| Wallfahrt: | Maria Moos ist ein sehr alter Marien- und Quellenwallfahrtsort. Die Wallfahrt ist spätestens seit dem 17. Jahrhundert durch Votivtafeln und Mirakelberichte außergewöhnlich dicht dokumentiert; ältere Kulttraditionen werden bereits für die Zeit vor der Errichtung der romanischen Kirche von 1160 überliefert. |
| Status: | Lebendiger regionaler Wallfahrtsort. Die Pfarre veranstaltet weiterhin Monatswallfahrten; außerdem bestehen überlieferte Gelöbnis- und Fußwallfahrten aus Orten der Umgebung. |
| Kultzentrum: | Eine spätgotische hölzerne Pieta, die Schmerzhafte Muttergottes mit dem Leichnam Christi, im Gnadenaltar des nördlichen Seitenschiffchores; dazu gehört die alte Heilquelle mit der Bründlkapelle. |
| Ort: | Zistersdorf. |
| Region: | Weinviertel, Niederösterreich. |
| Bundesland: | Niederösterreich. |
| • | Bahnstraße, 2225 Zistersdorf. |
| • | Lage in der SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Weinviertel |
| • | Ansicht in Street View |
| • | Pfarre / Seelsorge: Pfarre Zistersdorf. |
| • | Öffnungszeiten: Die Kirche ist von 1. Mai bis Mitte September zu den Gottesdienstzeiten zugänglich. |
| • | Bilddokumentation |
| • | Ausführliche Beschreibung |
Wir haben leider noch keine Fotos dieses Wallfahrtsortes.
Mit diesen und weiteren Fotomotiven können Sie hier zur Dokumentation beitragen.
Die Wallfahrtskirche Maria Moos liegt außerhalb des historischen Stadtkerns von Zistersdorf und damit in jener Randzone, in der sich nach der alten Überlieferung der älteste Siedlungsbereich, das später so genannte Alte Markt, befand. Der Name "Maria Moos" erinnert an das moosige, wasserreiche Gelände, in dem Kirche, Gnadenkapelle und Quelle entstanden. Diese Verbindung von Wasser und Marienverehrung ist keine nachträgliche volkstümliche Ausschmückung, sondern gehört zum ältesten überlieferten Kern des Heiligtums. Die landeskundliche Forschung bezeichnet Maria am Moos als eines der ältesten frühmittelalterlichen Brunnen- und Quellenheiligtümer Niederösterreichs; die Stadtgemeinde Zistersdorf nennt es sogar das älteste Quellenheiligtum des Landes.
Maria Moos war bis 1811 Pfarrkirche von Zistersdorf. Die heutige Stadtpfarrkirche ist die ehemalige Franziskanerkirche zur Kreuzerhöhung im Stadtzentrum; Maria Moos blieb dagegen als Wallfahrtskirche erhalten. Die Pfarre Zistersdorf wird von Zisterziensern des Stiftes Zwettl betreut, und die historische Verbindung mit Zwettl reicht bis ins Mittelalter zurück.
Eine zentrale Quelle zur Frühgeschichte ist der 1775 in Krems gedruckte Wallfahrtsbericht "Maria Zisterstorfensis". Der anonyme Verfasser erklärt ausdrücklich, dass er die Geschichte des Gnadenortes aus den Jahrbüchern und schriftlichen Urkunden des Stiftes Zwettl geschöpft habe. Für die Gnadenerweise standen ihm außerdem die damals noch in großer Zahl vorhandenen Opfertafeln zur Verfügung. Nach diesem Bericht habe der Bereich um 1158 noch keine eigene Pfarre besessen. Die Bewohner hätten für Gottesdienste weiter entfernte Kirchen aufsuchen müssen; in der Nähe ihrer Hütten habe jedoch ein kleines Kirchlein gestanden, in dem eine Darstellung der Schmerzhaften Muttergottes verehrt wurde. Unmittelbar dabei entsprang ein Brunnen, dessen Wasser bei Krankheiten und anderen Nöten gebraucht wurde.
Der Druck fasst die drei Elemente ausdrücklich als Einheit auf: Kirchlein, Marienbild und Wasserquelle. Diese Verbindung blieb für Maria Moos bestimmend. Der Verfasser von 1775 berichtet zudem, dass man beim Umbau des Jahres 1753 an den Mauern der alten Gnadenkapelle Spuren einer ursprünglich frei stehenden Außenwand erkannt habe. Daraus leitete man damals die Überzeugung ab, dass die Kapelle älter als die große Pfarrkirche sei. Er beruft sich darüber hinaus auf eine mündliche Überlieferung der Zistersdorfer Vorfahren, wonach schon vor der Einrichtung einer eigenen Seelsorge zeitweise Gottesdienst in einem kleinen Kirchlein gehalten worden sei. Die Erzählung bewahrt eine frühe lokale Erinnerung an einen dem Kirchenbau vorausgehenden Kultplatz.
Nach der Überlieferung erkannte Albero von Kuenring die bereits vorhandene Andacht der Bewohner und ließ an derselben Stelle eine größere Kirche errichten. Der Wallfahrtsdruck betont ausdrücklich, dass Albero das neue Gotteshaus nicht zufällig in das "moosichte und wässerige Erdreich" setzte, sondern die bestehende Verehrung der Schmerzhaften Muttergottes fördern wollte. Die alte Kapelle und das Brünnlein seien dabei an ihrem Platz geblieben. 1160 weihte Bischof Konrad von Passau die Kirche und erhob sie zur Pfarr- und Mutterkirche. Mit diesem Vorgang ist zugleich die erste urkundliche Nennung Zistersdorfs verbunden.
Der mittelalterliche Kern ist als romanische Ostturmkirche des 12. Jahrhunderts anzusprechen. Im späten 13. und frühen 14. Jahrhundert wurde die Anlage gotisch erweitert und zur dreischiffigen Kirche ausgebaut. 1670 kamen nach dem Bericht von 1775 zwei Seitengänge hinzu; dadurch wurde die zuvor unmittelbar neben der Pfarrkirche stehende alte Gnadenkapelle in den erweiterten Kirchenraum einbezogen. Ihr Mauerwerk habe man dabei ausdrücklich nicht abgetragen. Da die Kapelle tiefer lag als der Kirchenboden, wirkte sie nach der Aufschüttung des übrigen Kirchenraumes wie eine Krypta oder ein unterirdisches Gewölbe. 1753 wurde der Gnadenaltar aus dieser tieferen Lage emporgehoben und in die heutige räumliche Fassung eingebunden.
