Pulkau, Pulkauer Bründl - Wallfahrtskapelle Maria Bründl

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Wallfahrt:Lebendige Bründl- und Marienwallfahrt, die in ihrer historisch greifbaren Form während der Pestjahre 1679/80 entstand. Ein bereits vorhandener Andachtsplatz an der Quelle wurde von Bewohnern umliegender Dörfer aufgesucht, denen wegen der Sperre Pulkaus der Pfarrgottesdienst verwehrt war.
Status:Lebendiger regionaler Wallfahrtsort. Das Bründlfest zu Mariä Heimsuchung am 2. Juli wird weiterhin jährlich gefeiert; daneben finden unter anderem Fatimafeiern und Wallfahrten aus umliegenden Orten statt.
Kultzentrum:Doppeltes Kultzentrum aus dem Gnadenbild Mariahilf in der barocken Kapelle und der unter der Kapelle entspringenden Quelle, deren Wasser traditionell besonders für die Augen verwendet, getrunken und mit nach Hause genommen wird.
Ort:Pulkau / Rafing / Pulkauer Bründl.
Region:Weinviertel, Niederösterreich.
Bundesland:Niederösterreich.
Lage und Besuch
Bründlkapelle nahe bei Rafing, 3741 Pulkau im Weinviertel (Bezirk Hollabrunn).
Lage in der SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Weinviertel
Ansicht in Street View
Pfarre / Seelsorge: Pfarre Pulkau.
Öffnungszeiten: jederzeit zugänglich
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Bilddokumentation
Ausführliche Beschreibung

Bilddokumentation

Wallfahrtsanlage Pulkauer Bründl:

Die barocke Kapelle Maria Bründl liegt in einer baumbestandenen Quellsenke bei Rafing. Der heutige Steinbau wurde 1724 errichtet. Zur Anlage gehören die Quelle mit Lourdesgrotte, eine offene hölzerne Marienkapelle, Kanzel und Kreuzwegstationen.

Pulkauer Bründl

Bildquelle: Harald Hartmann, 2006

Pulkauer Bründl - Kapelle und Quellsenke:

Der tiefer liegende Quellbezirk ist charakteristisch für den Wallfahrtsort: Kapelle, Wasser, Andachtsraum und Prozessionsweg bilden eine gemeinsame sakrale Landschaft.

Pulkauer Bründl

Bildquelle: Harald Hartmann, 2006

Ausführliche Beschreibung

Ein Wallfahrtsort, bei dem das Wasser ebenso wichtig ist wie das Bild

Das Pulkauer Bründl liegt westlich von Pulkau nahe Rafing in einer kleinen, baumbestandenen Senke. Schon die Topographie unterscheidet den Ort von weithin sichtbaren Berg- oder Stadtkirchen: Zum Bründl steigt man hinab. Kapelle, Quelle, Grotte, Kreuzweg und offene Andachtsbereiche bilden ein Ensemble, bei dem das Wasser nicht bloß eine landschaftliche Zugabe ist, sondern seit Jahrhunderten zum eigentlichen religiösen Geschehen gehört.

Der Wallfahrtsort wird Pulkauer Bründl, Maria Bründl und gelegentlich auch Rafinger Bründl genannt. Kirchlich gehört er zur Pfarre Pulkau. Das Hauptfest wird am 2. Juli zu Mariä Heimsuchung gefeiert. Neben diesem Bründlfest belegen jüngere Pfarr- und Veranstaltungskalender auch Fatimafeiern und weitere Andachten am Bründl. Die Wallfahrt ist damit nicht erloschen, sondern besitzt weiterhin eine regionale liturgische Funktion.

