| Wallfahrt: | Seit der Mitte des 17. Jahrhunderts sicher nachweisbare Marien- und Heilquellenwallfahrt. Bereits 1657 kamen Pilger aus der Umgebung sowie aus Mähren und der Slowakei nach Wilhelmsdorf. |
| Status: | Lebendiger regionaler Wallfahrtsort mit zwei jährlichen Bründlfesten sowie Fuß-, Rad-, Dekanats- und weiteren organisierten Wallfahrten. |
| Kultzentrum: | Das historische Gnadenbild Maria Bründl mit Maria, Jesuskind und Johannesknaben sowie das seit dem 17. Jahrhundert als heilkräftig verehrte Bründlwasser. |
| Ort: | Wilhelmsdorf, Stadtgemeinde Poysdorf. |
| Region: | Weinviertel, Niederösterreich. |
| Bundesland: | Niederösterreich. |
| • | Lage: Bründlstraße 20, 2170 Poysdorf-Wilhelmsdorf. |
| • | Lage in der SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Weinviertel |
| • | Ansicht in Street View |
| • | Pfarre / Seelsorge: Pfarre Poysdorf |
| • | Öffnungszeiten: täglich von 7.30 bis 18.00 Uhr geöffnet. |
| • | Bilddokumentation |
| • | Ausführliche Beschreibung |
• Maria Bründl in Wilhelmsdorf bei Poysdorf. Der Wallfahrtsort liegt in der Aulandschaft des Poybaches; die ältere Ursprungskapelle des 17. Jahrhunderts wurde in den späteren barocken Kirchenbau einbezogen.
Bildquelle: SAGEN.at-Fotogalerie
• Maria Bründl - weitere Ansicht des Wallfahrtsortes in Wilhelmsdorf.
Bildquelle: SAGEN.at-Fotogalerie
• Maria Bründl - Ansicht im Bereich der Wallfahrtskirche. Die Lage bei der Quelle ist für Geschichte und religiöse Praxis des Gnadenortes grundlegend.
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Maria Bründl liegt in der Katastralgemeinde Wilhelmsdorf, heute unmittelbar im Bereich der Stadt Poysdorf, in einer feuchten Aulandschaft am Poybach. Anders als viele weithin sichtbare Wallfahrtskirchen entstand der Gnadenort nicht auf einer Anhöhe, sondern an einem aufquellenden Brunnen. Gerade diese Verbindung von Wasser, Marienverehrung und körperlicher Heilung prägte die Wallfahrt von ihren frühesten sicher fassbaren Jahren an.
Die Quelle wurde nach der Überlieferung schon vor dem eigentlichen Kirchenbau aufgesucht. Sicher nachweisbar ist ihre religiöse Nutzung seit der Mitte des 17. Jahrhunderts. Die ersten im späteren Mirakelbuch festgehaltenen Gebetserhörungen beginnen 1653 und liegen damit vor der Fertigstellung der ersten Kapelle. Dies spricht dafür, dass nicht ein bereits bestehender Kirchenbau den Wallfahrtszuzug auslöste, sondern der Ruf des Bründls und der dortigen Marienverehrung den Bau eines geregelten Andachtsortes nach sich zog.
An der Stelle der späteren Kirche stand 1637 ein Holzkreuz. In den Pestjahren der Mitte des 17. Jahrhunderts fassten der Wilhelmsdorfer Dorfrichter Georg Riedl, die Gemeinde und weitere Einwohner den Entschluss, bei der Quelle eine Kapelle zu Ehren der Gottesmutter zu errichten. Die Grundherrschaft des Stiftes Klosterneuburg stimmte dem Vorhaben zu; 1655 begann der Bau in der feuchten Wiese beim Bründl.
Am 9. Juli 1657 las der Poysdorfer Pfarrer Johann Molitor die erste Messe auf einem tragbaren Altar. Die Messlizenz ist für die Wallfahrtsgeschichte besonders aussagekräftig, weil sie ausdrücklich mit dem Wunsch kranker und anderer Besucher begründet wurde, am Bründl Messe hören und Opfer darbringen zu können. Schon im selben Jahr berichtete Molitor von starkem Zulauf nicht nur aus der näheren Umgebung, sondern auch aus Mähren und der damaligen Slowakei. Damit ist Maria Bründl bereits in dieser frühen Phase als überörtlich besuchter Gnadenort fassbar.
Die kleine Kapelle blieb als sogenannte Ursprungskapelle erhalten und wurde später in den großen Kirchenbau einbezogen. Dadurch ist die erste bauliche Schicht des Wallfahrtsortes bis heute unmittelbar mit dem barocken Neubau verbunden.