Die Kuenringer übergaben die Kirche dem Zisterzienserstift Zwettl. Bei der Jahreszahl besteht zwischen den Quellen eine kleine Differenz: Die moderne landeskundliche Literatur nennt 1284, während "Maria Zisterstorfensis" ausdrücklich den Festtag Mariä Verkündigung des Jahres 1285 angibt. Der Wallfahrtsdruck versteht diese Übergabe nicht bloß als Besitzwechsel, sondern als Maßnahme zur Förderung der Marienverehrung; die Kuenringer hätten gewünscht, dass die Zisterzienser die Obsorge und Verwaltung über Kirche und Gnadenkapelle übernahmen. In späterer Zeit wurde die Kirche dem Stift inkorporiert. Die Verbindung Zistersdorfs mit Zwettl ist bis in die Gegenwart sichtbar, da die Pfarre weiterhin von Zisterziensern betreut wird.
Die Grenzlage Zistersdorfs brachte der Stadt und dem Heiligtum wiederholt schwere Zerstörungen. Der Wallfahrtsdruck berichtet von einem Überfall 1402 und setzt eine besonders schwere Verwüstung durch Hussiten um 1431 an. Für 1621 schildert er den Angriff ungarisch-siebenbürgischer Truppen unter Bethlen Gabor: Die Vorstadt und die Kirche Maria am Moos seien niedergebrannt worden, wobei nach Aussage des Druckes die in Kirche und Gnadenkapelle befindlichen Opfertafeln und Erinnerungszeichen vernichtet wurden. 1645 wurde die Kirche im Zusammenhang mit den Kriegsereignissen erneut vom Feuer erfasst. Die moderne Ortsgeschichte nennt für dieses Jahr die Schweden, 1683 osmanische Reiterscharen und 1706 die verheerende Zerstörung Zistersdorfs durch Kuruzzen unter Graf Simon Forgatsch.
Die Nachricht über die Brände erklärt zugleich die lückenhafte Überlieferung des älteren Votivwesens. Der Verfasser von 1775 erklärt ausdrücklich, dass ältere schriftliche Zeugnisse und Opfertafeln durch die wiederholten Verwüstungen verloren gegangen seien. Er konnte daher die ältere Wallfahrt nicht mehr vollständig rekonstruieren. Die erhaltene Mirakelüberlieferung ist somit nur ein Rest eines ursprünglich noch umfangreicheren Bestandes.
Eine Votivtafel von 1612 soll den Brand von 1621 überstanden haben. Sie erinnerte an Margaret Mayrin, eine bürgerliche Bäckermeisterin aus Böhmischkrut. Nach langer schwerer Krankheit und vergeblichen Heilmitteln habe sie sich zur Schmerzhaften Muttergottes am Moos verlobt und ihre Gesundheit wiedererlangt. Der Verfasser von 1775 zog aus der Herkunft der Frau ausdrücklich den Schluss, dass der Gnadenort schon damals auch von weiter her aufgesucht wurde.
Der Wallfahrtsdruck schildert die konfessionellen Konflikte des 16. und frühen 17. Jahrhunderts aus entschieden katholischer Perspektive. Nach seiner Darstellung ließ Erasmus Freiherr von Landau katholische Gottesdienste unterbinden, Seelsorger vertreiben und Kirche sowie Gnadenkapelle verschließen. Der Bericht hebt anschließend die Bewohner von Großinzersdorf hervor. Sie hätten sich davon nicht abhalten lassen, mit Fahnen und Lobgesängen durch die Stadt nach Maria am Moos zu ziehen und ihre Andacht vor den verschlossenen Türen zu verrichten. Zum Andenken an diese Treue sei ihnen später beim jährlichen Kirchweihfest ein Vorrang eingeräumt worden.
1618, so die Quelle, habe Johann Freiherr von Kollonitsch im Auftrag Kaiser Matthias die Schlüssel an sich genommen und Kirche und Kapelle wieder öffnen lassen. Unter Rudolf von Teuffenbach nahm die Andacht erneut zu; nach der Rekatholisierung der Region in der Mitte des 17. Jahrhunderts setzte ein starker Aufschwung ein. In diese Jahrzehnte fällt der Beginn der dichten Votiv- und Mirakelüberlieferung, die der Druck von 1775 überliefert.
Das eigentliche Gnadenbild von Maria Moos ist nicht das große Hochaltarbild von Paul Troger, sondern die Pieta am Gnadenaltar im nördlichen Seitenschiffchor. Die aus Holz gearbeitete Gruppe zeigt Maria als Schmerzhafte Mutter mit dem vom Kreuz abgenommenen Christus auf ihrem Schoß. Die moderne Kunstgeschichte datiert die Figur in das dritte Viertel des 15. Jahrhunderts.
Der Wallfahrtsdruck von 1775 überliefert auch, wie das Gnadenbild damals wahrgenommen wurde. Er beschreibt die Statue als mittelgroß und aus Holz und hebt ihre "angenehme, aber zugleich wehmütige Gestalt" hervor. Die damaligen Betrachter hielten die Figur für weit älter als sie nach heutiger kunsthistorischer Datierung tatsächlich ist. Als Zeichen hohen Alters wurden die schlichte Gestaltung, eine altertümliche Kinnbinde und Stellen der Vermoderung angesehen. Um weiteren Verfall zu verhindern, sei die Figur schon lange zuvor nahezu vollständig mit Leinwand überzogen und darauf neu gefasst worden. Die Beschreibung dokumentiert zugleich eine historische Sicherungs- und Überarbeitungsmaßnahme.
Die sieben Schwerter beziehungsweise Dolche in der Brust Mariens werden im Druck ausdrücklich erklärt. Der Druck von 1775 erklärt ausdrücklich, dass sie nicht zum ursprünglichen Bestand der Figur gehörten. Sie seien erst nach der Errichtung der Bruderschaft der Sieben Schmerzen Mariens angebracht worden. Das Gnadenbild wurde damit im 17. Jahrhundert an die inzwischen organisatorisch gefestigte Verehrung der Sieben Schmerzen Mariens angepasst.
Der heutige Gnadenaltar ist ein Marmoraltar von 1698. 1753 wurde er im Zuge der räumlichen Neuordnung und Anhebung der ehemaligen Gnadenkapelle mit einem größeren, reich gestalteten Baldachinaufbau umfangen. Der Standort im nördlichen Seitenschiffchor bewahrt damit die Erinnerung an die ältere Gnadenkapelle, die bei der Erweiterung der Kirche 1670 in das Gotteshaus einbezogen worden war.
Das zweite Kultzentrum ist die Quelle. Der Wallfahrtsdruck spricht wiederholt vom "Brünnlein", vom "Heilbrünnlein" und in einer Votivüberlieferung sogar vom "Wunderbrunn am Moos". Die Quelle gehört damit nicht bloß zur Topographie des Ortes, sondern unmittelbar zur religiösen Praxis. In der Bründlkapelle befindet sich eine farbig gefasste steinerne Pieta von 1672. Die Kapelle bewahrt die Verbindung von Wasser und Darstellung der Schmerzhaften Muttergottes auch räumlich bis heute.