Die Quelle und die Geologie des Ortes

Die Quelle entspringt unter beziehungsweise unmittelbar bei der Kapelle und tritt heute in der Bründlgrotte zutage. In der Umgebung liegen Sedimente des Eggenburgiums mit Algenkalken und zahlreichen Muschelresten, darunter Austern. Diese Ablagerungen stammen aus einem Meer des frühen Miozäns am Rand der Böhmischen Masse. Die gelegentlich wiederholte Bezeichnung als "mesozoisches Meer" ist geologisch nicht zutreffend.

Eine örtliche Informationstradition nennt das Jahr 1443 als frühe Erwähnung der Heilkraft des Bründlwassers. Diese Jahreszahl wird in jüngeren Dokumentationen weitergegeben, eine belastbare mittelalterliche Originalquelle ließ sich in den zugänglichen Darstellungen jedoch nicht feststellen. Für eine quellenkritische Geschichte sollte 1443 daher nicht als gleich sicher gelten wie die gut dokumentierte Entstehungsphase des späten 17. Jahrhunderts.

Vorgeschichtlicher Fundplatz - aber kein bewiesener vorchristlicher Quellenkult

Ebenfalls häufig wird behauptet, beim Bründl habe sich bereits eine vorchristliche Kultstätte befunden. Tatsächlich sind aus dem weiteren Gebiet vorgeschichtliche Besiedlungsspuren bekannt, und örtliche Darstellungen verweisen auf eine Nutzung des Platzes vom Neolithikum bis ins Mittelalter. Aus Besiedlung oder vorgeschichtlichen Funden folgt jedoch noch kein Nachweis eines religiösen Quellenkultes. Solange dafür keine eindeutigen archäologischen Befunde vorliegen, sollte von einer möglichen älteren Bedeutung des Platzes gesprochen werden, nicht von einer gesicherten vorchristlichen Kultstätte.

Die barocke Kapelle von 1724

Nach einer ersten hölzernen Kapelle von 1702 entstand 1724 unter Abt Karl Fetzer die heute erhaltene steinerne Wallfahrtskapelle. Der zweijochige Bau endet in einem dreiseitigen Schluss und besitzt einen kleinen Dachreiter. Pilaster gliedern die Fassade. Über dem Eingang befindet sich in einer Rundbogennische eine polychromierte barocke Figurengruppe mit der Begegnung an der Goldenen Pforte, also dem Zusammentreffen von Joachim und Anna.

Die Kapelle wurde wiederholt verändert und erneuert. 1847 werden Restaurierungsarbeiten an Kapelle und Altar genannt, 1868 erhielt sie einen neuen Altar. Eine weitere umfassende Restaurierung erfolgte 1974. Der Bau ist dadurch kein unverändertes Dokument des Jahres 1724, sondern das Ergebnis einer kontinuierlichen Pflege des Wallfahrtsortes.

Das Gnadenbild Mariahilf

Auf dem Altar befindet sich ein Gnadenbild Mariahilf in einem Rahmen des 18. Jahrhunderts. Die Mariahilf-Ikonographie gehört zu den am weitesten verbreiteten marianischen Bildtypen des deutschen Sprachraums. In Pulkau ist jedoch entscheidend, dass das Bild mit einem konkreten Quellort und dessen Heilungsüberlieferungen verbunden wurde. Das Gnadenbild und das Wasser bilden daher zwei aufeinander bezogene Kultzentren: Man betete vor dem Marienbild und verwendete zugleich das Wasser.

Schon während der Pestzeit wird am Quellplatz eine kleine Waldandacht mit einem Marienbild erwähnt. Ob dieses frühe Bild mit dem heute verehrten Gnadenbild völlig identisch ist, lässt sich aus den zugänglichen Quellen nicht mit Sicherheit entscheiden. Sicher ist jedoch, dass die Marienverehrung am Bründl älter ist als der steinerne Kapellenbau.

