| Wallfahrt: | Ältere Wallfahrten nach Prottes sind nachweisbar, ihre Anfänge lassen sich derzeit jedoch nicht sicher datieren. 1975 wurde die Pfarrkirche offiziell zur Wallfahrtskirche erhoben. |
| Status: | Lebendiger regionaler Marienwallfahrtsort. Die Kirche ist zugleich Pfarrkirche von Prottes. |
| Kultzentrum: | Die gotische Lindenholzstatue "Unsere Liebe Frau Maria am grünen Anger", um 1340, mit barocker Gloriole aus Wolken, Strahlen und Engelköpfen. |
| Ort: | Prottes. |
| Region: | Weinviertel / Marchfeldrand, Niederösterreich. |
| Bundesland: | Niederösterreich. |
| • | Kirchengasse 2, 2242 Prottes. |
| • | Lage in der SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Weinviertel |
| • | Ansicht in Street View |
| • | Web: Pfarre Prottes. |
| • | Öffnungszeiten: Nach aktueller Angabe der Pfarre nur zu den Gottesdiensten. |
| • | Bilddokumentation |
| • | Ausführliche Beschreibung |
Wir haben leider noch keine Fotos dieses Wallfahrtsortes.
Mit diesen und weiteren Fotomotiven können Sie hier zur Dokumentation beitragen.
Die Pfarr- und Wallfahrtskirche Mariä Himmelfahrt liegt im südlichen Bereich von Prottes. Ihr alter volkstümlicher Name "Maria am grünen Anger" erinnert an die ursprüngliche Lage der Kirche auf dem Dorfanger, einer gemeinschaftlich genutzten Grünfläche der Siedlung. Die Kirche war ehemals von einem Friedhof umgeben. Der topographische Name ging im Lauf der Zeit auf das verehrte Marienbild selbst über, das bis heute den Titel "Unsere Liebe Frau Maria am grünen Anger" trägt.
Die Kirche ist heute Pfarrkirche und Wallfahrtskirche zugleich. Ihr Patrozinium Mariä Himmelfahrt wird am 15. August gefeiert. Die Pfarre gehört zum Pfarrverband "Melker Pfarren im Marchfeld"; die historische Verbindung mit dem Benediktinerstift Melk ist auch an mehreren Ausstattungsstücken und am Stiftswappen über dem barocken Kirchenportal sichtbar.
Der älteste erhaltene Baubestand reicht in die erste Hälfte des 13. Jahrhunderts zurück. Das ursprüngliche Langhaus war romanisch und in der üblichen Ost-West-Richtung orientiert. Urkundlich wird die Kirche 1346 genannt. Gegen Ende des 14. Jahrhunderts bestand ein Vikariat; die selbständige Pfarre entstand 1783 und wurde dem Benediktinerstift Melk inkorporiert.
Der mittelalterliche Kirchenbau wurde mehrfach verändert. In der Mitte des 15. Jahrhunderts entstand ein gotischer Chor. Reste dieses Chores und des romanischen Langhauses sind bis heute erhalten und lassen die ältere Baugestalt trotz der tiefgreifenden barocken Umgestaltung erkennen.
Um 1740 wurde die mittelalterliche Kirche nicht einfach durch einen vollständigen Neubau ersetzt. Stattdessen errichtete man einen neuen barocken Kirchenraum in Nord-Süd-Richtung, der den älteren ost-westlich orientierten Bau gleichsam kreuzt. Dadurch entstand ein ungewöhnlicher Grundriss, in dem romanische, gotische und barocke Bauteile unmittelbar miteinander verbunden sind.
Auch der Hochaltar stammt aus dieser Bauphase. In seinem Zentrum wurde die alte Marienstatue aufgenommen und in eine barocke Gloriole eingebunden. Der Umbau veränderte damit zwar den gesamten Kirchenraum, bewahrte aber das mittelalterliche Kultbild als Mittelpunkt.
Größere Restaurierungen sind für 1929 und 1964 überliefert. Die Kirche blieb zugleich Mittelpunkt der Pfarre und Ort marianischer Verehrung. 1975 wurde sie offiziell zur Wallfahrtskirche erhoben. Im selben Jahr begann P. Jan Zimolong SVD seine langjährige Tätigkeit in Prottes, die bis 2013 dauerte.
