Poysdorf-Föllim - Wallfahrtskirche hl. Herz Mariens

Schnellüberblick
Wallfahrt:Historischer regionaler Marienwallfahrtsort. Die Wallfahrt ist seit 1724 ausdrücklich belegt, als ein zuvor in Wiener Privatbesitz befindliches Mariahilfbild nach Föllim übertragen wurde.
Status:Die Kirche wird von der Erzdiözese Wien weiterhin ausdrücklich als Filial- und Wallfahrtskirche geführt. Ein größerer regelmäßiger Wallfahrtsbetrieb ist heute nicht nachweisbar; Föllim ist zugleich lebendige Filialkirche der Pfarre Ameis.
Kultzentrum:Eine Kopie des Gnadenbildes Mariahilf, seit 1724 in Föllim und seit 1737 am barocken Hochaltar angebracht.
Ort:Föllim, Stadtgemeinde Poysdorf.
Region:Weinviertel, Niederösterreich.
Bundesland:Niederösterreich.
Lage und Besuch
Fellheimstraße 22a, 2141 Föllim, Stadtgemeinde Poysdorf.
Lage in der SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Weinviertel
Ansicht in Street View
Web: Pfarre Ameis
Öffnungszeiten: Die Kirche wird regelmäßig für Gottesdienste genutzt. Für eine Besichtigung außerhalb der Gottesdienstzeiten empfiehlt sich eine vorherige Rückfrage bei der Pfarre Ameis.
Direkt zum Inhalt
Bilddokumentation
Ausführliche Beschreibung

Bilddokumentation

Wir haben leider noch keine Fotos dieses Wallfahrtsortes.

Foto von Wallfahrtskirche einsenden

Mit diesen und weiteren Fotomotiven können Sie hier zur Dokumentation beitragen.

Ausführliche Beschreibung

Lage und Bedeutung

Die Filial- und Wallfahrtskirche hl. Herz Mariens steht am nördlichen Rand von Föllim, einer Katastralgemeinde der Stadtgemeinde Poysdorf im niederösterreichischen Weinviertel. Föllim gehört kirchlich zur Pfarre Ameis im Pfarrverband Minoriten Weinviertel. Die Kirche ist ein historisch eindeutig belegter, wenn auch stets eher kleinräumig ausstrahlender Wallfahrtsort. Ihr Wallfahrtscharakter geht auf die Übertragung eines Mariahilfbildes im Jahr 1724 zurück. Die Erzdiözese Wien bezeichnet das Gotteshaus bis heute ausdrücklich als Filial- und Wallfahrtskirche und nennt 1724 als Beginn der Wallfahrt.

Damit unterscheidet sich Föllim von modernen Pilgerstationen, bei denen sich die Bezeichnung Wallfahrtskirche erst aus einer jüngeren touristischen oder pastoralen Nutzung ergeben hat. Hier sind sowohl das Kultbild als auch der Zeitpunkt, zu dem sich die Kirche zum Gnadenort entwickelte, konkret überliefert.

Ältere Kirche und barocker Neubau

Föllim gehörte ursprünglich zum Pfarrbezirk Falkenstein und kam im 12. Jahrhundert gemeinsam mit Ameis in das Vikariat der Pfarre Asparn an der Zaya. Bereits im Mittelalter bestand im Ort eine Kapelle. Vom älteren Kirchenbau ist vor allem der Chor erhalten, dessen Substanz in das 16. Jahrhundert zurückreicht.

Das heutige schlichte barocke Langhaus mit Westturm wurde 1709 errichtet. Die zeitliche Abfolge ist für die Geschichte des Wallfahrtsortes bemerkenswert: Der barocke Neubau entstand zunächst als Ortskirche; erst rund fünfzehn Jahre später erhielt das Gotteshaus durch das nach Föllim gebrachte Mariahilfbild seine zusätzliche Bedeutung als Gnaden- und Wallfahrtsstätte. Die Wallfahrt war somit nicht Anlass des Neubaus, sondern entwickelte sich erst nach dessen Fertigstellung.

Kirchliche Zugehörigkeit

Föllim ist Filiale der Pfarre Ameis. Die Pfarre ist dem Minoritenorden inkorporiert und gehört heute zum Pfarrverband Minoriten Weinviertel. Die Kirche wird weiterhin regelmäßig für Gottesdienste genutzt und ist damit nicht nur historischer Wallfahrtsort, sondern zugleich lebendiger Gottesdienstort der örtlichen Gemeinde.