Die Lourdesgrotte als jüngere Schicht des Quellenkultes

Im 19. Jahrhundert erhielt die alte Bründlverehrung eine neue Bildsprache. 1884 weihte Pfarrer P. Bonifaz Steiner eine neue Lourdesstatue am Quellbereich. Die zuvor dort vorhandene Figur wurde nach Rafing übertragen und in einer Feldkapelle aufgestellt. Damit verband sich ein älterer regionaler Heilquellenkult mit der im 19. Jahrhundert europaweit verbreiteten Lourdesfrömmigkeit.

Diese Überlagerung ist volkskundlich besonders interessant. Die Quelle brauchte Lourdes nicht, um als heilkräftig zu gelten; ihr Ruf war Jahrhunderte älter. Die Lourdesgrotte lieferte jedoch eine neue, international verständliche religiöse Bildform für dieselbe Praxis des Trinkens, Waschens und Bittens um Heilung.

Die offene Marienkapelle und die Kanzel

Neben der gemauerten Kapelle steht eine offene hölzerne Marienkapelle. Zur Anlage gehörte zeitweise auch die bemerkenswerte Steinkanzel aus der Pulkauer Heilig-Blut-Kirche. Sie wurde 1889 zum Bründl gebracht und 1935 in die renovierte Pfarrkirche St. Michael übertragen. Danach verwendete man vorübergehend eine hölzerne Kanzel; später entstand eine gemauerte Kanzel. Der Wechsel zeigt, welche Anforderungen große Wallfahrtstage stellten: Predigt und Liturgie mussten auch für eine außerhalb der kleinen Kapelle versammelte Menschenmenge möglich sein.

Kreuzweg und Wallfahrtslandschaft

Die Senke wird von Nischenbildstöcken mit Kreuzwegstationen umgeben. Der Dehio beschreibt Teile der Anlage als barock; 1894 wurde jedenfalls ein neuer Kreuzweg feierlich eingeweiht. Dabei ist mit einer Erneuerung beziehungsweise Neuausstattung älterer Stationsarchitektur zu rechnen. Der Kreuzweg erweitert den Gnadenort über Kapelle und Quelle hinaus und macht die gesamte Senke zu einem begehbaren Andachtsraum.

Entstehung der Wallfahrt

Pest, Quarantäne und Waldandacht 1679/80

Die historisch greifbare Geschichte der Wallfahrt beginnt mit einer Katastrophe. In den Jahren 1679 und 1680 wütete die Pest in Pulkau und Umgebung. Die Pfarrchronik verzeichnete am 13. Dezember 1680 bereits 600 Tote. Um die Seuche einzudämmen, wurde der Markt Pulkau abgeriegelt.

Damit konnten Bewohner von Rafing, Missingdorf und Groß-Reipersdorf den Gottesdienst in Pulkau nicht mehr besuchen. Sie trafen sich deshalb an der nahegelegenen Quelle, wo bereits eine kleine Waldandacht mit einem Marienbild bestand. Dort beteten sie gemeinsam und tranken vom Wasser. Dass viele dieser Besucher von der Pest verschont blieben, wurde nicht als Zufall, sondern als Wirkung der Fürbitte Mariens und des Quellwassers verstanden. Die Seuchensperre führte dadurch paradoxerweise zur Ausbildung eines neuen Wallfahrtsortes.

Die Heilung des Kindes der Katharina Appl 1699

Die entscheidende Wundererzählung ist mit Katharina Appl aus Rafing verbunden. Nach der Pulkauer Pfarrüberlieferung war ihr Sohn schwer körperlich beeinträchtigt, "krumm" und gelähmt. Nachdem andere Hilfsversuche erfolglos geblieben waren, badete die Mutter das Kind unter Gebet zur Gottesmutter im Bründlwasser. Nach wenigen Tagen soll der Knabe wieder gehen haben können.

Solche Berichte sind als religiöse Überlieferung zu lesen, nicht als medizinisch überprüfbare Krankengeschichte. Für die Wallfahrtsgeschichte ist jedoch entscheidend, dass die Heilung öffentlich geglaubt und weitergegeben wurde. Der Schullehrer Benedikt Windtegger beziehungsweise Windteggger wird als Augenzeuge genannt. Auf seine Initiative hin entstand 1702 eine hölzerne Kapelle, in der das Marienbild geschützt aufgestellt wurde.