Neben der archivalisch fassbaren Geschichte besteht eine eigene Gründungsüberlieferung. Nach einer heute von der Pfarre wiedergegebenen Sage hing beim Quell ein Marienbild. Ein Bauer aus Hadersdorf habe es weinen gesehen, zu sich nach Hause gebracht und am folgenden Tag wieder an seinem ursprünglichen Platz beim Bründl vorgefunden. Eine zweite Fassung erzählt von der Heilung kranker Augen und davon, dass ein zum Dank aufgehängtes Marienbild immer wieder auf wunderbare Weise an den Quell zurückkehrte.
Franz Thiel kannte wiederum eine Variante, in der ein Bauer das bereits verehrte, beschädigte Bild zur Restaurierung nach Wien bringen wollte. Auch in dieser Erzählung kehrte es wiederholt in die Kapelle zurück. Solche Geschichten sind nicht als Belege für die historische Entstehung der Wallfahrt zu lesen; sie erklären vielmehr in der Sprache der Legende, dass das Kultbild seinen Platz selbst gewählt habe und an den Ort der Quelle gebunden sei.
Zu den wertvollsten Quellen der Wallfahrtsgeschichte gehört das 1677 von Thoman beziehungsweise Thomas Grueber aus Wilhelmsdorf angelegte Mirakelbuch. Es verzeichnet 43 Gebetserhörungen aus den Jahren 1653 bis 1677 und nennt dabei Herkunft, Krankheit oder Notlage, Gelübde, Gebrauch des Bründlwassers und häufig auch die anschließende Dankgabe. Das Mirakelbuch ist damit nicht nur eine religiöse Quelle, sondern zugleich ein außergewöhnliches Dokument zu Krankheitserfahrung, Volksmedizin, Mobilität und Votivpraxis im Weinviertel des 17. Jahrhunderts.
Der erste Eintrag betrifft den Poysdorfer Weißgerber Paul Pawman. Er wird als schwer krank beschrieben und soll sich nach erfolglosen weltlichen Heilmitteln zum Frauenbrünnlein verlobt haben; nach Waschen und Baden brachte er als Dank eine gemalte Votivtafel. Derartige Einträge machen deutlich, dass Gebet, Gelübde, Wallfahrt, Wassergebrauch und sichtbare Dankgabe als zusammengehörige Handlung verstanden wurden.
Ein besonders anschaulicher Fall betrifft Michel Wild aus Unterstinkenbrunn, der als blind bezeichnet wird und sich einen Sommer lang beim Bründl aufhielt, wo er das Wasser für seine Augen gebrauchte. Jacob Pischoff aus Kleinschweinbarth soll nach zwölf Jahren auf zwei Krücken zum Gnadenort gekommen sein; das Mirakelbuch berichtet, dass er nach längerem Aufenthalt und täglichem Gebet seine beiden Krücken als Zeugnis zurückließ. Solche zurückgelassenen Hilfsmittel machten die erwartete Wirksamkeit des Ortes für nachfolgende Wallfahrer unmittelbar sichtbar.
Die Pfarre überliefert, dass das Mirakelbuch von 1677 bis 1808 im Stift Klosterneuburg aufbewahrt wurde. Ab 1823 bis 1904 wurden wieder Eintragungen vorgenommen. Damit reicht die schriftliche Mirakeltradition weit über die Entstehungszeit des Gnadenortes hinaus.
Das Bründlwasser war kein bloßes landschaftliches Beiwerk der Kirche. Eine kirchliche Kommission hielt 1675 ausdrücklich fest, dass sich Menschen im Bründl badeten und wuschen und davon Heilung von Krankheiten erwarteten. Das Wasser war damit von Anfang an ein integraler Bestandteil der religiösen Praxis.
Aus volkskundlicher Sicht ist die Verbindung bemerkenswert: Die Pilger suchten nicht ausschließlich ein Bild oder einen Altar auf, sondern vollzogen am Ort eine körperliche Handlung. Waschen, Baden und später das Abfüllen des Wassers verbanden den Gnadenort mit dem eigenen Körper und verlängerten seine Wirkung über den Aufenthalt hinaus. Der Wallfahrtsweg endete daher nicht an der Kirchentür, sondern schloss Quelle, Kapelle, Opferhandlung und Gottesdienst zu einem gemeinsamen religiösen Raum zusammen.