Gnadenbild und Ursprung der Wallfahrt

Das Mariahilfbild

Im Mittelpunkt der Föllimer Wallfahrt steht eine Kopie des Gnadenbildes Mariahilf. Die Überlieferung zur Herkunft des Bildes ist ungewöhnlich konkret. Nach Gustav Gugitz befand sich das Bild ursprünglich im Besitz des Wiener Gastwirtes Martin Wurmberger. Auf Bitten seines Freundes Nikolaus Hobersdorfer, eines Bauern aus Föllim, wurde es 1724 von Wien nach Föllim gebracht.

Zunächst hing das Bild an einer Seitenwand der Kirche. 1737 wurde es auf dem Hochaltar angebracht und damit endgültig zum sichtbaren Mittelpunkt des Kultes. Die heutige Darstellung der Erzdiözese Wien bestätigt sowohl die Anwesenheit des Mariahilfbildes seit 1724 als auch seine Aufstellung am Hochaltar im Jahr 1737.

Vom privaten Andachtsbild zum Gnadenbild

Volkskundlich ist dieser Vorgang besonders aufschlussreich. Das Bild gelangte aus einem privaten Wiener Besitz in eine kleine Weinviertler Dorfkirche und wechselte damit seinen religiösen und sozialen Zusammenhang. Aus einem persönlichen Andachtsbild wurde durch öffentliche Aufstellung und Verehrung ein örtliches Gnadenbild. Gerade im 17. und 18. Jahrhundert konnten Kopien weithin verehrter Marienbilder auf diese Weise selbst zu Mittelpunkten regionaler Wallfahrten werden.

Für die Bedeutung eines solchen Bildes war nicht seine künstlerische Originalität entscheidend, sondern die ihm zugeschriebene besondere Wirksamkeit, die Erinnerung an Gebetserhörungen und die sich daraus entwickelnde gemeinschaftliche Verehrung. Föllim bietet für diesen Vorgang ein besonders anschauliches Beispiel.

Patrozinium und Kultbild

Die Kirche trägt heute das Patrozinium hl. Herz Mariens, während das eigentliche historische Kultbild ikonographisch ein Mariahilfbild ist. Beide Bezeichnungen sind daher auseinanderzuhalten. Franz Thiel nennt Föllim in seiner Untersuchung über die Wallfahrten des niederösterreichischen Weinlandes in der Form "Maria Herz" und ordnet den Ort in die Reihe der im frühen 18. Jahrhundert entstandenen kleineren Gnadenstätten ein. Der nachweisbare Wallfahrtskult selbst konzentriert sich jedoch auf das 1724 nach Föllim gebrachte Mariahilfbild.

Wallfahrt und Volkskunde

Föllim im Wallfahrtswesen des Weinviertels

Einen wichtigen unabhängigen Nachweis für den Wallfahrtscharakter Föllims liefert der niederösterreichische Heimat- und Volkskundler Franz Thiel in seiner 1949 erschienenen Untersuchung "Die Wallfahrten im niederösterreichischen Weinlande". Thiel beschreibt für die Zeit um 1730 einen Höhepunkt des Wallfahrtswesens im Weinviertel und nennt neben den großen Gnadenstätten zahlreiche kleinere Wallfahrtsorte von vorwiegend lokaler oder regionaler Bedeutung. In dieser Reihe führt er auch Föllim an und setzt den Beginn des Kultes in die Zeit nach 1723.

Damit lässt sich Föllim gut in die religiöse Landschaft des barocken Weinviertels einordnen. Die Region war von einem dichten Netz großer und kleiner Gnadenorte durchzogen. Nicht jeder dieser Orte entwickelte eine weitreichende Wallfahrt; viele wurden vor allem von Bewohnern benachbarter Dörfer, einzelnen Familien oder kleineren Prozessionsgruppen aufgesucht. Gerade diese regionalen Gnadenstätten zeigen, wie stark Wallfahrt, Gelübde, Prozessionen und Marienverehrung in die religiöse Alltagskultur der ländlichen Bevölkerung eingebunden waren.

Josephinische Einschränkungen

Die josephinischen Maßnahmen der 1780er-Jahre bedeuteten für das traditionelle Wallfahrtswesen einen tiefen Einschnitt. Prozessionen wurden eingeschränkt, zahlreiche kleinere Gnadenorte verloren ihre bisherige Funktion oder konnten ihre ältere Wallfahrt nur in veränderter Form fortsetzen. Auch Föllim gehört in diesen Zusammenhang. Aus den bislang greifbaren Quellen lässt sich jedoch nicht im Einzelnen rekonstruieren, wie weit die örtliche Wallfahrt unterbrochen wurde und in welcher Form sie später weiterbestand.