Vom privaten Andachtsplatz zum kirchlich anerkannten Wallfahrtsort

Mit dem Steinbau von 1724 und der kirchlichen Erlaubnis zur Messfeier erreichte die Wallfahrt eine neue Stufe. 1725 gestattete das zuständige Passauer Offizial zunächst für sechs Jahre die Feier heiliger Messen und die Abhaltung von Prozessionen. Die Opfergelder sollten der Kapelle zugutekommen; reichten sie für deren Erhaltung nicht aus, war das Wiener Schottenstift zur Unterstützung verpflichtet.

Diese Regelung zeigt, dass das Bründl zu diesem Zeitpunkt bereits mehr als eine spontane Volksandacht war. Wallfahrt, Opfergeld, Bauunterhalt und Gottesdienst wurden kirchenrechtlich geordnet. Zugleich blieb der unmittelbare Umgang mit dem Wasser ein wesentlicher Bestandteil des Besuchs.

Ablassprivileg 1780

1780 erhielt das Bründl ein besonderes Privileg: Wallfahrer, die zum Fest Mariä Heimsuchung den Gnadenort besuchten, konnten einen vollkommenen Ablass gewinnen. Solche Ablassprivilegien stärkten den Besuch eines Wallfahrtsortes erheblich, weil sie den äußeren Weg mit einem klar definierten geistlichen Nutzen verbanden. Der 2. Juli wurde dadurch endgültig zum Hauptfest der Pulkauer Bründlwallfahrt.

Josephinismus - die Kapelle entgeht der Schließung

Unter Joseph II. geriet auch das Pulkauer Bründl in Gefahr. Das Hofdekret von 1782 zielte auf die Reduktion von Klöstern, Nebenkirchen und aus Sicht des Reformstaates entbehrlichen Andachtsstätten. Im Unterschied zu vielen anderen Wallfahrtskapellen konnte Maria Bründl jedoch erhalten werden. Eine wichtige Rolle spielte dabei Benno Pointner, Abt des Wiener Schottenstifts. Noch 1791 bemühte er sich beim Wiener Konsistorium um die Erlaubnis, am Bründl zwei Messen pro Tag lesen zu dürfen.

Dass die Kapelle diese Epoche überstand, ist für ihre heutige Bedeutung kaum zu überschätzen. Viele vergleichbare kleine Wallfahrtsorte verloren damals ihre Gebäude oder Kultgegenstände; Pulkau bewahrte Kapelle, Quelle und Gnadenbild als zusammengehörige Einheit.

Quelle und Volkskunde

Augen waschen, Wasser trinken, Wasser mitnehmen

Die religiöse Praxis am Pulkauer Bründl konzentriert sich bis heute auffällig stark auf das Wasser. Überliefert und weiterhin bekannt ist das Benetzen beziehungsweise Auswaschen der Augen. Dabei wird das Wasser mit der Hoffnung verwendet, gut zu sehen oder die Augen gesund zu erhalten. Hinzu kommen das Trinken des Wassers und das Abfüllen in Flaschen oder Kanister zur Mitnahme nach Hause.

Diese Handlungen gehören zu den klassischen Formen mitteleuropäischer Bründlfrömmigkeit. Das Wasser wird nicht nur am Ort konsumiert; durch seine Mitnahme wird ein Teil des Gnadenortes in Haus und Alltag übertragen. Medizinische Heilwirkungen sind damit nicht belegt. Volkskundlich entscheidend ist die religiöse Bedeutung, die dem Wasser von den Besuchern zugeschrieben wird.