Wie schnell Maria Bründl wuchs, zeigt eine Visitation von 1686. Die kleine Kapelle konnte nur einen Bruchteil der Besucher aufnehmen, während an Marienfesten bereits mehrere hundert Menschen erschienen. Gottesdienst, Beichte, Predigt, Essen, Trinken und Baden fanden gleichzeitig im Umfeld des kleinen Heiligtums statt.
Gerade diese Gleichzeitigkeit führte zu Konflikten. Geistliche Aufsicht und populäre Wallfahrtspraxis folgten nicht immer denselben Vorstellungen von Ordnung. Besonders das gemeinsame Baden von Männern und Frauen und das Umkleiden in unmittelbarer Nähe des Gottesdienstes wurden beanstandet. 1719 verlangte das Passauer Konsistorium getrennte Badebereiche, geordnete Umkleidemöglichkeiten und die Unterbrechung des Badens während des Gottesdienstes. Der Vorgang zeigt anschaulich, wie intensiv der Gnadenort genutzt wurde und wie kirchliche Behörden versuchten, die entstandene Wallfahrtskultur zu regulieren.
Die frühen Mirakelberichte nennen zahlreiche gemalte Tafeln, die nach einer als erhört verstandenen Bitte zum Bründl gebracht wurden. Auch kirchliche Visitationsberichte erwähnen Bilder und Dankzeugnisse an den Wänden der Kapelle. Solche Votive verwandelten persönliche Krankheits- und Heilungsgeschichten in öffentlich sichtbare Erinnerungen.
Neben den gemalten Tafeln sind zurückgelassene Krücken als besonders eindrucksvolle Dankgaben überliefert. Später traten Wachsvotive hinzu. Franz Thiel beobachtete noch im 20. Jahrhundert, dass bei den großen Bründlfesten Votivfiguren aus Wachs geopfert wurden. Zu dieser Zeit war das eigentliche Baden bereits weitgehend verschwunden, während Besucher weiterhin Bründlwasser in Flaschen mitnahmen. So wandelten sich die Formen der Wallfahrt, ohne dass die Vorstellung einer besonderen Kraft des Ortes abrupt abbrach.
Bei einer Renovierung der Jahre 1937 bis 1939 wurden nach Angabe der Pfarre ältere Votivbilder aus der Kirche entfernt und an Gläubige abgegeben. Damit ging ein Teil der materiellen Überlieferung verloren; umso wichtiger sind Mirakelbuch, ältere Beschreibungen und einzelne erhaltene Bildzeugnisse für die Rekonstruktion des früheren Votivwesens.
Die Entstehung der Kapelle fällt in eine Zeit, in der Epidemien das religiöse Leben tief prägten. Der Kapellenbau wurde als Dank für die Abwendung der Pest verstanden. Gleichzeitig konnten Wallfahrten selbst als Gefahr gelten: Während der Pest von 1679 wurden Pilgerzüge behördlich unterbunden, um eine weitere Verschleppung der Krankheit zu verhindern; auch während der Seuche von 1713/14 kam der Verkehr am Bründl weitgehend zum Erliegen.
Im 19. Jahrhundert trat die Schutzfunktion wieder deutlich hervor. Während der Cholera von 1832 kamen zahlreiche Menschen nach Maria Bründl, um Hilfe gegen die Seuche zu erbitten. Damit erscheint der Ort über mehrere Jahrhunderte nicht nur als Heilquelle, sondern als regionales Krisenheiligtum, dessen Bedeutung in Zeiten kollektiver Bedrohung besonders sichtbar wurde.
Das Gnadenbild zeigt Maria mit dem Jesuskind, das sich dem Johannesknaben zuwendet; der Bildtypus steht in der Nachfolge raffaelischer Madonnenkompositionen. Das Gemälde bildet bis heute das bildliche Zentrum der Wallfahrt.
Bei der Datierung besteht eine kleine Quellenabweichung. Franz Thiel berichtet, Georg Riedl und seine Frau Maria hätten bereits 1657 den Altar mit dem Marienbild, Jesuskind und Johannes dem Täufer ausstatten lassen; eine volkskundliche Katalogisierung setzt das erhaltene Gnadenbild ebenfalls in dieses Jahr. Die Dehio-Tradition nennt dagegen 1675 als Stiftung. Sicher ist deshalb vor allem, dass das Bild seit der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts zum Kern des Kultes gehört.
Am 8. September 1751 wurde das Gnadenbild nach Angabe der Pfarre aus der Ursprungskapelle feierlich in die neu errichtete Kirche übertragen. Damit blieb der Kultgegenstand beim Ausbau des Wallfahrtsortes erhalten und verband die kleine Pestzeitkapelle mit dem repräsentativen barocken Neubau.