Votivfrömmigkeit vor 1724

Von besonderem Interesse sind mit 1636 bezeichnete Votivbilder der Vierzehn Nothelfer. Sie sind erheblich älter als die Übertragung des Mariahilfbildes und bezeugen somit eine religiöse Dank- oder Bittfrömmigkeit am Ort bereits vor der nachweisbaren Marienwallfahrt. Aus diesen Votivbildern allein darf keine ältere Wallfahrt nach Föllim abgeleitet werden. Sie zeigen jedoch, dass der spätere Gnadenort an einer Kirche entstand, in der bereits zuvor Formen lokaler Heiligen- und Votivfrömmigkeit gepflegt wurden.

Bau und Ausstattung

Äußeres und Kirchenraum

Das Erscheinungsbild der Kirche wird vom schlichten barocken Langhaus des Jahres 1709 geprägt. Der westlichen Giebelfront ist ein dreigeschossiger Turm mit rundbogigen Schallfenstern und Zwiebelhelm vorgestellt. An das Langhaus schließt ein eingezogener, gerade geschlossener Chor an, dessen ältere Bausubstanz in das 16. Jahrhundert zurückreicht; an der Südseite befindet sich die Sakristei.

Das zweijochige Langhaus ist mit einer Stichkappentonne über Doppelpilastern eingewölbt. Im Westen befindet sich eine hölzerne Orgelempore aus der Zeit um 1800. Besonders deutlich tritt die ältere Bauphase im erhöhten Chor hervor: Im östlichen Joch ist ein fünfteiliges Rippengewölbe vom Ende des 16. Jahrhunderts erhalten. Damit verbindet die kleine Kirche spätmittelalterlich-frühneuzeitliche Bauteile mit der barocken Umgestaltung des frühen 18. Jahrhunderts.

Hochaltar und Gnadenbild

Die Ausstattung ist überwiegend hochbarock. Der Hochaltar stammt aus dem ersten Viertel des 18. Jahrhunderts. In seinem Zentrum befindet sich das Mariahilfbild in einem schwarz-goldenen Rahmen; darüber erhebt sich ein hoher Aufsatz mit einer Dreifaltigkeitsgruppe. Auf den seitlichen Opferungsportalen stehen vergoldete Figuren der Heiligen Ulrich und Prokop.

Die prominente Stellung des hl. Ulrich kann erklären, weshalb Föllim gelegentlich mit einer Ulrichsverehrung in Verbindung gebracht wird. Für eine eigenständige historische Wallfahrt zum hl. Ulrich liegt jedoch kein vergleichbar belastbarer Nachweis vor. Der dokumentierte Wallfahrtskult ist mit dem Mariahilfbild verbunden.

Weitere Ausstattung

Am Seitenaltar befindet sich ein barockes Gemälde des hl. Josef aus dem zweiten Viertel des 18. Jahrhunderts, das 1978 restauriert wurde. Die Kanzel aus dem ersten Viertel des 18. Jahrhunderts trägt Evangelistenfiguren. Am Triumphbogen stehen barocke Konsolfiguren der Heiligen Johannes Nepomuk und Antonius; im Chor befindet sich eine Maria-Immaculata-Statue aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts.

Zu den bemerkenswerten Ausstattungsstücken gehören außerdem die mit 1636 bezeichneten Votivbilder der Vierzehn Nothelfer, ein "Auge Gottes" mit der Jahreszahl 1784 und eine mit 1809 bezeichnete schmiedeeiserne Gittertür. Die Orgel in einem zierlichen braun-goldenen Gehäuse wurde 1783 von Josef Silberbauer geschaffen.

Heutiger Status

Wallfahrtskirche und Filialkirche

Die Erzdiözese Wien führt Föllim weiterhin ausdrücklich als Filial- und Wallfahrtskirche. Das historische Gnadenbild befindet sich nach wie vor am Hochaltar. Gleichzeitig ist die Kirche regelmäßig in das Gottesdienstleben der Pfarre Ameis eingebunden. Damit ist der Wallfahrtstitel nicht bloß eine historische Erinnerung, sondern eine bis heute kirchlich verwendete Bezeichnung.