Das Wasser wurde getrunken oder zum Waschen kranker Körperstellen verwendet. Die Anwendungen des Wassers sind nicht nur durch spätere Erinnerung überliefert, sondern bereits im Mirakelbuch des 17. und 18. Jahrhunderts anhand konkreter Einzelfälle beschrieben. Damit ist die Verbindung von Wallfahrt, Quellkult, Krankheitsdeutung und körperbezogenen Heilhandlungen für Maria Moos ungewöhnlich dicht belegt.
1659, so berichtet der Druck, litt ein Kind des Zistersdorfer Erasmus Geyermoser an einer abzehrenden Krankheit und sei schließlich nur noch einem "kleinen Todtengerippe" ähnlich gewesen. Der Vater ließ Wasser vom "heilsamen Brünnlein" holen und wusch das Kind damit. Der Bericht führt die anschließende Genesung unmittelbar auf diese Handlung und die Fürbitte Mariens zurück.
1669 wird ein Mädchen genannt, die Tochter des Dorfrichters Georg Heinrich aus Gösting, das an Händen und Füßen verkrümmt gewesen sei. Die Eltern hätten zunächst die verfügbaren "zeitlichen Mittel" angewendet, dann eine Messe und eine Opfertafel versprochen und das Kind mit Wasser des Heilbrunnens gewaschen. Darauf, so der Bericht, habe es Hände und Füße wieder bewegen können.
Für 1664 ist ein ausführlich geschilderter Fall überliefert. Hanns Stockh, ein Zistersdorfer Schuhmacher, habe vier Jahre an einem schweren und schmerzhaften "Leibsschaden" gelitten und nicht mehr arbeiten können. Er ging nach eigener Aussage zum "Wunderbrunn am Moos", der nach damaliger Beschreibung unter dem Hochaltar floss, wusch die schmerzhafte Stelle mit dem Wasser und schrieb seine Heilung dieser Handlung zu.
1669 schließlich wird Johann Georg Ackermann erwähnt, der nach starkem Fieber keine Nahrung mehr behalten konnte. Er ging selbst nach Maria am Moos und trank aus dem Heilbrünnlein. Der Verfasser hebt geradezu erstaunt hervor, dass der Mann nach dem Wassergebrauch von Fieber und Magenschmerzen befreit worden sei. Die Episode belegt den Gebrauch der Quelle bei Fieber und Magenleiden unmittelbar in einer Quelle des 18. Jahrhunderts.
Solche Berichte dürfen nicht als medizinische Nachweise gelesen werden. Sie dokumentieren vielmehr, welche Erwartungen, Hoffnungen und Handlungen die Menschen mit dem Wallfahrtsort verbanden und wie körperliche Krankheit, Gelübde, Wallfahrt, Wassergebrauch und Dankopfer zu einem zusammenhängenden religiösen Handlungssystem wurden.
Der Aufschwung der Wallfahrt im 17. Jahrhundert erhielt 1671 eine feste organisatorische Form. P. Johann Kuenmüller, Zisterzienser des Stiftes Zwettl und damals Stadtvikar in Zistersdorf, führte die Bruderschaft der Sieben Schmerzen Mariens ein. Am 14. August 1671 wurden ihre Regeln durch den Passauer Offizial und Generalvikar bestätigt; Papst Clemens X. gewährte der Bruderschaft im selben Jahr Ablässe.
Aus den Statuten lässt sich die religiöse Alltagskultur einer barocken Wallfahrtsbruderschaft erschließen. Bei der Aufnahme sollten die Mitglieder beichten und kommunizieren, Maria zur besonderen Patronin und Fürsprecherin erwählen und wöchentlich kniend sieben Vaterunser und ebenso viele Ave Maria samt Glaubensbekenntnis beten. Das Titularfest wurde am dritten Sonntag nach Ostern, dem Sonntag Jubilate, gefeiert. Die Mitglieder sollten zur Erhaltung der Kapelle beitragen und für verstorbene Brüder und Schwestern beten. Am Fest Mariä Himmelfahrt, dem Hauptfest der Kirche, wurden die Namen der Verstorbenen von der Kanzel verlesen.
Auch die Ablassbestimmungen zeigen, dass die Bruderschaft weit über den Kirchenbesuch hinaus in das soziale Leben eingriff. Berücksichtigt wurden etwa Teilnahme an Messe, Predigt, Vesper und Litanei, Begleitung Verstorbener zum Grab, Begleitung des Allerheiligsten zu Kranken, Gebete für Verstorbene, Versöhnung zerstrittener Menschen und Werke christlicher Liebe. Zu den ausdrücklich genannten verdienstvollen Werken gehörte auch die Aufnahme armer Menschen zur Herberge. Damit verband sich Wallfahrtsfrömmigkeit mit einem geregelten Netz gegenseitiger Hilfe.
1762 wurde in Maria Moos zusätzlich die Bruderschaft der Christlichen Lehre eingeführt und mit der Bruderschaft der Sieben Schmerzen verbunden. Als weiterer Schutzpatron trat der hl. Johannes von Nepomuk hinzu. Die Wallfahrt war damit nicht nur eine Folge individueller Gelübde, sondern besaß eine dauerhaft organisierte religiöse Gemeinschaft.
Die Herkunftsorte der in "Maria Zisterstorfensis" genannten Menschen zeigen ein erstaunlich weites Einzugsgebiet. Neben Zistersdorf und Großinzersdorf erscheinen unter anderem Gösting, Gaiselberg, Eichhorn, Loidesthal, Dürnkrut, Drösing, Jedenspeigen, Wilfersdorf, Rabensburg, Falkenstein, Laa und Böhmischkrut; einzelne Personen kamen aus Wien oder aus Gebieten jenseits der damaligen Landesgrenzen. In der Grenzlandschaft des nordöstlichen Weinviertels überschritt das Einzugsgebiet der Wallfahrt damit deutlich die heutigen Staatsgrenzen.
Die Wallfahrer kamen aus sehr unterschiedlichen sozialen Gruppen. Der Druck nennt Bürger, Handwerker, Bauern, Müller, Bäcker, Fleischhauer, Schneider, Schuster, Fassbinder, Jäger, Schulmeister, Stadt- und Dorfrichter, Beamte und Angehörige adeliger Familien. Frauen und Männer treten ebenso hervor wie eine große Zahl von Kindern. Viele Berichte nennen die Berufe geradezu beiläufig; dadurch entsteht neben der religiösen Aussage ein ungewöhnlich lebendiges Bild der Sozialwelt des 17. und 18. Jahrhunderts.