Das eigentliche Kultzentrum der Kirche ist die mittelalterliche Marienstatue am Hochaltar. Die Erzdiözese Wien datiert sie auf 1340; kunsthistorisch wird sie allgemein dem 14. Jahrhundert zugerechnet. Die Figur ist aus Lindenholz gearbeitet und zeigt Maria aufrecht stehend mit dem Jesuskind auf dem linken Arm. In der rechten Hand hält die Gottesmutter ein Zepter. Maria trägt eine gotische Krone; auch das Kind ist gekrönt, erhebt die rechte Hand zum Segen und hält mit der linken die Weltkugel.
In der Barockzeit wurde die mittelalterliche Figur in eine Gloriole aus Wolken, Strahlen und Engelköpfen eingestellt. Diese barocke Rahmung veränderte die Wirkung der Statue erheblich, ohne das gotische Gnadenbild selbst zu ersetzen. Die Verbindung einer mittelalterlichen Madonna mit einer barocken Inszenierung ist für zahlreiche ältere Wallfahrtsorte charakteristisch: Das verehrte Bild blieb erhalten, wurde aber entsprechend den Frömmigkeits- und Gestaltungsformen einer späteren Epoche neu präsentiert.
Das hohe Alter der Statue beweist für sich allein noch keine Wallfahrt seit dem 14. Jahrhundert. Die vorhandenen Quellen belegen eine alte Marienverehrung, während sich der Beginn regelmäßiger Wallfahrten bisher nicht sicher auf ein bestimmtes Jahrhundert festlegen lässt. Eine regionale kirchlich-touristische Dokumentation hält ausdrücklich fest, dass Wallfahrten nach Prottes nachweisbar sind; eine genaue Datierung dieser älteren Wallfahrten wird dort jedoch nicht genannt.
Damit ist zwischen drei Ebenen zu unterscheiden: dem mittelalterlichen Alter der Kirche, dem ebenso alten Marienbild und der historisch fassbaren Wallfahrt. Für eine mittelalterliche Wallfahrt fehlen derzeit eindeutige Belege wie Mirakelberichte, Wallfahrtsordnungen, Bruderschaftsunterlagen oder datierte Prozessionsnachrichten.
Dass Prottes bereits vor der offiziellen Erhebung von 1975 als Marienwallfahrtsort aufgesucht wurde, ist ausdrücklich überliefert. Die genaue Entstehungszeit der Wallfahrt ist jedoch nicht geklärt. Das Fehlen genauer Daten ist nicht ungewöhnlich: Bei kleineren regionalen Wallfahrten konnten Prozessionen, Gelübde und private Wallfahrten lange bestehen, ohne dass darüber ein eigenes Mirakelbuch oder eine gedruckte Wallfahrtsgeschichte entstand.
Der Name "Maria am grünen Anger" und die dauerhafte Stellung der gotischen Madonna am Hochaltar zeigen jedenfalls, dass das Marienbild über Jahrhunderte einen besonderen Rang im religiösen Leben des Ortes besaß. Die barocke Neufassung des Kirchenraumes um 1740 stellte die alte Statue erneut ins Zentrum.
Die Marktgemeinde Prottes nennt 1975 ausdrücklich als Jahr, in dem die Kirche zur Wallfahrtskirche erhoben wurde. Diese kirchliche Aufwertung ist nicht mit der Entstehung der Marienverehrung gleichzusetzen; sie gab einer bereits vorhandenen Kulttradition einen neuen offiziellen Rahmen.
Die Wallfahrtsfunktion besteht bis heute fort. Die Kirche wird zugleich als Pfarrkirche genutzt. Der heutige Wallfahrtscharakter ist vor allem regional geprägt und steht in enger Verbindung mit dem alten Gnadenbild und dem Patrozinium Mariä Himmelfahrt.
Wie stark die Verbindung zwischen Ort und Gnadenbild war, zeigte sich besonders nach dessen Verlust im 20. Jahrhundert. Obwohl jahrzehntelang eine Nachbildung die Stelle der mittelalterlichen Statue einnahm, blieb die Erinnerung an das Original erhalten. Die spätere Rückkehr des alten Bildes wurde deshalb nicht als bloße Wiederbeschaffung eines Kunstgegenstandes, sondern als Heimkehr des eigentlichen Gnadenbildes gefeiert.
