicht von Menschen bestimmt, sondern durch ein wunderhaftes Zeichen legitimiert. Für Auleiten verbindet die Legende das Marienbild unmittelbar mit Wald und Quelle und erklärt damit, weshalb gerade dieser abgelegene Platz als heilig angesehen wurde.

Das Mariahilf-Gnadenbild

Im Mittelpunkt der Wallfahrtskirche steht ein Mariahilf-Bild, das in den örtlichen Beschreibungen als Gnadenbild bezeichnet und in das 17. Jahrhundert datiert wird. Es gehört zu jenem weit verbreiteten Bildtypus der "Maria Hilf", der auf das berühmte Marienbild Lucas Cranachs des Älteren zurückgeht. Das Original gelangte im 17. Jahrhundert nach Innsbruck und wurde von dort beziehungsweise über die besonders einflussreiche Passauer Mariahilf-Wallfahrt in unzähligen Kopien im süddeutschen und österreichischen Raum verbreitet. Auleiten gehört zu dieser großen Kultlandschaft des Mariahilf-Bildes.

Für die Geschichte eines Wallfahrtsbildes ist dabei nicht nur seine kunsthistorische Herkunft entscheidend. Erst die Bindung an einen bestimmten Ort, die Erzählungen über erfahrene Hilfe, das Gebet der Besucher und die Stiftung von Votivgaben machen aus einer Bildkopie ein lokales Gnadenbild. Gerade in Auleiten ist dieses Zusammenwirken besonders deutlich: Das Mariahilf-Motiv verbindet sich mit der Quelle, mit der Gründungslegende und mit einem reichen Bestand an Dank- und Bittzeugnissen.

Der Neubau der heutigen Kirche 1860 bis 1864

Die heutige Auleitenkirche ist im Wesentlichen ein Werk des 19. Jahrhunderts. Nach der Pfarrchronik begann der Bau 1860. Bauherr war die Marktkommune Frankenmarkt. Schon 1861 wurde der Dachstuhl aufgesetzt; anschließend entstanden die innere Kuppel, Verputz und Ausmalung, Altar und Bestuhlung. Von besonderer Bedeutung ist, dass der Bau nicht allein aus öffentlichen Mitteln geschaffen wurde. Die Pfarrbevölkerung beteiligte sich mit umfangreichen Spenden und Robotleistungen. Die Wallfahrtskirche ist damit auch ein materielles Zeugnis gemeinschaftlicher religiöser Arbeit.

Am 24. August 1864 wurde die fertiggestellte Kirche von Dechant Albert Pflügl aus St. Georgen im Attergau geweiht. Die ältere Kapelle des ehemaligen Pestfriedhofes wurde in den Neubau einbezogen und dient als Sakristei. Bereits 1894 erfolgte eine Renovierung, bei der unter anderem ein Vorbau mit zwei Außentüren geschaffen wurde. Weitere Erhaltungsmaßnahmen folgten im 20. und 21. Jahrhundert. Die Kirche steht heute im Eigentum der Agrargemeinschaft und wird kirchlich als Filialkirche der Pfarrgemeinde Frankenmarkt betreut; zugleich wird sie ausdrücklich als Wallfahrtskirche Maria Auleiten geführt.

Ausstattung und Stiftererinnerung

Die Ausstattung des kleinen Kirchenraumes ist eng auf das Marienheiligtum bezogen. Ältere Beschreibungen nennen einen historistischen Altar mit dem Gnadenbild, flankiert von älteren Engelsfiguren, sowie einen volkstümlich ausgeführten Kreuzweg. Unter der Empore befinden sich Grabplatten, die an wichtige Förderer des Kirchenbaues erinnern. Die Pfarrchronik nennt hier einen Herrn Eitzinger aus Pöndorf und einen Herrn Zoiser aus Mösendorf und vermutet in ihnen bedeutende Spender für den Neubau.

Gerade diese Stiftererinnerung zeigt, dass die Kirche nicht nur vom Markt Frankenmarkt getragen wurde. Ihr Einzugsbereich überschritt die unmittelbare Ortsgrenze und bezog Menschen aus den benachbarten Gemeinden mit ein. Auleiten liegt an einer alten Verbindung zwischen Frankenmarkt und Pöndorf; auch die Wallfahrt entwickelte sich daher in einer Landschaft, deren religiöse Wege nicht an Gemeindegrenzen endeten.