Das zentrale Handlungsmuster war das Gelübde. Menschen versprachen eine Wallfahrt, eine Messe, Kerzen, eine Opfertafel, ein Wachsopfer oder ein anderes Dankzeichen, wenn Hilfe eintreten sollte. Oft wurde das Gelübde nicht vom Kranken selbst abgelegt, sondern von Eltern, Ehepartnern oder anderen Angehörigen. In mehreren Berichten ist ausdrücklich von einem "fremden Gelübde" die Rede. Damit wird sichtbar, wie eng Krankheit und Gefahr als Angelegenheit des ganzen Hauses oder der Familie verstanden wurden.
Eine besondere Stellung nahmen gestiftete Messen ein. Immer wieder wird berichtet, dass jemand eine Messe am Gnadenaltar versprach oder eine solche für einen Kranken lesen ließ. Kerzen erscheinen häufig paarweise als Opfer. Andere Gelübde banden den Menschen dauerhaft an den Ort: Eine Zistersdorferin versprach nach einer schweren Krankheit, alljährlich beim Gnadenbild eine Messe lesen zu lassen und ein Paar Kerzen zu opfern.
Die Mirakelberichte bewahren eine Fülle historischer Krankheitsbezeichnungen. Von "Fraiß", "hinfallender Sucht", "Wassersucht", "Abzehrung", "Apostem", "Schlagfluß", "Seitenstechen" oder "Leibsschaden" ist die Rede. Solche Wörter dürfen nicht ohne weiteres in moderne Diagnosen übersetzt werden. Sie gehören zu einem älteren Erfahrungssystem, in dem Symptome, Krankheiten und religiöse Deutungen anders gegliedert wurden als in der heutigen Medizin. Sie dokumentieren damit zugleich historische Vorstellungen von Krankheit und körperlichem Leiden.
Auch zeitgenössische Erklärungsmodelle treten hervor. Einzelne Berichte sprechen etwa von "Zauberey" als Ursache eines Zustandes oder verbinden Krankheit mit moralisch-religiösen Vorstellungen. Der Verfasser selbst schließt an viele Gruppen von Mirakeln geistliche Mahnungen an: körperliche Blindheit wird zum Bild geistlicher Blindheit, Fieber zur Metapher sündhafter Hitze, Lähmung zur Erstarrung im Glauben. Das Buch ist daher nicht bloß ein Mirakelverzeichnis, sondern zugleich ein barockes Erbauungsbuch, das körperliche Not und religiöse Belehrung systematisch miteinander verbindet.
Der Verfasser von 1775 zieht bereits im Vorwort eine deutliche Grenze. Er erklärt im Vorwort ausdrücklich, es sei nicht seine Absicht, die in Maria Moos erhaltenen Gnaden als kirchlich festgestellte "wirkliche Wundergeschicht" auszugeben. Er wolle sie als "außerordentliche Gutthaten des Himmels" vorlegen und unterwerfe sie dem Urteil der Kirche. Die Bezeichnungen "Wunder", "Gnade" und "wunderbar" in den folgenden Berichten geben daher die Sprache und Deutung der historischen Quelle wieder. Die Erzählungen sind als Zeugnisse religiöser Erfahrung, Wallfahrtspraxis und historischer Krankheitskultur zu lesen; sie stellen keine medizinische Beurteilung dar.
Maria Moos ist keine erloschene Wallfahrt. Die Pfarre nutzt die Kirche weiterhin regelmäßig in der wärmeren Jahreshälfte. Monatswallfahrten werden von Mai bis Oktober gehalten. Ein dokumentierter Ablauf im Jahr 2026 umfasste Beichtgelegenheit, Rosenkranz und Wallfahrtsmesse; anschließend wurden religiöse Andenken gesegnet und eine Lichterprozession gehalten. Am 15. August, dem Hochfest Mariä Aufnahme in den Himmel, gehören Festmesse und Marienfeier zum Programm; außerdem werden Kräutersträußchen sowie religiöse Andenken und Devotionalien angeboten.
Auch örtliche und regionale Gruppen setzen die Wallfahrt fort. Die Stadtgemeinde berichtet etwa von der traditionellen Maiwallfahrt der Bewohner des Pflege- und Betreuungszentrums Zistersdorf zur Kirche Maria Moos. Die lebendige Verwendung des Namens zeigt sich darüber hinaus in den heutigen Pfarrverbänden "Zayatal Maria Moos" und "Weinland um Maria Moos". Der alte Gnadenort wirkt damit noch immer identitätsstiftend über Zistersdorf hinaus.
Für kaum einen Wallfahrtsort des Weinviertels liegt eine so dichte gedruckte Primärquelle vor wie für Maria Moos. 1775 erschien bei Johann Carl Richter in Krems der Band "Maria Zisterstorfensis. Oder: Kurzer Bericht von Ursprungs, Aufnahm, und verschiedenen Gnaden des wunderthätigen Gnadenbild Maria, der schmerzhaften Mutter Gottes am Mooß zu Zisterstorf". Der Verfasser nennt seinen Namen nicht. Er erklärt jedoch, dass sich ältere Verehrer des Gnadenortes schon lange einen ausführlichen Bericht gewünscht hätten. Bis dahin habe man sich mit Erzählungen von der Kanzel und einigen dem Bruderschaftsbüchlein von 1672 beigedruckten Wunderberichten begnügen müssen.
Das Buch ordnet die Berichte systematisch nach Arten von Krankheit und Gefahr. Eigene Abschnitte behandeln unter anderem schwere Allgemeinerkrankungen, Kopfschmerzen und Geschwüre, Verlust des Verstandes, Augenleiden und Blindheit, Taubheit und Stummheit, Halsleiden, Lähmungen, Blutungen, Abzehrung, Magenbeschwerden, Krampfzustände und Fieber, Wunden, Gefahren bei Schwangerschaft und Geburt, Unfälle auf Reisen sowie Brände und Unwetter. Der letzte Abschnitt sammelt weitere Fälle. Zwischen diese Erzählungen setzt der Verfasser jeweils moralische und theologische Betrachtungen.
Die wichtigste Grundlage bildeten die Opfertafeln, die 1775 noch in großer Zahl in der Kirche hingen. Manche enthielten nur Namen und Jahr, andere ausführliche Inschriften. Daneben wurden Zeugnisse, schriftliche Berichte und kirchliche Aufzeichnungen herangezogen. Deshalb besitzen die Einträge sehr unterschiedliche Dichte: Einige bestehen aus wenigen Zeilen, andere schildern ganze Lebenssituationen.
Die häufigste materielle Form des Dankes war die Opfertafel oder Gedächtnistafel. Manche Tafeln trugen nur eine Inschrift, andere stellten das Ereignis bildlich dar. 1664 versprach Barbara Paumhakl für ihren schwer kranken Mann Michael, den Bürgermeister von Zistersdorf, nicht nur ein Bild, sondern auch ein Antependium und ein Altartuch. Der Druck vermerkt, das Bild mit der Geißelung Christi sei 1775 noch in der Kirche zu sehen gewesen. Solche Nachrichten zeigen, dass das Votivwesen keineswegs auf kleine bemalte Brettchen beschränkt war, sondern auch in die Ausstattung der Kirche eingriff.