Am 17. August 1968 wurde die mittelalterliche Gnadenstatue "Maria am grünen Anger" aus der Kirche gestohlen. Diese Datierung stammt aus den Protteser Gemeindenachrichten anlässlich der späteren Heimholung und ist daher einer in Sekundärliteratur gelegentlich genannten Jahreszahl 1972 vorzuziehen.
Nach dem Diebstahl stellte man am Hochaltar eine Nachbildung eines unbekannten Künstlers auf. Damit blieb die gewohnte ikonographische Präsenz der Madonna im Kirchenraum erhalten, während das historische Original für fast vier Jahrzehnte fehlte. Bemerkenswert ist, dass die Kirche 1975, also während dieser Zeit, offiziell zur Wallfahrtskirche erhoben wurde.
Das Original konnte später wieder identifiziert und zurückgekauft werden. Die Protteser Gemeindenachrichten sprechen ausdrücklich vom "Rückkauf der Originalstatue". Finanziert wurde dieser gemeinsam vom Land Niederösterreich, der Pfarre Prottes, dem Stift Melk und der Marktgemeinde Prottes.
Über die näheren Umstände des Kunsthandels oder der Wiederentdeckung lässt sich daher derzeit nichts Sicheres sagen. Eine konkretere Angabe wäre ohne zusätzliche archivalische oder zeitgenössische Pressequellen spekulativ.
Am Sonntag, dem 14. Oktober 2007, kehrte die alte Madonna feierlich nach Prottes zurück. Die Festgäste versammelten sich zunächst am Hauptplatz. Nach der Begrüßung durch P. Jan Zimolong wurde die Gnadenstatue gesegnet und anschließend in einer Prozession zur Wallfahrtskirche getragen.
In der Kirche folgten ein Wortgottesdienst, Festansprachen und der Eucharistische Segen. Unter den Rednern befand sich auch die damalige Wiener Diözesankonservatorin Hiltigund Schreiber. Die Heimholung verband damit Denkmalpflege, Ortsgeschichte und religiöse Verehrung in einer gemeinsamen Feier.
Der Vorgang zeigt besonders deutlich, dass einem Gnadenbild eine Bedeutung zukommt, die über seinen kunsthistorischen Wert hinausgeht. Die seit Jahrzehnten verwendete Ersatzfigur hatte die Andacht aufrechterhalten; dennoch blieb das mittelalterliche Original für die Gemeinde ein unverwechselbarer Träger der Orts- und Wallfahrtstradition.
Mit der frühen Verehrung der Protteser Madonna wurde auch eine heute im Dom Museum Wien aufbewahrte spätgotische Monstranz in Verbindung gebracht. Das Protteser Heimatbuch von 1979 vertrat die Ansicht, die Monstranz müsse aus Prottes stammen, weil oberhalb des Schaugefäßes eine silbergetriebene und vergoldete Marienfigur angebracht sei, die als genaue Darstellung der Gnadenstatue "Unserer lieben Frau am grünen Anger" gedeutet wurde. Das Heimatbuch nennt für die Monstranz die Jahreszahl 1508.
Eine jüngere Auseinandersetzung mit dem Objekt weist jedoch darauf hin, dass die Marienfigur auf der Monstranz stilistisch nur begrenzt mit der Protteser Gnadenstatue übereinstimmt. Das Dom Museum führt das Stück als "Matzener Monstranz", datiert es auf 1515 und nennt die Pfarre Matzen als Provenienz beziehungsweise Leihgeberin. Auch Reinthal wurde in älteren Überlieferungen als möglicher Herkunftsort genannt.
Die Monstranz kann daher derzeit nicht als sicherer Beweis dafür herangezogen werden, dass das Protteser Gnadenbild bereits zu Beginn des 16. Jahrhunderts Ziel einer ausgeprägten Wallfahrt war. Der Streit um ihre Herkunft ist jedoch selbst ein bemerkenswertes Beispiel dafür, wie stark historische Kultgegenstände später mit lokalen Erinnerungs- und Besitzansprüchen verbunden werden konnten.