Die Quelle als materielles Zentrum

Bei vielen Wallfahrtskirchen ist ein Brunnen nur Zubehör. In Pulkau ist die Situation umgekehrt: Ohne die Quelle wäre die Entstehungsgeschichte des Ortes kaum denkbar. Das Wasser ist Bestandteil der Pestüberlieferung, der Heilungsgeschichte von 1699 und der heutigen Besuchspraxis. Entsprechend zeigen auch Andachtsbilder des Pulkauer Bründls nicht nur die Kapelle, sondern häufig die gesamte Gnadenstätte mit Quellbereich.

Vom lokalen Bründl zur Lourdesfrömmigkeit

Die Lourdesstatue von 1884 veränderte die Bildsprache des Quellortes, ohne dessen ältere Bedeutung zu verdrängen. Lourdes war im späten 19. Jahrhundert das internationale Leitbild katholischer Heilquellen- und Marienfrömmigkeit. In Pulkau wurde diese neue Frömmigkeitsform auf einen bereits seit fast zwei Jahrhunderten verehrten Quellplatz übertragen. Die Lourdesgrotte ist daher keine Erklärung für den Ursprung der Wallfahrt, sondern eine jüngere Ergänzung eines viel älteren Bründlkultes.

Andachtsbilder und Erinnerung an den Gnadenort

Wie bei anderen etablierten Wallfahrtsorten wurden auch für das Pulkauer Bründl eigene Andachts- und Wallfahrtsbildchen hergestellt. Gerade bei einer landschaftlich geprägten Gnadenstätte haben solche Bilder eine besondere Funktion: Sie zeigen nicht nur Maria, sondern häufig auch Kapelle, Quelle und Bründlanlage. Der Pilger nahm dadurch eine bildliche Verdichtung des gesamten Ortes mit nach Hause.

Die Bezeichnung "heilkräftig"

Historische und heutige Beschreibungen nennen das Bründlwasser vielfach "heilend" oder "heilkräftig". In einer wissenschaftlich und volkskundlich sauberen Darstellung sollte diese Aussage als Überlieferung beziehungsweise Glaubensvorstellung gekennzeichnet werden. Nachweisbar ist die jahrhundertelange Nutzung des Wassers in der Hoffnung auf Gesundheit; eine medizinische Heilwirkung lässt sich daraus nicht ableiten.

Wallfahrtsleben und Wandel

Einsiedler am Bründl

Zwischen 1756 und 1794 lebten nach der ortsgeschichtlichen Überlieferung nacheinander zwei Einsiedler am Bründl. Sie gehörten der Konföderation der Waldbrüder an und kümmerten sich um Kapelle und Gnadenort. Ihre Klause lag beim heutigen Mesnerhaus. Bei großen Wallfahrten diente dieses Umfeld auch zur Beichte.

Die Einsiedler gehören zu einer heute fast vergessenen sozialen Schicht der Wallfahrtskultur. Sie waren weder bloße Mesner noch abgeschiedene Privatpersonen, sondern verbanden persönliche asketische Lebensweise mit praktischer Betreuung eines stark frequentierten religiösen Ortes.

Die Wallfahrt und der bedrohte Wasserlauf 1856

1856 drohte dem Bründl eine ganz andere Gefahr. In unmittelbarer Nähe sollte eine Mühle entstehen, die den Wasserlauf für ihren Betrieb nutzen wollte. Gegen das Projekt wurde beim Kreisamt Einspruch erhoben, weil Eingriffe in die Quelle und ihre Umgebung die Wallfahrt beeinträchtigen konnten. Das Vorhaben wurde schließlich untersagt.

Der Vorgang ist volkskundlich aufschlussreich: Die Quelle war nicht bloß Grundwasser oder wirtschaftlich nutzbare Energie, sondern ein sakral besetztes Gut. Der Wallfahrtsbrauch konnte damit sogar gegen eine geplante gewerbliche Nutzung des Wassers ins Gewicht fallen.