Ein größerer gegenwärtiger Wallfahrtsbetrieb mit regelmäßig eintreffenden Pilgergruppen oder einem ausgeprägten Wallfahrtsprogramm lässt sich aus den derzeit zugänglichen Quellen allerdings nicht belegen. Für die Beschreibung des heutigen Zustandes ist Föllim daher am treffendsten als historischer regionaler Wallfahrtsort mit erhaltenem Gnadenbild und lebendiger kirchlicher Nutzung anzusprechen.

Bittgänge zwischen Ameis und Föllim

Bis heute bestehen Bittgänge zwischen Ameis und Föllim. Sie dürfen nicht ohne weiteres mit der historischen Wallfahrt zum Föllimer Gnadenbild gleichgesetzt werden, zeigen jedoch die fortdauernde Einbindung der Kirche in die religiöse Weg- und Prozessionskultur der näheren Umgebung. Gerade in einem kleinen Filialort bilden solche Bittgänge eine wichtige Verbindung zwischen liturgischem Jahreslauf, Landschaft und örtlicher Gemeinschaft.

Volkskundliche Einordnung

Ein kleiner barocker Gnadenort

Föllim gehört zu jener großen Gruppe kleiner barocker Gnadenstätten, deren Bedeutung weniger in spektakulären Mirakelberichten oder weitreichenden Pilgerströmen als in ihrer Verankerung innerhalb einer überschaubaren regionalen Gemeinschaft lag. Der Ort zeigt exemplarisch, wie sich im 18. Jahrhundert neben den großen Wallfahrtszentren ein engmaschiges Netz kleinerer Gnadenstätten entwickelte.

Besonders aufschlussreich ist die konkrete Übertragungsgeschichte des Mariahilfbildes. Sie macht sichtbar, dass ein Wallfahrtsort nicht notwendig durch eine alte Gründungslegende oder ein außergewöhnliches Naturereignis entstehen musste. Auch ein zunächst privat verehrtes Bild konnte durch Schenkung, öffentliche Aufstellung und wachsende gemeinschaftliche Verehrung zum Kultzentrum einer Dorfkirche werden.

Mehrere religiöse Schichten

Die Votivbilder der Vierzehn Nothelfer von 1636 verweisen zugleich auf eine religiöse Schicht, die der Mariahilfwallfahrt vorausgeht. Die spätere Wallfahrt entstand also nicht in einem religiös unbeschriebenen Raum, sondern an einem Ort mit bereits vorhandener lokaler Heiligen- und Bittfrömmigkeit. Die Mariahilfverehrung überlagerte diese ältere Tradition nicht vollständig, sondern fügte ihr im frühen 18. Jahrhundert ein neues und schließlich namensgebendes Kultzentrum hinzu.

Gerade diese Überlagerung unterschiedlicher Frömmigkeitsformen macht Föllim volkskundlich bemerkenswert: mittelalterliche beziehungsweise frühneuzeitliche Ortskirche, barocker Neubau, ältere Nothelfer-Votive, Mariahilfbild, regionaler Wallfahrtskult und heutige Filialkirche bilden mehrere historische Schichten, die am selben Ort bis heute ablesbar geblieben sind.

Literatur und Quellen

- Gugitz, Gustav: Österreichs Gnadenstätten in Kult und Brauch. Ein topographisches Handbuch zur religiösen Volkskunde in fünf Bänden. Band 2: Niederösterreich und Burgenland. Wien: Brüder Hollinek, 1955, S. 27.

- Thiel, Franz: Die Wallfahrten im niederösterreichischen Weinlande. In: Österreichische Zeitschrift für Volkskunde, Neue Serie Band 3, Wien 1949, S. 46-54.

- Dehio-Handbuch: Die Kunstdenkmäler Österreichs. Niederösterreich nördlich der Donau. Wien 1990. Eintrag Föllim, Filial- und Wallfahrtskirche hl. Herz Mariens.

- Erzdiözese Wien / Pfarrverband Minoriten Weinviertel: Geschichte Filialkirche Föllim. Angaben zur Filial- und Wallfahrtskirche, Baugeschichte, Gnadenbild und Ausstattung.

- Erzdiözese Wien: Pfarre Ameis. Angaben zur kirchlichen Zugehörigkeit, Anschrift und heutigen Gottesdienstnutzung der Filialkirche Föllim.

- Stadtgemeinde Poysdorf: Föllim. Ortsgeschichte und Angaben zur Kirche; heutiger Bau von 1709, Wallfahrtskirche seit 1724.

Ergänzungen: Wolfgang Morscher

© www.SAGEN.at