Der starke Wallfahrtszuzug machte die erste Kapelle bald zu klein. 1740 begann der Neubau der heutigen Kirche, die östlich an die ältere Ursprungskapelle angeschlossen wurde und 1751 vollendet war. Die Beteiligung des bedeutenden Barockarchitekten Donato Felice d'Allio ist durch seine Reisen und Besichtigungen im Umfeld des Baues gut belegt; die örtliche Bauleitung lag bei Andreas Hammer.
Die feuchte Lage stellte besondere Anforderungen. Der Bau wurde nach älterer Überlieferung auf Lärchenstämme gestellt. Die monumentale spätbarocke Kirche mit kreuzförmigem Grundriss, Turmfassade und Außenkanzel zeigt, wie sehr sich aus dem kleinen Bründlplatz ein Gnadenort entwickelt hatte, der große Menschenmengen aufnehmen und auch außerhalb des Kirchenraumes ansprechen musste.
Die Außenkanzel ist dabei mehr als ein architektonisches Detail. Sie verweist auf jene großen Festtage, an denen die Kirche die Zahl der Besucher nicht aufnehmen konnte und Predigt sowie Teile des Wallfahrtsgeschehens in den Freiraum um den Bau verlagert wurden.
Der Hochaltar wurde 1767 von Johann Michael Reif geschaffen. In seinem Zentrum befindet sich das Gnadenbild in einem reich dekorierten Rahmen; seitlich stehen die Heiligen Joachim und Anna. Der Aufbau verbindet das ältere Kultbild mit einer repräsentativen barocken Inszenierung und macht sichtbar, dass die Ausstattung dem bereits etablierten Wallfahrtskult nachgeordnet wurde.
Die Rokokokanzel entstand 1754 durch Philipp Schönauer. Das linke Seitenaltarbild von 1770 wird Matthias Hertzinger zugeschrieben, das rechte Seitenaltarbild stammt aus dem 19. Jahrhundert. Glasmalereien des frühen 20. Jahrhunderts und spätere Renovierungen ergänzten die Ausstattung, ohne den barocken Grundcharakter des Kirchenraumes aufzuheben.
Auch die Glockengeschichte reicht tief zurück. Die älteste heute genannte Glocke trägt die Jahreszahl 1666 und den Namen des Wiener Glockengießers Balthasar Heroldt. Sie gehört damit noch in die Zeit der ersten Kapelle und ist ein weiteres materielles Bindeglied zwischen Ursprungskapelle und späterem Kirchenbau.
Die josephinische Kirchenpolitik schwächte im späten 18. Jahrhundert viele Wallfahrtsformen. Maria Bründl blieb jedoch als Wallfahrtskirche bestehen. Der Zulauf veränderte sich, und im 19. Jahrhundert mussten Kirche und Turm wiederholt instand gesetzt werden; zugleich zeigen die Cholera-Wallfahrten von 1832, dass die religiöse Bindung keineswegs abgerissen war.
Bemerkenswert sind die fortbestehenden Gelöbniswallfahrten ganzer Gemeinden. Franz Thiel nennt unter anderem Eibesthal, Poysbrunn und Orte im Raum des Staatzer Berges, die aus älteren Gelübden wegen Hochwasser oder Hagel nach Maria Bründl zogen. Solche Wallfahrten waren nicht bloß individuelle Frömmigkeit, sondern kollektives Gedächtnis: Eine Gemeinde erfüllte Jahr für Jahr ein Versprechen, das frühere Generationen abgelegt hatten.
Die großen Marienfeste verwandelten das Bründl über Jahrhunderte in einen religiösen und sozialen Treffpunkt. Händler kamen bereits am Vortag, Beichtgelegenheiten wurden ins Freie verlegt und die Außenkanzel vorbereitet. Gottesdienst, Wallfahrt, Markt, Essen und Begegnung bildeten dabei keinen Gegensatz, sondern unterschiedliche Ebenen desselben Festes.
Franz Thiel überliefert für die abendliche Segenandacht vor dem Hauptfest den volkstümlichen Namen "Würstelsegen". Die Bezeichnung entstand nicht aus einer eigenen liturgischen Handlung, sondern aus dem Festbrauch, sich beim Besuch heiße Würstel zu gönnen. Gerade dieses scheinbar nebensächliche Detail macht die historische Wallfahrt plastisch: Frömmigkeit, Reise, Hunger, Markt und Geselligkeit gehörten für die Besucher unmittelbar zusammen.