Wachsopfer erscheinen ebenfalls. 1770 ging Gabriel Pauer aus Gaiselberg trotz hartnäckigen Fiebers am Fiebertag selbst zum Gnadenort und gelobte ein Wachsopfer. Nach der Deutung der Quelle endete das Fieber von dieser Stunde an. Bei anderen Fällen wurden ein Paar Kerzen, eine oder mehrere Messen oder eine Wallfahrt versprochen.
Besonders eindrucksvoll sind anatomische Votive. 1772 wurde die kleine Rosalia Michelerin aus Eichhorn durch einen Schuss ihres Bruders am Fuß schwer verletzt. Die Eltern gelobten sich nach Maria Moos. Im folgenden Jahr ließen sie ein feierliches Lobamt halten und opferten einen silbernen Fuß zusammen mit einer Tafel, auf der der Vorgang dargestellt war. Das ist ein ausgezeichnetes Beispiel dafür, wie die Form des Votivgeschenkes den bedrohten oder geheilten Körperteil unmittelbar nachbildete.
1741 berichtete der damals dreizehnjährige Paulus Raminger aus Schrattenberg, er habe drei Jahre an "Sand und Stein" gelitten und sei in jedem Jahr mit seiner Mutter nach Maria Moos "Kirchfahrt" gegangen. Nach der dritten Wallfahrt sei ein Stein abgegangen, den er größer als eine Erbse beschrieb. Er ließ ihn in Silber fassen und opferte ihn am Gnadenort. Hier wird sogar der ausgeschiedene Krankheitsgegenstand selbst zum Bestandteil des Votivs.
Ein großer Teil der Überlieferung betrifft Kinder. Das ist volkskundlich nicht überraschend: Kindersterblichkeit, Fieber, Krämpfe und Unfälle gehörten zu den existentiellen Ängsten frühneuzeitlicher Familien. In den Berichten handeln daher oft die Eltern stellvertretend. Sie geloben Wallfahrt, Messe oder Opfer und "befehlen" das Kind der Schmerzhaften Muttergottes.
1660 wird Ludmilla, die Tochter des Zistersdorfer Schuhmachers Johann Peyel, mit hohem Fieber und schwerer "Fraiß" beschrieben. Nachdem menschliche Mittel nicht mehr geholfen hätten, sei dem Vater geraten worden, sich an Maria am Moos zu wenden. 1661 hing Maria Anna Hofstetterin aus Großinzersdorf eine Opfertafel auf, weil ihr Sohn bereits in den letzten Zügen gelegen habe. Die Quelle erwähnt ausdrücklich die Sterbkerze, die dem Kind nach damaligem christlichem Brauch gehalten wurde. Die Mutter habe in dieser Situation Maria am Moos angerufen; der Bericht erzählt anschließend die Genesung des Kindes.
Solche Episoden vermitteln nicht nur Frömmigkeit, sondern auch eine ganze häusliche Sterbekultur: Angehörige versammeln sich am Bett, die Sterbkerze wird gehalten, ein Gelübde wird ausgesprochen, und die spätere Votivtafel macht die Erfahrung öffentlich und dauerhaft sichtbar.
Augenkrankheiten bilden im Mirakelbuch eine eigene große Gruppe. 1721 soll Christina Herweyin, Spitälerin in Zistersdorf, nach starken Augenschmerzen zehn Wochen völlig blind gewesen sein. Als keine Hoffnung auf Besserung mehr bestanden habe, verlobte sie sich zur Schmerzhaften Muttergottes und schrieb die Rückkehr ihres Sehvermögens dieser Fürbitte zu. Im selben Jahr erinnerte eine Opfertafel an Catharina Laknerin aus Großinzersdorf und die Besserung ihres schlechten Sehens.
1770 versprach Joseph Lempskh aus Großinzersdorf für seinen fast erblindeten Sohn eine Opfertafel und eine Messe; der Bericht schildert eine sofortige Besserung. 1772 geriet das Auge des Kindes Gregor Schweinberger in Gefahr, als ein Hahn ihm ins Gesicht hackte. Ein Elternteil rief Maria am Moos an; die Erzählung deutet das sofortige Ablassen des Tieres als Hilfe der Gnadenmutter. Solche alltagsnahen Gefahren gehören zum breiten Spektrum der im Mirakelbuch festgehaltenen Notsituationen.
Der achtzehnte Abschnitt des Buches ist ausdrücklich der "hinfallenden Sucht" und "Fraiß" gewidmet. Unter diesen historischen Bezeichnungen werden verschiedene Krampf- und Anfallszustände zusammengefasst. 1672 wird die zweijährige Sabina Krawat aus Dürnkrut genannt, deren Eltern angesichts heftiger Anfälle auf Maria Moos hofften. Mehrere weitere Kinder werden ähnlich beschrieben. 1713 stiftete Johann Georg Hirsch, Kampelmacher in Zistersdorf, eine Gedächtnistafel, nachdem er selbst in seiner Werkstatt plötzlich in eine heftige "Fraiß" gefallen war und durch ein von anderen abgelegtes Gelübde Maria am Moos anvertraut worden war.
Derartige Einträge zeigen die soziale Dimension des Gelübdes. Der Kranke musste die religiöse Handlung nicht selbst setzen können. Angehörige, Nachbarn oder andere Personen konnten für ihn handeln, und die spätere Votivgabe schrieb dieses stellvertretende Handeln in das Gedächtnis des Wallfahrtsortes ein.
Auch Schwangerschaft und Geburt bilden einen eigenen Themenkreis. 1678 wird Catharina Weinin aus Drösing genannt, die während einer Schwangerschaft am ganzen Körper stark angeschwollen sei. Nach einem Gelübde und einem versprochenen Dankopfer sei die Schwellung zurückgegangen und die Geburt glücklich verlaufen. 1680 berichtete Maria Rathammerin aus Gaiselberg, sie habe zuvor zwei tote Kinder geboren. Während der dritten Schwangerschaft habe sie am Altar der Schmerzhaften Muttergottes gebetet und danach einen lebenden Sohn zur Welt gebracht, den sie Antonius nannte.
1749 schildert das Buch die schwere Geburt der Barbara Simonin, Müllersfrau in Neusiedl, bei der nach Aussage der Quelle selbst die Hebamme ihre Kunst für vergeblich gehalten habe. Die Frau wandte sich an Maria am Moos und schrieb die glückliche Entbindung deren Beistand zu. Solche Berichte geben einen seltenen Einblick in weibliche Lebensgefahren, Hebammenpraxis und die religiöse Bewältigung von Geburtsnot.