Votivbilder als Quellen der Wallfahrt

Besonders wichtig für die volkskundliche Bedeutung von Maria Auleiten ist das Votivwesen. Ältere volkskundliche Beschreibungen dokumentieren noch in den 1970er Jahren zahlreiche Votivbilder, vor allem im Bereich unter der Orgelempore und auf der Empore. Darunter befanden sich ältere Stücke aus dem 18. Jahrhundert, daneben viele jüngere Bilder, Mariahilf-Drucke und Inschriften mit Bitten und Dank für erfahrene Hilfe. Der heutige Bestand kann sich durch Renovierungen verändert haben; die ältere Dokumentation belegt jedoch eindeutig, wie stark individuelle Anliegen mit dem Wallfahrtsort verbunden waren.

Ein auf SAGEN.at dokumentiertes Votivbild erinnert an ein Hochwasser in Frankenmarkt. Solche Bilder sind weit mehr als dekorative Ausstattung. Sie erzählen in verdichteter Form von konkreten Gefahren und von der Überzeugung, durch die Fürsprache Mariens Hilfe erfahren zu haben. Hochwasser, Krankheit, Unfälle, wirtschaftliche Not oder familiäre Sorgen konnten zum Anlass eines Gelübdes werden. Das gestiftete Bild hielt die Erinnerung an die Gefahr und die erhoffte oder erfahrene Rettung öffentlich fest. Für die Volkskunde sind Votivbilder deshalb unmittelbare Zeugnisse religiöser Alltagserfahrung.

Prozessionen und Wallfahrt in der Gegenwart

Die Wallfahrt nach Auleiten ist nicht erloschen. Alljährlich am 1. Mai zieht von Frankenmarkt eine Prozession zur Auleitenkirche; anschließend wird dort bei geeigneter Witterung die Messe gefeiert. Auch die Bittage im Mai führen weiterhin nach Auleiten. Damit hat sich ein wesentliches Element der älteren Wallfahrtskultur erhalten: Nicht nur einzelne Besucher suchen den Ort auf, sondern die Pfarrgemeinde macht sich gemeinschaftlich und zu Fuß auf den Weg.

Daneben wird Maria Auleiten auch von auswärtigen Gruppen als Wallfahrtsziel gewählt. In den Sommermonaten finden Gottesdienste statt, außerdem werden Rosenkranzgebet und Andachten gepflegt. Diese Formen sind für einen kleineren regionalen Wallfahrtsort typisch. Auleiten besitzt nicht die überregionale Anziehungskraft großer Gnadenstätten, doch gerade die regelmäßige Einbindung in den religiösen Jahreslauf von Frankenmarkt zeigt, dass die Wallfahrt eine lebendige Praxis geblieben ist und nicht lediglich als historische Erinnerung fortbesteht.

Quelle, Bild und Weg als religiöse Landschaft

Volkskundlich liegt die besondere Qualität von Maria Auleiten im Zusammenwirken mehrerer Kultformen. Das Mariahilf-Gnadenbild bildet das geistliche Zentrum der Kirche; die Quelle im Wald bewahrt die Tradition eines Heilbründls; die Legende vom zurückkehrenden Marienbild erklärt die Heiligkeit des Ortes erzählerisch; Votivbilder dokumentieren individuelle Erfahrungen von Not und Hilfe; Prozessionen verbinden den Markt Frankenmarkt körperlich und rituell mit dem Heiligtum. Die Wallfahrt besteht damit nicht nur aus einem Zielpunkt, sondern aus Bewegung durch eine religiös gedeutete Landschaft.

Gerade die Distanz zwischen Kirche und Bründl ist deshalb kein Widerspruch, sondern ein Schlüssel zum Verständnis des Ortes. Ältere Quellen, Einsiedelei und Waldkapelle stehen für die frühere, stärker an Natur und Quelle gebundene Frömmigkeit; die im 19. Jahrhundert errichtete Kirche fasste die Marienverehrung in einen dauerhaft nutzbaren liturgischen Raum. Beide Ebenen blieben im örtlichen Gedächtnis miteinander verbunden. Wer Maria Auleiten nur als kleinen Kirchenbau betrachtet, übersieht daher einen wesentlichen Teil seiner Geschichte: Erst Gnadenbild, Bründl, Kapelle, Wallfahrtsweg und Votivwesen zusammen ergeben den Wallfahrtsort.

Literatur und Quellen

Aschauer, Josef: Frankenmarkt. Ortsgeschichte zum 700jährigen Marktjubiläum 1236/1936. Frankenmarkt 1936.

Pfarrgemeinde Frankenmarkt-St. Nikolaus: Auleitenkirche. Entstehungsgeschichte der Filialkirche und Angaben zur heutigen kirchlichen Nutzung.

Marktgemeinde Frankenmarkt: Wallfahrtskirche Maria Auleiten sowie Heilig Brünndl. Ortsgeschichtliche Dokumentationen.

SAGEN.at, Quellen zur Volkskunde in Oberösterreich: Das heilige Bründl in Auleiten, Frankenmarkt.

Ergänzungen: Wolfgang Morscher

© www.SAGEN.at