Bründlfest und historische Größenordnung

Das Hauptfest ist bis heute Mariä Heimsuchung am 2. Juli. Historische Darstellungen berichten für große Jubiläumsfeste von mehreren tausend Teilnehmern; für eine Zweihundertjahrfeier wird sogar eine Größenordnung von etwa 8.000 Menschen genannt. Solche Zahlen sind als zeitgebundene historische Angaben zu verstehen, zeigen aber die erhebliche regionale Ausstrahlung des kleinen Quellheiligtums.

Auch 2026 wurde das Bründlfest am 2. Juli im Veranstaltungskalender der Stadtgemeinde ausdrücklich geführt. Die Verbindung von historischem Wallfahrtstermin und heutiger Festpraxis ist damit ungebrochen.

Fatimafeiern - eine zweite moderne Marienfrömmigkeit

Neben dem alten Bründlfest etablierte sich im 20. Jahrhundert eine weitere Form der Marienverehrung. Am Pulkauer Bründl werden Fatimafeiern abgehalten. Eine Ankündigung aus dem Jahr 2010 bezeichnete bereits die 149. Fatimafeier; auch der aktuelle Veranstaltungskalender weist solche Feiern aus. Damit überlagern sich am Bründl drei marianische Frömmigkeitsschichten: die ältere lokale Quellwallfahrt, die Lourdesverehrung des 19. Jahrhunderts und die Fatimafrömmigkeit des 20. Jahrhunderts.

Der Kreuzweg als Erweiterung des Gnadenortes

1894 weihte P. Johann Schwienbacher, Rektor des Redemptoristenklosters Eggenburg, einen neuen Kreuzweg. Die Stationen machen aus der Quellsenke einen umfassenderen Andachtsraum. Der Besucher kann damit nicht nur zur Quelle und zum Marienbild gehen, sondern den Leidensweg Christi meditierend durch die Landschaft verfolgen.

Warum das Pulkauer Bründl bis heute funktioniert

Die Beständigkeit des Ortes liegt gerade in seiner Einfachheit. Die Wallfahrt braucht keinen monumentalen Kirchenraum. Quelle, kleine Kapelle, Gnadenbild, Grotte, Bäume und Kreuzweg bilden einen überschaubaren religiösen Raum, der sowohl gemeinschaftliche Feste als auch stille Einzelbesuche ermöglicht. In dieser Verbindung von Naturraum und sakraler Gestaltung liegt ein wesentlicher Grund dafür, dass das Bründl auch außerhalb großer Wallfahrtstage aufgesucht wird.

Literatur und Quellen

- Das Pulkaubründl. Ein Wallfahrtsbüchlein. Selbstverlag der Pfarre Pulkau, 1948.

- Heilinger, Engelbert: Chronik von Pulkau. Verlag Berger, Horn 1933.

- Reich, Anton: Pulkau - Seine Kirchen und seine Geschichte. Bergland Verlag, Wien 1963, insbesondere S. 113 ff.

- Gugitz, Gustav: Österreichs Gnadenstätten in Kult und Brauch. Ein topographisches Handbuch zur religiösen Volkskunde. Band 2: Niederösterreich und Burgenland. Wien 1955.

- Puschnik, Alois: Gottes Steine - Pulkauer Kleindenkmäler.

- Hirsch, Siegrid; Ruzicka, Wolf: Heilige Quellen Niederösterreich & Burgenland. Freya-Verlag.

- Dehio-Handbuch: Die Kunstdenkmäler Österreichs. Niederösterreich nördlich der Donau. Pulkau, Maria Bründl. Wien 1990, S. 915.

- Pulkauer Pfarrchronik und Informationstafeln an der Bründlanlage.

- SAGEN.at: Pulkau - Pulkauer Bründl

- SAGEN.at-Fotogalerie: Rafinger Bründl bei Pulkau - Wallfahrtsankündigung und volkskundliche Hinweise

Ergänzungen: Wolfgang Morscher

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