Auch ältere Kirchenrechnungen lassen erkennen, dass Festbewirtung zum Wallfahrtsbetrieb gehörte. Solche Ausgaben sind keine bloße Kuriosität, sondern erinnern daran, dass große Wallfahrtstage eine organisatorische Leistung waren und eine eigene Infrastruktur aus Gottesdienst, Verpflegung, Handel, Musik und Unterkunft voraussetzten.
Die Wallfahrt ist nicht erloschen. Bis heute werden zwei Bründlfeste gefeiert: eines zu Maria Heimsuchung Anfang Juli und eines zu Maria Geburt Anfang September. Die Feste verbinden Gottesdienst und gemeinsame Bewirtung und führen damit, in veränderter Form, die alte Verbindung von religiösem Fest und sozialer Begegnung fort.
Daneben kommen organisierte Wallfahrergruppen nach Maria Bründl. Fußwallfahrten aus dem Raum Staatz knüpfen unmittelbar an ältere Prozessionswege an; ebenso führen Pfarrverbands- und Radwallfahrten zum Heiligtum. Eine neuere Hubertus-Wallfahrt hat dem Ort zusätzlich eine weitere, zeitgenössische Pilgertradition gegeben.
Gerade diese Vielfalt zeigt, warum Maria Bründl nicht lediglich als historische Heilquelle oder barocke Sehenswürdigkeit eingeordnet werden kann. Quelle, Gnadenbild, Mirakelüberlieferung, Votivpraxis, Gemeindegelübde und heutige Wallfahrten bilden zusammen einen über mehr als dreieinhalb Jahrhunderte wandelbaren, aber kontinuierlich religiös genutzten Gnadenort.
Maria Bründl ist ein besonders anschauliches Beispiel dafür, wie sich ein regionaler Wallfahrtsort aus mehreren Elementen zusammensetzt. Am Anfang stehen Quelle und Marienverehrung, bald darauf folgen Kapelle, Mirakelberichte und Votive; der wachsende Zulauf führt zum repräsentativen Kirchenbau, während Markt, Festessen und Wallfahrtswege eine eigene soziale Landschaft entstehen lassen.
Von besonderer Bedeutung ist die Veränderung der Heilpraxis. Im 17. Jahrhundert wurde im Bründl gebadet und gewaschen; später traten Wachsvotive und die Mitnahme des Wassers stärker hervor. Die äußeren Formen wandelten sich, doch die Vorstellung, am Ort der Gottesmutter Hilfe, Schutz und Heilung suchen zu können, blieb der verbindende Kern.
Ebenso wichtig ist die quellenkritische Trennung zwischen Sage und dokumentierter Geschichte. Die Erzählungen vom weinenden oder selbständig zurückkehrenden Bründlbild gehören zum religiösen Gedächtnis des Ortes; der historische Wallfahrtsbeginn lässt sich dagegen anhand von Messlizenz, Visitationsberichten und Mirakelbuch ungewöhnlich präzise verfolgen. Gerade das Nebeneinander beider Ebenen macht Maria Bründl zu einem der volkskundlich ergiebigsten Wallfahrtsorte des Weinviertels.
- Grueber, Thoman: Mirakelbuch von Maria Bründl, 1677. Textversion vom Original: PGR Christine Fröschl; getippt von Gerda Detz, Poysdorf 2001. Digitalisat / Transkription, Teil 1.
- Thiel, Franz: Maria Bründl bei Poysdorf. Deutsche Heimat, 1928. Digitalisat.
- Thiel, Franz: Die Wallfahrten im niederösterreichischen Weinlande. Österreichische Zeitschrift für Volkskunde, Neue Serie 3 / Gesamtserie 52, Wien 1949, S. 46-54.
- Mattner, Johanna: Das Mirakelbuch der Wallfahrtskirche Maria Bründl. In: Heimat im Weinland, 1973/74, S. 131-136.
- Dehio-Handbuch: Die Kunstdenkmäler Österreichs. Niederösterreich nördlich der Donau. Wilhelmsdorf, Wallfahrtskirche Maria Bründl.
- Österreichisches Museum für Volkskunde: Katalogisierung des Gnadenbildes Maria Bründl, Typus Maria mit Jesuskind und Johannesknaben.
- Pfarre Poysdorf: Maria Bründl - Wallfahrtskirche in Wilhelmsdorf bei Poysdorf.
- Pfarre Poysdorf: Die Sage von Maria Bründl.
- Stadtgemeinde Poysdorf: Bründlfest.
- Architektenlexikon Innsbruck: Donato Felice d'Allio.
- SAGEN.at-Fotogalerie: Maria Bründl in Wilhelmsdorf bei Poysdorf.
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Ergänzungen: Wolfgang Morscher
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