Viele Votivberichte sind eng mit der Arbeitswelt verbunden. Krankheit bedrohte nicht nur das Leben, sondern auch die wirtschaftliche Existenz. 1690 konnte Anton Ramhart aus Großinzersdorf wegen geschwollener Füße nur noch mit Krücken gehen. Nach einem Gelübde nach Maria Moos, so der Bericht, habe er die Krücken wegwerfen können. 1717 wird Franz Gerhard aus Laa als "Bockenjung" genannt, der wegen verkrümmter Glieder seinem Handwerk nicht mehr nachgehen konnte. Er gelobte eine Opfertafel und kam später selbst nach Maria Moos, um zu danken.
Ähnliche Fälle betreffen Handwerker, die nach langen Krankheiten wieder zur Arbeit zurückkehren konnten. Der Verfasser hebt dies häufig ausdrücklich hervor. Heilung bedeutete in dieser bäuerlich-handwerklichen Gesellschaft also zugleich Wiederherstellung sozialer und ökonomischer Handlungsfähigkeit.
Ein eigener Abschnitt des Mirakelbuches zeigt die Gefahren des Reisens. 1717 war eine siebenköpfige Gruppe unter Führung des Müllers Ferdinand Planner aus Felling auf dem Rückweg von einer Wallfahrt nach Maria-Thall in Ungarn. In finsterer Nacht geriet der Wagen bei einem tiefen Hohlweg außer Kontrolle und stürzte hinab. Während des Falles verlobten sich die Insassen nach Maria Moos. Die Votivtafel erklärte später, alle seien ohne Schaden davongekommen.
1728 stürzte ein Reiter von einem durchgehenden Pferd und rief während des Sturzes Maria am Moos an; der Bericht erzählt, er sei unverletzt geblieben und das Pferd habe unmittelbar angehalten. 1756 wurden zwei Kinder von einem schwer beladenen Wagen geschleudert, wobei ein Hinterrad über den halben Leib des Knaben gegangen sei. Die Mutter rief um Hilfe nach Maria Moos; eine namenlose Gedächtnistafel stellte später die Errettung der beiden Kinder dar. 1760 geriet Anna Maria Schillerin mit ihrem Rock in ein Wagenrad und drohte darunter gezogen zu werden. Nach ihrem Gelübde hätten Wagen und Pferd stillgestanden.
Der Verfasser nutzt diese Geschichten für eine geistliche Deutung des Lebens als "Pilgrim und Wanderschaft" und verbindet damit reale Mobilität, Wallfahrtswesen und religiöse Metaphorik.
Brände gehörten zu den großen Gefahren frühneuzeitlicher Städte und Dörfer. Entsprechend häufig erscheinen sie im Votivwesen. 1691 schrieben Andreas Giedterer und seine Frau Elisabeth die Rettung ihres bereits an mehreren Stellen brennenden Hauses der Anrufung Maria am Moos zu. 1761 soll ein vom Blitz entzündetes Haus in Loidesthal nach einem Gelübde und dem Versprechen einer Opfertafel gelöscht worden sein. 1769 flohen der Zistersdorfer Handschuhmacher Joseph Weissenburger und seine alte Mutter bei einem Vorstadtbrand in den Keller, gerieten dort jedoch durch Feuer und Rauch in Lebensgefahr. Auch ihre Rettung wurde als Gnadenerweis überliefert.
Ein ausführlicher Bericht betrifft ein Gewitter des Jahres 1757. Während eines schweren Gewitters läuteten Männer auf dem Turm von Maria Moos die Glocken "gegen das Ungewitter", ein in der älteren Volksfrömmigkeit verbreiteter Brauch. Ein Blitz schlug bei den Glocken ein. Joseph Wözlhofer wurde zu Boden geschleudert und an der Brust verbrannt, überlebte jedoch; Simon Weber, der neben ihm stand, starb an derselben Stelle. Wözlhofer ließ den Vorgang auf einer Opfertafel darstellen. Der Wallfahrtsdruck fügt noch eine barocke Wundererzählung hinzu: Der Blitz habe Gold von Verzierungen des Hochaltares gelöst und in den Tabernakel getragen, der dadurch gleichsam von selbst vergoldet worden sei. In dieser Erzählung gehen historische Beobachtung, religiöse Deutung und erzählerische Steigerung ineinander über.
Auch Zustände, die in den Quellen als Verlust des Verstandes, Raserei oder Verwirrung bezeichnet werden, erscheinen im Mirakelbuch. 1771 wird Johann Lufti, herrschaftlicher und bürgerlicher Fassbindermeister in Zistersdorf, erwähnt. Er sei plötzlich "gänzlich von Sinnen" gekommen. Seine Frau ließ am Gnadenaltar eine Messe für ihn lesen und fand ihn nach ihrer Rückkehr nach Hause wieder bei klarem Verstand. Andere Berichte deuten solche Zustände mit Vorstellungen, die ihrer Zeit angehören, bis hin zur Zuschreibung an "Zauberei". Für eine moderne Darstellung sind diese Erklärungen nicht als Tatsachen zu übernehmen; sie sind jedoch wichtige Zeugnisse historischer Vorstellungen von Krankheit und Ursache.
Die Opfertafel war zugleich Dank, Zeugnis und öffentliche Erzählung. Sie machte private Not zu gemeinschaftlichem Gedächtnis. Der Verfasser von 1775 konnte aus der großen Zahl der Tafeln eine Geschichte des Wallfahrtsortes schreiben, obwohl frühere Bestände durch Brände vernichtet worden waren. Er nennt die Tafeln deshalb nicht nur als Schmuck, sondern als eigentliche Quellen seiner Arbeit.
Aus den einzelnen Votiven lässt sich ein breites Panorama des frühneuzeitlichen Alltags gewinnen. Krankheit, Kindersterblichkeit, Geburt, Handwerk, Armut, Reise, Tierhaltung, Feuer, Wetter und Krieg treten in den Erfahrungen namentlich genannter Menschen hervor. Die Überlieferung von Maria Moos bildet damit eine umfangreiche Quelle zur religiösen Volkskultur des Weinviertels.
Zu den eindrucksvollsten Traditionen von Maria Moos gehört die Wallfahrt aus Schrattenberg. Bereits der Wallfahrtsdruck von 1775 berichtet, die Gemeinde Schrattenberg habe in einer Pestnot Hilfe erfahren und bezeuge ihre Dankbarkeit noch immer durch eine alljährliche Wallfahrt nach Maria Moos. Eine ausführliche örtliche Überlieferung, die 2016 in den Zistersdorfer Pfarrnachrichten nach Franz Ebenauers Darstellung "Es war einmal ein Bauerndorf" wiedergegeben wurde, verbindet das Gelübde mit der Pest des Jahres 1724.