Die Pfarrkirche Prottes gehört aufgrund ihrer ungewöhnlichen Baugeschichte zu den bemerkenswerten Dorfkirchen des Weinviertels. Vom romanischen Langhaus der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts und vom gotischen Chor des 15. Jahrhunderts blieben wesentliche Teile erhalten. Der barocke Umbau um 1740 änderte die Orientierung der Kirche und legte einen neuen Nord-Süd-Baukörper quer durch die ältere Anlage.
Die barocke Südfront ist durch Lisenen gegliedert; über dem Portal befindet sich das Wappen des Stiftes Melk mit den gekreuzten Schlüsseln. Der im Kern gotische Ostturm blieb erhalten. Der ehemalige gotische Chor mit seinen kräftigen Strebepfeilern ist noch deutlich ablesbar.
Der Hochaltar wurde um 1740 geschaffen. In der zentralen Nische steht die gotische Gnadenstatue in ihrer barocken Gloriole. Seitlich befinden sich die Figuren der heiligen Anna und Joachim; im Auszug erscheint die Dreifaltigkeit. Das Melker Stiftswappen verweist auf die enge Bindung der Pfarre an das Benediktinerstift.
Besonders wertvolle Ausstattungsstücke sind die beiden Seitenaltarblätter von Johann Michael Rottmayr, die ursprünglich für die Stiftskirche Melk geschaffen und 1740 nach Prottes übertragen wurden. Das linke Altarbild zeigt den hl. Antonius und ist mit 1730 datiert; das rechte stellt den hl. Sebastian dar und entstand 1728.
Die zugehörigen Seitenfiguren zeigen am linken Altar Johannes den Täufer und den hl. Antonius, am rechten die Heiligen Rochus und Karl Borromäus. Diese Ausstattung verbindet die vergleichsweise kleine Dorfkirche unmittelbar mit einem der bedeutendsten barocken Kunstzentren Österreichs.
Der achtseitige Taufstein trägt die Jahreszahl 1554. Die Kreuzwegbilder von 1882 folgen dem weit verbreiteten Bildtypus des Führich-Kreuzweges. Ein an gotische Formen erinnerndes Sakramentshäuschen besitzt Maßwerk, ein Marienmonogramm und eine handgeschmiedete eiserne Tür. Die Orgel mit acht Registern wurde 1956 von Philipp Eppel erbaut.
- Dehio-Handbuch: Die Kunstdenkmäler Österreichs. Niederösterreich nördlich der Donau. Wien 1990, Prottes, Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt, S. 908-909.
- Erzdiözese Wien: Pfarre Prottes. Angaben zu Patrozinium, Gnadenstatue "Unsere Liebe Frau Maria am grünen Anger", Pfarrverband und aktuellen Öffnungszeiten.
- Marktgemeinde Prottes: Sehenswertes. Angaben zur Wallfahrtskirche, zur Erhebung im Jahr 1975 und zur Verbindung mit dem Stift Melk.
- Marktgemeinde Prottes: Protteser Nachrichten 2007. Einladung und Festprogramm zur Heimholung der Gnadenstatue "Maria am grünen Anger" am 14. Oktober 2007; Angaben zum Diebstahl am 17. August 1968, zur Nachbildung und zum Rückkauf des Originals.
- Franziskusweg Weinviertel: Pfarrkirche Prottes. Angaben zu Baugeschichte, Gnadenstatue, Sakramentshäuschen und historisch nachweisbaren Wallfahrten.
- Gartner, Leopold / Grünwald, Manfred: Prottes - unser Heimatort. 1979. Darin die ältere Zuschreibung einer spätgotischen Monstranz an Prottes.
- Gemeindezeitung Ebenthal 1/2020: "Die heimatlose Monstranz im Wiener Dommuseum". Quellenkritische Gegenüberstellung der Ansprüche von Prottes, Matzen und Reinthal sowie Hinweis auf die Inventarisierung als "Matzener Monstranz" im Dom Museum Wien.
- Austria-Forum: Pfarrkirche Prottes. Zusammenfassung zur Baugeschichte, zur gotischen Gnadenstatue und zu den aus Melk übertragenen Altarbildern Johann Michael Rottmayrs.
| Zurück zur Übersicht: Wallfahrtsorte im Weinviertel | |
| Zurück zur Übersicht: Wallfahrt in Niederösterreich | |
| Zurück zur Gesamtübersicht Wallfahrt |
Ergänzungen: Wolfgang Morscher
© www.SAGEN.at