Nach dieser Erzählung habe die Seuche fast die gesamte Bevölkerung Schrattenbergs hinweggerafft. Auf Anregung der Barmherzigen Brüder von Feldsberg sei gelobt worden, jedes Jahr nach Maria Moos zu wallfahren, wenn die Pest ende. Die erste Wallfahrt habe 1727 stattgefunden; kaum mehr als zehn Überlebende hätten daran teilgenommen. 1927 wurde die 200. Wallfahrt festlich begangen. Die Überlieferung von 2016 bezeichnet die Wallfahrt ausdrücklich als bis in die Gegenwart fortgeführt.
Die Beschreibung des älteren Wallfahrtsablaufs überliefert zahlreiche Einzelheiten der Wallfahrtspraxis. Am Morgen wurde in Schrattenberg eine Messe gefeiert. Danach begleitete der Priester mit Ministranten, Kirchenfahnen, "weißen Mädchen" und Musik die Wallfahrer bis zum Ende des Dorfes. Von jedem Haus sollte wenigstens eine Person teilnehmen. An der Spitze ging ein Kreuzträger mit einem leichten Holzkreuz, das mit Blumen und Reisig geschmückt war. Da der Weg lang war, wechselten sich die Kreuzträger ab.
Der Pilgerzug war damit zugleich religiöses Ritual und sichtbare Darstellung der Dorfgemeinschaft. Nicht einzelne besonders Fromme vertraten den Ort, sondern idealerweise jedes Haus. Das alte Pestgelübde wurde dadurch von Generation zu Generation als gemeinschaftliche Verpflichtung weitergetragen.
Jeder Wallfahrer nahm seine Wegzehrung mit. Das Essen wurde häufig in ein Kopftuch gelegt und zu einem Bündel, dem "Binkel", zusammengebunden. Weil das Tragen über die ganze Strecke beschwerlich war, übergab man die Binkel einem eigenen "Binkelbauern". Damit bezeichnete man ein mit einer Plane überspanntes Pferdefuhrwerk, das der Pilgergruppe vorausfuhr und die Verpflegung trocken transportierte. In Althöflein, wo die erste Rast gehalten wurde, bekamen die Wallfahrer ihre Binkel zum Essen wieder ausgehändigt.
Der Binkelbauer war Teil der praktischen Organisation der Wallfahrt: Neben Gebet, Gelübde und Prozession mussten auch Essen, Transport, Rast und Übernachtung geregelt werden. Der Binkelbauer gehörte daher ebenso zur Wallfahrtskultur wie Kreuzträger, Fahnen und Wallfahrtslieder.
Auf einer Anhöhe kurz vor Zistersdorf, von der sich erstmals eine gute Sicht auf Stadt und Wallfahrtskirche bot, wurde Rast gemacht. Im Anblick von Maria Moos beteten die Pilger mit ausgestreckten Armen sieben Vaterunser. Während des Weges wurden Vaterunser, Glaubensbekenntnis und Rosenkranz gebetet; daneben gab es Lieder und Choräle, die nach der Überlieferung nur bei dieser Wallfahrt gesungen wurden.
Die Zahl Sieben ist im Zusammenhang mit Maria Moos kaum zufällig. Das Gnadenbild war Mittelpunkt der Bruderschaft der Sieben Schmerzen Mariens, und der Wallfahrtsdruck von 1775 schreibt den Bruderschaftsmitgliedern ebenfalls ein wöchentliches Gebet von sieben Vaterunser und sieben Ave Maria vor. Ob der Schrattenberger Brauch unmittelbar daraus hervorging, lässt sich nicht sicher beweisen; die Übereinstimmung zeigt jedoch, wie tief die Sieben-Schmerzen-Frömmigkeit den Ort prägte.
Gegen Abend kamen die Pilger in Zistersdorf an und wurden von einem Priester mit Ministranten in die Wallfahrtskirche begleitet. Vor der Kirche standen Devotionalienhändler. Die Wallfahrer kauften verschiedene Gegenstände und opferten sie am Gnadenaltar. Die überlieferte Zweckbestimmung nennt mehrere Anliegen: Man bat darum, ein Haus möge nicht abbrennen, ein kranker Fuß, Arm oder anderer Körperteil möge heilen, oder den Haustieren möge kein Unglück widerfahren.
Damit bestätigt die jüngere volkskundliche Überlieferung genau jenes Spektrum, das schon der Mirakeldruck von 1775 erkennen lässt. Menschen brachten ihre Sorge um Körper, Haus und Vieh zum Gnadenbild und verbanden sie mit einem materiellen Zeichen. Die Wallfahrt war damit in die gesamte bäuerliche Lebenswelt eingebunden.
Für die Nacht standen unterschiedliche Möglichkeiten zur Verfügung. Manche Pilger schliefen dicht nebeneinander im Stroh eines Gasthaussaales; andere fanden Unterkunft in Privathäusern. Nach der überlieferten Vorstellung gewährten manche Hausbesitzer Wallfahrern unentgeltlich Unterkunft, weil das Beherbergen eines Pilgers dem Haus Glück bringen sollte. Hier wird die Aufnahme des Fremden selbst zur religiös bewerteten Handlung. Bereits in den Ablassbestimmungen der Bruderschaft von 1671 wird die Aufnahme armer Menschen zur Herberge unter den verdienstvollen Werken genannt.
Von der Wallfahrt sollte auch für die Kinder zu Hause etwas mitgebracht werden. Die Zistersdorfer Bäcker stellten dafür eigens ein ringförmiges Gebäck her. Es bestand nach der Überlieferung aus einem Teig ohne Eier und Zucker, hatte ungefähr 15 Zentimeter Durchmesser und war etwa zwei Zentimeter dick. Dieses einer Brezel oder einem Beugel ähnliche Wallfahrtsgebäck wurde "Oabeigl" genannt.
Auch die Rückkehr besaß eine eigene Grußformel. Erwachsene Wallfahrer wurden mit den Worten begrüßt: "An schönen Gruß von unserer lieben Frau!" Ein solcher Gruß bringt in knapper Form einen Grundgedanken der Wallfahrt zum Ausdruck: Wer vom Gnadenort zurückkehrte, brachte nicht bloß ein Andenken mit, sondern gewissermaßen einen Gruß und Segen der verehrten Gottesmutter in die Dorfgemeinschaft zurück.
Am Sonntag nach der Messe zog die Gruppe wieder gemeinsam aus Maria Moos aus und wurde dabei erneut von einem Priester begleitet. Bei der Rückkehr nach Schrattenberg erwartete der örtliche Priester die Wallfahrer am Dorfrand und geleitete sie zum Schlusssegen in die Kirche. Damit schloss sich der rituelle Kreis: feierlicher Auszug aus dem Heimatort, gemeinsamer Weg zum Gnadenort, Empfang in Maria Moos und ebenso feierliche Wiedereingliederung in die Heimatgemeinde.
Die Schrattenberger Überlieferung zeigt die Wallfahrt als vielschichtigen gemeinschaftlichen Vorgang. Sie umfasst Gelübde, Dorfgemeinschaft, Weg, Gebet, Essen, Unterkunft, Devotionalien, Mitbringsel, Grußformeln und die Erinnerung an eine historische Notlage.
Maria Moos bewahrt trotz späterer Veränderungen einen umfangreichen mittelalterlichen Baubestand. Ausgangspunkt war eine romanische Ostturmkirche aus der Mitte des 12. Jahrhunderts. Im 13. und 14. Jahrhundert wurde sie gotisch erweitert und zur dreischiffigen Anlage ausgebaut. Die starke barocke Prägung des Innenraumes entstand vor allem im späten 17. und im 18. Jahrhundert.
Der bedeutende Hochaltar entstand in der Mitte des 18. Jahrhunderts als reicher Doppelsäulenaltar. Das große Altarblatt mit der Himmelfahrt Mariens schuf Paul Troger 1753. Die Seitenfiguren der heiligen Benedikt und Bernhard sowie die Dreifaltigkeitsgruppe im Auszug mit anbetenden Engeln stammen von Jakob Christoph Schletterer. Die beiden Ordensheiligen erinnern zugleich an die zisterziensische Bindung der Kirche.
Bei älteren Literaturangaben ist auf einen Fehler zu achten: Im Marienlexikon erscheint für Trogers Hochaltarbild die Jahreszahl 1783. Das kann schon deshalb nicht stimmen, weil Paul Troger 1762 starb. Dehio und neuere kunsthistorische Forschung bestätigen 1753; archivalische Forschungen belegen, dass Troger für das Zistersdorfer Himmelfahrtsbild im Juli 1753 bezahlt wurde.
Die beiden zierlichen Seitenaltäre besitzen reiche barocke Dekoration. Ihre Altarbilder zeigen den hl. Wendelin, 1751 gemalt, und die hl. Thekla, 1754; beide stammen von Ferdinand Kainz. Die plastischen Arbeiten werden Johann Georg Hueber zugeschrieben.
Im südlichen Seitenschiffchor steht der bedeutende Annenaltar aus der Mitte des 18. Jahrhunderts. Sein Bild "Anna lehrt Maria lesen" schuf Paul Troger 1758. Im Aufbau befindet sich außerdem ein Reliquienschrein mit dem Haupt des hl. Libertatus, geschaffen von Leopold Ganz. Damit besitzt Maria Moos neben dem Gnadenbild ein ungewöhnlich reiches barockes Ausstattungsensemble.
Der Gnadenaltar im nördlichen Seitenschiffchor stammt im Kern von 1698 und erhielt 1753 seinen größeren Baldachinaufbau. In seinem Zentrum steht die spätgotische Pieta aus dem dritten Viertel des 15. Jahrhunderts. Die Bründlkapelle besitzt eine weitere Pieta aus Stein von 1672. So begegnet das Motiv der Schmerzhaften Muttergottes am Wallfahrtsort gleich mehrfach und verbindet Kirchenraum, Gnadenaltar und Quelle.
Eine Glocke trägt den Namen des Gießers Ferdinand Drackh und die Jahreszahl 1735. Die Kirche vereinigt damit Bauteile und Ausstattungsstücke aus Romanik, Gotik und Barock, ohne dass die mittelalterliche Struktur völlig hinter der späteren Ausstattung verschwindet. Der barocke Ausbau beseitigte die ältere Gnadenkapelle nicht, sondern integrierte sie räumlich und ikonographisch in die größere Kirche.
- [Anonym]: Maria Zisterstorfensis. Oder: Kurzer Bericht von Ursprungs, Aufnahm, und verschiedenen Gnaden des wunderthätigen Gnadenbild Maria, der schmerzhaften Mutter Gottes am Mooß zu Zisterstorf. Krems, gedruckt bei Johann Carl Richter, 1775. Historischer Wallfahrtsdruck.
- Binder, Franz: Die Wallfahrtskirche Maria Moos in Zistersdorf. Beiträge zur Geschichte der Stadt Zistersdorf. 1948, 39 S.
- Binder, Franz: 800 Jahre Wallfahrtskirche Maria Moos in Zistersdorf. Beiträge zur Geschichte der Stadt und Pfarre Zistersdorf. Zistersdorf 1959/1960.
- Özelt, Hadmar: Maria Moos. Zistersdorf, N.Ö. Christliche Kunststätten Österreichs, Nr. 10. Salzburg: Verlag St. Peter / Rupertuswerk, 1960, 15 S.
- Gugitz, Gustav: Österreichs Gnadenstätten in Kult und Brauch. Band 2: Niederösterreich und Burgenland. Wien 1955, S. 222-224.
- Plechl, Peter Most: Wallfahrtsstätten in Niederösterreich. Wien 1978, S. 19 f.
- Dehio-Handbuch: Die Kunstdenkmäler Österreichs. Niederösterreich nördlich der Donau. Wien 1990, Zistersdorf, Wallfahrtskirche Maria Moos, S. 1327-1329.
- Gedächtnis des Landes: Zistersdorf, Ortsgeschichte und Wallfahrtskirche Maria am Moos. Niederösterreichische Museum BetriebsgesmbH.
- Stadtgemeinde Zistersdorf: Wallfahrtskirche Maria Moos; Maria Moos Kirche Zistersdorf; Veranstaltungshinweise zu den Monatswallfahrten und zum Hochfest Mariä Aufnahme in den Himmel.
- Erzdiözese Wien: Pfarre Zistersdorf. Angaben zur Wallfahrtskirche Maria Moos, Gottesdienstzeiten und Betreuung durch Zisterzienser des Stiftes Zwettl.
- Pfarre Zistersdorf: "Die Wallfahrt der Schrattenberger nach Maria Moos", in: GEMEINSAM - Kirche in Zistersdorf leben, 47. Jahrgang, 2016, nach Franz Ebenauer: Es war einmal ein Bauerndorf. Überlieferung zu Pestgelübde, Prozessionsordnung, Binkel, Devotionalien, Herbergsbrauch und Oabeigl.
- Pfarre Zistersdorf: GEMEINSAM - Kirche in Zistersdorf leben, Mai 2009. Hinweise zur Wallfahrt, Bründlkapelle und zur Geschichte der Kirche nach der Kuruzzenzeit.
| Zurück zur Übersicht: Wallfahrtsorte im Weinviertel | |
| Zurück zur Übersicht: Wallfahrt in Niederösterreich | |
| Zurück zur Gesamtübersicht Wallfahrt |
Ergänzungen: Wolfgang Morscher
© www.SAGEN.at